Cover Hannes - BDSM mit Behinderung

Hannes - BDSM mit Behinderung

BDSM mit Zerebralparese

16.11.20
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Cover Hannes - BDSM mit Behinderung

Episodenblog

BDSM mit Zerebralparese

Ich habe Hannes besucht. - Und wir haben geredet.

Er ist 19, dominant und leidet an Zerebralparese. Wir wollten eigentlich ganz intensiv über BDSM mit Behinderung sprechen und es stellt sich heraus. - Nö! - Das ist auch Thema, aber Hannes ist BDSMer wie jeder andere auch. Wir sprechen über Dating, Outing, Spielen und nicht zuletzt dann doch noch über einen Partybesuch mit Rollstuhl.

Dinge der Woche:

  1. Aufzählungs-TextDas Buch
  2. Die CD
  3. Das Rad

Links zur Folge

Bilder zur Folge

Kapitelmarken

00:00:00
Intro
00:00:19
Vorwort
00:01:23
2 Jahre Unvernunft - DANKESCHLN!
00:03:12
Begrüßung
00:04:09
BDSM-Anfänge
00:16:56
Cerebralparese
00:19:19
Ist Sex anders
00:21:39
Der makelose Dom
00:37:47
Mindplay
00:47:18
Partys
00:52:01
Warum nicht sub
00:55:07
Wünsche aufdecken
00:59:44
Missionieren
01:02:07
Orgasmuskontrolle
01:10:27
Wissen erweitern
01:14:43
Was für die Szene tun
01:19:32
Outing
01:24:41
Das Ding der Woche
01:25:04
Nr. 1 - Eine CD
01:26:50
Uniformen
01:32:32
Nr. 2 - Das Buch von 1967
01:36:14
Strafe und Konsequenzen
01:44:30
Nr. 3 - Das Watenbergrad
01:49:09
Im Rollstuhl auf die Party
01:53:19
Sebastian wird Musik erklärt
02:00:10
Verabschiedung
Das Transcript wurde automatisch erzeugt und kann Fehler enthalten.
Einleitung Die Kunst der Unvernunft, der Podcast über BDSM mit Menschen, die das selbst ausleben. Herzlich willkommen, mein Name ist Sebastian Stix und Anfang September habe ich Hannes besucht. Da ging das ja noch ohne Probleme und ja, wir haben geredet. Hannes ist 19, dominant und leidet an Cerebralparise. Eigentlich war jetzt gedacht, okay, das bestimmt jetzt so ein bisschen unsere Folge und das Thema. und da gucken wir eben, wie funktioniert BDSM, wenn man eine Behinderung hat und was ist da anders und so. Aber eigentlich habe ich Hannes als BDSM-er wie jeden anderen auch kennengelernt und so wurde daraus ein Nebenthema. Wie erlebt Hannes BDSM? Wie findet er Partner? Was sind die Dinge der Woche und wozu ist eigentlich diese Playlist in den Shownotes gut? Und nicht zuletzt sprechen wir dann doch noch drüber, wie es ist mit dem Rollstuhl auf einer Party aufzutauchen. Und weil Hannes auf wirklich alles mehrere gute Antworten hatte, habe ich dann noch mal ganz besonders viel nachgebohrt. Ja, gleich geht's los, aber ihr habt es schon, ein bisschen Hausmeisterei. Heute aber eigentlich nur mit einem Dankeschön von mir an euch, denn am 20. November 2018, vor fast genau zwei Jahren, erschien die erste Folge der Kunst der Unvernunft. Groß feiern werde ich das nicht, aber ich muss einfach fix Dankeschön sagen. Erstmal ein bisschen Statistik, 40 Folgen sind bisher erschienen, 42 Live-Folgen außerdem. Und an alle Menschen, die mitgemacht haben, ihr zeigt in jeder Folge neu, dass BDSM so viel mehr ist, als ich mir vorstellen konnte und kann, dass es so bunt ist und überhaupt, dass es alles ganz toll ist. Und jetzt nochmal ein anderes Dankeschön, nämlich einfach mal an die Hörerinnen und Hörer, ihr hört den Podcast und habt vielleicht anderen davon schon erzählt, mir auch mal Feedback geschrieben oder den Podcast sogar finanziell unterstützt. Aber selbst dann, wenn du jetzt einfach nur still zuhörst und dir deinen Teil dabei denkst, muss ich mal sagen, das ist die Motivation. Ich habe hier Statistiken und da sehe ich so ein bisschen zumindest jeden kleinen Peak. Und das ist der Grund, warum ich das mache, weil es von dir gehört wird. Du hast dich entschieden, genau jetzt und in diesem Moment zuzuhören und was über Hannes zu erfahren. Da kommen wir auch gleich zu. Ich muss aber sagen, mich motiviert das, da noch weiterzugehen, mir lustige Dinge auszudenken, auch mal in ganz ernste Themen reinzugrätschen, und ja, nicht zuletzt auch mit dem Gott der Technikprobleme zu kämpfen. Ich lerne hier, glaube ich, ganz viel dazu, du vielleicht auch und dafür einfach mal Dankeschön, das macht mir unfassbaren Spaß. Das ist echt toll und natürlich mache ich einfach so lange weiter, bis ich keine Lust mehr habe, aber wenn das so weitergeht, will dieser Tag wohl nie kommen. Ja, und bevor ich jetzt emotional werde, zwei Jahre und so, Hohoho, heute geht es hier um Hannes und deshalb legen wir jetzt einfach los mit Folge 40 der Kunst der Unvernunft. Viel Spaß.
Sebastian Ich bin durch die Gegend gefahren und bin jetzt hier irgendwo im Nirgendwo, habe es aber gut gefunden. Ich begrüße Hannes, hallo.
Hannes Hi.
Sebastian Ich verrate mal, du bist 19, du bist dominant.
Hannes Richtig.
Sebastian Hast irgendwie auch mal in Berlin gewohnt eine Zeit?
Hannes 17 Jahre, ja.
Sebastian 17 Jahre, also vor zwei Jahren irgendwie, okay, will ich gar nicht wissen, wie man dann hier in die Ecke kommt.
Hannes Wahrscheinlich Verirrung.
Sebastian Vielleicht, gut, das ist ja heute gar nicht das Thema, wir gucken mal. Und wir sprechen heute einfach über dein Erleben von BDSM, wie das ist, was du so gemacht hast, wie du angefangen hast, aber mit einem Hauptthema, was wir so ein bisschen erstmal besprechen und dann gucken wir, wie sich das auswirkt, denn du hast eine Behinderung, du hast Cerebralparese, wenn ich das richtig ausgesprochen habe.
Hannes Richtig.
Sebastian Und genau, das macht ja manches ein bisschen schwieriger, vielleicht sogar manche Sachen leichter und wie das alles so ist, das besprechen wir dann alles gleich und jetzt stellen wir dich erstmal ordentlich vor und nicht hier so steckbriefartig, wie ich das immer mache. Okay, 19 Jahre, das heißt, du machst jetzt seit genau einem Jahr BDSM.
Hannes Nee, das hat tatsächlich schon vorher angefangen und die Tendenz ist tatsächlich da, solange ich denken kann, muss ich ganz ehrlich sagen.
Sebastian Namen dafür hast du wann gefunden?
Hannes Namen gefunden ging relativ schnell. Ich bin da nämlich ein bisschen anders reingewachsen tatsächlich als der Großteil der SMler. Weil ich da so ein bisschen durch Kultureinflüsse reingekommen bin. Bei mir war viel durch Musik und durch Ästhetik begründet. Und das erste Mal, dass ich damit in Kontakt gekommen bin, war tatsächlich eine ganz schreckliche Sat.1-Doku 2011. Da wurde nämlich eine Doku übers Meraluna gedreht. Da sind ja dann tausende von Gruftis rumgerannt. Und Gruftis und Fetischisten überschneiden sich ja zumindest von der Ästhetik her so ein bisschen.
Sebastian Ganz kurz, ich erkläre es mal für die, die es nicht kennen, dass Meraluna ist ein Gothic-Musikfestival bei Hildesheim. Eigentlich jedes Jahr, nur dieses Jahr natürlich nicht. Du warst da.
Hannes Richtig, nicht 2011, aber später dann. Aber vorher hat es mich natürlich dann schon interessiert. Ich habe tatsächlich nie in dem Sinne normale Musik gehört. Also Pop war nie was, was für mich funktioniert hat. Gut, das erste Album, was ich mir geholt habe, war von Genghis Khan und das zweite von Modern Talking, aber danach ging es dann tatsächlich bergauf.
Sebastian Wir wussten es ja nicht besser.
Hannes Ja, das waren dann so Singstar-Einflüsse und dann kam man davon nicht mehr weg. Jedenfalls war so Metal-Neue-Deutsche-Härte immer das Ding, was mich so ein bisschen angezeigt hat. Und da laufen ja dann auch mal aufgehübschte Frauen an der Leine rum und die Texte sind ein bisschen härter. Ich bin dann auch zu dem Zeitpunkt eingestiegen, wo Rammstein ihr damals letztes Album rausgebracht hat, also so um 2010, 2011. Und als kleiner Pimpf machst du dir dann natürlich erstmal einen Kopf. Dann beginnt erstmal das Kopfkino, weil er in dem Moment auch zumindest die Pubertät mal kurz anklopft. Und dann fängst du an zu recherchieren. Und so bin ich dann immer weiter reingerutscht.
Sebastian Okay, also was hast du in der Doku gesehen, was dich da wirklich angepiekst hat?
Hannes Tatsächlich angepiekst hat mich da noch nichts. Es hat sich eher so die Welt eröffnet, weil da zum Beispiel ein Model für die Gothic Fashion Show interviewt wurde und die hat sich dann in ein Latex-Korsett reingeschmissen. Dann habe ich gesehen, ach guck mal, sowas gibt es ja überhaupt. Hat sich bis heute nicht geändert, dass mich das nicht interessiert. Aber ich habe zumindest gesehen, man kann es machen. Da sind dann auch die ersten Padplayer schon rumgelaufen. Also ich bin wirklich ins kalte Wasser geschmissen worden so ein bisschen.
Sebastian Okay, aber ab wann wusstest du, das sind die vier Buchstaben, das will ich machen und hast ja auch losgelegt, sage ich mal.
Hannes Zur Initialzündung war tatsächlich, als ich dann 2017 das erste Mal selber auf dem Meraluna war. Weil du dann wirklich von zigtausenden Menschen in Schwarz, in Lack und Leder, mit Leine, mit Kleidern, mit Bondage-Elementen umgeben bist und dann ja siehst, ach gut, ist ja eigentlich auch was Normales. Und dann ging es natürlich los, dass man sich dann auch ausprobiert hat und dafür hat Berlin dann ja auch in gewisser Weise eine Plattform geboten, die offen genug dafür ist.
Sebastian Und du hast aber deine Leute nur rumlaufen gesehen oder hast du mit denen auch gesprochen?
Hannes Ich habe mit denen dann auch gesprochen, aber natürlich so ein Ding von wegen, ach guck mal, sieht ja schön aus, aber das ging noch nicht in die Tiefe, weil ich es damals ja noch nicht beziffern konnte. Ich habe nur gesehen, was so das ganze Spektrum dahinter ist. Dann kam doch mal ein bisschen Recherche, indem ich dann irgendwo Brands nachgeschlagen habe, die dort ausgestellt haben, mich mit mehr Bands auseinandergesetzt habe. Es gibt ja ganze Musiksparten, die sich mit SM auseinandersetzen tatsächlich. Und wenn man dann auf die Texte kommt, dann spätestens, wenn man dafür eine Ader gefunden hat, versucht man dann auch loszulegen. Und dann erst mal versucht, wen zu finden. Was natürlich dann mit damals 16, 15, 16 auch wirklich... Ein Aufwand war, weil da auch viele, ich war in der Hinsicht ja offensichtlich ziemlich frühreif, weil dann natürlich auch viele erstmal überhaupt anfangen, auf wirklich Dates zu gehen, die auf mehr als Händchenhalten basieren. Und über das Stadion war ich ja dann schon hinaus. Dann fängst du aber auch an zu überlegen, gut, wie erklärst du jetzt einem Menschen, dass normaler Vanillasex dich überhaupt nicht kriegt? Also das war mir tatsächlich nie was, das hat mich überhaupt nicht interessiert.
Sebastian Aber du hattest vorher Vanillasex und dazu passende Beziehungen.
Hannes Richtig, ich habe es zumindest probiert, aber es hat sich nicht gelohnt.
Sebastian Okay, aber das ist ja spannend, man probiert das und dann ist man dann fertig und sagt, das machen sie alle so einen Hype. Richtig. Da muss ja noch mehr sein.
Hannes Ja, es war halt, also das Einzige, was mich da tatsächlich interessiert hat, war so diese Nähe tatsächlich zu dem Partner, den man dann hat. Aber dann ist mir auch relativ schnell klar geworden, Mensch, Sex im eigentlichen Sinne brauchst du dafür ja gar nicht, sondern du musst dich eher mit deinem Partner auseinandersetzen und das musst du dann auf anderen Wegen machen. und da ist dann wieder SM ins Spiel gekommen.
Sebastian Also Leute suchen, wie hast du gesucht?
Hannes Gesucht ist in dem Fall, glaube ich, zu viel gesagt. Also es war tatsächlich ein bisschen blind, einfach weil ich dann versucht habe, auch auf Instagram zu gucken, dadurch, dass ich in Subkulturen unterwegs war, dann zu schauen, wer könnte dahingehend zu mir passen und schreibst du Leute an und wenn sie dir sympathisch sind, gehst du halt mit denen los und dann sammelst du halt die ersten Erfahrungen. Ich habe zu dem Zeitpunkt auch schon versucht, die ersten Leute so ein bisschen zu missionieren und umzudrehen. Das hat aber des Alters bedingt tatsächlich noch nicht ganz so gut geklappt. Die gucken dich dann nur völlig verwirrt an und gucken wieder Teletubbies. Aber das ist nochmal eine andere Sache.
Sebastian Okay, aber irgendwann hat es ja geklappt.
Hannes Richtig.
Sebastian Also ich suche ja immer diesen Moment, der so diese Zündung, wo man dann tatsächlich mal etwas in dem Kontext macht und dann auch feststellt, okay, ist super oder eher nicht. Gut, wenn man hier bei mir sitzt oder ich bei dir, dann ist es so offentlich nicht super gewesen. Aber gibt es da was, wo du sagst, okay, jetzt ist der Moment gekommen und boah.
Hannes Ja, das war tatsächlich so ein bisschen wie aus dem Bilderbuch, weil das eine ziemlich lockere Geschichte war. Ich hatte das Haus für mich alleine, das heißt, ich wusste, es kann gebrüllt werden, was in dem Moment natürlich relativ hilfreich ist. Und dann wurde relativ schnell der Gürtel ausgepackt, aber ohne sich vorher halbwegs zu beschäftigen. Wie schlägt man denn? Dann bin ich damit auch ziemlich gut brechen gegangen, weil dann natürlich erst zweimal daneben geschlagen, das konnte ich dann noch covern, so nach dem Motto und? Hast du jetzt Angst? Gut. Gut, hat aber dann auch nur kurz funktioniert und dann ist mir aufgefallen, Mensch, irgendwann solltest du vielleicht mal auf den Trichter kommen, dass du das Ende, wo die Gürtelschnalle dran ist, auch bei dir in der Hand nimmst und die nicht zum Schlagen nimmst. Ansonsten erschrecken sich Leute. Weil ich dann natürlich richtig schön mit dem Metallstück nochmal auf den Hintern gekloppt habe. Und dann waren natürlich Polen offen. Aber ich hatte Spaß dran. Und das war so der Punkt, wo ich mir dann dachte, gut, jetzt beliest du dich, jetzt kümmerst du dich und dann machst du es mal richtig. Weil die Peinlichkeit hat sie zwar nicht mitgekriegt, ich tue mir das aber nicht mehr an.
Sebastian Jetzt ist meine wichtigste Frage, wenn Menschen jung sind und da rumprobieren, wie hast du es geschafft, um die SMJG herumzukommen?
Hannes Blindheit, aber auch nicht so lange. Ich war tatsächlich in Berlin noch nicht auf einem Stammtisch und hier in der Gegend hat es sich jetzt aufgrund von Corona noch nicht angeboten, weil ich keinen Bock auf digitale Stammtische hatte. Das ist mir alles, ich brauche die Menschen dazu irgendwie, chatten kann ich auch so, da muss ich auf keinen Stammtisch gehen für. Aber es hat tatsächlich dann auch wahrscheinlich so ein bisschen was mit jugendlicher Arroganz zu tun gehabt, zu sagen, ach nee, da finde ich mich so zurecht. Also wenn gestandene Doms nach 30 Jahren Erfahrung immer noch sagen, sie lernen dazu, dann quatschen die natürlich nur. Wenn ich mich ein paar Monate ausprobiert habe, dann funktioniert es. Dann hast du einen Gott vor dir stehen und an dem ist auch nicht mehr zu rütteln.
Sebastian Ich gebe zu, dass ich am Anfang auch dachte, ich bin da sehr clever und das hat dann so einen Monat gedauert und dann war mein Weltbild komplett umgekrempelt. Das ist aber dann auch, ich glaube, da ist immer dieses, das bewegt einen ja und da hat man monatelang, macht man sich Gedanken, man konsumiert irgendwelche Geschichten und Bilder und Inhalte und dann baut man sich so eine Welt und dann kommt irgendwann der Tag, da machst du es selbst. Und da ist dieser Wechsel von ich denke drüber nach zu und jetzt wird gemacht. Ich glaube, das ist bei jedem schwer, es sei denn, er fängt halt an, ohne zu denken. Das gibt es ja auch.
Hannes Ja gut, ich glaube, das ist dann bei jedem von uns irgendwo so gewesen, dass er erst mal blind drauf losgegangen ist und dann konnte man hoffen, dass nichts passiert.
Sebastian Ja, aber wenn man oben spielt, ich glaube, der Begriff Demut, den hasse ich ja so ein bisschen, weil den erwarte ich ja von der anderen Seite. Aber er steht einem ganz gut zu Gesicht, wenn ich auch ein neues Spielzeug heute in die Hand bekomme, dann ist es immer gar nicht so schlecht, sich das Ding erstmal genau anzugucken und zu probieren und nicht zu sagen, ah, ich weiß, wie das geht. Im Zweifel weiß ich, wie man das Spielzeug kaputt macht oder das bespielte Wesen mit dem Spielzeug. Also, richtig.
Hannes Breathplay kann ich von alleine, Müllsack über den Kopf schaffe ich, der Rest ist nicht richtig.
Sebastian Genau. Aber wenn du da Menschen gesucht hast und gefunden hast, dann musstest du dich ja irgendwie auch gegenüber erklären, also so ein bisschen Outing im Bett. Wie gut hat das denn geklappt? Was sagt man da?
Hannes Das war immer so ein bisschen Back and For Off tatsächlich. Es war immer so ein Ding, was aus ständigem Test bestanden hat, weil du ja auch dann zwangsläufig, und da kam so der erste Punkt, wo ich dann gemerkt habe, ach, du bist ja doch nicht ganz so allwissend erst mal auch die Grenzen von der anderen Seite testen musst, weil du ja nicht einfach blind drauf los haust. Und dann fängst du an und versuchst, Leuten zu erklären, Mensch, du, wenn ich dir beim Vögeln jetzt kurz ein bisschen an den Haaren ziehe, dann ist das doch eigentlich nichts. Dann, mein Gott, das kann dann auch jeder und dann tun wir mal kurz so, als wärst du im Pferd, aber das, das hilft dir ja nicht, so und dann versuchst du das halt so ein Stück weit hoch zu fahren und Leute dran zu gewöhnen, dann gibst du dem mal einen Klaps auf den Arsch, und dann erklärst du den Leuten irgendwann guck mal, nimmst du halt ein Lineal dazu oder was auch immer noch so rumliegt und bindest dem mal die Hände an, also so wirklich ganz einfaches Zeug, wo man dann selber schon weiß, eigentlich bist du schon drei Stufen drüber, aber du lernst ja gerade wen an.
Sebastian Ja genau, du sagst aber nicht dazu, was dein Plan ist.
Hannes Nee.
Sebastian Das ist ja dann irgendwie nicht ehrlich. Also in drei Monaten will ich dich vor mir knien sehen und sagst, ja Sir. Aber ich sag dir das jetzt nicht und frag mal, wie das mit den Haaren ist. Das ist ja schon ein bisschen fies.
Hannes Tatsächlich ist das auch eine Art von Kink, die bei mir ganz weit oben steht. Und das ist so eine Art von gemeinsamen Wachstum irgendwo. Und da kann man nicht unbedingt seinen Subs dann irgendwie jeden Plan verraten, den man hat. Solange man dann noch genug auf die Leute eingeht und auf sie achtet, kann man sie auch ein bisschen in Unwissen lassen, einfach um sie nicht schon vorher zu schocken.
