Cover Natascha Ditha Berger - Professionals für Kinkster

Natascha Ditha Berger - Professionals für Kinkster

Du auch? - Super!

02.09.24
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Cover Natascha Ditha Berger - Professionals für Kinkster

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Du auch? - Super!

Ich habe mit Natascha Ditha Berger gesprochen und wir haben geredet.

Natascha hat KAPA (Kink Aware Professionals) ins Leben gerufen. Ein Projekt für Kinky Menschen. Dies wäre aber nicht die Kunst der Unvernunft, wenn wir uns auf das Projekt beschränken würden. Ich konnte viele steile Thesen in den Raum werfen und Natascha ein wenig fordern. Wir sprechen über die Sicht auf und von Professionals. Wie gehen die mit Kinky Menschen um und betrifft es die vielleicht selbst? Was ist Female Choice und was ist überhaupt erlaubt?

Links zur Folge

Bilder zur Folge

Kapitelmarken

00:00:00
Intro
00:00:37
Einleitung
00:04:28
Zu Anfang gleich mal KAPA
kapa.expert ..
00:06:02
Feldstudie im SmartCafe
00:14:29
ICD10 vs ICD11
00:15:35
Ab wann ist KINK?
00:20:36
These: BDSMer brauchen keine Therapie
00:23:42
Lassen sie das, machen sie das anders
00:24:53
Leidensdruck von Außen
00:27:08
Ist Poly Kink?
00:28:44
Kann ich Kink vom Partner einfordern?
00:42:39
Getränkelieferungen
00:46:25
Fehlerkultur
00:51:19
Von Glück und Ehestatus
01:02:46
Kink nach außen Leben
01:07:26
Über BDSM schreiben, z.B. im Standard
01:13:08
TherapeutInnen finden und die Kassenquote
01:16:10
Trigger... Was ist das denn?
01:20:43
Community als Safer Space
01:24:22
Female Choice
01:26:47
Gewohnheitsmachtgefälle
01:27:13
Vorteil Switch
01:28:56
Erlebnisaktivierung und Traumabewältigung
01:34:37
Wer hat mehr Arbeit?
01:35:46
Outing und Testballons
01:44:03
Wird die Gesellschaft offener und toleranter?
01:51:49
Plädoyer für KAPA
01:56:59
Das A oder B-Spiel
02:05:43
Hausmeisterei: Wir leihen dir eine Stimme
02:08:42
Verabschiedung
Das Transcript wurde von Johanna bearbeitet. - Vielen Dank!
Sebastian *Beginn Podcast-Intro* Hallo und herzlich willkommen zur Kunst der Unvernunft. Mein Name ist Sebastian Stix und die Unvernunft ist zurück aus der Sommerpause. Endlich. Natürlich gab es auch Podcastfrei für mich, aber ich konnte es dann doch wieder nicht lassen und so ist im Sommer die ein oder andere Aufnahme entstanden. Das hier ist die erste. Und ihr merkt, ich kann einfach nicht ohne. Ich kann nicht ohne BDSM, ohne die Kunst der Unvernunft, ohne Kontakt zu euch, dem besten Publikum der Welt. Und natürlich auch nicht ohne die tollen GästInnen, mit denen ich hier über BDSM sprechen darf. Thema ist wie immer, wie fühlt sich das an? Wie leben Menschen das aus? Und manchmal sprechen wir ja auch über schwierige Zeiten. Die gehören nun mal zum Menschsein dazu. Nun gibt es da manchmal ein Problem. Nach einer ordentlichen Spanking-Session zum Hausarzt gehen, bei der Psychotherapie über BDSM sprechen. Hm, BDSM ist nun mal da, mal mehr oder weniger sichtbar und einfach wichtiger Teil des eigenen Ichs, ein Stück Identität. Und vieles wäre einfacher, wenn klar wäre, dass der Profi mir gegenüber wenigstens weiß, was Kinkysein ist und auch damit umgehen kann. Ja, ich habe lange drum herum geredet jetzt. Heute spreche ich mit Natascha Ditha Berger. Sie ist Psychotherapeutin aus Wien und stellt uns KAPA vor. KAPA, das ist die Kink Aware Professionals Association und bevor sie es selbst erklärt, beschreibe ich es mal in einem kurzen Satz. Profis, die mit kinky Menschen mindestens so weit vertraut sind, dass ihr sicher sein könnt, deswegen nicht verurteilt zu werden. Mein Satz ist doch länger geworden, ich habe ihn nochmal überarbeitet. *lacht* Das bedeutet, ÄrztInnen, PsychotherapeutInnen, Sozialarbeitende stehen bei ihr auf der Liste und diese Liste soll nicht nur wahrgenommen werden, sondern auch größer. Es geht aber heute nicht nur um KAPA, denn das hier wäre ja nicht die Kunst der Unvernunft, wenn ich mit Natascha nur darüber sprechen würde. Wer ist sie eigentlich, was tut sie so, wie geht sie selbst damit um mit vollem Namen öffentlich mit Kink in Verbindung zu stehen? Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass ich sie ein wenig aus ihrer Komfort-Profi-Zone herauslocken konnte. Ist Polysein schon kinky? Brauchen BDSMer überhaupt Professionals und, ja, kann Mensch es mit Konsent übertreiben? Ich habe wirklich versucht, Fragen außerhalb ihrer Komfortzone zu stellen und sie hat das ganz toll gemacht. Bravo, es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit ihr nicht nur ihr Fragen zu stellen, sondern auch einfach zu diskutieren. Deshalb geht es jetzt einfach los mit Folge 115 mit Natascha Ditha Berger. *Ende Podcast-Intro* Liebes Publikum, ich sitze hier so halb unter dem Dach, das Thermometer ist noch halbwegs gnädig und es ist wieder Aufnahmetag und heute seit langer, langer, langer Zeit mal wieder remote. Und mir zugeschaltet direkt aus Wien, also Österreich, ist Natascha Ditha Berger. Hallo.
Natascha *spricht im kommenden Gespräch leichten österreichischen Dialekt* Hallo Sebastian, danke für die Einladung.
Sebastian Ja, sehr, sehr gerne. Ich habe dich auch ehrlich gesagt lange zappeln lassen. Du hast mich vor, ich glaube, Jahren schon mal angeschrieben und dann, ja, wie das halt so ist mit meinem Postfach und du hast dich dann doch bereit erklärt. Wir haben ein nettes Vorgespräch gehabt. Nein, nicht nett, das war super. Und da dachte ich, das müssen wir jetzt auch schnell machen, weil das ist einfach cool. Und ja, 42 Jahre alt kann ich sagen und ich kann schon mal disclaimern: wir reden nicht so viel über deine persönlichen privaten Dinge. Ich werde es natürlich trotzdem ein bisschen versuchen, aber du bist eine Gästin mit einer Mission und diese Mission ist es wert und es ist auch nötig, auch die mal zu erwähnen. Müssen wir mal schauen. Ich sage mal so, wir reden über KAPA und du darfst mir jetzt einmal auflösen, was das ist, weil offenbar habe ich das nicht in meinen Notizen aufgeschlüsselt.
Natascha *lacht* KAPA steht für die Kinkaware Professionals Association. Da gibt es eine Geschichte dahinter und zwar, wir haben uns eben in Wien einmal zusammengefunden, ein paar Kolleginnen und Kollegen, die einfach unter dem Titel Kinkaware arbeiten und haben gesagt, hey, irgendwie haben wir bis dahin gar keine Vernetzungen gehabt, wir wollen das starten und das hat einfach begonnen als Plauderei untereinander und irgendwann haben wir begonnen, hey, eigentlich ist das was ziemlich Cooles, wir sollten das größer machen und wir sollten schauen, dass wir mehr Kolleginnen dazubekommen. Und so haben wir KAPA gegründet. Und mittlerweile haben wir eine meiner Ansichten nach ziemlich professionelle Homepage, wo man dann eben auch Professionistinnen suchen kann. Und genau so hat das Ganze gestartet und wir sind weiter im Wachsen. Und da freue ich mich besonders, wenn ich so Einladungen habe wie bei dir, wo ich mir denke, ja, das ist gut. *lacht*
Sebastian Ich finde ja diese Projekte total wichtig. KAPA ist nicht das einzige auf der Welt. Es gibt auch eins hier in meiner Region vom SMart e. V. Die Webseite, ich musste ja leider anerkennen, nach Österreich. ich werde jetzt mal diesen Österreichbashing, ich muss das schnell abstellen, aber es bietet sich so an. Ich muss neidlos anerkennen, ja, die Webseite ist da ein bisschen, die ist schon ordentlich schön und da präsentieren sich die Menschen auch mit ein bisschen mehr Details und Foto und so weiter und so fort. Okay, aber fangen wir doch erstmal trotzdem mit dir persönlich an.
Natascha Ja.
Sebastian Wichtigste Frage vorweg, bist du auf irgendeine Art und Weise kinky?
Natascha Ähm.
Sebastian *lacht* Die Frage darf ich nicht stellen, die steht eigentlich auf meiner roten Liste.
Natascha *lacht* Ich wurde es. Schau, die Geschichte ist die, dass eine meiner ersten Klientinnen, als ich noch Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision war, die war kinky und poly. Und da bin ich sehr schnell draufgekommen, dass das, was ich von meinen Lehrtherapien mitgenommen habe oder von den Supervisionen, einfach für das Therapiesetting gar nicht gepasst hat mit ihr. Und da habe ich sehr viel mit ihr einfach lernen dürfen. Und das hat schon auch mein Interesse geweckt. Und wie das Leben dann halt so spielt, habe ich mir irgendwann gedacht und das wollte ich dir auf jeden Fall erzählen. Bei uns in Wien gibt es das SMart Café.
Sebastian Ja, bekannt. Ich stand schon mal davor. An einem Montag, am letzten Reisetag und der Laden war natürlich zu. Also ich habe es nur bis vor die Tür geschafft.
Natascha Autsch, Autsch, Autsch, Autsch. Aber es ist natürlich eine Institution bei uns. Und das war also dieses Ding mit, ich will da jetzt auch mal hin. Ich will mir das mal anschauen, wie das da abbrennt. Und ich weiß noch ganz am Anfang in meinen Anfängen, wo ich mich auch noch nicht Kink-Aware-Professional genannt hatte, ich habe gedacht, ich gehe da jetzt hin und wenn mich irgendwer sieht, dann sage ich, ich bin Therapeutin, ich arbeite mit so Leuten, ich muss doch mal das anschauen, aber es hat ja mit mir persönlich überhaupt nichts zu tun. Also das waren meine Anfänge. *lacht* Mittlerweile *lacht* würde ich gerne allen Menschen sagen, geht‘s dort mal hin. *lacht*
Sebastian Eine Feldstudie, okay.
Natascha Genau, so hat es begonnen.
Sebastian Ich stelle mir gerade vor, wie du da reintapst und sagst, hallo, ich habe nichts mit euch zu tun. Ich will nur gucken und am besten noch Notizen machen, was das so für kinky Leute sind.
Natascha *lacht*
Sebastian Und das hast du nicht gewagt, ne [Dialekt]?
Natascha *lacht* Nein, natürlich überhaupt nicht, weil es hat mich ja persönlich interessiert. Und das habe ich natürlich auch gesagt. Ich war dann bei einem Stammtisch damals. Das, glaube ich, war mein erstes Mal dann. Ja, das war total fein. Ich habe einfach mit den Menschen geplaudert. Und es gang wie bei den neuesten Stammtischen, wie ich es mittlerweile mitbekommen habe, um fast alles, nur nicht um Kink *lacht*, wie das bei den Kinkstammtischen üblich ist. *lacht*
Sebastian Natürlich.
Natascha *lacht* Aber ja, wie gesagt, das war einfach das Sicherheitspolster, dass wenn mich jemand sieht, dann hätte ich eine Ausrede gehabt. Und das finde ich noch immer gut und wichtig und ich möchte diese Ausrede gerne auch mehreren Professionistinnen zur Verfügung stellen. Und das ist mit ein Hidden Agenda einfach auch von KAPA, dass man sagen kann, hey, um Gottes Willen, weil wir haben ein Netzwerktreffen auch schon mal gehabt in der Schwelle in Wien. Und jetzt heißt das ganze Libelle, früher war es die Schwelle. Und eigentlich ist auch in meinem Kopf, dass wir die Netzwerktreffen in unterschiedlichsten Locations auch abhalten.
Sebastian Das ist eine sehr gute Idee, weil so kriegst du die Menschen hin, damit sie es sehen und im Zweifel auch erfahren können und sie können trotzdem das, ja, das als Fortbildung quasi einmal deklarieren.
Natascha Voll, ja, ja klar.
Sebastian Wie finden das denn die Menschen im SMart Café oder in der Schwelle zum Beispiel oder in der Libelle?
Natascha Naja, bis jetzt haben wir es so gemacht, dass es dann am Anfang immer eine geschlossene Gesellschaft war, einfach von den KAPAs. Und dann erst später, wenn es so was wie ein Open Evening oder so gegeben hat, dann kann man sich sowieso durchmischen. Die finden das eh super.
Sebastian Allein schon die Idee, oh, da ist ein, also ich kenne das, wenn auf dem Stammtisch irgendein Handwerker ist, den ich gerade gebrauchen könnte. Dann sage ich auch so, o Mensch, du bist doch da in der Branche, kannst du mir mal einen Tipp geben mit meiner Heizung im Keller? Das finden die auch nicht toll. Da halte ich mich auch sehr, sehr zurück. Das kann ich mir bei dir noch mehr vorstellen. Okay, pass auf, das ist der Witz. Ich habe das erwartet. Mein Spickzettel, der war relativ kurz, habe ich ja schon gesagt. Und der wird gerade länger und länger.
Natascha *lacht*
Sebastian Erstmal mache ich einen Folgenverweis. Du hast nämlich eben gesagt, ja, in der Ausbildung hat man da nicht so viel mitgekriegt.
Natascha Ja.
Sebastian Da habe ich auch einen Nachweis, zumindest wie es in Deutschland ist. Ich gehe mal davon aus, dass das tendenziell gar nicht so unähnlich ist. In Unvernunft Folge 76 mit Jörg Signerski und Stefanie Verfürth habe ich genau darüber gesprochen, dass im Prinzip das Thema Sexualität in der Psychotherapeuten-Ausbildung ja im Grunde nicht existent ist. Also da sind die gar nicht so schuld dran, wenn die da mit der ganzen Ausbildung, Studium und allem durch sind, dass sie da nicht total viele Kenntnisse haben. Die müssen sich nämlich auch das Eigenantrieb besorgen, offenbar. Erstmal die Frage, ist das heute immer noch so? Oder ist es, gibt es ein Pflichtthema oder ist es in Österreich schon immer ein bisschen anders gewesen, dass zumindest eingestanden wird, die Menschen haben Sexualität?
Natascha Ich glaube, es kommt extrem darauf an, wo man seine psychotherapeutische Ausbildung gemacht hat. Das heißt, bei welchem Verein und wer sind die Lehrtherapeuten gerade? Ich weiß, ich habe meinem Turnus habe ich einmal rückgemeldet an der Uni, dass ich sage, ich finde, bei uns war das Thema Sexualität sehr, sehr wenig. Und ich habe dann auch von der Lehrgangsleitung retourgemeldet bekommen, aufgrund von unserem Feedback haben sie es dann auch bei anderen vermehrt gemacht und dort haben sie dann das Feedback bekommen, es geht immer nur um Sex, jetzt ist das auch schon fad. Also es ist recht witzig. *lachen*
Sebastian Ich habe da ja diesen blöden Spruch, die Grundbedürfnisse des Menschen sind schlafen, fressen, ja, hm, schlafen, fressen, ficken und was war es noch, das letzte?
Natascha Wie wäre es mit Atmen?
Sebastian Gesellschaft. Ja, atmen, aber auch Gesellschaft, sage ich mal. Das sind so die vier Grundbedürfnisse. Man kann in der Ausbildung nicht eins davon weglassen.
Natascha Ja.
Sebastian Okay, aber das heißt, bei KAPA treffen sich Menschen, die sagen, ich biete Kink-Aware-Arbeit an und sagen die das einfach oder müssen die irgendwelche Voraussetzungen erfüllen und was weiß ich, sich einmal selber auspeitschen lassen, damit klar ist, okay, die kennen sich aus. Keine Ahnung, wie das ist.
Natascha und Sebastian *lachen*
Natascha So, wieder mehrere Ebenen. Das Erste ist, wenn momentan sich Professionistinnen bei uns melden, die sagen, hey, wir wollen da mitmachen, dann haben wir einfach auch auf der Homepage einen kleinen Fragebogen, wo wir auch fragen, was ist dein Bezug, warum willst du das oder hast du schon Erfahrungen und uns ist es einfach momentan sehr, sehr wichtig, auch einen persönlichen Kontakt zu den Menschen zu haben. Das heißt, alle Leute, die auf der Homepage sind, mit denen habe ich zumindest telefoniert, länger, oder im besten Fall, wenn sie bei uns in, aus Wien oder Umgebung sind, haben wir sie schon getroffen. Wir sind auch schon in Graz gewesen und wir sind auch schon in Linz gewesen und wir wollen generell auch mehr unterwegs sein, um die Leute einfach kennenzulernen, weil wir eben nicht wollten einfach nur eine Liste, wo man sich melden kann und jemand sagt, okay, ich will da drauf und dann kommt man drauf, sondern diese Frage der Qualitätsüberprüfung ist wie überall anders auch bei uns eine Frage. Wirklich sicherstellen können wir es natürlich nicht, aber wir wollen das. Das heißt, in weiterer Folge, wir arbeiten auch gerade daran, eine KAPA-Ausbildung anzubieten, wo ich sehr wohl will, und da haben wir schon viel diskutiert, auch dann im Vorstand, wie machen wir das. Ich finde nämlich gerade bei so Themen wie Konsent und Grenzen abstecken ist das urwichtig, dass ich da mal reingehe. Und dann gibt es halt natürlich die einen, die sagen, um Gottes Willen, aber das kann man doch den Therapeutinnen nicht zumuten, dass die dann da irgendwas machen müssen. Es muss ja eh keiner großartig was machen und es muss auch überhaupt nicht sexuell sein, aber ich kann doch ein D/s-Spiel einmal versuchen, ein bisschen nachzustellen und mich da reinzufühlen, weil gerade in der Psychotherapieausbildung werde ich auch wahrscheinlich irgendwo mal Dinge ausprobieren. Und natürlich, ich rede viel von Psychotherapie, weil ich Psychotherapeutin bin, aber es geht ja auch um andere Professionistinnen und Professionisten. Wir haben nicht nur Psychologen, wir hätten gerne sehr viele mehr Ärzte. Ich hätte auch gerne Juristen dabei, Physiotherapeuten, ja, also alles Mögliche, weil wir doch auch immer wieder hören, hey, ich habe eine super Session gehabt am Wochenende, ich habe einen komplett blauen Hintern, aber ich traue mich gerade nicht zum Arzt, weil mir der Fuß weh tut oder was auch immer. Also so Dinge, weiß ich nicht, wie oft du das auch in deinem Podcast vielleicht schon gehört hast. Und was dann auch wieder ein weiterer Punkt ist, ist, wir haben ja im ICD-10, das ist das International Classification of Diseases, im ICD-10 sind die Paraphilien drinnen und da ist ja Sadomasochismus eigentlich noch mit krankheitswertig besetzt.
Sebastian Aber der 10er ist ja jetzt rum.
Natascha Ja genau, das ist das Nächste. Es ist der 11er, aber noch nicht auf Deutsch übersetzt. Somit gilt im Deutsch ja noch immer der 10er. Seitdem ich diesen Podcast mache,
Sebastian rede ich von dieser wunderbaren Änderung im ICD-11. Und sie ist jetzt immer noch nicht quasi gültig. Aber gut, da glaube ich einfach mal daran, dass man als PsychotherapeutIn Interesse daran hat, schon eher so die neueren Einstufungen zu nehmen. Wobei das hat auch was mit der Abrechnung der Krankenkasse gegenüber zu tun oder sonst irgendwas. Oder wenn man verbeamtet werden will, ist das möglicherweise auch blöd. Oder wenn man in die Krankenkasse irgendwas eintreten will. Klar, wenn da steht, dass ... Okay, ich kann das nachvollziehen, dass das blöd ist, aber es kommt ja. Also ich kann mir nicht vorstellen, dass der Elfer nicht kommt. Die Liste wird immer länger, es ist fürchterlich. Ich mag erstmal hier das Thema Kink mit dir definieren. Was heißt denn für dich Kink? Weil ich weiß, poly ist ja bei dir auch groß geschrieben. Und was sind denn jetzt kinky Menschen? Oder ab wann?
Natascha Das ist eine sehr gute Frage. Wir haben für uns noch keine Definition *lacht*, die wir irgendwo niedergeschrieben hätten. Ich sage immer, für mich ist alles kinky, was halt nicht ganz Vanilla ist. Oder wenn jemand gar keine Ahnung von Kink hat, sage ich, es gibt halt so was wie man klassisch, weil die Leute haben Bilder dazu, das ist Blümchensex. Und dann gibt es halt sehr viel mehr rundherum dazu. Und das zählt dann in Richtung Kink.
Sebastian Ich habe eine Theorie, dass viele Vanillamenschen BDSMige Sachen machen.
Natascha Ja.
Sebastian Das aber auf gar keinen Fall als BDSM oder Kink labeln würden ...
Natascha Ja.
Sebastian ... dann wären die ja, obwohl sie bei euch genau richtig sind, würden sie sich ausgeschlossen fühlen, weil sie ja selber nicht glauben, kinky zu sein. Also die Leute müssen selber der Meinung sein, ich bin kinky, deshalb brauche ich KAPA.
Natascha Schau, erstens einmal arbeiten wir ja auch mit nicht kinky Menschen. Es ist ja nicht, dass man zu einem Kink Aware Professional nur dann gehen darf, wenn man auch kinky ist, sondern man kann ja einfach den Professionisten aufsuchen, die Professionistin für was auch immer man gerade jemanden benötigt. Ich stütze deine These absolut, Sebastian, denn ich habe schon so viele Dinge gehört. Mit Kink habe ich überhaupt nichts am Mut, hat mir einmal auch jemand erzählt. Ich bin ja auch privat viel am Sprechen mit Menschen, mich interessieren Menschen einfach. Ich hatte einmal eine Freundin, da habe ich immer so tun müssen, wenn ich sie vergewaltige, aber mit Kink hat es überhaupt nichts zu tun. Nein, natürlich nicht *lacht*, das hat mit Kink überhaupt nichts zu tun. *lacht*
Sebastian Oh, da hole ich jetzt mal die Moralkeule raus. Also wenn Konsent da ist, dann ist es auch Kink.
Natascha Ja, eben.
Sebastian Und wenn die den nicht hatten, dann war es ja eh tatsächlich kein Kink.
