Sebastian
Hallo und herzlich willkommen zur Kunst der Unvernunft. Mein Name ist Sebastian
Stix und ich genieße die Vorzüge meines Kinklifes schon einige viele viele Jahre
und in diesem Podcast spreche ich mit Menschen über sie selbst, ihr Kinklife und
möglicherweise auch über alle BDSM Themen, die diese Menschen bewegen. Mich hat
Andreas besucht und wir haben geredet. Seine Leidenschaft ist Latex, wobei
Leidenschaft wahrscheinlich eine völlige Untertreibung ist. Ich glaube Fetisch
passt schon ganz gut. Was mit einem Spielzeug als Kind angefangen hat, hat sich
entwickelt, immer weiter und weiter. Und heute ist Andreas Herausgeber des
Marquis Magazins. Gegründet wurde das vor langer, langer Zeit, ich glaube etwa
30 Jahre, von Peter Czernich. Und nun hat Andreas dieses Erbe angetreten.
Ob das eine gute Idee war, wie man sein erstes Heft füllt und ob sich das
überhaupt lohnt und wer das überhaupt liest, das erfahrt ihr heute alles. Und
dann gibt es da noch die Pleasure Bay. Die Idee in meinen Worten, wir mieten ein
Hotel auf Kreta und übergeben es fünf Tage der Kink Community. So etwas kann
einen im Grunde relativ schnell ruinieren. Kann aber auch richtig gut
funktionieren. Ja und wie und warum und ob Andreas überhaupt noch selbst dazu
kommt, Latex irgendwann mal zu tragen und wozu man eine zweite Waschmaschine zu
Hause hat, wie ein Fotoshooting in Vegas bei Schlechtwetter laufen kann, all das
und auch so viel mehr erfahrt ihr in dieser nicht ganz kurzen Folge der
Unvernunft. Ich habe noch einen kleinen Hinweis in eigener Sache. Wir waren ja
dieses Jahr auf der Buffet, wo es hat grandiosen Spaß gemacht. Grüße an alle,
die uns da gesehen und getroffen haben. Es war schön, euch mal kennenzulernen.
Wir haben dort viele, viele Stunden Unvernunft aufgenommen vor Live-Publikum und
weil Fragen kommen, alles davon wird hier im Podcast nach und nach
veröffentlicht. Die Nachbearbeitung ist ein bisschen anspruchsvoller als sonst,
aber das wird schon alles. Und weil wir dann doch ein bisschen mehr Merch mit
hatten, haben wir uns dann doch überlegt, na gut, eigentlich wollen wir nicht,
aber wir machen jetzt unseren kleinen Online-Shop auf. Auf
shop.kunstderunvernunft.de gibt es Buttons, Schlüsselbänder, Armbänder,
Haufenweise, T-Shirts, Hoodies und Co. Das Zeug ist also da. Kauft uns doch
bitte den ganzen Shop leer, dann sind wir das Zeug los. Das trägt sich übrigens
super, ich habe gerade sowas an. Und ja, wenn es gut läuft, dann gucken wir, ob
wir noch Sachen nachbestellen oder ob wir jetzt einfach die Restbestände der
Messe dort loswerden. Das hängt so ein bisschen von euch ab. Ich kann schon mal
sagen, das erste Wochenende war grandios. Und wenn da etwas ist, was ihr haben
wollt und nicht mehr da ist, dann klickt da diesen
Ich-will-benachrichtigt-werden-Button. Dann wissen wir, wo Bedarf ist und dann
kriegen wir das hin. Und wir probieren das jetzt einfach alles mal aus. Aber das
Paketepacken, das macht das Podcast-Subjekt und das macht sie richtig gut.
Diese Hausmeisterei war jetzt deshalb so ausschweifend, weil diese Folge eh über
drei Stunden ist. Dann machten da ein, zwei Minuten auch nichts mehr aus. Aber
jetzt geht es endlich los. Eine wunderschöne Folge 132 mit Andreas de MARQUIS.
Begrüßung
Liebes Publikum, es ist der 11. September, der Warntag.
Und nachdem wir jetzt den Alarm abgewartet haben, können wir jetzt auch
aufnehmen. Ich begrüße nämlich hier bei mir im Studio ganz herzlich den Andreas.
Hi!
Andreas de MARQUIS
Hi, grüß dich.
Vorstellung
Sebastian
Ich stelle dich jetzt in zwei Stufen vor. Erstmal stelle ich vor, 46 Jahre alt,
kommst aus, ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht, ich habe es gar nicht
aufgeschrieben. Ah,
Andreas de MARQUIS
Gebürtig aus Augsburg und lebend im Odenwald.
Sebastian
schön. Und hast heute den Weg hierher auf dich genommen, denn wir reden heute
über, ich sage es mal, über dein Baby inzwischen,
über das MARQUIS-Magazin.
Andreas de MARQUIS
Fantastisch.
genau. Ich
Sebastian
Und liebes Publikum, wenn ihr denkt, wir machen jetzt hier eine zweieinhalb
Stunden Werbesendung, nein, das machen wir nicht. Denn vor mir sitzt unfassbar
viel Expertise im Bereich, warum sollte man sich sowas ans Bein
binden. Wir werden heute über Fetisch im Allgemeinen sprechen oder wenn jemand
Fetisch wirklich definieren kann und auch den ganzen Bereich Latex und Ästhetik.
Da vor mir sitzt die Person, die sich da auskennt und die mir das hoffentlich
endlich mal erklären kann. Wir reden über die Leute, über Namen reden
wir und auch natürlich über die Geschichte des Magazins, was ist das überhaupt
und warum ihr das eigentlich alle haben wollt. Ich
Andreas de MARQUIS
gebe mein Bestes zum Thema Fetisch, Auskunft zu geben. Ich bin mir sicher,
Sebastian
bin mir sicher, das wird großartig und also ein paar Metadaten
können wir jetzt schon mal zum Magazin dalassen, aber wir werden uns gleich von
dem Thema wieder entfernen.
gegründet 1994,
95, so um den Dreh rum, ne?
Andreas de MARQUIS
94, ja.
Sebastian
94, also so lange gibt es das schon. Das sind jetzt also über 30 Jahre.
Andreas de MARQUIS
Letztes Jahr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Ja, und nein, vorletztes Jahr.
Nein, wir haben 2025, also letztes Jahr, haben wir dann die Jubiläumsfeier
gehabt zur Passion in Hamburg.
Sebastian
Und weil du das nicht mit 16 gegründet haben kannst, wie ich vermute,
gegründet wurde es nicht von dir, sprechen wir später drüber, aber seit wann
bist du damit verbunden und seit wann bist du Herausgeber?
Andreas de MARQUIS
2019 habe ich das Magazin übernommen von Peter Tschernig
und bin dann mit meiner ersten eigenen Ausgabe, der Ausgabe 68,
voll in die Corona-Pandemie reingerutscht. Also
eine Woche vor dem Lockdown ist das Heft aus der Druckerei gekommen und blieb
dann auch tatsächlich bei uns erstmal stehen.
Sebastian
Oh Gott, ja, also gutes Timing also bewiesen.
Warum und wieso? Wie gesagt, liebes Publikum, Wir werden über all das sprechen,
aber ich habe hier einen ungewöhnlich langen Sendeplan. Wir gucken mal, wie wir
durchkommen und wir haben uns jetzt hier auch vorab ganz, ganz toll unterhalten
schon. Das wird eine breite Palette, aber jetzt müssen wir, glaube ich, dich
erstmal ein bisschen kennenlernen, bevor wir dann später über Dinge reden wie
fürchterliche FotografInnen und wie gehe ich mit dem Model richtig um und was
geht gar nicht und was geht total super und dann jettest du auch noch durch die
Welt.
Andreas de MARQUIS
Was
Sebastian
Ich mag diese, Bass wird es gerade mal alle fallen lassen.
Okay, aber die Frage muss sich ja jeder gefallen lassen. Was hast du mit Kink zu
tun und was begeistert dich überhaupt grundsätzlich, was in den Bereich
reinfällt?
Andreas de MARQUIS
habe ich mit Kink zu tun? Ich würde mich als Fetischist bezeichnen.
Insofern, sage ich jetzt mal, habe ich eine grundsätzliche Affinität auch zum
Marquis-Magazin schon sehr früh gehabt. Und auch zum Thema Latex, das ist
eines meiner Kernthemen, sage ich jetzt mal, von meiner
Kink-DNA, wenn man es vielleicht so nennen möchte. Und wir haben
vor vielen Jahren, also als ich noch meinen
normalen Verlag gehabt habe, den U-Books Verlag, haben wir schon erotische und
auch fetisch lastige Bücher verlegt. Keine Bildbände, sondern eher Geschichten.
Und da kam dann eben tatsächlich das erste Mal so der engere
Kontakt mit dem Marquis und mit den Schlagzeilen zustande, weil wir eben
nach Möglichkeiten gesucht haben, unsere Bücher rezensieren zu lassen. Das war
2005, 2006, ab da. Ja, und das
Thema begleitet mich seit meiner frühesten Kindheit und hat mich nie wieder
losgelassen.
Latexliebe entdecken
Sebastian
So gerade Kindheit, da hat man ja gerade im Bereich Latex wenig
Anknüpfungspunkte. Das ist kein Thema, was so voreinläuft.
Andreas de MARQUIS
einem, oder?
Sebastian
Ich habe ja schon die wildesten Geschichten gehört mit, dann waren die
Fahrradschläuche interessant zum Beispiel, wenn es in den Bereich geht.
Aber was war so die Inspiration zu sagen, oh, guck mal an, da ist ein Material,
was irgendwie einen Reiz hat.
Andreas de MARQUIS
war tatsächlich sehr früh. Das konnte ich damals auch noch nicht, also sexuell
konnotieren sowieso nicht. Aber ich wusste, es fühlt sich gut an. Und zwar
gab es in meiner Jugend, die ist sehr lange her, die Masters of the Universe.
Sebastian
Oh, ja.
Andreas de MARQUIS
He-Man, Skeletor, lalala. Und da gab es ein
Playset, die Fright Zone. Und die hatte einen Drachen. Und
dieser Drache, das war aufgeschäumtes Latex, Gummi, irgendwas. Und da konnte man
seine Hand reinstecken und dann konnte man mit dem Drachen quasi die Figuren
greifen. Und ich weiß noch, ich habe dieses Ding angezogen und ich wollte es nie
wieder ausziehen. Ist natürlich dann irgendwann, Latex ist leider
nicht sehr UV-beständig, ist mir das Ding dann zerbröselt. Ich war dann auch
sehr traurig, aber das war so meine allererste
Schlüsselbegegnung mit dem Material sozusagen. Das
Sebastian
Das finde ich total spannend, weil, ja, das ist wirklich was, da greift man
rein, die Hand ist ja dann umschlossen auch wirklich und man hat ja diese
komplette Bandbreite an Gefühlen und ja, es ist halt irgendwie okay oder nett.
Wenn es zerbröselt, ich überlege gerade, wie, also ich, ja, wie kann ich den
Reiz wiederkriegen? Ich denke jetzt so an Latexhandschuhe oder so was Du hast im
Zweifel in der Zeit, ich weiß noch, von meiner Mutter gab es die Putzhandschuhe,
diese elenden gelben und dann hatte ich da auch meine Hand mal drin, weil ich
irgendwie Sauerei gemacht habe und dachte mir auch so, okay, das war für mich
jetzt nicht so ein Aha-Moment, dass ich das toll finde, aber es war so, ach guck
an, das ist ein völlig anderes Körpergefühl da drin.
Andreas de MARQUIS
hatte ich tatsächlich nicht. Es war dann sehr lange
ruhig, also an der Fetischfront sozusagen. Das kam dann als
Teenager wieder und dann tatsächlich über das Visuelle. Also dass man dann eben
Fotos gesehen hat, wo man dachte, holla die Waldfee, was
hat die Dame denn an, warum glänzt das so schön, warum reflektiert da alles,
warum sitzt das so hauteng und so weiter und so fort. Also das war dann so mit
12,
13, 14, dass man so die ersten Sachen irgendwo gesehen hat. Da wusste ich schon,
das ist es. Und als ich dann das erste Mal, das hat dann nochmal ein paar Jahre
gedauert, das erste Mal wieder, also mir dann dieses Thema Latex in einem
Sexshop angeschaut habe und dann das Material gefühlt habe, dann war die
Vergangenheit wieder da. dann wusste ich, okay, das ist das Material von damals
und jetzt bin ich angekommen. Das ist das Ende meiner
Suche sozusagen.
Sebastian
Das ist also für dich die gesamte Bandbreite, also selber tragen und fühlen und
auch sehen an dir und auch an anderen Menschen. Also alles, was, also im Prinzip
die ganze Bandbreite, die Latex bietet, ich kann es sehen, ich kann es fühlen,
ich kann es tragen, ich kann andere Menschen sehen, die es tragen, das ist für
dich alles spannend. Oder gibt es Dinge, wo du sagst, naja, das ist da an der
Stelle vielleicht doch eher langweilig. Oder vielleicht gibt es auch Dinge, wo
du sagst, das muss jetzt nicht sein. Nein.
Andreas de MARQUIS
gibt tatsächlich eine Sache, die ich jetzt beim Latex echt blöde finde und das
ist das Waschen nachher, wobei ich das tatsächlich inzwischen für mich recht gut
gelöst habe. Wir haben eine zweite Waschmaschine, ich schmeiße den ganzen
Krempel dann einfach in die Waschmaschine und wasche es da. Das geht sehr gut.
Latexwaschmaschine
Man muss ein paar Sachen berücksichtigen, aber wenn man das tut, also ich habe
auch meinen
Catsuit-Anzug, den ich als
MARQUIS-Mensch auf offiziellen Veranstaltungen trage,
schmeiße ich in die Waschmaschine und dann ist das gut. Aber früher war das so,
nach dem Liebesspiel dann aus dem Anzug zu schlüpfen und dann okay und jetzt
noch waschen.
Sebastian
Okay, das mit der zweiten Waschmaschine habe ich noch nicht ganz verstanden.
Weil die Öle drin bleiben in der Maschine oder wo ist der Haken? Oder weil die
Fusseln von der Wäsche davor noch drin sind?
Andreas de MARQUIS
nein, also wir hatten einfach eine Waschmaschine aussortiert, wo wir gesagt
haben, die ist für Notfälle jetzt noch gut, die bleibt mal, aber es sammelt sich
halt unten drin das Wasser, die pumpt nicht mehr sauber ab. und mir hatte dann
ein Freund empfohlen, wasch doch das Zeug in der Maschine, so und so kannst du
das machen. Ich habe das ausprobiert und es ist tatsächlich so, man wäscht die
Sachen ja dann auch mit einem Reinigungsmittel und dann silikoniert man die
Sachen eben entsprechend wieder ein und dann müsste man eigentlich nochmal eine
Leermaschine durchlaufen lassen mit Waschmittel, um eben diese Öle wieder ein
bisschen rauszukriegen, weil das Zeug klebt dann sonst halt in den normalen
Klamotten. Um mir diese Arbeit einfach dann auch noch zu sparen, habe ich
gesagt, okay, dann lass uns die Notwaschmaschine jetzt einfach zur
Latexwaschmaschine machen. Dann kann ich die immer benutzen, wenn es nötig ist
und die andere Maschine bleibt sauber.
Sebastian
kann ich nur hoffen, dass die alte Trommel nicht irgendwann so einen fiesen Grat
hat und ihr die Sachen zerschlitzt.
Andreas de MARQUIS
Super.
Sebastian
Boah, das sind ja auch Werte.
Andreas de MARQUIS
Das ist, wie gesagt, da gibt es ein paar Tricks. Also
du brauchst auf jeden Fall ganz viele von diesen fusselfreien
Mikrofasertüchern. Bei Sachen, die besonders teuer
sind oder die vielleicht ein bisschen filigraner gearbeitet sind, auch mit
Metallringen oder sowas, ist ein Wäschesack immer von Vorteil. Und dann geht
das. Ja, und dann Feinwaschprogramm, 30 oder 40 Grad, dann
Reiniger dazu, 30 Minuten in der Maschine, dann nochmal mit Öl dazu, 30 Minuten
und du holst das Zeug raus, hängst es eine halbe Stunde auf zum Trocknen,
vielleicht dann nochmal auf links drehen zum Trocknen und dann leuchtet und
glänzt und funkelt.
Sebastian
Und genau der Blick gerade, den wollte ich haben.
Andreas de MARQUIS
sieht es dir
Sebastian
Man sieht es dir total an, in dem Moment, wo es sauber ist oder wo es leuchtet
und funkelt und reflektiert und vielleicht sogar diesen Wettlook noch ein
bisschen hat, da geht dir sofort ein Herz auf, habe ich gerade das Gefühl.
Andreas de MARQUIS
Absolut, absolut. Nicht
Sebastian
Okay, kannst du das in deinem Leben inzwischen so viel integrieren, wie du
magst?
Andreas de MARQUIS
annähernd.
Sebastian
Okay, was wäre das Ideal?
Andreas de MARQUIS
Was wäre das Ideale?
Sebastian
Also ich mag gleich so ein bisschen Richtung den Fetisch an sich mal
beschreiben, aber was wäre das so, wo sagst du so, das ist genau das Richtige,
das hätte ich gern und wo sagt vielleicht auch, ja nicht nur die Arbeit, sondern
vielleicht auch der Körper, nee so viel Latex geht vielleicht nicht, das hast du
bestimmt schon experimentell rausgefunden.
Andreas de MARQUIS
Nein, also eine Obergrenze habe ich noch nicht rausgefunden. Ich hole da jetzt
Pleasure-Bay auf Kreta
mal einen Satz aus und flechte auch eine kleine Werbebotschaft ein. Wir, also
der Christian von SubRosaDictum und ich, wir machen eine kleine, feine
Veranstaltung, die Pleasure Bay auf Kreta.
Und die Idee, so ein Hotel-Takeover zu machen, Drei, vier, fünf Tage.
Sebastian
Ihr nehmt das ganze Hotel, ne?
Andreas de MARQUIS
Es
Sebastian
Ja, das habe ich gesehen. Da dachte ich, wow, das ist in dem Bereich
ungewöhnlich.
Andreas de MARQUIS
zwei, drei Veranstaltungen in dieser Richtung. In Florida eine, in Deutschland
eine und eben uns, soweit ich weiß. Auf jeden Fall mein
absoluter Downer auf diesen Partys, auf diesen Veranstaltungen ist immer,
sagen wir mal, du bist nachts um zwei am Feiern, tanzen, hast Spaß und denkst
dir, oh mein Gott, der Babysitter wird dieses Mal teuer. Ja und dann
sage ich mal, ich trinke jetzt selber keinen Alkohol, das heißt ich bin sowieso
immer der designated driver, aber du hast dann eben auch wieder
dieses, okay ich muss noch nach Hause, irgendwann ist die Party auch vorbei.
Wobei, also sprich, du bist, finde ich, oder ich persönlich, aus meiner
subjektiven Sicht, ich bin nicht ganz im Moment. Weil immer irgendwo, okay,
der Babysitter muss abgelöst werden, die Kinder sind zu Hause, hoffentlich ist
nichts mit den Kindern, am nächsten Tag ist Arbeit oder was auch immer. Es sind
schöne Veranstaltungen, das will ich gar nicht
bestreiten, aber das ist für mich dieses Nagende im Hinterkopf. Für mich war
immer der Wunsch und der Wunschtraum mehrere Tage. Und es gab damals
so zu den Hochzeiten des Marquis mit Peter in den frühen Nullerjahren, gab es
King in the Caribbean, wo die dann in Jamaika irgendwie ein Hotel hatten und ich
meine Karibik und dann die großen Fetischmodels aus der damaligen Zeit, Bianca
Beauchamp, Editha Fantis und so weiter und so fort. Also das war so dieses
absolute Non plus Ultra. Aber es hat halt auch ein paar tausend Dollar gekostet
und du musstest noch hinkommen. Also hast nochmal ein paar tausend Dollar für
den Flug hinlegen dürfen.
Unerschwinglich für mich damals. Aber das war so, was Schöneres konnte
ich mir in meiner Fantasie nicht ausmalen. Und wie gesagt, in der Corona-Zeit
dann eben das Marquis übernommen und dann kam eben dieses wieder, mal so drei
Tage einfach nur sein. Und eben gerade so diese erste und diese
zweite Nacht, also dieses zum Beispiel dann auch in Latex zu schlafen und am
nächsten Tag aufzuwachen und du bist immer noch in deiner Bubble und so weiter
und so fort. Das waren so Sachen, die ich einfach erleben wollte und wo ich mir
gedacht habe, das wäre doch schön. Und wir haben dann dieses wunderschöne Hotel
gefunden und machen das jetzt fünf Tage. Also ich mache das tatsächlich
als allererstes mal aus Eigennutz, weil ich dann einfach quasi morgens aufstehen
kann und wenn ich will Latex anziehen kann und dann am nächsten Morgen wieder
Wie ist das denn mit Latex so?
Latex anziehen kann und wieder Latex anziehen kann.
Sebastian
Wie oft gab es das jetzt schon?
Andreas de MARQUIS
ist jetzt die vierte, genau.
Sebastian
Okay, das heißt, du hast dreimal bislang wirklich dieses Latex ist, die normale
angemessene Kleidung für Tag und Nacht erlebt.
Andreas de MARQUIS
Noch ein, zweimal ansonsten auch, aber so grundsätzlich ist das wirklich
für mich das Paradies.
Sebastian
Ich habe selber noch kein, ich sage mal, Volloutfit, so ein Bodysuit getragen.
Ich habe mal durchaus so ein Latexoberteil getragen. Ist interessant.
Aber ich habe dann so gesagt, da mag ich, also ich persönlich, das ist keine
Wertung, aber ich habe dann gemerkt, da passiert recht viel und dann bist du
gerade auch in so einer Boutique zum Beispiel, da passiert recht viel, dann
willst du da auch wieder raus. Also ich habe nie dieses, ich genieße jetzt mal
für eine gewisse Zeit, wie sich das Empfinden auch verändert und anfühlt. Also
für mich hat so ein Anprobier-Event nicht dazu geführt, dass ich gesagt habe,
ja, das brauche ich jetzt.
Ich weiß aber, das hat so eine gewisse Chronologie. Ich habe da meine Tasche,
die stelle ich da hin, jetzt ziehe ich das gleich an und bis zu dem Zeitpunkt,
wo ich es wieder ausziehen, ja in Klammern muss, passieren ja verschiedene
Dinge, die ja auf dich wirken. Wenn du sagst, du bist Fetischist, dann vermute
ich, dass du auch in der Lage bist, das gesamte Spektrum dessen zu genießen.
Also ich fange mal an bei, du räumst es aus der Tasche raus, dann geht das ja
Richtung, ich muss es erstmal irgendwie über den Körper kriegen.
Das sind ja alles, also sind das alles nur Nebeneffekte oder gehört das zum
intensiven Erleben dazu? zu.
Andreas de MARQUIS
würde sagen, das Tragen ist das Erleben oder dann eben das
Fotografieren von schönen Frauen. Das rein und raus, also
raus ist immer schade, das ist dann immer so ein, es ist zu Ende, so ein
klassisches nicht will nicht
und das reinschlüpfen, da ist natürlich Vorfreude dabei,
bei diesen Bodysuits, bei den Catsuits, ich habe eigentlich nur welche mit
Krageneinstieg, Das heißt, das ist dann schon, sagen wir mal, so ein bisschen,
ja, ein bisschen schwieriger, wenn man dran geht.
Sebastian
dauert, ne?
Andreas de MARQUIS
Zehn Minütchen.
Sebastian
das geht.
Andreas de MARQUIS
Also das ist, da brauche ich länger, um in meine Anzüge zu kommen. Also ich habe
ja für die professionelle Arbeit habe ich ja so, sagen wir mal, Business-Anzüge
aus Latex und dann quasi Unterhose, Hose, Hemd, Weste,
Jackett.
Das braucht länger, als jetzt da in so einen Catsuit reinzuhoppeln. Dann
Sebastian
Reinzuhoppeln, ne?
Wann kommt dieser Moment, dieses, ich sag mal, Frieden im Kopf? Wenn
dann wirklich das letzte Teil
zurechtgezippelt ist, man zieht da ja nochmal ein bisschen und hier macht man
ein bisschen was, aber was macht das in deinem Kopf, wenn du sagst so, jetzt hab
ich's an?
Andreas de MARQUIS
bin ich vollständig. Also dann bin ich ich sozusagen. Also wir hatten
jetzt gerade so ein Thema, wo wir einen Aufruf gehabt haben über das Thema
Masken und es war verblüffend, dass eben ganz viele Menschen das sehr ähnlich
sehen. Also normalerweise heißt es immer, man trägt eine Maske, um
sich zu verstecken. Und bei vielen ist es eben so, nein, die Maske
ist ein Teil von mir. Das heißt, ich verstecke mich, wenn ich die Maske nicht
trage. Und erst wenn ich diese Maske dann trage, fühle ich mich
als ich selber. Und so ein bisschen ist es bei mir mit dem Thema Latex,
also in dem Moment, wenn ich dann drin bin, dann ist es so ein,
jetzt sind die 100% da, jetzt bin
ich ich. Und das ist ein sehr schönes Gefühl, also dieses
Ankommen, komplett sein und dann eben
auch so eine Art wunschlos glücklich sein. Also einfach dieses Genießen können,
dieses Gefühl und Latex hat ja eben dann noch ein bisschen anders als Leder zum
Beispiel, was ja auch durchaus fetisch konnotiert ist. Die
Berührungen auf der Haut werden ganz anders wahrgenommen.
Und das ist halt schon auch ein sehr intensives, ein sehr spannendes Gefühl und
das ist so diese Kombination, aber dieses fertig angezogen, das ist erstmal so
ein wirklich kleines erstes High, wo man sagt, ja, das ist schön, das
gefällt.
Das erste Teil auswählen
Sebastian
Also du musst dann gar nichts weiter tun, sondern das reicht,
das zu spüren.
Andreas de MARQUIS
Ja,
Sebastian
Es soll, wir machen es nur ganz kurz, Menschen im Publikum geben, die haben es
noch nicht anprobiert.
Worauf müssen die sich denn einstellen, wenn sie sagen, ich will das jetzt mal
wagen, der Andreas hat mir jetzt den Mund wässrig geredet, ich probiere jetzt
mal was an und dann gibt es ja so das erste Gefühl, das sitzt aber
schon nicht mehr luftig leicht wie ein T-Shirt auf dem Körper. Also was ist so,
ist es dieses Umschlossene oder eher so das
Temperaturempfinden?
Also was ist so der erste Reiz, an dem man sich vielleicht auch ein bisschen
gewöhnen muss, dass man das genießen muss, um es auch gut zu finden?
Andreas de MARQUIS
also ganz grundsätzlich würde ich sagen, wenn man
gestresst ist oder wenn man sowieso ein bisschen genervt ist oder die
Energielevel runter sind. Also ich spreche jetzt zum Beispiel so und ich war den
ganzen Tag auf einer Messe oder ich war auf der Arbeit und ja, jetzt mache ich
das halt noch schnell. Das wird nicht funktionieren, aber ich denke, das ist mit
vielen Dingen so. Das heißt, man braucht so ein bisschen, sagen wir mal, innere
Ruhe, entspanntes Mindset, dass man sagt, okay, ganz offen, ich gucke mir das
mal an.
Der zweite Punkt, den ich sagen würde, das habe ich jetzt bei vielen schon
gesehen, die dann gesagt haben, okay, ich nehme zum Beispiel einen Rock.
Weil der vermeintlich luftig ist, würde ich als erstes Teil zum
Probieren nicht empfehlen. Ich würde ein Hemd, vielleicht wirklich sogar ein
Catsuit zum Testen, gibt es ja wunderschöne Fetisch-Boutiquen, Grüße an
Hautnah in Berlin zum Beispiel, gibt es wunderschöne Fetisch-Boutiquen oder
natürlich auch die Hersteller selber, gibt es in Hamm, genau,
Sebastian
sind ja auch meistens eher Manufakturen, das ist ja wirklich seltenst
Industrieware.
Andreas de MARQUIS
also gibt ein
Sebastian
Das hat auch nochmal einen persönlichen Touch. Also ich habe mal in so einer
Manufaktur gestanden, auch in Hamburg und dachte mir, wow, an dem Tisch wird das
jetzt hergestellt und geschnitten und dann siehst du da die Rolle mit dem
Rohmaterial und dann siehst du auf der anderen Seite, das Bild habe ich noch im
Kopf, eine wirklich toll gearbeitete Corsage aus dem Material. Ich denke, okay,
das da ist eher eine Tapetenrolle und das da ist, bam, ne, das
ist schon erstaunlich, dieser Prozess.
Andreas de MARQUIS
Kunstwerk. Ja.
Und das sind wirklich Künstler. Also die Designer, die sich da hinsetzen und das
fertigen, die sind auch immer sehr hilfsbereit. Also das funktioniert auch sehr,
sehr gut. Also da würde ich eben schon sagen, einfach um wirklich dieses Gefühl
zu kriegen, dass es eng auf der Haut sitzt, das ist schon wichtig. Da würde ich
nicht mit einem Kleid oder mit einem Rock anfangen, weil sich unter dem Kleid,
weil Latex ist nicht atmungsaktiv, staut sich die Luft. Und man wird einfach
auslaufen, tropfen, schwitzen und dadurch, dass eben das Latex nicht
eng an der Haut sitzt, ist das tatsächlich dann so eine Mischung aus Dampfbad
und Saunagefühl unterm Rock.
Sebastian
wenn es enger sitzt, hat man das Problem weniger.
Andreas de MARQUIS
Ja, tatsächlich.
Sebastian
Klar, ergibt Sinn, natürlich, das ist ja wie so eine, ja, schlechter Vergleich,
Wärmflasche, die man nur halb voll macht.