Sebastian Ja, aber ich finde, man kann ja auch gemeinsame Ziele formulieren, beziehungsweise man muss ja wenigstens sagen, du, das, was wir jetzt hier machen, das läuft jetzt darauf hinaus, dass du Sub bist.
Hannes Richtig, geht auch, aber du musst ja bedenken, dass die Leute dann alle keine Erfahrung hatten. Und wenn du denen dann mit BDSM um die Ohren haust, haben sie natürlich alle, weil es zu dem Zeitpunkt gerade einen riesigen Hype drum gab, eine bestimmte Trilogie im Kopf, von denen wir alle wissen, dass das tatsächlich die Hartz-IV-Version von BDSM ist und eigentlich nichts Rationales damit zu tun hat. Und das schockt die Leute natürlich. Also muss man da so ein bisschen vorsichtig mit umgehen.
Sebastian Okay, ja, also erstmal probieren lassen, wenn es gut ist, verraten, was es ist.
Hannes Richtig, genau, so ein bisschen anteasern. Die Grenzen standen ja vorher schon fest. So ist es ja nicht. Ich bin ja nicht über irgendwas drüber gegangen, sondern ich habe einfach nur einzelne Sachen getestet. Und wenn so ein bisschen so ein Paket da war, habe ich dann gesagt, da gibt es einen Namen für. Das machen wir jetzt. Und du fandst das gut, also musst du jetzt auch keine Angst mehr haben.
Sebastian Wir springen jetzt mal rein. Jetzt habe ich es am Anfang gesagt. Wenn ich dieses Wort nochmal vernünftig aussprechen kann, Cerebralparese, erklär doch einfach mal, was das ist. Ich glaube, das kannst du besser als ich. Ich habe zwar ein bisschen Wikipedia rumgeblättert und alles Mögliche.
Hannes Aber hilft nichts hat nicht mal mir geholfen. Das ist auch die Ärzte nicht, deswegen sitze ich manchmal. Aber an sich... Ist das einfach nur eine Art von Nervenschädigung, die dazu führt, dass vor allem betreffend meiner Beine alles ein bisschen länger dauert, was an Signalübertragung stattfindet. Sprich, wenn Nerven im Gehirn den Beinen etwas sagen wollen, könnt ihr euch das vorstellen, als wäre quasi die Leitung ein bisschen verstopft oder es wäre irgendwas im Weg. Es dauert auf jeden Fall länger und es braucht mehr Signale, um den gleichen Outcome zu haben wie bei einem nichtbehinderten Menschen. Das führt nicht dazu, dass ich Bewegungen langsamer ausführen kann, sondern viel eher, dass teilweise die Koordination ein bisschen eingeschränkt ist und dass die Ausdauer in den Beinen eben aufgrund von geringerer Muskulatur bei Weitem nicht die gleiche ist wie bei einem normalen Mann in meinem Alter.
Sebastian Okay, also ich kann schon mal den Hörern verraten, wir sind hier eben die Treppe hoch und runter marschiert und also wenn ich dich so ansehe, ich sehe es dir nicht an, Punkt.
Hannes Das ist aber ja auch nicht.
Sebastian Genau, aber einfach nur mal die Vorstellung, weil man muss ja schon einordnen, die Hörer können dich nicht sehen und du läufst jetzt hier nicht mit Krücken rum oder fährst mit dem Rollstuhl durch die Gegend, sondern es scheint wirklich ein Ausdauerproblem zu sein an der Stelle.
Hannes Genau, im Alltag geht's, eine Brockenwanderung würde ich mit mir nicht machen, das ist ein Wochenmarsch und spätestens nach zwei Stunden hört man sich Geschrei von mir an, irgendwann wird's dann wieder lustig, aber zwischendurch werde ich griffig.
Sebastian Also das heißt, es geht alles, aber es geht nicht viel und vielleicht schnelle Bewegungen, weiß ich nicht.
Hannes Doch schon, es ist bloß einfach ein reduzierter Umfang, wenn man es drauf runterbrechen möchte. Also es ist einfach von der Summe her weniger möglich als bei einem normalen Menschen, an sich geht aber alles irgendwie.
Sebastian Okay, also das hast du schon seit Geburt?
Hannes Richtig, genau. Blutvergiftung sei Dank. Und dann noch Frühgeburt obendrauf, also ich habe ein gutes Paket mitbekommen.
Sebastian Und worauf ich hinaus möchte, da wir ja nun mal hier über BDSM reden, Sex. Ist das mit dir anders?
Hannes Mittlerweile zwangsläufig, ja. Aber du spielst ja jetzt wahrscheinlich auf Vanillasex an.
Sebastian Oder? Genau, ich nehme erstmal den Vanillasex, weil ganz ehrlich, ich empfinde, das ist eine recht anstrengende Geschichte. Man macht da irgendwelche Bewegungen, bis man nicht mehr kann und wenn es gut läuft, dann haben beide Spaß dabei und dann ist das okay. aber das ist tatsächlich ein es ist anstrengend, macht aber Spaß also gibt es da einen Unterschied bei dir?
Hannes Also das war tatsächlich auch ein Ding, was mich dann so ein bisschen auch zu BDSM geführt hat. Und zwar einfach der Aspekt, dass ich ja dann nicht wie ein aufgezogener Rammelhase agieren konnte und wirklich eine halbe Stunde die Frau durchbreche, sondern tatsächlich dann ja auch die Ausdauer früher schlapp gemacht hat. Wenn du im Arsch weniger zuzusetzen hast als ein Normalo, dann kannst du auch weniger Dampf geben. Das war ja Fakt. Dann musst du dir natürlich, wenn du nicht ganz auf dem Ego-Trip unterwegs bist, irgendwie Methoden suchen. Wie kriegst du denn Frau auch dazu, dass sie Spaß hat und dass du nicht nur da liegst wie ein ausgetrockneter Seestern? Ich glaube tatsächlich, wenn wir jetzt schon über Sex mit Behinderung sprechen, das ist eine Form der Behinderung, die natürlich mit stetiger Arbeit verbunden ist. Also wenn ich mich jetzt von einem Tag auf den anderen hinsetzen würde, keinen Sport mehr machen würde, würde ich das relativ schnell merken, weil dann die Muskulatur natürlich auch schneller abbaut. Wenn weniger Signale kommen, dauert es auch nur eine geringere Zeit, bis die Reize wieder verschwinden und dann baust du ab. Das heißt, das machen zu können, was ich tue, ist bei mir auch mit stetiger Arbeit verbunden.
Sebastian Okay, also du kannst was tun, um das zu mildern. Wird sich das verändern in den nächsten 50 Jahren?
Hannes Ich denke tatsächlich mal, dass der Rollstuhl mich dann auch früher anlacht als bei einem Normalo. Ich bin es aber insofern gewohnt, als dass er bei langen Strecken, der eh schon benutzt wird. Von daher hebt mich das zumindest von der abstrakten Ebene her nicht wirklich an. Ansonsten halt wirklich das Klassische, was du dir sonst bei einem 60-Jährigen mit Bierbauch vorstellst, Sport, Physio, Rückenschule. Jetzt fehlen tatsächlich noch die Tennissocken und die Birkenstocks, ansonsten passe ich ins Klischee, aber an sich geht alles.
Sebastian Okay, so, wenn wir wissen, dass alles geht, dann ist ja noch die Frage der Akzeptanz. Ich sage dir mal, mein erster Gedanke war so ein bisschen, hm, denn da ist wieder die Trilogie, die berühmte, ne? Der Dom ist der gestellte Kerl, wo alles perfekt sitzt und passt und der ist hundertprozentig da und der hat Kraft und der ist intelligent und das komplette Klischee-Geschwurbel. Hat das etwas andere Bild Einfluss auf deine Partnersuchmöglichkeiten? Gibt es da irgendwas, was anders ist? Vorurteile, sage ich mal. Die Mädels sollen ja nicht ganz ohne davon sein.
Hannes Ja, gibt's. Ich habe tatsächlich, als ich angefangen habe zu daten, den Leuten auch erst Bescheid gesagt, wenn sie zwei Stationen von dort wegfahren, wo wir uns treffen sollten, so nach dem Motto, kannst du ja jetzt nicht mehr weglaufen, ich bin schon hier. Da bin ich dann aber ein, zwei Mal brechen gegangen mit. Und dann habe ich mich irgendwann dazu entschieden, den Leuten natürlich auch rein Wein anzuschenken. Was auch gerade, wenn du dich mit BDSM auseinandersetzt, natürlich irgendwo wichtig ist, weil du musst ja gegenseitig Grenzen abstecken. Das ist ja nicht nur von Subseite aus so. Das gereicht mir aber irgendwo auch zum Vorteil. Gerade wenn du eine neue Spielpartnerin hast, du als Dom mit Einschränkungen viel besser argumentieren kannst, zu sagen, du, ich muss mich ein bisschen mehr mit dir, mit dem Uhrschleim auseinandersetzen. Du gehst viel weniger von so einem Grundstock an Fähigkeiten aus, sondern du kannst dich erstmal viel einfacher durchtesten, weil da sagen musst du, ich muss erstmal gucken, ob das geht. Und das macht es dir dann auch leichter, weil du dich viel besser auf deinen Partner einlassen kannst.
Sebastian Wann ist denn für dich heute so der Moment, wo du sagst, okay, dann erzähle ich das und ich glaube, das Schwierige ist tatsächlich, gerade wenn du chattest, der erste Satz ist, ich habe übrigens eine Behinderung und dann denkt das Gegenüber, oh Gott. Und dann musst du erklären, so und so und so. Und so blöd das klingen mag, wie gehst du da vor? Und aus meiner Einschätzung heraus sehe ich da eigentlich keine Probleme. Aber man hat ja immer diesen ersten Eindruck, den man überwinden muss, bevor man dann probiert. Und da habe ich das Gefühl, dass du es zum Beispiel an der Stelle ein bisschen schwerer hast. Oder täusche ich mich da total?
Hannes Nee, es ist schon so. es ist bloß immer auch die Frage inwiefern es relevant ist Leuten tatsächlich was davon zu erzählen also gesetzt im Fall, du lernst Leute im Internet kennen, was ich irgendwo, nicht besonders mag, einfach weil mir das viel zu unpersönlich ist und weil dort für beide Seiten ziemlicher Mist rauskommen kann, weil du dich eben nicht vorher schon mal gerochen hast und nicht weißt, was da auf dich zukommt ich sage jetzt bewusst was, und von daher ist es dann dahingehend einfach, dass ich mich mit den Menschen ja schon vorher unterhalte. Also für mich ist dieses Real-Life-Dating wirklich auch noch so die präferierte Methode.
Sebastian Wo denn?
Hannes Ich bin so ein kleiner Umdreher geworden tatsächlich, weil ich bin momentan in einem Alter, wo es relativ witzig wird, frauentechnisch. Also es soll jetzt nicht überheblich klingen, aber jetzt kommt so dieses erste Ausprobieralter bei vielen durch.
Sebastian Ach, sei doch mal überheblich.
Hannes Naja, es ist so dieses Ding, viele Männer, ich möchte jetzt, weiß Gott, nicht jedem auf den Schlips treten, aber viele Männer glauben auch in meinem Alter schon, die wissen, was sie tun. Spoiler, tun sie nicht.
Sebastian Weißt du denn, was du tust?
Hannes Nein, aber ich glaub's zumindest. Also ich hoff's, so. Ich bin aber kein Mann, der sich dann auf den Rücken dreht und sagt, und, war ich gut? Das funktioniert nicht, weil dann wirst du eh verarscht.
Sebastian Oh, das musst du mal machen. Dann sagt sie, ja, und dann sagst du, ja, so ein Quatsch, jetzt fangen wir mal richtig an. Warum lügst du denn? Jetzt nochmal, aber jetzt hast du ein schlechtes Gewissen. Weil man Fetisch für Menschen mit schlechtem Gewissen hat, also dann, naja.
Hannes Jetzt knie dich hin und entschuldige dich. Nein, aber tatsächlich bietet es sich dahingehend an, dann sind die ersten Beziehungen durch, die länger als zwei Monate gedauert haben. Dann hat man da Sachen ausprobiert, merkt, oh, der hat mich ein bisschen zu weich angefasst und vielleicht habe ich auch das Gefühl, ich finde das bei anderen nicht und dann suche ich vielleicht wen, der auch ein bisschen offener ist und das unterstützt, dass ich mich auch mit anderen Leuten ausprobiere und dann stehe ich in der Tür und grüße dich.
Sebastian Frage ich nochmal, wo?
Hannes Ganz normal tatsächlich im Alltag. Wenn du irgendwie auf normale Partys gehst, dann quatsch dir da wen an. Wenn du halbwegs Humor hast und längere Sätze als Drei-Wort-Sätze sprechen kannst, dann hast du schon mal die halbe Miete drin, weil meistens ist es auf einer Party dunkel. Das heißt, du sehen dein Gesicht nicht. Das hilft, weil dort einfach dann eine Hürde genommen wird. Wenn du besoffen aussiehst wie der Glöckner von Notre Dame, dann ist das nicht besonders hilfreich. Aber insgesamt tatsächlich einfach im normalen Alltag, egal ob du Leute irgendwo in irgendeinem Geschäft anquatscht, irgendwie über gemeinsame Freunde, das spielt alles keine Rolle. Also Dating läuft bei mir tatsächlich so ein bisschen losgekoppelt von BDSM ab.
Sebastian Okay, dann muss ich aber gleich fragen, wenn du da sagst, ich bin da offen und ich nehme mir auch die Zeit dafür und dann scheitere ich ja auch mal. Jemand findet dich interessant, aber dann ist halt BDSM kein Teil davon. Es wäre einfacher zu sagen, nee, ich gehe doch da in die BDSM-Community rein, weil da weißt du auf jeden Fall schon mal, der Mensch weiß, worüber man redet und hat da vielleicht sogar schon Erfahrungen gemacht. Das macht es ja vielleicht einfacher, effizienter.
Hannes Das stimmt. Habe ich auch teilweise schon getan und tue ich noch. Aber so Sachen wie die SZ oder FetLife zum Dating zu benutzen, das hat sich mir noch nicht erschlossen. Deswegen sind tatsächlich Stammtisch und Partys so mein Way to go. Das stimmt natürlich. Das ist auch ein Weg, wo ich Leute kennenlerne. Einfach weil auch so ein bisschen, und da bieten sich Partys halt wunderbar an, weil mir so ein bisschen so ein voyeuristischer Aspekt drinsteckt. Und weil du halt einfach eine ganz andere Ebene der Auseinandersetzung hast, das stimmt schon.
Sebastian Ah, mit Partys meinst du also BDSM-Partys gerade. Ich hatte jetzt die ganz normalen Geburtstags-Irgendwas-Partys gesagt, wo halt irgendwelche Leute eingeladen werden. Ich habe mich schon gewundert, dass du sagst, da ist immer so dunkel. Da habe ich schon überlegt, okay, vielleicht habe ich dieses Kapitel übersprungen, wo man... Okay, also BDSM-Partys. Entschuldigung, da bin ich echt nicht mitgekommen eben.
Hannes Alles gut.
Sebastian Okay, du gehst auf eine Party, quatschst mit Leuten, dann ist es, ja gut, dann ergibt sich das sehr einfach. Aber was ist denn das, wo du sagst, das suche ich? Was findest du interessant? Ich habe ja jetzt eben gedacht, so einen kleinen Fetisch hat er ja dafür, Menschen, die unsicher sind, sich zu packen und zu sagen, jetzt fangen wir bei Null an, dieses von Null immer wieder anfangen, das scheint dir zu gefallen.
Hannes Richtig, das ist so ein bisschen so eine unterschwellige Erziehungsmaßnahme tatsächlich, weil ich ja dann versuche, aus Leuten Dinge zutage zu fördern, von denen sie selber gar nichts wussten, wo sie dann aber irgendwann merken, ach guck mal, der hat mich ja verstanden, das macht Spaß. Das ist eine der Dinge und zum anderen spielt sich bei mir ganz viel Überkopfkino ab, was ich verursache. Also alles, was du irgendwo an Werkzeug benutzen kannst, dient für mich nur dazu, eine Bindung aufzubauen zu meiner Spielpartnerin und die dann irgendwo enger an mich ranzubringen, mental und wahrscheinlich dann auch körperlich, sodass du dann wirklich über eine Spielbeziehung hinweg so wirklich zu zwei Ketten gliedern wirst, die ineinander verwoben sind.
Sebastian Jetzt sagst du aber immer Spielbeziehung, nicht Beziehung. Suchst du Spielbeziehung oder warum diese Abgrenzung?
Hannes Ich bin, jetzt kommt wahrscheinlich wieder der unfähige Berliner durch, der nicht in der Lage ist, sich zu binden, aber ich bin nicht unbedingt für monogame Beziehungen gemacht. Das heißt nicht, dass ich in dem Sinne Poli bin, dass ich wirklich wie ein Schäfchen über die Wiese springe und mir jeden suche, der das möchte, das ist ja auch so ein bisschen Klischee, sondern ich spreche viel lieber dann mit meiner Partnerin ab. Du, was möchtest du probieren, was nicht in meinem Bereich liegt, was ich machen möchte und dann geh und dann lern dazu und dann sprechen wir hinterher darüber und dann heben wir uns Dinge auf, die nur wir machen, sodass man dann wirklich trotzdem irgendwo eine normale Beziehung hat, in dem Sinne, in dem du Dinge abgrenzt. Aber das ist eben wieder so dieses gemeinsam wachsen können. Das geht nicht unbedingt nur zu zweit.
Sebastian Ja gut, ich muss ja auch gestehen, das ist ja auch gemein, weil mein Gott, du bist 19. Also du kannst jetzt natürlich nicht die drei fünfjährigen Beziehungen vorweisen. Da haben wir mathematisch das Problem.
Hannes Ja gut, würde gehen. Ich war auch als Kleinkind schon ein Schnittchen, so ist nicht. Aber im Kindergarten bietet sich das noch nicht an.
Sebastian Hast du im Moment eine Spielpartnerin?
Hannes Nee, momentan nicht. Ist wie gesagt Provinz. Das ist aber tatsächlich auch eine Sache, auf die ich in dem Sinne nicht besonders viel Wert lege, als dass es für mich immer so ein bisschen auch was mit drauf einlassen zu tun hat. Und da bin ich dann doch so ein bisschen wählerisch. Also es gibt mir viele Menschen, bei denen ich mir dann was offen halte, weil ich einfach diese Abgrenzung zwischen Freundschaft und Beziehung gar nicht mal so eng sehe, weil du gehst ja trotzdem egal wie irgendeine emotionale Bindung ein. Aber zu einer Spielbeziehung an sich braucht es dann doch noch ein bisschen mehr gemeinsame Wellenlänge, als einfach oh, guck mal, du hast Titten, gut, nehm ich.
Sebastian Okay, das heißt aber, du suchst gerade.
Hannes So quasi, ja.
Sebastian Was suchst du? Also was sind das so Dinge, wo du sagst, also wenn ich da jemanden finde, das sind Dinge, das wäre schon gut, wenn die da sind oder wenn die erfüllbar sind. Also die ganz platte Frage, der weicht mir, also jeder weicht bei dieser Frage aus und ich verstehe das immer gar nicht. Wo sagst du, das ist geil, das will ich, das suche ich. Schlagen, hauen, treten, Treten ist super bei mir. Ja, ja. Eben.
Hannes Gott, das ist so Weiterführung von Kopfkino tatsächlich. Also Orgasmuskontrolle, Bewegungsunfähigkeit, Sinnesentzug. Das sind so Dinge, wie gesagt, Spiel ist ein Werkzeug. Und die Werkzeuge müssen genutzt werden, dahingehend, dass in dem Raum und in der Spielsituation dann eben nur ich da bin. Und das kannst du teilweise besser erreichen, wenn ein Sub dann zum Beispiel nichts sieht und nichts hört, als wenn du sie nur verhaust, weil dann der Fokus ein ganz anderer ist.
Sebastian Also du willst, ich sag mal in dem Moment, ich sag es mal zynisch Gott sein. Du bist alles. Du bist der Einzige, der die Situation ändert und der bestimmt, wie sie läuft.
Hannes So in der Art, genau. Also ich bin, wurde mir nachgesagt, auch so ein kleiner Breadmacher irgendwo, wobei mich das eigentlich gar nicht interessiert, aber ich provoziere es. Wahrscheinlich ist das so dieses Mindplay-Ding, dass ich die Leute auch so ein bisschen herausfordere, mir die Stirn zu bieten. Das Problem ist, es geht nicht gut aus.
Sebastian Für wen?
Hannes Für Sub, weil es mich nervt. Und wenn Sub mich nervt, dann wird es lustig.