Natascha Es war Konsens. Ja doch, das weiß ich. In dem Beispiel war es wirklich so. Es war Konsens. Und es war, so wie er es mir erklärt hat, wir haben damals kurz darüber gesprochen, eindeutig einfach ein Rape-Game. Aber eben, es wird so nicht betitelt, weil das, ich glaube, noch immer das Bild, was viele Menschen einfach im Kopf haben, zu Kink ist, wie in den Pornos, und wir wissen ja alle, dass Pornos das echte Leben sind, dass da eben Männer wie Hunde an Leinen irgendwo herumlaufen, währenddessen Frauen in Latexkleidung mit der Peitsche irgendwo herumstehen. *lacht*
Sebastian Hast du schon mal was anderes erlebt?
Natascha Natürlich nicht. *lacht* Genau, also ich ziehe sehr, sehr gerne eben die Parallele zu dem Pornos, weil ... Leider ist ja auch die jüngere Generation glaubt auch mittlerweile manchmal, dass das, was sie an Sex und Pornos sehen, die Normalität ist. Also vielleicht dreht sich das irgendwann einmal um und dann glaubt man es wirklich. Aber ich hoffe ja doch, dass wir da ganz viel gegensteuern können.
Sebastian Ich habe Instagram gerade meiner Liste der Themen hinzugefügt.
Natascha *lacht* Und deswegen ist mir auch besonders wichtig, wir haben natürlich in dem kinky Bereich zwei Themen. Das eine ist die Menschen, die einfach leiden und wirklich einen Leidensdruck haben. Die brauchen natürlich auch Therapie oder sollen irgendwo hingehen können, wo sie sich verstanden fühlen. Und was mir aber besonders wichtig ist und mit dem ich einfach auch sehr gerne in die Öffentlichkeit gehen will, ist dieses, diesen Spaßfaktor und diese Erlebnisaktivierung. Und dass das eben nichts Verwerfliches ist, wenn ich darauf stehe, dass ich ein paar Klapse am Hintern bekomme oder vielleicht ein paar härtere Schläge. Das ist so, ja, und dieses Ausprobieren und das sind wir, weil du gerade vorher noch Konsens gesagt hast. So ein wichtiges Thema und ich finde, es ist manchmal, die Leute glauben immer, sie wissen eh, was Konsens ist und viele wissen es einfach nicht. Also im Vanilla-Bereich wird man viel weniger über Grenzen sprechen.
Sebastian Ja, das ist tatsächlich ein Punkt, den hatte ich jetzt vor ein paar Tagen in einem Vorgespräch, dass eine Person wirklich Schwierigkeiten hatte, Sexualität zu erleben, weil auch ein Nein immer zu einem „Willste nicht doch?“ geführt hat im Leben. Und dann hat sie irgendwie BDSM – Grüße – BDSM entdeckt und das war so das erste Mal, dass das Sicherheitsgefühl war, ein Nein oder ein Mayday ist genau das und dann ist da auch Ruhe und das fand ich A) erschütternd, aber klar, BDSMern wird, wenn sie, ich sag mal, sozialisiert werden durch Foren, Stammtische, Community, wird eingeimpft, Konsent, Konsent, Konsent das musst du machen, im Zweifelsfall, wenn du es nicht glaubst, weil sonst kommst du in den Knast,
Natascha Ja.
Sebastian Also da gibt es einen guten Grund. Und wenn du Sexualität nur erlebst, weil das macht man halt und das macht halt irgendwie Spaß, dann hast du natürlich keinerlei Theorie. Demnach müssten BDSMer oder kinky Menschen viel, viel besser als alle anderen, ich lobe uns jetzt mal, darin sein, sicheres und konsensuelle Sexualität zu erleben.
Natascha Ja.
Sebastian Und damit brauchen doch BDSMer grundsätzlich eh schon mal keinerlei Therapie oder irgendwas.
Natascha *lacht*
Sebastian Also wieso glauben immer alle, BDSMer brauchen Therapie und auch eine spezielle Therapie bei kink-aware Menschen? Also wieso denkt man immer BDSMer brauchen eher Therapie als andere? Ich sag das jetzt, weil auch gefühlt ist es so, weil das öfter Thema ist. Auf der anderen Seite haben wir doch das ganze Wissen, die Theorie und die Gespräche und die Möglichkeiten, über alles mögliche zu sprechen, dass es gar nicht zu irgendwelchen Traumata kommen kann und Leidensdruck etc. Also eigentlich … braucht es KAPA doch gar nicht. *lachen* Nein, aber mal ernsthaft, also sind BDSMer an sich schon mal fitter und warum haben sie dann trotzdem Probleme und welche haben sie und warum benötigen sie so eine Dienstleistung?
Natascha Ich habe meine Masterthesis geschrieben über Polyamorie und Identität. Und das Identitätsthema ist das, was ich jetzt einfach aufgreifen will bei der Frage, weil wenn ich etwas lebe, mit dem ich mich identifiziere, also das für mich identitätsstiftend ist, und ich gehe in eine Therapie, und der Therapeut oder die Therapeutin bewertet das negativ, dann ist das zu 100 Prozent ein Therapieabbruch. Das funktioniert einfach nicht, weil die therapeutische Beziehung einfach so was etwas extrem Wichtiges ist. Das ist das Mindestmaß, was da sein muss, ist eine Vorurteilsfreiheit. Ich darf zwar als Therapeutin schon hinterfragen, warum und wieso und weshalb oder so, aber es darf nicht sein, dass ich sage ... also es ist ja logisch, dass du Probleme hast, wenn du poly lebst. Das ist das, was ich immer oft höre. Und das ist mit Kink eigentlich das Gleiche. Das heißt, es geht ja darum, dass ich wissen will, wenn ich in Therapie gehe und erzähle, hey, ich stehe auf Fesseln, ich stehe auf Schläge, ich stehe auf Schuhe ablecken, dass das jetzt kein großartiges Thema sein wird und nicht für extreme Irritation bei meinem Therapeuten oder bei meiner Therapeutin führen wird.
Sebastian Okay, das heißt, die Menschen sind nicht deswegen zum Beispiel bei dir, sondern es ist halt ein Teil ihrer Persönlichkeit, ihrer Sexualität, aber das ist nicht der auslösende Grund und dadurch, dass du ein Verständnis im Sinne von du verstehst tatsächlich, was dahinter steckt, also was das ist, dadurch können sie sich leichter öffnen.
Natascha Ja, natürlich.
Sebastian Das heißt, Kink wird gar nicht therapiert?
Natascha Nein, überhaupt nicht.
Sebastian Sehr schön.
Natascha Also außer es hat jemand wirklich einen Leidensdruck damit und will sich das anschauen. Das kann natürlich auch sein. Ich hatte auch schon Menschen mit Fragestellungen bei mir, die dann gesagt haben, sie wollen wissen, ob ihnen ihr Kink schadet. Und okay, das ist natürlich für mich auch als Professionistin, okay, wie gehen wir jetzt damit um und hab mir halt ... erklären lassen, auf was die Person steht, wie die Person da drauf schaut und wie sie die Spielpartner aussucht oder so. Und ja, dann habe ich ein Urteil abgegeben *lacht*, weil das war eindeutig der Auftrag. Ja, das macht man hoffentlich nur, wenn man zu jemandem geht, der kink-aware ist.
Sebastian Hast du schon mal jemandem geraten, das vielleicht bleiben zu lassen oder da etwas anders zu machen?
Natascha Nein, eigentlich ... Anders machen schon, nämlich das mit den Grenzen spielen. Ja, und vielleicht noch einmal, je nachdem wie halt jemand drauf ist. Ich finde nämlich, es ist so ein ... wahnsinnig interessantes Ding ist ja doch das Spielen mit den Ampelgeschichten und dieses Hinspüren und Hinschauen, was ist gut für mich und was nicht. Und ich schaue dann eher vielleicht, dass ich den Menschen sage, auch weil ich hatte schon auch Fragestellungen, dass jemand kam und sagte, ich stehe total auf Kink und ich bin am liebsten ein Sub und ich habe aber gerade totale Retraumatisierungen und andere Menschen haben gesagt, ich darf jetzt nicht mehr kinky spielen und muss ich das jetzt bleiben lassen? Naja, so wie die Person mir damals erklärt hat, sage ich, nein, musst du gar nicht. Aber ich würde einfach extra noch einmal darauf schauen, nicht über deine Grenzen zu gehen und mit dem Spielpartner einfach vielleicht noch einmal eine Ebene reinzuziehen, ein paar Mal öfter nachzufragen, passt es jetzt noch? Oder vielleicht dann auch zu sagen, hör mal lieber ein bisschen früher auf oder was auch immer. Einfach da noch einmal im Vorgespräch extra careful zu sein.
Sebastian Du sagst ja eben den Begriff Leidensdruck. Ich kann mir vorstellen, die kommen wahrscheinlich gar nicht wegen der Kink-Awareness zu euch. Ich sage jetzt einfach mal euch, um generell einfach die Mitglieder des KAPA einfach anzusprechen.
Natascha Danke.
Sebastian Gibt es auch Menschen, die haben Leidensdruck, weil sie der Meinung sind, o Gott, irgendwie stehe ich da auf Dinge und das geht doch nicht. Das kann ich doch nicht. Oder mein Partner sagt, das kannst du nicht machen. Oder dass die Erziehung da auch mit reinspielt. Und dass der Leidensdruck Kink dadurch entsteht, dass die gesellschaftliche Konvention eine andere ist. Und wie kann man den Menschen helfen? Weil du kannst ja nicht sagen, nö, das ist schon in Ordnung meiner Meinung nach, der nächste Therapeut wird Ihnen vielleicht was ganz anderes sagen, aber meiner Meinung nach ist alles okay, jetzt können Sie gehen, reicht ja. Also wie baust du das dann auch ab oder ist das dann wirklich was, wo du überlegen musst, warum sind die Menschen an der Stelle in einem Leidensdruck? Das sind so viele Fragen, Entschuldigung.
Natascha Du wirst lachen, aber ich sage genauso Sachen. Ich sage, das ist ganz normal *lacht* und da ist jetzt nichts Verwerfliches dran. Das sage ich ihnen genauso, wie du gesagt hast, du wirst doch nicht sagen, dass. Doch, das mache ich. Und das ist, weißt du, das ist wie wenn du zum Arzt gehst und der Arzt sagt dir, schmier dir das ein oder keine Ahnung, mach da sonst was. Mein Wort hat schon Gewicht. Und wenn eine Autorität, und da bin ich dann einfach manchmal Autorität, dass ich, wenn mich jemand fragt „Ist das normal?“, sehe ja so die Geschichte. Und ich sag: „Okay, was ist denn schon normal?“ Und wir kennen ja auch immer dieses Sprichwörter, das sagt: okay, blöd ist es dann, wenn man keinen mehr findet, der mitspielt, wo wir wieder beim Konsensthema wären. Deswegen ist für mich dieses kink-aware und dann eben auch poly-aware, weil manchmal bieten natürlich Spielbeziehungen dann eine Ausweichmöglichkeit Und dann wird es dann manchmal aber wieder erst recht kompliziert, wenn die Leute aber doch meinen, sie wollen monogam sein. Aber natürlich, ich sage ihnen, das kommt dann immer darauf an, weißt, der Nachteil an der Psychotherapie ist, dass sie so individuell ist. Ja, das heißt ... *lacht*
Sebastian Ich mach nochmal ein neues Fass auf. Ist poly Kink oder ist das davon ganz gänzlich abgetrennt? Weil Kink könnte man auch so definieren, die Person setzt sich mit ihrer Sexualität auseinander und überschreitet die, ich sag mal, die Grenzen der Hollywood-Liebe.
Natascha Ja, wahrscheinlich. Also über die, so habe ich über die Frage noch nie nachgedacht. Könnte man aber, und die würde ich wahrscheinlich sogar bejahen aus diesem Gedankenaspekt her, denn ich sage immer, was macht denn die Monogamie? Monogamie fetischisiert den Sex. Weil wenn ich sage, ohne Monogamie kann ich und will ich keinen Sex mehr haben, sondern das muss da sein, das ist doch eine Grundbedienung von Fetisch. *lacht*
Sebastian Ich habe neulich gehört, Monogamie hat die Welt befriedet, weil die Männer sich nicht mehr gegenseitig erschlagen, weil sie die Frau haben wollen und man denke an Troja und alles mögliche. Das Konzept der Monogamie ist da relativ clever. Jetzt wird poly, kommt immer mehr raus und die Welt geht gefühlt unter, wenn ich die Nachrichten anstelle. *lacht* Nicht, dass es da einen Zusammenhang gibt, aber zumindest Zeit..., das ist, irgendwie gefühlt fürchterlich. Also ich kann, ich mache nicht zu viel falsch, wenn ich sage, okay, Polymenschen, Polypersonen, die das leben, die könnte ich unter dem Label Kink so ein bisschen mit vereinen oder halt umgekehrt. Das ist also keine Beleidigung an der Stelle, sondern damit kann man durchaus leben.
Natascha Ich könnte das definitiv, ich kann mir vorstellen, dass manche Polymenschen das nicht könnten. Deswegen, da sind wir wieder wie bei, es ist individuell, weil sie halt trotzdem gerne ihren Vanillasex haben, was nur halt mit unterschiedlichen Menschen, was ja auch vollkommen legitim ist. Das heißt, das ist vielleicht eine Form von, wenn wir in dem Narrativ bleiben, ein Kink mit seinem Special Wording, eben Monogamie. *lacht*
Sebastian Sag mal, jetzt bist du ja nur mal auf der KAPA-Seite und die Leute denken, wenn ich was mit BDSM zu tun habe und vielleicht auch da speziell, ich nenne es jetzt mal ein Trauma haben oder ein Beratungsbedarf, sage ich mal, dann landen sie ja eher bei euch. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass jemand da ist, der sagt, ich leide unter meinem Kink, also speziell darunter, was die Menschen wollen, der ist ja etwas höher. Worunter leiden die Menschen? Weil ich bin da total einfach in meiner Struktur, wenn es mir gefällt und ich mich hinterher nicht dreckig und schlecht fühle und mein Gegenüber auch Spaß dran hat, dann kann es nur gut gewesen sein. Warum im Himmelswillen sollte ich ein Problem damit haben? So denke ich das. Aber Menschen denken ja gerne viel. Und ja, also mit was für BDSM-spezifischen Problemen siehst du oder seht ihr euch da konfrontiert?
Natascha Leider kann ich noch zu wenig über meine Kolleginnen und Kollegen sprechen, was die da noch für Probleme haben, weil das wäre jetzt wirklich eine sehr interessante Fragestellung. Ich habe nämlich für mich wirklich auch den Fokus gesetzt, eben dieses dass Kink Spaß machen darf und eben im Sinne von Erlebnisaktivierung Menschen mit Leidensdruck unter ihrem Kink ... Ich überlege gerade. ... hatte ich wahrscheinlich. Sie kommen mit Fragestellungen, aber nicht so, dass sie sagen, um Gottes Willen, ich bin so kinky, dass ich eben auch nach ICD-11 noch eine Störung diagnostiziert bekommen würde. Das hatte ich noch gar nicht.
Sebastian Okay.
Natascha Gibt sicher auch, ist bei mir noch nicht gelandet. Ja genau, so wie du jetzt irritiert schaust *lacht*, würde man sich das komplett anders vorstellen und anders denken. Aber ich sage dir, im Normalfall ist es viel mehr dieses Fördern von, hey komm, ja klar, probier was aus, mach was etc., trau dich, dazu zu stehen. Es ist, du bist nicht allein, so wie du das mit deinem Podcast ja wahnsinnig wichtige Arbeit leistest. Ja, dass die Leute eben sehen, sie sind nicht die Einzigen mit diesem Fetisch.
Sebastian Ja, also die Aussage, du bist nicht allein, ist auch das Feedback, was ich kriege, tatsächlich das häufigste, auch wenn es mal auf einen speziellen Kink oder Fetisch kommt, wirklich dieses, die Leute hören den Podcast und dann kommt genau ihr Thema und dann stellen sie da immer noch nach Jahren der Kunst der Unvernunft hören fest, ich bin ja nicht mal damit allein, das ist ja Wahnsinn. Also das ist die wichtigste und größte Botschaft im Grunde.
Natascha Genau, ja.
Sebastian Okay, also keine Fallbeispiele heute von dir, die mit Kink zu tun haben.
Natascha *lacht*
Sebastian Sehr gut. Also das ist ja auch so ein bisschen die Frage, Sicht von außen und innen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Menschen zu dir kommen und sagen, ich leide darunter, dass mein Partner, meine Partnerin dieses perverse Gedöns hat. Also das ist wahrscheinlich immer nur ein Nebenschauplatz, weil die Menschen eh da sind. Wie ist das mit Personen, die selber darunter leiden, dass sie damit konfrontiert werden, weil niemand muss und man kann auch, also in einer frischen Ehe kann man quasi, ich glaube nach irgendwelchen bayerischen Gesetzen noch verlangen, dass die Menschen irgendwie Sex miteinander haben, sonst ist die Ehe nicht vollzogen. Ja, man kann von Menschen irgendwie gesellschaftlich, moralisch noch irgendwie Sexualität verlangen, aber bei Kink hört die Sache auf. Da ist es definitiv freiwillig und Konsent. Und das ist ein Konfliktpunkt zwischen Menschen und zwischen Personen. Und wenn du da jemanden hast, der sagt, ich leide darunter, weil mein Gegenüber, meine Beziehungsperson möchte da was, was ich nicht möchte. Ich glaube, das ist eine Menge Druck und auch Leiden.
Natascha Das gibt es immer wieder in der Paartherapie. Und nicht nur auf sexueller Ebene, sondern auf jeder Ebene gibt es das. Mein Partner will was, was ich nicht will oder die Partnerin möchte was, was ich nicht will. Ich will was, was die Partnerin nicht will.
Sebastian Also Kinder, Haus, das zählt ja alles mit rein, ja?
Natascha Ja, ganz genau. Und deswegen, da ist Sexualität und auch Kink dann nur eine Facette, wie man damit umgehen will.
Sebastian Ja, bei vielen Sachen kann man dann überlegen, Kompromisse zu finden. Bei Kink würde ich sagen, wenn das eine Person ablehnt, dann ist halt Schluss, weil da hat man halt nicht die Wahl, einen Kompromiss zu machen. Der wäre für mich gefühlt irgendwo faul, der Kompromiss.
Natascha Ja, deswegen ist es immer individuell. Wir hatten das schon, das ist das Faden in der Psychotherapie, weil ich kann dir nicht die Fallbeispiele … Es ist nicht immer gleich, sondern es kommt einfach immer darauf an, was für jemanden wichtig ist. Was mir wichtig ist, Eigenverantwortung zu fördern. Weißt du, ich sage den Leuten immer, das ist dein Leben. So würde ich auch dir sagen, Sebastian, das ist dein Leben. Und es ist scheißegal, was in irgendwelchen Büchern steht oder was irgendwer sagt, was richtig oder falsch ist. Die einzige wirkliche Frage, die zählt, ist, wie willst du dein Leben verbringen? Somit wäre dann, ich tue mir leichter, wenn ich das jetzt auf dich projiziere, wenn du mit der Fragestellung kommst, du willst etwas, was deine Partnerin nicht will. Sag, okay, wie sehr liebst du sie? Gibt es eine Variante, dass du dir eine Spielbeziehung suchen kannst oder nicht? Willst du, weil Love is not enough, wie wichtig ist dir das andere, dass du deinen Kink leben kannst? Und ich würde halt vorschlagen, Baby-Steps zu gehen, Dinge auszuprobieren, bevor man vielleicht komplett klare Grenzen zieht und sagt, nein, ich muss mich trennen. Kann man ja mal schauen, geht das mit einer einer Spielbeziehung oder nicht. Oder dass man gleich sagt, nein, eigentlich, das funktioniert für mich nicht. Ich muss mich trennen. Und dann ist das auch eine Konsequenz. Und das wird für Menschen unterschiedliche Gewichtungen haben.
Sebastian Aber geraten, ja, wenn du das nicht machen willst und dein Partner, deine Partnerin will das, dann trenne dich halt. So einen Rat würdest du nicht geben? *lacht* Ich merke, ich will polarisieren ein bisschen.
Natascha Ja, das ist, darfst du. Das ist auch gut so. Ich sage immer, man darf Geschenke machen. Ähnlich, da gibt es, ich glaube ... nicht in der Demokratie, vielleicht fallt dir das ein, da gibt es ein Wort. Also es gibt eine Verhandlungstechnik, wo ich auch dazu sagen kann, wie sehr will ich etwas oder wie sehr will ich etwas gar nicht. Dass ich sage, eigentlich will ich das nicht, aber ich kann damit leben. Das gibt es ja auch. Das heißt, und ich sage, gerade in einer Beziehung, in einer Partnerschaft kann ich jemand anderem Geschenke machen. Das ist, wenn ich sage, ganz im Ernst, ich stehe jetzt nicht sonderlich drauf, vor dir zu knien und dich anzubeten, aber wenn es dir so viel gibt, spiele ich es halt für dich einfach.
Sebastian Ja, da fängt meine Moral an, so ein bisschen zu kribbeln.
Natascha Ja.
Sebastian Ich gebe dir mal ein Fallbeispiel. Da hat mir eine Person geschrieben und meinte, naja, mein Partner wünscht das und möchte das und ich kann auch nicht damit leben, dass er das mit einer anderen Person auslebt. Also haben wir den Deal, einmal im Monat kann er mir den Hintern ordentlich verhauen und wir haben dann eine Session.
Natascha Ja.
Sebastian Und wo ich denke so, oh. Also sämtliche vorteilhafte Romantik von BDSM ist für mich im Prinzip für beide in dem Moment gestorben, weil ich mir denke, okay, du lässt dich von deinem Partner schlagen, fesseln und Dinge mit dir machen, weil du ihn halten willst.
Natascha Mhm.
Sebastian Also da geht, das ist dann, für mich wird dann, aus diesem ganzen Tanz miteinander wird dann ein mechanisches, ich muss das machen, weil ich will das Haus behalten, was an der Ehe hängt und so was.
Natascha Uh, ja, ja.
Sebastian Und da denke ich mir so, um Gottes Willen, ja, die Entscheidung können die Menschen treffen. Das können sie. Das hat aber dann nichts mehr mit dem Kink und BDSM zu tun, wie ich es definiere. Und da muss ich dann wirklich schlucken. Das gibt es. Und ich wünsche mir dann immer eine Welt, in der so was nicht nötig ist. Aber die Person hängt moralisch einfach dran. Nein, mit einem anderen darf er nicht. Das will ich nicht. Das kann ich nicht ertragen. Also ertrage ich lieber die Prügel dafür. Und das ist wirklich boah, heftig.