Andreas de MARQUIS
Ja, tatsächlich.
Sebastian
Da hast du dann ja auch diese Luft, dann blubbert das und dann hast du immer, es
passt nie alles. Ja, kann ich mir vorstellen. Stimmt, eng ist an der Stelle
logischerweise besser.
Andreas de MARQUIS
Leggings oder sowas funktioniert dann gut zum Testen. Und wenn man das dann mal
anhat, also in der Regel macht man das ja nicht, sage ich jetzt mal im November
outdoor das erste Mal, sondern eher in einem Ladengeschäft oder zu Hause,
also da wo es wohl temperiert ist. Das heißt, Latex verstärkt die
Temperaturempfindung. Das heißt, wenn es einem warm ist, dann wird es einem auch
wärmer. Wenn es kalt ist, wird einem auch kälter, einfach dem Material
geschuldet. Aber wenn es wohltemperiert ist oder auch ein bisschen warm, darf es
durchaus sein. Und man dann so mit den Fingern zum Beispiel über das Bein.
Das kann man selber machen, das ist schon sehr intensiv. Aber wenn es dann ein
Partner macht, das ist schon ein wirklich sehr, sehr spannendes Gefühl.
Sebastian
Das finde ich tatsächlich faszinierend, dass man, obwohl da jetzt ja quasi eine
Schicht auf der Haut ist, dass die Empfindung von Berührung eher verstärkt wird.
Ich dachte immer, das wird dann weggedämpft irgendwie, weil das ist ja wie so
eine, ich bemühe mich jetzt nicht solche blöden Vergleiche zu machen wie die
LKW-Plane, Entschuldigung, ich werde das jetzt lassen, aber es verstärkt es. Mir
ist gar nicht klar, warum das so ist, aber es funktioniert offenbar.
Des Stix Bauch...
ich habe mal so zwei, drei praktische Fragen. Man sieht mich, da ist tatsächlich
ein bisschen Bauch und dann würde ich sagen, ja Moment, was hauteng ist, kann
ich ja dann nicht tragen, weil das entstellt mich ja. Ich glaube, das hält
dieser Gedanke, meine Figur passt nicht zu Latex, hält viele Leute davon ab, es
auszuprobieren. Ich glaube aber, es gibt in der Community andere
Standards für wie darf ein Körper aussehen.
Andreas de MARQUIS
grundsätzlich darf ein Körper aussehen, wie er möchte. Und wichtig ist
eigentlich nur, dass man selber zufrieden ist. Das ist also erstmal ganz
grundsätzlich das Thema. Da können wir auch gerne nochmal drüber sprechen. Wir
kriegen auch immer wieder Kritik, dass zu wenige vollschlanke Modelle bei uns im
Heft sind und sowas, da können wir gerne später noch drüber sprechen, aber der
Punkt ist tatsächlich, wenn man selber sagt, okay, ich habe vielleicht ein
bisschen Bauch oder meine Oberschenkel gefallen mir nicht, die sind mir ein
bisschen zu dick oder was auch immer, das Latex packt einen und
macht einen ein bisschen tighter. Weiter, das heißt, wenn
ich jetzt, ich habe auch Bauch, wenn ich jetzt in einen Latex-Catsuit schlüpfe,
dann würde ich sagen, sehe ich fünf Kilo leichter aus.
Sebastian
Also genau der umgekehrte Effekt, es betont gar nicht, sondern es formt. Ich
Andreas de MARQUIS
Genau, das ist dann wieder der zweite Punkt, warum ich bei Frauen eben sagen
würde, probiert es mit einem Catsuit, weil der Catsuit extrem
die Vorzüge einer weiblichen Anatomie bevorzugt. Das heißt,
er betont die Taille, er betont die Hüften, er betont die Beine. Das heißt,
ich habe noch keine Frau gesehen, die den Catsuit anhatte und gesagt hat,
nee, das sieht scheiße aus.
Sebastian
habe auch noch keine in dem Catsuit gesehen, von denen ich gesagt hätte, die
sieht nicht gut aus.
Also der Effekt war tatsächlich genau umgekehrt.
Andreas de MARQUIS
Genau. Und ich meine, es gibt, sagen wir mal, das eine Problem dann
eben an den Brüsten. Das Latex drückt da eben ein bisschen zusammen.
Wenn man möchte, also es gibt Latex-Catsuits, die dann eben mit Cups geformt
sind, das heißt, die werden dann auf die Brustgröße angepasst, das heißt, dann
werden die Brüste nicht ganz so stark zusammengepresst und eine sehr liebe
Freundin von mir, die hat dann einfach Silikon-Pads
mit reingepackt. Sie hat gesagt, ich habe eh nur ein A- bis B-Körbchen, ich
packe mir da jetzt ein schönes C-Silikon-Körbchen mit rein, dann sieht das
nochmal richtig, richtig nice aus und die Silhouette ist der absolute Burner.
Also das geht dann auch. Ich
Körperhaare
Sebastian
Ich habe mal selber die ganz praktische Frage, macht es einen Unterschied, ist
es sinnvoll, irgendwie den Körper zu entharren oder ist das einem sich egal? Ich
kann mir vorstellen, dass das dann so ein bisschen zieht, wenn man sich bewegt.
Ich stelle wirklich Fragen als Unwissender, Außenstehender, aber mich
interessiert das. Das
Andreas de MARQUIS
könnte jetzt nicht bewusst sagen, dass ich da einen Unterschied feststelle. Also
du ölst dich ja ohnehin ein mit diesem wunderbaren Glitsch und
dann gleitest du auf diesem Film in das Material
und dann hast du auf jeden Fall natürlich auch ein bisschen Schweiß, ein
bisschen Glitsch. Also ich könnte mich jetzt nicht daran erinnern, dass da was
zieht.
Sebastian
ist jetzt so unsere kleine Latex-Kunde. Ich habe mal auf
einer Party in München eine größere Menge
Entindividualisierung
in wirklich sehr schönen, sehr vollständigen Latex-Outfits gesehen.
Und wo ich dachte, okay, ich könnte sie alle nicht voneinander unterscheiden.
Ja, natürlich, wenn man auf die Details schaut, ist alles eine Sonderanfertigung
und so, aber so wenn man so die Masse an Menschen sieht, würde ich sagen, okay,
ihr seht euch alle so ähnlich, ihr seid weniger Individuum. Ja, das
ist so eine Uniformität gewesen, weil auch da sehr viele wirklich
dann die Vollmaske getragen haben, du hast dann wirklich nichts mehr von dem
Individuum wahrgenommen. Ist das mit ein Teil davon oder gibt es da
einfach verschiedene Lager, die einen sagen, ich will besonders einzigartig sein,
das soll man auch sehen und die anderen sagen, nein, ich nehme diese
Individualität oder diese Persönlichkeit von mir ein Stück weit zurück und kann
dann in der Masse irgendwie ich sein und doch verschwinden. Also ich bin noch
nicht drauf gekommen, was jetzt eigentlich der, ob das ein Wunsch sein kann oder
eine Ausdrucksform. Wie ist das für dich?
Andreas de MARQUIS
Also es gibt ja ganz grundsätzlich mal so dieses auch Fetisch
oder Kink der Objektifizierung, sei es als Möbelstück oder was auch immer. Und
ich denke, das spielt in den Bereich dann ein Stück weit mit rein, dass man eben
wirklich sagt, okay, ich möchte jetzt eben Sub sein zum Beispiel.
Und da ist es natürlich eine spannende Komponente, wenn es eben heißt, okay, ich
bin jetzt eben nicht mehr Erich Karl-Heinz, Britta, Gertrud,
sondern ich bin jetzt die Nummer vier.
Miststück oder was auch immer, was man sich da...
Sebastian
ist was auch immer gefällt.
Andreas de MARQUIS
Genau. Also die Objektifizierung, die hat dann mit Sicherheit, gerade wenn es
dann um die Vollgummierung geht, einen gewichtigen Anteil.
Und auf der anderen Seite, also es gibt Leute, die erkennst du nur, wenn du sie
in Maske siehst. Also die großartige Lola Noir, die erkennst du.
Fertig. Also die läuft irgendwo auf einer Fetischparty rum, Catsuit, Maske und
du sagst unter Hunderten in Catsuit und Maske, da ist Lola, cool, sag mal
hallo. Das heißt, es gibt manche Leute, denen ist das wirklich Teil der
Persönlichkeit.
Es gibt diesen Objektifizierungscharakter an der Geschichte und dann gibt es
natürlich den Fashion-Charakter im Bereich Latex. Wir
haben auf Partys schon so großartige Outfits gesehen. Einmal auf dem German
Fetish Ball ist mir einer untergekommen in einer, ja,
18. Jahrhundert Admiralsuniform, so
aus Latex. Es sah unglaublich aus.
Sebastian
Ja, es geht alles. Es ist Wahnsinn, ne?
Andreas de MARQUIS
Ja, und es wird heute noch erzählt, es gab, ich weiß
jetzt nicht mehr, wie er hieß, es gab oder gibt in der Fetischszene einen
Piloten und der hat früher wohl seine
Flugpläne dann so gelegt, dass er halt möglichst viele Fetischpartys mitnehmen
konnte.
Sebastian
Ja.
Andreas de MARQUIS
Und der ist dann einmal eben in einer Flugkapitänsuniform aus Latex
aufgelaufen und hatte links und rechts jeweils zwei Mädels in
Stewardessenuniformen und ist dann so auf dieser Party aufgelaufen. Und das muss
wohl so ein richtiges Babam gewesen sein, wo die Leute dann gedacht haben, okay,
Für die Anderen schön machen
für
Sebastian
Genau. Das ist nämlich der nächste Punkt. Das ist nicht nur spannend für einen
selber, sondern auch für die anderen. Gerade wenn man so ein schönes Event hat,
wo viele sind. Dann sind Outfits, klar, ist in der Kink-Szene eh immer so,
aber dann sind besondere Sachen, sind echte Highlights. Und da ist ganz viel,
ja, Ja, also für wen hat er das gemacht? Für sich oder für die Leute, die ihn
sehen?
Andreas de MARQUIS
sich, für die Leute, die ihn sehen und für den Effekt. Also ich denke, diese
Partys sind ja auch ein wichtiger Punkt, um
sich zu feiern. Also eben zu sagen, ich bin nicht nur das Rädchen
im täglichen Leben und muss da meine Funktion erfüllen, sondern jetzt feiere ich
mich. Und das funktioniert eben richtig gut, wenn man dabei auch ein
ganz klein bisschen an die anderen denkt, also sprich sich ein bisschen schön
macht für die anderen um einen herum, weil wenn die das genauso machen, dann
hat man natürlich auch ganz viel zu gucken und ganz viel zu genießen, zu
schauen. Und Schönheit ist ein Wert und ein wichtiger Wert
und eine körperliche Schönheit und da geht es mir jetzt nicht um, wie der Körper
auszusehen hat, sondern wie der Körper sich präsentiert. Also sprich, dass man
sich, fangen wir bei den Basics an, wäscht, die Haare macht und solche
Geschichten.
Sebastian
hake gerade innerlich ab. Okay, gewaschen bin ich, die Haare sind auch
durchgewuschelt. Okay, das habe ich schon mal erfüllt. Mal gucken, wo die
Grenze, mein Limit heute ist.
Andreas de MARQUIS
Und wenn man dann eben sich wirklich auf so einer Party in ein tolles Outfit
schmeißt, also ein sehr guter Freund von mir ist Herrenschneider und der sagt
eben auch, das haben wir eigentlich verlernt, dass man sich auch für die anderen
schön macht. Dass man eben, man sagt heutzutage eher, das ist ein eitler Fatzke,
wenn er sich ein bisschen, sagen wir mal, extra herausputzt und auf der anderen
Seite ist es aber eigentlich manchmal gar nicht so gemeint, sondern quasi so,
ich mache mich schön, damit du ein schöneres Erlebnis hast, weil du nicht,
sagen wir mal, hinter die Tapete guckst, wie ich aussehe, wenn ich aus dem Bett
gefallen bin, sondern damit du was Schönes siehst, nämlich wie ich mich bemühe,
gut für dich auszuschauen.
Sebastian
ist so ein Zeichen von Wertschätzung, ne?
Andreas de MARQUIS
Richtig, Wertschätzung und Respekt.
Sebastian
Ja, das ist, gesellschaftlich sind wir gerade in so einem Punkt, wo, also wenn
ich mich schön mache, dann mache ich das natürlich nur für mich und nicht für
die anderen. Das ist ja eher so ein Ausdruck, der heute eher gehypt wird, sage
ich mal.
Aber die ganze Industrie im Bereich Make-up und
Mode, die würde es ja nicht geben, wenn das nur
so wäre. Also natürlich putze ich mich auch raus, damit ich im Spiegel sagen
kann, ja, das gefällt mir, möchte aber auch eben meinem Gegenüber, mit dem ich
dann unterwegs bin, ich gehe schön essen.
Dann gucke ich halt schon, dass ich ein bisschen Wert wenigstens drauf lege, um
zu sagen, okay, komm, das rundet das nochmal ein bisschen ab. Gehe ich in ein
schönes Ambiente, dann möchte ich dazu auch ein bisschen passen, dann fühle ich
mich da auch ein bisschen angekommener, muss ich ehrlich zugeben. Ich stehe
nicht so drüber, dass ich sage, ist doch egal, sondern das macht mich dann auch
ein bisschen selbstsicherer vielleicht und gibt mir so ein bisschen so einen
kleinen Ego-Kick vielleicht, wenn das Hemd endlich mal gut passt. Das kann ich
mir bei euren Veranstaltungen oder generell bei Fetisch-Veranstaltungen generell
auch vorstellen, dass man möchte ja auch sich in dem Ambiente wohlfühlen und
etwas beitragen. Ich
Andreas de MARQUIS
Ja, genau. Weil wir die Berufsbilder nicht sehen wollen. Die interessieren uns
nicht. Uns interessieren die Menschen dahinter. Uns interessieren die Menschen
mit ihren Bedürfnissen, mit ihren Wünschen, mit ihren Sehnsüchten. Das ist eben
ganz lustig, weil du auf diesen Partys ganz anders ins
Gespräch miteinander kommst im Vergleich zu, ich sag jetzt mal, irgendwelchen
Fachmessen wie IAA oder sonst irgendwas. Weil auf
diesen Fachmessen oder im normalen Leben zählt der Stand schon irgendwie. Das
heißt, da lasse ich mich dann von dem dicken Auto eher beeindrucken oder von dem
Maßanzug oder sowas und dann, okay, ich bin das kleine Licht, du bist der große
Zampano. Und auf so einer Fetisch-Veranstaltung, da geht man rein, guckt sich in
die Augen und sagt, okay, du bist ein kleiner Perverser, ich bin ein kleiner
Perverser. Das ist unser Common Ground, das ist die Basis, auf der wir jetzt
quasi hier sind. Und wir wissen beide quasi, egal was das jetzt ist, was
einen innerlich antreibt und was einem wirklich gefällt oder was dann der
Kernfetisch vielleicht sein mag oder der Kernkink, wie auch immer, wir sind
gleich. Wir haben beide das Bedürfnis, hier zu sein, Spaß zu haben und auf solch
einer Veranstaltung eben Spaß zu haben.
Sebastian
glaube, das ist aber auch so ein genereller Spirit innerhalb der BDSM-Szene. Ich
treffe Leute auf Partys und Stammtischen und frage nicht, na, was ist dein
Beruf, sondern wir sind jetzt genau hier, um eben diesen Spaß zu haben. Und
unser gemeinsamer Nenner ist, wir sind hier auf diesem Event und das sagt schon
eine Menge bei uns aus.
Andreas de MARQUIS
Ganz genau. Genau,
Sebastian
Okay, wie ist denn das mit dem Piloten, weil der ist ja dann doch Pilot.
Andreas de MARQUIS
also in
Sebastian
Entschuldigung.
Andreas de MARQUIS
den Gesprächen, auch jetzt auf der Pleasure Bay, wo man ja wirklich
dann mehrere Tage zusammen verbringt, da redet man natürlich über Gott und die
Welt, was wiederum ein bisschen lustig ist, weil man halt dann neben sich
jemanden knien hat, auf dem dann eine Domina sitzt
und man unterhält sich mit dem Lebendmöbel sozusagen Und der erzählt einem dann,
ja, ich bin Kulturattaché oder ich bin irgendwas
anderes, merkt aber gleichzeitig, das ist vollkommen irrelevant.
Sebastian
Dann
Andreas de MARQUIS
Das ist Smalltalk zwar, aber für ihn geht es jetzt quasi einfach darum, dass er
jetzt hier sein darf und dass die Dame da auf ihm sitzt und dass er eben dieses
Lebendmöbel für sie sein darf. Ja,
Sebastian
haben wir vielleicht doch ein bisschen diese Uniformität, dieses Gleichmachen
von Menschen. man sie auf einem Niveau einpendelt,
wo sie miteinander auskommen und zusammen eine gute Zeit verbringen können. Und
diese ganzen gesellschaftlichen Trennungen, die kann man einfach mal für ein
paar Stunden oder vielleicht sogar Tage abgeben.
Andreas de MARQUIS
für mich ist das tatsächlich sehr wichtig, weil wir sehen in der Gesellschaft
viel Spaltung und viel Polarisieren. Mir gefällt das nicht,
weil ich suche immer die Gemeinsamkeit.
Gerade eben, ich sage jetzt mal standesübergreifend, wenn man es jetzt so
geschwollen sagen will oder sonst irgendwie, auf diesen Partys habe ich,
vielleicht bin ich da einfach sehr, sehr naiv, aber ich fühle mich auf diesen
Partys sehr wohl, einfach weil alle sind da, um eine
gute Zeit zu haben. Ich mag auch den einen oder anderen geben, der dann
eskaliert, zu viel Alkohol oder sonst irgendwas, aber im Großen und Ganzen, ich
war jetzt die letzten Jahre auf so vielen großen Veranstaltungen, teilweise
mehreren tausend Menschen und tatsächlich auch in verschiedenen Teilen
der Welt, es ist immer ein sehr, sehr positiver, aufmerksamer
und mitfühlender Spirit auf diesen Veranstaltungen. Das heißt auch
jedem, der jetzt solche Veranstaltungen noch nicht besucht hat und eben sagt,
dieses erste Mal, ich kann so viel falsch machen. Nein, der größte Fehler ist
nicht hinzugehen. In dem Moment, wo du da bist, bist du Teil der Community. Und
ob du dann, ich sag mal, ein 50-Euro-Outfit aus dem Orion
hast, weil du dir nichts anderes leisten kannst oder weil du sagst, ich will ja
erstmal reinschnuppern, weil auf diesen Partys, ich rede jetzt von den Partys,
nicht von den Messen, gibt es ja durchaus eben einen entsprechenden Dresscode.
Das ist vollkommen unerheblich. Ja, natürlich sagt man, oh mein Gott, das ist
ein Hammer Outfit, was du anhast oder so, wenn das halt ein ganz spezielles oder
tolles Outfit ist, aber es wird niemand, also das ist mir noch
nicht untergekommen, ich habe davon auch nie gehört, abgekanzelt, weil man sagt,
das sieht ja doof aus oder so, sondern klar, die, die besonders herausstechen
und da gibt es auch Leute, die das natürlich feiern, provozieren, die dann als
Pony mit dem Sulky da rumeiern oder einen riesen Reifrock haben, Oder sonst
irgendwas.
Lasst die auffallen, ist doch schön, ist doch toll, wenn die sich so rausputzen
und so viel Mühe machen. Ich meine, so ein Outfit muss man auch erstmal anziehen
und dann den ganzen Abend bewegen, auf deutsch gesagt. Ist doch schön, sich
einfach daran zu erfreuen, dass jemand sich diese Mühe macht und jeder, der
Standarduniform, schwarzer Catsuit oder eben ein einfaches Outfit anhat,
ihr seid dabei, ihr seid Teil der Community, habt Spaß und genießt den Abend.
Das erste Event
Sebastian
Wie war das denn für dich, als du das erste Mal dann auf ein Event gegangen
bist? Gab es so ein paar Erwartungen, wo du dir hinterher gedacht hast, Warum
habe ich mir denn da diese Gedanken gemacht?
Andreas de MARQUIS
Also meine erste Veranstaltung war tatsächlich vor vielen, vielen Jahren ein
German Fetish Ball.
Sebastian
Der René macht die ja. Deshalb mal Grüße. Der saß ja auch schon.
Andreas de MARQUIS
Genau, Grüße gehen raus, lieber René. Es war vor, oh Gott, ich weiß nicht mehr,
vor wie vielen Jahren das war. Es ist 15, vielleicht sogar 20 Jahre her
und ich habe nicht gewusst,
wie das mit den Garderoben funktioniert Oder wie das, ob es überhaupt
Garderoben gibt. Das heißt, ich
Sebastian
Nein, du musst im Auto, im Outfit, musst du mit dem Auto vorfahren natürlich und
dann noch einen Kilometer zur Veranstaltung im Winter, im Dezember durch den
Schnee waten.
Nein, also vielleicht das ist mal zum Punkt. Also wie funktioniert das
logistisch? Weil du kommst ja am Türsteher nicht vorbei, wenn du nicht dazu
passt. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite hast du das Zeug ja noch nicht
an. Das ist ja wirklich eine simple logistische Frage.
Andreas de MARQUIS
mal meinen, wie ich das dann geklärt habe, wobei das mit Sicherheit nicht der
beste Weg war. Aber ich wusste nicht, wie das eben sich darstellt. Ich habe dann
einfach mich im Hotelzimmer umgezogen.
Catsuit, Hose, Hemd, also das volle Ornat. Bin dann
raus, S-Bahn, weiß nicht, zehn Stationen oder sowas.
Sebastian
Aber hast du was drüber gezogen?
Andreas de MARQUIS
Was hast du da
gezogen?
Sebastian
Nein. Okay.
Andreas de MARQUIS
Doorbitches, Türsteher, die gucken dann gegebenenfalls, hast du entsprechendes
Outfit dabei, dann machst du kurz die Tasche vielleicht auf, sagst, hier ist
mein Latex, hier ist mein Lack, hier ist mein Leder, hier ist mein Metallketten,
Sebastian
die können das beurteilen, das ist ganz klar.
Andreas de MARQUIS
so. Und dann ist das alles erledigt, sozusagen. Aber was eben das Lustige
war auf der Party, wir sind dann auf der Party eben gewesen und
kannten erstmal so keinen und plötzlich
kommen Leute, also ich meine, wir waren aus Augsburg und wir waren in Berlin.
Und plötzlich von allen Ecken kommen Leute, die wir kennen. Hi, grüß dich, hi,
grüß dich. Ach, du bist auch hier. Ja, ich bin auch hier, ich bin auch fetisch.
Und plötzlich hat man da vier, fünf Leute getroffen und dachte sich, du auch?
Nice.
Sebastian
Okay, also wirklich Leute, die so nicht mal in den Kink-Kontext irgendwie hätte
es zuordnen können vorher.
Oder kannte man sich schon irgendwie aus dem Bereich so ein bisschen?
Andreas de MARQUIS
Also zwei von den Leuten, die kannte man aus dem Bereich, da wusste man, dass
die da entsprechend unterwegs sind. Wir wussten nur nicht, dass die eben dort
sind. Und ein Mädel, die kannte ich vom Wave-Gotik-Treffen, da hat man
sich immer mal wieder getroffen und nett geplaudert und dann war sie
da halt eben auch auf dem German Fetish Ball dabei. Aber so war das eben
tatsächlich eine Geschichte, wo ich zumindest sehr, sehr schnell
Anschluss gefunden habe und mich sehr schnell wohlgefühlt habe. Und ganz
grundsätzlich, wenn ich jetzt auf Partys unterwegs bin und ich bin ja, wir haben
drei Kinder, das heißt, meine Frau ist dann eigentlich fast immer zu Hause und
passt auf die Kinder auf. Das heißt, ich bin immer als Single Male unterwegs,
aber ich bin jetzt auch nicht der Dating-Experte, das ist ja auch nicht mein
Zweck, wenn ich auf diese Veranstaltung gehe, aber ein nettes Kompliment ist
nicht verkehrt. Und das ist vielleicht auch wieder ein Unterschied.
Also ich muss dazu sagen, ich persönlich habe es noch nie erlebt, dass wenn ich
einem Menschen ein Kompliment gemacht habe, dass mir das negativ ausgelegt
worden ist. Ich hatte mit einem sehr lieben Model, sie nennt sich Kaffeetasse,
mal über das Thema gesprochen, weil ich ihr explizit
Komplimente zu ihren körperlichen Features gemacht habe
und ich in der Regel aber eben versuche,
allgemeiner zu formulieren. Also es ist, glaube ich, schon
eher peinlich berührend, wenn man gesagt bekommt, ey, du hast richtig lecker
Hupen. Das ist vielleicht nicht das Beste oder der
beste Spruch.
Sebastian
Ich lass dich mal weiterreden, das wird immer spannender.
Andreas de MARQUIS
Lass dich mal weiterreden. Jaja, so, aber ich
habe eben tatsächlich so ein paar Fetische, die auch tatsächlich
Körperlichkeiten eben betreffen und bei Kaffeetasse war das dann tatsächlich
so und ich musste ihr das dann einfach sagen, weil ich sie permanent angestarrt
habe und ihr dann einfach nur sagen musste, warum das so ist und warum sie im
Speziellen mir so gut gefällt. Aber wie gesagt, auf diesen Veranstaltungen, wenn
man eben sagt, ich gehe jetzt da allein hin, einfach ein nettes Kompliment zum
Outfit und sehr oft, vielleicht nicht gleich beim ersten Mal oder so, aber sehr,
sehr oft rutscht man dann in eine Gruppe mit rein, wo gefragt wird, und wo
kommst du her und lalala. Und gerade in den Cliquen, wo ich
dann, sag ich mal, da auf diesen Partys rumspringe, wenn du dann so dieses, das
ist meine erste Veranstaltung, das ist eigentlich immer so ein, komm her. Ja,
genau.
Sebastian
komm her, wir kuscheln dich jetzt erstmal und wir haben dich im Blick und helfen
dir, dass du garantiert wiederkommst.
Andreas de MARQUIS
Also das ist wirklich dann so dieses, Welpenschutz ist nicht ganz der richtige
Begriff dafür, aber wirklich so, okay, wir nehmen dich unter die Fittiche, wir
zeigen dir jetzt mal alles und wir schauen, dass es dir hier gut geht.
Öffentlichkeit, Muggel und die Unbeteiligten
Sebastian
Sag mal, den Punkt muss ich zumindest heute nochmal abhaken, so in der
Draufsicht aus der, ich nenne sie so schön Vanilla-Szene. Ach, die mit ihrem
Latex, das sind die Perversen, das ist ja alles sexuell.
Ja, und jetzt, ich habe immer so diesen interessanten Konflikt, dass ganz viele
Menschen sagen, nein, das, was ich im Kink mache, das ist für mich kein
nichts Sexuelles. Und dann denke ich mir aber, also was ich mache im Kink-Kontext,
auch einfach boshaftes Spanking als Beispiel, das hat für mich doch eine
erregende Komponente und ist deshalb für mich durchaus in den Bereich der
Sexualität einzuordnen, aber das hat vielleicht so ein Sexualitätslevel von,
ich gebe meiner Partnerin einen Kuss. Das ist irgendwie auch, unterm Strich ist
es dann doch, wenn man es realistisch betrachtet, auch irgendwo Sexualität,
Zuneigung.
Das finde ich immer lustig, wie Leute sagen, nein, das, was ich mache, hat
nichts mit Sexualität zu tun, deshalb kann ich sagen, das kann ich auch draußen
tragen, tun und machen.
Wie ist denn das im Bereich Latex? Weil man betont ja nun mal Körper.
Das heißt, von den Uneingeweihten, von den Muggles sag ich mal,
wird man ja schnell in diese Ecke geschoben. Wie ist das Empfinden für dich
selbst? Du trägst das, es fühlt sich gut an, ist das eine sexuelle Anspannung
oder ist das wirklich ein, das bin jetzt ich und Sexualität, das ist halt
genauso präsent wie sonst auch im Leben, mal mehr, mal weniger. Egal.
Andreas de MARQUIS
denke, das ist tatsächlich immer kontextabhängig. Also ich habe das schon
mal gemacht, wie gesagt, ich war ja auch bei meiner ersten Veranstaltung, bin
ich dann mit Latex zu der Veranstaltung hingefahren. Ich persönlich habe damit
keinen Stress, Latex in der Öffentlichkeit zu tragen.
Ich weiß, da gibt es heftige Diskussionen, involvieren von Unbeteiligten
und so weiter und so fort.
Sebastian
Auf das Thema ziehen wir jetzt einfach vor. Jetzt habe ich es ja eh
angeschnitten.
Liebes Publikum, ich habe wirklich im Vorgespräch, also hier bevor wir
angefangen haben, habe ich wirklich gesagt, ich greife es ganz kurz auf und dann
lasse ich dich einfach mal reden. Dieses, wenn wir uns immer nur verstecken,
dann hat die Gesellschaft ja keine Chance, sich an kinky Leute zu gewöhnen. Ich
rede jetzt hier von Outfits, ich rede von Halsbändern oder davon, dass
irgendwelche Gestik, Mimik, irgendwas in der Öffentlichkeit passiert. Also die
Frage ist, wie viel davon muss man der Gesellschaft, der Öffentlichkeit zumuten?
Weil ja, die sind natürlich Unbeteiligte. Auf der anderen Seite, man kann ja
immer nicht so tun, als wenn alles, was irgendwie anstößig empfunden werden
könnte, als ob es das in der Öffentlichkeit nicht gäbe. Bestes Beispiel, zwei
Menschen halten Händchen. Oh, die haben bestimmt Sex miteinander. So könnte man
das interpretieren, dann wäre auch das schon nicht mehr gesellschaftlich
konform. Also was muss ich der Gesellschaft zumuten und was darf ich ihr oder
ja, was mute ich ihr zu und was darf ich ihr zumuten mit einem guten Gewissen?