Sebastian Okay, sind das eher 24-7-Beziehungskonstrukte? Also ich kenne das bei Spielpartnern, ist es mir immer sehr leicht gefallen, dass man, wenn man sich sieht, dann ist man voll drin. Allein durch die Tatsache, dass man sich sieht. Also man teilt halt keinen Alltag miteinander.
Hannes Ja, ich habe zu 24-7 eine geteilte Meinung. Ich hätte unheimlich Spaß dran, wen zu kollern, so ist nicht. Das finde ich unheimlich witzig, einfach weil es eine Art von Markierung ist. Das steht für mich auch nicht konträr zu einer offenen Beziehung. Aber ich hätte tatsächlich keinen Bock auf zum Beispiel einen durchritualisierten Tag von Sub. Also ich komme nach Hause oder komme zu ihr, wenn sie da ist und dann kniet sie sich hin, knickst, was auch immer. Warum machst du das denn jetzt? Wofür denn? Was gibt dir das denn? Das ist mir zu konstruiert. Das entmenschlicht irgendwo. Was ich aber witzig finde, ist die Möglichkeit, sich offen zu halten, Leuten zwischendurch Aufgaben zu stellen. Da müssen die genau in dem Moment erfüllt werden. Also dieses, ich bin jetzt da, ich brauche jetzt deine Aufmerksamkeit und wenn du das nicht tust, dann bitte.
Sebastian Okay, also das ist ein... Ja, so eine Art On-Off-BDSM. Du hast nur du den Schalter in der Hand.
Hannes Richtig, richtig, genau. Sie können an sich entscheiden, was sie machen, aber nicht, wenn ich da bin.
Sebastian Okay, also einfach Kontrolle.
Hannes Genau, genau.
Sebastian Ganz, ganz simpel, Kontrolle bis zum Gehtnichtmehr.
Hannes Wahrscheinlich, ja.
Sebastian Ja gut, aber wenn ich jetzt, ganz ehrlich, ich gehe dann hin und sage, okay, ich will, dass du jetzt das und das tust und sagst, nee, also jetzt habe ich gar keinen Bock da drauf, was machst du denn dann? Muss das dann sein oder muss dann einfach der Modus geswitcht werden?
Hannes Das geht schon, also ich lasse mich auch gerne dazu überreden, weil ich habe ja auch Spaß dran wenn sie mir ganz blöd kommt, dann Hände und Füße zusammenbinden hinlegen und bitte, und dann komme ich eine Stunde später wieder und so überlegt sie es neu Ja Moment.
Sebastian Aber dann verlässt du ja den Konsens, in dem Moment wo du sagst, ich möchte jetzt nicht spielen und da musst du ja aufpassen an der Stelle Achso.
Hannes Du meinst, wenn Sub nicht spielen möchte? Achso, ja, dann alles gut. Ich dachte, wenn ich nicht spielen möchte.
Sebastian Ja gut, wenn du nicht spielen willst, dann spielst du ja nicht. Das ist ja bei der Kontrolle der Witz an der Sache, dass wir da sehr faul sein dürfen.
Hannes Das stimmt, aber es hat ja dann wieder was mit Konditionierung zu tun. Das heißt, ich muss Super dann auch beibringen, wir spielen, wenn ich das möchte und du kannst Glück haben, wenn es dann so passt, dass wir genau in dem Moment beide Bock haben und ich nicht so ein bisschen noch Initialzündung leisten muss. Das heißt ja nicht, dass ich einen Konsens übertrete, sondern es ist ja auch in Vanilla-Beziehungen so, dass man manchmal auch so ein bisschen nachkommt. Schätzelein, wir können. Weißt du? Aber es ist so ein bisschen auch wieder, sie darf ja dann den Fokus nicht verlieren.
Sebastian Wie erklärst du das denn? Du guckst, dass du in diese Situation kommst, dass du diesen Konsens hast, dass du dir das erlauben kannst, dass du das machen kannst und dass das auch gedeckt ist von beiden. Dass auch beide hinterher Spaß daran gehabt haben werden. Das ist ja immer so mein Fokus. Hinterher muss es beiden Spaß gemacht haben. Wie erklärst du das denn? Du bist jetzt meine Sub und wann immer ich will, tust du. Ob du jetzt Bock hast oder Kopfschmerzen hast, ist mir gerade egal. Das, finde ich, kommt gerade nicht so richtig raus. Das klingt jetzt gerade ein bisschen nach Brechstange, was du da machst.
Hannes Nee, so ganz ist es ja nicht. Ich spreche ja vorher schon an, was meine Kinks sind. Und ich sage auch ganz klar, dass da ganz viel mit Mindplay stattfindet. Und dass dann deswegen auch ganz viel um Fokus geht und um Kontrolle meinerseits. Und natürlich tastet man sich da ja auch ran. Ich stelle mich ja nicht bei einer Spielbeziehung am Anfang schon hin, stelle Aufgaben, sage so, ich habe jetzt Bock, du hoffentlich auch. Das findet nicht statt so, überhaupt nicht, sondern, wie gesagt ich habe ja das Glück dann immer relativ weit unten wieder anfangen zu können, sprich kurz über Null und dann tastet man sich ran und guckt sich natürlich auch die Grenzen von SUP an und da bin ich auch so fair, das dann auch dabei zu lassen, wenn es irgendwelche Limits gibt das ist ja jetzt die Idealsituation, die ich beschreibe, nicht das, was dann im Alltäglichen stattfindet, weil ja nicht jeder zu demgleichen konditionierbar oder willens oder bereit ist.
Sebastian Du hast es jetzt schon zwei-, dreimal erwähnt, Mindplay. Und der Begriff ist im Podcast gar nicht so geläufig, obwohl es eigentlich alle machen irgendwie, aber du ein bisschen mehr. Was ist denn Mindplay für dich?
Hannes Mindplay für mich heißt eigentlich größtenteils so diese mentale Kontrolle darüber zu haben, was Sub macht und dann so eine Art, es ist jetzt wirklich ein heerer Begriff, aber so ein höheres Ziel dahinter zu verfolgen, als einfach nur zu spielen. Weil alles, was du machst, ist ja im Prinzip nur Werkzeug, was du an die Hand kriegst, um was bei SUP auszulösen. So, und jetzt schmeißen wir mal den Podcast-Begriff schlechthin um uns. Reaktionsfetisch ist, das trifft dann halt auch in dem Moment dazu. Aber Reaktionsfetisch ist eben mit höherem Sinn dahinter. Also du gehst ja dann da mit Plan ran.
Sebastian Was ist denn so ein Plan? Komm, weih mich doch mal in so eine Teufelei ein und was kommt dabei raus?
Hannes Was zum Beispiel unheimlich Spaß macht, ist Sub die Illusion zu geben, sie sieht noch was. Das kannst du zum Beispiel dahingehend erreichen, du hast eine Augenbinde, die ist aber so ein ganz kleines bisschen durchsichtig. Oder du machst das Licht aus, aber irgendwo in dem Raum steht noch eine Kerze, sodass noch so ein bisschen Schimmer durchkommt. Und dann glaubt sie aber, sie kriegt mit, was du tust. Tut sie aber nicht, weil ja alles irgendwo im Dunkeln, im Schatten und so ein bisschen verzögert stattfindet, dann ist dieser Schreckmoment so ein bisschen größer.
Sebastian Was sieht sie denn nicht, was du tust?
Hannes Wenn ich zum Beispiel zuhaue oder ein Wartenbergrad benutze, gerade bei einem Wartenbergrad ist es unheimlich lustig, weil es ist klein. Das fällt im Dunkeln vielleicht nicht auf. Und wenn das dann an Stellen zum Einsatz kommt, wo es besonders Spaß macht, dann wird es zwischendurch für Sub auch kurz mal eklig.
Sebastian Okay, also ein bisschen der Schreckmoment. Wobei, das macht es dir dann ja auch einfach. Andersrum, der Schreckmoment, ja. Aber du hast ja auch diesen Effekt, wenn die Augen groß werden, wenn dein Gegenüber sieht, was du da jetzt anschleppst.
Hannes Richtig.
Sebastian Das ist ja gleich nochmal das ganze Gegenteil. Du kriegst jetzt alles voll mit, damit du den genießen kannst, dass du Schiss davor hast.
Hannes Das ist aber auch, du kannst zum Beispiel mit einem Paddle ja zum Beispiel auch wirklich gut mit einer Geräuschkulisse arbeiten. Du kannst Schläge andeuten oder dir selber auf die Handfläche schlagen, sodass es klingt, als wenn es scheppert, aber es scheppert eben dann nicht bei ihr, sondern sie muss dann irgendwo drauf hoffen, dass es dann auch mal bei ihr zutrifft, sodass es dann erstmal für einen Moment wieder Ruhe ist.
Sebastian Okay, das ist also wirklich auch Kontrolle über das Denken und das Spiel mit Erwartungshaltung einfach.
Hannes Genau.
Sebastian Jetzt sagst du aber, das ist ja eher längerfristig ausgelegt. Also mir kam sofort der Begriff Konditionierung in den Kopf. Also dass du vielleicht auch langfristig am Verhalten was verändern möchtest.
Hannes Ja, schon. Aber auch nur bis zu so einem gewissen Punkt, weil mir dann natürlich auch das Risiko irgendwann zu groß wird, dass ich dann Dinge geändert habe, die mir dann im Nachhinein doch nicht ganz so gut gefallen und die ich dann wieder ändern muss. Und das wieder auszuschleifen, das ist Arbeit.
Sebastian Ach, du traust dir da selbst nicht über den Weg.
Hannes Ach, ich bin dahingehend wirklich vorsichtig, weil du weißt ja dann langfristig nicht, was es auslöst. Weil dann kommen wir irgendwann wieder an diesen Punkt, du kommst nach Hause und sie kniet. Und dann denkst du wieder so, ja gut, alles klar. Das war jetzt ein bisschen viel. So ein bisschen Widerstand brauche ich ja dann doch.
Sebastian Ah, darum geht es. Also du brauchst so ein bisschen den Kampf. So nie das da niederringen.
Hannes Richtig, genau. So ein bisschen Widerstand, der dann zum Brechen da ist. So ein Makarenko-Prinzip ist tatsächlich meins.
Sebastian Ja, also es ist klar, du wirst gewinnen, aber.
Hannes Aber ich brauche selber noch die Illusion.
Sebastian Das dauert Ich gehe nochmal zum Mindplay zurück, so im eigentlichen Sinne also du spielst mit Gedanken also ich würde jetzt vielleicht mit, auch wenn man gerade nicht spielt, mit Andeutungen mit Geschichten, mit Fantasien, arbeiten in Anführungszeichen und halt so ein bisschen vorbereiten dieses, ach ich könnte mir vorstellen dass wir dies und das und jenes mal machen könnten Das fände ich total spannend und dann kann man da quasi wochenlang drauf rumreiten, bis man dann letztendlich doch was ganz anderes macht.
Hannes Ja, ist mir tatsächlich aber sogar noch eine Stufe zu simpel. Woran ich unheimlich Spaß habe, ist dann Leuten zu sagen, so, das hat jetzt so nicht funktioniert, da warst du jetzt nicht höflich genug. Sei froh, dass ich gerade nicht da bin. Sei froh, dass ich dir gerade nicht quasi die Lektion dafür erteilen kann. Und vielleicht kommt die Lektion dann gar nicht, aber sie hat es ja die ganze Zeit im Hinterkopf, ach guck mal, das hat ihm ja nicht gepasst. Und wenn dann irgendwann der Gedanke so eingeschliffen ist, dann sucht man sich einen neuen Punkt.
Sebastian Ich glaube, ich brauche mal ein konkretes Beispiel, ich kann das nicht fassen.
Hannes Wenn mir jemand irgendwo unhöflich daherkommt, also wenn wer Widerworte hat zum Beispiel, wenn wer mich anzweifelt und mir versucht zu sagen, ach guck mal, du bist ja gar nicht so unantastbar, dann stimmt das zwar, das finde ich aber von ihr dann in dem Moment natürlich nicht witzig. Und dann wird ihr halt erklärt, du, denk mal dran, wo dein Platz ist, das steht dir jetzt nicht zu. Wenn sie eine ganz mutige ist, kommt dann noch der Satz, ja was willst du denn machen? Und dann ist der Punkt, wo du sie im Ungewissen lässt, weil ansonsten hat sie ja gewonnen. Ansonsten weiß sie ja, worum es geht.
Sebastian Ah, also du wartest dann einfach ab, du bist dann geduldig.
Hannes Richtig, weil ich weiß, irgendwann kommt es.
Sebastian Und irgendwann sagst du, vor drei Wochen warst du frech, das ist jetzt der Moment, wo du dafür entweder das.
Hannes Oder tatsächlich dann auch mit so einer falschen Belohnung zu arbeiten, sozusagen jetzt hast du funktioniert, jetzt wirst du belohnt, ansonsten wirst du halt im Dunkeln gelassen und dann weißt du nicht, wann was passiert. Wenn du brav bist, dann sag ich dir, wann was passiert.
Sebastian Wie muss dein Gegenüber denn drauf sein, um zu sagen, ja, das macht mir Spaß, das erfüllt mich, also was gibst du zurück?
Hannes Ich bin nicht, und da wird es dann ein bisschen komplex und selbst für mich ein bisschen undurchsichtig, ich bin nicht für reine Spielbeziehungen zu haben, indem man sich wirklich nur zum Spielen trifft. Das muss tatsächlich menschlich dann auch noch passen. Da sind wir wieder an dem Punkt, gegenseitig wachsen können. Natürlich und deswegen sage ich auch, ich wehre mich so ein bisschen gegen dauerhaftes und reines 24-7. Baust du die Menschen ja dann hinterher auch wieder auf. Da sind wir dann beim Punkt Aftercare und so weiter. Die geht aber für mich dann viel eher ins 24-7 rein, als das Spiel an sich. Weil ich Sub tatsächlich auch wirklich an mir wachsen lassen möchte. Also sie macht mit mir dann Erfahrungen, wo sie dann sieht, Das habe ich geschafft. Und dieser Berg an Aufgaben oder an Challenges, den sie sich zu stellen hat, der wächst dann natürlich. Und mit jeder Challenge, die sie dann durch hat, entwickelt sich ja auch bei ihr persönlich und im Alltag so ein bisschen mehr Selbstbewusstsein. Und eigentlich habe ich es gerne, wenn ich selbstbewusste Menschen vor mir habe, die aber an mir dann noch so ein kleines Stück draufpacken können, weil sie dann merken, sie sind ein bisschen mehr wert, als sie bisher noch geglaubt haben.
Sebastian Okay, das hat aber doch die Gefahr, dass der Mensch dir über den Kopf wächst Richtig.
Hannes Das genieße ich dann aber auch Das ist dann vielleicht auch der Punkt, wo man eine Spielbeziehung dann beendet Weil ich dann merke, da passt mir jetzt die Dynamik nicht mehr Weil ich den Menschen im Gesamten einfach viel zu sehr mag Und viel zu viele positive Punkte finde, Als dass ich ihn noch als Menschen unten ansehen kann, Aber Moment.
Sebastian Das heißt, wenn ein gewisses Maß in Selbstvertrauen da ist, dann fällt es dir schwer, diesen Menschen unten zu sehen. Da fühlst du dich dann nicht wohl mit.
Hannes Das macht auf eine andere Art und Weise Spaß. Ich habe Spaß an Gleichberechtigung im Alltag, das auf jeden Fall. Aber ich weiß ja, wer es verursacht hat, dass sie dann so geworden ist. Das bin ja ich und das weiß sie dann ab einem gewissen Punkt auch. Und dann schwindet auch so ein Stück weit an Respekt vor mir, weil mit jedem Spiel, was man dann veranstaltet, kriegt sie auch so ein Stück von mir mit und irgendwann bin ich auch nicht mehr undurchsichtig genug, dass das System im Unklaren ist.
Sebastian Mhm, gut, aber das ist ja dann einfach Level 2, da könnte man dann ja nochmal besonders einsteigen, weil also ich persönlich finde es ja, ich finde es besonders sexy, wenn mein Gegenüber, sie muss nicht auf dem Boden, sie muss nicht machen, was ich sage und sie hat eigentlich das Selbstbewusstsein, dass sie mich auch quasi in die Tasche stecken kann, aber sie entscheidet sich dafür, das zu tun, weil es mir gefällt. Also sie trifft nicht die Entscheidung, weil sie muss oder weil das der einfachste Ausweg ist, sondern weil sie sagt bewusst, nee, ich mach das jetzt. Ich will das jetzt machen, ich will den jetzt glücklich machen. Und das ist total großartig und das geht für mich nur, wenn man mindestens auf einer Ebene im Alltag oder generell miteinander umgeht, um dann einfach diesen Genuss zu haben, nee, die hat sich jetzt für mich entschieden, das so zu tun.
Hannes Das stimmt. Das geht bei mir dann aber noch so ein bisschen in eine andere Richtung. Und dahingehend hast du auch recht mit Level 2 tatsächlich. So ein ganz großes Ziel bei mir oder ein Ding, wo ich drauf hinarbeite, ist nonverbale Kommunikation. Also gerade wenn du irgendwie auf Partys zusammen bist und du guckst sie an und sie lässt sich dann von dir, weil sie es genießt, an die Leine legen. So, und dann gehst du halt zusammen über die Party, weil jetzt ist ihre Freiheit für den Moment wieder beendet. So, da habe ich dann wieder Spaß dran. Und das hat dann wieder was mit Gleichberechtigung bei mir zu tun. Das genieße ich dann auch. Aber das ist dann eben wieder so eine situationsbedingte Sache. Dann verlagert sich das Spiel bei mir auch so ein bisschen.
Sebastian Wo du jetzt gerade Party sagst, was machst du denn auf Partys? Also du hast schon gesagt, der Voyeur steckt ein bisschen drin, du guckst gerne.
Hannes Okay.
Sebastian Und sonst?
Hannes Grundsätzlich, ich kann beide Richtungen. Ich spiele auch unheimlich gerne auf Partys. Ich hatte da natürlich auch mit Berlin Glück. Es gibt einen Klub in Berlin, der oder mehrere tatsächlich, aber einer ist wirklich berühmt dafür, bewusst so einen offenen Rahmen dafür zu gestalten. Das ist das KitKat. Das ist ein Techno-Club, der aber grundsätzlich auch eine BDSM-Ausrichtung hat, wo du dann zwischendurch auch Spanking-Shows und Needling mit drin hast. Und da werden dann Leute auch an Hooks am Rücken aufgehangen. Das ist mir alles ein bisschen zu krass tatsächlich, einfach weil das tut mir dann auch ein bisschen zu sehr weh und das hat ein bisschen zu sehr was mit bleibenden Schäden zu tun. Aber das macht wirklich Spaß, sich auch damit auszutauschen. Und tatsächlich geht mein Kink auch so weit, ich habe allein schon Spaß dran, mich mit Leuten auseinanderzusetzen und denen meine Dinge zu erklären und von anderen zu hören, wie spielen die denn? Weil, wenn du dich mit denen auseinandersetzt, du ja automatisch dafür sorgst, dass bei denen das Kopfkino angeworfen wird. Und genau in dem Moment habe ich ja dann schon wieder gewonnen, weil sie müssen in bestimmte Situationen zurück.
Sebastian Du hast gewonnen. Willst du denn gewinnen?
Hannes Gewinnen ist vielleicht das falsche Wort, aber das ist so ein bisschen wieder so dieses Gefühl von Erhabenheit, was sich dann da durchzieht, weil du ja dann so ein bisschen triggern kannst. Also du sprichst bestimmte Dinge an, was magst du denn? Dann fangen sie über bestimmte Erlebnisse an zu erzählen und dann merkst du, da schiebt sich so ein leichter Vorhang vor die Augen und dann sind sie wieder drin. Und genau an dem Punkt will ich ja, dass Leute mir Dinge von sich erzählen. Dann genieße ich davon, dass ich Dinge von den Leuten mitkriege und dass sie zurückgeworfen werden, ohne dass ich mir eigentlich Arbeit machen muss. Weil sie genießen es, aber ich bin dann nur mittelbar ein Teil davon.
Sebastian Ja, aber in dem Moment knupfst du ja in irgendeiner Form an.
Hannes Genau.
Sebastian Was tust du denn dann? Also du bist in diesem Moment, du bekommst etwas erzählt und dann kannst du hinterher sagen, ja, danke fürs Erzählen, tschüss. So ist es ja nicht. Da passiert ja dann doch noch was anderes. Ich mag immer noch mal einen Schritt weiter gehen, als du mir eigentlich verraten möchtest. Das gebe ich ja offen und ehrlich zu. Aber ich bin halt neugierig. Da komme ich nicht aus meiner Haut.