Natascha Ja, das verstehe ich. Und dennoch, ich würde mir auch wünschen, dass es auf der Welt keine Kriege gäbe. Und ich muss damit leben. Es ist einfach so. Und deswegen sage ich, ich bin wirklich ein absoluter Fan von Eigenverantwortung. Wenn jetzt diese Person aber bei mir in Therapie wäre, und je nachdem, was der Auftrag ist, ich bin immer ein absoluter Fan von Auftrag. Also um was geht es denn? Würde ich wahrscheinlich schon hinterfragen, was denn mit diesem Haus so an sich ist. Und, ach Gott, weißt du, Menschen sind manchmal wegen ganz anderen Sachen miteinander zusammen und es ist die Frage, wenn ich nebeneinander her lebe und mein Partner verachtet mich und das hat mit Kink überhaupt nichts zu tun und ich bleibe trotzdem dort wegen einem Haus, dann würde ich das auch niemandem wünschen. *lacht*
Sebastian Wie würdest du denn damit umgehen, wenn dann die aktive Person bei dir ist? Weil, also auch da sehe ich so dieses, die Person ist ja auch nicht blöd, die wird ja merken und wissen, okay, das ist jetzt hier ein Beziehungsstil, aber, und das ist auch ein Liebesbeweisen alles, aber ich könnte die Hand nicht erheben und sagen, haha.
Natascha Ich glaube, ich würde fragen, ob das der Person wirklich Spaß macht dann. Weil das ist ja auch, weil da sind wir ja auch dann wieder in diesem Bereich mit, welche Form von Sadismus mag ich? Ja, weil ich kenne schon Menschen, die spielen so, dass es über die Grenze gehen muss, ein bisschen, damit es der anderen Person so wirklich weh tut. Und es gibt diejenigen, die sagen, sie finden es eh nur dann leiwand [Dialekt], wenn die masochistische Person das Ganze noch richtig leiwand [Dialekt] findet. Und deswegen sage ich auch immer wieder sehr individuell, und natürlich würde ich das hinterfragen.
Sebastian Ach so, herum, natürlich. Das kann natürlich dann nochmal, dann ist der Kink ja sogar noch realistischer. Oh. Ja, so weit habe ich gar nicht gedacht. Ja, also da merke ich aber, in meiner bunten Bonbon-Welt, da romantisiere ich dann doch sehr viel. Und du bist nun mal, du kannst dem nicht ausweichen. Von Berufs wegen hast du damit zu tun. Und musst natürlich trotzdem irgendeine Art Rat geben. Klar, du kannst Fragen stellen, aber im Grunde gibst du irgendeine Art Rat oder eröffnest Möglichkeiten. Aber ich möchte da nicht tauschen, ehrlich gesagt.
Natascha Ach, mir macht das total Spaß, weil ich liebe dieses Funkeln in den Augen, wenn ich eine Frage stelle, weil im Normalfall mache ich es über Fragen, weil ich ja nicht weiß, was die Leute wirklich wollen, weil wie gesagt, noch einmal, höchstes Credo: es ist dein Leben und die Frage ist, wie willst du es leben? Und wenn ich dann eine Frage stelle und du siehst bei den Menschen, zack, zack, bumm und dann kommt so ein Funkeln mit: „Das geht auch. Ja, stimmt. Wow, dann ist ja alles kein Problem.“ Und deswegen mache ich das. *lacht* Was, das kann man auch machen? Und manchmal, jetzt fallt [Dialekt] ma [Dialekt] leider kein Beispiel, aber manchmal ist es wirklich so, ja. *lacht*
Sebastian Also ja, ich merke schon, also wenn man irgendwie kinkaffin ist und dann landet man bei einer KAPA-Person oder bei dir selbst zum Beispiel, dann ist das nicht das Problem. Also dann ist nicht der Punkt, oh, ich muss ganz viel aus meinem Leben erzählen, aber das lasse ich aus. Das machen ja auch Menschen. Das ist dann durchaus hinderlich, weil dann erzählen die Menschen irgendwelche Geschichtchen, das merkst du wahrscheinlich dann auch. Da ist schon mal eine Bremse gelöst.
Natascha Genau.
Sebastian Ich würde gerne mit dir das heute ein bisschen offener gestalten und mit dir einfach ein bisschen, ja ich sag mal, diskutieren.
Natascha *zustimmendes* Mhm.
Sebastian Das darfst du auf der professionellen Ebene tun, aber die Meinung ist auch völlig in Ordnung. Denn ich würde dich einfach mal als Anspielpartnerin sehen für ganz viele Fragen, die mir auch immer wieder gestellt werden. Und vielleicht finden wir ja beide ein, ein, ja, ein Konsent, eine Übereinkunft oder wir sind vielleicht auch einfach mal unterschiedlicher Meinung, das kann ja auch mal spannend sein. Denn ich habe hier ganz viele Sachen und einen Punkt, der mir immer wieder mal vor die Nase gerät, ist immer ... ja, toxische Personen in der Community. Oder man muss aufpassen, Oder man muss aufpassen, dass man nicht an toxische Personen gerät. Und es gibt übrigens eine Million Red Flags etc. etc.
Natascha *kritisches* Hm.
Sebastian Da denke ich mir immer, wann ist denn eine Person toxisch und ist das eine Wahrnehmungssache oder wann sind Menschen in dem Bereich, auch im Bereich poly, gefährlich? Also der Heiratsschwindler ist zum Beispiel im Poly-Bereich möglicherweise gefährlich.
Natascha *Beginn Lachanfall*
Sebastian Wobei, verheiratet, das passt eigentlich nicht zusammen, aber ist egal. Ich habe irgendwann im Urlaub irgend so ein Pilcher-Kram sehen müssen, aber *Ende Lachanfall Natascha*. Entschuldigung. Aber, nein, also, was meinst du, wann sind Menschen toxisch?
Natascha Ich glaube, dass das Wort toxisch momentan einfach auch ein Modewort ist, weil alles urschnell gerade einmal toxisch ist, ja, genauso wie momentan jeder wegen irgendwas ein Trauma hat.
Sebastian *lacht* Entschuldigung, dass du diesen Satz sagst.
Natascha Jaaaa. Ja.
Sebastian Okay, also Zwischenfrage. Wann ist ein Trauma ein Trauma? Und wann ist es einfach nur ein, ich fühle mich jetzt nicht super damit?
Natascha Ja, ganz genau. Das ist die Frage. *lacht* Auch das gilt es individuell zu betrachten. Und ich bin dann auch immer so hin und her gerissen zwischen, ich mag das voll, weil ich finde, wenn man sich im zeitlichen Verlauf einfach anschaut, die Jugendlichen oder jüngeren Menschen, ich werde ja schon alt, weil die Leute, die halb so alt sind wie ich, sind mittlerweile auch schon erwachsen. *lacht* Das ist ja ein Drama. *lacht* Und die jüngeren Menschen sind halt die, die einfach viel mehr Awareness haben. Was auf der einen Seite ein Fluch ist und auf der anderen Seite dann ein Segen. Weil es hat immer zwei Seiten und alles hat immer mindestens zwei Seiten.
Sebastian Einen Moment, jetzt klopft es an der Tür. Herein. Ich habe nämlich ein Getränk bestellt und das Podcastsubbie höchstpersönlich reicht es rein, möchtest du vor die Kamera kommen? Nur mal winken. Die ist ganz lieb.
Natascha Ah, das Podcastsubbie. Ja, hello.
Sebastian So, einen Knutscher kriege ich noch, wenn du mir hier schon Alkohol bringst. *Küss-Geräusche* Vielen Dank.
Natascha Du darfst Alkohol trinken beim Arbeiten?
Sebastian Das ist ja keine Arbeit, das ist ja ein Hobby, ne [Dialekt]. Ich trinke jetzt eine Astra-Kiez-Mische.
Natascha Aha.
Sebastian Also so ein Bier-Mix-Getränk, was hoffentlich ein bisschen abkühlt. Ich dachte mir, das gönne ich mir heute. Für Gin Tonic ist es definitiv zu warm. So, also Prost erstmal.
Natascha Prost. Rein nach Definition ist ja ein Trauma im psychischen Bereich einfach eine seelische Verletzung. Jetzt sind wir da relativ schnell. Die Frage ist, wie sehr beeinträchtigt es mich? Und wir sind natürlich auch in der Fragestellung, gerade im kinky Bereich, mit den Safespaces, ja, wie ... Und was ich da finde, eine Fragestellung ist dann die Eigenverantwortung wieder. Wie viel Verantwortung hat wer? Und das ist ein ganz ein heikles Thema.
Sebastian Also die Frage, wer ist toxisch? Es geht also immer, wenn Menschen neu zu BDSM kommen, gerade submissive Personen, dann wird ihnen gesagt, du musst ein bisschen aufpassen, dass du an Menschen gerätst, die gut sind, die das auch korrekt machen. Und dadurch entsteht der Eindruck, dass ich sag mal ... na, 30% wirkliche Arschlöcher, meistens dominant und männlich und mittelalt, also der alte weiße Mann, dass das die Menschen sind, an die sollte man nicht geraten, weil dann kommst du unter die Räder.
Natascha Mhm.
Sebastian Ich persönlich behaupte mal, das ist geschlechtsunabhängig, das ist nur eine Frage der Akzeptanz in der Gesellschaft.
Natascha Mhm.
Sebastian Behaupte ich, ich kann das nicht mit Zahlen belegen, aber ich sag mal, als junger, submissiver Mann bist du bereit, eher Dinge zu ertragen als als Frau, da sind Frauen einfach emanzipierter inzwischen.
Natascha *zustimmendes* Ja!
Sebastian Und da ist so ein bisschen der Punkt, aber diese Menge, also da bin ich immer nicht sicher. Ich persönlich glaube, dass auch ein Prozent toxischer Personen, hm, oh, das muss ich jetzt auch gucken, wie ich es formuliere, gebe ich ja zu. Also ein Prozent bedeuten bereits, man kann an die Menschen geraten, aber gefühlt ist so, sei vorsichtig, es könnte auch die Hälf..., jeder Zweite sein. Und da bin ich immer nicht so sicher, was dieses Misstrauen, gerade in dem Bereich, ob das gerechtfertigt ist.
Natascha Und da weiß ich nicht,
Sebastian ob ich da die falsche Perspektive habe. Und jetzt sag du mal was dazu.
Natascha Ich sage dir, was ich den Leuten gerne rate, ist, sich innerhalb der Szene zu bewegen. Weil so wie in der Vanilla-Geschichte, wo man sagt, Sex ist ja normalerweise was, was man für sich allein daheim, also allein daheim hat oder halt zu zweit im Normalfall, da soll keiner zuschauen. Das ist eine Prägung, die wir einfach haben. Und ich bin ja hier genauso aufgewachsen und geprägt worden. Und bis ich selbst kapiert habe, wenn ich in eine Location gehe, wo andere Menschen sind, das ist ein Schutz für mich. Das heißt, gerade in dem kinky Bereich, wenn ich sage, ich mache mir mit jemandem ein Playdate aus, würde ich das auf keinen Fall alleine in einem Hotelzimmer machen, sondern irgendwo öffentlich, halt in einer Location, die einfach passt. Und ich glaube auch, zumindest in Wien in der Community ist es schon so, Communities bilden Bubbles und Menschen, die absichtlich über die Grenzen von anderen gehen und andere nicht konsensuell verletzen, haben erhöhte Chancen, da rauszufliegen.
Sebastian Das ist ein wichtiger Punkt, Fehlerkultur.
Natascha Ja.
Sebastian Oh, die Person hat vor zehn Jahren mal Mist gebaut. Mag sein, dass sie sich verändert hat, aber sie ist erst mal hier nicht mehr gern gesehen, um es mal schwach zu formulieren.
Natascha Ja.
Sebastian Was wieder..., ich bin da der Mein..., finde das schwierig, Menschen aus der Szene raus zu z..., ja, zu sagen, raus hier aus der Szene. Die bewegen sich dann außerhalb der Szene und unterliegen dann im Prinzip keiner sozialen Kontrolle mehr. Deshalb bin ich der Meinung, man muss sie eigentlich drinhalten.
Natascha Okay, ja.
Sebastian Damit man da noch was machen kann. Denn wenn die dann anfangen, auf irgendwelchen Dating-Plattformen die Menschen sich zu krallen, die unerfahren sind zum Beispiel, ...
Natascha Eben.
Sebastian ... dann ist das viel dramatischer und da müsste ich im Prinzip auch als, ich sage mal, als Stammtischleitung, Communityleitung mir das irgendwo vielleicht dann doch mit ankreiden nach dem Motto, naja gut, ich habe die Person in die freie Wildbahn entlassen und dann kann sie da ihr Unwesen treiben. Auch Mist. Also ich hätte da diesen Druck, diese Verantwortung, die Menschen lieber drin zu halten, damit man Einfluss nehmen kann.
Natascha Mhm.
Sebastian Was jetzt gemein ist, aber irgendwie zieht es mich dahin, niemanden ausschließen zu wollen.
Natascha Ich finde, das ist ein super Ansatz, wenn du dir das ..., wenn du dir diese Verantwortung nehmen willst, dann finde ich das einen Dienst an der Community, definitiv, ja. Und dann wirst du auch deine Mittel und Wege finden, wie du dann auch mit diesen Personen umgehst, wenn sie spielen im Rahmen, auch mit Newbies. Ich gebe dir total recht, dass ich auch eines der gefährlichsten Dinge finde, mir im Internet jemanden zu suchen, weil, hm. Aber natürlich ist es auch die niederschwelligste Geschichte und das ist leider halt dann auch der Start für viele. Und da ist die Wahrscheinlichkeit, an jemanden zu geraten, der mehr seine eigenen Interessen im Blick hat, als auch, dass es dem Subbie gut geht, ist dann leider halt erhöht. Das stimmt schon.
Sebastian Ja, es ist halt immer eine schwierige Entscheidung, weil du hast natürlich dann auch andere Menschen in der Community, die sagen, ich habe mit Person XY schlechte Erfahrungen gemacht, ich fühle mich unwohl, wenn die auch hier ist.
Natascha Ja, voll.
Sebastian So, auch da ist so ein Punkt, wo ich dann sage, im Prinzip bitte ich dich, das auszuhalten, damit schützt du langfristig andere.
Natascha Ja.
Sebastian Aber das ist schwer. Also man kann es nicht richtig machen. Ich glaube, das kann man schon mal so festhalten.
Natascha Oh, ja, danke, ganz genau so, ja.
Sebastian Ich bin halt Idealist.
Natascha Nein, man kann es nicht richtig machen. Das ist so ein heikles Thema. Und ich spüre es ja selber, wenn du mir diese Fragen stellst, dass ich mir denke, wie will ich die denn beantworten? Weil du kannst nur was sagen, wo irgendjemand was dagegen hat. Und das ist total schwierig. Und weißt du, vielleicht machen wir es noch einmal in den ein bisschen weicheren Bereich. Ich finde nämlich, wenn ich mit jemandem spiele, du kannst nicht alles im Vorfeld abklären. Das geht nicht, weil die Leute wissen manchmal selber nicht alle ihre Grenzen. Weil woher denn auch? Manche Grenze weiß man erst, wenn man sie erreicht.
Sebastian Ja, und das Risiko macht ja auch Spaß.
Natascha Manchen, nicht allen, aber manchen. Gut, so und ich bin dann diejenige, die dann sagt, wenn ich als Sub spiele, dann finde ich kann nicht der Anspruch sein, dass der Top immer alles richtig macht, weil sonst traut sich der ja gar nichts mehr bewegen und von alleine tun. Das Ding lebt ja, das Spiel lebt ja auch von Einfällen etc. Und somit, das ist wie in einer normalen Beziehung auch. Mein Partner wird nicht immer alles richtig machen, sondern er wird manchmal Sachen machen und sei es nur irgendein Teil woanders falsch verräumen und das geht mir dann auf die Nerven. Also es gilt schon auch eine gewisse Toleranz den Tops gegenüber zu bringen, weil es ist einfach dieses Wechselspiel. Und dann sind wir wieder bei dem, dass ich sage, es soll ja einfach Spaß machen, weil ein Top wird auch nur gerne spielen, wenn ihm das Spiel Spaß macht, weil wenn du sagst, du spielst mit einem Subbie, das immer irgendwo was dagegen hat, willst du mit der Person nicht mehr spielen wollen und dann spielt man einfach nicht mehr, dann hat auch keiner was davon. Also die Passung ist natürlich wichtig, aber eben auch, es ist nicht immer alles so streng zu sehen, aber natürlich, Hard Limits sind Hard Limits.
Sebastian Ja, natürlich, Hard Limits definitiv und ich glaube, gerade am Anfang, wenn man noch nicht gespielt hat und will, dann hat man natürlich tausend Wünsche, man hat Geschichten gelesen, man hat das Internet durchgelesen, man hat die Pornos geguckt, dann ist ja auch mal so die Frage, kann ich die Zurückhaltung wahren, erst mal klein anzufangen und mich dann zu steigern oder nein, ich will das jetzt erleben. Das ist eh eine blöde Voraussetzung, weil dann suche ich nämlich Menschen für Praktiken und nicht mehr Menschen zum Spielen, sondern ich suche grad jemanden, der meine Praktik erfüllt. Das ist immer so ein Teufelskreis an der Stelle. Aber lass uns doch mal was, ein bisschen in schönere Themen vielleicht reingehen.
Natascha Ja, gerne. *lacht*
Sebastian Also ich habe eine schöne Aussage: Sind kinky Menschen, und da beziehe ich poly jetzt einfach mal mit ein, sind das im Schnitt für dich oder aus deiner Sicht glücklichere Menschen?
Natascha Du hast gerade gesagt Poly-Menschen, oder? Du hast nicht kinky gesagt. Die Frage war, ob poly.
Sebastian Kinky und poly, ich beziehe sie alle mal mit ein. Also sind die Menschen, weil du hast ja auch deine, wie heißt ..., ich würde jetzt sagen Masterarbeit, wie hieß das Ding?
Natascha Ja, ja, Masterthesis, ja, genau.
Sebastian Masterthesis, genau. Da hast du ja nochmal Richtung Poly geforscht. Also es ist halt so die Frage, sind die Menschen deiner Meinung nach, vielleicht kannst du es auch wissenschaftlich belegen, sind die glücklicher, weil sie sich mit sich auseinandersetzen?
Natascha Ja, weißt du, das sind wir gleich im wissenschaftlichen Bereich, da müssen wir jetzt definieren, was ist Glück. *lacht*
Sebastian Die müssen nicht zu dir kommen.
Natascha und Sebastian *lachen*
Natascha Mm, hm, ich glaube, gegen die Definition habe ich was. *lacht* Na [Dialekt], schau, ich glaube sehr wohl, dass wenn man sich zugesteht, auch seinen Kink leben zu können oder zumindest erforschen zu wollen, dass einen das zufriedener macht. Weißt du das ... Und mit der Monogamie sehe ich es ein bisschen ähnlich. Es ist nämlich eher die Menschen, die monogam leben, glauben häufig, dass die Menschen, die nicht monogam leben, das Ziel haben, mit möglichst vielen verschiedenen Menschen Sex zu haben. Und wenn aber etwas eh verfügbar ist und sein darf, dann hat es manchmal nicht mehr die Wichtigkeit. So wie man das umlegt in ein BDSM-Spiel mit Orgasmusverbot, dann hat man die ganze Zeit einen Orgasmus im Kopf zumindest, wo man sich denkt, ich darf jetzt nicht, ich darf jetzt nicht, ich darf jetzt nicht und dieses Nicht-Dürfen, das kennen wir wahrscheinlich alle auch aus unseren Teenagern-Zeiten, wenn mir die Eltern sagen, das darf ich nicht, dann wird es einfach besonders interessant. Aber in dem Moment, wo ich darf, kann ich es mir anschauen und dann kann ich mich entscheiden, ob ich es jetzt will oder nicht. Aber es ist nicht mehr dieses ständige, hey, aber ich darf ja nicht, ich darf ja nicht, ich darf ja nicht. Damit wird es noch viel größer. Und somit glaube ich, sich einzugestehen, dass man auch andere Menschen sexy findet und das sagen darf. Und dann kann man sich nochmal entscheiden, will ich jetzt aber wirklich mit denen Sex haben oder nicht? Ist es mir das wert? Ich finde es nämlich viel schöner, weißt du, wenn ich sage, ich bin in einer Beziehung und mein Partner kann machen, was er will. Und genau genommen kann er das auch, weil ich kann es ihm eh nicht verbieten. Und es könnte ja auch sein, selbst wenn wir monogam leben würden, könnte es sein, dass ihm wer anderer gefällt und er sagt, okay, er möchte jetzt ein Abenteuer und ob er es mir dann erzählt oder nicht, ist wieder eine andere Geschichte. Aber das Schöne ist doch, wenn ich weiß, jemand kann machen, was er will, ist vielleicht sogar flirty, wird angeflirtet etc., kommt aber trotzdem jeden Abend zu mir zurück.
Sebastian Und wenn er es nicht tut?
Natascha Naja ... *Klopfen* ... Kann ich ihn dann zwingen? Wird das dann eine schöne Beziehung sein? Ich möchte lieber die Dinge fördern, die ich gut finde. Und wenn ich, wenn ich, ich arbeite ja auch an mir, finde ich, ein großartiger Mensch zu sein, finde ich. Und wenn ich dann einen Ring am Finger habe und sage, jetzt bin ich safe, das spielt ja nicht. Das wissen wir ja. Sonst wären ja die Scheidungsraten auch nicht so hoch.
Sebastian Ja, ich weiß auch noch nicht, warum das so sexy ist, sich dieses Versprechen dann zu geben.
Natascha Eben.
Sebastian Ist Tradition, Erziehung. Wobei, aus Sicht eines Kindes ist es, glaube ich, ganz toll zu wissen, meine Eltern sind zusammen und das bleiben sie auch immer und sie sind als Gemeinschaft meine Eltern. Also so gesehen ist man ja auch sozialisiert, dass das für einen selber gut ist, wenn die eigenen Eltern zusammen sind und auch zusammen bleiben. Man sieht ja drumherum, wie sie sich alle scheiden lassen und dann will man das natürlich genauso gut machen. Also vielleicht ist das ja so ein Aspekt aus dem selbstgelernten Egoismus, dass man dadurch einfach, ich sag mal, die Monogamie als etwas Gutes erfährt.
Natascha Ich habe ganz viele lustige Geschichten schon gehört von perfekten Elternpaaren, wo die Kinder dann irgendwann im Erwachsenen draufgekommen sind, dass die Eltern überhaupt nicht monogam waren. Und dann ist auch die Frage, hat die Beziehung so gut funktioniert, weil sie nicht monogam war. *lacht* Also ganz viele Überraschungen, weil das ist, also was die Fassade ist und was sich wirklich abspielt und ich meine, ob man das jetzt gut findet oder nicht, aber bei uns in unserer Kultur ist es halt einfach nicht so, dass wir unser Sexleben als Eltern mit unseren Kindern besprechen. Im Normalfall.