Und Latex ist so ein Ding, ich erinnere mich an die, ich glaube, ich war eine
Abgeordnete, die mal im Outfit Fotos gemacht hat und die war
danach ja keine Politikerin mehr, wenn ich das richtig verfolgt habe. Also wie
ist da dein Blick drauf auf Öffentlichkeit, auf Unbeteiligte? Und was traust du
dich selber und wo?
bist ja in der Welt unterwegs, da kann man ja vielleicht in Deutschland mehr
machen als in anderen Ländern. So viele Fragen, entschuldige, ich lasse dich
einfach reden.
Andreas de MARQUIS
Latex in der Öffentlichkeit. Also ganz grundsätzlich mein Standpunkt ist,
wir können nicht
von einem Outfit oder von gewissen
Gesten, von allen Gesten schließen, ob irgendwas
sexuell erregend ist oder nicht. Also jemand, der einen Baumwollfetisch hat oder
jemand, der einen Lederfetisch hat und einen langen Ledermantel trägt, das kann
für den super erregend sein und der ist quasi fast
am Ziel sozusagen, trägt aber halt einen
Ledermantel, vielleicht noch eine Lederhose und das fühlt sich extrem erregend
für ihn an.
Und Leute in unserem Alter würden sagen, der hat wohl gerade mal wieder Matrix
gesehen.
Thema erledigt.
Sebastian
hatte gerade tatsächlich exakt dieses Bild im Kopf, eindeutig Matrix, ja.
Andreas de MARQUIS
Das
was ist jetzt sexuell, was ist nicht sexuell? Bei Latex ist es tatsächlich so,
dadurch, dass es eben sehr eng sitzt, man sagt ja ganz klassisch immer die
zweite Haut, betont es den Körper. Und gerade wenn man einen Catsuit
trägt, ist es natürlich eben auch so dieses, okay, du bist quasi nackt
mit dieser Hülle, die eben mehr zeigt von deinem Körper,
von deiner Körperform, als es eigentlich verbirgt. Also das ist tatsächlich eben
so diese einzige Komponente, die ich gelten lasse, das ist eben viel betont,
aber wenn wir jetzt in Schwimmbädern uns die aktuelle Bademode angucken,
ja, dann sage ich, okay, der String oder
der Mikro-Bikini oder was auch immer sieht auch heiß aus, lass die Leute doch.
Ja, mich stört das nicht. Ich genieße oder genieße nicht. Und das Schöne ist ja,
wenn mir etwas nicht gefällt, visuell, dann kann ich
wegschauen. Und das finde ich immer ganz wichtig. Also sprich, es liegt ja
auch an mir selber als Person, ob ich mich von etwas triggern
lasse oder nicht. Und wenn ich persönlich sage, hey, guck mal, Hammer
Outfit, cool, lass es mich genießen, ich gucke da jetzt hin, ich gucke mir das
an und ich freue mich für die zwei Paradiesvögel oder für den einen
Paradiesvogel, Vögelin, was auch immer, wir sind ja hier inklusiv, dann ist das
eine feine Sache und dann stört mich das nicht. Und wenn ich aber sage, oh mein
Gott, die zwei Perversen, naja, dann mache ich mal kurz die Augen zu, wende
meinen Blick ab, gucke woanders hin, sage, ach, guck mal, ein schöner Baum und
dann ist alles gut.
Sebastian
Ja gut, aber jetzt bist du ja der Perverse, das ist, müssen wir mal gucken, ich
nehme jetzt den Begriff mal im besten Sinne des Wortes.
Andreas de MARQUIS
Ja,
Sebastian
Also, eigentlich meine ich das so verstanden zu haben, man kann der Gesellschaft
schon zumuten, dass sie es ertragen müssen, wenn jemand im Catsuit durch die
Fußgängerzone geht.
Andreas de MARQUIS
das sehe ich schon so.
Sebastian
Okay, jetzt ist die Frage, wenn du das tust und ich glaube, du hast das schon
getan, wie ist denn das Gefühl? Fühlt man sich dann beobachtet und verurteilt
oder kannst du inzwischen sagen, nö, das ist dann einfach so und ich genieße das
oder genießt du gerade, wenn dann die kritischen Blicke kommen?
Andreas de MARQUIS
Ich würde es in drei Kategorien aufteilen. Es gibt drei Arten von
Reaktionen, die es geben kann. Die, die das Ganze neutral
geschehen lassen, wo ich eben sage, das ist eigentlich das Maß
an Toleranz-Akzeptanz, was ich in einer aufgeklärten Gesellschaft
erwarten darf. Schlicht und ergreifend, weil ich in dem
Moment, wenn ich in einem Catsuit oder in einem anderen Latexoutfit durch eine
Einkaufsstraße laufe, ja keine sexuelle Handlung an mir
vornehme. Also wenn ich jetzt da mein Glied in der Hand habe und masturbiere, das
ist eine vollkommen andere Geschichte. Geschichte, das ist nicht, genau.
Sebastian
das ist ja dann auch eine Handlung das ist ja nicht Outfit kurze
Andreas de MARQUIS
Also sprich, der überwiegende Teil nimmt es zur Kenntnis und
macht weiterhin sein Ding und das ist vollkommen in Ordnung und das ist auch
eigentlich, wie es sein sollte. Es gibt dann die Leute, die tatsächlich
neugierig sind. Das finde ich super spannend. Also sprich, wenn dann Leute auf
einen zukommen und sagen, entschuldigen Sie, aber das sieht ja phänomenal aus.
Darf ich mal anfassen? Ich weiß, das klingt, das
fühlt sich aber, was
ist denn das? Latex.
Das ist ja so wie meine Putzhandschuhe. So ein bisschen geht es in die Richtung.
Ist halt nicht beschichtet mit Baumwollflock oder sonst irgendwas.
Also das sieht super aus. Auch wenn ich mit Mädels unterwegs bin, wir waren in
Las Vegas und dann ist Shiny Lady in ihrem Komplettoutfit
durch den Ikea gelaufen, einmal die große Ausstellungsrunde sozusagen und wir
hatten am Schluss eine ältere Dame, die war einfach nur fasziniert. Wir haben
uns dann bestimmt 20 Minuten mit der Dame unterhalten, die einfach nur gesagt
hat, das sieht so toll aus und das sieht so unglaublich faszinierend aus. Die
konnte sich nicht mehr einkriegen. Die war einfach völlig begeistert und völlig
happy.
Sebastian
Zwischenfrage, wo auf der Welt macht es am meisten Spaß
öffentlich sichtbar zu sein oder wo ist es am wenigsten unangenehm muss man ja
eigentlich so rum fast schon fragen
Andreas de MARQUIS
Also ich denke, je konservativer eine Gesellschaft ist, desto schwieriger wird
es.
Sebastian
sag mal ein Land
Andreas de MARQUIS
Das hört
Sebastian
wo fühlt sich's gut an
ja, okay
Andreas de MARQUIS
das große Ornat auffahren. Da wäre ich sehr vorsichtig, weil ich das Land gar
nicht, weil ich sage, das ist furchtbar und da kann man sowas nicht. Ich weiß es
schlicht und ergreifend nicht. Ich war da noch nie. Ich wäre aufgrund des
der Religiosität
vorsichtig, weil ich einfach nicht weiß, wie die das dann entsprechend
konnotieren. Das heißt, von meiner Seite aus denke ich darüber natürlich auch
nach und sage nicht einfach, okay, ich mache das jetzt einfach.
Wir waren in Las Vegas,
In Las Vegas, wenn man am Strip unterwegs ist, hat sich auch viel geändert. Es
ist mittlerweile eher Family Fun Park und nicht mehr die Sin City, wie es früher
mal war. Aber trotzdem sind da die leicht bekleideten Damen abends auf dem Strip
noch unterwegs. Das heißt, wir haben da die Burlesque-Shows, wir haben da Dita
Von Teese und, und, und, und. Das heißt, da sind die Leute einfach ein bisschen
mehr gewohnt. wissen auch, okay, hier sind ganz viele Junggesellenabschiede,
hier schlägt man über die Stränge. Das heißt, wenn ich in Las Vegas in einem
Catsuit unterwegs bin und dann eben mal in einen Ikea stürme, also da war kein
Mitarbeiter, der jetzt irgendwie gesagt hat, das könnt ihr hier nicht tun. Die
haben geguckt, die haben gelächelt, die haben die Dame angeschaut und
haben anerkennend genickt aufgrund dessen, was sie da gesehen haben.
Und das war schön und das war gut. Und wie gesagt, auch die Dame dann am
Ausgang, die dann noch mit uns gequatscht hat, die war völlig fasziniert und
fand es großartig und toll. Und alle anderen haben dezent in die andere Richtung
geguckt sozusagen.
Sebastian
ich hätte jetzt so, man muss immer unterscheiden, Stadt und Land und so ich hab
aus irgendeinem Grund, frag mich nicht Ich habe so die Niederlande im
Hinterkopf, dass das ein Land sein müsste, wo das besonders viel Spaß macht.
Andreas de MARQUIS
Ich
Sebastian
Kann das sein oder ist das jetzt einfach nur eine Stix'sche
Fehlleistung, jetzt darauf zu kommen?
Andreas de MARQUIS
tatsächlich nur ein einziges Mal bis jetzt in den Niederlanden. Es gibt sehr
viele Fetischmodels aus der Ecke, es gibt sehr viele großartige Fetischbrands
aus der Ecke, auch eine von denen, DeMask, eine der ganz großen weltweit in dem
Bereich, die das ganze Thema damals groß mit nach vorne gebracht haben. Der
Demask-Katalog aus der guten, aus der alten Zeit
ist immer noch ein phänomenales Kunstwerk. Also
das war deren Produktkatalog und das hat um Längen das geschlagen, was viele als
Erotikmagazine im Fetischbereich damals angeboten haben. Also das kann man sich
kaum vorstellen heutzutage, aber dieser Katalog, den haben die für 30, 40 Mark
damals oder sowas verkauft und das war eine Bibel und die war unfassbar
brachial, was fetisch anging und was die Designideen damals
anging. Also das Ding war wirklich legendär oder ist immer noch legendär. Also
von der Seite her würde ich sagen, sind die Holländer, glaube ich, sehr, sehr
entspannt, was das angeht. Kann ich aber jetzt aus eigener Erfahrung nicht
sagen. Aber ich weiß, in Berlin, die sind entspannt, Leipziger
entspannt, Frankfurter sind entspannt. Ich hatte noch keine schlechte
Erfahrung damit. Aber wie gesagt, so ein bisschen nachdenken sollte man eben
auch.
Sebastian
Das ist so dieser Punkt, auf den ich so ein bisschen raus wollte. Man überlegt,
kann ich das hier machen? Geht das hier? Verträgt das meine Umgebung? Aber dass
jemand wirklich schlechte oder schlimme Erfahrungen gemacht hat, also wirklich
aus erster Hand gehört, habe ich davon noch nicht.
Andreas de MARQUIS
ich jetzt irgendwo hingehe und sage, okay, ich suche mir jetzt die
konservativste Ecke aus, vielleicht dann auch noch mit
Konfliktpotenzial, weil, sagen wir mal, eine sehr,
man sagt ja immer so schön, abgehängte Region oder sonst irgendwas, wo
vielleicht Kriminalitätraten höher sind oder sonst irgendwas. Und ich will da
jetzt rein, um zu provozieren.
Sebastian
ja, natürlich.
Andreas de MARQUIS
Ja, natürlich.
Als Extrembeispiel.
Sebastian
Ja, es
Andreas de MARQUIS
Und ich denke, dieser gegenseitige Respekt und die gegenseitige
Toleranz. Und dann sind wir eben wieder bei dem, dass ich nachdenke, wo mache
ich das? Und wo ich dann eben darauf hoffe, und bis jetzt hat das immer sehr,
sehr gut funktioniert, dass dann die Bevölkerung eben entsprechend dann auch
drauf war, nach dem Motto, jeder Jeck ist anders. Köln, ja auch so ein ganz
friedliches, schönes Pflaster eigentlich, wo man dann eben auch wirklich sieht,
das funktioniert, das ist alles easy und alles gut.
Sebastian
gibt jetzt eine Plattform, wo Latex auf
jeden Fall unbedingt großartig in Szene gesetzt werden muss. Da gäbe es so ein
Magazin. Wir müssen darüber mal sprechen.
Aber wir machen erstmal eine kleine Pause. Pause.
Das Magazin
Liebes Publikum, es ist passiert, was immer passiert. Da macht man ein halbes
Stündchen Pause und ich habe hier gerade eine Geschichte gehört. Also da werden
mir sogar die Augen von feucht. Die werden wir jetzt hier nicht wiederholen,
aber Wahnsinn.
Ich bin fast mitgenommen. Jetzt müssen wir hier weitermachen. Also, dieses
Magazin. So, jetzt müssen wir erstmal überhaupt erklären, was das ist. Was ist
denn das Marquis-Magazin? Ich habe hier zufällig ein paar liegen.
Andreas de MARQUIS
auch.
Sebastian
Das glänzt so schön. Es ist fast, als wäre das Cover aus Latex.
Andreas de MARQUIS
Das ist es leider nicht, aber wir haben das tatsächlich mal probiert mit einem
Bildband, haben dann den Umschlag aus Latex gemacht, war ein
sehr schönes Projekt, Aber würde ich nicht nochmal machen. Das
Marquis
Sebastian
Aber trotzdem, die Optik ist, wenn es schon im Laden steht, es glänzt so schön.
Das ist bestimmt Absicht.
Okay, also ich habe mal hier Ausgabe Nummer 82, wenn man hier mal so grob
durchblättert, so wie man es im Laden machen würde. Also ich sehe vor allem
viele, viele, viele, viele Bilder. Ich sehe viel Latex. Ich
sehe auch nackte Haut, aber ich sehe jetzt keine expliziten Szenen, sage ich
mal. Das ist alles sehr geschmackvoll und eine sehr
bunte Mischung. Vielleicht kannst du einmal für die Menschen, die es nicht
kennen und die jetzt auch keine Zeit haben, in die Shownotes zu gucken, einmal
kurz beschreiben, wenn ich so ein Magazin in Händen halte, was halte ich da in
den Händen und was kann ich davon mal ganz grob erwarten? Dass wir einmal
wissen, was ist der Ist-Stand heute? Also
Andreas de MARQUIS
hatte als Untertitel früher das Fetisch Fantasy Magazin und wir haben
das dann irgendwann mal geändert oder ich habe das irgendwann mal geändert in
ein Fetisch Fashion und Kinky Lifestyle Magazin. Und
das gefällt mir tatsächlich ein bisschen besser, weil ich tatsächlich der
Meinung bin, dass wir weniger fantasieren sollten, mehr leben sollten, mehr
machen sollten. Mein Versuch ist eben tatsächlich den Fashion-Charakter von
Latex zu zeigen. Das heißt, wir stellen Designer vor, ganz großartige Menschen,
Künstler, die eben ganz tolle Sachen mit Latex, aber auch mit Leder oder sonst
irgendwas für Materialien machen. Sachen, die aber durchaus eben einen gewissen
Fetisch oder Erotikcharakter haben und dann stellen wir natürlich die Leute vor,
die die Sachen dann anziehen und sich damit vor die Kamera werfen und natürlich
auch die Leute, die diese Kamera dann halten. Und das ist so ein bisschen die
Mischung und auf der anderen Seite haben wir dann immer wieder Schwerpunktthemen
oder versuchen dann immer wieder Akzente zu setzen mit Interviews, mit, ich sag
jetzt mal ganz vorsichtig, Stars und Sternchen oder eben auch mit, dass wir
zum Thema Erotik in Film und Fernsehen, Erotik in den sozialen Medien, dass wir
dann uns da Experten holen und mit denen dann über diese Themen sprechen. Genau.
Und dann haben wir jetzt seit einigen Ausgaben das, wir nennen es das mutige
Interview, wo wir dann tatsächlich unseren Modellen sehr intime Fragen stellen.
Das wird von den Lesern tatsächlich auch sehr gerne gelesen, weil man da
tatsächlich auch sehr viel über die Leute erfährt, was man eben vielleicht
so nicht erfahren würde. Danke.
Sebastian
wenn ich das Magazin in der Hand habe, das ist jetzt nicht so ein Klatschblatt,
sondern es ist eine ordentliche Bindung, es ist ein ordentlich stabiles Magazin
mit schönem Papier, es glänzt, die Bilder kriegen den
richtigen Raum, den sie brauchen. Das ist halt was anderes als auf dem Handy,
wenn man Instagram zum Beispiel hat, sondern hier kann ich auch mal was
betrachten und dazu eben dieser journalistische Beitrag. Wobei ich jetzt immer
überlegen bin, was ist denn mehr? Also klar, Bilderstrecken sind viele drin,
aber so vom Schwerpunkt her bei den Themen, worauf
legst du persönlich am meisten Wert, dass es hier drin ist und auch
funktioniert?
Andreas de MARQUIS
Für mich ist eigentlich diese Mischung das Wichtige. Also nur Bilder, dann ist es
tatsächlich nicht viel mehr als eine mehr oder weniger lose Sammlung
von eben genau dem Bilder. Dann ist man auch relativ schnell durch mit dem
Magazin und nur Text oder sehr viel Text wäre dann schon
wieder sehr stark an einem, sag ich jetzt mal, Wochenmagazin oder an einer
Tageszeitung vielleicht sogar dran, wo man dann auch wieder Leute vielleicht
ein bisschen abschreckt, weil man sagt, ja, das will ich jetzt nicht lesen, da
höre ich mir vielleicht lieber einen guten Podcast zu an. Das heißt, für mich
ist es wirklich diese Mischung. Also ich möchte natürlich und deswegen, ich
finde auch dieses Thema Herrenmagazin jetzt nicht anrüchig oder schlimm.
Die Kategorie heißt im Zeitschriftenhandel tatsächlich noch Herrenmagazin. Also
Playboy, Penthouse, das MARQUIS.
Magazin für junge Frauen und alte Männer
Sebastian
Oh, ganz kurze Zwischenfrage. Wer kauft das Magazin? Wer kauft den MARQUIS?
Wer kauft das MARQUIS? Also gibt es da demografische Daten zu? Gerade bei der
Geschlechterverteilung? Ach,
Andreas de MARQUIS
Geschlechterverteilung ist hochspannend und ich finde
es super aufregend, weil mir alle gesagt haben, na gut,
du machst da was für die Männer ab 50, vielleicht ab
40, so Ausreißer nach unten soll es ja geben.
Und dadurch, dass wir die Sachen ja auch im eigenen Onlineshop verkaufen, da
sehen wir das ja relativ gut, fragen dann auch immer mal wieder die Geburtsdaten
ab und solche Geschichten. Und wir haben tatsächlich aus der
30-jährigen Geschichte des Magazins einen
guten Überbau an, sagen wir mal, Herren in den besten
Jahren. Das, was nachrutscht, ist aber tatsächlich zu fast
55 Prozent jung und weiblich. Richtig. Und das kickt, also zumindest jetzt im
Online-Verkauf, was wir jetzt quasi bei uns auf der Webseite sehen. Und das
kickt mich total, weil eigentlich diese junge Generation, die ist für die ich
das Heft auch mitmache, die ich versuche immer mitzudenken. Ich bin selber eben
jetzt quasi alter Mann, das heißt ich brauche dann eben so Leute wie Mary, unsere
Kolumnistin, die die Sachen dann eben auch, sagen wir mal, für eine jüngere
Zielgruppe aufgreift, die eben, sagen wir mal, ein bisschen anders mit Sachen
umgehen. Aber gerade das finde ich halt spannend und das hält mich dann auch
wieder jung, weil ich dann einfach auch neue Inputs bekomme, neue Sichtweisen
auf Dinge und dann eben auch reinschnuppern darf, wie junge Menschen eben zum
Thema Fetisch, zum Thema Kink, zum Thema BDSM etc. stehen. Das ist tatsächlich
sehr diametral. Also wir haben nicht so viele Frauen in den besten Jahren. Da
haben wir eben einen sehr großen Anteil an jungen Frauen. Und wir haben eben
aber nicht diesen Überbau an jungen Männern, die das Heft kaufen. Also wir
haben,
Sebastian
die sind es dann weniger.
Andreas de MARQUIS
genau, also das ist wirklich fast wie so junge Frauen und alte Männer, so,
das sind die zwei Haupt,
Sebastian
Okay, also ganz ernsthaft, ein Magazin zu vertreiben, was diese beiden
Zielgruppen vereint, also wenn es das Magazin nicht gäbe und dann würde man
sagen, wir machen jetzt ein Magazin für junge Frauen und Männer im besten Alter,
dann würde ja jeder Marketing-Experte sagen, ja klar, das
kriegst du nicht hin. Okay, also beeindruckt und
überrascht mich tatsächlich, weil pass auf, ganz ehrlich, wenn ich da reingucke,
ich hab jetzt eben, deshalb war ich eben auch so begriffsstutzig, ich hab
versucht beim Durchblättern zu beschreiben, was ich sehe, hab festgestellt,
nein, diese Bilder kannst du nicht beim Durchblättern in einem Satz beschreiben.
Das geht nicht. Du kannst zwar sagen, hier, okay, zwei Stewardessen und der
Pilot ist übrigens hier gerade vor mir.
Andreas de MARQUIS
ist nicht der, von dem ich gesprochen habe, aber, nein,
Sebastian
Aber der Pilot trägt keinen Latex. Ich fand es gerade sehr schade. Aber ich
sehe, wenn ich hier durchblätter, ich sehe keine Bilder von Männern. Wo
sind die denn?
Andreas de MARQUIS
das ist auch sehr schade. Wir haben jetzt in der aktuellen Ausgabe, in der 86,
haben wir ein ganz tolles Set von, ich
glaube Helge Unterweg war das, eben mit unserer Mary, unserer Kolumnistin und
Sebastian
Oh, hast du das mit?
Andreas de MARQUIS
Darken the Unseen heißt das männliche Model. Und das ist ein tolles,
Sebastian
Oh, jetzt machst du die Folie extra hier auf.
Andreas de MARQUIS
ja, und
Sebastian
Das kannst du mal direkt hier vor dem Mikrofon machen. Dann kann man das ein
bisschen hören. Dann haben wir ein bisschen... Ah, das knistert so schön.
man sogar in Stereo das auspacken soll. Guck mal, so klingt das, wenn man so ein
Magazin auspackt. Das kennt man gar nicht mehr vom Scrollen.
Okay, so.
Andreas de MARQUIS
da haben wir eben, wie gesagt, diese Strecke drin. Das heißt, wir haben
nichts gegen Männer, im Gegenteil, ich suche auch immer wieder Männer.
Das Problem ist nur, dass ganz viele eben nicht ihr Gesicht zeigen möchten.
Bei ihm ist es jetzt so, wir haben dann schwerpunktmäßig die Fotos von ihm
genommen, wo er maskiert ist.
Sebastian
Natürlich.
Andreas de MARQUIS
Aber es gibt
Sebastian
Also das Problem ist nicht, ihr wollt die nicht drin haben, sondern das Problem
ist, es gibt sie nicht.
Andreas de MARQUIS
tatsächlich sehr wenige Männer, die sagen, kein Problem,
ich zeige mich in einem öffentlichen Medium mit meinem
Fetisch.
wir haben jetzt in der kommenden Ausgabe, da wird es einen relativ großen
Beitrag geben mit Männern. Da freue ich mich schon sehr drauf, weil die Leute,
die mich schon länger kennen, die wissen, dass ich seit vielen, vielen Jahren
davon spreche, dass wir mal ein Männerspecial eben machen wollen.
Mangels Masse hat das tatsächlich bis jetzt eben nicht stattgefunden. Und jetzt
haben wir eben tatsächlich in der 86 eine schöne Strecke mit einem Mann und
einer Frau und jetzt dann in der 87 höchstwahrscheinlich kommt dann eine weitere
Als Mann sichtbar sein
Strecke, die wir jetzt geshootet haben.
Sebastian
Ich sag mal so selber als Unternehmer sage ich, Naja gut, im Zweifel, wenn da
keiner ist, dann muss halt der Chef persönlich ran.
Also gibt es von dir, auch in dem ganzen Magazin, gibt es von dir auch eine
Fotostrecke, also auf der du zu sehen bist?
Andreas de MARQUIS
Ja, also es gibt, in jedem Heft bin ich tatsächlich mit meiner Kolumne und mit
meinem Gesicht drin, eben vorne im Vorwortbereich. Das sind dann aber eben
in der Regel entweder, genau,
Sebastian
Das Editorial ist das dann meistens, ne?
Andreas de MARQUIS
also das sind dann meistens die Behind-the-Scenes-Geschichten oder wenn ich
irgendwo auf einer Messe unterwegs bin, dass ich dann mit den Leuten mich halt
ablichten lasse.
Sebastian
aber vom Grundsatz her, du hast das gleiche Problem wie ich bei diesem Podcast.
Ich würde auch gerne mehr submissive Männer hier zeigen.
Andreas de MARQUIS
Ich
Sebastian
Allerdings kommen die immer nur mit ihrer dominanten Partnerin. Und alleine, das
ist eine andere Art von Gesprächsbasis, die man hier hat. Also ich lade nach wie
vor Menschen ein, gerade submissive Männer. Los, seid sichtbar, zeigt, dass ihr
da seid, zeigt, was los ist in euch und mit euch. Das
gehört auch einfach dazu. Und ich glaube, bei dir, die gleiche Einladung kannst
du auch aussprechen.
Andreas de MARQUIS
generell Männer zeigt euch,
ich meine, wir gehen alle davon aus, dass wenn die Frauen sich zeigen,
dass die Frauen bitte das Gesicht zeigen.
Sebastian
Muss nicht submissiv sein, aber Männer an sich,
Andreas de MARQUIS
Wir wollen hübsche Gesichter sehen, wir wollen hübsche Frauen in
Latex sehen und wenn es dann darum geht, sich selber zu präsentieren,
dann sagt man ganz oft, ja, aber ich habe Probleme, weil Job oder die
Nachbarn und so weiter und so fort. Und man verdrängt ja vielleicht dann auch,
dass genau die gleichen Probleme, vermeintlichen
Probleme, die Frauen ja auch haben. Also es gibt kaum
Latex- oder Fetischmodels, die nicht noch irgendwas nebenbei machen. Es gibt
natürlich den großen Anteil der Dominas, die dann durchaus aus diesem ganzen
Thema Fetisch und so weiter und so fort eine Karriere machen, die dann auch
finanziell gut trägt und da kann man mit Sicherheit auch gutes Geld
mitverdienen, das will ich gar nicht bestreiten. Aber es gibt eben ganz viele,
die einfach irgendeinen Job haben, die eben das machen, weil sie es toll finden,
weil es ihnen Spaß macht, weil sie das Ganze lieben. Und die zeigen ihr Gesicht
und die gehen dann aber am nächsten Tag in die Bank jobben oder wieder in die
Anwaltskanzlei und machen ihre Fälle. Das wollen wir so, das akzeptieren wir so,
dass die dann gegebenenfalls vermeintlich eben einem Risiko ausgesetzt sind
und ich bin jetzt mal ganz provokativ und da lasse ich mich gerne auch auf
Diskussion ein und ganz viele Männer ducken sich dann einfach weg und sagen.
Sebastian
ich der Erste.
Andreas de MARQUIS
Dann wäre Erste.
Sebastian
Der Kelch möge bitte an mir vorüber gehen, ja.
Andreas de MARQUIS
Dann kann ich nur bitte an mir vorüber gehen.
man muss respektiert werden von der Szene und das funktioniert einfach nur, wenn
man eben sichtbar ist irgendwie. Und nicht nur mit hier, guck mal, ich halte
hier das MARQUIS hoch, das bin jetzt ich, der das macht, aber du wirst mich nie
irgendwie auf einem Foto sehen, sondern ich musste dann tatsächlich mit meinem
Gesicht da irgendwie rein. So.
Und
wir wohnen auch in einem kleinen Dorf, wenige hundert Einwohner in unserem
Ortsteil sozusagen. Es hat sich nichts geändert. Ja. Es gibt zwei, drei,
die tatsächlich tatsächlich, sagen wir mal, dann so ein bisschen so auf Social
Media so in dem Rabbit Hole dann verschwinden und dann irgendwann mal sagen,
hier guck mal, bist du nicht der, machst du nicht das und das und das. Die
finden es aber eher cool. Und ich weiß, dass da zumindest die ein
oder andere dabei ist, die mit ihren besten Freundinnen oder mit den Freunden da
gerne über gewisse Sachen immer wieder tratscht und redet. Das heißt, ich gehe
davon aus, dass ein guter Teil im Dorf inzwischen weiß, was ich mache. Ich
Ich meine, meine Kinder werden normal behandelt, das ist mir das Wichtigste und man
behandelt mich auch normal und insofern bin ich da relativ entspannt.
Wie Andreas zum Marquis kam
Sebastian
Das ist ja auch ein Schritt, der mir noch ein bisschen bevorsteht. Ich werde
noch circa anderthalb Jahre warten, bis ich da die letzten Fesseln von mir
streifen kann.
So lange wird es noch dauern.
Gehen wir nochmal hin zu diesem, du übernimmst dieses Magazin.
Wie ist es denn überhaupt dazu gekommen zu sagen, okay, ich mach das jetzt. Ich
vermute jetzt mal, das gleiche was das Publikum vermutet, wenn sie es nicht
wissen, okay, der alte Inhaber wollte es nicht mehr machen und hat jemand
gesucht, der es macht. Irgendwie so. Also erstmal, du kanntest das vorher schon?