Hannes Ja gut, da sind wir dann wahrscheinlich beide ähnlich. Na, das ist oftmals so die erste Stufe. Danach entwickeln sich ja dann Spielbeziehungen. Aber du musst ja erst mal gucken, wie ist so das persönliche Miteinander? Und das kannst du super erreichen, indem du bestimmte Dinge ansprichst. Und da sind wir genau bei dem Punkt, wo wir vor ein paar Minuten waren, dieses, jetzt bekommst du das, was du mir vor drei Wochen quasi versprochen hast, beziehungsweise was da dann provoziert wurde, du hast ja dann schon über Dinge gesprochen. Und wenn du da schon merkst, oh, du bist auf einer Wellenlänge, dann weiß Supja schon, was dann irgendwann auf sie zukommt. Und hinterher kannst du ihr dann erklären, guck mal, das kommt auch aus einem von unseren ersten Gesprächen. Jetzt kannst du mal überlegen, wie lange es gedauert hat. Weil das ist dann tatsächlich auch wieder ein Punkt, den ich dann Zub irgendwo zurückgebe, weil ich ja dann langfristig auf die Menschen achte. Das ist bei mir nichts Kurzfristiges, wo ich Dinge abspreche und dann zwei Tage später wird es gemacht, sondern irgendwann wurde mal was fallen gelassen und irgendwann später wird es realisiert. Und dann erinnern sich beide dran und ach, er hat dran gedacht.
Sebastian Oder wäre ich aber vorsichtig. Wenn nämlich dein Gegenüber dann vergisst, dass da jemals was war, weil das schon ein bisschen her ist. Nee, da bin ich überhaupt nicht mit einverstanden, das hat es überhaupt nicht gegeben, da erinnerst du dich falsch. Dann hast du nämlich die Diskussion.
Hannes Ach, die wird dann relativ schnell abgewürgt, weil im Prinzip, dann kann es ja drauf hinunter gebrochen werden, das Spiel hat Spaß gemacht und gut ist, wenn es dein Gehirn nicht hergibt, bitte.
Sebastian Jetzt lass mich mal die ganze Sache umdrehen. Warum bist du nicht Sub?
Hannes Ich hasse Kontrollverlust. Ich hasse es. Also ich habe kein Problem mit Schmerz als Katalysator irgendwo und das hat irgendwo auch was Entspannendes, ja, aber ich habe unheimliche Probleme damit, mich in die Rolle einzufinden, zu sagen, ich bin jetzt unten. Ich habe keinen Bock, dass irgendwer mir ein Konzept drauf schafft, was nicht das ist, was ich möchte.
Sebastian Ich versuche dir das mal schön zu reden. Da muss ich gucken, dass ich jetzt nicht so gut bin. Aber guck mal, du musst nicht entscheiden. Du musst dir nichts merken. Du musst einfach machen, was gesagt wird. Und du kannst genießen.
Hannes Wo ist jetzt der Spaß daran?
Sebastian Du kannst genießen.
Hannes Ich genieße daran ja nichts. Da ist ja nichts, wo ich irgendeinen Anteil dran habe. Ich bin ja einfach nur ein Stück Fleisch.
Sebastian Aha, okay. Jetzt siehst du deine Suppe als Stück Fleisch?
Hannes Nee. Nee, das ist ja für mich mehr. Ja, aber ich persönlich sehe meinen Selbstwert als Sub dann geringer als das, was meine Subs für mich sind.
Sebastian Genau, das ist so ein Punkt, den finde ich ganz komisch. Ich hochachte Subi dafür, dass sie so ist, wie sie ist. Ja, immer mehr und mehr. Und trotzdem ist das bei ganz vielen Doms eben so, dass die sagen, nee, umgekehrt würde ich mir irgendwie klein vorkommen oder irgendwie komisch. Und dann denke ich mir immer, aber du sagst doch den ganzen Tag, dass du diese Hochachtung davor empfindest. Warum gestehst du dir die nicht selber zu? Mal unabhängig davon, dass man schlicht und einfach mal sagen kann, mein Gott, unten spielen, oben spielen, das macht mir einfach keinen Spaß. Das ist unbenommen. Aber ich finde diesen Ausschluss momentan sehr spannend, dass da, ja, also ich finde spannend, dass Argumente, die man bringt, nicht unten oder oben zu spielen, nicht dem entsprechen, was man selber eigentlich dazu weiß und empfindet. Das passt immer nicht zusammen.
Hannes Aber das beweist dann wieder, dass BDSM irgendwo eine emotionale Geschichte ist, die durch rationale Mittel gesteuert wird.
Sebastian Okay, aber du kannst meinen Einwand schon nachvollziehen.
Hannes Ja, total.
Sebastian Ganz platt, hast du schon mal unten ausprobiert.
Hannes Ja, hat aber überhaupt nicht funktioniert, weil ich mir dann die ganze Zeit auch einen Kopf drüber mache, wann ist denn jetzt tatsächlich der Punkt, wo ich es nicht mehr kann. Ich habe diesen Aspekt von loslassen gar nicht, weil ich die ganze Zeit auch versuche, was versucht mir denn Dom jetzt gerade für ein Konzept draufzuschaffen, weil ich es dann mit meiner eigenen Spielweise vergleiche und mir überlege, da ist doch ein tieferer Sinn dahinter, was ist das denn jetzt?
Sebastian Ja, vielleicht ist da einfach kein tieferer Sinn.
Hannes Dann habe ich ein Problem damit. Das ist mir zu wenig. Ich will ja von den Menschen dann auch nachhaltig was mitnehmen als einfach nur Befriedigung.
Sebastian Ja, aber auch einfach nur Befriedigung haben zu wollen, ist ja jetzt auch was Schönes.
Hannes Ja, aber dafür brauche ich ja keinen anderen.
Sebastian Ein bisschen, sag mal, die Wünsche ein bisschen zurückfahren und gucken. Bei dir sehe ich das so ein bisschen ambivalent. Auf der einen Seite machst du dir unglaublich Mühe und sagst, hier, Sub, ich habe einen Plan, ich merke mir Dinge, ich bereite Sachen vor, ich setze sie um. Also man könnte ja fast sagen, du dienst deiner Sub.
Hannes Wahrscheinlich so ein bisschen service dom, ja.
Sebastian Genau. Nur sie darf dir nicht sagen, was du tun sollst.
Hannes Richtig. Wünsche aufdecken, die eigentlich noch unbekannt waren. Sprich, sie hat ein inneres Bedürfnis, was ich dann rausarbeite, was ich, wenn ich Glück habe, vorher schon sehe, das hat für mich dann auch wieder so einen psychologischen Anteil, zu sagen, wenn du Bock auf Kontrollverlust hast, wenn du Schmerz genießt, wenn du den Kopf ausschalten möchtest, dann gibt es ja eine ganze Bandbreite, eine ganze Palette an Mitteln, die man dafür einsetzen kann und dann testen wir die Mittel durch, und du findest raus, was du dabei genießt. Und in der Hinsicht bin ich dann wahrscheinlich auch anfängerfreundlich.
Sebastian Ja, aber auch da wieder umgekehrt. Weil wenn du deinem Gegenüber unterstellst, nicht alle eigenen Wünsche zu kennen oder noch nicht entdeckt zu haben, dann ist ja davon auszugehen, dass das bei dir genauso ist.
Hannes Richtig.
Sebastian Wo holst du dir die Inspiration her oder wie lässt du SUP daran teilhaben, dir zu zeigen, was du gut findest?
Hannes Ich habe ja allein schon Spaß an Sub. So, ich brauche ja keinen Spaß an sich für mich nochmal. Ich sehe sie ja dann und merke, ihr gefällt es. Und das ist dann der Punkt, wo ich dann meinen Spaß dran habe. Dann den Punkt von Aftercare, dann ist sie fertig. Und genau dann ist der Moment, wo es dann bei mir einsetzt. Und ich merke, oh, jetzt habe ich Spaß. Jetzt wird es lustig. Jetzt hat sie was durchlitten. Klingt jetzt böse, aber ist ja so. Und dann wird es für mich spannend. Weil man dann ein gemeinsames Erlebnis geschaffen hat.
Sebastian Genau, was bringt dich auf blöde Gedanken, die du entdecken kannst?
Hannes Jetzt sehe ich, wo du hin möchtest. Ich muss mir ja auch einen Kopf machen, wie es als Sub wäre, damit ich ein Szenario aufbauen kann, was für Sub passt. So, das stimmt schon. Bei mir geht es aber nicht übers Kopfkühne hinaus. Ich möchte nicht ausschließen, dass ich nicht irgendwann auch unten spielen kann. Das funktioniert nur für mich momentan nicht. Aber natürlich musst du dir auch Gedanken machen, wie wirkt ein Wartenbergrad zum Beispiel? Wie wirkt ein Paddel? Wie wirkt ein Vlogger? Das stimmt schon. Das muss man dann nicht alles an sich testen, aber man muss wissen, wie es funktioniert. Und daraus zieht man ja dann die Inspiration, quasi den Baukasten, wie stecke ich Dinge ineinander.
Sebastian Ja, wobei mir da auch mal gesagt wurde, das nützt überhaupt nichts, das alles selber zu testen, weil man empfindet es ja eh anders.
Hannes Das stimmt.
Sebastian Man kann sagen, ja, tut weh oder mehr oder weniger weh, aber selbst das ist ja wieder vom Mindset abhängig. Da können wir auch nur rumstochern, indem wir rumprobieren und gucken, was kriegen wir an Feedback zurück.
Hannes Aber das ist ja dann auch wieder ein Punkt von Kommunikation. Du musst dich ja wirklich nicht in ständigem, aber wirklich sehr regelmäßigen Austausch, mit dem Partner unten befinden, um zu gucken, wo sind die Grenzen, was macht ihn an, was nicht und was waren Dinge, die ausbaufähig sind, wo hat sich ein Schmerzlimit verschoben, was möchte man noch testen, das sind ja alles Dinge, die muss ich ja mit in Betracht ziehen.
Sebastian Ist das Gespräch da drüber, findet das auf Augenhöhe statt?
Hannes Natürlich, natürlich. Es ist schwer zu erklären, aber es ist ja bei mir auch irgendwo so eine Art gespielte Unterwürfigkeit. Also ich kann mir persönlich nicht wirklich erklären. Ich glaube, das ist so ein allgemeines Top-Problem, warum Leute unten spielen. Warum sie jetzt nicht dafür auswählen, dass sie sich unterwerfen, dass sie Kontrolle abgeben. Das kann ich mir nicht vorstellen. Dafür reicht mein Selbstbewusstsein dann doch nicht.
Sebastian Das ist total einfach. Menschen können unten spielen, weil ich Spaß daran habe. Nein. Du bist dir bewusst, dass du dir das nicht vorstellen kannst. Und dennoch nutzt du das. Ich hätte da jetzt ein bisschen schlechtes Gewissen. Ich weiß überhaupt nicht, warum mein Gegenüber das gut findet, das zu machen. Ich kann es ums Verrecken nicht nachvollziehen. Aber ich profitiere jetzt mal davon.
Hannes Ja, aber wenn es mir dann versichert wird und das nicht nur einmal, nicht nur zweimal, sondern wirklich mehrfach stattfindet, auch in Gesprächen, nicht nur, wenn man fordert, findest du das gut oder nicht, sondern dass auch mal so nonchalant fallen gelassen wird, dann kannst du dir irgendwann relativ sicher sein, dass es auch ernst gemeint ist und dann schrumpft dir auch das schlechte Gewissen.
Sebastian Wie, Charles? Du hast ja ganz am Anfang mir noch erzählt, du missionierst so ein bisschen. Heißt das, da Menschen, die eigentlich gar nichts darüber wissen? Jetzt musst du denen ja erklären, was sie eventuell fühlen könnten und weshalb es sich lohnt, mit dir anzufangen. Also du musst sich ja doch irgendwie reinfühlen können. Was kann man da sagen? Hilf mir mal, weil ich bin da tatsächlich recht fantasielos.
Hannes Ganz viel hat ja mit Vertrauen zu tun. Sie gibt Vertrauen in mich, dass ich ihr Sicherheit biete in dem Szenario beziehungsweise sie dort durchleite. Das heißt, es ist ja ein Spiel von Sicherheit, Vertrauen und Verantwortung. Und dieses Vertrauensverhältnis ist ja ziemlich stark, weil man sich ja zwangsläufig, regelmäßig miteinander auseinandersetzen muss. In vielen Vanilla-Beziehungen, ich möchte jetzt nicht alle über einen Kamm scheren, aber da ist es bei vielen, gerade in meinem Alter so, man macht, auf Frau wird vielleicht irgendwie mal gehört, aber nicht so, wie sie es gerne hätte. Und gerade diese Auseinandersetzung und auch ihre Wünsche als gleichwertig zu respektieren, man gibt das ja dann nur für ein paar Stunden ab, aber ihre Wünsche als gleichwertig zu respektieren, sie als Frau zu sehen, die allein schon dafür gewürdigt werden muss, dass sie sich auf mich einlässt, das ist ja eine Art von Empathie, von nennen wir es Romantik, was viele auch irgendwo suchen, ohne dass es besonders schmalzig ist.
Sebastian Das war jetzt sehr schmalzig. Wir lavieren hier so um eine Sache rum. Und ich mag da Männer wie Frauen auch nicht. Doch ich unterstelle es einfach beiden. Beim BDSM ist noch eine Sache ganz wichtig. Großartige Orgasmen. Das ist doch der Benefit, den viele haben und wollen. Das sage ich jetzt mal ganz offen und platt. Es gibt Menschen, die sagen, das kann passieren, muss man jetzt nicht. Aber ganz ehrlich, im Bereich BDSM gibt es ganz viele fiese Möglichkeiten, da ganz besonders intensive Erfahrungen zu machen.
Hannes Das ist ja, also für mich persönlich spielt ein Orgasmus nur so eine mittelbare Rolle. Also mir persönlich ist das ziemlich egal, weil wie gesagt, dafür brauche ich keinen Partner. Das ist nichts, wo ich irgendwie was rausziehe. Aber so Orgasmuskontrolle bei anderen, herrlich. Tatsächlich.
Sebastian Lieber Herr, er grinst gerade, wie er seid überhaupt noch gar nicht. Aber Kontrolle ist ja eher weniger oder eher mehr. Also in welche Richtung geht das Pendel?
Hannes Tatsächlich ist der Witz an der Sache das relativ lange Leidenlassen. Auch so dieses, da muss ja gar nicht gesprochen werden. Sondern einfach dieser Blickkontakt zu sagen, also so mit den Augen zu sagen, nee, noch nicht. Wahrscheinlich beim nächsten Mal auch noch nicht. Das kann sich jetzt hier noch ein bisschen ziehen. Warte mal ruhig noch eine Weile. Irgendwann kommst hier auch wieder raus, aber jetzt tatsächlich noch nicht.
Sebastian Reden wir da jetzt über eine Langzeitgeschichte über Wochen oder geht es da eher um Stunden?
Hannes Das geht um Minuten oder Stunden, aber da kannst du es ja viel intensiver machen. So dieses wirklich, hochhalten, wirklich an so einem Punkt, wo es fast in einem Fieberanfall mündet und dann wieder abfallen lassen. Dann gehst du vielleicht sogar, wenn sie festgemacht ist, nochmal aus dem Raum raus. Lässt du da fünf Minuten liegen, kommst dann wieder So, jetzt können wir wieder. Da kannst du dann auch wieder wunderbar mit der Behinderung spielen, weil dann kannst du dich zwischendurch auch einfach hinsetzen und gucken. Dann suchst du dir selber deine Pause, lässt sie da liegen und sie leidet ja. Und wenn es dir wieder genug ist, dann stehst du wieder auf und gib ihm.
Sebastian Okay, aber das ist dann auch wieder für dich der King tatsächlich Kontrolle. Ich bestimme wann und wie und ob und basta.
Hannes Ja, natürlich spricht man das dann auch vorher ab. Auch beim Orgasmus gibt es ja irgendwo eine Leidensbereitschaft und irgendwann geht es ja nicht mehr. Aber an sich, wenn die Limits erstmal ausgehandelt sind, dann spielt man erstmal ein paar Mal und dann verhandelt man die neu, aber innerhalb dieses Spektrum, wo dann schon verhandelt wurde, da entscheide ich.
Sebastian Ich muss mal, ich brauche mal Statistik hier. Um wie viele Spielpartner, die du schon hattest, sprechen wir gerade?
Hannes 10, 15 ungefähr.
Sebastian Okay, das ist aber mal ganz gut, damit kann man schon mal Statistiken machen. Das heißt aber, du hast ein Spektrum kennengelernt. Du hast mehrere Menschen kennengelernt, die ja alle irgendwie auf irgendeine Art und Weise unterschiedlich drauf sind. Wo sagst du so, das sind so Aspekte, ja, die sind mit mir besonders kompatibel oder wo sagst du auch, damit muss man sich erstmal arrangieren tatsächlich. Also ich mag nochmal so ein bisschen, da bist du auch ein bisschen ausgewichen vor einer guten Stunde etwa, so das Beuteschema nochmal ein bisschen rausgreifen.
Hannes Ich habe tatsächlich kein Beuteschema. Ich glaube immer eins zu haben, aber mit jeder Partnerin wird dann wieder vorgeworfen, nee, gibt es eigentlich gar nicht.
Sebastian Ja, aber das Beuteschema ist, also ich würde dir jetzt schon mal unterstellen, also Orgasmuskontrolle zu mögen wäre Teil des Beuteschemas.
Hannes Ja, aber das heißt ja noch lange nicht, dass sie wissen, was Orgasmuskontrolle ist. Das ist mehr so das Ding, ich kann dir erklären, was ich mache, das macht dir aber im Zweifelsfall viel mehr Angst als das, was eigentlich stattfindet. Weil Orgasmuskontrolle ist so ein riesiges Wort. Das fühlt sich für viele so an, gut, der lässt mich dann einfach stehen. Und dann verhungere ich quasi. Das ist ja aber nicht der Punkt, du führst ja irgendwann ans Ziel. Und dadurch, dass sich das bei mir nicht über Wochen zieht und über einen Orgasmusplan und was auch sonst, weil mir das dann wieder viel zu durchgetaktet ist, das wäre für mich tatsächlich nichts. Also so kommen nach Kalender.
Sebastian Also es geht wirklich um den Moment, um die Session selbst.
Hannes Richtig, genau, dieses paar Sekunden stehen lassen, sich in die Augen gucken, dann hast du wieder so diese Reaktion kriegst mit, was bei dem anderen stattfindet und das sorgt ja dann auch irgendwo für den Spaß bei Sub, dann zu merken, oh, der hat mich jetzt hochgetrieben und da kommt aber noch was weil, bei vielen in meinem Alter tatsächlich auch Sex ja immer zwangsläufig mit Orgasmen verbunden ist und die müssen auch immer von jetzt auf gleich kommen. Aber der Genuss dahinter ist ja fast noch größer in manchen Fällen, wenn man sich das ein bisschen aufhebt und hinzieht.
Sebastian Ich versuche das mal ein bisschen runterzubrechen, weil es wird gar nicht so viel vorher gesprochen und genau thematisiert, wir machen das und das und das, sondern ich habe das Gefühl, BDSM ist für dich ein, wir machen einfach miteinander Dinge, die uns beiden Spaß machen. Punkt.
Hannes Genau, das ist intuitiv. Man setzt sich zwar Grenzen und sagt, also jetzt zum Beispiel, wenn du ans Spanking gehst, dann musst du natürlich absprechen, wo Schmerzlimits sind beispielsweise. Also das heißt ja jetzt nicht, dass ich wem auf die Rippen schlage oder was auch immer, weil es einfach sinnlos wäre und ungesund. Aber auch in den Hintern kannst du ja auf sauviele verschiedene Arten bearbeiten und auf verschiedene Intensitäten hinauslaufen lassen. Da musst du dann Dinge absprechen. Aber wenn es um schnöde Dinge, in Anführungsstrichen, wie einen Orgasmus geht, von dem hoffentlich jeder weiß, wie sowas vonstatten geht, dann muss man da nicht viel absprechen. Es sei denn, es wird dann irgendwann gefragt. Du kannst dann zwar das Stichwort Orgasmuskontrolle eventuell mal fallen lassen, Wenn du merkst, offen dafür und sich damit mal auseinandergesetzt, ja, dann kommt aber bei vielen auch die Antwort, was für Orgasmuskontrolle ich hatte, noch nie ein. Das zeugt dann nicht von Qualitäten von Männern oder wie auch immer, weil sich da einfach mit dem Partner nicht besonders gut auseinandergesetzt wurde. Aber es ist auch viel und intuitiv. Ich lasse mich da auch gerne treiben.