Sebastian Eher nicht.
Natascha Eher nicht, genau. Und somit, eigentlich wissen wir es ja dann eh nicht. Und die 68er sind jetzt, also die 68er-Generation ist ja noch nicht so alt.
Sebastian Ja, wobei da in der Generation hast du natürlich auch den Punkt, nach Krieg hast du natürlich so einen Punkt, dass Ehe nicht nur das mit sich bringt, sondern das bringt ganz viel, das bringt gesellschaftliches Prestige, das spart Geld oder es bringt Geld und da hängt so viel an dieser Monogamie im Endeffekt dran, dass man all das aufs Spiel setzt. Also da ist ganz viel Druck von außen, der im Prinzip sagt, es ist ein gesellschaftlicher Statusverlust, wenn man das nicht einhält. Und damit wird es gefühlt illegal und komisch und etwas Merkwürdiges und vielleicht, und das ist jetzt die nächste Frage, vielleicht ist es wirklich so eine Generationding. Wie siehst denn du das bei jungen Menschen? Gefühlt sind die … viel offener und freier, was poly, was Kink angeht. Die sind viel entspannter und das ist überhaupt alles ganz anders als noch bei mir. Und ich bin Jahrgang 81. Ja, die sind da einfach viel, viel weiter. Oder sieht das nur so aus, weil Instagram und Co. mir halt immer die Videos zeigen, dass das halt so sein muss. Kann ja auch ein Bubble-Problem bei mir sein.
Natascha Na [Dialekt], es ist schon, glau..., also dann habe ich das gleiche Bubble-Problem. Ich glaube schon, dass die Jungen heute einfach sich ihrer Wahlfreiheit bewusster sind, als wir das waren. Und das ist eben nicht nur ein Segen, sondern auch ein Fluch, weil wir wissen, je weniger Auswahlmöglichkeiten ich habe, umso zufriedener bin ich. *lacht* Das ist wieder die Geschichte. Bei Speisekarten zum Beispiel. *lacht*
Sebastian Ach so. Ja, den Konflikt haben wir, ich verrate mal, das Podcastsubbie studiert eine Speisekarte vollständig, um dann mehrere Dinge zur Auswahl zu haben, wo die Entscheidung dann kurzfristig getroffen werden muss, wenn dann der Mensch mit dem Zettel vor einem steht und sagt, was wollen Sie denn jetzt? Und dann wird irgendwas von diesen paar Sachen gesagt. *lacht* Während ich halt sage, oh, das mag ich, das nehme ich und dann brauche ich gar nicht weiterlesen. Also mir macht Wahlfreiheit da keine Probleme. Sie hingegen trifft dann aber auch im Durchschnitt die besseren Entscheidungen.
Natascha *lacht*
Sebastian Ganz oft „Kann ich bei dir naschen? Oh, das ist ja viel besser als meins. Verdammt, beim nächsten Mal nehme ich das.“ Und dann beim nächsten Mal gleich das Ganze wieder. Das ist fürchterlich. Aber, also meinst du, Wahlfreiheit macht eher unglücklich? Das kann ich mir nicht vorstellen.
Natascha Nein, nein, nein, nicht Wahlfreiheit macht glücklich, sondern ich habe erst letztens wieder irgendwo einen Artikel gelesen, wo es einfach darum ging, je mehr Optionen man hat, zwischen denen man wählen kann, umso schwieriger wird es. Weil dann fragt man sich auch mehr, habe ich mich für das Richtige entschieden? Und deswegen wird man umso unzufriedener. Das heißt, es war wirklich einfach am Thema Speisekarte. Aber ich finde es schon lustig, wenn ich sage, ich habe eine Speisekarte, wo ich zwischen 40 verschiedenen Speisen wählen kann, werde ich meine Entscheidung vielleicht eher in Frage stellen, wie wenn ich sage, ich habe eine Speisekarte, wo fünf Gerichte draufstehen und ich wähle eins von diesen fünf.
Sebastian Es gibt noch eine andere Lösung, das ist die Polylösung. Ich nehme die fünf Gerichte. Und zwar alle. Das muss ich mir halt leisten können, ja. Und ich werde auch nicht aufessen, aber ich nehme sie einfach alle und dann ist es doch super.
Natascha Ich sage bei poly auch immer, poly ist die ultimative Selbsterfahrung, weil alle Themen, die du hast, werden dir einfach um die Ohren fliegen. Weil wenn du zu zweit bist, ist ... Also eine Beziehung ja generell nie einfach, weil man muss sich einfach aufeinander einstellen. Es sind immer Enttäuschungen dabei. Die andere Person, man verliebt sich ja in dieses Bild von einer Person. Da kennt man sie ja noch gar nicht wirklich. Und dann kommt immer mehr Realität dazu und somit kommen auch Enttäuschungen dazu und dieser Realitätsabgleich tut immer ein bisschen weh, wenn man draufkommt, dieses Bild, so wie ich mir das vorgestellt habe, ganz so ist das eigentlich doch nicht. So, jetzt habe ich meinen eigenen Faden verloren.
Sebastian Das ist gar kein Problem. Ich habe so, ich habe hier so viele lose Fäden. Das kannst du dir nicht vorstellen. Wir können vier Stunden reden heute.
Natascha Ja, aber ich will noch weiter mit dem ... *genervt* hm *Kugelschreibergeräusche*
Sebastian Liebes Publikum, sie hat hier einen Kugelschreiber in der Hand und haut sich damit gegen die Stirn. Das ist das Klackern die ganze Zeit. Ich finde das total toll, dich beim Denken zu sehen. Das ist großartig, weil das sagt mir, dass ich dich auch ordentlich fordere heute und das macht mir super viel Spaß.
Natascha Ja, eh.
Sebastian Darfst mich auch fordern, das ist okay.
Natascha Wenn ich was mach, dann richtig. *lacht* Also, die Menschen, die dann poly leben, das ist es, wenn sie, ich sage, zu zweit ist es relativ einfach, manchmal doch noch deine Themen unter den Teppich zu kehren, zu negieren, nicht drüber zu reden. Aber in dem Moment, wo eine dritte Person dazukommt und auch Bedürfnisse hat und äußert, wird es einfach exponential schwieriger. Und somit wird es dir alles um die Ohren hauen. Und ich sage dann immer, ich verstehe auch alle Menschen, die eine Zeit lang poly gelebt haben, die dann irgendwann sagen, das ist ihnen mittlerweile viel zu anstrengend, das wollen sie nicht mehr, sie wollen es lieber wieder einfacher haben, weil poly ist nicht einfach, ja.
Sebastian Ja, ich habe da eine Podcast-Empfehlung, die habe ich schon mehrmals ausgesprochen, Mono, Poly & Co mit Sonja, ist ein wunderbarer Podcast, die erklärt auch in einer der Folgen, relativ am Anfang, erklärt sie innerhalb von 20 Minuten, ich glaube, über 30 verschiedene Arten der Poly-Beziehung. Wahnsinn! Also die musste ich mir mehrmals anhören, die Folge und habe trotzdem nur einen kleinen Prozentsatz davon behalten, ich dachte, poly ist poly. Ne. Mein Gott, was es da für Möglichkeiten gibt. Also das ist wirklich exponentiell, welche Möglichkeiten es gibt. Aber, also, wenn ich monogam leben möchte und das gut finde, dann kann ich das auch.
Natascha Ja, natürlich, um Gottes Willen, klar. Tu nur.
Sebastian Okay. Ja, die Frage ist auch, wann ist es poly? Also muss es unbedingt Sex mit anderen Personen sein oder ist Kuscheln schon der Beginn einer poly-Beziehung? Also ab welcher Handlung wird es poly?
Natascha Ja, ganz genau. Ab wann ist es Sex? Das ist ja bei uns dann auch, wenn wir den kinky Bereich betrachten, ja, fangt es zuerst an mit Körperflüssigkeiten-Austausch. Das sehen wir wieder, wenn eine nicht-kinky Person mit einer kinky Person zusammen ist und sagt, ja, okay, du kannst nicht deine Spielbeziehungen haben, weil das ist eh kein Sex. Mhm, ja, ja. *lacht* Hm. *lacht*
Sebastian Es gibt eine Podcast-Aussage, die gab es hier schon öfter: BDSM hat für mich nichts mit Sex zu tun.
Natascha Mhm.
Sebastian Und da denke ich mir immer so, ja, BDSM ist oder war manchmal so herrlich asexuell, zumindest was das Körperliche angeht. Ich glaube, im Kopf ist es dann immer doch ein Fick.
Natascha Ja.
Sebastian Also das ist immer die Frage, wie definiere ich‘s, wenn es Körperflüssigkeiten sein müssen, okay, Blut, Schweiß und Tränen sind auch Körperflüssigkeiten.
Natascha und Sebastian *lachen*
Sebastian Also das muss man sich immer überlegen, wie man was definieren will.
Natascha Ja, eben. Deswegen kommt es immer darauf an und das macht dann die Sache nicht einfacher.
Sebastian Nehmen wir doch mal, ich meine, du hast ja auch diese Schnittmenge. Auch du hast mir ja ganz klar gesagt, alles über dich wirst du nicht erzählen. Und da haben wir genau diesen Punkt Gesellschaft von außen, Berufsleben, Politik, generell Gesellschaft als solche, politische oder öffentliche Ämter im Allgemeinen. Da muss man noch ein bisschen aufpassen. Wie sehen, deiner Meinung nach, auch gerade in Österreich, weil da habe ich überhaupt keinen Überblick, wie wird so Kink und poly von außen gesehen? Welche Vorurteile sind vielleicht weniger geworden und was ist auch immer noch in Stein gemeißelt? Also wie ist so der Blick von außen auf das Ganze? Also der deutsche gelegentliche BILD-Zeitungsleser, für den ist vielleicht immer noch so ein Latex-Anzug eine perverse Sache und die gehören eh alle weggesperrt, keine Ahnung. Also ja, welche Eindrücke hast du da und hast du vielleicht auch schon mal negative Erfahrungen gemacht? *verstellt seine Stimme* Ah, sie macht dieses KAPA mit diesem Polykram in ihrer Masterthesis. Also ne, also bei uns, das geht nicht. Das können Sie nicht machen. In den Stadtrat kommen Sie damit schon mal nicht.
Natascha Ich glaube, ich bin sehr die falsche Person, das zu fragen, *lacht* weil ich bin ja selbst schon so vorurteilsbehaftet von den Menschen *lacht*, weil ich eben auch mit KAPA und eben schon so lange dann auch mit meiner Praxis als Kink-Aware und mit den Polythemen, dass ich sowieso schon abgestempelt bin. Ich glaube, das ist aber mit ein Grund, warum es mir so wichtig ist, eben diesen Spaßfaktor weiter in die Welt zu bringen, dass es eben nicht immer böse und Leidensdruck sein muss, weil manchmal hat man wirklich das Bild, dass dann Kolleginnen und Kollegen, die eben wenig Ahnung haben, dann sagen, um Gottes Willen, das Klientel hast du dir ausgesucht, du Arme. Und ich denke, *lacht* ich finde das Klientel super. *lacht*
Sebastian Es ist nie eine Tür für dich zugegangen, weil du dich für diesen Teil entschieden hast. Zum Beispiel die Praxisräume. Also Vermieter sind ja manchmal auch so ein Ding, die manchmal die komischsten Filter haben, was sie da an Klientel bei sich haben wollen. Nicht alle, aber es gibt es bestimmt. Oder dass du irgendwas machen wolltest und dann hieß es: „Ah, Sie sind in dem Bereich mit Sexualität und so. Ah, ne, das gibt es nicht. Das machen wir bei uns nicht.“
Natascha Also die Wiener Lösung ist, glaube ich, dass sie dir das nicht ins Gesicht sagen. Ich bin mir ganz sicher, dass sich Türen deswegen für mich nicht geöffnet haben, aber es würden offiziell andere Gründe gefunden. Da bin ich mir ganz, ganz sicher. Aber das Schöne ist, ich bin da ein bisschen stur, ich gehe einfach diesen Weg weiter und solange es irgendwie geht, werde ich das einfach machen und deswegen will ich auch Öffentlichkeitsarbeit machen, will mich dafür einsetzen und ich finde es auch gut, dass es immer mehr Kink Aware Professionals gibt und dass wir da jetzt eben diese Gemeinschaft haben. Und das passt auch noch, das muss ich unbedingt noch loswerden, dass ich dir auch sage, ich habe immer gesagt, so etwas wie KAPA muss doch aus Wien kommen, weil ich meine, immerhin sind wir die Stadt von Freud mit der Psychoanalyse und dann sind wir „Sacher von Maso“. Das heißt, wir haben das BDSM bei uns, wir haben die Psychoanalyse bei uns. Somit muss doch diese Vereinigung auch daherkommen.
Sebastian Du kannst das noch mit Kultur und Tradition begründen. Das ist clever.
Natascha *lacht* Genau. Und ich denke mir einerseits wirklich, diese professionelle Ebene, alle Menschen begleiten zu wollen, können zu wollen, gerade in einem sexuellen Bereich. Und ich habe ja, ich bin ja auch klinische Sexologin, da ist Kink dann schon auch, finde ich, eben ein Thema. Ich will, wenn dann das ganzheitlich einfach betrachten können. Ja, und da bin ich ja selber drauf gekommen, wie interessant das sein kann, seine, seine Grenzen auszuloten und zu schauen, was taugt mir und was nicht. Und ja, würde ich mehreren, würde ich vielen Menschen empfehlen. *lacht*
Sebastian Vielleicht gucke ich nochmal ein bisschen auf diese Außensicht. Ich meine, ich mache das auch. Ich gucke alle drei, vier Monate, gebe ich mal bei den großen Nachrichtenportalen BDSM in die Suche ein oder inzwischen auch poly. Und dann, ja, manchmal sehe ich da ganz gute Sachen, manchmal stellen sich mir die Nackenhaare auf oder es gibt irgendwelche Filme, die dann angeblich in dem Kontext sind und das gibt mir auch so einen gewissen Spiegel, gerade Massenmedien, wie werden Menschen sozialisiert auf BDSM, Kink, poly generell drauf zu gucken. Also wenn du irgendwas liest, ist das eher so was, wo du sagst, „ah, gut, schön, das ist wichtig“ oder eher so, „O Gott, hätten sie sich das mal erspart, das macht mir die Praxis wieder voll“.
Natascha *lacht* Ich muss deswegen so lachen, weil ich bin vor Jahren einmal interviewt worden und dann merke ich immer, das passt nicht, da fehlt was im Zugang. Und dann habe ich gesagt, kann ich bitte selber mal einen Artikel über das Thema schreiben? und seitdem mache ich das. Also mein Zugang, wo ich kann, wenn mir was auffällt, was schon wieder nicht passt, dann schreibe ich meinen eigenen Artikel. Darf ich Werbung machen hier für den Standard?
Sebastian Ich habe die Liste hier. ORF, der Standard, die Presse, Kronenzeitung, Freizeit, scheint eine Zeitung zu sein, Schauleben und noch irgendwas, was ich nicht erkennen kann, ein Logo. Die hast du, „bekannt aus“ steht da auf deiner Webseite obendrauf. Also das hier ist nicht das erste Mal, dass du irgendwie in die Öffentlichkeit trittst.
Natascha Mhm.
Sebastian Wobei ich immer denke, wenn mir andere Menschen erzählen, dass sie bei irgendeiner Talkrunde oder so mal waren, dann war immer zu wenig Zeit, um die Sache ordentlich zu erklären und dann ist man immer so unbefriedigt, weil man möchte natürlich alles in allen Einzelheiten irgendwie zugänglich machen, den Menschen Lust drauf machen und man scheitert daran krachend, weil man eben nur die sechs Minuten im Radio hat zum Beispiel.
Natascha Ja, ja.
Sebastian Das muss fürchterlich sein.
Natascha Ich habe einen Blog im Standard, wo ich hin und wieder Artikel schreibe und das mache ich eben genauso, wenn ich das Gefühl habe, da wird schon wieder was komplett falsch verstanden oder verdreht oder sonst was. Und dann bin ich vom Typus her, dann setze ich mich halt hin und schreibe was selber drüber. So wie ich letztens einen Artikel über Konsens geschrieben habe, weil ich mir gedacht habe, so wie wir auch gerade geredet haben, es ist so schwierig und ich habe auch schon überlegt, ob ich einen eigenen Artikel schreibe über toxische Personen oder so. Man muss halt dann die richtigen Worte finden, aber dieses Wheel of Consent von der Betty Martin, das ist dir sicher auch ein Begriff.
Sebastian Ich habe das gerade vor mir.
Natascha Genau, habe ich mir gedacht, ich klopfe das da jetzt einfach einmal rein, damit das auch ein Publikum zu lesen bekommt, was eben nicht ständig damit konfrontiert ist, ja. Und ja ...
Sebastian Also generell, liebes Publikum, schaut in die Shownotes, da werde ich alle möglichen Links drin haben, unter anderem auch auf deine Homepage, wo wiederum unter dem Button Medien ganz viel ist und eben auch zum Beispiel die Blogbeiträge vom Standard. Da schreibst du wirklich viel und ich lese mal so eine Headline vor: „Über Sex und Pizza“.
Natascha *lacht*
Sebastian Ja, selbst wenn er schlecht ist, ist er gut, aber was ist eigentlich guter Sex? Also es ist sehr spannend, dass du da auch einen Forum gefunden hast oder eine Möglichkeit mit einer breiten Öffentlichkeit gefunden hast. Die Frage ist, welches Feedback kriegt man in so einem Massenmedium? Also ist das eher Hate Speech oder eher so ein „endlich sagt es mal jemand“?
Natascha Es ist beides. Ich muss ja gestehen, ich lese dann immer auch die Kommentare im Standardforum. Ich kann einfach nicht anders. Die Leute sagen immer, mach das nicht, aber ich kann nicht anders. *lacht* Und ein Teil von mir ist super zufrieden manchmal, weil ich merke dann schon, natürlich gibt es die, die kritisieren und die Hate Speech machen und dann gibt es aber auch die, die total verstanden, worum es mir geht und dann fast schon mich in Schutz nehmen oder so und da bin ich dann immer auch wahnsinnig stolz. Also es gibt einfach in der Gesellschaft eh alles mittlerweile und ich freue mich schon sehr immer. Es gibt viele gute Kommentare auch.
Sebastian Da werden Menschen auch auf dich aufmerksam?
Natascha Ja.
Sebastian Dass sie sagen, genau das Thema habe ich und jetzt lass uns mal reden. Vielleicht ruft jemand auch einfach bei dir an. Also das ist ja auch so eine gewisse Gefahr, dass du gar nicht mehr zum Arbeiten kommst, weil du bist dann quasi Kontakt für alle. Du bist öffentlich verfügbar, sage ich mal.
Natascha Das war auch mit ein Grund, warum wir KAPA gegründet haben. Denn damals war es, dass wir alle total voll waren. Also ich habe auch Wartelisten. Meine direkten Kolleginnen von den Gründungsmitgliedern, wir haben im Normalfall alle immer Wartelisten, weil wir einfach ausgebucht sind. Und dass man sagt, okay, aber irgendwann wussten wir nicht mehr, wo wir Menschen hinschicken sollten. Und das war auch mit ein Grund, warum wir KAPA gegründet haben. Dass man sagt, okay, ich weiß, da kommen Kolleginnen nach, wir haben Kontakt zu denen. Wir schauen auch, dass die eben keinen Blödsinn verzapfen im Sinne von, dass wir mal nachfragen, was ist ihr Zugang, was wissen sie. Natürlich kann nie jeder alles wissen, das geht nicht. Aber diese Grundhaltung und Grundeinstellung ist uns halt wichtig abzuklopfen.
Sebastian Ich habe übrigens innerhalb der BDSM-Community den Eindruck, dass gewisse Berufe überproportional häufig vertreten sind. Das sind natürlich die ITler. Natürlich. Das sind aber auch die SozialpädagogInnen und das sind eben auch die TherapeutInnen und ja, das sind so, ich glaube, das sind so die drei Berufsstände, die mir am häufigsten begegnen, was interessant ist. Aber wo ich mir denke, gerade die TherapeutInnen. Wie ist denn das für dich, wenn, du bist ja nah am Thema dran irgendwie und diese Nähe, ist die nicht eher ein Problem?
Natascha Inwiefern?
Sebastian Naja, du kannst dann, du hast ja da schon eine vorgefertigte Meinung und sei die eben: „Kink und poly ist toll“. Das kann ja auch manchmal ein Problem darstellen, weil du bist halt drin im Thema. Du kannst da an der Stelle kaum noch neutral sein.
Natascha Ich habe sowieso die Meinung, dass ich nicht neutral sein kann, weil ich bin ein Subjekt und somit bin ich subjektiv. Und das Schöne ist, dass es unterschiedliche Therapeutinnen und Therapeuten gibt und ich will gar nicht den Anspruch haben, für alle Leute perfekt zu passen, weil das werde ich einfach nicht. Sondern ich möchte die, die zu mir passen, die möchte ich bestmöglichst begleiten. Ich halte mich für, ich habe sicher einen sehr individuellen Stil, so wie das meine Kolleginnen und Kollegen auch haben. Und ja, die passende Therapieperson zu finden ist sicher nicht einfach, das denke ich mir auch immer. Ja, aber so, ich kann nur das Beste machen, was ich kann, mehr geht nicht. *lacht*
Sebastian Ja, das klingt auch immer, also im Moment klingt das so ein bisschen wie Hohn, die passende Therapieperson finden. Zumindest in Deutschland höre ich eigentlich immer nur, überhaupt jemand zu finden ist schon die Hölle, weil es gibt halt keine Plätze und die Wartelisten sind lang und das dauert und dann sagt man sich, naja, gut, dann lieber mit der Person arbeiten, die ich jetzt zwar, die mir nicht sympathisch ist, als da jetzt noch irgendwie ein Jahr lang selber weiter rumzudoktern und mit dem Leidensdruck umzugehen. Also das ist eine ganz widerliche Geschichte eigentlich. Meinst du, es lohnt sich dann doch zu sagen, ne, wird nichts, ich suche mir doch jemand? Oder meinst du lieber der Spatz in der Hand?
Natascha Ich bin schon ein Fan davon, dass ich mir am Anfang, also erstens möchte ich mich noch einmal entschuldigen, das soll überhaupt nicht hohnhaft geklungen s..., weil in Österreich ist die Situation sicher anders als in Deutschland, obwohl Kassenplätze bei uns was ist, was es praktisch nicht gibt. Also ich weiß selber nicht, wie man zu Kassenplätzen kommen kann, außer mit Glück. Das ist ... ja. Ich arbeite auch nur privat und ja. Und selbst da ist es nicht immer einfach, einen Platz zu kriegen, das stimmt, ja.