Hattest du schon was damit zu tun? Ich meine, du machst ja nun mal Fotos.
Hattest du schon mal auch was inhaltlich geliefert? Oder was ist deine
Beziehung, bevor du der Kopf hiervon wurdest, was war deine Beziehung zu
Marquis? Ich
Andreas de MARQUIS
Also ich hatte ja eben früher den New Books Verlag und wir haben eben auch diese
Erotik-Romane und Erotik-Geschichten gemacht und die hatten wir im Marquis
und in Schlagzeilen rezensiert damals, so 2005, 6, 7 hat das angefangen. Das
heißt, daher kannten wir die Magazine und
haben das Ganze dann tatsächlich aber auch irgendwann ein bisschen aus den Augen
verloren und ich habe es selber dann noch gekauft, auch dann das Heavy Rubber,
das ist das Schwestermagazin von Marquis. meinem Verlag ging es dann einer
gewissen Zeit lang nicht gut, ich war dann kurz davor oder ich habe mich
eigentlich dazu entschieden, den Verlag dicht zu machen und mein Heil in einem,
sagen wir mal, ganz klassischen Brotjob zu suchen
Sebastian
muss ganz kurz fragen, du hast gesagt, du hast es gekauft, also als Kunde, als
Konsument.
Andreas de MARQUIS
genau also das Heft
Sebastian
Okay, also das war auf jeden Fall schon mal bekannt, du kanntest das Produkt und
hast es auch selber gut gefunden.
Andreas de MARQUIS
genau, das auf jeden Fall und wie gesagt der Verlag war dann eigentlich
äh
Sebastian
Okay.
Andreas de MARQUIS
In Abwicklung. Das Schöne bei einem Verlag ist eben, wenn man einen Back-Katalog
hat, also Titel, die man vor Jahren verlegt hat, dass die sich in der Regel
immer noch ganz gut verkaufen. Das war auch eigentlich so unser Exit-Plan von
meinem damaligen Geschäftspartner und mir, dass wir eben sagen, okay, wenn du
das 30 Jahre machst und jedes Jahr so und so viele Bücher verlegst und davon
dann eben so und so viele A-Titel machst, die dann einfach 10, 20, 30 Jahre nach
Veröffentlichung einfach immer noch gut verkaufen und gut laufen, dann müsste
das für eine gute Rente reichen, wenn man irgendwann mal aufhört. Und
aus den Geldern konnte man eben eine ganze Zeit lang noch
seinen Lebensunterhalt bestreiten, aber es wurde natürlich weniger, weil wir
eben auch früher aufgehört haben. Lange Rede, kurzer Sinn, Verlag war in
Abwicklung und dann bin ich irgendwie, ich weiß tatsächlich nicht mehr wie, ich
versuche es zu eruieren, ich komme nicht mehr drauf, bin ich auf die
Marquis-Ausgabe gestoßen, 25 Jahre Jubiläum. Jetzt mit vier Covern,
dadadad. Und ich habe mir gedacht, oh, 25 Jahre schon wieder, na dann muss ich
mir auf jeden Fall mal wieder eins kaufen. Ich habe mir dann eine Version
gekauft, habe sie mir angeguckt, habe gedacht, ach ja, das war eigentlich ganz
schön und habe dann im Bett lesend das Editorial gelesen,
wo eben drinsteht von Peter Czernich, das ist die letzte Ausgabe.
Und wenn jemand möchte, dann kann er sich gerne melden, aber das
war's. Ich mache es nicht mehr.
Sebastian
Weißt du die Gründe?
Andreas de MARQUIS
Ja, Altersgründe, Rente, so,
Sebastian
hat einfach dann auch gereicht, ja. Ist ja an sich toll noch, das 25-jährige
Jubiläum und dann zu sagen, jetzt machen wir auf dem Höhepunkt, sage ich mal,
machen wir jetzt einen Punkt drunter. Ist an sich eine gute Idee.
Andreas de MARQUIS
Ja, es war ein bisschen wild, weil das Marquis war dann schon mal an einen
Amerikaner verkauft gewesen.
Sebastian
Ah, das war also vorher schon. Okay, das habe ich nämlich bei Wikipedia, es gibt
bei Wikipedia einen Artikel zum Marquis Magazin.
Andreas de MARQUIS
Ja, genau.
Sebastian
Ich habe, ach ich lasse es dich natürlich erzählen, aber es wurde schon mal
verkauft und dann aber auch nur in Teilen und dann wieder zurückgekauft.
Andreas de MARQUIS
war eine relativ wüste Geschichte und da wäre vielleicht dann auch Peter der
bessere Podcast-Kandidat, um das zu erzählen.
Sebastian
Da
Andreas de MARQUIS
Deswegen nur ganz kurz. Peter hat es schon mal verkauft an einen Amerikaner, der
eben gesagt hat, ja, das ist ja quasi wie Playboy mit Latex. Ich finde das super
cool.
Sebastian
kommt das Herrenmagazin her.
Andreas de MARQUIS
Kann gut sein, ja.
Sebastian
Haben wir gar nicht erwähnt, das Marquis gibt es auf Deutsch und Englisch.
Andreas de MARQUIS
Richtig, genau. Und dieser Amerikaner wollte das dann richtig
groß und hat sich selber, glaube ich, ohne ihm jetzt zu nahe treten zu wollen,
so ein bisschen als Hugh Hefner in the making gesehen und gedacht, da habe ich
jetzt dann immer die in Latex gekleideten Bunnies bei mir rumhopsen und so und
mache auf großer Zampano. Was letztendlich den Ausschlag gegeben hat, das
weiß ich nicht, aber er hat auf jeden Fall nach zwei Ausgaben das Interesse
verloren. Die 65, die ist noch, wir haben ein paar Restbestände noch, die gibt
es noch. Die 66, das ist tatsächlich so der heilige Gral des Marquis, weil diese
Auflage nie in Europa erschienen ist.
Sebastian
Hast du davon eine Ausgabe?
Andreas de MARQUIS
Nein.
Sebastian
Das ist...
Andreas de MARQUIS
Ich hatte eine und ich habe sie auf eBay für 130 Euro verkauft und
ärgere mich jetzt, weil das hätte natürlich meine Sammlung, die
nahezu komplett ist, also mir fehlen zwei Ausgaben und da ist eben die 66 eine
davon, das ärgert mich tatsächlich. Ich hatte aber zu der Zeit, als ich die 66
verkauft hatte, das eben nicht umrissen, wie rar die waren. Aber ja,
Sebastian
Ja, okay. Ja, sowas macht man. Ich habe auch irgendwann mal alle Schlagzeilen,
die ich ab 2000 oder so hatte ich da mal ein Abo. Ganz ernsthaft. Ich habe sie
irgendwann alle aus Frust, weil gerade Szenen und King passen. Ich habe sie alle
verkauft und jetzt ärgere ich mich, weil irgendwer sagt, so ein kleines Männchen
auf meiner Schulter, du hättest gern alle. Es sind nicht so viele, es ist nicht
unmöglich, aber vergiss es.
Ja, gut, okay. Also selbst dir fehlt eine Ausgabe.
Andreas de MARQUIS
mir fehlt eine Ausgabe.
Sebastian
Na gut. Okay.
Andreas de MARQUIS
Und also lange Rede, kurzer Sinn, das ging so ein bisschen hinterher.
Sebastian
Ja,
Andreas de MARQUIS
Vor dem Marquis gab es ja schon das O-Magazin, das hat Peter schon einige Jahre
gemacht.
Sebastian
das war der Vorgänger, ne?
Andreas de MARQUIS
Genau. Und vor dem O-Magazin hat Peter ja die deutsche Ausgabe vom Skin2-Magazin
noch mitgemacht. Skin2 war quasi so das allererste Fetisch-Magazin überhaupt,
was man so in der Richtung bezeichnen kann. Es gab noch glaube ich dieses
AtomAge, ich weiß nicht wie man das genau ausspricht, aber Skin2 hatte eben vor
ein paar Jahren ein 40-jähriges Jubiläum und Marquis kam dann ein paar Jahre
hinterher mit dem 30-jährigen Jubiläum. Das O gab es auch wieder Gründe, warum
das dann nicht mehr sein konnte und absolut.
Sebastian
Okay, also Peter Czernich hat also wirklich verlegt und zwar ordentlich und
viel.
Andreas de MARQUIS
Absolut. Und Peter Czernich, würde ich auch sagen, ist, so wie
Matthias Grimme, Schlagzeilen, mit diesem Thema BDSM
und SM, eine ganz wichtige Person ist, die einfach auch in diesen frühen Zeiten
ganz viel Bahn gebrochen hat und ganz viel Weg bereitet hat für viele Menschen,
die danach gekommen sind. So hat das Peter Czernich gemacht. Und Peter
Czernich hat damals sich eben von dem Skin2 und sowas abgewendet, das ist
soweit ich das rekonstruieren kann aus den Erzählungen, weil er gesagt hat, ich
will Ästhetik und Schönheit. Also ich möchte quasi moderne,
state of the art Modefotografie im Fetisch. Und
er ist ein großartiger, ich glaube gelernter Grafikdesigner. Also
wenn er seine Skizzen für seine Outfits oder sowas macht, da bleibt einem die
Spucke weg. Das ist wirklich unglaublich. Auch jetzt noch macht gerade seine,
also er hat jetzt Entwürfe gemacht für eine letzte wirklich ganz große Show, die
im November auf der Avantgardista stattfinden wird. Also ich habe die Entwürfe
gesehen, ich habe die ersten Outfits gesehen. Da läuft jedem, der nur ein
bisschen was mit Fetisch zu tun hat, das Wasser im Munde zusammen. Wir haben
eine Nonne, einen Zorro, wir haben eine Geisha und das alles in Latex mit den
besten Designern der Welt. Also da fällt einem...
Sebastian
Ich muss dich bitten, das so ein bisschen, also ich hab dich am liebsten den
ganzen Tag hier ein bisschen komprimiert.
Andreas de MARQUIS
Stimmt.
Sebastian
Also, ich bin jetzt noch auf dem Stand, okay, der Verlag läuft aus, das Magazin
ist in die USA verkauft, Ausgabe 66 ist erschienen, aber nicht in Europa.
Wo kommst du ins Spiel?
Andreas de MARQUIS
Genau. Und ich kam dann eben, die 25-Jahr-Ausgabe war die 67,
die Peter gemacht hat. Ich saß da und dachte mir, es wäre eigentlich schade,
wenn das Marquis weg wäre. Und ich habe dann gesagt, okay, ich schreibe ihm
jetzt einfach mal eine E-Mail, mal gucken, was passiert. Wenn nichts passiert,
passiert nichts und alles gut. Wenn es schon verkauft ist, auch gut, dann kann
ich es einfach vielleicht bald wieder abonnieren und mir einfach wieder zu
Gemüte führen. Und mehr oder weiter habe ich tatsächlich nicht gedacht und dann
kam ein paar Tage später die Antwort und lass uns treffen, lass uns sprechen und
er meinte dann, was er an mir spannend fand,
dass ich Verlagserfahrung habe, weil er eben gesagt hat, es hatte Interessenten
gegeben, die aber nur online gemacht haben.
Das Erbe übernehmen
Sebastian
Aber es war da schon verkauft eigentlich.
Andreas de MARQUIS
Er hat es dann zurückbekommen. Also er
hatte
Sebastian
Ah, okay, also es gab trotzdem eine Möglichkeit zu verhandeln, okay. Okay,
Andreas de MARQUIS
das MARQUIS wohl zurückbekommen, ich weiß nicht wie genau, aber vielleicht war
dann so eine Klausel, wenn du die Marke nicht nutzt, dann fällt sie zurück oder
sowas in der Richtung.
Sebastian
das musst du auch alles gar nicht wissen, okay, aber es ist schon ein bisschen
undurchsichtig, okay, aber ihr habt miteinander gesprochen und du hast ihn quasi
dafür gewinnen können, dass du ein, ja, was ist das, ein würdiger Nachfolger
bist?
Andreas de MARQUIS
Genau.
Sebastian
Ich versuche das gerade einzuschätzen, weil, also ja, das Ding ist da, aber
dann, weißt du, das ist ja an die Person Peter Czernich so gebunden und jetzt
sollst du da eingesetzt werden und das Ding hat gerade, quasi ist gerade, ich
sage nicht vor die Wand gefahren, aber da ist auf jeden Fall irgendwas nicht gut
gelaufen.
da sind ja so viele Erwartungen Implikationen etc. etc. also ganz ehrlich, ich
würde schreiend davonlaufen und sagen nee tut mir leid, sorry für die Mail und
für die Zeit mach mal dann ich mach da nix ich versuche noch diese Motivation
und diesen Mut zu sagen, ich übernehme dieses Schlachtschiff das versuche ich
gerade nachzuvollziehen
Andreas de MARQUIS
unendlich naiv. Also
Sebastian
hilft oh
Andreas de MARQUIS
ich habe wirklich die meisten großen Lebensentscheidungen
habe ich aus dem Bauch heraus getroffen. Es soll nicht heißen, dass ich
nicht versucht habe zu überblicken, was das alles mit sich bringt, aber ich habe
es tatsächlich halt einfach nicht geschafft. Also das heißt, ich bin eigentlich
immer der Kerl, der sagt, ich hüpfe da jetzt einfach mal rein und dann schwimme
ich halt los und nehme mir eine Herausforderung nach der anderen zur Brust und
sage, was jetzt kommt, das wird abgearbeitet. Ich hatte das absolut nicht auf
dem Schirm, was das dann alles heißt. Und sei es jetzt, wie wichtig das für
einige Leute ist, dass das weitergeführt wird.
Oder dann, sag ich mal, kommst du natürlich auch in diese Geschichten rein, dass
Leute mit Peter, sagen wir mal, nicht gut konnten. Und die das dann sofort
auf dich als neuen MARQUIS-Macher übertragen haben und sofort zu dir... Du hast
nur gesagt, hi, ich bin der Andreas de MARQUIS. Du bist ein Wichser. Ich weiß
nicht, ob man das sagen darf.
Sebastian
toll
Andreas de MARQUIS
Aber so war der Gesprächsanfang.
Sebastian
pass auf, ich bin ja kein Verleger ich hab da keine Erfahrung Du hast dich mit
ihm getroffen, ihr habt da irgendwas verhandelt, ich vermute mal, er wird dafür
Geld bekommen haben, wie das halt so ist, wenn man so eine Marke übernimmt und
dann kriegst du wahrscheinlich einen Haufen Dateien zum Arbeiten, aber dann ist
jetzt die Anforderung, wie
die Anforderung ist, ich habe jetzt also ein paar Magazine vor mir und jetzt
muss ich davon eins produzieren. Das ganze Netzwerk, wo kriege ich die Bilder
her? Wo kriege ich die Inhalte her? Dieser ganze Wahnsinn. Das dauert doch zwei
Jahre, bis da eine Ausgabe erscheint. Und überhaupt, und dann, also diese
Herausforderung. So, ich habe jetzt hier quasi einen leeren Schreibtisch. Da
muss jetzt in Zeit X ein Magazin liegen mit Inhalt.
Andreas de MARQUIS
Also
Sebastian
Diese Herausforderung ist mir noch nicht ganz klar. Wie geht man das an, dass da
auch was rauskommt? Und wie lange hat es überhaupt gedauert, bis dann was
erschienen ist?
Andreas de MARQUIS
das erste Heft hat vier Monate gedauert.
Sebastian
Oh, das geht. Das ist
Andreas de MARQUIS
Also ich meine, für mich war wichtig, dass Peter mich natürlich gerade in der
Anfangsphase unterstützt. Also sprich, dass ich eben sein Netzwerk auch nutzen
darf. Das heißt, da war er absolut
kooperativ und hat da auch viel Arbeit geleistet, hat am
Anfang auch Anzeigen mitverkauft und hat da geholfen und diese ganzen
Geschichten. Also ohne seine Hilfe in dieser Übergangsphase wäre das mit
Sicherheit nicht…
Sebastian
ein toller Übergang, wenn man das wirklich so koordiniert hinkriegen kann.
Andreas de MARQUIS
Ja, und das Beste war ja dann, also er hatte mir das dann eben auch gesagt, dass
er ja dem Thema immer noch heiß und innig verbunden ist, aber dass eben dieses
Heftmachen, also dieses unter Deadlinedruck
Inhalte zusammenzustellen, zu machen und so, dass ihm das tatsächlich eben ein
bisschen zu viel geworden ist oder ein bisschen genervt hat vielleicht auch,
dass er aber eben dadurch, dass er das jetzt vom Hals hatte, ihm dann die Lust
auf selber Shootings zu machen, selber wieder kreativ zu sein, deutlich
angestiegen ist. Das heißt, das war für mich dann natürlich auch super, weil ich
plötzlich mehr Material von dem großen Peter Czernich hatte. Also
das heißt, es war so eine Geschichte, wo ich dann, weil ich hatte natürlich
anfangs gesagt, okay, Peter setzt sich zur Ruhe.
Sebastian
natürlich.
Andreas de MARQUIS
Das heißt, ich muss halt das Heft machen und ich muss auch für die Inhalte
sorgen.
Sebastian
Das ist ein ganz wichtiger Punkt, weil ich habe im Moment, wir haben gerade
2025, falls Menschen das ja später hören, es kommt im Moment
häufiger vor, dass Urgesteine aufhören und keinen Nachfolger finden für was auch
immer. Irgendwelche Shops, irgendwelche Clubs oder Communities, alles mögliche.
Da findet gerade an vielen Fronten so ein Wechsel statt. Und oft geht der
einfach schief. Weil da wird das dann verkauft mit der Marke am besten, weil das
ist ja auch ein Stück weit Altersvorsorge. Und dann fährt es schnell vor die
Wand. oder es wird an jemanden verkauft, mit dem man sich nicht grün ist, das
funktioniert auch nicht.
Das klappt so selten, habe ich das Gefühl. Und wenn das natürlich so ist, dass
man so einen Übergang gemeinsam gestaltet und auch noch da Content reinbringt,
das kann ich mir vorstellen, das klingt dann tatsächlich mal machbar. Damit
beerbst du ihn ja nicht, sondern er gibt dir das mit seinem Segen.
Andreas de MARQUIS
Ja, ich
Sebastian
Das ist ja auch bei den KäuferInnen natürlich auch so ein Punkt, dass die
natürlich dann auch sagen, ah, da hat jemand den Namen gekauft, toll.
Andreas de MARQUIS
glaube, das war schon gerade in der Anfangsphase wichtig, dass er offiziell
seinen Segen dazu gegeben hat. Auch gegenüber den Leuten aus der Szene, mit
denen er halt auch eng verbandelt war. Also einfach, er hat da unheimlich viele
Türen geöffnet für mich und ohne das hätte es auch so nicht funktioniert. Und
dann kommt noch eine zweite Geschichte halt dazu.
Ich, und du hast es ja vorhin gesagt, ich musste ja das Heft irgendwie dann
füllen. Also ich saß ja dann da, leerer Schreibtisch und dann hieß es, okay, wie
viele Seiten machen wir? Ich habe zehn Jahre zuvor tatsächlich mal so ein
bisschen Fetischfotos gemacht. Da habe ich auch tatsächlich eines, dieses,
Sebastian
Ich versuche gerade mal die Seitenzahl rauszukriegen.
Andreas de MARQUIS
116 sind es insgesamt.
Sebastian
Ich, ah, da oben, 110, sehe ich hier. 116 Seiten. Ach, das muss man mal füllen.
Andreas de MARQUIS
Das muss
Genau, deswegen, ich schmeiß jetzt mal gerade.
Das Ding der Woche: Gwen auf der Parkbank
Sebastian
Ah, das, das Ding der Woche.
Andreas de MARQUIS
Das Woche. Genau.
Sebastian
Du weißt, dass ich das Ding der Woche zeigen will im Podcast.
Andreas de MARQUIS
Das darf ich, ja?
Sebastian
Das darf ich, ja?
Andreas de MARQUIS
Das darfst du.
Sebastian
Okay, ich habe ein Foto von dir in die Hand bekommen.
Andreas de MARQUIS
Okay.
Ich bin nicht drauf, so hübsch bin ich nicht.
Sebastian
Ein wunderschönes Bild. Ich beschreibe mal, was ich sehe. In den Shownotes,
liebes Publikum, guckt mal rein. Ich sehe einen, ich würde sagen einen Park, mit
an einem Weg steht eine Bank, die sieht auch schon, so eine Parkbank, aber eine
schöne und da sitzt eine Frau drauf in einem schwarzen Latex-Suit mit
hohen Stiefeln und vom Blick her, boah, kann ich gar nicht beschreiben, sie
schaut noch in die Kamera, aber so ein bisschen auch von unten nach oben
fotografiert. Du bist jetzt der Profi, du kannst es wahrscheinlich viel besser
beschreiben als ich, aber es ist ein sehr schönes Bild. Würde sich hier gut an
der Wand irgendwo machen.
Andreas de MARQUIS
Der Punkt ist, das war in der Phase, wo ich selber eben Fetischfotos
machen wollte und eben dann auch mir eine Kamera geholt habe und dann mit
Freunden.
Sebastian
hast du vorher nicht? Vor dem Magazin?
Andreas de MARQUIS
Doch, doch, das war eben 2010.
Sebastian
Ah,
Andreas de MARQUIS
zehn. Ah, das vorher.
Sebastian
das ist also zehn Jahre vorher. Okay.
Andreas de MARQUIS
Genau.
das hätte ich wahrscheinlich nicht gemacht, wenn ich diese
ganz bezaubernde Dame nicht kennengelernt hätte. Die ist mir auf einer Buchmesse
über den Weg gelaufen und ich fand die so
apart, süß, dass ich sie anspreche. Ich mache das ja sonst nicht. Ich bin ja
auch in festen Händen vergeben. Aber ich fand die so toll und sie war so hübsch,
dass ich mir gedacht habe, die muss ich jetzt mal ansprechen und muss sagen,
dass ich sie sehr schön finde. Und
Und sie, ich nenne sie jetzt bei ihrem Künstlernamen Gwen, sie war so
cool, dass es mir die Stimme und die Sprache verschlagen hat. Das
heißt, ich habe sie dann gefragt und auf der Messe noch, also wirklich so in dem
ganzen Buchmesse Trubel und so weiter und so fort, habe ich sie dann gefragt,
könntest du dir denn vorstellen, dass ich Fotos von dir machen kann?
Und sie meinte nur, ja, klar. klar.
Und ein paar Wochen später kam sie dann zu mir und wir haben Fotos gemacht.
Sebastian
Wann genau hast du ihr erzählt, dass es um Latex geht?
Andreas de MARQUIS
Das war auf dem...
Sebastian
Okay, das war direkt.
Andreas de MARQUIS
Das war
Sie hat gesagt,
habe ich keinen Stress mit.
Sie hatte dann, also es war
super entspannt.
Sebastian
War das dein erstes, deine erste Fetisch-Foto-Session, um das mal so zu sagen?
Andreas de MARQUIS
Das war dann das erste Mal. Also ich habe das dann noch mit zwei Freunden, die
eben als Fotografen schon, sagen wir mal, einiges auf dem Kerbholz hatten und
einiges gemacht haben, habe ich dann
zugeguckt und habe mir da da so ein bisschen auch Sachen abgeguckt und so weiter
und so fort. Aber das war dann tatsächlich für mich eben sowas, wo ich sage, da
ging so ein bisschen ein Wunschtraum in Erfüllung. Und deswegen wollte ich
das eben mitbringen.
Sebastian
Ja, also wirklich dein erstes Shooting und dann auch gleich gut geworden.
Andreas de MARQUIS
Genau.
Sebastian
Also das sieht echt, also wirklich von der Bildkomposition, ich finde das total
gut, weil das kommt so, wenn du von Weitem drauf guckst, du siehst erstmal grün,
dann erkennst du den Park und die Bank und die Frau erkennst du auch.
Andreas de MARQUIS
Und wir
Sebastian
und irgendwann, dann merkst du, oh, das glänzt aber schön, ne? Also das
kommt so ein bisschen verzögert an.
Andreas de MARQUIS
halt eben auch sehr viel Outdoor gemacht. Also damals schon.
Sebastian
Wurdet ihr bei dem Shooting irgendwann mal angesprochen oder habt ihr das in
Ruhe machen können? Weil das ist ja draußen im Park.
Andreas de MARQUIS
Ja, wir waren an einem See.
Und wir hatten viele Leute, die dann drumherum gestanden haben, geguckt haben,
aber eben auch wieder keine negativen Comments und genau.
Sebastian
Pass auf, wenn eine Kamera da ist. Du kannst Kink in der Öffentlichkeit machen,
wenn eine Kamera da ist, ist es ja Kunst. Und das geht ja wieder.
Andreas de MARQUIS
Ja, aber sie war sowieso, wie gesagt, die coolste Sau, die man sich
vorstellen kann.
Die ist dann auch, als sie dann irgendwann mal gesagt hat, sie hat Hunger, ist
sie dann zum Kiosk gelatscht und hat sich dann da eben, was weiß ich, eine Limo
oder Pommes geholt oder so. Also die hat damit absolut keinen Stress gehabt und
ich weiß noch, wir haben dann Jahre später, irgendwann mal haben wir gequatscht
so ein bisschen. Für mich war sie immer so ein bisschen so ein Mysterium, weil
sie eben immer so cool war, immer so straight und sie
Sebastian
ich glaube, das ist der, ich habe ja eben den Gesichtsausdruck nicht beschreiben
können, aber cool trifft es ziemlich gut.
Andreas de MARQUIS
war auch mir gegenüber so.
Sebastian
Ja.
Andreas de MARQUIS
Wir haben zwar immer auch viel Spaß gehabt, glaube ich, und viel uns
unterhalten, aber sie war immer sehr, sehr, sehr cool. Cool. Und Jahre
später hat sie dann eben gesagt, weißt du, als kleines Kind habe ich immer davon
geträumt, mal Model zu werden. Und aufgrund der Tatsache, dass ich relativ klein
bin und weil ich so aussehe, wie ich aussehe und so weiter und so fort, wusste
ich, das wird nie passieren.
So. Und die Tatsache, dass du mich angequatscht hast und die Tatsache, dass wir
dann diese Fotos gemacht haben, näher konnte ich diesem Traum nicht kommen.
Sebastian
Ja, das
Andreas de MARQUIS
Und das fand ich tatsächlich eben dann, da ging mir dann wieder das Herz auf,
dass ich gedacht habe, okay, aus meinem Eigennutz heraus, dass ich quasi sie
gerne in Latex fotografieren wollte und Fotos von ihr in Latex sehen wollte, ist
dann für sie auch noch eine schöne Erfahrung.
Sebastian
natürlich schön, wenn man dieses Ideal, wenn man das auch trifft, dass alle was
davon haben.
Andreas de MARQUIS
Ja, genau.
Das Magazin füllen
Sebastian
Aber das heißt, du hast vorher, bevor der Übernahme, nein, doch, vor der
Übernahme des MARQUIS hast du selber keine Bilder beigesteuert für das Magazin.
Aber jetzt hast du das ja nun mal, du musst es füllen, dann wäre ja jetzt die
Gelegenheit. Hast du gleich in der ersten Ausgabe von dir selbst Bilder drin gehabt?
Nein, hast du nicht. Okay.
dieses Bild jemals abgedruckt worden im MARQUIS? Für die 100 ist das
vielleicht eine schöne Gelegenheit.
Andreas de MARQUIS
einfachste Art, das zu bekommen, was du willst, ist es selber zu machen. Das war
seine Motivation, dann eben die Fotos auch selber zu machen. Wie gesagt, er ist
ja auch kein Fotograf, jetzt mit dieser entsprechend klassischen Ausbildung,
soweit ich weiß.
Sondern ihm ging es einfach darum, dass er halt da draußen
nicht das gefunden hat, was in seinem Kopf war. Und dann hat er eben gesagt,
okay, dann mache ich es eben selber. Und ich wusste aber, ich bin nicht so so
gut, dass meine Sachen jetzt ohne weiteres hoppla hopp in das Magazin reinkommen
könnten.
Sebastian
Ja, das sagen immer alle Leute, die was können. Die überlegen immer, kann ich
das, bin ich gut genug und so weiter. Man sieht das ja selber nicht. Oder warst
du es wirklich nicht? Weil wenn ich das Bild sehe, ganz ehrlich, also ich nehm
das.
Andreas de MARQUIS
ich hatte da auch eben wie gesagt zehn Jahre keine Kamera in der Hand und
wusste auch nicht wie, was und so weiter und so fort. Und ich hatte dann eben
durch diesen Support von Peter ein super Netzwerk. Wir hatten also in der
ersten Ausgabe schon Danny Divine mit ganz tollen Fotos. Und Danny ist ja auch
in der Szene, sagen wir mal in der Fetisch-Szene, eine Nummer.
Wir hatten Killer Heels Photography, der inzwischen vier Cover fürs MARQUIS
geshootet hat, weil einfach seine Bilder wirklich brachial gut sind.
Sebastian
Die geben dem auch so diesen speziellen Stil. Also wenn man jetzt, egal wie
viele MARQUIS-Magazine ich hier nebeneinander halte, selbst wenn der Titel
nicht drüberstehen würde, ich würde es wiedererkennen. Weil die
Cover-Art, das ist eine stimmige Reihe. Ist nicht heute so, morgen so, sondern
die sind, also die drei, die ich jetzt hier habe, das sind die 82, 71 und 81.
Und ohne, dass es dran steht, würde ich sofort sagen, ja, das ist das gleiche
Magazin.
Andreas de MARQUIS
Und die 81 eben und die 71
Sebastian
Und
habe ich die 86 in die Hand bekommen. Auch da, das passt wieder in die Reihe.
Andreas de MARQUIS
und eben die 86, das sind alle von Killer Heels Photography.
Sebastian
Okay, dann habe ich, deshalb passt es so gut, weil ich jetzt zufällig so viele,
ja, das passt.