Sebastian Ich hatte, als ich wirklich in die Szene gekommen bin, hatte ich das Glück, dass ich eine Spielpartnerin hatte, die war mir einfach mal ein Jahrzehnt voraus und zwar nicht nur nach Kalender, sondern auch nach Erfahrung, da waren es wahrscheinlich zwei Jahrzehnte, also die kannte alles und die wusste besser als ich, was ich eigentlich gerade tue und was ich fühle etc. Und die hat mich einfach probieren lassen. Deshalb habe ich gelernt, es ist wertvoll, wenn mein Gegenüber sehr genau weiß, was wie ist, dann profitiere ich davon, weil das erleichtert nämlich die Kommunikation, weil ich dann sagen kann, pass mal auf, du bist die Expertin für deinen Hintern, wenn da mehr geht, dann sag es mir, beziehungsweise wenn da weniger geht, dann auch und dann kann ich gucken im Rahmen der Willkür, was wir denn daraus machen. Also ich empfinde diesen Informationsvorsprung vor Sub, da sehe ich den Benefit für mich persönlich einfach nicht. Für dich ist er jetzt Teil des Kings. Und das heißt, du musst dir jetzt sicherstellen, auch für die nächsten vielen Jahre, dass du diesen Informationsvorsprung hast. Das ist doch schwierig.
Hannes Ja, aber ich habe ja auch schon mit Leuten aus der Szene gespielt. Dann dreht sich aber das Spiel. Du hast ja auch nicht bei jeder Person die gleichen Dinge, die du abhandelst, weil du ja zum Beispiel, wenn du mit Sinnesentzug arbeitest, fängst du ja bei einem Menschen, der unerfahren ist, auch zum Beispiel erstmal nur mit einer Augenbinde an. Bei einer erfahrenen SMlerin kannst du die gleichzeitig anketten, Augenbinden drüber packen, Ohrstöpsel rein und dann liegt sie einfach nur da und ist bespielbar. Das könntest du einem Neuling aber niemals zumuten, würde ich auch niemals machen, weil das völlig unverantwortlich ist.
Sebastian Das heißt aber, du glaubst, dass das abstumpft? Also je mehr Erfahrung ich habe, desto extremer kann ich spielen?
Hannes Nicht unbedingt, aber ich gehe davon aus, dass man im Laufe seiner Zeit mehr Dinge ausprobiert und sich dementsprechend auch das Spektrum erweitert.
Sebastian Ja, oder das Spektrum sich sogar verkleinert. Das gibt es ja auch, dass man eben, also wirklich, also ich habe auch wirklich Mist ausprobiert und dann habe ich festgestellt, okay, es gibt so ein, ich habe mal so eine gewisse Basis, auf der fühle ich mich besonders wohl. Und dann ist immer das Problem, dass man trotzdem noch so open-minded bleibt, dass man trotzdem noch irgendwelchen Unsinn ausprobiert, den man vielleicht auch vor zehn Jahren schon mal ausprobiert hat, um dann zu gucken, finde ich das immer noch blöd oder ist es eventuell anders und ich stelle das momentan ganz oft fest, es ist dann tatsächlich immer anders. Also du kannst offenbar beim BDSM nicht hingehen, sagen, so, ich habe die Sache mit der Kettensäge vor 10 Jahren probiert, das war doof und das wird auch doof bleiben. Nein, wenn ich es heute ausprobiere, kann ich unter Umständen feststellen, das ist total super.
Hannes Genau, aber da sind wir jetzt auch an dem Punkt, ich muss es ja jetzt mal fallen lassen, du bist doppelt so alt wie ich. So.
Sebastian Noch mehr sogar.
Hannes Ja, ich wollte ja immer noch ein bisschen nett sein.
Sebastian Ach, brauchst du nicht. Also um Gottes Willen. Wobei, das Witzige ist, die grauen Haare, die drei, die ich habe, die habe ich, seitdem ich 13 bin. Also von daher.
Hannes Ach, guck mal, schon früh, Alter.
Sebastian Das heißt, ich altere jetzt langsam zu meiner Frisur dazu.
Hannes Die Falten passen sich den Haaren an. Schön. Ja, aber das ist ja auch diese Langzeitperspektive, zu sagen, ich gucke eine Dekade später. Die gibt es bei mir ja nicht. Ich spiele ja im Prinzip seit drei, vier Jahren. Ich bin ja immer noch auf einer Entdeckungsreise in dem Sinne. Es wäre jetzt arrogant zu sagen, ich weiß, was ich tue und das abschließend. Und da ergibt sich nichts. Sondern ich weiß momentan, was ich tue und ich habe ein Skillset, aber das dreht sich ja eigentlich mit jedem Menschen und mit jeder Session.
Sebastian Aber wo möchtest du denn hin? Also wo sagst du, das wäre eigentlich, das ist so das, was ich gerne hätte. Wenn ich mir was aussuchen kann, das soll es sein.
Hannes Tatsächlich eine Sache, an die ich mich bisher noch nicht dran getraut habe, ist Suspension irgendwo. Ich bin was Robes angeht, ziemlich blöd. Also, Wenn ich wen einknüpfe, dann sieht es tatsächlich so aus, als hätte ich eine Schildkröte gebaut, weil so viele Knoten auf dem Rücken sind, dass sich ein Panzer draus ergibt. Deswegen muss ich mich da an einzelne und einfache Fesselungen halten. Das wäre eine Sache. Breathplay ist eine Sache, die ich unheimlich spannend finde, die aber auch mit ganz viel Kommunikation zu tun hat. Das machst du nicht aus dem Blauen. Und das ist auch eine Sache, wo du dich rantastest und wo ich persönlich weiß, da bin ich noch nicht bereit dafür. Also da sind wir auch wieder beim Punkt Verantwortung. Ich kann ja Sub auch nur das zumuten, wo ich mich selbst drin sicher fühle. Da gab es tatsächlich auch schon ein paar Dinge, wo ich aus Versehen in die Dynamik reingerutscht bin, die hinterher zu Problemen geführt hat.
Sebastian Okay, aber wo willst du das Wissen herkriegen? Also du offenbar sagst, das möchte ich machen, Aber mir fehlt da Sicherheit oder stupides Wissen.
Hannes Genau, da sind wir ja dann wieder an dem Punkt, das kannst du ja nicht mit Anfängern machen. Also das kannst du schon mit Anfängern machen, aber am liebsten sind einem ja da Menschen mit Vorerfahrung. Das heißt, wenn sie schon wissen, wo liegen Grenzen, was halte ich würgetechnisch beispielsweise aus, wie viel Sauerstoff brauche ich, um noch klar gucken zu können, um noch klar argumentieren zu können, wann genug ist, musst du mich tatsächlich sogar aus der Bewusstlosigkeit aufwecken, was für mich momentan noch komplett gruselig ist, weil mir das viel zu viel Verantwortung ist, weil es ja dann wirklich in den medizinisch relevanten Bereich reingeht. Aber das sind Dinge, da muss man sich dann mit erfahrenen Leuten auseinandersetzen und wahrscheinlich vorher sogar mit Leuten und Pärchen reden, die das schon in ihren Spielalltag regelmäßig eingebaut haben. Da muss ich noch hin.
Sebastian Da siehst du aber eher so die Peer-to-Peer Wissensquellen einfach. Es gibt ja auch Workshops ohne Ende momentan. Also wenn ich da überall reingocke, was an Workshops überall stattfindet, zu was für Dingen. Wahnsinn. Ist das eine Option für dich?
Hannes Schon, also gerade was Bondage angeht, ja ich würde auch einfach an sich, einen Hypnose-Workshop nochmal machen, um einfach das nochmal so ein bisschen hochzutreiben, weil das ja dann Mindplay-Stufe 2 ist aber auch so Sachen wie ein Spanking-Workshop wären natürlich interessant, einfach weil ich nicht davon ausgehen möchte dass ich schon genug weiß, um nicht noch was dazu zu lernen, so ein Breathplay-Workshop wäre mir persönlich zu wenig empirisch. Das ist eine Sache, die machst du zwischen zwei Menschen und die kommt sehr auf die gegenseitige Empfindung an, Da arbeite ich lieber mit Einzelerfahrung und taste mich ganz langsam ran, als in einem Workshop beigebracht zu kriegen, hier sind so die allgemeinen Grenzen.
Sebastian Ja, wobei beim medizinischen Kram, das ist ja immer gut erforschtes Zeug. Also das Wissen kann man ja mitnehmen, sage ich mal. Wo ich eigentlich hinkommen will, ist, du hast mir im Vorgespräch gesagt, du willst was für die Szene tun. Du sitzt jetzt hier mit mir zusammen, demnach tust du schon was. Ich rieche Ambitionen.
Hannes Ich habe tatsächlich insofern eine Bühnenvergangenheit zusammengehabt, dass ich journalistisch tätig war und mit selbstgeschriebenen Texten aufgetreten bin. Daher kommt wahrscheinlich auch so ein bisschen dieser voyeuristische und expressionistische Aspekt. Wenn du dich gern zur Schau stellst, du hast ja auch so ein bisschen Geltungsdrang, dann wahrscheinlich hat es mich deswegen auch zur Top-Rolle hingetrieben. Weil Sub ist ja dann in gewisser Weise auch so ein bisschen Zuhörer und Zuschauer. Und die Zuschauer sitzen unten, du stehst oben auf einer Bühne, wirst angestrahlt. Es hängt ja alles irgendwo zusammen. SMJG wäre ein Thema, weil gerade für mich, der noch U20 ist, da findet man doch nicht allzu viel. Leute, die in ihren Zwanzigern sind und sich ausprobieren, ja. U20 ist noch so ein bisschen so ein totes Feld, da würde ich mich tatsächlich gerne engagieren. Und ansonsten generell so mediale Aufklärung leisten. Weil viel ja auch noch mit Stigma belegt ist und immer noch so dieses Stereotype-Bild von Dungeons und von dunklen Kellern existiert, was ja gar nicht mehr so stattfindet und so ein bisschen mehr der Allgemeinheit zugänglich machen.
Sebastian Okay, also das ist deine Mission für die nächsten, also bis zur Rente, sage ich mal.
Hannes Richtig, dann werfe ich mir meinen Cape über.
Sebastian Ja, ganz ehrlich, das ist ja auch gut und wichtig, weil wir wissen jetzt inzwischen, in den letzten zwei, drei Jahren ist nicht viel publiziert worden zum Thema BDSM, was breitenöffentlichkeitswirksam ist. Und ich habe letzte Woche mal geguckt, wann Welt, Spiegel und wie sie alle heißen zum letzten Mal einen längeren Artikel hatten in dem Bereich und das ist erstaunlich lange her. Also teilweise schon sechs Monate, dass der Treffer BDSM in deren Suche überhaupt irgendeinen Treffer bringt. Also man merkt, es ist schon wieder abgekühlt und da finde ich natürlich alles gut, was sagt hier irgendwie sichtbar sein, Aufmerksamkeit der Gesellschaft nicht erlauben, dass sie das Thema übersieht, sondern es ist einfach da.
Hannes Richtig, weil es ja auch erwiesen ist, dass es eine andere Form der Normalität ist. Also so dieser Begriff Normalität ist ja eigentlich auch kompletter Beschiss, weil Normalität sich ja auch nur daher ergibt, was der Großteil einer bestimmten Gruppe, einer bestimmten Interessengemeinschaft als normal beziehungsweise als vernünftig ansieht. Und BDSM fällt da noch so ein bisschen aus der breiten Öffentlichkeit raus, ist aber medizinisch durchaus als normal begründet worden. Dem fehlt nur die Öffentlichkeit noch so ein Stück weit, um es wirklich breiten zugänglich zu machen. Dann ist es wirklich die Aufgabe von jedem Einzelnen von uns, der in der Szene tätig ist, im Rahmen seiner Möglichkeit zu, Und dafür zu sorgen, dass es in diese breiten Öffentlichkeit reingerückt wird, weil es ja dann positive Aspekte für alle von uns hat.
Sebastian Was erwartest du denn davon, wenn du das mehr in der Öffentlichkeit kommunizierst? Also was für einen Effekt soll es denn haben?
Hannes Mehr als Verständnis kann man ja nicht erwarten. Entweder es bekennt sich oder merken Leute, die haben Tendenzen dahin und informieren sich dann selbst und stoßen im besten Fall zu der Szene hinzu oder sagen, es ist nicht meins. Aber eine erhöhte Toleranzschwelle zu sagen, bis zu dem Punkt kann man damit noch umgehen, das wäre natürlich wichtig, damit man nicht von vornherein, und solche Leute gibt es noch, als Schmuggeltyp oder als Triebtäter im schlimmsten Fall stigmatisiert wird.
Sebastian Tatsächlich einfach erklären, das sind normale Menschen, die normale Sachen machen.
Hannes Richtig und die Lobby dahinter und die Vorsichtsmaßnahmen erklären. Also sprich jedem Menschen erklären, was ist ein Ampelsystem, was sind Heartlimits, weil das eigentlich auch für eine Vanilla-Beziehung ja durchaus Sinn hat, wenn sich jeder darüber bewusst wird, ich kann zu jedem Zeitpunkt stoppen. Das ist ja so eine Sache, die moralisch bei vielen zwar irgendwo im Kopf ist, aber noch nicht verinnerlicht. Und da hat BDSM, glaube ich, so ein Stück weit was von anderen Beziehungen voraus aufgrund dieser anderen Auseinandersetzungen mit der Thematik.
Sebastian BDSM steht unter dem Verdacht, nicht einvernehmlich zu sein. Also habe ich auch das Gefühl, dass die Community in den letzten, ich weiß nicht wie viele Jahren, Mechanismen entwickelt hat, um diese Einvernehmlichkeit sicherzustellen. Und zwar so sehr inzwischen, dass manche Vanille-Beziehungen da hinten dran hängen. Ja, kleiner Bruch. Wir haben eine kleine Pause gemacht. Das ist ja hin und wieder auch mal nötig. Und ich bin tatsächlich auch dann an deiner Mama kurz vorbeigelaufen, habe mal Hallo gesagt und dachte mir, ach, siehste Thema, fast vergessen, Outing. Also ich laufe hier im Haus rum. Weiß man denn, worüber wir hier gerade sprechen?
Hannes Tut man. Man weiß auch, dass du da bist und das war auch vorher tatsächlich schon ein paar Mal Thema, weil ich versucht habe, damit offen umzugehen und zum Glück in einem Elternhaus aufgewachsen bin, was mir schon seit wirklich frühen Kindertagen gesagt hat, du, solange du Spaß dran hast und wenn andere Leute mit drin sind, die dann auch, dann mach. Hauptsache es ist nicht strafrechtlich relevant.
Sebastian Okay, das ist ja mal eine schöne Einstellung, das passt ja. Ich muss mal erwähnen, ich habe, ich glaube, das habe ich schon mal irgendwo erzählt, aber ich habe einen Gast gehabt und sie hat das dann ihrer Mama, die Folge quasi zum Hören gegeben und die hat mich dann hinterher auch nochmal angeschrieben, die Mama bei Instagram und hat dann gesagt, ja, das war ganz gut, Dankeschön. Und ja, so hätte ich das auch gerne, damit wurde ich leider nicht gesegnet, aber wer weiß denn, was du so machst?
Hannes Tatsächlich relativ viele. Also meine beiden Eltern wissen es, die sind nicht in der Szene drin, aber zumindest so tolerant, dass sie sich das anhören und sagen, okay, gut, ich kann nachvollziehen, warum andere daran Spaß haben. Relativ viele aus meinem Freundeskreis wissen es, einfach weil, viele dann eben auch bei mir mit Beziehungsproblemen ankommen und wenn dann die Beziehungsprobleme zur Sprache kommen, schmeiße ich natürlich auch relativ schnell irgendwo BDSM mit in den Raum und ach, guck mal, vielleicht gibt es ja Dinge, die du noch ausprobieren möchtest, vielleicht hat es ja daran gehakt und dann hat man gleich einen Aufhänger, um wenigstens zu erklären, was macht man denn selbst? Und was könnte man da rausziehen?
Sebastian Und funktioniert das? Also wenn du jemandem erzählst, dass deine Beziehung jetzt gerade beendet ist und er das doof findet, also dann gehst du hin und sagst, ja, übrigens du hast noch viel mehr verpasst, als du gerade ahnst. Ich finde das ganz schön bösartig.
Hannes Es funktioniert bei Frauen irgendwo besser. Ich habe das Gefühl, das Kopfkino bei Frauen ist komplexer als das bei Männern.
Sebastian Ach was.
Hannes Ich ahne, es liegt an der Blutzufuhr. Männer sind dann insofern komisch, als dass sie sich dann gar nicht vorstellen können, was man denn da macht. Und ich war am Anfang tatsächlich auch so, dass ich mir überlegt habe, ja, wie fängst du denn eine Session an? Und dann überlegst du auch so ganz komisch, ja, ziehe ich die dann gleich irgendwie mit den Haaren durchs Haus? Oder wie fange ich dann an? So, das sind halt so Dinge, da fängt man völlig am falschen Ende an. Eine Frau, aus meiner Erfahrung zumindest, lässt sich darauf viel eher ein und sagt, kann ich ja mal testen. ein Mann hat gleich ein Konzept im Auge, was ihm gar nicht passt oder was das komplett falsche Konzept ist, der denkt zu viel an falschen Stellen nach.
Sebastian Ja, jetzt muss ich ja sagen, du bist ja ein Mann, ich auch. Da kommen wir ja nicht raus aus der Nummer.
Hannes Nee, aber wir können uns ja darüber bewusst sein und wenigstens hoffen, dass wir es besser machen.
Sebastian Oh, also ein bisschen männliche Demut. Okay, aber wem würdest du denn nicht sagen? Hier, BDSM und dies und das und ich verhau Mädels.
Hannes Tatsächlich, so eine Schwelle hat dich dann irgendwann bei meiner Oma erreicht, bei der ich es dann auch probiert habe und versucht habe zu erklären, du, ich ticke nicht ganz so monogam. Da hat sich mein Opa gleich aus der hinteren Ecke eingeschaltet und meinte, ja, das ist ja auch nur so, weil du jung bist, guck mal, 30 Jahre in der Zukunft, dann kannst du das auch nicht mehr machen, dann musst du dich auch irgendwann mal festlegen. Da war es dann irgendwann schwierig. Oma wusste aber zumindest aus therapeutischer Sicht, was ein Schlingentisch ist. Deswegen konnte ich dann so ein paar Anekdoten fallen lassen. Das ging dann.
Sebastian Okay, also der Wunsch ist da, aber an der Stelle, ja, warum? Also möchtest du das Feedback nicht, das Unverständnis nicht ertragen? Oder möchtest du einfach deine Großeltern ihm glauben lassen, dass der Enkel, aus dem wird mal was?
Hannes Der Zug ist abgefahren, Aber an sich ist es auch einfach, glaube ich, so ein Generationskonflikt, dem ich da aufgesessen bin. Es gibt halt Dinge, über die spricht man in dem Alter nicht. Meine Großeltern sind jetzt beide über 80, mit denen ich darüber geredet habe. Da war dann auch irgendwann der Punkt, da müssen sie vielleicht nicht alles wissen. Die müssen wissen, wie ich als Mensch ticke und wie ich zu bestimmten Dingen stehe, aber was ich dann mache, da hört es dann irgendwo auf. Ich will es ja bei meinen Großeltern selbst auch nicht unbedingt wissen, wie viele blauen Pillen eingeschmissen werden müssen, damit dann im Schaltjahr irgendwann mal wieder was funktioniert.
Sebastian Stell dir mal vor, deine Großeltern wären praktizierende BDSM-er.
Hannes Herrlich.
Sebastian Ja, okay. Ich merke schon, an der Stelle brauchen wir gar nicht weiter reden.
Hannes Ich könnte mir auch die Rollenverteilung tatsächlich gar nicht vorstellen.
Sebastian Ich werde das da an der Stelle schneiden. Mein Haken ist tatsächlich der. Ich habe ja heute ein Akkuproblem, weil meine super duper Powerbank heute so ein pulsierendes Geräusch uns ständig hier einbaut. Da muss ich mal Nachschub besorgen. Deshalb, damit das sicher da ist. Es gibt ja bestimmt ein Ding der Woche. Tata.
Hannes Moment, ich öffne eine Schublade. Ich habe mehrere vorbereitet. Ich habe mehrere Dinge vorbereitet.
Sebastian Ich sehe drei Sachen. Ich sehe ein Wartenbergrad und zweimal Papier. Nein, einmal Papier und einmal Plastik.
Hannes Einmal CD. Genau, mit der CD fangen wir vielleicht mal an.
Sebastian Eine CD. So, was haben wir denn? Nach Mar Widerstand. Oh, hübsche Mädels vorne drauf. Frau auf Klavier liegend. Halterlose natürlich. und also Military-Style, sag ich mal. Gut, der Typ auf der Rückseite ist jetzt nicht weiter von Belang. Was für Musik ist das?
Hannes Das kommt aus der Goff-Szene, die sich stark mit diesem Machtbezug auseinandersetzen, mit einer Militär-Optik spielen, und ziemlich mit verzerrten Beats-Arbeiten relativ roughe Texte an den Tag legen. Wir haben zum Beispiel eines der berühmtesten Lieder ist Mädchen in Uniform. Und der Refrain beginnt mit Mein Herz hab ich an sie verloren, Mädchen in Uniform. Und dann kannst du dir wahrscheinlich denken, was das mit BDSM irgendwo auch zu tun hat. Und zwar dieser Bezug zu sagen, da ist so ein bisschen Zucht und Ordnung drin, da ist alles an dem Platz, wo es hingehört. Und die wissen, was sie tun. Und es gibt irgendwo ein Regelwerk, nach dem gehandelt wird im Militär.