Sebastian Ich glaube, in Deutschland ist es so, es gibt eine gewisse Anzahl an Kassenplätzen oder an, wie heißt denn das, die Möglichkeit, mit einer öffentlichen Kasse abzurechnen. Da gibt es dann pro ja, 10.000 Personen einen Platz oder eine Abrechnungsmöglichkeit. Und wenn die Person dann auf..., wenn jemand aufhört aus diesem Pool, dann wird eine neue Person nachbesetzt. Und diese Quote wurde aber in den letzten 30 Jahren, wenn ich es richtig verstanden habe, nie angepasst. Wenn man überlegt, vor 30 Jahren war zu einer Therapie zu gehen, um Gottes willen, das mache ich nur dann, wenn ich kurz davor bin, von der Brücke zu springen, Entschuldigung, wenn ich das so drastisch sage. Also da war der Bedarf und auch das Hemmnis, mir Unterstützung zu suchen, viel höher als heute. Aber die Anzahl der abrechenbaren Plätze ist die gleiche geblieben. Ich weiß nicht, ob das so stimmt. Da kann vielleicht jemand aus dem Publikum, der sich da besser, die sich da besser auskennt, vielleicht nochmal was unter die Folge schreiben. Eventuell erzähle ich auch Quatsch. Ich glaube, so ist der Punkt und das ist halt einfach ein politisches Problem. Das kann irgendwie nur die Politik lösen im Moment, glaube ich.
Natascha Mhm.
Sebastian Also können wir uns drüber aufregen, die Frage ist aber trotzdem noch mal: lohnt es sich zu sagen, ich suche weiter, weil es sich lohnt, jemanden zu haben, der mich versteht?
Natascha Die Studien, die ich kenne sagen, das was heilsam ist, ist die psychotherapeutische Beziehung, das heißt, das ist das Aller-, Aller-, Aller-, Allerwichtigste, dass ich eine Person finde, mit der ich gut kann und ich sage auch den Menschen, die bei mir in einem Erstgespräch sind: schaut‘s euch noch andere an, das zahlt sich einfach aus, weil je mehr ich schon investiert habe, desto seltener will ich mir dann überhaupt noch jemand anderen finden. Ja, ich verst... Und das ist eben die Krux, weil wenn‘s mir jetzt eh schon schlecht geht und dann habe ich endlich einen Termin, dann zu schauen, dass ich noch einmal andere finde, ich weiß, dass es total schwierig ist. Deswegen, ja, ich möchte diese Personen doch auch noch immer ermutigen, sucht‘s euch, wenn es euch einmal besser geht, vielleicht dann zumindest dann schaut‘s auch noch einmal andere Personen an.
Sebastian Sehr diplomatisch. *lacht* Mhm. Lass mich noch mal so eine Fachfrage stellen. Es gibt den Begriff des Triggers.
Natascha Mhm.
Sebastian Und, also ich kenne auch die Worte: Das triggert mich. Das kennt man gerade aus sozialen Netzen, wenn es dann heißt, macht bitte so eine Content Notice, damit Menschen entscheiden können, dass sie sich nicht triggern lassen wollen. Wenn man da hinschreibt, CN, ich weiß nicht was, Kink zum Beispiel, dran schreibt, weil, damit Menschen davor geschützt werden, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die sie triggern könnten. Und ich bin mir nicht sicher, nicht mehr sicher, ob ich den Begriff richtig verstehe. Für mich ist ein Trigger tatsächlich etwas, wo eine Person, ich sag mal schockartig, bei einem Thema in einen schlechten Zustand geraten kann, was dann auch nicht kontrollierbar ist. Und das ist mir schon klar, dass man darauf Rücksicht nehmen kann und sollte. Auf der anderen Seite höre ich es so oft, dass ich mir ehrlich gesagt gar nicht mehr vorstellen kann, dass alles Trigger sind. Also vielleicht kannst du mir dieses Wort mal ein bisschen auseinander dröseln oder mir eine Orientierung geben, was damit eigentlich gemeint ist im eigentlichen Sinne und wie es verwendet wird.
Natascha Ja, das ist jetzt ähnlich wie toxisch, weil das ist auch ein Modewort geworden. Und somit würde, vielleicht kann man sagen, es gibt die klinischen Trigger, nennen wir es jetzt vielleicht einmal so, und die unter Anführungsstrichen normalen Trigger. Eigentlich hast du es eh perfekt erklärt, ja. Wenn ich sage, ich habe einen Trigger, wo ich Flashbacks bekomme zum Beispiel, und in meinen Emotionen, ich sage, ich hilflos ausgeliefert bin und nicht mehr handlungsfähig bin, das wäre natürlich ein klassischer Trigger, dass ich sage, ich sehe mich zurückversetzt in eine absolut traumatische Situation. Und natürlich erinnern mich Dinge oft an andere Dinge und das Wort wird sicher inflationär verwendet, aber Worte ändern sich einfach auch. Deswegen ist es auch immer wichtig, die Bedeutungen, wie wir sie verwenden, das ist ja dann auch bei, keine Ahnung, Bitch, jede Gruppe, jedes Schimpfwort kann man sich selbst auch aneignen und somit ändert sich was im Sprachgebrauch und so ist das sicher auch mit Triggern.
Sebastian Ja, das Schwierige ist, da der Wortgebrauch sich erweitert hat, kann ich dann auf den Trigger im herkömmlichen Sinne, im eigentlichen Sinne kaum noch Rücksicht nehmen, weil ich weiß es ja nicht. Und dann nehme ich auf alles Rücksicht und damit komme ich genauso in diesen Konsenspunkt, wo sehr schnell dieser Punkt erreicht wird, dass jemand sagt, Moment, das triggert mich, du überschreitest hier meine konsensuellen Grenzen. Das finde ich tatsächlich schwierig. Im Podcast kann ich immer sagen, passt auf Leute, wenn ihr den anmacht diesen Podcast, da geht es um BDSM und alles, was damit zu tun hat, ihr gebt mir den Konsens, über alles zu reden, wenn ihr das hier anschaltet. Ich habe es einfach. Sobald ich mich irgendwie außerhalb bewege, muss ich ein bisschen aufpassen und bin auch weniger offen, weil ich schon überlegen muss, was kann ich sagen, was kann ich wo mitreinbringen, welche Themen hat man und ja, das macht mir momentan echt ein bisschen Gedanken.
Natascha Ja, ist auch so. Ich kann dir nur zustimmen. Es ist nicht einfach. Ich habe zum Beispiel, ich mag das nicht, wenn ich Spinnen seh‘. Und jetzt denke ich mir, wie oft gibt‘s irgendwo einen Zeitungsartikel und dann wird da irgendwo jetzt diese strahlenden Taranteln und dann war wieder irgendwo fettes Spinnenbild und mich macht es *macht ein Geräusch*. Ja, so und dann sind wir wieder beim Eigenverantwortungsthema, weil ich kann leider, also diese Tendenz, die momentan ist, dass alle dafür zuständig sind, dass ich ein Safe-Environment habe, das ist eine Vorstellung, die es nicht spielen wird. Das ist vielleicht Wunschdenken schön, aber es wird nicht realistisch sein. Ich wünsche mir auch, dass ich sag‘, ich möchte voll betrunken, nackig durch die Innenstadt laufen können, ohne dass mir irgendwas passiert, dass mich irgendwer anpöbelt oder dass mich irgendwer berührt. Und leider ...
Sebastian Hast du das schon mal gemacht?
Natascha Nein. *lacht*
Sebastian Nur so, nicht, dass ich dir das zutraue. Nein, vielleicht doch. Wir lassen das offen. *lacht*
Natascha In einer idealen Welt sollte das einfach möglich sein. Das ist es aber nicht, sondern was ich auch gemacht hab‘, wenn ich in der Nacht irgendwo unterwegs war, gerade allein als Frau und bevor ich in die U-Bahn steige, habe ich mir den roten Lippenstift runtergewischt. Mache ich auch einfach, damit ich mich ein Stückchen safer fühle und weniger auffalle. Das ist einfach die Realität. Ich kann nicht, dieses Verantwortungsthema ist leider einfach ein hakeliges Thema. Also wir bewegen uns schon in den schwierigen Topics wieder einmal. Es sind zwar die super interessanten, aber es sind auch nicht die, wo man so einfache Antworten geben kann, weil es gibt keine einfachen Antworten. *lacht*
Sebastian Ne, pass auf, vielleicht ist ja zum Beispiel die BDSM-Community, so ein SMart Café, genau der Safespace, wo ich davor geschützt bin. Also eigentlich, das ist eigentlich so ein lustiger Widerspruch nach außen. Die denken, ja, diese Perversen SMer, die schlagen sich, verprügeln sich und vergewaltigen sich alle gegenseitig und sonst was und dann rennen sie alle zu KAPA hinterher. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite, die Community selbst hat so ein bisschen die Erwartungshaltung, die Ansätze sind schon da, wenn ich dahin gehe, dann fühle ich mich oder dann bin ich safe und dann habe ich auch einen Anspruch darauf, mich wohl zu fühlen und mich safe zu fühlen. Das ist eigentlich total das Gegenteil, die Außensicht zu, wie sieht die Community den Anspruch an ihre eigene Community. Das ist eigentlich total schön, aber wie geht man damit um, gerade wenn man zum Beispiel neu in eine Szene kommt, hat noch nicht viel Berührungspunkte und dann hat man plötzlich mit akademischen Problemen zu tun, wie man spricht eine Triggerwarnung am Tisch aus, bevor man über den Selbstmord aus der Verwandtschaft, den man neulich gehört hat, spricht. Da geraten Menschen schnell an einen Punkt, wo jemand sagt, das geht so nicht, das kannst du ja nicht machen. Das macht die Community weniger zugänglich, glaube ich.
Natascha Ja, sehr, sehr. Kennst du Wertequadrate? Man kann jeden Wert so lange erhöhen, also ins Extremere treiben, dass er sich umkehrt. Das heißt, etwas, das vorher mal super positiv war, wird nachher negativ.
Sebastian Mhm, ja.
Natascha Und wenn etwas vorher negativ ist, dann wird es nachher super ... kann es nachher super positiv werden. Ich kann nachher schauen, wenn wir Pause machen, ob wir noch Beispiele zu Wertegequadraten finden. Und das ist eben, ich sage immer Fingerspitzengefühl, ich mache immer so die Geste, dass ich sage, okay, wo bin ich denn wie? Weil wir hatten vorher, Konsent ist total wichtig und trotzdem werden wir es nie schaffen, über alles und jede Kleinigkeit und immer so zu sprechen, dass es niemandem je passieren wird, irgendjemanden zu triggern, beziehungsweise wenn wir das schaffen würden, dann wäre das Spiel so fad, dass keiner mehr spielen will.
Sebastian Ich glaube, es gibt da eine Technik, die wunderbar funktionieren kann, wenn Menschen wohlwollend sind. Danke Sonja für diesen Begriff nochmal. Die Sonja hat mir diesen Begriff wirklich eingeimpft, sehr schön. Im Zweifel kann ich mich auch einfach ehrlich entschuldigen und sagen, okay, wusste ich nicht, tut mir leid, ich achte drauf. Wo wichtig ist, dass auch eine Kultur da ist, so eine Entschuldigung auch anzuerkennen und anzunehmen. Wenn das da ist, dann fühlen sich alle automatisch auch ein bisschen freier. Das kann ich nicht immer machen, dass ich da immer jede Woche wieder ankomme mit dem Zeug, aber ich glaube, Fehler müssen auch einfach verziehen werden können und auch das gehört zur Kultur dazu. Und gerade im BDSM, denn es ist noch kein, ja Meister, Herr, das passt gerade, so doppeldeutig der Begriff, vom Himmel gefallen. Fehler sind einfach Teil des Ganzen. Und in meiner Vita sind da auch, mein Gott, da sind Dinge dazwischen, um Gottes Willen. Hat mich aber geprägt und hat mir geholfen, mich da auch zu entwickeln. Ich glaube, mit Hinweis auf Fehlerkultur kriegen wir das Thema doch schön gepackt.
Natascha Ja *lacht*, definitiv, ja.
Sebastian Das ist eine etwas andere Folge als normal, dass ich jetzt hier so viel rumspekuliere und mir selber quasi einrede, irgendwas zu wissen. Liebes Publikum, das tut mir ein wenig leid, die Natascha scheint mich so ein bisschen darin zu triggern, mich hier selbst zu therapieren, das tut mir leid.
Natascha und Sebastian *lachen*
Sebastian O je. Wir machen mal eine kleine Pause.
Natascha Ja, definitiv. *Podcast-Musik*
Sebastian Liebes Publikum, wir haben eine kleine Pause gemacht. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, Pippi muss manchmal auch sein. *lacht* Wer von uns beiden, verrate ich jetzt nicht. Ah, das tut gut. Ja, wo, wo, weißt du noch, wo wir stehen geblieben waren? Oder machen wir einfach ganz woanders weiter?
Natascha Machen wir doch einfach dort weiter, wo es dir gerade einfällt. *lacht*
Sebastian Oh, ich hätte ja so ein Thema, so ganz zufällig, Female Choice.
Natascha Oh, Female Choice.
Sebastian Was ist denn das?
Natascha Du, weil du das vorher auch gesprochen hast mit den ... Aggressionen von der Monogamie etc. Und ich beschäftige mich liebend gerne gerade auch mit den feministischen Aspekten, erstens von Nicht-Monogamie, das ist halt ein super weites Thema. Und Kink gehört da für mich dann schon auch dazu, weil ich finde es auch ein sehr feministisches Thema mit „Darf ich jetzt als Frau in die Knie gehen oder nicht?“ Und wann und wie und zu welchen Bedingungen? Das ist ja auch immer eine spannende Frage, die aber bei dir im Podcast eh schon öfters besprochen worden ist.
Sebastian Was meinst du denn, darf man das als Frau?
Natascha Ja, natürlich, wenn man das will. Was ich sehr spannend finde, Verantwortung abgeben kann manchmal wahnsinnig heilsam sein und das hat schon, kann einfach was. Als Psychotherapeutin finde ich es aber trotzdem schwierig, wenn ich das immer will. Deswegen schaue ich auch bei sogenannten 24/7-Beziehungen gerne genauer hin, dass ich das Gefühl habe, worum geht es da gerade, wie rennt es, weil ich habe leider doch auch schon öfters mal gerade Subbies begleitet, die von ihrem Herrn dann verlassen worden sind und nicht einmal mehr gewusst haben, was sie anziehen sollen. Und das finde ich halt nicht so fein.
Sebastian Boah, ja. Das ist auch irgendwie nicht sexy. Also ich sage mal, sexy ist, wenn mein Gegenüber die Wahl hat, vor mir auf die Knie zu gehen und Bock drauf hat und sich dafür entscheidet, auf mich zu hören. Mein Gott, ist das großartig. Wenn diese Freiwilligkeit nicht da wäre, ganz ehrlich, ich kann jedem in die Kniekehle treten und sie auf den Boden drücken. Das hat dann aber keine Magie mehr. Das ist dann einfach nur, das ist dann Gewalt. Also Entscheidungsfreiheit ist sexy, würde ich sagen.
Natascha Ich habe auch viel mit Dominas schon gesprochen und wenn es dann heißt, sie gibt dann einen Befehl und der muss das machen und ich bin ein absoluter Fan dann mal von der Entgegnung gewesen: Nein, nein, der darf. Ja, also dieses es ist doch auch eine Ehre, mir dienen zu dürfen, wenn ich ein Top bin.
Sebastian Wie ist denn das mit dieser Erhöhung? Ich meine, das schafft man ja im BDSM. Man schafft dieses Gefälle. Top oben, Sub unten. Und dann wird das auch so, das wird ja irgendwann auch so eine, ich sag mal, Gewohnheit in dieser Beziehung. Und dann ist es irgendwie zementiert und dann macht man das halt so. Ich habe manchmal das Gefühl, dann geht das, irgendwann diese Freiwilligkeit und Leichtigkeit verloren, weil es ist eine Gewohnheit. Ist das eine Gefahr?
Natascha Ich finde, ein bisschen schon. Da muss man genau hinschauen. Deswegen, ich will dann auch niemanden kinkshamen. Deswegen tue ich mir dann auch immer ein bisschen schwer, weil manchmal passt es ja auch vielleicht wirklich. Aber wünschenswert, wenn man es über einen Kamm schert, würde ich sagen: Switch. Weil dann hat man einfach alle Anteile drinnen. Und ich finde es einfach von einer psychotherapeutischen Sicht, gesund, rollenflexibel zu sein.
Sebastian Das kann aber auch an eine Person gekoppelt sein. Also wenn ich da dann das poly wieder hernehme, kann ich ja sagen. der Person gegenüber Top, der andere Person gegenüber Sub, dann ist das auch total einfach im Mindset. Alles entspannt.
Natascha Ja, voll.
Sebastian Okay, das heißt, du rätst den Leuten dazu, poly-Switcher zu sein. Dann haben wir am wenigsten Probleme.
Natascha *lacht* Nein, das tue ich nicht. Ich gebe generell wenige Ratschläge, sondern, so wie du vorher gesagt hast, ich stelle viele Fragen, weil die Frage ist, was jemand will.
Sebastian Okay, was wollen die denn eigentlich alle?
Natascha Ja, das ist auch unterschiedlich, ne [Dialekt]. Die meisten ...
Sebastian Ja, aber gibt es da so einen Trend, wo du sagst, die Leute wollen alle unten spielen und bespaßt werden oder sie wollen alle poly werden oder, oder, oder. Also mit was für Bedürfnissen wirst du häufiger mal konfrontiert, was vielleicht auf dir auffällt?
Natascha Ich glaube, dass viel mehr Leute lieber Subbie spielen wollen, als Top spielen wollen. *Podcast-Musik*
Sebastian Liebes Publikum, Zencastr hat gerade einfach mal gesagt, es gab irgendeinen dummen Fehler. Wir wissen gar nicht mehr, wie viel er jetzt aufgenommen hat und bis zu welcher Stelle. Im Zweifel ist jetzt hier einfach ein Break drin, so sei es. Wir ärgerlich, aber wir sind wieder da. Du bist wieder da. Hallo Natascha.
Natascha Hallo Sebastian.
Sebastian Weißt du noch, wo wir waren? *lacht* Female Choice.
Natascha Ganz gestresst. Wir haben bei Female Choice angefangen und dann sind wir komplett abgedriftet, glaube ich, wieder in irgendeinem Polythema.
Sebastian Ja, natürlich. Wir waren bei Menschen sollten alle Poly-Switches sein und dann wird alles gut.
Natascha *lacht*
Sebastian Also der Folgentitel im Moment, den ich mir notiert habe, ist momentan Erlebnisaktivierung. Den Begriff finde ich ja sehr schön.
Natascha Ja, das kommt bei mir aus der Psychotherapie als integrative Therapeutin und Erlebnisaktivierung ist einer der Wege der Heilung und das finde ich einfach voll schön und für mich kann BDSM total ein Weg der Heilung sein, ja.
Sebastian Oh, das finde ich spannend. Egal, wo wir eben waren, ich schweife dahin mal ab. Also es gibt so dieses, ja, ich habe ein paar psychische Probleme, BDSM gibt mir Halt und das gibt mir quasi die Lösung und damit kann ich mich quasi selber therapieren. Dann habe ich immer gesagt, nein, auf gar keinen Fall. Bisher haben mir alle Profis gesagt, mit denen ich gesprochen habe, doch, doch, das kann im gewissen Rahmen, kann das einfach gut tun und das den Menschen auch behilflich sein. Nicht nur, aber das kann positiv sein. Wo ich dachte, ah Moment, ich dachte BDSM ist nur für Menschen, die psychisch top gesund sind. Nein, das habe ich nie so gedacht, aber, also es scheint so zu sein, dass es keinen guten Grund gibt, wenn man BDSM mag und einem das gut tut, das bleiben zu lassen. Auch nicht, wenn man psychisch gerade in einem Tief steckt.
Natascha Genau, sondern die Frage ist halt eher, so wie, wir hatten vorher schon ein Beispiel von einer Klientin von mir, wo wir auch gesagt haben, okay, man schaut vielleicht noch einmal genauer auf die Grenze und auf die Spielarten und spricht vielleicht im Vorfeld noch einmal durch, dass man sagt, okay, welche Spielarten und wie und wo und wo geht man vielleicht besser nicht hin, wo man gerade besonders sensibel ist. Oder vielleicht geht man gerade genau dorthin, aber dann kommt es auch sehr auf den Partner drauf an. Also ja, natürlich, unbedingt. BDSM ist Erlebnisaktivierung, wenn man safe, so safe es halt geht, ist mit der Person, mit der man spielt, voll.
Sebastian Was sagst du denn dazu, wenn Menschen sagen, ja, ich habe da vielleicht ein Trauma, nehmen wir mal an, ich suche jetzt eine politisch brauchbare, schwache Formulierung, nennen wir es mal Sex mit Widerwillen.
Natascha Mhm.
Sebastian Wenn man sagt, ja ich habe da ein Trauma von früher und jetzt ist das genau mein Kink. Ist das eher gefährlich oder ist das eher eine Bewältigungsstrategie, die gut tun kann?
Natascha Das kann beides sein und deswegen gilt es individuell anzuschauen, Und dann definieren wir, was ist gefährlich. Es gibt natürlich auf der einen Seite die Variante, dass traumatisierte Menschen sich ähnliche Situationen immer und immer wiederholen, eben um aus dem Trauma mal aussteigen zu können. Und deswegen, wenn man es dann safe machen kann, aber da bin ich ein Fan davon, mach es bewusst. Ja, dass ich sage, okay, ich will mir jetzt bewusst eine Situation holen, wo ich handlungsfähig bin, noch immer, aber die trotzdem ähnlich ist. Weil das ist ja der Unterschied, in einem Trauma-Setting kann ich ja selten ein Safeword reinschmeißen. Ja? Und von dieser Ohnmacht wegzukommen und in eine Handlungsfähigkeit hineinzukommen, das kann man schon machen. Ich wäre nur einfach sehr vorsichtig. Es ist auch immer wieder die Frage, sind nicht in BDSM die Menschen sehr viel mehr traumatisiert? Und da sage ich immer, das ist meine Erfahrung gar nicht. Allerdings dadurch, dass man im BDSM viel mehr an Grenzen spielt und ganz andere Dinge macht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wenn man irgendwo einen Trigger hat, um das Wort wieder zu verwenden, dass man den findet, sehr viel höher.
Sebastian Ach so, weil ich suche, weil ich mit offenen Augen durch die Welt gehe, sehe ich mehr Menschen, nein, mehr Menschen, sehe ich mehr Dinge. Oder da finde ich die Sachen eher, ja. Interessant, ja.