Andreas de MARQUIS
Er ist ein unheimlich guter Fotograf und wir haben uns da lange drüber
unterhalten. Also inzwischen darf ich ihn meinen Freund nennen und das bedeutet
mir auch sehr viel. Und wir sind uns einig, worauf es bei einem guten Bild
ankommt.
Sebastian
Worauf?
Andreas de MARQUIS
Auf die Augen.
Sebastian
Okay, ich prüfe das mal.
Tatsächlich stimmt.
Und das ist es vielleicht. Warte mal, ich muss mal gucken. Ich muss mal
durchblättern.
Tatsächlich. Es sind immer die Augen auf allen Bildern. Selbst wenn die
Sonnenbrille da ist, dann ist sie so in Szene gesetzt, dass sie dominant wirkt.
Also, ja, ich merke das gerade, ja. Es ist tatsächlich bei allen Bildern, selbst
auf den Bildern, wo kein Auge zu sehen ist, ist das trotzdem der dominante
Bildpart. Also die Augenpartie.
Andreas de MARQUIS
Ja. Und du brauchst gerade jetzt für einen Cover, du musst
in den Augen, das muss eine Geschichte erzählen. Also wenn da jemand, sagen wir
mal, mit einem relativ leeren Blick drauf wäre, das würde dich nicht
einfangen. Und ich weiß nicht, wie er es
macht. Das ist vielleicht dann auch sein Geheimnis oder so. Aber er ist mit den
Modellen, mit denen er arbeitet, kriegt er das immer hin, dass da ein paar
Bilder dabei sind, wo ich persönlich wirklich, man mag mich dafür völlig
irre halten, aber ich sitze teilweise zehn Minuten vor einem Bild und ich
genieße dieses Bild. Also so wie manche Leute dann auf den Balkon gehen und eine
Zigarette rauchen, sitze ich dann tatsächlich vor so einem Bild, Vollformat auf
meinem Bildschirm hochgezogen als Vollbild und gucke mir einfach dieses Bild an
und genieße dieses Bild und genieße den Blick und dann fangen in meinem Kopf an
die Geschichten zu explodieren um diesen Blick. Also deswegen finde ich das Foto
auch immer stärker als ein Bewegtbild, ein Film oder ein Reel oder sonst
irgendwas, weil ich selber das davor und das danach mir
selber ausdenken und ausmalen kann und das ist dann meine Fantasie, die diesem
Bild dann eine Tiefe und ein Gehalt gibt, den es vielleicht gar nicht hat und
der gar nicht intendiert war, aber den kann ich bestimmen und dem Bild geben und
das mag ich so sehr.
Sebastian
Jetzt hast du ja mich gesehen, wie ich hier so durchblättere. Und jetzt erzählst
du mir, man kann so ein Bild sich einfach mal länger auf sich wirken lassen.
eigentlich habe ich das hier nicht ordentlich gewürdigt vorab, ne? ne?
Andreas de MARQUIS
gut.
Sebastian
Also ja,
Andreas de MARQUIS
Jeder macht das ja anders. Wie gesagt, ich bin ja ein bisschen schräg.
Sebastian
aber es scheint sich zu lohnen, es scheint sich zu lohnen einfach mal zu sagen,
okay, die Seite lasse ich jetzt mal aufgeschlagen und gucke drauf.
Andreas de MARQUIS
So mache ich das mit Bildbänden. Ich bin ein ganz großer Fan von
Bildbänden. Liebe Leute da draußen an den Empfangsgeräten, kauft Bildbände.
Es ist so schön. Es ist so schön. Und ein Bildband,
den genießt man meiner Meinung nach wie folgt. Man schlägt ihn auf. Am
besten hat man irgendwo ein kleines Pult oder irgendwas, wo man Platz hat,
wo der dann auch liegen kann, der Bildband.
Und eine, am besten irgendwo vielleicht in einem Flur oder da, wo man mehrfach
am Tag vorbeigeht. Und dann kann man eine Seite für einen Tag genießen.
Und immer wieder, wenn man dran vorbeikommt, mal hat man nicht so viel Zeit,
dann sieht man, ah, das Bild ist noch da, mal hat man ein bisschen mehr Zeit,
vielleicht morgens nach dem Aufstehen oder sowas, so ein Wachwerden und guckt
dieses eine Bild an. Und am nächsten Tag blättert man um und guckt sich die
nächste Seite an.
Sebastian
kann es doch ein bisschen nachvollziehen. Ich weiß nicht, ob du es von hier
sehen kannst. Da oben steht ein Bild, das ist Skyling Glass in so einem
Brautkleid mit Bondage dran.
Andreas de MARQUIS
Ja.
Sebastian
Das ist so der typische Fall. Ich habe irgendwo beim Durchscrollen durch FetLife
habe ich was gesehen, wo ich gesagt habe, boah, das, das knallt, das ist
großartig und dann habe ich halt artig gefragt, sag mal, kann ich das Bild
haben? Ich würde mir das gerne als Abzug hinstellen, weil ich dieses Bild
einfach, weil ich da sage, okay, das möchte ich würdigen, das möchte ich hier
stehen haben, physisch. Das kann ich mir auch bei FetLife runterziehen
irgendwie, aber nein, ich habe dann tatsächlich, vielen Dank übrigens, ich habe
die Druckdaten, also die Fotodaten bekommen und habe einen brauchbaren Abzug
davon gemacht. Leider ist der hier im Büro in der Sonne in den letzten Jahren so
ein bisschen ausgeblichen. So ist es halt. Aber doch dieses, dass man
sich an etwas satt sehen möchte, das kann ich dann doch nachvollziehen. Das
heißt aber, wenn du das so genießen kannst und du gibst ein Magazin raus, dann
hast du das Problem, dass kein Foto gut genug ist. Oh Gott, eigener
Material sichten & auswählen
Qualitätsanspruch. Ich ziehe dich jetzt mal ein bisschen durch, weil die Uhr
tickt hier unerbittlich.
Andreas de MARQUIS
Ja, ja.
Sebastian
Wie ist dein Qualitätsanspruch? Also ich springe mal ein bisschen ins Heute. Wir
müssen hier mal zurückspringen, aber du kriegst Material.
Und jetzt ist die Erwartung der Models, der Fotografen, wenn du nicht gerade
selbst der Fotograf bist, das kommt da jetzt rein. Und dann musst du
entscheiden. Und du hast 116 Seiten. Das ist nicht so viel.
Andreas de MARQUIS
Also wir haben in der 86 tatsächlich 16 Seiten mehr gemacht, weil wir uns nicht
entscheiden konnten. Und wir haben von einem ganz, ganz liebreizenden Model die
Strecke fix und fertig gehabt und wir haben sie nicht mehr reingekriegt, weil
dann hätten wir nochmal 16 Seiten anbauen müssen. Es ist nicht einfach. Es ist
wirklich, wir kriegen inzwischen viel Material und wir bekommen auch Gott sei
Dank immer besseres Material.
Am Anfang war es tatsächlich so, dass man, das sieht man glaube ich meinen
frühen Ausgaben auch so ein bisschen an, wir haben mit dem gearbeitet, was wir
bekommen haben.
Sebastian
Ich nehme jetzt nochmal die 71, das ist die älteste, die ich hier habe. Ich
gucke mal, ob ich als Laie einen Unterschied sehe. Während du erzählst mal
weiter, ich blätter mal durch.
Andreas de MARQUIS
Jetzt gehe ich mal weiter.
Wir brauchten halt Material, um diese eine Ausgabe zu füllen und wenn
wir Material hatten, wo wir gesagt haben, das ist gut genug, dann haben wir eben
das in die Ausgabe mit reingenommen. Inzwischen ist es so, dass wir tatsächlich
für ein bis zwei Ausgaben im Voraus alles schon da haben und
das trickelt dann tatsächlich so ein bisschen, das mag ich tatsächlich ganz
gerne. Ich schiebe dann ganz viel hin und her und gucke dann, das nehme ich nach
vorne, das nehme ich nach hinten und möchte eigentlich so den optimalen
Lesergenuss, wenn man von vorne anfängt bis nach hinten durch, irgendwie
kuratieren. Das klingt so ein bisschen geschwollen, aber ich sehe es tatsächlich
so.
Sebastian
Du musst eine Auswahl treffen, Punkt aus. Und dann muss das noch irgendwie einen
Sinn ergeben. Und ja, ich habe es gerade gesehen hier in der 71, ich hatte eben
eine Seite, das waren so vier Bilder, vier Themen, vier Stimmungen auf einer
Seite. Ich glaube, das hast du in den Neuen nicht mehr. Ja,
Andreas de MARQUIS
Wir sind von so gewissen Sachen, wie wir früher gelayoutet haben, dann eben auch
weg. Das ist richtig. Einfach, weil wir eben gesagt haben, es muss ein bisschen
stimmiger werden und ein bisschen stringenter.
So kann man es vielleicht sagen. Und ich glaube, wir sind inzwischen auf einem
ganz guten Weg.
Wir sind noch nicht da, wo ich hin möchte. Ich kann jetzt halt nicht
auf die Ressourcen zugreifen, auf die jetzt eine Vogue zum Beispiel
zurückgreifen kann.
Und das sind einfach Geschichten. Manche Sachen, für manche Ideen braucht man
einfach Geld. Das ist einfach so. Punkt. Wenn ich jetzt irgendjemanden in die
Wüste stellen will und ich möchte ein geiles Shooting haben in der Wüste, dann
brauche ich das entsprechende Model, ich brauche die entsprechende Klamotte, ich
brauche den Fotografen und ich muss da hin.
Und damit, das mag für den einen oder anderen dann vielleicht heißen, ja gut,
dann sind es halt ein paar tausend Euro. Ja, das ist richtig, aber die müssen
Pohotshop und Retusche
sich ja wieder einspielen. Ja, mag
Sebastian
Entschuldigung, weil du sagst, da muss man auch da hin. Ich überlege schon seit
einer Stunde, wie ich das mal da reinkriege.
Nein, man muss da nicht hin. Man hat ja Photoshop. Photoshop.
Nein, also mal ernsthaft. Also warum zu einer Location hin?
Weil Landschaftsbilder kriege ich überall in geiler Auflösung und mit Licht kann
ich viel machen, das merkt auch kein Mensch. Mensch,
Andreas de MARQUIS
Aber das ist dann wieder der persönliche Anspruch und sagen wir mal so, ich
möchte ja auch persönlich was davon haben. Und wenn ich jetzt am Photoshop sitze
und dann irgendwas zusammen montiere, dann
ist das nur halb so lustig, wie jetzt auf Kreta zu sein oder in Las Vegas zu
sein und drei Mädels über einen Strip zu jagen und die Fotos davon zu machen.
Also
Sebastian
gehe mal davon aus, dass das so stimmt und das bedeutet für die LeserInnen, wenn
die ein Bild sehen, beschreibst mal so, wie es eine KI beschreibt, Frau in
Wüste, dann wissen die, das ist passiert. Da war jemand in, oder
bei den Dünen, das war so. Und das regt ja, wenn man das Bild so betrachtet wie
du, dann ist die Fantasie, hat ja auch einen Anknüpfungspunkt und nicht, das ist
jetzt etwas, was nie passiert ist, was zusammen gefotoshopt wurde. Ich glaube,
das macht einen Unterschied, wenn ich das weiß als Leser.
Andreas de MARQUIS
für mich, für meine Fotografien, wenn ich fotografiere, dann will ich das schon.
Wir nutzen natürlich Photoshop für Retusche und und und und. Und da bin ich auch
ein großer Freund davon. Also Colorgrading auf der einen Seite, Stimmung
schaffen und auf der anderen Seite auch eine gewisse Retusche. Nicht, weil wir
irgendein unrealistisches Körperbild oder sonst was propagieren wollen,
sondern weil wir einfach sagen, wir möchten es makellos so schön wie möglich
machen.
Sebastian
Was ist denn ein Makel, den man retuschiert? Ist es die Nase? Sind es die Ohren,
die Lippe, die
Proportion an sich, die Beine ein bisschen stärker?
Ich weiß, ich hatte mal eine Person ein Foto ein bisschen gefotoshopt, da habe
ich so ein schickes Buch gehabt, wie retuschiert man in Photoshop, und habe mir
total viel Mühe gegeben und zwei Stunden in diesem Bild retuschiert und sagte,
ja, das sieht perfekt aus, das bin ich nicht, löscht das bitte. Und da dachte ich
mir, ja, Ja, scheiße, stimmt. Ich habe alles nach Lehrbuch gemacht, die Haut ein
bisschen weniger porig und all solche Sachen.
Na gut, hat es da auch recht gehabt. Also wie viel macht man oder wie viel
machst du an den Bildern und wo sagst du, das rühre ich nie an?
Andreas de MARQUIS
ich selber bin inzwischen glaube ich ein bisschen besserer Fotograf, ich bin
aber ein lausiger Retuscheur. Ich habe einen Kollegen, der für mich die Retusche
macht, in Absprache mit mir, das heißt ich sage, was gemacht werden soll.
Für mich ist wichtig, ganz ganz wichtig, dass der Charakter der Person
noch erkennbar bleibt. Das heißt, klar, du kannst einfach
deinen Beautyfilter drüberjagen und sonst irgendwas und dann hast du einfach
das makellose Objekt. Aber das ist eben das, was mich nicht interessiert,
sondern ich will die Person, die wir fotografiert haben,
so schön wie möglich darstellen. Das heißt,
ganz klassisches Beispiel, was wir immer mal wieder retuschieren,
wenn ein Model so mit eingedrehter Hüfte post,
manchmal sieht man dann quasi an der Seite so ein bisschen, das sind dann gar
keine Speckrollen. So am,
Sebastian
aber die Haut wird halt gefaltet durch die Drehung. Das ist wie am Ellbogen.
Wenn ich den ausstrecke, dann habe ich ja auch so eine Falte außen.
Andreas de MARQUIS
richtig. Das ist also ganz normal und natürlich.
Sebastian
Ja, dann muss man es doch nicht photoshoppen.
Andreas de MARQUIS
es wirkt dann eben auf einem Foto, was ja in Anführungszeichen für die
Ewigkeit festgefroren ist, dann so als wäre da was, was halt
tatsächlich ein bisschen unnatürlich wirkt. So nach dem Motto, warum
hat jetzt dieses Model da plötzlich so eine Wulst? Und einfach um dem dann,
weil das ist ja, also Posen oder die Posen, die Models einnehmen, sind
in der Regel sehr, sehr unnatürlich, damit sie natürlich auf Fotos aussehen. Das
ist völlig Banane, aber so ist es halt und letztendlich, weil man diese Art
Posen, die die Models oft einnehmen, im normalen Leben gar nicht sieht, ist es
dann oft so, dass man sagt, okay, bevor wir jetzt Diskussionen anfangen, machen
wir hier diese eine weg oder was wir auch natürlich retuschieren. in Vegas sind
uns dann zum Beispiel die Strümpfe auf halben, also nach einer Stunde Shooting
kaputt gegangen, die Latexstrümpfe. Da haben wir natürlich nicht das Shooting
abgebrochen, sondern wir haben mit den kaputten Strümpfen geshootet und machen
das halt zu. Oder
Hautunreinheiten, Pickelchen und solche Sachen, die machen wir weg. Ich würde
aber jetzt zum Beispiel einen Schönheitsfleck nie wegmachen. Oder
eine Besonderheit an den Augen oder an den Ohren.
Sebastian
Aber was du jetzt nicht machst, ist, dass du die Haare nochmal komplett umfärbst
oder die Farbe von dem Latex änderst.
Andreas de MARQUIS
Nein, nein, nein.
Sebastian
Ah, das ist jetzt rot, wir machen grün draus. Also wo du dann quasi das Bild nur
noch als Vorlage benutzt, um dann daraus was Neues zu machen.
Andreas de MARQUIS
Nein. Nein.
Sebastian
Das machst du nicht.
Andreas de MARQUIS
Ne, das ist ja für mich eben das, was mir Spaß macht, im Vorfeld eines Shootings
zu sagen, ich möchte dieses Outfit, was habe ich für Accessoires dazu, wo shoote
ich das am besten. Ich meine, diese 82, das Cover, das habe ja ich geshootet.
Sebastian
Moment, Moment, Moment, da hab ich's so, das ist toll, wenn man das hier liegen
hat, ah das, okay müssen wir mal kurz beschreiben, das sind die hast du auch auf
dem Handy drauf, sehr gut
Andreas de MARQUIS
Moment, Moment,
Sebastian
das von dem Handy hätte ich gerne ein Foto so, das ist mal ein Understatement,
was sehe ich ich sehe drei, sind das, ja Nonnen sind das alle drei, ne, was steht
sie da, sie hat, das ist doch irgendeine eine Kluft
Andreas de MARQUIS
so.
Sebastian
ist so ein bisschen religiös angehaucht auf jeden Fall, ja
Andreas de MARQUIS
genau. Und für mich war halt jetzt diese Pose oder dieses
Setup war nicht klar. Ich wusste aber, ich will diese Nonnen fotografieren. Die
Outfits sind von Libidex, waren damals eine neue Kollektion, die die Jungs
rausgebracht haben. Und ich wusste aber, ich will ein
Kreuz haben. Und dann saß ich halt zwei Tage bei uns im Vorgarten und habe ein
Kreuz zusammengebaut, zwei Meter irgendwas hoch.
Sebastian
Nein, wirklich.
Andreas de MARQUIS
Und die Nachbarn waren konsterniert.
Sebastian
Und dann stehen,
die Nachbarn gucken erstmal mit dem Kreuz und dann kommen noch die Nonnen zu
Besuch. Was ich spannend finde, ich meine, es ist das Cover und die Nähte im
Latex, die sind nicht retuschiert. Hier gerade am Ärmel sieht man es sehr
deutlich. Das gehört dann auch dazu. Das muss auch sein, dass das da ist. Oder
wird das normalerweise?
Andreas de MARQUIS
Wie gesagt, das macht ja jeder anders.
Sebastian
das macht
Andreas de MARQUIS
Jeder Fotograf hat seinen Anspruch, was er möchte und was er nicht möchte. Es
gibt manche, die sagen, ich retuschiere nicht, ich mache nur Color Grading.
Andere sagen wieder, ich retuschiere, bis man das Model nicht mehr erkennt, weil
dann kann sich das auch nicht beschweren, dass sie schlecht dargestellt wird.
Für mich ist es so, dass ich sage, ich möchte die
Realität, also das, was ich fotografiert habe, möchte ich so sehen
und dann vielleicht noch, sagen wir mal, 10, 15 Prozent besser. Das heißt, wenn
ein Model bei einem Shoot ein bisschen einen Schattenwurf hat, dann
kann man das vielleicht ein bisschen weniger intensiv machen, dass eben der
Schattenwurf von der Nase zum Beispiel nicht ganz so prominent ist oder so.
Sebastian
Ja, also wenn ich jetzt drauf achte, ganz ehrlich, ich habe jetzt hier zum
Beispiel ein Bild, da sieht man,
Und ja, am Beinansatz des Models sieht man so ein bisschen, dass
da öfter mal der Intimbereich rasiert wurde. Das hat ja so eine gewisse Porung.
Das ist drin gelassen. Auf einem anderen Bild habe ich es gerade gesehen, da
sieht man ein bisschen Staub auf dem Suit. Also das heißt, wenn es da zu sehen
ist, dann ist es da, weil es da sein soll. Weil der Künstler beschlossen hat,
dass das da ist. Weil er könnte es ja auch alles glatt machen.
Dann sieht es aber nicht mehr echt aus wahrscheinlich.
Andreas de MARQUIS
Manche können es auch nicht, das darf man nicht vergessen, aber
für mich ist das Thema tatsächlich, also es gibt Leute, die analog
fotografieren, da hat das Ganze eine ganz andere Anmutung, als wenn jetzt jemand
digital fotografiert.
Sebastian
Oh, ist hier was Analoges drin? Weißt du das?
Andreas de MARQUIS
Ne, also hier in den Heften jetzt nicht.
Sebastian
Okay, schade.
Andreas de MARQUIS
Also
Sebastian
Das hätte ich gerne mal verglichen, aber wir verlieren uns so in Details. heiß,
ne?
Mach du mal einen Punkt auf Photoshop und dann gehe ich auf meinem Zettel hier
mal weiter.
Andreas de MARQUIS
Photoshop ist ein ganz großer Freund, um eben das gute Foto und
nach meinem besten Vermögen mache ich gute Fotos und wir haben aber auch
grandiose, wirklich starke Fotografen immer wieder im Heft, die dann eben
entsprechend ihrer Veranlagung dann eben diese Tools benutzen. Ich finde
es wichtig, dass man eben notfalls Sachen machen kann, aber ich habe mit meinen
Bildern bis jetzt eins wirklich manipuliert und ansonsten versuche ich
die Realität abzubilden und eben ein ganz klein bisschen den Touch zu geben, so,
dass es ein bisschen mehr glänzt, dass es ein bisschen nicer ist.
Ungeschminkt
Sebastian
Pass auf, das ist ja auch okay, weil ich gucke das ja an, weil es schön ist.
Andreas de MARQUIS
Das
Sebastian
Und wenn ich diesen, wenn ich das Magazin kaufe,
ja, Authentizität ist eine Sache, aber ganz ehrlich, gehe ich mal ins Kino und
gucke irgendeinen Film.
Niemand sieht dort aus, wie Menschen aussehen.
Andreas de MARQUIS
aus wie Menschen aussehen.
Sebastian
Die reden nicht wie Menschen, wenn man sich mal deutsche Dialoge anschaut. Die
klingen nicht wie Menschen, weil weil der Ton zu Tode optimiert ist und die
sehen auch nicht aus wie Menschen und die Gegend und Landschaft und überhaupt
alles, das ist halt Teil des Business. Die Schwierigkeit ist halt immer dann,
wenn es anfängt, dass es ein Ideal
zum Standard macht, das kein Mensch erreichen kann. Dem muss man sich einfach
bewusst sein. Also wenn jemand sagt, ich sehe hier die Models und ich suche mir
jetzt eine Freundin, die so aussieht, in echt viel Erfolg. Erfolg.
Das stimmt, ja.
Andreas de MARQUIS
Weil ein Fotoshooting mit viel Licht arbeitet, viel Licht heißt, man sieht viel,
heißt das, dass diese Leute, diese Menschen, die normal, wenn die ankommen
morgens im Studio, die sehen aus wie du und ich und dann sitzen sie zwei Stunden
in der Maske, nicht ohne Grund. Das heißt, zwei Stunden sitzt jemand mit denen
da und macht denen das Make-up. Dann wird mit viel Licht, das sauber gesetzt
wird, das eben das Bestmögliche aus dem Model rausgeholt wird, fotografiert und
dann sitzt noch jemand mit Photoshop, Lightroom und allem möglichen Pipapo dran,
retuschiert, optimiert und sucht dann auch noch aus, was weiß ich, wie viele
hundert Bildern das Beste aus. Da kann die Realität dagegen nicht gewinnen, aber
das ist auch nicht der Punkt. Das sind zwei verschiedene Paar Stiefel.
Sebastian
Vielleicht, das muss ich mal fragen, vielleicht ist das der Grund, warum weniger
Männer sichtbar sind, weil man bei denen Make-up mäßig weniger machen kann? Ja,
nein, vielleicht. Also ich kenne den Vergleich auch von einem Fetischmodel, das
habe ich morgens nach dem Aufstehen gesehen, leicht bleiche Persönlichkeit und
wirklich perfekt auf den Punkt zurecht gemacht mit dem Make-up. Ich bin
eh nicht so gut darin, Gesichter zu erkennen, aber ich hätte nicht behaupten
können, dass das dieselbe Person ist.
Einfach mal jetzt an dich die Frage, ist das bei Männern und Frauen etwa gleich,
dass die Veränderung so stark ist? Vielleicht ist der Wiedererkennbarkeitswert
des Bankers größer als bei der Bankerin.
Andreas de MARQUIS
Ich kann es tatsächlich nicht sagen. Ich selber shoote keine Männer.
Hat sich nicht bis jetzt ergeben und ich habe tatsächlich auch kein Interesse
daran, weil ich eben doch, sagen wir mal, vielleicht eine
minimale Bi-Neugierde habe, aber tatsächlich die schönen
Frauen in Latex viel, viel erotischer und faszinierender finde. Und da es für
mich eben auch eine Sache ist, Wo ich sage, ich möchte das ja nicht nur als
Brotjob verstehen, sondern ich möchte auch ein bisschen Spaß haben. Wenn ich
selber die Kamera in die Hand nehme, möchte ich schöne Frauen shooten.
Sebastian
das finde ich ja spannend. Ich hätte jetzt gesagt, da ist man, wenn es dann
beruflich ist, da ist man so professionell, dass es im Grunde egal ist. Aber an
der Stelle, du musst das schon, das, was du da fotografierst, das musst du schon
selber, das muss dich schon ansprechen in deinem Kink. Ich
Andreas de MARQUIS
Also wenn ich selber fotografiere, dann möchte ich auch Menschen shooten, die
mir persönlich natürlich gefallen. Also
Selbstverwirklichung und Konflikte
Sebastian
wollte eigentlich schon längst mal ein kleines Päuschen machen, aber eine Sache
ist mir noch wichtig.
Du übernimmst das Magazin, du kriegst quasi Geleitschutz, du kriegst das
Netzwerk. Auf der anderen Seite bist du ja auch ein kreativer Mensch. Jetzt
kennst du die ganzen alten Ausgaben und willst dich aber auch selber
verwirklichen. Und dann hast du da einen Macher,
der dir sagt, wie es geht und du hast eigene Ideen.
Das riecht nach Konflikt. Das klingt auch nach,
ja, ich setze jetzt Dinge durch, ich setze mich auch ab, um zu zeigen, ich mache
hier auch mein Ding und imitiere nicht den Großmeister, sage ich jetzt mal.
Wie funktioniert denn so ein Prozess, da was zu übernehmen und sich selber treu
zu sein und auch Veränderungen mitzubringen und Entwicklung? Und wie oft hat es
gekracht?
Andreas de MARQUIS
Peter und ich, das ist glaube ich ein ganz großer Vorteil und das
liegt daran, dass ich an dieser ganzen Aufgabe gewachsen bin, charakterlich muss
ich sagen. Wir können uns streiten, aber wir wissen beide, dass das jetzt mit
der Arbeit zu tun hat und dass das nichts Persönliches ist. Und das ist eine
ganz wichtige Komponente, weil dann kann man sich über die Arbeit streiten, dann
kann man sich auch in die Haare kriegen, wohl wissend, dass man danach sich
irgendwie zusammensetzen kann, was trinken kann und was essen kann und alles ist
gut. Gut.
Peter hat aber grundsätzlich, wie du es schön, ein sehr schönes Wort,
Geleitschutz geleistet. Also er war da, wenn ich gesagt habe, ich brauche ihn,
ich brauche jetzt hier Unterstützung, Hilfe oder sowas. Er hat sich aber nie
aufgedrängt und er hat mich machen lassen. Und wenn ich jetzt eben
diese älteren Ausgaben anschaue, wie gesagt, nicht zwingend von der Qualität der
Fotos, aber von der Art, wie es kuratiert ist, wie du sagtest, vier Bilder, vier
verschiedene Stimmungen auf einer Seite und solche Sachen.
Sebastian
Das hat er dir durchgehen lassen.
Andreas de MARQUIS
Er hat ja nicht die Freigabe letztendlich für irgendwas gegeben.
Sebastian
Nein, aber so, Das kannst du auch so nicht machen.
Andreas de MARQUIS
Aber das
Sebastian
Und auch gerade, wenn die erste Ausgabe kurz bevor so ein Druck geht, dann wird
er das ja gesehen haben.
Andreas de MARQUIS
Tatsächlich nicht. Ich glaube nicht, nein.
Sebastian
Respekt. Also, wenn man da so viel Vertrauen dann hat, also ich, oh Gott, ich
würde da,
Andreas de MARQUIS
Aber letztendlich, sag ich mal, im Prozess habe ich natürlich
viel gelernt und wusste dann irgendwann auch, okay, das kann man nicht machen,
das war ein Fehler, muss man anders machen, hätte man besser präsentieren
können. Aber so gehe ich jetzt eben an jede neue Ausgabe ran, um eben zu sagen,
okay, mit all dem, was ich gelernt habe, plus das,
was ich als Vision für mich definiert habe und dann will ich da reinmarschieren.
Am Anfang war ganz klar, ich werde versuchen, Peter so gut zu
kopieren, wie es geht, um einfach
eine gewisse Kontinuität zu gewährleisten. Weil ich weiß natürlich, dass viele
Leser das Heft jetzt schon sehr, sehr lange gelesen haben. Es gab durch diese
Amerika-Geschichte dann eben auch Phasen, wo das Heft eben nicht oder sehr
schwer nur zu bekommen war. Und die Leute muss ich ja wieder reaktivieren, dass
die das Heft wieder kaufen.
Sebastian
darf ich mal fragen, wie hoch ist denn so die Abonnentenquote? So ganz grob,
eher so 10%, eher 50, eher 90, einfach, dass man mal so sieht. Also, Abonnenten
verzeihen einem Fehler eher, weil sie kündigen halt nicht sofort, sondern, aber
der, der, wenn das Ding im, ich sag mal, Bahnhofskiosk steht, das ist nochmal
eine andere, also da ist die, da muss eine neue Kaufentscheidung getroffen
werden. Der Abonnent hat einmal eine langfristige Entscheidung getroffen.
Andreas de MARQUIS
Also ich denke, wir sind so bei 25 Prozent Abonnenten.
Sebastian
Okay, das ist okay, gerade in dem Bereich, ja, das kann man machen.
Andreas de MARQUIS
also mehr geht immer.
Sebastian
Also, wenn man will, natürlich mehr, ist klar.