Sebastian Ah, gibt es da vielleicht ein Kink für dich? Dass du sagst, ja, auch das, auch der Bereich, haben wir überhaupt nicht drüber gesprochen bislang, Klamotten, Optik. Ich meine, du hast mir am Anfang schön erzählt, Meraluna etc., da hätte ich auch vorher drauf kommen können. Ist das für dich wichtig?
Hannes Ja, absolut. Das hat auch bei mir ganz viel mit der Clubkultur dahinter zu tun, weil dieses in schwarz und einheitlich gekleidet, und sich auf eine andere Art und Weise Kopf drum machen, wie man aussieht und sich auch im Kulturleben quasi damit zu beschäftigen, was BDSM bedeutet und tatsächlich wenn du in einen Club gehst und SMler bist, dann auch zu Musik zu feiern, die sich mit SM irgendwo beschäftigt, das schließt für mich auch so den Kreis.
Sebastian Ich war schon auf Partys, da wurde Nena gespielt.
Hannes Gut, das...
Sebastian Da kann man recht gut zu hauen, es geht.
Hannes 99 Luftballons und die Nadel sitzt.
Sebastian Zieht dich das an, weil es einfacher ist, also weniger chaotisch vielleicht?
Hannes Das kann sein. Ich habe tatsächlich Uniform auch noch nicht getestet. Das ist aber eine Sache, vor der verschließe ich mich nicht. Das ist so eine Sache, die waren mir bisher zu konstruiert, dieses so, wir gehen jetzt ins Bett, ich ziehe mich mal kurz um. Das kam mir immer ein bisschen komisch vor, das ist aber eine Sache, die kann ich wirklich für mich auch nachvollziehen, vielleicht kommt das noch.
Sebastian Ich komme nochmal auf die CD, die ich jetzt einfach in der Hand habe. Jetzt ist das Blöde, ich kann jetzt die Titel hier nicht einfach einspielen, deshalb habe ich mir gerade ein paar Fotos von dem Ding gemacht, damit ich da zumindest mal reinhören kann. Ich vermute mal, ich kenne das eine oder andere davon schon, ohne es jetzt zu wissen. Kann das sein?
Hannes Das könnte sein, ja, weil es eine relativ starke Szenegröße ist, wobei man da ein bisschen vorsichtig sein muss, ne, Österreicher, schwarze Haare, Seitenscheitel in Militäruniform. Kontext, da muss man sich moralisch auch ein bisschen mit auseinandersetzen, aber geht. Ich habe eine Weile mit gekämpft, tatsächlich, weil man ja auch die ganze Zeit am Überlegen ist, wo liegt so die moralische Grenze, gerade bei Uniformen. Wer macht's Uniformen sehen gut aus, aber kann man die tragen? Aufgrund der Geschichte, die dahinter steckt. Und da bin ich mit mir selbst auch noch nicht ganz grün, ob ich mich davon lösen kann, was durch die Optik dieser Uniform bezweckt wurde und ob ich das einfach aus dem Kontext herausziehen kann und für mich sagen kann, es sind schöne Uniformen.
Sebastian Ja, aber ich glaube, das ist bei jedem Uniform-Fetisch auch tatsächlich schwierig, weil jegliche Art von Uniform, irgendwas ist da immer. Gut, bei der Wehrmachtsuniform noch viel mehr, aber es wird tatsächlich schwer. Also du kannst auch sagen, du Polizistenuniform, das ist jetzt mal, sage ich mal, das Junggesellinnen-Abschiedsstandard-Gemick, sage ich mal. Selbst da hast du immer das Problem, dass du sagst, naja, das ist ja Staatsgewalt und dies und das und jenes. Auf der anderen Seite, das kann, was Menschen erotisieren können, was sie einfach geil finden, das kann ich jetzt selber auch gar nicht so in Kategorien einsortieren, also mir fällt das tatsächlich schwer, also eine Wehrmachtsuniform sage ich da ganz ehrlich, wäre für mich etwas, wo ich sage, ach nee, ne, das ist mein persönliches Ding, Auf der anderen Seite, was die da tragen, diese Uniform hat es da auf dem Cover hier, die Uniform hat es damals garantiert nicht gegeben, so gesehen kann ich damit sehr gut leben, was die Mädels da tragen. Schwierig. Kannst du dich davon so einfach lösen und abkoppeln oder was für Gedankengänge hast du da? Wir haben jetzt ein moralisches Ding, was ich im BDSM nicht machen kann, wobei ja BDSM als sich moralisch schon wieder für Teile der Bevölkerung nicht machbar ist. Also wenn wir eh schon Sachen machen, die man nicht macht, dann kann man auch das machen.
Hannes Ja, aber ich komme halt aus einer politischen Ecke, wo gerade solche Dinge nicht funktionieren, weil du hast ja auch das Problem bei Uniformen, wenn man das ein bisschen abstrahiert, das sind ja Menschen, die unabhängig von dem Fakt, dass man in einem bestimmten Staat lebt, ja Regeln aufzwingen, die im Zweifelsfall nicht im gegenseitigen Einverständnis stattgefunden haben. Einfach weil der persönlich definierte Freiheitsbegriff ein anderer ist. Und das gibt es im SM nicht. Da hakt es dann tatsächlich bei mir auch.
Sebastian Ja, aber wenn du sagst, das kann mir Spaß machen, das kann mir gefallen. Ja, also welche Moral hat das Recht, dir zu sagen, das macht man nicht an der Stelle? Weil als BDSM-er setzen wir uns da ja eh schon drüber hinweg. Du hast gerade gesagt, politische Ecke. Welche politische Ecke ist denn deine?
Hannes Ich tendiere eher nach links, auch wenn natürlich links und rechts bedingen sich ja irgendwo. Du kannst ja keine Gegenströmung erzeugen, wenn es nicht von vornherein eine Strömung gibt.
Sebastian Dann ist es ja eher der Bereich der Satire und da darf man ja alles.
Hannes Alles klar, mit rosa Armbinde geht es dann.
Sebastian Genau. Ja, das ist tatsächlich ein Thema, da mag ich nochmal, also früher oder später, ich habe da so einen Menschen im Blick, aber der will mit mir noch nicht öffentlich reden, der hat es auch mit Uniformen und ich würde da so unglaublich gerne mal ganz tief einsteigen, weil das hat sich mir bisher noch verschlossen. Ja, die Uniformen in Form von die Mädels auf der Party tragen alle sehr schöne Sachen, was optisch einfach schön ist und die Jungs tragen in der Regel irgendwie Anzug oder auch irgendwelche geilen Geschichten. Das ist ja auch schon eine Art Uniform, dass man sagt, Abendkleidung. Abendkleidung plus Aufreizen ist super. Aber warum es dann eine bestimmte sein muss, das ist bei mir noch tatsächlich gar nicht angekommen.
Hannes Das spielt dann wahrscheinlich eine Ästhetik Rolle, aber wie gesagt, das ist bei mir jetzt auch nur theoretisch, das kann ich noch nicht erörtern.
Sebastian Dann machen wir das in ein paar Jahren, dass wir das mal genau erörtern. Okay, komm, du hast doch noch mehr. Ich sehe ein pinkfarbenes Buch. Richtig, der Titel ist wichtig. Bevor ich drauf gucke, ich habe mal ein Buch geschenkt bekommen von meiner französischen Nachhilfelehrerin und nicht, was ihr jetzt denkt. Und die hat mir gesagt, wenn du das hinkriegst und die und die Note in der Arbeit schreibst, dann kriegst du von mir das französische Schimpfwörterbuch. Fakt ist, ich habe die Note erreicht, das Buch habe ich nie bekommen, aber ich habe es irgendwann gegoogelt und es sieht genauso aus wie das hier. Aber jetzt habe ich hier in der Hand von Klaus Horn Dressur oder Erziehung, Schlagrituale und ihre gesellschaftliche Funktion. Okay, jetzt bin ich ratlos. Es ist auf jeden Fall kein französisches Schimpfwörterbuch. Ja, was ist es, was steht drin? Es ist ja nochmal ein Buch und es hat nicht mal einen Klappentext hin. Nicht mal den gibt es. Also ich kann ja nicht mal was rezitieren. Auf jeden Fall hast du es pfleglich behandelt. Das kann ich schon mal sagen.
Hannes Es ist eine philosophische Abhandlung, beziehungsweise auf jeden Fall wissenschaftlich, wie sich Schlagrituale und Gewaltanwendungen innerhalb von Kulturen entwickelt haben. Sprich, Dinge wie Moral entwickeln sich ja auch alle stetig weiter und moralische Grenzen verschieben sich. Vor ein paar Jahrzehnten war es ja durchaus noch in Ordnung, Menschen zu schlagen, vor allem zur Kindeserziehung. Und sich mit dem Kontext auseinanderzusetzen, finde ich irgendwo auch wichtig für SM, um betrachten zu können, wie haben wir uns als Menschen auch entwickelt und wo kommen so diese Urinstinkte her, die uns auch zu SM geführt haben.
Sebastian Okay, da siehst du also Zusammenhänge. Ich sag jetzt erstmal, ich hab gerade reingeschaut, die Erstausgabe von dem Werk hier ist von 1967. Lass mich mal erstmal fragen, wo hast du das Ding denn her?
Hannes Tatsächlich im Antiquariat drüber gestolpert und dann standen da Schlagrituale drauf und dann war es natürlich erstmal spannend.
Sebastian Okay. Und kannst du mir so ein, das ist bei Büchern immer schwierig, kannst du mir einen kleinen Überblick geben, was denn die Theorie dahinter ist? Weil das ist ja jetzt nicht im BDSM-Kontext, sondern nimmt ja das Schlagen, also den Akt der nicht konsensuellen Gewalt, nimmt daher und guckt, was macht das aus den Menschen, wenn ich das richtig verstanden habe.
Hannes Genau, das ist wieder so dieser Konditionierungsaspekt, so Zuckerbrot und Peitsche im Prinzip.
Sebastian Was hast du da für dich rausgezogen?
Hannes Bestimmte Dinge und bestimmte Haltungen zu vermeiden, einfach weil ich Konditionierung nicht durch Strafe in dem Sinne erreichen möchte, dass es wirklich durch Gewalteinwirkung stattfindet, egal ob psychisch oder körperlich. Ich hatte tatsächlich gerade hinsichtlich Mindplay, was wir ja vorhin besprochen haben, auch eine Geschichte, die nachhaltig gefährlich geworden ist, was ich aber auch erst später gemerkt habe, weil ich mich damit erst später auseinandersetzen konnte.
Sebastian Also ich lese, höre jetzt mal raus, dass in diesem Buch steht im Prinzip für dich genau drin, wie man es nicht machen soll.
Hannes Richtig, vor allem im Sinne dessen, dass Schlagen an sich eine Konditionierungsform ist, die niemals ohne Kontext, Konsens und gegenseitige Einvernehmlichkeit im Sinne von Vorsicht stattfinden sollte. Also ich sollte auch als Top nie in der Position sein, sagen zu können, ich selber entscheide, was für ein Strafmaß erträglich für Sub ist.
Sebastian Weil du es nicht weißt? Also aufgrund von was? Weil natürlich entscheidest du es ja in dem Moment, wo du sagst, dafür gibt es 10. Damit hast du ja das entschieden.
Hannes Richtig, aber das muss dann aus der Situation heraus passieren. Es darf nicht ohne Kontext passieren. Ich darf mich nicht irgendwann hinstellen und erst schlagen und dann, das ist dafür. Und dann nicht sagen, warum. Und nicht im Zweifelsfall in so einer Situation zu versuchen, Limits zu erweitern. Ich darf nicht alleine entscheiden, was für eine Strafe angemessen ist. Da muss man vorher schon ausgelotet haben. Und in dem Bereich muss man dann auch bleiben und sich nicht durch Euphorie irgendwie weiter treiben lassen. Das ist unheimlich gefährlich.
Sebastian Okay, mal einen Punkt früher. Überhaupt das Konzept von Strafe im BDSM. Das ist ein Teil deines Kings?
Hannes Irgendwie ja.
Sebastian Ich versuche immer Strafe nicht zu sagen, sondern ich versuche immer zu sagen Konsequenz. Weil Konsequenz sagt bei mir immer, das ist eine Reaktion auf dein Handeln. Strafe empfinde ich tatsächlich, es ist faktisch gesehen das Gleiche, aber es ist ein anderes Konzept. Ich glaube, das ist ein Konzept, was nämlich mit schlechtem Gewissen arbeiten soll. Genau das möchtest du ja, das ist ja dieser Mindplay-Aspekt an der Stelle.
Hannes Ich möchte aber kein schlechtes Gewissen erreichen oder Grenzen durchbrechen, die langfristige Folgen haben. Sprich, ich möchte keine bleibenden Schäden verursachen. Das geht gerade mental sehr, sehr schnell. Das ist mittlerweile zwei Jahre her tatsächlich, da bin ich auf ein Mädchen gestoßen, was um drei Ecken den gleichen Freundeskreis hatte wie ich, und die auch ähnlich wie ich relativ offen kommuniziert hat, dass sie in der Szene ist und dann haben wir natürlich irgendwo eine Wellenlänge gefunden, dann hat es aber auch menschlich gepasst, und damit dachte ich mir, gut, da gehst du ran so, haben wir uns dann irgendwann getroffen. Und haben dann angefangen, uns zu unterhalten. Und dann hat sich aus diesem alltäglichen Ding heraus eine Dynamik ergeben, die wir beide vorher nicht abgesprochen hatten. Weil sie dummerweise so Little-Girl-Tendenzen hatte. Und sie sich dann so ein Stück weit durch meine Fragen, weil ich immer mehr von ihr wissen wollte und immer mehr wissen wollte, was treibt dich an, worum geht es bei dir? Was beschäftigt dich gerade? Damit habe ich Mauern eingerissen. Und sie war aber dann irgendwo in dieser Little Girl Position, was ich in dem Moment gar nicht geschnallt habe, weil es auch nicht kommuniziert werden konnte von ihr und habe immer weiter in ihrer Psyche rumgebohrt und habe damit Dinge kaputt gemacht, die sie eigentlich für sich als Hard Limits gesetzt hatte, worüber sie eigentlich kaum sprechen wollte. Und das hat dann dazu geführt, dass sie irgendwann nach wirklich ewigen Stunden abgehauen ist. Und wir dann hinterher zwar noch kurz geredet hatten, aber es fand nie eine Klärung statt. Und so konnte ich mir auch nie bewusst darüber werden, dass ich in dem Moment dann was falsch gemacht habe. Und das blieb erst mal eine Weile so. Wir haben jetzt seit ein paar Monaten wieder Kontakt, deswegen habe ich den Kontext dafür auch. Und weiß auch, ich habe dort Dinge bei ihr eingetreten, die ich nicht hätte eintreten sollen. Sie war aber schon in so einer unterwürfigen Position, dass sie es hat mit sich machen lassen, dass wir da beide aus dieser Dynamik nicht mehr rausgekommen sind. Und das ist eben das Gefährliche, wenn man dann irgendwann manipulativ im Alltag wird.
Sebastian Im Endeffekt hattest du die Kontrolle nicht, weil ihr wart beide auf verschiedenen Planeten.
Hannes Richtig, ich bin immer weiter drauf ein, weil ich dachte, ich tue ihr damit natürlich auch was Gutes, wenn sie ihre Emotionen auseinandernimmt und sich jetzt vor mir, der ihr ja in Anführungsstrichen Sicherheit gibt, mit ihren Emotionen auseinandersetzen muss. Aber genau diese Sicherheit war eben überhaupt nicht gegeben und sie hat sich dadurch wirklich getriggert gefühlt und in so eine fast Panik-Situation reinversetzen lassen. Und das konnten wir jetzt erst wirklich abschließend auseinandernehmen. Natürlich haben wir uns da beide vorher schon Gedanken darüber gemacht, aber eben nicht gemeinsam. Und dann war auch dieser Aftercare-Gedanke natürlich überhaupt nicht da, weil wir gar nicht gerafft haben, was da gerade passiert. Das Machtgefälle war unheimlich stark, eben auch schon, weil wir beide nicht gemerkt haben, woran es liegt und wir dann auch beide nicht erkannt haben, wo unsere Grenzen liegt, weil wir einfach dachten, ist ja ein Gespräch, aber es war es nicht.
Sebastian Liegt es langsam Alter oder also an fehlender Erfahrung einfach an der Stelle? Meinst du, das kann man in Zukunft vermeiden?
Hannes Das kann man in Zukunft vermeiden, aber ich glaube, das geht auch nur, was heißt, es geht auch nur, aber für mich ist es auch nur gegangen, dadurch, dass ich diese Negativerfahrung gemacht habe und indem man sich hinterher miteinander auseinandersetzt. Wir hatten beide, oder haben es noch, ähnlich wie Spielerfahrung, wir sind im gleichen Alter eingestiegen, von daher wäre es eigentlich gegangen, aber man muss, beziehungsweise ich, musste erst lernen, Spielsituationen wirklich auch vom Alltag abzugrenzen. Deswegen, da schließt sich wieder der Kreis von vor einer Stunde. Ich bin wirklich vorsichtig, was 24-7 angeht.
Sebastian Da habe ich eher so praktische Aspekte im Kopf. 24-7 ist kompliziert, weil es kostet Zeit. Zeit ist eine Ressource, die man immer nicht hat. Diese Vorsicht daran zu gehen, ich glaube ja, das schleicht sich ja trotzdem früher oder später so ein bisschen ein, dass diese Dynamik immer wieder mal aufflammt, weil sonst würde man auch nie dazu kommen. Denn dann müsste man ja nach Kalender spielen und sagen, hier, dienstags 21.15 Uhr spielen. Das will ja auch keiner.
Hannes Ich glaube auch, dass sich das einschleift, aber ich lege jetzt keinen Wert drauf zu sagen, ich suche jemanden für 24-7. Das stößt mir tatsächlich fast auch bei anderen auf, die nach Spielbeziehungen suchen, weil ich ja erstmal den Menschen kennenlernen möchte und sehen möchte, wie man harmoniert. Man kann ja nicht mit jedem gleich 24-7 einsteigen.
Sebastian Gut, das heißt aber, dass du es auch mal diesen abgetrennten Moduswechsel brauchst. Es gibt eine Zeit miteinander auf Augenhöhe und es gibt eine Zeit miteinander, wo man im Machtgefälle ist.
Hannes Mhm.
Sebastian Das heißt aber, dass du nicht die Kontrolle darüber haben kannst, weil du kannst ja nur dazu einladen, dass diese Zeit jetzt beginnt oder dein Gegenüber. Aber du hast nicht die Möglichkeit zu sagen, so, jetzt aber darunter mit dir, jetzt geht's los. Weil dann wäre es ja schon ein 24-7.
Hannes Ah, jetzt hasse mich tatsächlich. Na endlich. Natürlich ist es so, dass ich nie vollends die Kontrolle habe und dass das alles illusorisch ist. In dem Sinne hast du recht, ich brauche abgetrennte Szenarien, die mir für 24-7 zustehen, aber es gibt da eben auch Räume, die mir nicht mehr zustehen.
Sebastian Bist du da mal gescheitert?
Hannes Im Sinne von, ich habe was probiert und es hat nicht funktioniert?
Sebastian Ja, zum Beispiel.
Hannes Ja, natürlich. Wenn du so eine Hardcore-Bread vor dir hast, die dich dann so lange provoziert, bis du wirklich einen dicken Hals kriegst, dann vergeht dir auch die Lust am Spiel. Weil du ja dann wirklich so lange bohren müsstest. Und sie will das ja. Das heißt, sie ist eigentlich schon bereit dafür. Aber die Leistung konnte ich in dem Moment einfach nicht erbringen.
Sebastian Gut, aber das ist ja dann so ein Punkt, da kann man sich ja drauf eingrooven. Also das kriegt man ja hin, dass man eben guckt. Genauso wie DomSupp überfordern kann mit Jetzt machen wir 200 Mal Liegestütze. Geht das ja umgekehrt genauso. Ich will noch mehr. Das ist ja auch ein Punkt, das ist ja wieder Kommunikation, auch wenn es nötige Kommunikation ist.
Hannes Fangen die 200 Liegestütze eine Grenze, die du gerade unwillkürlich gesetzt hast? Also hast du das schon mal getestet?