Natascha Eben und eine Bandbreite, wenn wir jetzt haben, wir haben Ficken sozusagen vorher und dann haben wir vielleicht noch ein paar so Sachen rundherum, die vielleicht auch passieren beim Sex, ist das eine, ich nenne es jetzt, schmale Bandbreite. Und wenn ich dann aber, keine Ahnung, schlagen, fesseln, alles Mögliche sonst noch dazu tue, dann wird diese Bandbreite immer größer. Und je mehr ich dann mache, umso größer dann auch meine Handlungsfähigkeit ist, finde ich natürlich andere Dinge.
Sebastian Nehmen wir mal an, ich verarbeite jetzt etwas mit meinem BDSM. Ich bin mir dessen auch bewusst. Und bin auf der Subseite. Ist das eine gute Idee, zu sagen: „Hallo, Top. Was wir da machen übrigens, damit verarbeite ich das und das Trauma von mir.“ Also an sich ist es ja gut, da ehrlich zu sein und das Gegenüber mit einzubeziehen. Auf der anderen Seite kann die Person vielleicht sagen, Moment mal, um Gottes Willen, damit kann ich ja gar nicht. Und die Verantwortung, dass du dein Trauma da und dass das alles passt, damit kann ich gar nicht umgehen. Also, wie sinnvoll ist es da, was solche Sachen angeht, auch ehrlich dem anderen gegenüber zu sein? Oder ist es manchmal auch einfach besser, mal die Klappe zu halten?
Natascha Da würde ich sagen, das ist auch eine Konsensfrage, weil wenn ich mit meinem Top ein Spiel spielen will oder weiß, es wird auf etwas hinauslaufen und ich sage es ihm nicht, dann hat ja der Top seine Einwilligung dazu gar nicht gegeben. Also das kann man auch auf das spielen, würde ich, also empfehlen würde ich es nicht. Ich finde schon, dass auch der, dass ich, wenn ich das als Sub machen will, finde ich sehr wohl, dass ich eigentlich eine Verpflichtung habe, das offen zu legen, dass ich sage, okay, komm, ich würde das gerne machen, bist du bereit dazu? Weil wir wissen ja beide nicht, wie es ausgeht. Das würde ich fair finden.
Sebastian Aus deiner Sicht fragen: Was ist mehr geistige, harte Arbeit, Sub- oder Top-Sein?
Natascha Harte Arbeit ist Top-Sein.
Sebastian Also ich finde, als Sub muss ich gucken, dass ich mein Gegenüber informiere, dass ich Bedürfnisse und Ideen auch äußere. Ich muss dann auch während der Session im Zweifel mich, ja, aktiv vertrauen können und solche Dinge. Also ich habe immer das Gefühl, Sub hat den schwereren Teil. Vielleicht nicht mechanisch, aber geistig schon.
Natascha Ja, du bist ein Top. Das, was man kann, das fällt einem immer leichter.
Sebastian Ach so, ja.
Natascha *lacht* Das ist das eine. Rein vom Verantwortungsfaktor hast du als Top Verantwortung für Sub und für dich.
Sebastian Naja, Sub hat auch eine Menge Eigenverantwortung dann.
Natascha Ja, aber als Top hast du Verantwortung für euch beide. Und deswegen finde ich das die schwerere geistige Arbeit.
Sebastian Aus welcher Perspektive du das jetzt gesagt hast, werden wir nicht aufklären.
Natascha *lacht*
Sebastian Liebes Publikum macht euch Gedanken, aber das Thema ist groß, da mag ich vielleicht den nächsten Monat nochmal ein bisschen drauf rumbohren. Ich switch jetzt auch nochmal ein bisschen am Thema rum. Du hast dich ja damit beschäftigt, spätestens bei der Masterthesis, inwieweit oute ich mich, dass ich zum Beispiel auch poly interessant finde und inwieweit gehe ich damit in die Öffentlichkeit. Und ich finde das eigentlich spannend, weil im Grunde müsste man sich als BDSMer nicht outen. Man kann das auch ganz privat machen, aber viele Menschen haben das Bedürfnis, es zu tun, passende T-Shirts zu tragen, vielleicht den Ring der O oder irgendwelche anderen Erkennungszeichen durch die Gegend zu rennen. Ich weiß gar nicht, ob das bei Polypersonen auch so ist. Da ist halt immer das Problem Weihnachten mit der Familie, spätestens dann müsste man mal was sagen, damit es nicht komisch wird. Aber dieses, dieses, ja, dieses Outing-Problem oder dieses Bedürfnis, kannst du mir dazu was sagen? Warum gibt es das überhaupt? Ich kann das doch, das ist doch eine Schlafzimmersache und dann kann ich das da machen.
Natascha Du willst eine Meinung von mir zum Thema Bedürfnis von Outing.
Sebastian Ja.
Natascha Ich glaube, dass die Menschen, generell, also es hat was mit Identität zu tun, glaube ich. Also das wäre mein Zugang auch von der wissenschaftlichen Seite her. Und weil Kink und Poly sind eben Themen, die extrem identitätsstiftend sind. Und wenn ich mich als Mensch in Kontext und Kontinuum bewege, will ich das ja auch mit meinen Überzeugungen so gut wie es geht machen können. Und somit wäre das Bedürfnis nachvollziehbar, in die Welt zu gehen und so zu sein, wie ich bin und das teilen zu können, wo immer ich will. Wenn ich jetzt allerdings Themen wie Kink habe oder Poly habe, die gesellschaftlich vielleicht eben nicht Mainstream sind, dann werde ich damit vielleicht anecken, vielleicht eine negative Verurteilung oder Bewertung bekommen. Und dann überlege ich es mir vielleicht doch noch einmal, ob ich das dann mache oder nicht, ne [Dialekt]. Ich bin da auch immer ein Fan von Testbalance. Man muss ja nicht immer mit der Tür ins Haus fallen.
Sebastian Ja, wobei, wenn ich das einmal gesagt habe, habe ich es gesagt und ...
Natascha Genau. Deswegen kann man ja andere Dinge sagen. Weil man kann ja sagen ...
Sebastian Jetzt bin ich gespannt.
Natascha Ja, ich muss dann immer passende Beispiele finden. Aber irgend so was wie: „Ich habe letztens gesehen, da gibt es einen KAPA-Verein. Kannst du dir vorstellen, dass es so was gibt oder wer so was braucht?“ Und dann sehe ich ja schon mal, wie die andere Person reagiert.
Sebastian Jetzt stell dir vor, die andere Person ist total kinky und weil sie davon ausgeht, dass du gleich darüber herziehen wirst, wird sie sagen, ja, unmöglich. Da läuft man doch in die Falle, dass du irgendwann fünf kinky Personen aufeinandersitzen hast, die herrlich über Kink lästern können, weil sich keiner traut, mehr als den Testballon zu machen. Wie fürchterlich.
Natascha Jein, das sehe ich ein bisschen anders, weil ich meine, natürlich gibt es da ein Szenario, aber die andere Person könnte ja, es geht ja jetzt, also in deiner, du hast jetzt das Ding gehabt, ich will lästern über KAPA. Das ist eigentlich deine Interpretation.
Sebastian Vom Tonfall her gerade, oh, da gibt es diesen KAPA-Verein, kann es so was geben, ja? Das klingt doch schon nach, o je, was kommt da jetzt, ein Aufreger.
Natascha So war es nicht gemeint. Wenn das bei dir so rübergekommen ist, dann ja, aber es ist deine Interpretation.
Sebastian Ich bin ja im Igel-Modus gerade. Ich versuche dir natürlich zu widersprechen und das Schlimmste anzunehmen.
Natascha *lacht* Und ich glaube, es wäre die Welt oft eine sehr viel bessere, wenn man eben ins Positive gehen würde. Also ich predige das. Ich bemühe mich darum. Im Zweifelsfall halte ich die Leute lieber auch ein bisschen für beschränkt anstatt für bösartig und gehe davon aus, sie wollen das nicht absichtlich jetzt gerade so machen und deswegen frage ich dann vielleicht auch mal nach, wie hast du das jetzt gemeint? Aber ja.
Sebastian Selbst da kann man sich noch rausreden, das ist ja toll, dass auch die Menschen was haben, wo sie hingehen können.
Natascha Ja, zum Beispiel, geht.
Sebastian Man kann es ja loben, ohne sich dazu zu bekennen. Ja, da hast du schon recht. Und wenn der Testballon gelingt, dann ist der nächste Schritt zu sagen: „ja und übrigens“.
Natascha Muss man ja nicht. Man kann ja wieder Zeit vergehen lassen. Weißt du, das ist, ich tue mich ein bisschen Ein bisschen leichter Testballon jetzt weniger wegen, ich gehe selbst wieder in die poly-Schiene oder gehe mal in die Dreier-Schiene, weil ein Dreier ist ja sexuell gesehen die häufigste Fantasie von den Menschen. Aha. Und wenn man dann, da gibt es Studien drüber.
Sebastian Echt?
Natascha Ja, ja.
Sebastian Ja, aber nur die, die es noch nicht gemacht haben, weil ist ja kompliziert.
Natascha *lacht* Genau.
Sebastian Ist eine logistische..., ist eine logistik...
Natascha Keine, keine, Sebastian, keine Realität ist so gut wie die Fantasie. Das wissen wir doch alle.
Sebastian O ne. Weißt du, was auf meiner Bucketlist noch alles drauf steht? Alles kaputt.
Natascha und Sebastian *lacht*
Sebastian Echt nicht. Ich dachte, Dinge können auch toller sein als in der Fantasie.
Natascha Ja, das gibt es natürlich auch. *lacht*
Sebastian Also BDSM ist da natürlich eine Ausnahme. Das kann ich schon mal sagen. Wie oft habe ich eine Fantasie umgesetzt und es ist mir die Luft weggeblieben, so großartig war das.
Natascha Es ist ja lustig, mit dir, jetzt weiß ich nur wieder nicht, was ich eigentlich sagen wollte. Wo waren wir da gerade? Du lenkst mich ab. *lacht* Ähmmmm.
Sebastian Ich werde jetzt brav zuhören.
Natascha Wir waren beim Dreier, was ja eigentlich nicht einmal mit Poly zu tun hat. Und ich würde den Leuten empfehlen, bevor sie sagen, okay, wir machen jetzt einen Dreier mit jemandem, dass ich sage, wie wäre es, wenn man doch mal fortgeht und jemand Dritten kennenlernt und vielleicht nochmal schaut, wie geht es uns in der Interaktion miteinander. Wann wird man jetzt eifersüchtig oder nicht oder dann küsst man mal die andere Person und wie schaut das aus, man muss ja nicht immer gleich in die Vollen gehen, sondern ich würde wirklich empfehlen, so ein bisschen Stück für Stück Testballons, dann kann man Rücksprache halten, wie war das, wollen wir was ändern, wollen wir weitergehen, wie tun wir und beim Outing würde ich das ein bisschen ähnlich sehen, weil man kriegt ja schon mit, wenn man Themen anspricht, wie reagiert das Gegenüber und es ist dann wieder mal die Frage, was will ich. Weil ich finde es fantastisch, wenn sich Leute outen und damit einfach in die Welt gehen und schauen, wie ist eine Reaktion, weil man setzt sich damit ja auch einer Kritik aus. Und das muss man sich entscheiden, ob man das will oder nicht. Ich sage, da wieder ist, finde ich den Poly-Bereich auch noch einfacher. Bei Kindern wird es nämlich schwieriger, ja. Also die Leute haben oft weniger ein Problem, dass sie sagen, sie leben halt nicht monogam, damit nach außen zu gehen. Komisch kann es vielleicht werden, wenn man Kinder hat, die in der Schule sind und wenn die dann irgendwie Sachen erzählen und dann werden die Kinder vielleicht als „das sind die mit der komischen Familie“ oder bla, da kann es halt schwierig werden, ne [Dialekt].
Sebastian Ja, das ist auch im Kink-Bereich, also gerade im BDSM-Bereich immer so eine Sache, wo man sagt, ja, im Prinzip könnt ihr da auch öffentlich ganz viel machen, aber in dem Moment, wo ihr unbeteiligten Personen das aufbürdet, sich damit auseinanderzusetzen, da kann ich immer noch sagen, auch das kann man im Prinzip von der Gesellschaft verlangen. Spätestens bei Kindern kann man das nicht mehr. Wobei eigentlich sind es nicht die Kinder, die eventuell darunter leiden, wenn jemand, ja, im Hundeoutfit durch die Innenstadt rennt. Meistens sind es die Eltern, die dann da arg dran zu knabbern haben.
Natascha Genau. *lacht*
Sebastian Dann ist immer so die Frage, aber von den Eltern ohne Kinder könnte man erwarten, dass sie das hinnehmen müssen, dass Menschen einfach draußen rumrennen und Spaß haben. Den Kindern, ohne das jetzt, ja, ist schwierig, aber ich stelle mal die These auf, den Kindern tut es nicht weh, weil die haben eine Betrachtungsweise, „oh, da trägt jemand ein Kostüm, ist ja lustig“, fertig.
Natascha Ja, genau.
Sebastian Aber den Eltern kann man es dann wieder nicht aufbürden. Also Menschen werden, wenn sie ihre eigenen Kinder dabei haben, werden sie zu Spießern. Kann das sein?
Natascha *lacht*
Sebastian Entschuldigung, das ist jetzt eine ganz, ganz steile These und das Podcastsubbie wird wahrscheinlich, wenn sie das Probe hört, hier auch sagen, was hast du denn da erzählt? Und damit hat sie recht, aber ... vielleicht ... ich muss mal drauf rumdenken. Mit dir fange ich jetzt hier an, wirklich komische Dinge zu sagen. Entschuldigung.
Natascha *lacht*
Sebastian So, deine Analyse bitte, Frau Therapeutin.
Natascha Ja, ich glaube, das ist mir dann echt zu heiß. *lacht*
Sebastian Ich merke, es gibt noch genug Dinge zum Vorschein. Aber das ist ja auch wieder der Punkt. Man ist nicht nur selber kinky, sondern man guckt auch, dass man für sein Umfeld angenehm ist. Und ich glaube, das ist auch beim Outing so, dass man auch schaut, dass man sein Umfeld nicht damit belastet.
Natascha Ja, total, ja.
Sebastian Okay, letzte gesellschaftliche Frage für heute. So Poly, Kink, BDSM, all das, wird die gesellschaftliche Toleranz, so nenne ich es mal, ne, Akzeptanz brauchen wir gar nicht drüber reden, aber Toleranz, wird die eher größer oder geht die gerade wieder zurück deiner Meinung nach?
Natascha In meiner Bubble wird es natürlich größer und ich möchte auch daran arbeiten, dass es größer wird. Mit dem Rechtsruck in der Politik ist es allerdings schon, dass ich mir manchmal sehr Gedanken mache. Ich ziehe, gerade was den ICD-10, wo wir es hatten, und auch mit dem Strafgesetzbuch immer gerne die Parallelen von Kink und Homosexualität, wo ich sage, wir sind da ungefähr so 30 Jahre hinten nach. Schau mal, wenn ich mir eben anschaue, in manchen eher rechtsgerichteten Ländern, dass Dinge, die für Homosexuelle schon erlaubt waren und was dann wieder zurückgedrängt wird, beachte ich mit Sorge. Schauen wir mal, wie es da bei uns weitergeht und hoffen wir, dass es nicht so weit kommt, ja.
Sebastian Da können wir alle zu beitragen, indem wir unter anderem zur Wahl gehen.
Natascha Genau.
Sebastian Und hingehen. Es bringt was. Die Entscheidungen sind momentan so knapp, ganz oft, dass da auch mal 500 Stimmen Unterschied selbst in einem ganzen Land einen Unterschied machen können, wer nun gerade das ein oder andere Amt bekommt.
Natascha Genau. Und letztes Jahr, also bei uns, wir sagen zum Christopher Street Day in Österreich einfach die Pride. Und letztes Jahr in Wien bei der Pride war ein Anschlag geplant, der dann vereitelt wurde und wo Gott sei Dank eh nichts passiert ist. Und ich gehe immer, wenn ich kann, auf die Pride, einfach um auf die Straße zu gehen und das war halt bis jetzt trotzdem immer eine riesige Party mit einem politischen Statement dazu. Und letztes Jahr ist mir dann so richtig bewusst geworden, wie heikel das ganze Thema eigentlich ist, weil ich mir gedacht habe, bist du deppert [Dialekt], wenn da jetzt wirklich ein Anschlag gewesen wäre, da habe ich ein bisschen Angst bekommen und da ist mir noch einmal so richtig bewusst geworden, Dass das sehr polarisierende Themen sind und einfach auch ein Individuum, das mit diesen Themen einfach nicht umgehen kann, wenn es dem die Sicherungen durchschmeißt, weißt einfach nicht, was passiert.
Sebastian Ja, also so gefühlt, früher hätte ich, habe ich mal gesagt, ja gut, wenn mir die Politik hier gar nicht mehr am Land passt, dann gehst du halt in ein anderes europäisches Land. Die Optionen werden weniger.
Natascha Ich wollte gerade sagen, wohin? *lacht*
Sebastian Ja, ne [Dialekt], also es ist tatsächlich schwierig. Und eigentlich habe ich so dieses Gefühl gehabt die letzten 20 Jahre, es wird immer offener und es geht immer mehr und jetzt muss ich quasi dabei zusehen, wie, ja, es sind ja nicht unbedingt Taten. Ja, auf der Pride stehen manchmal Personen, die fotografieren alle Teilnehmer. Wer weiß wofür. Das ist ein ungutes Gefühl und ganz fürchterlich. Aber eigentlich empfinde ich das als Pflicht, sich irgendwie auf irgendeine Art und Weise dagegen zu stemmen und nicht nur BDSM in der Kellerkneipe auszuleben und zu repräsentieren, sondern auch irgendwie rauszugehen und zu sagen, hier, das gibt es und die Menschen sind gut und es schadet auch nicht der einen oder anderen Person, mal Menschen im Bekanntenkreis zu haben, die offen sagt, ja, ich mache das mit dem Kink, ich bin glücklich und ich kann hier mal diese ganzen Vorurteile damit ein bisschen aufklären. Und ich, wie gesagt, es blutet mir das Herz, dass es gefühlt, wenn ich so fünf Jahre in die Zukunft gucke, dann denke ich mir so, o mein Gott, wie wird das dann? Und mein Gott, bin ich froh, dass dieser Podcast unter einem Künstlernamen erscheint.
Natascha Mhm.
Sebastian Also das ist tatsächlich bedrückend gerade. Ist schade. So und du bist ja nun auch beruflich da jetzt quasi zementiert. Das ist ein starkes Statement und eine Entscheidung und das finde ich toll von dir. Hoffen wir, dass du nie darunter leiden wirst.
Natascha J... Danke. *lacht*
Sebastian Also ich wünsche dir das wirklich, aber ne [Dialekt], was kann ich da schon sagen?
Natascha Das ist natürlich, wir haben bei KAPA auch eben die offizielle Liste und ich sage, die Frage ist, wer will sich? Weil ich kann mich als Therapeutin nicht mit einem, einem, einem, wie nennst du es, Künstlernamen hinstellen. Das geht einfach nicht, sondern ich bin da mit meinem Klarnamen. Ich bin in der Liste der Psychotherapeutinnen einfach mit meinem Klarnamen. Da hängen einfach viele Dinge dran und ja, somit muss ich natürlich selber auch schauen, wie ich mich schütze und was ich dann einfach erzähle und deswegen möchte ich gerne für die Sache mich einsetzen, weil ich, Stichwort wieder Erlebnisaktivierung, und ich glaube einfach, wenn die Leute dazu stehen können, auf was sie stehen und eben nicht verurteilt werden, ich glaube, dass die Welt dann auch eine bessere werden kann, weil dann muss ich niemanden mehr zwingen, überreden oder sonstiges. Dann kann ich andere Lösungen finden. Und deswegen finde ich es wahnsinnig wichtig.
Sebastian Ja, das muss ja auch nicht jeder gut finden. Das ist immer so dieser Punkt. Sondern, dass man einfach miteinander auskommen kann.
Natascha Es gibt auch Menschen, die mögen keinen Oralsex.
Sebastian Ja.
Natascha *lacht* Es gibt Menschen, die mögen keine Zungenküsse.
Sebastian Ich habe mal von einer Zahnärztin gehört, die sagt, um Gottes willen niemals, es sei denn ...
Natascha und Sebastian *lachen*
Sebastian das muss eine Berufskrankheit sein?
Natascha *lacht* Genau.
Sebastian Ich habe eine Sache, über die ich heute eigentlich ganz viel mit dir sprechen wollte, irgendwie rausgezögert. Und jetzt wirkt das ein bisschen komisch. Ich würde dir jetzt einfach freie Hand lassen, denn ich habe hier eigentlich so diesen wunderbaren Punkt stehen: Fallbeispiele. Und ich dachte, ich lasse das immer wieder mal so einfließen, das habe ich irgendwie versäumt, aber gibt es Dinge, wo du sagst, die möchtest du erzählen, die sind wichtig, dass sie mal erzählt werden und ...
Natascha Ich glaube, ich würde es gerne doch ein bisschen verallgemeinern und das haben wir eh schon, ich möchte wirklich gerne dafür sprechen, sich einfach Dinge zu trauen und so wie wir einfach schon hatten, du bist im Normalfall nicht allein, es gibt andere Menschen, die auch dieses Spiel und deinen Fetisch mit dir spielen wollen. Die wird es irgendwo da draußen einfach geben. Und es gibt wirklich leider viel zu viele Menschen, die sich dann allein vorkommen und glauben, sie sind irgendwie nicht normal und sehr leiden darunter und das ist schade.
Sebastian Also kein Plaudern aus dem Nähkästchen. *lacht*
Natascha Du, wenn uns was einfällt im Gespräch, dann habe ich eh schon Dinge reinfließen lassen, aber sonst tue ich mir da einfach wirklich schwer mit zack, zack, zack irgendwas rausfinden. Was vielleicht zu der politischen Lage oder so auch noch, weil ich glaube, dass die Leute eh immer schon irgendwie kinky waren und man kennt ja auch die, ich nenne es jetzt die Gerüchteküche von den hohen Herren, die dann einfach zur Domina gehen und ich glaube sehr wohl, dass das noch immer was ist, was auch stattfindet. Ja, das heißt, wenn man die Menschen, die in der Politik oder so und in der Öffentlichkeit stehen, die finden auch die Wege, ihre Vorlieben auszuleben und halt dann in einem Rahmen, der eben alles andere als öffentlich ist, ist eh klar und dann halt auch nicht wahrscheinlich in einem Club, weil dann würde man sie auch erkennen. Und deswegen hoffe ich dann doch wieder, dass wir weiterhin in einer positiven Bubble leben können und weiter ja, forcieren. Aber wer weiß, ja.