Andreas de MARQUIS
Ich möchte ihn kopieren und ich möchte dann natürlich auch ein bisschen meine
eigene Vision von dem Heft reinbringen und es hat sich natürlich in dieser
ganzen Zeit auch was geändert, das darf man nicht vergessen. Früher, als Peter
das O-Magazin gemacht hat, als Peter das Marquis gemacht hat, gab es kein Social
Media, Internet war in den Kinderschuhen gesteckt. Das heißt, das Marquis war
für die Fetisch-Szene Instagram, Fetlife, Joyclub,
das Shop-Verzeichnis und und und. Das heißt, ganz viele Leute
haben erst durch das Marquis überhaupt begriffen, ich bin nicht alleine mit
dieser Neigung. Ah, da gibt es Geschäfte, da gibt es Veranstaltungen, da sind
Kontaktanzeigen drin, da gibt es Bilder, Videos und, und, und, und. Das war
ursprünglich das Marquis. Also das Marquis war wirklich dieser Safe Haven für
diese gesamten Fetisch-Fans.
Sebastian
gucke gerade, Kontaktanzeigen gibt es gar nicht mehr, ne?
Andreas de MARQUIS
Fans? Nein,
nein.
Sebastian
Okay, die hast du
rausgeworfen?
Andreas de MARQUIS
In der Jubiläumsausgabe, das war sowieso ein bisschen anders gestrickt von der
Aufmachung her, da waren die auch schon nicht mehr drin und ich denke, davor war
das auch schon nicht mehr so prominent.
Sebastian
So,
Andreas de MARQUIS
Aber eben eingedenk der Tatsache, dass wir eben ein Instagram haben, dass wir
ein Facebook haben, dass wir, dass die Leute sehr viel online recherchieren,
muss ich natürlich ein bisschen anders an das Heft rangehen. Und wir sind ja
auch kein, wir erscheinen ja nicht wöchentlich, sondern aktuell viermal im Jahr.
Das heißt also News-Charakter, also sprich, ich bringe euch jetzt die super
Neuigkeit, das kann ich auch nicht halten.
Sebastian
das heißt, heißt der Inhalt muss jetzt zeitloser sein.
Andreas de MARQUIS
Der Inhalt muss und darf zeitloser sein, das ist also auch ein Vorteil
für uns. Und auf der anderen Seite haben wir eben nicht mehr diese
Funktion, die Breite zu zeigen. Also sprich, was
früher eben wichtig war, so ein Shop-Verzeichnis, hier sind die Shops im
Postleitzahlenbereich 0, 1, 2, viele.
Sondern jetzt können wir sagen, okay, für solche Sachen nutzen alle Menschen das
Internet. Das ist nicht mehr die Funktion, die das Marquis heutzutage hat. Jetzt
machen wir von diesem breiten Spektrum, gehen wir quasi auf das Schlaglicht
runter, dass wir sagen, okay, und wir gehen jetzt den anderen Weg. Wir zeigen
euch jetzt ein paar Sachen, die wir besonders schön finden, die wir besonders
herausstellen möchten aus dieser Masse an Material, die es halt dank
Digitalfotografie und Social Media gibt.
Sebastian
Okay, also nicht, wir zeigen die Branche, sondern wir zeigen die Highlights.
Okay.
Gibt es Dinge, also gibt es etwas, was du eingeführt hast, weil es dir
persönlich wichtig war, was vorher vielleicht gefehlt hat? Ich meine, bisher
sind Dinge entfernt worden. Aber gibt es was, wo du gesagt hast, das gehört da
Dani Divine & Lisa Eckhart & Covid
für mich rein?
Andreas de MARQUIS
Und es ist, also wir hatten die Ausgabe 68, meine erste
Ausgabe, die ist, wie gesagt, eine Woche vor Corona aus der Druckerei gekommen.
Und wir hatten meiner Meinung nach den
absoluten Coup, um das Ding neu zu starten.
Wir hatten Dani Divine, eine der Größten aus der Szene, mit einer
Riesen-Followerschaft auf dem Cover. Und wir hatten ein Exklusiv-Interview mit
der Kabarettistin Lisa Eckhart.
Sebastian
Ach, die kenne sogar ich.
Andreas de MARQUIS
Ganz liebe Grüße an sie. Sie ist eine phänomenale Person und
sehr großartig, fantastisch.
Und wir hatten ein exklusives Shooting mit ihr in Latex.
Ich habe sie interviewt, ich habe sie in Mainz getroffen vor ihrem Auftritt, wir
haben gequatscht bis wirklich drei Minuten vorher, die Leute waren schon da und
sagen du musst auf die Bühne und ich habe sie dann noch gefragt, sag mal
Sebastian
Ja. Ja.
Andreas de MARQUIS
wie wäre es Shooting in Latex und sie meinte, ja lass kurz gucken können wir an
dem Tag machen
so, war ein paar Tage später, ich musste alle Ressourcen, die ich irgendwie
hatte mobilisieren, dass wir Outfits hinkriegen haben das alles besprochen, wir
haben sie abgeholt wir haben geshootet, sie verwendet die Bilder da immer noch
und ich meine, Lisa schämt sich ja sowieso nicht für irgendwas,
was einer gewissen Ästhetik
entspricht.
Das heißt, wir hatten Lisa Eckhart damals mit ihrem großen Programm
wirklich mit so einem Paukenschlag auf die Kabarett-Bühnen gespült worden, im
Heft mit einer Riesenstrecke Dani Divine auf dem Cover. Also es war eigentlich
so gesetzt, wo wir gesagt haben, die Pressemitteilung geht jetzt raus und dann,
tada, Da sind wir ganz vorne mit dabei. Und kein, kein
Mensch, niemand, null, nada, keiner hat sich für diese Pressemitteilung
interessiert. Die ist komplett untergegangen. Es hieß nur Corona hier, Corona
da, lalalala. Es war völlig, wir haben nicht eine. Also wir haben das Ding über
den Presseverteiler gejagt. Wir hatten da extra noch jemanden engagiert, der
dann da irgendwie PR und sowas ein bisschen unterstützt. Nicht einer hat dieses
Thema aufgegriffen, weil alles war Corona, Corona, Corona.
Die Pressemitteilung ist total getankt.
Peter hat mir damals das Heft übergeben, hat gesagt, das geht alles über
Großhandel, du musst gar nichts machen, du kannst, eines schickst du nach Japan,
eines schickst du nach England, den Rest schickst du an den deutschen Vertrieb
und die kümmern sich um alles. Und du bist, schreibst dich, so hat man mir das
damals gesagt.
Sebastian
ist das so einfach, ja?
Andreas de MARQUIS
Und eben dann, die Sachen kamen aus der Druckerei und dann hieß es ja, alle
Erotikgeschäfte sind zu. Also hat der deutsche Vertrieb gesagt, lass mal. Dann
hieß es ja, nach Japan können wir sowieso nicht schicken. England, vergiss es,
können wir nicht schicken. So, was mache ich denn jetzt damit?
Sebastian
heißt, es gibt irgendwo eine Garage voll mit Ausgabe 68.
Andreas de MARQUIS
Wir
haben dann tatsächlich, ich hatte damals noch den alten
Verlagsshop U-Books und dann habe ich das Heft dort eingestellt und habe dann
halt auf Instagram, Facebook und sonst was dann eben hier, guck mal, neue
Ausgabe.
Sebastian
finde ich toll, wenn man dann eben nicht sagt, Kopf in den Sand stecken und äh,
sondern Lösung suchen. Finde ich gut.
Andreas de MARQUIS
Und wie gesagt, einfach nur damit ich sage, okay, es ist jetzt irgendwie
verfügbar. Und ich komme am nächsten Tag ins Büro und
der E-Mail-Counter hört nicht mehr auf runterzuzählen. Und dann waren da, was
weiß ich, wie viele Bestellungen drin.
Einzelhefte, die halt Leute eben im Onlineshop bestellt haben.
Sebastian
Die konnte man vorher nicht online irgendwo kaufen. Das ging gar nicht.
Andreas de MARQUIS
Nee, nein. Also es gab vom Peter einen Shop oder sowas, aber soweit hatte ich da
eben nicht gedacht. Ich habe es einfach bei mir in den Shop gestellt. Und das
hat dann eben dieses ganze Thema okay, eigener Onlineshop halt erst ans Laufen
gebracht. Wir haben das Zeug fertig gemacht. Ich hatte keine Umschläge, kein
Porto. Ich musste das alle erstmal besorgen.
Sebastian
Oh ja, das ist toll.
Andreas de MARQUIS
Ja, und dann saß ich da wirklich den ganzen Tag und hatte halt diese, ich meine,
während Corona hatte man eh nichts zu tun. Aber ich habe dann halt diese Dinger
gemacht und habe dann vier, fünf von diesen Postkisten voll mit immer dem
gleichen Heft fertig gemacht und habe die verschickt. Mein Postbote, der hat
gesagt, sag mal, seid ihr bescheuert? Was machst du denn da? Was soll der
Scheiß? Sorry, tut mir leid. Kommt nicht wieder vor. Ich gehe am nächsten
Tag ins Büro, ich mache wieder meinen Computer an,
wieder alles voll mit E-Mail-Bestellungen.
Sebastian
Toll. Tag später das Gleiche wieder.
Andreas de MARQUIS
Diesmal plötzlich, warum verschickst du nicht nach UK, Dänemark, Schweden,
Argentinien, Dubai, was auch immer. Sag mal, U-Books hatte ja Belletristik
verlegt und Sachbücher, alles in deutscher Sprache. Also ich habe nur einen
Versand nach Deutschland und Österreich gehabt. Schweiz war mir damals schon zu
kompliziert.
Und plötzlich habe ich Anfragen und dann saß ich drin und habe gesagt, okay, ich
setze mich da jetzt hier nicht. Tacker, das ist alles, ich bin kein ITler und
sonst irgendwas. Ich saß dann da und habe dann alles mit Zweifingersuchsystem
zusammengepriemelt, dass ich halt in diese Länder verschicken kann. Und dann
habe ich mir irgendwelche Versandkosten dafür ausgedacht, dass es so halbwegs
passen würde. Ja, am dritten Tag dann, als ich das erledigt hatte, ich habe
gedacht, der Rechner explodiert. Plötzlich waren da Bestellungen drin.
Sebastian
Wo kam denn die Aufmerksamkeit her? Ich meine, einen Onlineshop zu haben ist
okay, aber den müssen ja Leute erstmal finden.
Andreas de MARQUIS
Ja, aber ich hatte ja die Facebook-Seite von MARQUIS übernommen
und die hatte ein paar 60.000 Follower.
Sebastian
Ah, okay, da kommt es her.
Andreas de MARQUIS
Okay,
Sebastian
Und wenn du es da postest, natürlich.
Andreas de MARQUIS
Und Peter hat natürlich dann auch nochmal seinen Newsletter und sowas dann, also
es hat schon so ein bisschen die Runde gemacht.
Sebastian
Okay.
Ja, das Netzwerk halt mit übernommen.
Andreas de MARQUIS
Genau.
Sebastian
Das hilft doch durchaus, ja.
Andreas de MARQUIS
Und wie gesagt, das war halt dann wirklich so, wo wir gesagt haben, das hat
geknallt. Und lustigerweise, wenn Lisa Eckhart jetzt ab und zu diese Bilder
postet und dann eben sagt hier, übrigens war in der Ausgabe 68 vom MARQUIS oder
sowas, oder der großartige Peter Czerny hat mich damals fotografiert, dann
verkaufen wir halt von den paar Resten, die wir noch haben, dann nochmal 50, 80
Stück.
Nachdruck, Auflage und Rückläufer
Sebastian
du schon mal Ausgaben nachgedruckt, damit du einfach auch immer einen
Restbestand von allen Ausgaben hast? Geht das überhaupt?
Andreas de MARQUIS
Also wir drucken relativ hohe Mengen und es gibt ja Rückläufe
aus den Pressevertrieben, also jetzt gerade im Bahnhofsbuchhandel, da laufen ja
dann Magazine zurück, die nicht verkauft werden und das ist dann unser
Restbestand, den wir dann abverkaufen.
Sebastian
Lohnt
Das muss ich mal fragen. Also ich weiß, das ist im Zeitschriftenbereich
teilweise 50 Prozent, geht wieder zurück, also liegt dann in der Buchhandlung
oder im Bahnhofskiosk oder wo auch immer aus. Da blättern Leute rum und dann
geht das zurück. Ich muss mal fragen, in was für einem Zustand kommt denn das
Zeug zurück? zurück.
Andreas de MARQUIS
Unsere Sachen sind ja alle eingeschweißt.
Sebastian
Ah, okay, das hilft.
Andreas de MARQUIS
Also das war eine Geschichte, die ich, also vom Umweltthema her finde ich es
furchtbar, aber wir haben keine andere Möglichkeit gefunden, dass der Kunde eben
nicht alle Hefte durchblättern kann, dass die auch nicht, das ist ja auch ein
Problem, wenn du die rein und raus ziehst aus dem Regal, manchmal knickst du
eine Ecke um und solche Sachen, dass das eben möglichst wenig passiert. Deswegen
haben wir auch darauf verzichtet, die U4 zu verkaufen, die sonst immer sehr
gerne genommen wird. Also die letzte Seite im Heft.
Sebastian
Die letzte Seite oder die Rückseite? U4 ist die Rückseite, ne?
Andreas de MARQUIS
Genau, die U4 ist die Rückseite. Und da haben wir dann eben so ein bisschen
Vorschau, was halt im Heft drin ist.
Sebastian
Ah, okay.
Andreas de MARQUIS
Und das ist, sagen wir mal, alles so Learnings, die wir halt haben. Und es waren
Zeiten, so kurz nach Corona, da ging 80 Prozent aus dem Zeitschriftenhandel
zurück. Das waren die Durchschnittsquoten. Oder man hat gesagt, wenn du 30
Prozent verkaufst, hast du einen guten Titel. Also wir sind in diesen
Zeitschriftenhandel reingegangen mit großer Angst, weil viele Vertriebe haben
gesagt, ja mach mal 10.000 für uns.
Und wenn du 10.000 machst, musst du natürlich 10.000 bezahlen.
Sebastian
Ja, und 7.000 zurücknehmen im schlimmsten Fall.
Andreas de MARQUIS
Genau. 7.000 zurücknehmen, wenn es gut läuft und 9.000, wenn es halt so lala
normal läuft. Und wir hatten aber dann, und das war das Grandiose,
also im Bahnhofsbuchhandel haben wir plötzlich Rücklaufquoten gehabt von 20
Prozent. Das heißt, wir waren plötzlich King of the Castle.
Die Leute haben dann gesagt, hey Jungs, wir
Sebastian
schickt mehr.
Andreas de MARQUIS
müssen nachordnen.
Machen sie fast nicht, weil mittlerweile eben auch die Leute am Point of Sale,
wie es so schön heißt, also in den Bahnhofsbuchhandlungen halt 400 Euro Kräfte
sind. Das heißt, die räumen raus, was raus ist und wenn es ausverkauft ist,
merkt es kein Mensch oder so. Aber nichtsdestotrotz, genau.
Sebastian
gut, aber der Rückläuferquote ist dann nochmal 0, ne, wenn ausverkauft.
Andreas de MARQUIS
Und wir haben halt wirklich Ausgaben, wo dann tatsächlich halt nichts mehr
zurückkam. Da kamen dann 40 Hefte oder so. Und du denkst, wow, geil.
Sebastian
Ja, schlecht fürs Archiv. Das
Andreas de MARQUIS
Schlecht fürs Archiv, aber gut fürs Geld. Aber man muss eben auch sagen, in
dieser Corona-Phase ist halt international viel, viel Vertrieb weggebrochen.
Also ich kämpfe da, also viel Zeit geht eben drauf für diese
Vertriebsstrukturen international wieder aufzubauen und das ist wirklich ein
leidiges Thema. Also weil du da eben, ich musste sehr stark kämpfen, in die
Bahnhofsbuchhandlungen in Deutschland reinzukommen. Das hat sehr lange gedauert.
Das war vorher nur im Erotikfachhandel, wie man so schön sagt.
Sebastian
war vor dir noch gar nicht so.
Andreas de MARQUIS
Und ich wollte es eben dahin bringen, weil ich gesagt habe, da sind eigentlich
die Leute, die solche Hefte kaufen. Weil in dem Orion oder in was auch immer, da
wird ja dann, wenn überhaupt noch gedrucktes gekauft, wird ja dann eher das
Hardcore-Zeug gekauft.
Jugendschutz und Grenzen
Sebastian
ist denn das mit dem Jugendschutz in der Bahnhofsbuchhandlung? Also da gibt es
ja bestimmt auch Grenzen. Also was musst du dich halten, was darfst du nicht
zeigen? Ich meine, es ist eingeschweißt, aber trotzdem verkaufen die, soweit ich
weiß, keine Hardcore-Pornos in der Bahnhofsbuchhandlung.
Andreas de MARQUIS
Doch, auch, da gibt es auch entsprechende Regularien dafür, also so an den
Tankstellen zum Beispiel oder so findest du das Happy Weekend und solche Sachen.
Sebastian
Aber okay, was darfst du jetzt nicht oder wo hat der Vertrieb oder wo kriegst du
Grenzen gesetzt?
Andreas de MARQUIS
Das ist tatsächlich gar nicht so klar definiert,
aber wir haben es eben anwaltlich prüfen lassen für unseren Vertrieb, weil die
das so wollten und der Anwalt, das war deren Anwalt, also wir mussten
wirklich deren Strukturen dafür nutzen, so nach dem Motto nicht hier bezahl mal
deinen Nachbarn dafür, dass der dir ein Gutachten schreibt, sondern wir haben
wirklich dann deren Anwalt nutzen müssen, der hat sich das angeguckt und gesagt,
pff, die sind doch alle bekleidet, was willst du denn? Also es sind,
Sebastian
aber du hast jetzt kein Limit aufgezeigt. bekomme, ich sag mal so, der
Cumshot mit durch die Gegend spritzendem Sperma in, ne, so, also
ich meine, das ist ästhetisch eh eine andere Frage, ob du das drin haben willst,
aber
das ist auch keine Grenze, da kannst du, das geht.
Andreas de MARQUIS
nein, nein, nein, also es gibt schon natürlich ganz klar, also Hard
Limits gibt es natürlich immer, aber diese, das ist auch nicht das Problem, also
ganz klassisch erigierter Penis, no, ja.
Sebastian
Ach, wie, das ist eine Grenze?
ist doch ein natürlicher Zustand.
Andreas de MARQUIS
Es ist ein natürlicher Zustand, aber nicht im Bahnhofsbuchhandel oder im
Zeitschriftenhandel.
Also es gibt schon wirklich so Sachen, wo man einfach sagt, das kriegst du nicht
hin. Ein Spiegel oder sowas, wenn der ein Mapplethorpe-Foto oder sowas nutzt,
dann mag Mapplethorpe, so ein Fotograf, der zum Beispiel früher
sehr schwule, homosexuelle fotografiert hat.
Sebastian
Ein was? Ein Maple?
Ah, okay, alles klar, ja.
Andreas de MARQUIS
Riesenskandal, tolle Fotos. Also mit sowas, wenn dann quasi der Kunststempel
drauf ist, dann kannst du da natürlich mit Sicherheit auch wieder einige Sachen
machen.
Bei uns, ich denke, die Leute haben am Anfang auch nicht gewusst, wo sie uns
jetzt einordnen sollen. Weil auf der einen Seite, sage ich mal, Stichwort
Herrenmagazin, so Playboy Penthouse, aber die Mädels haben ja was an. Aber
Vogue und Marie Claire und Harper's Bazaar, also klassisch Fashion sind wir ja
auch nicht. Und dann haben wir natürlich dann so andere Magazine, die dann sich,
sagen wir mal, tendenziell feministisch dem Thema Erotik oder
Lebenshilfe, Leben, Lifestyle, sag ich jetzt mal, widmen. Also wir passen
da irgendwo nicht so richtig rein, sag ich jetzt mal. Das Landen war halt ganz
oft eben in diesem Bereich zwischen Playboy und den anderen Heftchen, wo halt
die Damen mehr oder weniger blank ziehen.
Sebastian
das dein Wohlfühlbereich? Auch im Regal, ne? Das ist immer die Frage, wo es man
platziert, also wo wärst du gerne?
Andreas de MARQUIS
Also ich mag die Jungs vom Penthouse sehr gerne. Ich habe dann sehr, sehr guten
Kontakt zu einem sehr lieben Redakteur. Aber wie gesagt, unsere Mädels haben
halt in der Regel was an. Also mal sieht man eine blanke Brust vielleicht in dem
einen oder anderen Heft, aber ansonsten geht es ja eben um das, was die tragen.
Deswegen ist eben dieses Fetisch-Fashion im Untertitel schon auch eine wichtige
Sebastian
Ja, das ist ja auch, die Zielgruppe erwartet schon, dass die Mädels was anhaben.
Andreas de MARQUIS
Führung.
Sebastian
Und ich muss immer wieder sagen Mädels, weil es sind halt nur Frauen drin, das
ist so ein bisschen der Haken, aber bei der Käuferschicht, also ich
frage mich das die ganze Zeit, wenn es eine gute Käuferschicht gibt, die jung
und weiblich ist, ist jetzt die Frage, ob man nicht mehr Energie in mehr
Diversität stecken sollte.
Andreas de MARQUIS
also bei uns wir
stecken, wie gesagt, nächste Ausgabe, wenn alles klappt, ist es in der nächsten
Ausgabe drin, haben wir eben dann durchaus auch was, wo ich sehr, sehr stolz bin,
dass wir das gewuppt haben nach so vielen Jahren
Vorbereitung. Also ich persönlich bin da sehr offen, mehr
Diversität zu machen und auch mehr Diversität im Heft unterzubringen.
Es scheitert ganz oft an der Qualität der Bilder und das ist was, wo ich nicht
mit mir hadern lasse. Also sprich, zu sagen, okay, okay, wir brauchen jetzt mehr
Männer im Heft, bin ich absolut dafür. Dann aber zu sagen, okay, wir haben hier
eine ganz grottige Strecke mit einem Mann,
der dann vielleicht auch noch eine Maske auf hat, wo ich sage, ich würde aber
gerne das Gesicht sehen, ähnlich wie bei einem...
Sebastian
Ja, weil das sind ja auch wieder die Augen. Da sind wir wieder an dem Punkt. Ich
wollte auch gar nicht noch mal drauf rumreiten. Das habe ich ja eben schon vor
einer Stunde getan.
Aber das ist halt so dieser Zielkonflikt. Das ist meine Käuferschicht. Was
könnten die wollen? Was könnte denen gefallen? Kann ich ihnen das anbieten? Und
dann stelle ich fest, ich habe ein Problem. Wir machen jetzt noch mal ein
Päuschen. Ich will ja mal 45-Minuten-Einheit machen. die hat jetzt 90 und jetzt
brauche ich mal eine kurze Pause und danach müssen wir unbedingt über die
sogenannten VIPs reden.
Andreas de MARQUIS
Okay.
Jawohl.
Sebastian
Ja, ihr Lieben an den Geräten,
diese Pausen hier, die sind eigentlich aufnahmewürdig. Man hätte einfach jetzt
locker die letzte Stunde auch aufnehmen müssen. Andreas, das ist ja
fürchterlich. Also wir könnten hier sehr, sehr, sehr lange aufnehmen. Ich muss
mal jetzt gucken, dass ich auch diese ganzen Geschichten irgendwie on tape
kriege, weil die will ich dem Publikum nicht vorenthalten.
Andreas de MARQUIS
Ja.
Vielleicht darf ich ja sagen, wenn das Publikum sagt, okay, was der
komische Kerl da erzählt, macht Spaß, dann lade ich mich ja gerne Ja, das
funktioniert ja schon gar nicht.
Sebastian
das funktioniert ja total einfach. Man kann ja Kommentare unter die Folgen
schreiben. Liebes Publikum, wenn ihr da massiv drunter schreibt, mehr davon,
dann müssen wir das wohl machen, dann werde ich mich dem nicht entziehen.
Das ist gar kein Problem. Und ansonsten, also wir werden das jetzt, ich kann es
ja jetzt einmal sagen, weil diese Folge wird entweder ganz kurz vor oder nach
der Buffet erscheinen. Ich fürchte danach, aber wenn sie noch davor erscheint.
Wir werden auf der Messe gucken, dass wir Gästen, die schon mal im Podcast
waren, habhaft werden und mal gucken, dass wir so ein bisschen Follow-up machen.
Das habe ich so auch noch nicht gemacht. Ich bin sehr gespannt, ob das geht. Das
heißt, da kann ich schon mal testen, ob dir das Spaß machen würde. Aber pass
auf, wir gehen mal hier einfach voran und ich schiebe dich jetzt ein bisschen da
durch. Der erste Punkt ist, kinky Leute sind kinky Leute, sind alle ganz normal,
VIP's und Allüren
aber in dem Bereich bei dir gibt es besonders viele VIPs. Ich fange mal an,
Dita Von Teese, die kennen sogar ich und dann gibt es aber ganz viele andere
Namen, die sich einen Namen gemacht haben. Wie wird man ein Name und ab wann
lohnt es sich, den da vorne aufs Heft drauf zu schreiben, weil du weißt, das hat
Wirkung?
gemeinstmögliche Frage, wir müssen uns ja beeilen die
Andreas de MARQUIS
Wir haben uns getroffen, eben auch zusammen mit Peter Czernich und das waren
schon ganz, ganz besondere Momente und ich habe immer gedacht, das kann kein
Mensch sich zwei Stunden showmäßig einfach entblättern und dass das dann nicht
irgendwann langweilig wird. Oh mein Gott, ich lag so falsch. Die Show, die war
so kurzweilig und dir steht alle 30 Sekunden der Mund offen, weil du denkst, das
kann nicht wahr sein, was da noch abgefackelt wird an Show. Also wer die
Möglichkeit hat, Dita Von Teeses Show zu sehen, machen. Das ist unglaublich
und Wahnsinn.
Das heißt, sie ist ganz groß. Die anderen, ich sage jetzt mal,
Ruby Alexia zum Beispiel, eine ganz, ganz liebe Person
oder eine Eriki Tami, eine Sarah DeRose, die haben natürlich
eine gewisse Reichweite in den sozialen Medien aufgrund der Fotos, die sie
posten, aufgrund der Events, wo sie unterwegs sind.
Also die sind auf Social Media, glaube ich, groß geworden. Und
das ist natürlich für uns als Magazin ein Signal dafür, dass da eine gewisse
Relevanz ist und eine gewisse Reichweite. Und die Reichweite, die möchten wir
natürlich auch nutzen. Das ist immer ganz pragmatisch. Und auf der anderen Seite
ist es aber natürlich auch ein Gradmesser dafür, was die Leute gut finden
oder wen die Leute gut finden. Und wenn wir dann natürlich eben eine Ruby Alexia
auf dem Cover haben oder wen auch immer, dann möchten wir das auf der
einen Seite als eine gewisse Ehrung verstanden wissen. Und auf der anderen Seite
ist es natürlich auch wieder sowas, wo wir sagen, wir hoffen dann natürlich,
dass die Fans dann auch das Heft haben möchten, weil eben Ruby oder Sarah
oder wer auch immer dann eben auf dem Heft zu sehen ist.
Sebastian
du hast mir ja dein erstes Bild gezeigt, das war eine Person, die ja
keine Fotoerfahrung hatte
und jetzt hast du jemanden mit einem Namen ist die Session dann einfacher, wenn
du ein Profi hast, weil die weiß, wie sie sich zu bewegen und zu schauen hat und
Übung hat oder macht das das eher im Durchschnitt komplizierter. Ich
stelle die Frage so passiv wie möglich.
Ich sage mal Allüren.
Andreas de MARQUIS
also mit den Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, war es anders.
Also sprich, je mehr Erfahrung da war, desto routinierter gehen gewisse Sachen
einfach von der Hand. Da ist man sicherer im Posing oder
weiß, welche Posen funktionieren. Auf der anderen Seite ist es aber oft so, dass
dann halt das ein oder andere Model nur die zehn Standardposen hat und das dann
halt auch, sagen wir mal, nur begrenzt ergiebig ist, wenn man dann halt drei
verschiedene Sets machen möchte und dann halt immer dieselben Posen gezeigt
bekommt.
Anfänger sind manchmal eben am Anfang ein bisschen verkrampfter, ein bisschen
unsicherer, aber das funktioniert dann eigentlich mit ein bisschen Anwärmen und
mit ein bisschen, sagen wir mal, nett sein. Das ist auch eine Sache, die dann
halt der Fotograf auch leisten muss. Also es bringt nichts als Fotograf zu
sagen, das sieht jetzt ja voll scheiße aus. Damit hilft man dem Model ja nicht.
Das ist nicht kooperatives Zusammenarbeiten.
Ich frage dann immer die Models zum Beispiel, ob ich sie anfassen darf. Ich
fasse niemanden an, den ich nicht ausdrücklich um Erlaubnis gebeten habe und ich
frage in der Regel auch nicht um Erlaubnis, weil ich gar kein großes Interesse
habe, diese Person anzufassen. Aber wenn es eben um das Thema Posing geht, dann
ist es manchmal so, dass du den Leuten nicht genau erklären kannst. Also Hüfte
mehr eindrehen, das Knie durchstrecken.
Wenn die Models nicht eine gewisse Erfahrung mitbringen, dann verstehen die
nicht genau, was man meint. Und dann sage ich, darf ich dich anfassen? Und dann
drehe ich mir die Models in die Pose, die ich haben will.
Sebastian
Das kenne ich von meinem letzten Perso-Bild.