Sebastian Ich würde das im Leben nicht testen. Da werde ich ja nur unglücklich mit. Also ja, kann man machen, aber dann andersrum. Also auf dem Rücken liegend geht es wahrscheinlich. Vielleicht kann er nach 50 sagen, du, ich hab dir nicht gesagt, dass die Hände auf den Boden müssen. Das geht auch andersrum. Nein, ich finde ja, man soll ja auch Spaß miteinander haben. Weil es da jetzt immer noch rumliegt und du hast das inzwischen schon weggelegt, da liegt noch das dritte Ding der Woche und das will ich jetzt auch nochmal in die Hand nehmen. Wobei, gebe ich ehrlich zu, da bist du nicht der Erste, der dieses Ding der Woche ausgewählt hat. Ich mach mal ein Geräusch fürs Mikro. Ja, man ahnt es, der Kenner hört es, ein Wartenbergrad. Es ist einreich, sage ich mal, sauber, ein bisschen, aber so matt, glaube ich. Da hat es eine Macke. Okay. Warum ist das dein Ding der Woche?
Hannes Weil es ganz klein und ganz gemein werden kann. Du kannst das wirklich ganz punktuell an Stellen einsetzen, wo es nicht erwartet wird. Und es ist nichts besonders offensichtliches. Bei einem Paddel oder bei einem Vlogger ahnt jeder gut. Damit wirst du jetzt versohlt, das passiert jetzt so ein Wartenbergrad. Je nachdem, wie intensiv du das benutzt und wo du das benutzt und in was für einem Kontext du das benutzt, kann es unterschiedlich gemein werden. Je mehr du drückst, kannst du ja sogar Abdrücke hinterlassen, die bluten. Ist jetzt nicht mein Ding, aber es tut dann natürlich mehr weh. Du kannst aber auch, und da sind wir wieder beim Mindplay-Punkt, sagen, dass du das jetzt richtig hart benutzt und dann streichst du damit nun ganz leicht rüber und dann kommt wieder so dieses Panikelement mit rein.
Sebastian Du hast gesagt, man kann das auch da benutzen, wo es nicht erwartet wird. Also bei dem Ding, ganz ehrlich, außer auf den Augen, würde ich sagen, ist fast jeder Körperbereich dafür perfekt geeignet.
Hannes Stimmt, aber da ist ja wieder so dieser Erfahrungsschatz der Punkt. Das ist zum Beispiel unheimlich Anfängern geeignet. Es sieht ungefährlich aus.
Sebastian Ach so, findest du. Also ich meine, das ist jetzt ein Rad mit 30 Nadeln. Also für viele, dadurch.
Hannes Dass es so klein ist und vielleicht sogar noch aus dem klinischen Kontext bekannt ist, wirkt das völlig ungefährlich. Und da benutzt du das das erste Mal und dann, oh, okay, gut, alles klar, ist doch nicht ganz so ungefährlich.
Sebastian Ich habe immer das Problem bei solchen Sachen, dass ich sage, solange ich den Griff in der Hand habe, ist das alles okay, ansonsten gehören die Dinger weit weg von mir. Das ist aber spannend, weil das tatsächlich war es schon öfter Thema und ja, natürlich habe ich so ein Ding auch zu Hause und das ist auch so ein Universalgerät, das passt fast immer. Also Hauen ist nicht immer so, ist nicht immer an der Zeit, dass man mit allen möglichen Schlagwerkzeugen was macht und egal, ob das das, was weiß ich, der Lieblings-Fieber-Glas-Stock, noch so sehr ich ihn als Liebling habe, vielleicht ist er heute mal nicht angebracht. Das Ding, das geht eigentlich immer und je nachdem, wo man es benutzt, kitzelt das, tut weh und hinterlässt irgendwelche Spuren oder sonst irgendwas, das stimmt schon. Also das, ich kann mir glaube ich keine Spielsituation vorstellen, wo das Ding unbrauchbar ist.
Hannes Genau.
Sebastian Sollte dann doch in die primäre Spielzeugtasche bei mir reinkommen. Ist das das einzige Wartmärgrad, was du hast?
Hannes Ich hatte tatsächlich mal auch ein dreiräderiges, das hat es aber zerkloppt.
Sebastian Okay, vielleicht sollten wir nochmal darüber sprechen, wie du das Ding benutzt.
Hannes Naja, je nachdem wie du es winkelst und wenn du grobmotorisch veranlagt bist, bricht dir das sogar auch mit relativ wenig Zutun auseinander. Wenn du das versuchst, schräg anzusetzen und sich dein Rad verkantet, dann hast du Probleme.
Sebastian Okay, also ich kann mir tatsächlich gerade nicht vorstellen, wie man das Ding kaputt kriegt.
Hannes Wenn die Räder noch ein Stück weit loser in der Fassung sitzen und du dann schräg damit arbeitest und so ein bisschen mit der Auflagefläche von dem Rad an sich und nicht mit den Nadeln auch schiebst.
Sebastian Okay, dann war das Ding aber auch schon nicht in Ordnung.
Hannes Das kann durchaus sein, aber es war ja jetzt auch nicht die erste Minute, wo ich es benutzt habe.
Sebastian Okay, weil ich bin da, also wirklich, das ist mit eines der unkaputtbarsten Dinge, die sogar in jeder Tasche und in jedem Beutel, wo man sie drin hat, irgendwann pieksen sie sich ja doch durch. Das ist so das einzige Problem, dass wenn man in der Spielzeugtasche wühlt, dass man natürlich zuerst die Spitze in der Hand hat. Was mir natürlich nie passieren würde.
Hannes Nein, natürlich, das macht ja auch den Nimbus kaputt, wenn es gewesen wäre.
Sebastian Aber ich finde so eine ganz große Portion Selbstironie, auch auf einer Party, finde ich unglaublich erfrischend und schön. Also was weiß ich, da nimmt man halt irgendwas und verhaut Subi und Subi grinst sich nur ein und wackelt mit dem Arsch und ja, dann kann es auch sagen, ja, du, sorry, mehr geht heute nicht. Tja, müssen wir wohl aufhören. Aber ich finde, da kann man so eine gewisse Leichtigkeit, also wehtun, bis nichts mehr geht, das geht, glaube ich, immer und relativ einfach. Aber dieses Genießen, da rumzulavieren, einfach miteinander Spaß zu haben und im Zweifel einfach aufzuhören, gerade auf einer Party und dann stehen sie, da wäre doch noch was gegangen, da wäre doch noch was gegangen, aber nicht für euch. Also das finde ich dann wieder irgendwie reizvoll.
Hannes Selbstironie als Behinderte ist tatsächlich auch wunderbar auf Partys. Also vor allem, wenn du wie ich dann da als noch nicht in Erkennung getretener Dom im Rollstuhl auf die Party kommst, dann wirkt das natürlich erstmal komisch, weil wie soll denn bitte jemand im Rollstuhl jemanden dominieren? Würde zwar gehen, passt aber nicht in dieses Bild rein im Endeffekt. Kann man sich zumindest weniger vorstellen als jemand, der einfach läuft.
Sebastian Ja gut, da steht es dir mal andersrum vor, dass der submissive Part im Rollstuhl sitzt. Das ist tatsächlich ein bisschen schwieriger, weil da überschreitest du ganz andere gesellschaftliche Grenzen.
Hannes Ja gut.
Sebastian Schleckst du auch niemanden im Rollstuhl?
Hannes Ja, auf der anderen Seite, wen im Rollstuhl festmachen, ist auch eine Hilfsmaßnahme.
Sebastian Okay, in die Richtung habe ich noch gar nicht gedacht. Nein, aber tatsächlich, ich habe das schon gesehen und ja, man nimmt es wahr und man sieht es und dann kann man sich jetzt was dabei denken oder nicht. Aber ich würde jetzt der King-Community nicht unterstellen, dass sie das nicht wechseln kann. Oder doch. Also du hast jetzt nochmal die Erfahrung gemacht.
Hannes Also ich bin tatsächlich auch schon mal auf eine Party gekommen und habe dann zur Initialisierung vom Spiel Sub dann erst mal im Rollstuhl festgemacht. Dann sammeln sich natürlich die ersten Zuschauer, wenn es eine Party mit über 20 Leuten ist, gibt es ja auch immer ein paar Leute, die gucken. Dann stehe ich auf und geht erst mal ein Raum durch die Menge und dann hat Jesus sein Werk vollrichtet und er kann wieder laufen. Oder es war die Geilheit und das Blut ist auch zurück in die Beine gekommen und nicht nur in den Penis. man weiß es nicht.
Sebastian Okay, jetzt muss ich mal fragen, weil ich sehe dich ja heute laufend, dass es dann der Abend wird lang und aus der Vorausschau heraus entscheidest du dann, okay, ich nehme den Rollstuhl mit.
Hannes Das ist halt einfach Vorsichtsmaßnahme, genau. Ob der dann genutzt wird oder nicht, das ergibt sich dann. Aber wenn du jetzt einen Abend dann irgendwie tanzen warst und dann sind irgendwie alle Sitzmöglichkeiten belegt, weil da gerade gespielt wird oder was auch immer, oder das Sofa ist voll, dann habe ich lieber das eigene Stühlchen dabei.
Sebastian Das heißt, du spielst aber dann auch, da bist du dann auch wieder die Rampensau, da spielst du dann mit dem Publikum, mit dem du sagst, wir machen jetzt hier mal einen Show-Effekt, das ist dann wirklich Selbstironie.
Hannes Richtig.
Sebastian Dann hast du dahinter ein gewisses Ziel, oder?
Hannes Ich übertreffe Erwartungshaltungen. Also es gibt ja schon irgendwo ein skurriles Bild ab, wenn ein Rollstuhlfahrer synchron einen Buttplug aus dem Rucksack zieht, aufsteht und dann erstmal die Rakete startet. So, das wirkt ja erst mal komisch, geht aber und trifft hinterher auf Zuspruch. Also haben alle Spaß daran.
Sebastian Okay, das muss ich jetzt mal sagen. Also wir haben jetzt gute zwei Stunden gesprochen und das ganze Thema Behinderung, das war wirklich nur ein Randthema. Wir haben das am Anfang mal drin gehabt, jetzt nochmal ein bisschen, aber das hatte ich mir tatsächlich so vorgestellt. Ja, es macht manche Sachen offenbar komplizierter, aber BDSM ist halt BDSM und der macht so oder so einfach Spaß. So empfinde ich das jetzt hier und so sehe ich dich jetzt hier auch. Und deshalb tut es mir sogar fast ein bisschen leid, dass ich hier auf das Cover das natürlich draufschreiben werde. Im Grunde genommen, irgendeinen Fips haben wir alle und bei dir ist es halt das, womit du klarkommen musst und offenbar kriegst du das gut hin.
Hannes Richtig, ist ja immer die Sache, wie man damit umgeht. Irgendwann realisierst du, du kannst bestimmte Dinge nicht ändern und dann hast du im Rahmen deiner Möglichkeiten eben den Spaß, der dir zugestanden wird. Und dann am besten alles, was geht.
Sebastian Okay, dann muss ich jetzt mal gucken. Worauf wollen wir jetzt heute? Das ist gerade, leider Gottes, ich bin da so reingeschlittert, das ist ein perfektes Schlusswort. Das wollte ich jetzt aber gar nicht haben. Eventuell schneide ich das nochmal ein bisschen um. Ja, was habe ich auf meinem Spickzettel heute nicht stehen?
Hannes Ich glaube, wo wir noch ein bisschen drauf eingehen könnten, wären so diese musikalischen Einflüsse, die ich noch mit hatte, weil durch die Goff-Szene hat sich eben auch noch ganz viel aufgetan an einer Lobby, die sich damit auch musikalisch auseinandersetzt. Und gerade Deutschland ist dort eben ziemlich verstärkt vertreten, auch was die Akzeptanz in Musik angeht.
Sebastian Ich höre dir da mal zu, weil ich bin da echt gar kein Experte. Ja, es gibt den einen oder anderen Titel, aber dass ich BDSM und Musik zusammengebracht habe, das schäme ich mich ja fast für. Das war natürlich Madonna, Erotica, das sah halt danach aus. Und dann waren es aber auch die Ärzte tatsächlich. Ich glaube drei, vier, fünf, sechs, sieben Titel sind es, glaube ich, ich müsste das mal nachzählen, die irgendeinen BDSM-Bezug haben und wenn es nur mit einem Satz sei. Ja, Bitte, Bitte ist natürlich, ich weiß nicht, ob du das kennst, das lief natürlich rauf und runter, aber das war nie so meins, weil das wirkte immer sehr düster und nein, das war einfach nicht mein Ding. Aber alles, was danach kam, das hatte ja einen gewissen Touch von Humor und das zieht sich bei mir bis heute durch. Gibt es da so viel, weil das läuft mir immer nicht über den Weg?
Hannes Oh, dann mache ich jetzt quasi verbal eine Playlist.
Sebastian Nee, die schickst du mir, dann packe ich sie in die Shownotes.
Hannes Ah, perfekt. Alles klar, dann machen wir das so. Aber zum Beispiel, das könntest du zum Beispiel auch kennen. Ich tue dir weh von Rammstein.
Sebastian Natürlich.
Hannes Das kam dann natürlich auch zu so einer Zeit, wo es mir gerade wunderbar gepasst hat. Aber es gibt noch einen Ableger in der neuen deutschen Härte, zum Beispiel. Die heißen Ostfront, kommen aus Berlin, haben gerade ein neues Album rausgebracht, wo eins der Plakate sich mit einem Song auseinandersetzt, ist in Design der 30er gemacht und das Plakat enthielt intensives Rohrstocktraining als Überschrift und die haben eins ihrer erfolgreichsten Songs tatsächlich betitelt mit Bitte schlag mich und du kannst dir vorstellen, worum es geht. Nehmen wir mal ein bisschen was vorweg, da wird jemand verhauen, weil das aus dem Kontext noch nicht nachvollziehbar war. Es gibt von Subway to Sally zum Beispiel, die ist so eine neudeutsche Herdband, die so ein bisschen Mittelalter-Einflüsse hat, von einem älteren Song, ich glaube der ist aus den frühen 2000er Jahren, ein Song, der heißt Sieben und dann gibt es zum Beispiel eine Songzeile Siebenmal schlecht ich dein Haar um den alten Apfelbaum.
Sebastian Okay, da würde ich jetzt den Zusammenhang nicht finden. Das würde mir nicht auffallen. Das würde an mir vorbeigehen und ja, ist eine schöne Zeile.
Hannes Da wird ja jemand an einem Baum festgemacht. Das heißt, er ist dann gezwungen, dir hörig zu sein in dem Moment.
Sebastian Boah, ich, ganz ehrlich, da bin ich tatsächlich so einfach gestrickt, ich brauche es dann explizit. Also da, das fällt mir mal schwer, weil interpretiert man das da rein, dass das mit BDSM zu tun hat? oder ist das extra so gemacht, dass es nicht so auffällt?
Hannes Gut, anders. Ein anderer Song von Zapo to Sally heißt Haus aus Schmerz. Und es geht genau darum, dass das Haus quasi designt würde, um so eine Art Höllenqual zu symbolisieren für die Besucher dort. Und dann fällt auf einmal die Tür zu und dann kommen sie nicht mehr raus. Das heißt, der Bezug ist dann schon da. Teilweise offensichtlicher, teilweise weniger.
Sebastian Nee, für mich ist der nicht da, weil das geht dann für mich in Richtung, okay, wir haben ja so eine Art Horro-Film in Form von Musik, also das ist ein sehr fiktives Szenario, weil, nee, also da kriege ich den BDSM-Bezug, ich persönlich kriege ihn tatsächlich nicht hin, ich nehme das halt wahr, aber nicht so, weil Schmerz und der Folterkeller im Mittelalter ist für mich nicht gleich BDSM, da differenziere ich dann.
Hannes Stimmt, aber für mich ist dann die Inspiration wieder da, zu sagen, das Haus ist dunkel und du hörst Geräusche. Dann ist das der Punkt, wo ich bei einem Song zum Beispiel dann Dinge für ein Spiel rausziehe und mir überlege, jetzt ist Zeit für Sinnesentzug und dann kommen langsam Geräusche auf dich zugerollt und das wirft dir wieder das Kopfkino an.
Sebastian Ah, also Musik als Mittel während der Session.
Hannes Zum Beispiel oder auch zum Vorhereinstimmen oder eben als Inspirationsquelle. Nachtmar, von der jetzt auch die CD noch mit bei den Dingen der Woche dabei ist, die haben dann auch so Titel wie Gehorsam oder wie Dein Herr oder wie gesagt Mädchen in Uniform. Da ist es dann wieder offensichtlicher.
Sebastian Okay, also das ist aber dann einfach Teil des Spiels der, ich würde ja fast sagen, Einstimmung. Ich wollte jetzt schon sagen Inszenierung, aber ist es ja nicht. Aber eine Einstimmung darauf, das kann ich tatsächlich nachvollziehen. Also spielen mit der richtigen Musik, dass das wirkt. Aber für mich braucht es dann auch nicht unbedingt den expliziten Bezug. Und da hast du schon recht, wenn da so ein paar Zeilen dazwischen sind, die ich in dem Moment gut deuten kann, dann kann das schon ganz gut dazu beitragen, dass man sehr viel Spaß miteinander hat.
Hannes Das stimmt auf jeden Fall. Vor allem, wenn man dann zum Beispiel wie auf Meraluna oder auf anderen Konzerten zusammen ist und sich dann in bestimmten Momenten anguckt und dann merkt, okay, das nehmen wir jetzt raus und gehen direkt damit dann um. Ich hatte das beim Meraluna 2017 auch, dass Prodigy Headliner war. Und dann kam eben irgendwann Smack My Bitch Up und wir hatten vor uns ein Pärchen, sie natürlich auch mit Halsband, eher mit sämtlichen Symbolen der O ausgestattet, die einem Dommen zustehen. Also da wurde dann mal das Schmuckkästchen zur Schau getragen, die vorher schon unheimlich spitz aufeinander gewesen sind. Und sobald das erste Mal die Zeile kam, haben die sich angeguckt, sind auf dem Hacken umgedreht und zum Z-Platz gegangen und du wusstest gleich, oh, alles klar, das tut jetzt weh. Ich hätte dafür jetzt keinen Headliner verpasst, aber trotzdem.
Sebastian Ja, nein, ich glaube, ich muss da noch ein bisschen mehr forschen, weil klar, ich kann nicht zu irgendeinem Popmusikradio kann ich nicht spielen, deshalb bin ich besonders boshaft. Das ist natürlich jetzt hier im Podcast immer ein bisschen schwierig, weil man müsste theoretisch jetzt Beispiele einspielen, um zu sagen, so, und das hat das wirkt so und so oder das hat für mich die und die Bedeutung. Ich glaube, ich muss mich damit rechtlich noch mal ein bisschen auseinandersetzen, um das irgendwie zusammenzukriegen. Ich finde das gerade ein bisschen schade, dass wir da nur so rumtheoretisieren können gerade.
Hannes Aber dafür ist ja dann die Playlist da, dann kann man zumindest hinterher sich noch mal mit auseinandersetzen, was ich jetzt gesagt habe.
Sebastian Ja, ich bin gespannt. Also du baust mir die mal und dann immerher damit.
Hannes Unbedingt.
Sebastian Und da wir jetzt schon ganz ordentlich vorgelegt haben, ich würde das jetzt hier zu Ende bringen.
Hannes Dann machen wir das.
Sebastian Gut. Ja, dann Hannes, ganz simpel und ganz einfach. Ich weise darauf hin, wie immer, dass man alle möglichen Social-Media-Dinge tun soll. Da reicht es aber auch einfach, die letzten Folgen zu hören. Ich sage es ja eh immer. Magst du uns oder den Hörern einen Weg geben, wie man dich erreichen kann, wenn man mit dir sprechen möchte, Kontakt aufnehmen möchte oder soll das über mich gehen?
Hannes Wir können das auch ganz einfach über Instagram machen. Da ist mein 5Achtelpunk, aber mit OE geschrieben, anstatt dem Ü. Ansonsten relativ einfach zu finden. Wenn nicht, kann man ja auch einfach bei den Abos bei Kunst der Unvernunft gucken, dann findet man nicht mehr.
Sebastian Genau, ich packe es ja einfach in die Shownotes rein und dann ist das überhaupt kein Problem und dann kann man nicht anschreiben, wenn man was wissen will oder, ja, irgendwas mit dir ausdiskutieren muss. Ja, dann sage ich mal, Ich bedanke mich für die Einladung vor allem.
Hannes Sehr gerne.
Sebastian Dass das so schnell geklappt hat, wie wir uns dann getroffen haben etc. Das erzählen wir dann, wenn du mal bei einer Live-Sendung mitmachst. Und ja, dann hiermit Ende des Ganzen. Liebe Hörer, macht's gut, habt viel Spaß weiterhin und wir hören uns ja wie üblich alle zwei Wochen. Tschüss.
Hannes Tschüss.