Sebastian In einem Amt willst du ja auch immer mehrheitsfähig sein und ja, nicht mehr, also die Mehr..., mehrheitsfähig, also spannend wird es dann, wenn mehr als 50 Prozent der Menschen, die eine Person in ein Amt wählen, bewusst selbst kinky, poly, was weiß ich sind, dann ist es mehrheitsfähig und dann passen sich diese Menschen ja auch an. Im Zweifel heißt es dann, oh, das wäre mal eine Welt, wenn ich die mal erleben könnte, dass irgendwer sagt, o ja, ich möchte das politische Amt. Dann muss ich zumindest ein-, zweimal im BDSM-Club gewesen sein, damit ich auch diese Wählerschicht mitnehmen kann.
Natascha *lacht* Genau.
Sebastian Das wäre mal was. Wenn ich das noch mal erleben sollte, egal in welchem Land auf der Welt, das wäre mir eine Folge wert. *lacht* Okay. Ich habe hier noch eine Tradition, das A-oder-B-Spiel. Das würde ich gerne mit dir noch spielen, aber vorher mag ich dich nochmal um ein Plädoyer bitten. Denn auf der KAPA-Webseite habt ihr Einträge, ich weiß gar nicht, wie viele es sind, es stand gar keine Zahl dran, ich müsste sie jetzt durchzählen, aber es sind einige. Und die ist noch, aber eigentlich ist sie noch zu kurz, ne [Dialekt]?
Natascha Ja, definitiv.
Sebastian Okay, jetzt stell dir mal vor, das hier, ich weiß, manche tun es, ein Therapeut, eine Therapeutin hört das hier und denkt sich, ja interessant, sollte ich das tun, sollte ich mich auf diese Liste eintragen lassen oder nicht? Du kannst ja mal ein Plädoyer dafür halten, euch anzusprechen.
Natascha Ja, unbedingt, also.
Sebastian An die Kollegen, auch ruhig mit Fachbegriffen und weiß der Teufel was. Ist völlig okay. Mach es so kompliziert, dass ich nicht widersprechen kann, weil ich die Wörter gar nicht kenne.
Natascha An die Professionistinnen und Professionisten da draußen. Wir von KAPA, wir sind die Kink Aware Professionals Association und wir freuen uns, wenn du Interesse hast, dich auch im Kinkbereich fortzubilden, bei uns vielleicht bei Netzwerktreffen dabei zu sein oder dich vielleicht sogar auf unserer Homepage listen zu lassen. Wir haben verschiedene Möglichkeiten, je nachdem, wie du dich einbringen möchtest. Wir wachsen auch gerade in Richtung Deutschland. Momentan sind wir hauptsächlich deutschsprachig. Wir haben zwar eine englische Übersetzung auch über Google Translate. Also schauen wir mal, wie es sich weiterentwickeln wird. Aber ja, wir wollen gerne wachsen. Ich glaube, es gibt sehr viel mehr und deswegen freue ich mich auch, danke nochmal für die Einladung, Sebastian, einfach damit auch mehr Menschen von uns erfahren, damit sich mehr melden können. Und was wir dann auch noch haben, ist eine Liste für diejenigen, die nicht komplett mit ihrem Klarnamen als Professionist in der Öffentlichkeit stehen wollen als Kink Aware, führen wir eine inoffizielle Liste, die nicht offiziell ist, wo man sagt, okay, es fragt noch jemand bei uns an um einen speziellen Kontakt und dass wir das sozusagen inoffiziell weitergeben können, ohne dass jemand auf der Homepage steht, das können wir auch machen, ja. Wir machen momentan zwei-, dreimal im Jahr ein Netzwerktreffen vor Ort. Da sind wir momentan nur in Österreich unterwegs und mindestens einmal im Jahr wollen wir ein Online-Netzwerktreffen machen, wo wir auch schon Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland dabei haben. Wie gesagt, nicht nur Psychotherapeuten, Lebens- und Sozialberater, Psychologinnen, Juristen, Ärzte, You name it. Physiotherapeuten, was auch immer. Wer immer meint, hey, ich bin ein Professionist, kann sich gerne melden.
Sebastian Ich könnte mich als Podcaster für die Liste anbieten.
Natascha *lacht* Gerne.
Sebastian Nein, hast du wunderbar gemacht. Also wer da nicht will, allein schon, weil es das Fortbildungsangebot gibt. Mich interessiert nochmal diese Quote der Inoffiziellen. Jeder zweite, würde ich jetzt schätzen, lässt sich nicht mit Namen und Bild listen. Kommt das hin?
Natascha Ich habe sehr viel mehr Menschen auf unserem Newsletter wie auf der Homepage. Ich frage nicht bei allen, woran es liegt, aber mein Newsletter ist dreistellig.
Sebastian Okay, und auf der Seite waren es jetzt ...?
Natascha 15, 20, keine Ahnung.
Sebastian Okay, spannend. Also dann, ja, da ist da vielleicht auch nochmal Öffentlichkeitsarbeit erforderlich.
Natascha Ja, ja.
Sebastian Ich weiß nicht, in Deutschland gibt es immer so Fortbildungspunkte für Menschen im medizinischen Bereich.
Natascha Mhm.
Sebastian Vielleicht kann man da was machen. Dann gibt es ein offizielles Zertifikat auf Papier, was man sich einrahmen kann mit einem verschwurbelten Namen, was es ist.
Natascha Ja, das steht auf unserer Liste. Das wollen wir auch machen und es dauert halt alles. Wenn du engagierte Menschen hast, die Dinge machen, dann machen die Dinge. Und somit machen die nicht nur eins, sondern mehrere. *lacht* Das kennst du selbst mit dem Podcast. *lacht*
Sebastian Nein, da, das könnte ich, würde ich niemals drüber, das könnte mir niemals passieren.
Natascha und Sebastian *lachen*
Sebastian Ja, also da merke ich auch, da ist eine gewisse Zurückhaltung auch da unter den Profis, da auch öffentlich mit aufzutreten. Eigentlich ist das schon der Ansatzpunkt. Wenn man allein das hinkriegt, dass man sagen kann, okay, die können damit frei agieren und umgehen. Ich meine, sagen wir mal so, ihr seid eh alle Anti-Profis, ihr seid eh alle überlaufen und wisst nicht, wohin mit eurer Zeit. Dann könnt ihr diesen Rufmord auf der Liste da zu stehen, den könnt ihr ertragen. Die Praxis bleibt voll.
Natascha Ja.
Natascha und Sebastian *lachen*
Sebastian Es gibt eigentlich kein vernünftiges Argument, das nicht zu tun.
Natascha Ja, das muss, wie gesagt, jeder für sich selber dann entscheiden, weil es ist trotzdem eine Form von Outing, ja.
Sebastian Ja.
Natascha Auch wenn ich mich sehr immer dagegen wehre, weil es heißt nicht, wenn ich ein Kink Aware Professional bin, dass ich selbst kinky bin. Das muss einfach nicht sein, aber eine gewisse Offenheit braucht es natürlich. Und deswegen ist es mir auch wichtig, wenn wir dann so weit sind, dass wir eine Ausbildung anbieten, zumindest in manche Dinge reinzuschnuppern, eben weil Vorstellung, Fantasie und die Realität oft so gaaa..., ganz weit auseinanderliegt, dass ich da definitiv, dass wir da helfen möchten, da ein Gap ein bisschen zu schließen.
Sebastian Ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt. Ich gucke gelegentlich mal rein.
Natascha *lacht*
Sebastian So und jetzt kommt die Herausforderung für mich, ehrlich gesagt, heute. Ahh. Das A-oder-B-Spiel. Wie gesagt, eine kleine Tradition inzwischen. Und ich werfe dir jetzt einfach, ich habe eine lange, lange Liste mit jeweils zwei Begriffen oder Satzbestandteilen. Und du sollst dich bitte möglichst schnell immer für eins entscheiden. Ich habe versucht, das so umzubauen, dass es nicht zu persönlich wird, dass du im Zweifel auch mit gutem Gewissen da was beantworten kannst. Ob mir das gelungen ist, werden wir gleich erfahren. Und das würde ich jetzt gerne einfach mit dir spielen und dann können, kann das Publikum daraus ja Schlüsse ziehen, wie sie wollen. Und da sind auch ganz nette und einfache Sachen mit bei. Und wir spielen jetzt einfach mal. Ich habe es noch nicht remote gespielt, ehrlich gesagt. Ich bin gespannt. Ich schiebe mal das Fenster so ein bisschen, dass ich sowohl den Text hier vor meiner Nase habe, als auch das Kamerabild so auf einem Blick habe. Weil eigentlich ist ja immer spannend, wie auch dein Gesichtsausdruck sich da teilweise verändert. Und manchmal ist die Entscheidung auch schwer. So, ich bin gespannt. Okay, bist du bereit?
Natascha Yes.
Sebastian Wunderbar. Okay, ich fange mal an. Eule oder Lerche?
Natascha Eule.
Sebastian Konsens oder Risiko?
Natascha Konsens.
Sebastian Fragen oder um Verzeihung bitten?
Natascha Um Verzeihung bitten. *lacht*
Sebastian D/s oder Impact?
Natascha Impact.
Sebastian Planen oder spontan?
Natascha Beides? *lacht*
Sebastian Eine Tendenz wirst du ja haben.
Natascha Ja, da tue ich mich immer, ich mag es gern, Pläne im Kopf zu haben, dass ich mich dann spontan umentscheiden kann.
Sebastian Okay, also du arbeitest dafür, spontan sein zu können.
Natascha Ja.
Sebastian Okay, ich mach den Haken bei spontan. Sommer oder Winter?
Natascha Sommer.
Sebastian Drinnen oder draußen?
Natascha Draußen.
Sebastian Jetzt wenig oder später mehr?
Natascha Später mehr.
Sebastian Fifty Shades oder die Geschichte der O?
Natascha *lacht und verschluckt sich* Next. *lacht* Nein.
Sebastian Fifty Shades oder die Geschichte der O?
Natascha Nein, ich finde, es geht beides nicht. *lacht* Aber eigentlich müsste man dann sagen, aus dem Mainstream betrachtet 50 Shades. Hat mehr Leute angesprochen.
Sebastian Buch oder Film?
Natascha Buch.
Sebastian Dialog oder Cumshot?
Natascha Dialog.
Sebastian Kuscheln oder mehr?
Natascha *freudig* Kuscheln.
Sebastian Schöne Wäsche für sich selbst oder für die anderen?
Natascha Für mich selbst.
Sebastian Safeword oder kein Safeword?
Natascha Safeword.
Sebastian Okay, wir bleiben in dem Themengebiet. Kekse oder Chips?
Natascha Chips.
Sebastian Schlafzimmer oder Wohnzimmer?
Natascha Schlafzimmer.
Sebastian Ausschlafen oder loslegen?
Natascha Ausschlafen.
Sebastian Hund oder Katze?
Natascha Hund.
Sebastian Wasser oder Brause?
Natascha Wasser.
Sebastian Intimrasur oder -frisur?
Natascha *lacht* Frisur. *lacht*
Sebastian Chatten oder anrufen?
Natascha Das kommt drauf an, worum es geht. Chatten für Organisatorisches, anrufen für alles andere.
Sebastian Da die Frage eine Folgefrage hat, müsstest du dich entscheiden.
Natascha Na dann sagen wir anrufen.
Sebastian Okay, anrufen oder Sprachnachrichten?
Natascha Sprachnachrichten.
Sebastian O Gott, so eine. Geben oder nehmen?
Natascha Nehmen.
Sebastian Dom oder S...
Natascha Nein, nein, geben, weil wenn man gibt, dann kriegt man dann wieder auch. Ja, entschuldige.
Sebastian Also du willst also sagen, hinterhältig nehmen, ja?
Natascha Ja, ganz genau.
Sebastian Okay, Dom oder Sub?
Natascha Switch.
Sebastian Das, was du gesagt hast, oder Switch?
Natascha und Sebastian *lachen*
Natascha Das, was ich gesagt habe oder Switch, also Switch. *lacht*
Sebastian Naja, das Problem ist, das sind ja Folgefragen, die ...
Natascha *lacht* Ja, aber ...
Sebastian Aber ich erlaube dir das, hier ein bisschen abzuweichen, das ist okay. Okay, überraschen lassen oder vorbereitet sein?
Natascha Überraschen lassen.
Sebastian Lob oder Tadel?
Natascha Lob.
Sebastian Mayday oder Stopp?
Natascha Stopp.
Sebastian Farbe oder Textur?
Natascha Textur.
Sebastian Okay, das ist gut, weil Farbe hätte jetzt eh nicht gepasst in deinem Land. Hart oder weich?
Natascha Weich.
Sebastian Rau oder seidig?
Natascha Seidig.
Sebastian Eckig oder rund?
Natascha Eckig.
Sebastian Saugen oder fegen?
Natascha Fegen?
Sebastian Naja ...
Natascha Das ist das, was man mit dem Besen macht, oder?
Sebastian Genau, und saugen ist das, was man mit dem Staubsauger macht.
Natascha Ahhh.
Sebastian An was dachtest du denn?
Natascha Ich war gerade ganz woanders und das hat sich nicht ... *lacht* Saugen. *lacht*
Sebastian Wischen oder polieren?
Natascha *lacht* Polieren.
Sebastian Wedeln oder pusten?
Natascha Pusten.
Sebastian Okay. Akku voll oder Powerbank immer dabei?
Natascha Powerbank immer dabei.
Sebastian Verein oder Verschwörung?
Natascha Verein.
Sebastian Mit der Hand oder dem Gerät?
Natascha *zögerlich* Hand.
Sebastian Machen oder konsumieren?
Natascha Machen.
Sebastian Sharing is caring oder meins ist meins?
Natascha Sharing is caring.
Sebastian Bilder schicken oder Gedicht schreiben?
Natascha Bilder schicken.
Sebastian Auto oder Bahn?
Natascha Bahn.
Sebastian Bahn oder Fahrrad?
Natascha Bahn.
Sebastian Regeln einhalten oder dehnen?
Natascha Einhalten.
Sebastian Moral oder Unvernunft?
Natascha *kurze Pause, dann aber mit Nachdruck* Unvernunft.
Sebastian Sehr gut, richtige Antwort, wunderbar. Du hast es geschafft.
Natascha *lacht* Danke. *Puh.* Es war viel. *lacht*
Sebastian Ja, zehn weniger als üblich.
Natascha Okay, ja, ja.
Sebastian Ja, aber das Spannende ist, du könntest das ja jetzt mal psychologisch auswerten lassen, was man jetzt für Schlüsse über dich da ziehen kann.
Natascha Ja, das Spannende ist, was Max über Moritz sagt, sagt mehr über Max als über Moritz.
Sebastian Reden die in dem Buch? Ich überlege gerade.
Natascha *lacht* Jetzt geht es nicht ums Buch. Du kannst noch sagen, was Hans über Peter sagt, sagt mehr über Hans als über Peter.
Sebastian Ja, das heißt, okay, alles klar. Das heißt, meine Liste hier entlarvt mich, ja?
Natascha Genau.
Sebastian Verdammt.
Natascha und Sebastian *lachen*
Natascha Und dann die Leute, was die glauben, in meine Antworten hineinzuinterpretieren, interpretieren sie ja eben für sich und sagt dann wieder viel über sich aus.
Sebastian Ja, natürlich. Das ist ja auch so ein bisschen die Idee dahinter, einfach um mal so so einen Eindruck zu bekommen und würde sich das mit mir selbst decken. Also wenn ich das höre, ich habe das ja auch bei einem anderen Podcast geklaut, danke trotzdem für die Inspiration. Das ist so dieses, oh, da kommen zwei Dinge und dann überlege ich, was würde ich jetzt sagen und sagt mein Gegenüber das Gleiche und denke, ah, guck an. Also schönstes Beispiel, ich muss es noch einmal triggern, weil der andere Podcast „Alles gesagt“, von dem ich das ein bisschen entlehnt habe, die haben immer als letztes Ding Trump oder Putin. Musst du jetzt nichts zu sagen, aber das kann wirklich Menschen sehr schwer fallen, da eine Entscheidung treffen zu müssen. *lacht* Großartig, nein, also vielen, vielen Dank, dass du das Spiel mitgemacht hast und muss ich mir mal überlegen, ich habe noch irgendeine tolle Notiz, so als kleinen Abschluss hier stehen, aber die hat eigentlich gar nichts mit dir zu tun, wie ich gerade sehe. Ich kann mich eigentlich nur total bei dir bedanken, dass du so offen und so, so, ja, wirklich auf alles irgendwie eine Antwort finden konntest, egal womit ich geschossen habe und ...
Natascha *lacht*
Sebastian ... dass ich dir auch einfach mal Dinge hinwerfen konnte und das haben wir vorher so nicht abgesprochen und das hast du mitgemacht. Das finde ich total großartig und total schön und positiv. Und ich kann mir vorstellen, wenn ich dann mal in professionellen Grün..., aus professionellen Gründen bei dir sitze, dass ich dich nicht aus der Ruhe bringe, sondern dass du mir dann auch weiterhelfen kannst. Das finde ich sehr beruhigend.
Natascha Danke, vielen Dank. *lacht* Danke dir. Es war ein super feines Gespräch. Lieben Dank nochmal für die Einladung. Es waren viele harte Themen dabei, dennoch, und ich finde es eh immer spannend, weil das Leben ist eben nicht nur schwarz-weiß. Und diese Graubereiche, um bei den Fifty Shades of Grey zu bleiben, machen es dann einfach spannend. Und es ist immer die Frage, was will jemand? Wo wollen auch wir hin? Vielleicht als Gesellschaft manchmal. Und ja, Eigenverantwortung. Wir können alle was tun und ja. Es war sehr fein, danke dir herzlich auch für deine Arbeit, gel [Dialekt].
Sebastian Das wäre jetzt das perfekte Schlusswort, aber ich muss noch eine kleine Ankündigung machen und daaaaann bist du mich los, dann darfst du den Abend gestalten, wie du magst. Zwei Dinge, liebes Publikum, wenn ihr die Folge toll fandet und vielleicht Kontakt zu Natascha aufbauen möchtet oder mal gucken wollt, wo dieses KAPA denn ist in diesem Internet, besucht kunstderunvernunft.de, klickt auf die Folge, da findet ihr Natascha verlinkt, die hat da ein Profil und ansonsten stehen in den Shownotes ganz viele Sachen drin. Ihr findet dort das Transkript, ihr findet Kapitelmarken und weiß der Kuckuck noch was alles. Findet ihr alles dort, kunstderunvernunft.de und da gibt es auch gerade etwas Neues, von dem ich noch nicht überzeugt bin, dass der Plan funktionieren wird. Deshalb teaser ich das hier auch nochmal an. Vielleicht, Natascha, kannst du das mal bewerten. Es gibt Menschen, die sagen, ich hätte was im Podcast zu sagen, aber ah, auch anonym mit nur die Stimme, das möchte ich nicht, das ist mir schon zu viel. Und ich habe jetzt vor ein paar Wochen auf der Webseite ein Formular installiert, da kann man einfach das eigene Thema oder das, was man beitragen möchte, völlig anonym in dieses Formular rein posten. Da wird keine E-Mail-Adresse abgefragt, es gibt fast keine Pflichtfelder, auch der Name ist kein Pflichtfeld und wir werden diese Texte von euch anschauen, sichten und ich werde sie auch von anderen Menschen einsprechen lassen. Damit sie dann eben in der Podcast-Folge auftauchen können und dass wir dann auch drüber sprechen können und so könnt ihr euch daran beteiligen. Wenn ihr da Interesse daran habt, kunstderunvernunft.de, da gibt es direkt auf der Startseite einen Button, anonym mitmachen heißt der und dann habt auch ihr eine Stimme, wir leihen sie euch. Und ich hoffe, dass wir da auch ein bisschen mehr den Fokus auf das eine oder andere Thema finden können, wo die Menschen momentan durch die Bank weg sagen, ne, also das ist mir zu heiß, darüber würde ich im Podcast niemals selber reden und dass wir das vielleicht auch sichtbar machen können, weil sonst denken die Leute immer, die gibt es gar nicht, die Themen und da gilt auch wieder: ihr seid nicht allein und zeigt doch anderen Menschen auch, dass die nicht alleine sind. So, jetzt habe ich das angekündigt, Natascha, ich würde dir jetzt das Schlusswort tatsächlich überlassen.
Natascha Danke. Du hast vorher gerade noch gefragt und da will ich schon noch was dazu sagen.
Sebastian Gerne.
Natascha Ich finde die Idee super, denen, die ihre Stimme nicht herborgen wollen, eine Stimme zu borgen. Komplett anonym in Gefilden des Internets finde ich ein bisschen interessant, aber du wirst es dir überlegt haben. Sonst würde ich klassisch machen mit Name der Redaktion bekannt oder was auch immer irgendwo für Rückfragen nämlich auch. Also da bin ich gespannt. Ich höre dann deinen Podcast sicher weiter und schaue mir das an, was da dann noch retoure kommt.
Sebastian Es ist ein Experiment, da hast du völlig recht. Da haben wir uns auch echt Gedanken drüber gemacht und gucken jetzt, wir wollen jetzt auch gar keine Sensationen oder so da irgendwie und irgendwelche ausgedachten Geschichten oder so. Aber es geht halt schon darum, einfach diese Schwelle nochmal zu senken. Natürlich sichten wir die Sachen und im Zweifel müssen wir sie auch nochmal ein bisschen bearbeiten oder eben sagen, nehmen wir halt nicht, funktioniert so nicht oder im Zweifel auch glauben wir einfach nicht. Da gibt es ein gewisses Risiko, aber im Schnitt halte ich das „Kunst der Unvernunft“-Publikum für unfassbar großartig und zumindest probiert haben möchte ich es gerne. Und wir gucken einfach mal, ob das funktioniert oder ob das eine blöde Idee war und dann stampfe ich das halt wieder ein. Momentan gibt es mehr Angebote, die Stimme zu leihen, als dass Leute da was eingetragen hätten, also mitgemacht hätten. Im Moment sieht es noch so aus, dass das eher keine gute Idee war, aber ich lasse mich jetzt überraschen und warte nochmal einen Monat ab und dann sehen wir ja, was dabei rauskommt. So, okay, da habe ich da mal Eigenwerbung gemacht, ganz ordentlich. Natascha, es hat mir so einen Spaß gemacht.
Natascha Danke Sebastian, mir hat es auch wahnsinnigen Spaß gemacht.
Sebastian Ich wünsche dir unfassbar viel Erfolg, dass du ganz viel Spaß machst, dass du wegen allem Kink und Poly und so weiter niemals irgendeine Tür hast, die für dich verrammelt ist, dass du machen kannst, was du möchtest und dass die Zukunft sich eben genauso entwickelt, dass du dich wohl und gut fühlst und dass du auch eine öffentliche Person sein kannst, die darauf nicht nur stolz sein kann, sondern die sich damit auch wohlfühlt und glücklich ist.
Natascha Genau, danke.
Sebastian Sehr gerne.
Natascha Ich bin dann immer so ein Freak, was Formulierungen angeht. Muss ich gleich sagen, dass sich ganz viele Türen öffnen. *lacht* Positive Formulierungen, Sprache schafft Wirklichkeit. Und es tun sich immer ganz, ganz tolle Dinge und das freut mich besonders, ja. Lieben Dank, Sebastian.
Sebastian Sehr, sehr gerne. Hab einen schönen Abend. Mach's gut. Tschüss.
Natascha Baba [Dialekt]. *Podcast-Outro*