Andreas de MARQUIS
Das
Sebastian
Da hat dann die Fotografin da auch gesagt, machen Sie mal das. Was? Und dann ist
sie wirklich auf mich zugegangen, hat meine Schulter so ein bisschen gedreht und
meinte so, jetzt nach da gucken. So, und dann war das auch gut. Die hat mir
wirklich versucht zu erklären, dass ich eigentlich mich irgendwie verdrehen
soll, damit das halt auf diesem Stuhl funktioniert. Es war nur ein Passbild.
Aber trotzdem, selbst da habe ich es nicht verstanden.
Andreas de MARQUIS
Also
Shooting in Vegas - Regen!
Sebastian
Wann hast du das letzte Shooting gemacht? Wie lange ist das her?
Wird ja nicht so lange sein.
Andreas de MARQUIS
glaube das letzte Shooting war tatsächlich April in Las
Vegas.
Sebastian
Okay. Wie läuft das ab? Also ich, weißt du, aus meiner
Laiensicht, du bist ja der Fotograf, das heißt, du kommst da hin, die sind
da gerade fertig zurecht gemacht, dann drapieren die sich, dann gibt es ein paar
Anweisungen und nach 20 Minuten ist das Thema erledigt. Gib mir nochmal einen
Einblick, ob das harte Arbeit ist, eine Bilderstrecke mitzunehmen.
Andreas de MARQUIS
Also ja,
Sebastian
Ich weiß, das ist viel zu allgemein gefragt, aber
Andreas de MARQUIS
du grenzt mich gerne ein.
Sebastian
bin das Model und du willst mir erklären, wie wir nächste Woche dieses Shooting
machen. Was kommt auf mich zu?
Andreas de MARQUIS
Da muss ich eben wieder sagen, ich bin halt leider Gottes völlig naiv. Und wir
sind mit sehr viel Lernerfahrung aus Vegas zurückgekehrt, weil Vegas
einfach vom Arbeiten, vom strukturierten Arbeiten her
betrachtet eine Vollkatastrophe war. Ich fotografiere sehr viel Outdoor mit
natürlichem Licht, weil ich das sehr gerne mag und Vegas, Wüste,
Vegas, der Strip, die Lichter, das hatte ich als Vision im Kopf.
So, und wir sind da gelandet und es hat geschüttet, wie aus Eimern und es war
vier Grad.
Sebastian
Nein.
Andreas de MARQUIS
Es war, du kannst, du konntest nichts machen. Also haben wir uns eine Suite
gemietet in so einem Casino-Hotel-Dingsbums, haben dann da ein bisschen
geshootet. Wir hatten die Charlotte Sartre, das ist eine ganz große,
großartige Adult-Performer,
Pornodarstellerin, Sexdarstellerin, Model, ein wunderschöner,
wundertoller, großartiger Mensch, hatten wir extra eingeladen. Wir hatten Shiny
Lady und also wirklich eine ganz, Mertley Monroe, die auch auf dem Cover der
85 war auch. Wir hatten so viele tolle Leute und wir konnten die Hälfte von dem,
was wir halt shooten wollten, nicht machen, weil die ersten drei Tage hat es
halt einfach geschüttet.
Sebastian
Drei Tage.
Andreas de MARQUIS
und
Sebastian
Oh Gott. Wie
Andreas de MARQUIS
du kriegst dann halt diesen Flair nicht hin, also das sieht dann halt du kannst
shooten, natürlich kannst du rausgehen und shooten, aber das sieht dann halt
aus wie Castrop-Rauxel bei Regen, da hast du halt nichts gewonnen
so und
das heißt, wir haben für uns mitgenommen, du musst halt Moodboards machen, du
musst quasi vorher sagen, was für Posen willst du mit wem du musst viel weiter
im Voraus planen was, welche Klamotten hast du dabei? Welche Models hast du
dabei? Welche Klamotten für welches Model? Welche Models kannst du
zusammenpacken, welche nicht? Damit man dann einfach sagen kann, okay, das ist
quasi Konsens. Wir haben dann noch eine Alternative Indoor-Outdoor, dass wir
eben sagen können, wenn das Wetter nicht mitmacht, was machen wir dann? Und
solche Geschichten. Das heißt also, jetzt könnte man so ganz großkotzig
rüberkommen und sagen, man ist ja nicht nur der Fotograf, man ist ja der
Producer. Also man plant ja den ganzen Krempel ja auch. Und da
waren wir einfach unglaublich schlecht und das haben wir jetzt schon, also jetzt
bei den nächsten Shootings versuchen wir an der Stelle eben wirklich massiv zu
arbeiten, weil das natürlich dann auch wieder den Models zurückspielt,
dass man die Sache im Griff hat, dass man weiß, was man tut, dass man weiß, wie
man agiert und dass man immer auch den Plan B quasi in der Tasche hat. Und
je selbstsicherer, zuversichtlicher man selber ist,
desto mehr spiegelt sich das natürlich dann auch dem Model wieder und desto
zuversichtlicher, sicherer ist sie dann natürlich auch in ihrer Arbeit vor der
Kamera. Weil wenn das Model dann sagt, oh Gott, was ist denn das für ein
Pfeife, dann kann es durchaus sein, dass dann eine gewisse Unsicherheit oder
gewisse Vorbehalte dann einfach die Performance des Models halt auch
beeinträchtigen. Und Modeln ist harte Arbeit. Also das ist wirklich wie ein
Workout, weil du eben permanent diese Körperspannung aufbauen musst.
Und ich habe das oft gesehen, dass Mädels, die in einer Jogginghose und einem
Hoodie aufgelaufen sind, wo du gesagt hast, das kannst du vergessen. Die
guckt dir die an, was willst du mit der machen? Mit der kannst du nicht shooten.
Und die stellt sich vor die Kamera, die Körperspannung kommt, die Pose kommt und
du denkst, Weltklasse. Also das ist schon ein Unterschied wie Tag und Nacht und
das brauchst du. Also du brauchst dann eben das Model, das selbstsicher ist und
das sagt, okay, du bist gut in deinem Job, du bist gut vorbereitet und jetzt
liefere ich dir, was du brauchst.
Sebastian
viele Bilder entstehen da?
Andreas de MARQUIS
Bei mir viel zu viele. Habe ich jetzt bei der Nachbearbeitung entdeckt, also in
Vegas haben wir 14.000 Bilder gemacht in sieben Tagen und
das war völlig, also auch in der Nachbearbeitung, alleine das Sichten kostet
dich.
Sebastian
Du wirst irgendwann blind, wenn du da 600 Mal ein ähnliches Motiv hast. Also ich
wäre nicht in der Lage, das Bild zu identifizieren, was besonders ist.
Andreas de MARQUIS
Nein, ich eben auch nicht. Deswegen habe ich auch meiner lieben Assistentin, der
Nicole, die mit in Vegas war, eben auch gesagt, für die Zukunft
halten wir diese Shootings kurz, maximal eine Dreiviertelstunde, dass
wir eben nicht zu viel desgleichen haben. dass wir dann eben nicht in diese, wir
haben jetzt sechs Bilder, die ganz bisschen unterschiedlich sind und wenn du
mehrere Models hast, dann sagst du, also das Bild wäre bei dem Model besser und
das Bild wäre aber bei dem Model besser und dann blockierst du, weil du dann
sagst, okay, ich kann mich jetzt nicht entscheiden, welches dieser Bilder besser
ist und ich prokrastiniere dann, das heißt, ich mache mir dann was anderes und
dann liegen diese Sachen oft monatelang irgendwo auf Halde und das ist den
Models gegenüber unfair, das weiß ich auch und das tut mir in meinem Herzen weh,
Wenn ich dann Wochen später oder Monate später sage, ich habe jetzt mal wieder
was bearbeitet. Also das sind so die Sachen, an denen ich für mich eben arbeiten
muss und besser werden muss, dass eben solche Sachen dann schneller passieren.
Aber letztendlich die Vorbereitung ist wichtig und die verkürzt dann eben auch
das reine Shooting, was dann auch für das Model wieder sehr angenehm ist, weil
es ist ein Unterschied, ob man vier oder nur zwei Stunden vor der Kamera stehen
muss.
Und grundsätzlich Spaß haben, wenn man shootet, eine gute Stimmung haben,
weil dann sind die Ergebnisse am besten.
Sebastian
Das ist immer so die Frage. Das ist die letzte Frage zum Thema Magazin. Was
macht dir am meisten Spaß an alledem?
Andreas de MARQUIS
Das Shooten tatsächlich.
Sebastian
Okay.
Andreas de MARQUIS
Das Shooten und dann natürlich die Pleasure Bay noch, weil das mein Baby ist.
Aber, also
Sebastian
Ja, da kommen wir gleich hin. Das ist ja Magazin. Also alle Tätigkeiten, die mit
dem Magazin zu tun haben. Also das Shooten ist wirklich das Ding für dich. Dann
Andreas de MARQUIS
das Magazin zusammenbauen und dann am Schluss die druckfertige Datei
der Druckerei zu übergeben und dann zu sagen, ja, das war gut. Das ist schon
nicht schlecht. Das Problem ist nur, man wird nie fertig.
Sebastian
später kommt die nächste, ja.
Andreas de MARQUIS
Man wird nie fertig, weil man sieht dann doch immer noch was oder denkt sich,
ah, das hätte man anders machen können oder ah, Mist, da ist ein Tippfehler
drin. Also man ist nie wirklich hundertprozentig zufrieden. Dieser kurze Moment,
wenn man sagt, nee, das ist doch ganz gut geworden oder war nicht ganz schlecht,
das ist schon schön, aber dieser Moment des Shootens, also dieses Interagieren
mit einem anderen Menschen, um was Schönes zu kreieren, das ist schon was ganz
Besonderes und das genieße ich tatsächlich sehr.
Sebastian
schlage nochmal den Bogen zu mir als elendigen Podcaster. Der Moment der
Aufnahme, dieses sich treffen, in die Augen sehen und auch deine Gestik zum
Beispiel. Die kann das Publikum nicht sehen, sie werden es trotzdem irgendwie
unterbewusst mitkriegen beim Hören. Das ist es. Das macht unfassbaren Spaß und
ich kann mir das vorstellen.
HowTo Pleasure-Bay
So, die Uhr, die Uhr, die Uhr, das sage ich ja manchmal. Heute stimmt es aber
auch. Wir könnten noch den ganzen Tag sprechen, aber du hast die schon mal so
ein bisschen als am Anfang angesprochen, die Pleasure Bay.
So, ich setze mal, ich mache das sonst nicht, ich mache mal jetzt ein Limit, ich
sage jetzt mal 10 Minuten, nehmen wir uns Zeit für die Pleasure Bay.
Andreas de MARQUIS
Ja, richtig.
Sebastian
Mal gucken, wie du mit Druck klarkommst. Also, Pleasure Bay ist eine
Party und du hast schon erwähnt, ihr mietet dafür ein Hotel.
Wie kommt es dazu? Dazu.
Andreas de MARQUIS
Ich war tatsächlich als Teenager in dem Hotel, habe da eine sehr, sehr schöne
Zeit verbringen dürfen. Deswegen ist mir das dann während Corona wieder
eingefallen, als ich nach einem Platz gesucht habe für diese Idee, mehrere Tage
in einem Hotel zu verbringen. Die lieben Leute vor Ort haben ja gesagt, wir
machen das. Und so ist die Geschichte dann quasi gestartet.
Sebastian
Okay, also erstmal, wie viele Betten hat das Hotel?
300. Das ist schon ein Brummer, ne? Und dann gehst du jetzt da als, ich sag mal,
deutscher Tourist hin und sagst, ich möchte den Schuppen mieten. Was hast du
denen denn erzählt?
Andreas de MARQUIS
300. Ich habe die angerufen, ich wusste, dass es unter deutscher Führung ist,
also der Besitzer ist Grieche oder die
Besitzerfamilie, er ist Grieche, sie ist Deutsche. Das heißt, ich wusste, ich
komme da zumindest sprachlich schon mal ohne große Barrieren durch. Ich bin dann
runtergeflogen, habe denen die Hefte auf den Tisch gelegt, habe gesagt, das ist
es. Wir haben uns dann geeinigt auf eben, ja, lass es uns mal probieren am Ende
der Saison. Fand ich am Anfang gar nicht gut, Ende Oktober, weil ich gedacht
habe, ja Ende Oktober, wenn ich Ende Oktober in Deutschland aus dem Fenster
gucke, dann sehe ich eigentlich kalt, Regen, nass und Herbst. Und ich war dann
im Oktober unten und es war wunderschönes Wetter und eben nicht zu heiß für
Latex, Leder, ähnliches.
Sebastian
Kreta war das, ne?
Andreas de MARQUIS
Kreta, genau.
Sebastian
Genau, Kreta war es. Ich weiß gar nicht, ob wir es schon erwähnt haben. Ja,
doch, das geht. Oktober ist schön da. Ich war Ende September mal da, das war
genau richtig, ehrlich gesagt.
Andreas de MARQUIS
Also
du hast eben nicht diese 40 Grad, die du jetzt mittlerweile eben im August oder
im Juni, Juli oder sowas eben teilweise hast, sondern du hast dann eben 25 Grad
in der Sonne, gerne auch ein bisschen mehr, dann wird dir richtig schön warm.
Sebastian
sagt,
Andreas de MARQUIS
Also wenn du dann eben sagst, ich möchte jetzt mal eine Stunde oder ein paar
Stunden am Pool liegen oder am Strand, perfekt. Und wenn ich aber quasi in
Vollgummi mit Gasmaske rumrennen möchte, dann klappt mir nicht sofort der
Kreislauf zusammen.
Sebastian
was hast du dem Hotel denn gesagt? Also was für eine Party ist es? Was für eine
Party ist es? Oder wenn es ja keine Party ist, es ist ja wirklich ein Urlaub.
Also geht's wirklich um Fetischkleidung und Freizügigkeit? Oder ist auch Kink in
Klammern BDSM auch ein Teil des Deals gewesen? Also was hast du dem gesagt, was
ihr da vorhabt?
Andreas de MARQUIS
Wir haben es
Sebastian
Wir hängen die Leute hier in der Lobby auf? Also ich weiß es ja nicht. Oder wir
peitschen am Pool aus, ihr müsst das Blut hinterher von den Steinen kratzen. Das
muss man denen ja auch verkaufen, wenn man wenn man so einen Laden haben will.
Andreas de MARQUIS
sagen wir mal, ein bisschen mit der Anmutung und mit dem Niveau von dem Narki
verkauft, sozusagen. Also sprich, da laufen dann Leute rum in seltsamen
Gewandungen, in Latex, in Leder und so.
Sebastian
Gewandungen, ja.
Andreas de MARQUIS
Und die wollen eigentlich nur Spaß haben und die tun niemandem was. Die
wollen doch nur spielen.
Und wie gesagt, das hat funktioniert.
Wir haben dann auch ganz offen eben damit gesprochen, dass wir halt auch mit dem
Personal ganz offen umgehen müssen, weil es bringt nichts, wenn man das Personal
das Handtuch schmeißt und sowas. Das heißt, es gibt auch einen Teil des
Personals, die einfach sagen,
will ich nichts mit zu tun haben, will ich mich nicht darauf einlassen, Ich
nehme in den Tagen einfach frei, die werden dann davor oder danach eingeteilt und
die Leute, die aber das tatsächlich mal mitgemacht haben, die feiern das, die
lieben das. Also wir hatten den Barkeeper auch schon auf der Bar tanzend, weil
er einfach gesagt hat, ich muss selber hier mitgehen und sowas. Also da hatten
wir schon auch von den Leuten richtig Spaß und der, richtig,
Sebastian
ist halt nicht die Stimmung von sich sehr schnell betrinkenden englischen
Touristen. Es ist ein bisschen einfacher handelbar. Okay, wann, das
war das erste Mal? Dann 2021, 2022? Irgendwie so muss das ja gewesen sein.
Andreas de MARQUIS
22 war das erste Mal. Ich musste jetzt gerade nachzählen.
Sebastian
also ich stelle mir das gerade vor, ja, ich habe da jetzt dieses Magazin, okay,
okay, und ich habe jetzt dieses Hotel und habe denen offensichtlich Geld
versprochen, jetzt muss ich irgendwie
Andreas de MARQUIS
Wie stellst
Sebastian
Buchung rankriegen und so. Also wie sehr warst du dir sicher, dass das geht,
dass das klappt?
Andreas de MARQUIS
Gar nicht, aber wie gesagt, ich bin naiv. Ich habe mir gedacht, gucken wir mal.
Mehr als schief gehen kann es ja nicht.
Sebastian
Gott, das heißt, du hast im Zweifel ein sechsstelliges Risiko am Hals gehabt.
Wind, Wetter und Überflutung
Gut, muss man, ganz ehrlich, Mut muss auch belohnt werden.
Andreas de MARQUIS
Also es wurde
Sebastian
Hat geklappt, also wurde es gebucht.
Andreas de MARQUIS
gebucht. Die erste Pleasure Bay ist legendär, weil wir einen
Jahrhundert-Hurricane hatten, während wir da unten waren. Wir durften das Hotel
an dem einen Tag nicht verlassen.
Sebastian
Und es ist...
Andreas de MARQUIS
An dem Tag war ich dann lustigerweise am Weg zum Flughafen, um Lola Noir
abzuholen. Deren Flug wurde umgeleitet nach Athen. Der griechische, also der
kretische Flughafen in Heraklion hat nicht mehr existiert. Die Landebahnen waren
knapp einen Meter unter Wasser.
Ich fahre während dieses Hurricanes, obwohl man eigentlich im Hotel bleiben
sollte. Ich habe das halt alles nicht mitgekriegt. Ich war ja in meiner Bubble.
Die Autos lagen auf dem Rücken in den Straßengräben und was weiß ich nicht
alles. Und ich bin da halt gemütlich durch die Insel getuttelt und habe mir
gedacht, mein Gott, das ist aber ein Lüftchen hier. Das ist schon ein bisschen
doof. Ich hätte jetzt eher gerne ein bisschen Sonne und sowas gehabt und als ich
dann den ganzen Umfang kapiert habe, was da alles gerade abgeht, ist mir mein
Herz wirklich in die Hose gerutscht und ich war so klein mit Hut, weil ich
einfach Angst davor hatte, meinen Gästen unter die Augen zu treten, weil ich
einfach gedacht habe, ich habe auf ganzer Linie versagt. Ich habe jetzt da Leute
runtergeholt, die ein Schweinegeld dafür bezahlen, diese Veranstaltung zu
besuchen und es ist ein Hurricane, das Wasser steht zehn Zentimeter hoch im
Speisesaal, wir dürfen das Hotel nicht verlassen, wir können auch draußen nichts
machen, weil halt einfach die Welt gerade untergeht. Ich saß in meinem Zimmer,
ich hab geheult Ich war fix und fertig Ich hab gedacht, das war's Ende, fertig
Und irgendwann hab ich gesagt, okay, auch zum Christian dann gesagt, wir müssen
da jetzt raus Wir müssen irgendwie eine Ansage machen oder sonst irgendwas Und
wir sind da rausmarschiert und die Leute haben getanzt und waren happy
und waren zufrieden und glücklich und haben gefeiert
Und das war für mich ein absolut bewegender Moment, weil
ab dem Moment war für mich die größte Sorge der Pleasure Bay erledigt, von
wegen, was machen wir, wenn das Wetter mal nicht mitspielt.
So. Und der Gag, den wir dann als Running Gag für die Leute, die eben jetzt
schon die ganze Zeit dabei waren und jedes Jahr wiederkommen, sagen wir immer,
keine Sorge, wir haben dieses Mal den griechischen Göttern gehuldigt. Das hatten
wir beim ersten Mal nicht gemacht, deswegen gab es diesen Hurricane, weil die
einfach neidisch waren, dass sie so eine geile Party hier auf ihren Gestaden
hatten und nicht eingeladen wurden. Und jetzt machen wir halt wirklich jedes
Mal, bevor ich nach Kreta fliege, mache ich so ein kleines für mich Ritual, wo
ich die griechischen Götter um Beistand bitte und sie herzlich einlade, doch mit
uns die Sau rauszulassen.
Sebastian
Was meinst du, warum gibt das den Leuten so viel? Du hast mir eben eine Geschichte
erzählt, ich versuche sie trotzdem nochmal in diesem Podcast reinzuholen
Verabschiedung dass ein Paar, die sonst nie Urlaub haben dass die
waren begeistert, warum?
Andreas de MARQUIS
Ja.
Sebastian
Was haben die erlebt? Warum sie so glücklich gehen konnten?
Andreas de MARQUIS
Also wir haben wirklich, dass es viele, also ja, wir sind sehr Pärchenlastig.
Also es sind Doppelzimmer, die Einzelzimmer gibt es nicht. Das sind einfach
Doppelzimmer, die dann einzeln belegt werden. Das ist für uns nicht ganz so
schön.
Insofern haben wir da eben eine Tendenz für Pärchen. Und das gibt eine sehr,
sehr positive Energie insgesamt.
Wir sind keine Großveranstaltung mit irgendwie 2.000, 3.000, 4.000 Leuten,
sondern eben ein sehr kleines Ding und man sitzt halt drei, vier, fünf Tage
wirklich aufeinander zu den Mahlzeiten und, und, und. Und da entwickelt sich
auch viel, das heißt, man lernt Leute kennen, man spielt vielleicht mit den
Leuten auch. Wir hatten bei der letzten Pleasure Bay am Schluss eine Orgie
an der Bar auf dem Dancefloor mit, ich weiß nicht, wie viele Leute da beteiligt
waren, ich habe mir das angeguckt, ich war hin und weg, weil ich einfach nur
gedacht habe, die Leute, die feiern wirklich jetzt einfach, sie nehmen den
Moment einfach so, wie er ist und es geht und es geht und es geht weiter. Und es
war so schön zu sehen und ich glaube, dass die Leute eben wirklich, das was ich
eingangs gesagt habe, dieses abends muss man wieder nach Hause und man nicht so
wild und abends am nächsten Morgen ist man ja dann wieder mit den Kindern
vielleicht unterwegs oder sowas, also vielleicht nicht so feste zuhauen und
diese ganzen Geschichten. Und dass du das halt bei diesem Fünf-Tage-Urlaub halt
einfach wirklich zumindest mal die ersten Tage komplett ausblenden kannst. Und
eben in diesen Urlaub reinzukommen, du bist auf Kreta, du bist nicht irgendwo in
Hannover oder sowas, sondern du bist auf Kreta. Du bist an einem der schönsten
Flecken dieser Welt, in einem sehr, sehr schönen Hotel mit unfassbar lieben
Menschen und du kannst sein, wie du willst. Da rennen Leute mit irgendwie,
was weiß ich, die eine Dame hat vier Sklaven dabei, die alle mit ihrem
Keuschheitsgürtel und Handschellen oder sonst irgendwas da rumrennen und die
sind nur dabei, der Dame den nächsten Drink zu bringen und die Füße zu massieren
und sonst irgendwas. Und die sind happy und sie ist natürlich auch happy. Und
wir haben Leute dabei, die in drei Lagen Gummi mit Gasmaske, Rebreather und
was weiß ich nicht alles dann am Pool liegen. Wir haben Leute in Leder, wir
haben Leute, die dann einfach sagen, nachmittags will ich aber meine Ruhe haben,
die sich dann einfach im Bikini oder nackt an den Pool schmeißen. Oder das Hotel
liegt ja in einer schönen kleinen Bucht, die auch eben nur für das Hotel
zugänglich ist. Das heißt, da können wir also auch wirklich unter uns dieses
gesamte Areal bespielen. Das heißt, ob dann Leute dann am Strand plötzlich
sagen, lass uns doch mal loslegen oder im Playroom oder am
Pool oder in der Wiese oder auf dem Zimmer oder who cares.
Sebastian
Es geht alles, ja?
Andreas de MARQUIS
Genau. Und ich denke, das ist einfach, das macht nochmal was mit einem, wenn man
wirklich zum Frühstück erscheint, da geht jetzt gar nicht um das eigene Outfit,
sondern wenn du zum Frühstück erscheinst und du siehst, da stehen, was weiß ich,
drei Sklavinnen, vier Sklaven, ein paar dominante Persönlichkeiten rum. Da rum,
also da wird gespielt, da wird Spannung aufgebaut, da knistert es, weil du genau
weißt, ja der eine, der jetzt da steht, der bringt jetzt gerade den Toast zu
seiner Herrin und die Herrin sagt, nein, der Toast ist mir nicht braun genug,
hol mir einen neuen. Ja, und du siehst, wie er natürlich, oh mein Gott, oh mein
Gott, aber du siehst, wie die beiden Spaß haben in ihrem Spiel und das zum
Frühstück, auf Deutsch gesagt, zwischen Spiegelei und Toast sozusagen. Und das
geht dann weiter und ab einem gewissen Punkt bist du halt wirklich voll in
deiner Rolle, bist du voll in deinem Metier, in dieser Bubble eingetaucht.
Sebastian
Also ich hätte jetzt erwartet, das wäre jetzt die nächste Frage gewesen, ob die
Spannung halten
Leute über fünf Tage diese Spannung überhaupt halten können oder ob die
irgendwann, also man kommt an, legt los, man merkt die Möglichkeiten, geht voll
rein, aber das kann ja auch durchaus anstrengend sein. sein. Also ist das so
eine Wellenbewegung oder ist irgendwie immer, also halten die Leute das länger
durch, weil es alle können?
Andreas de MARQUIS
Es ist anstrengend.
Also wir haben, die klassische Pleasure Bay war in den vergangenen Jahren immer
drei Tage, also Freitag, Samstag, Sonntag. Und was wir dann aber festgestellt
haben war, und das werden Leute, die regelmäßig spielen vielleicht kennen, du
kommst, du brauchst ein bisschen um reinzukommen und du brauchst auch dieses
Aftercare-Thema, also du musst auch irgendwie wieder rauskommen. Und wenn jetzt
Leute quasi am Freitag ankommen und es geht sofort in die erste Party rein und
du gibst sofort Vollgas, gehst in den Playroom und spielst und und und und dann
machst du es am Samstag nochmal und am Sonntag nochmal und dann fliegst du
wieder nach Hause, weil du am Montag arbeiten musst.
Also da musst du schon charakterlich absolutes Einhorn sein, dass
du das ohne einen sauberen Drop irgendwie überstehst.
Sebastian
wollte
gerade sagen.
Andreas de MARQUIS
Und deswegen haben wir jetzt für dieses Jahr eben gesagt, wir machen fünf Tage.
Sebastian
Also
Andreas de MARQUIS
Das heißt, wir haben jetzt den Donnerstag und den Montag noch dazu genommen. Und
das ist aber für einen sanften Ein- und für einen sanften Ausstieg. Also sprich,
da ist jetzt kein großes Programm, wo wir jetzt Vollgas geben, sondern wir
sagen, du darfst schon in Montur sein, da sind keine Leute mehr, die jetzt
irgendwie was gegen Kinky People oder Fetish People oder BDSM Leute haben, aber
da geben wir noch nicht Vollgas. Das heißt, die Kern-Pleasure-Bay, wo wir
wirklich Vollgas geben mit Party und großem Programm, sind die drei Tage. Aber
dieses Raus langsam, das haben wir eben festgestellt, dass Leute eben von sich
aus schon länger geblieben sind und dieses nach der dritten Party dann an dem
Abend drauf, alle zusammen im Restaurant am Strand zu sitzen, großer Tisch,
große Runde, man tauscht sich aus, weil man hat sich auch kennengelernt, man hat
Sachen erlebt zusammen. Das ist dann nochmal dieser Moment, der halt wirklich
zusammenschweißt, wo man auch merkt, da entstehen Freundschaften, wo Leute sich
dann eben auch auf anderen Partys oder einfach auch mal privat treffen, weil man
ja eben zusammen auf der Pleasure Bay war.
Sebastian
mein Fernweh steigt. Von den 10 Minuten haben wir noch minus 5 übrig.
Andreas de MARQUIS
Ah,
Mist.
Sebastian
Pass auf, jetzt hast du ja ein Event, eigentlich hast du dein Event erschaffen,
das du gerne möchtest.
Andreas de MARQUIS
Ja.
Sebastian
Und jetzt hast du genau, Genau,
Andreas de MARQUIS
Und ich bin der Arsch, der den Mist organisieren muss und der währenddessen
Alternativen
arbeitet.
Sebastian
wo kriegst du denn mal das, das ist jetzt mal eine fiese Frage, du hast ja von
deinem Event gesprochen, was für ein Event, was nicht von dir ist und deiner
Bubble, gehst du gerne?
Andreas de MARQUIS
Ja, genau.
Sebastian
Wo sagst du, das ist gelungen, da gehe ich gerne hin? Wo kannst du dich mal
fallen lassen?
Andreas de MARQUIS
Also die Events sind tatsächlich für mich zu 90 Prozent Arbeit.
Sebastian
Genau, aber wo ist das mal keine Arbeit? Wo bist du gerne zu Gast? Wo gehst du
gerne hin? Wo sagst du, das ist ein Event, das mag ich?
Andreas de MARQUIS
Also ich mag, wieder Grüße an René, den GFB, weil da einfach sehr viele
Models unterwegs sind. Der Event, der mir besonders ans Herz gewachsen
ist und auf den ich mich jetzt auch wieder sehr freue, ist die Avantgardista,
weil die einfach vom Konzept her wieder dem entspricht, was ich halt mit dem
Marquis machen möchte, was ich von meiner Denke her einfach glaube, das richtig
ist. Das ist eben, die Avantgardista ist offen, das heißt, das ist eine riesige
Modenschau, ich glaube, es ist Europas größte Fetisch-Kinky-Modenschau oder
sowas in München mit hunderten von Models, mit total
großartigen internationalen Designern und das ist wirklich Glamour pur.