Kommentare & Fragen

Lexxi
29.06.24

Zugegeben musste ich die Folge zweimal hören, weil ich fand, in vielen Dingen hat Hannes sich widersprochen. Eine Sub soll brattig sein, sonst wirds langweilig, gleichzeitig "nerven" Subs die brattig sind...? 🤔
Schmunzeln musste ich über die Bezeichnung "DER Triologie" als Harz-4-Version des BDSM 😅 und das "Vanilla Sex" so viel anstrengender sein soll.
@Sebastian deine Unterscheidung Strafe vs. Konsequenz fand ich super! Ich hab da schon oft überlegt, wie man diesen Unterschied greifbar macht, dass nicht jedes Teasern von Sub der Schrei nach einer Strafe ist, sondern eben nach einer Reaktion ergo Kosequenz auf ihr Handeln👍🏻.
Beim Schmackhaftmachen der Sub Rolle für Hannes frag ich mich allerdings, ob du tatsächlich meinst eine "Sub braucht sich nichts merken", oder ob das überspitzt war🧐? NATÜRLICH merken wir uns Dinge, dass ein oder andere sollte Sub besser auch nie vergessen 😅 und alles andere ist geheime Superkraft, weil Sub weiß ja nie, wann sie ihr Wissen mal gegen ihren Dom nutzen kann 😋.

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