Kommentare & Fragen

Lexxi
14.10.24

Ich liebe ja den österreichischen Akzent, also hatte die Folge schon ohnehin Sympathiepunkte 😅, die wurden aber durch das, an einigen Stellen herrlich ironische Gespräch, die zum Teil fürchterlich, steilen Thesen von Sebastian und die darauf folgenden, sehr souveränen Antworten von @Natascha (z.B. "ja, doch genauso sag ich denen das" 🤣👍) nur untermauert!

"Verantwortung abgeben kann heilsam sein." Das ist für mich ganz persönlich die Kernaussage der Folge und sie legitimiert für mich ein wenig mein Gefühl danach, dass es einfach mal gut tut Verantwortung abgeben zu können/dürfen/müssen 🙏🏻.

Toll, dass es Menschen gibt, die sich mit so viel Engagement dafür einsetzen, dass Kinky-Menschen Zugang zu div. Hilfsangeboten/Organisationen bekommen, bei denen sie sich nicht schief angeschaut fühlen müssen!
Beim kurzen Überfliegen von Nataschas Website hab´ ich schon einige interessante Berichte angelesen und werde hier (natürlich nur, wenn es nicht absolut nicht möglich ist den "besten Podcast der Welt" zu hören 😉) sicher noch einiges durchstöbern.
Danke dafür und für eine wirklich unterhaltsame Folge!!!

An einer Stelle merkt man dann aber doch, unabhängig vom wundervollen Akzent, ziemlich deutlich, dass hier jemand außerhalb von Deutschland interviewt wird... Niemand würde in Deutschland freiwillig im A oder B-Spiel die Bahn wählen 🤣😜.

Natascha Dita Berger
06.02.25
Liebe Lexxi! Danke auch dir für dein Feedback. Ich freu mich jedesmal drüber wenn ich es lese, und muss über den Bahn Kommentar jedes Mal lachen :) Liebe grüße aus dem schönen Wien
Lutz
08.09.24

Hallo,
Kapa erinnert mich schwer an das Projekt "Kink-Friendly Professionals" von Smart Rhein Ruhr, soweit ich weiß von Sonja initiiert. :-)
www.smart-ev.de/projekte/kink-friendly-professionals/index.html
lg Lutz

Sebastian Stix
08.09.24
Richtig. Sonja (Sonne) stellt das in Folge 90 vor.
turdus
06.09.24

Als (zugegebenermaßen seltener) Wien-Tourist stellt sich mir ja schon länger die Frage, warum es dort nicht ein "Café Masoch" als etablierte Szeneinstitution gibt ;).
Es war total schön euch beiden und der entstehenden Dynamik zuzuhören, ich habe wieder mal sehr viel gelernt UND fühlte mich gut unterhalten. Vielen Dank euch beiden dafür!

P.S.: NATÜRLICH ist BDSM quasi ausschließlich, wenn Männer an Halsband und Leine auf allen Vieren von irgendwelchen Damen rumgeführt werden! Ich wäre entrüstet, wenn dem nicht so wäre! Sagte ich schon "Wuff!"? ;)=

Natascha Dita Berger
15.09.24
das freut mich sehr zu hören! danke dir ;)

und ja, gute Idee! "Brave Junger"
Luftwunder
02.09.24

willkommen zurück klasse dieser podcast

Natascha Dita Berger
15.09.24
danke dir ;)

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