Und das macht dann wieder richtig Spaß, selbst wenn dann eben ein Gutteil auch
wieder Arbeit ist, aber dann diese Shows zu genießen, internationale Designer
wirklich zu genießen und dann eben, ich sag mal so eine Fashion Show ist erstmal
grundsätzlich spannend, aber es ist ein Unterschied, ob es halt dann noch
prickelt, weil die Outfits halt besonders cool sind oder weil man da sich halt
im Bereich Fetisch oder auch Leder, Latex. Da gibt es großartige Designer, die
einfach dann ihre Sachen präsentieren, wo man einfach merkt, die Leute haben
Spaß daran, dass die Leute schön aussehen mit diesen Designs,
die sie entwerfen.
Sebastian
Jetzt leuchten deine Augen wieder.
Andreas de MARQUIS
Und das
Sebastian
Ich bremse dich schon wieder.
Andreas de MARQUIS
macht Spaß. Also die Avantgardista, das ist eben noch so ein Event, wo ich sage,
also das genieße ich schon auch sehr, da zuzugucken.
Sebastian
Das ist aber auch alles Deutschland. International gibt es was, wo du sagst, das
ist ein Highlight?
Andreas de MARQUIS
Leider nicht mehr. Ich war in Tokio auf dem Department H Rubberball, also der
größten Fetischveranstaltung in Japan. Aber die gibt es, soweit ich weiß, so in
diesem Setup nicht mehr. Ich war so bei der letzten dabei. Irre. Also
die Japaner sind einfach irre. Im bestmöglichen Sinne sind die komplett irre. Da
könnte ich jetzt alleine schon wieder drei Stunden drüber erzählen, ich mache es
jetzt bewusst nicht, vielleicht wollt ihr ja was drüber hören.
War eine völlig verrückte, wahnsinnige Zeit mit wirklich den schrägsten
Begebenheiten. Das kann man sich als Europäer so nicht vorstellen, dass das
funktioniert und so gemacht wird. Aber Wahnsinn.
Sebastian
Liebes Publikum, wenn ihr das hören wollt, schreibt es drunter.
Okay, einfach der Vollständigkeit halber, weil es mich auch interessiert. Kann
man sich so eine Pleasure Bay leisten? Also gib mal eine grobe Zahl her.
Andreas de MARQUIS
denke ja.
Also das Doppelzimmer für zwei Personen für die vollen fünf Tage. Also jetzt
gehe ich wirklich, ich mache das große Besteck.
Das kostet 1900 Euro. Das heißt, das sind dann quasi 950
pro.
Sebastian
Das muss man sich erlauben können, aber das ist machbar. Das ist jetzt also kein
15.000 Euro Event. Ich wollte das nur einmal davon abgrenzen. Da kommt wohl noch
der Flug dazu, vermutlich.
Andreas de MARQUIS
Der Punkt ist, wenn man jetzt eben guckt, dass so ein Eintagesparty oder so ein
Wochenende ja auch dann schon bei zwei, drei, manchmal sogar 400 Euro liegt.
Sebastian
machbar.
Ich war jetzt mit der Familie auf Gran Canaria und ich weiß, was das kostet. Und
da war nichts mit Kink. Im Gegenteil, wenn man im Juli auf Gran Canaria ist, hat
alles zu, was mit Kink ist, weil die haben ja Sommerpause.
Na gut, also ich wollte nur einmal eine grobe Einordnung von dir haben.
Andreas de MARQUIS
Aber es gibt jedes Jahr dann die Early Birds, also für die Frühbucher und was
ich nochmal extra erwähnen möchte, weil das wurde uns als ganz wichtiger Punkt
wieder gespiegelt. Also leider haben sehr viele Fetischveranstaltungen
international, wie auch in Deutschland, ein nicht vorhandenes oder ein extrem
schlechtes Catering. Und das prangere ich auch an. Und die Jungs, die das Hotel
machen und die Jungs und Mädels, also die Leute, die dieses Hotel machen, die
können kochen. Und wenn wir dann am Freitag, also da gibt es Fotos auf der
Webseite pleasure-bay.com,
Sebastian
Okay, das ist geil.
Du kannst es so sagen, ist kein Problem. Komm, sag es einmal, dann...
Pleasure-bay.com.
Andreas de MARQUIS
da gibt es die Fotos von den Buffets und am Freitag, der erste Tag ist dann
eben so ein großes Empfangs, also ein richtig großes Barbecue, wo die Leute dann
wirklich am Buffet die Sachen frisch grillen.
Sebastian
Wunderbar. Pleasure-bay.com, ihr habt es gehört.
Andreas de MARQUIS
gibt es auch vegan, gibt es vegetarisch und so weiter und so fort, also da wird
niemand ausgeschlossen, es muss keiner Fleisch essen, aber das wird natürlich
einfach da dieses Ankommen wirklich zelebriert und ganz viele Leute haben uns
eben gesagt, gutes Essen, eine gute Location und guter Sex.
Zehn von zehn.
Sebastian
Ne,
Andreas de MARQUIS
Perfekt. Und das ist dann eben so ein Punkt, wo ich sage, okay, das gute Essen
Gepäckprobleme & Zollbeamte
darf man nicht vergessen.
Sebastian
das darf man auch nicht vergessen, wenn das schlecht ist, dann drückt es
trotzdem auf die Stimmung.
Okay, letzter Punkt zu der Party. Man fliegt also mit einem Koffer voll Stuff
nach Heraklion.
Gepäckprobleme habe ich hier noch stehen.
Andreas de MARQUIS
Also
Sebastian
Gibt es die? Gibt es da Geschichten zu?
Andreas de MARQUIS
wir Wir kennen einige, die halt die Koffer öffnen mussten.
Sebastian
Gut,
das ist ja...
Andreas de MARQUIS
Wir kennen auch einige, die es immer darauf anlegen, dass man mal rausgewunken
wird.
Sebastian
Das
Andreas de MARQUIS
So nach dem Motto, was steckt da in dieser Körperöffnung? Können Sie uns das
bitte mal zeigen? Oder der ein oder andere Peniskäfig, der dann einer
genaueren Inspektion unterzogen werden muss.
Sebastian
heißt, die Zollbeamte auf Kreta, die sind kinkfest, seitdem ihr das macht.
Da muss man sich also grundsätzlich keine Sorgen machen, dass die irgendwas zum
ersten Mal sehen.
Andreas de MARQUIS
Ja, für die ist es ja quasi gar nicht so wild, weil das ist ja nur nochmal
runter und das ist Ende der Saison. Also da sind die Kreter dann schon so, sagen
wir mal, dass sie einfach sagen, Hauptsache ihr geht, weil dann haben wir
nämlich Urlaub. Das heißt, die juckt nur, dass das zügig vorangeht. Das ist dann
eben der Zubringerflughafen, wo dann eben kontrolliert wird.
Sebastian
Okay, aber es ist jetzt bisher nichts einkassiert worden oder so, dass du das
mal gehört hättest, dass den Leuten irgendwie keine andere Reihenweise was
abgenommen wurde oder sowas.
Andreas de MARQUIS
Gut.
Einem unserer Fotografen letztes Jahr wurden Rauchbomben abgenommen, weil er
wollte die mitnehmen.
Sebastian
das hätte ich ihm auch sagen können.
Andreas de MARQUIS
Ja, genau.
Er wollte halt so ein bisschen so diesen Raucheffekt dann eben haben für so
Outdoor-Shoots und sowas, dass es so ein bisschen cool aussieht und die sind
nicht angekommen.
Sebastian
Na, sowas Blödes aber auch. Sowas schickt man halt per Post. So, ähm.
Oh, Andreas, die Uhr zwingt mich wirklich, wir können wirklich hier noch echt
lange quatschen und die Side-Stories, die wir jetzt nicht aufgenommen haben,
werden eigentlich auch noch erzählenswert. Wir machen das jetzt alles nicht.
Shorts
Und ich werfe dir mal ein paar Shorts hin, Dinge, die ich mir nebenbei
aufgeschrieben habe.
Andreas de MARQUIS
Ja, ist
Sebastian
Da würde ich dich bitten, so maximal eine Minute Minute pro Begriff, den ich dir
hinwerfe, damit das passt. Okay, ich fange einfach mal an.
Das hatte ich mir ganz am Anfang schon aufgeschrieben. Latex ist ja schön, aber
die passenden Schuhe.
Andreas de MARQUIS
ein Problem.
Also es gibt wunderbare Schuhmacher, The Custom Boot & Shoe Company, Koss,
großartiger Mann, hat Schuhe für Prince gemacht, zehn Jahre lang, hat Schuhe für
alle großen oder viele große Künstler weltweit gemacht. Aber es ist tatsächlich
für Männer vor allem ein Problem. Die Frauen, die haben Hochhackige oder die
Boots oder Plateaustiefel und so, dann geht das.
Sebastian
Ja, man sieht, ich blätter gerade nochmal durch die 86 durch. Also, dass ich
hier Füße, also Schuhe sehe, das kommt seltenst vor.
Andreas de MARQUIS
Das liegt dann aber wieder beim Fotografen.
Sebastian
Das ist nicht oft.
Ach doch, okay, und dann blätter ich weiter und plötzlich, zack, hab ich die
Heels drauf. Okay, ja.
Andreas de MARQUIS
Also ist natürlich ein wichtiges Thema, weil Beine, Füße immer lustig sind. Aber
ich persönlich, ich kämpfe mit dem Thema Schuhe auch ganz massiv.
Sebastian
Was trägst du denn? Weil du musst ja auch ein bisschen gehen, gerade wenn du
Veranstaltungen machst. Was trägst du denn zum Outfit?
Andreas de MARQUIS
Doc Martens oder ich habe tatsächlich von
mir fällt sein Name nicht ein, verdammt, das tut mir jetzt sehr leid, ich habe
Latexschuhe.
Also einmal passend zu meinen Outfits habe ich zwei Paar und dann habe ich noch
so Standard Doc Martens, die ich dann halt zur Not als Alternative trage.
Sebastian
Ja, das hab ich auch schon gesehen, stimmt.
Okay, simple Frage. Ist das Kunst?
Das ist
Andreas de MARQUIS
Kunst ist, wenn es jemandem etwas bedeutet. In dem Fall würde ich sagen, ja.
Sebastian
Camel-Kamel.
Andreas de MARQUIS
Du spielst jetzt auf die Werbeanzeigen an aus den
Sebastian
Genau, es gibt eine Werbeanzeige aus den 90ern, das Kamel in Leder. Leder, man
könnte aber auch bei schlechter Qualität sagen, Latex.
Andreas de MARQUIS
so ganz hohen Overknee-Boots war das.
Ich erinnere mich an die Werbeanzeige und ich kann es nicht verifizieren, aber
ich meine, Peter hat gesagt, dass er die Agentur von Camel damals angeschrieben
hat, weil er gesagt hat, er will diese Anzeige im Marquis haben. Und die hätten
dann gesagt, nein, auf gar keinen Fall, weil dann wäre es ja ernst.
Dann würden wir das ja nicht ironisieren.
Sebastian
Die Frage
Andreas de MARQUIS
Und wenn das wirklich so ist, dann muss ich Ihnen sagen, dann haben sie leider
nicht die Eier in der Hose gehabt, die es bedarft hätte, um eben wirklich das
Ding durchzuziehen.
Sebastian
ist, hast du es als
Jugendlicher wahrgenommen und hat es dich angesprochen? In der normalen Welt
wäre das mal das Thema. So ein bisschen sichtbar. Aber die haben das ja überall
plakatiert.
Andreas de MARQUIS
Also es ist aufgefallen, definitiv. Es war ja auch das Key Visual von dieser
Kampagne damals, soweit ich weiß. Aber jetzt irgendwie Erregung oder sonst
irgendwas damit verbunden habe ich nicht, sondern einfach, okay, sie haben jetzt
halt dieses Thema im BDSM-Fetisch im weitesten Sinne einfach jetzt
mal bespielt. Und man muss sagen, damals war die Zeit tatsächlich ein bisschen
weiter als sie jetzt ist, was Sexualität und Freiheit der Sexualität und sowas
angeht.
Da war das einfach ein Ding.
Sebastian
Superheld in den Filmen und deren
Kostüme.
Andreas de MARQUIS
Ja.
Sebastian
Eine spezielle?
Andreas de MARQUIS
Catwoman, natürlich, also die Tim Burton Catwoman ist einfach legendär, also das
Ding ist so ikonisch, Michelle Pfeiffer, glaube ich, lästert heute noch drüber,
dass dieser Suit so brutal eng und sonst was war und dass sie da
einvakuumisiert, aber dafür ist sie unsterblich, also das muss man einfach
sagen, also
Sebastian
Das ist eigentlich spannend. In dem Bereich ist Latex und auch wirklich hauteng
und zeigt viel und so weiter gesellschaftlich völlig akzeptiert.
Andreas de MARQUIS
Matrixfilme, Also im zweiten Teil, was
Monica Bellucci, eine irre Frau, was sie da anhat, das ist einfach purer
Fetisch.
Sebastian
Ja, Matrix, das
Andreas de MARQUIS
Dieses grünlich schimmernde, durchsichtige Latex gibt
Sebastian
habe sogar ich noch vor Augen.
Okay, von dem perversen Zeug leben.
Andreas de MARQUIS
es, glaube ich, in der Szene insgesamt sehr wenige, die das können, auch wenn
ich jetzt vielen Leuten damit vielleicht in die Suppe spucke.
die Szene ist sehr klein also
Sebastian
Kannst du es?
Andreas de MARQUIS
wenn ich jetzt wirklich sagen wir mal
eine Solo-Operation wäre, also sprich ich alleine, dann wäre das vielleicht
machbar aber mit Family im Hintergrund ist
das ist das Makie schön und ich mache es sehr gern und ich mache es mit Herzblut
und ich würde mir wünschen dass man tatsächlich irgendwann davon leben kann das
hat den einen Grund Grund, weil ich dann mehr Zeit investieren könnte und auch
mehr Budget hätte für Shootings und für, mein ganzer Kopf ist voll mit kranker
Scheiße und mit Sachen, wo ich sage, das muss eigentlich mal jemand machen und
wenn du es dann budgetierst, sagst du, okay, ich weiß, warum es keiner macht.
Also das heißt, das sind so Geschichten, wo ich sage,
es würde nicht meinen Wohlstand mehren, sondern es würde die Qualität des Hefts
verbessern. Insofern, wer möchte, gerne abonnieren, gerne kaufen,
unterstützt uns.
Sebastian
Komm, nächster Punkt. Skalieren. Mehr. Mehr Magazine. Mehr machen. Mehr
Wahnsinn. Mehr Naivität. Mehr Wagen.
Andreas de MARQUIS
Ich diskutiere jedes Jahr, ob wir von vier auf sechs Hefte gehen sollen.
Sebastian
Man könnte ja noch mal ein Schwestermagazin rausbringen mit einem leicht anderen
Thema zum Beispiel.
Andreas de MARQUIS
Es gibt ja das Heavy Rubber, also das ist das zweite Heft quasi, das
Schwesterheft, wo wir dann tatsächlich uns sehr auf die erotische Komponente des
Latex-Fetischismus, also dann wirklich Masken und Pissplay,
Natursekt, alles mögliche dann fokussieren. Also da geht es dann wirklich nicht
um diesen Fashion-Aspekt, sondern da geht es wirklich rein um den erotischen, um
den sexuellen Aspekt davon. Das heißt also es sind insgesamt schon sechs Hefte,
die wir im Jahr machen plus eventuell ein Special-Heft. Wir hatten das Marquis
Cosplay, wo wir dann eben diese Komponente noch ein bisschen mit reinbringen.
Hier Stichwort Superheldinnen in Latex.
Also es gibt schon Ideen genügend, aber Zeit ist eben tatsächlich
ein sehr wertvolles Gut und ich kann mich nicht zerreißen und ich möchte auch
Zeit mit meinen Kindern verbringen. Mein
Sebastian
sehr vernünftig. So, und jetzt habe ich noch so einen Punkt, den habe ich
eigentlich eben versucht schon unterzubringen. Ich sage vorab noch mal, die,
die,
Kostüme ist der falsche Begriff. Was ist denn der richtige Begriff beim
Shooting? Outfit.
Andreas de MARQUIS
Outfit ist
Sebastian
Outfit, okay. Models, die nicht ins Outfit passen. Weil zu groß, weil zu klein.
Andreas de MARQUIS
mir ganz früher einmal passiert, zu Marquis-Zeiten nicht, weil wir mit Designern
arbeiten, weil wir Maßblätter vorher anfordern und wenn das Model dann ein Kilo
mehr oder zwei Kilo mehr drauf hat, dann sitzt es ein bisschen tighter, aber es
passt immer noch. Also hatten wir nicht.
Sebastian
Also Latex
kaschiert auch da viel.
Andreas de MARQUIS
ja nicht viel, also es wird dann halt einfach enger, also es wird dann schon,
sag ich mal, wenn man ordentlich zugelegt hat, dann
Sebastian
Ist also eine Sache, über die man sich wirklich Gedanken machen muss. Das Zeug
muss halt passen.
Andreas de MARQUIS
also die wunderschönen
Sebastian
Das Zeug. Ich werde böse Kommentare kriegen. Ich sage hier ständig pervers und
Zeug und sowas. Entschuldigt bitte, das ist nicht so gemeint.
Andreas de MARQUIS
Designs
Sebastian
Das ist nicht so gemeint, liebes Publikum. Das ist betont flapsig. Ich, nochmal
Andreas de MARQUIS
nein ich meine, es gibt zwei Ansichten jetzt von Designer-Seite, die einen
sagen, wir machen Standardgrößen S, M, L, XL, vielleicht noch eine kurze, eine
lange Größe oder sonst irgendwas, weil sie sagen, Latex ist dehnbar.
Irgendwie passt das dann schon. Und die anderen gehen genau den anderen Weg,
sagen, nein, Latex sieht nur gut aus, wenn es wirklich passt. Das heißt, du
brauchst es auf Maß.
Was davon jetzt stimmt, weiß ich nicht. Ich habe Sachen von Libidex, die sind
mehr oder weniger von der Stange und die sind okay und es passt und vom Design
her richtig schön. Und ich habe Sachen auf Maß, die sind super und
toll. Also ich habe da keine Meinung zu.
Sebastian
eine Laienfrage, Entschuldigung, das ist, ich überziehe wirklich, das liegt
wirklich an mir, Entschuldigung, wenn man sich so einen Latex-Suit kauft,
verändert der sich im Laufe der Zeit, wenn man den jetzt einmal jede Woche
trägt, weitet der sich oder bleibt der wirklich so, wie er ist?
Andreas de MARQUIS
Also ich habe jetzt den ältesten Catsuit, den ich habe, der ist 14 Jahre alt
ungefähr. Der wächst mit seinen Aufgaben, sage ich jetzt einfach mal. Aber
der passt mir immer noch, auch wenn ich jetzt ein paar Kilo mehr drauf habe als
damals. Die Sachen, wenn man sie pfleglich behandelt, wenn man sie einölt, wenn
man sie möglichst nicht in sonnendurchfluteten Kämmerchen
aufhängt oder sowas, dann halten die Dinger sehr, sehr lange. Es kann mal sein,
dass was reißt, das kann man aber auch gut reparieren. Da gibt es auch
wunderbare Leute, die das machen können. Manche machen das auch einfach selber.
Wir wollten
Sebastian
Ich vermute auf der Pleasure Bay gibt es irgendwo auch einen Latex-Doktor.
Andreas de MARQUIS
immer einen haben, dieses Jahr werden wir mit Latex Fashion Design, mit Lena
jemanden dabei haben, der eben Sachen von der Stange kaufen dabei hat und
die auch Sachen dann reparieren kann.
Sebastian
Jede Geschäftsidee, die ich habe, hast du schon vorher gehabt, sehr schön. So,
die größte Katastrophe, über die du hier nicht reden möchtest.
Andreas de MARQUIS
Die
Sebastian
Mir reichen schon Stichpunkte.
Andreas de MARQUIS
größte Katastrophe, über die ich nicht reden möchte. Ich rede gerne.
Sebastian
Tja, dann. Es
Andreas de MARQUIS
Insofern, und ich sehe Sachen auch immer, also nicht so als
Katastrophe ohne Endpunkt. Hatte ich vorhin im Off gesagt.
Sebastian
kann ja ein Happy End gegeben haben, aber erstmal scheiße. Der Hurricane war
schon ganz gut.
Andreas de MARQUIS
Das wäre jetzt eben so die Geschichte gewesen, wo ich gesagt hätte, also das war
wirklich furchtbar. Was noch echt heftig war, war unsere
30-Jahr-Feier. Wäre auch bestimmt schon wieder für eine Stunde gut. Gut,
nur so viel, Peter Czernich sollte mit mir auf der Bühne stehen, wir
haben bei der Generalprobe noch alles durchgesprochen,
Lebensmittelvergiftung am Abend, wir wussten es nicht, er war nur einfach nicht
zu erreichen, er lag mit Fieber im Bett. Das heißt, mir ist mein Co-Host
ausgefallen.
Ich brauchte glaube ich vier Models, ich hatte mit sechs gerechnet, es kamen
zwei. Das heißt, wir mussten dann noch auf der Passion selber Models
rekrutieren, die ganz liebe, großartige Grüße gehen raus, Jezebel de Waadt hat
uns dann da wirklich ganz, ganz toll unterstützt und uns Leute zugeführt, die
dann eben laufen konnten, sie selber ist auch mitgelaufen.
Sebastian
Oh Gott.
Andreas de MARQUIS
Das heißt, von diesen ganzen Katastrophen hat man eben nicht so viel
mitbekommen, aber ich habe an diesem Tag zwei
Kilo verloren. Mir ist das Kurage-Design, das
maßgeschneiderte Kurage-Design buchstäblich vom Hintern gefallen, weil nicht
mehr genug von mir übrig war, dass ich in meinen maßgeschneiderten Anzug hätte
reingepasst, weil ich wirklich buchstäblich Blut und Wasser geschwitzt habe. Und
deswegen erzähle ich das jetzt hier auch nicht.
Sebastian
Okay, sehr gut. Gut.
Das A oder B-Spiel
So, letzte Tradition im Podcast. Da müssen alle inzwischen durch. Das A- oder
B-Spiel habe ich bei einem anderen Podcast mal geklaut. Und du kennst es
wahrscheinlich schon. Fürs Publikum ganz einfach. Ich habe hier so ein paar
Begriffe, so ein paar Paare. Und du suchst dir, ich sage dir zwei Begriffe und
du suchst dir einfach einen aus, der dir spontan am nächsten ist. Und ich fange
mal direkt an, weil die Zeit rennt.
Andreas de MARQUIS
Jawohl.
Sebastian
Eule oder Lerche?
Andreas de MARQUIS
Eule.
Sebastian
Konsens oder Risiko?
Erst fragen oder lieber danach um Verzeihung bitten?
D/s oder Impact?
Küssen oder kuscheln?
Nur oben oder nur unten?
Andreas de MARQUIS
Nur unten.
Sebastian
Materialschlacht oder Minimalismus?
Andreas de MARQUIS
Materialschlacht.
Sebastian
Klar, Sommer oder Winter?
Andreas de MARQUIS
Sommer.
Sebastian
Drinnen oder draußen?
Jetzt wenig oder später mehr?
Andreas de MARQUIS
Später mehr.
Sebastian
Fifty Shades oder Geschichte der O?
Andreas de MARQUIS
Geschichte der O.
Sebastian
Buch oder Film?
Andreas de MARQUIS
Absolut. Hoch.
Sebastian
Dialog oder Cam-Shot? Da
Andreas de MARQUIS
Dialog.
Sebastian
sagen, nein, da sage ich jetzt nichts zu. Besitz oder Bindung?
Flogger oder Gerte?
Andreas de MARQUIS
Weder noch.
Sebastian
Hanf oder Nylon?
Andreas de MARQUIS
Nylon als Strumpf.
Sebastian
Nylon oder Baumwolle?
Andreas de MARQUIS
Wieder Nylon als Strumpf.
Sebastian
Wasser oder Strom?
Andreas de MARQUIS
Wasser. Was
Sebastian
Halsband oder Halsreif?
Andreas de MARQUIS
ist der Unterschied?
Sebastian
Das eine ist ein flexibles Material und das andere ist Stahl oder
Silber, also Metall oder.
Kekse oder Chips? Die
Andreas de MARQUIS
Chips.
Sebastian
habe ich nicht hier stehen gehabt, verdammt.
Andreas de MARQUIS
Ist auch ganz gut so.
Sebastian
Du hast gesagt, ja, ja.
Andreas de MARQUIS
Ist gut so.
Sebastian
Okay.
Aftercare oder auf zu neuen Abenteuern?
Andreas de MARQUIS
Aftercare.
Sebastian
Baden oder duschen?
Schlafzimmer oder Wohnzimmer?
Oder Hotelzimmer?
Andreas de MARQUIS
Auch Hotelzimmer sehr gerne. Auf
Sebastian
So, jetzt kommen hier die entscheidenden Langweile-Fragen. Lack oder Latex?
Andreas de MARQUIS
jeden, also bei Lack als Alternative immer das andere.
Sebastian
Okay, also sagst du Latex. Dann nehmen wir mal Lack oder Metall?
Andreas de MARQUIS
Metall.
Sebastian
Lack oder Leder?
Leder oder Metall.
haben wir alle Iterationen durch.
Muss mal gucken, ob das nicht zu übergriffig von mir heute ist. Lass uns ficken
oder benutze mich.
Andreas de MARQUIS
Benutze mich.
Sebastian
Hund oder Katze.
Andreas de MARQUIS
Beides. Dann
Sebastian
Hund oder Katze.
Andreas de MARQUIS
nehme ich den Hund.
Sebastian
Frech oder brav.
Intimrasur oder Frisur.
Andreas de MARQUIS
Rasur.
Sebastian
Chatten oder anrufen.
Andreas de MARQUIS
Inzwischen chatten.
Sebastian
Chatten oder Sprachnachrichten.
Andreas de MARQUIS
Chatten, definitiv.
Sebastian
Sehr sympathisch.
Schummeln oder beichten?
Überraschen lassen oder vorbereitet sein?
Andreas de MARQUIS
Hängt von der Position ab, aber überraschen ist gut.
Sebastian
Lob oder Tadel?
Andreas de MARQUIS
Lob.
Sebastian
Akku immer voll oder Powerbank immer dabei?
Andreas de MARQUIS
Akku immer leer.
Sebastian
Okay, die Antwort muss ich nochmal demnächst hinzufügen. Okay, Verein oder
Verschwörung?
Machen oder konsumieren?
Andreas de MARQUIS
Machen.
Sebastian
Sharing is caring oder meins ist meins?
Andreas de MARQUIS
Sharing.
Sebastian
Auto oder Bahn?
Andreas de MARQUIS
Ich würde gerne Bahn sagen, aber ich habe sehr viel Bahnkilometer abgerissen und
das ist aktuell tatsächlich nichts besonders Schönes. Also aktuell Auto mit dem
Wunsch, auf Bahn umswitchen zu können.
Sebastian
Oder Auto oder Fahrrad?
Andreas de MARQUIS
Da, wo ich wohne, macht Fahrradfahren kein Spaß. Auto.
Sebastian
Okay. Okay, letzte. Moral oder Unvernunft?
Verabschiedung
Hervorragend, das ist die einzig richtige Antwort auf dieses letzte Wortpaar.
Andreas, du hast es tatsächlich geschafft und ganz ehrlich, es ist wieder eine
der längsten Folgen überhaupt.
Andreas de MARQUIS
Es tut mir sehr leid, auch an alle Hörer. Ich entschuldige mich dafür und...
Sebastian
Nein, nein, nein, nicht entschuldigen.
Andreas de MARQUIS
Nein, entschuldigen. Das
Sebastian
Mir hat es unfassbar viel Spaß gemacht und ganz ehrlich, mir reicht das.
Andreas de MARQUIS
Publikum, das
Sebastian
Und wenn das Publikum das nicht fürchterlich findet, dann ist alles gut. Wenn
ihr die Folge beschimpfen wollt, dann beschimpft bitte mich, ich bin schuld.
Nein, wirklich, wirklich toll. Und ich weiß, da sind noch so viele Anekdoten und
Möglichkeiten.
Finde ich total großartig. Und das ist auch für mich nochmal so eine andere
Perspektive, weil ja, ich kenne Leute, die Latex tragen. Ich habe das auch schon
mal angefasst, ich habe schon mal was anprobiert. Die Faszination hat mich noch
nicht so geholt. Aber ich glaube, ich kann ein bisschen mehr nachvollziehen,
was da dran ist an der Sache und wie viel Leidenschaft man auch dafür aufbringen
kann.
Andreas de MARQUIS
Aber...
Sebastian
Und für die Erkenntnis bedanke ich mich auf jeden Fall schon mal. Das ist
großartig. Vielleicht bin ich ein bisschen mutiger und muss ein bisschen mehr
rumprobieren, wer weiß. Das werde ich hier natürlich nicht verraten, wie immer.
Aber das sind einfach nochmal neue Welten und neue Horizonte. Und ich finde, das
müssen alle wissen und alle hören, dass es da eben auch was gibt, dem man mehr
nachgehen kann, als wäre vielleicht mal interessant, darüber nachzudenken.
Andreas de MARQUIS
immer machen, nicht konsumieren. Immer machen.
Sebastian
Dafür bist du ein super Beispiel und ich drücke dir die Daumen, dass ja, dass
einfach diese glücklichen Zufälle, die es ja noch mal unbestreitbar gab, dass es
davon noch ein paar mehr geben wird
und dass du auch den Spaß nicht dran verlierst und dass du auch einfach die
Gelegenheiten und Zeit findest das, was dich ja eigentlich hingebracht hat
dieser leichte Fetisch dass du den auch einfach selber für dich ausleben und
genießen kannst und davon möglichst viel.
Andreas de MARQUIS
Vielen lieben Dank.
Sebastian
Sehr gerne. Mach's gut. Tschüss.
Andreas de MARQUIS
Tschüss.
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