Unvernunft Live 179 - BDSM sichtbar machen
Was wir der Gesellschaft zutrauen und zumuten
Episodenblog
Unvernunft Live
Auf kunstDerUnvernunft.live gibt es den Livestream & Chat und hier nun das Ergebnis für alle, die nicht dabei sein konnten und können.
Theme heute: BDSM sichtbar machen
Wenn wir uns in Kellern verstecken, werden wir nie gesehen, nie toleriert, nie akzeptiert. Wir müssen zeigen, dass es uns gibt, auch wenn es manchmal unangenehm ist. Wie gebt ihr der Welt eine Chance, BDSM wahrzunehmen?
Abstimmungen im Livechat
Was davon zeigst du im Alltag schon mal?
Wo liegt für dich die Grenze in der Öffentlichkeit?
Azutopsi
Guten Morgen
ich finde das man bei so einem komplexen Thema vielleicht ersteinmal einen Schritt zurücktreten sollte und sich überlegen sollte nach welchen Kriterien ich eine konkrete Situation bewerten oder einordnen sollte.
Warum mache ich etwas?
Was macht es mit mir?
Wie wirkt es auf andere?
Dann habe ich schonmal eine Einschätzung und kann überlegen ob mir die Antworten gefallen und ich es möchte oder wenigstens damit leben kann.
Man ist ja auch immer Repräsentant der Szene oder Comminity und kann sich dann die Frage stellen ob man zur Akzeptanz beiträgt oder vielleicht eher Vorurteile unterstützt.
Den Vergleich das "laute Autos" schließlich auch stören finde ich etwas unpassend. Außerhalb der Szene für laute Autos wird man auf wenig Akzeptanz treffen und eher andere nerven.
Wenn man die Möglichkeit hat vernünftige Aufklärungsarbeit zu leisten dann ist eine Sichtbarkeit sicherlich förderlich aber ohne Situationen für Unbeteiligte zu erklären fürchte ich das man eher weitere Vorurteile schafft.
Honigdachs
Ich stolpere ein wenig über die Formulierung, man müsse "der Welt eine Chance geben, BDSM wahrzunehmen". Das klingt für mich fast nach BDSM-Missionierung. Vielleicht möchte "die Welt" diese Chance ja gar nicht haben. Für mich werden hier zwei Dinge vermischt: die Sichtbarkeit von Menschen, die BDSM leben, und die öffentliche Sichtbarkeit von BDSM-Praktiken bzw. einer deutlich erkennbaren D/s-Dynamik. Ich finde überhaupt nicht, dass Menschen sich "in Kellern verstecken" sollten. Man kann offen über BDSM sprechen, Podcasts machen, Veranstaltungen organisieren, Symbole tragen oder einfach offen sagen: ja, diese Form von Beziehung gehört zu meinem Leben. Das alles gibt der Gesellschaft die Möglichkeit, BDSM wahrzunehmen, ohne zufällige Außenstehende zum Publikum zu machen. Bei einem Ring, einem Choker oder einer Geste, die nur Eingeweihte verstehen, sehe ich ohnehin kaum ein Problem. Für die meisten Menschen ist ein Ring einfach ein Ring und ein Choker ein Schmuckstück. Die private Bedeutung bleibt privat, obwohl der Gegenstand öffentlich sichtbar ist. Etwas anderes ist es für mich, eine deutlich erkennbare D/s-Szene mitten in einem Cafe oder einem anderen öffentlichen Raum zu inszenieren. Dann denke ich als die hypothetische Person am Nebentisch: habt ihr mich eigentlich gefragt, ob ich das sehen möchte? "Natürlich", "nicht beschämend" und "gesellschaftlich akzeptiert" bedeuten für mich nicht automatisch "gehört in die Öffentlichkeit". Wir alle gehen zur Toilette (etwas Na… Mehr Text anzeigen
Schabernacken
Mal wieder eine spannende Folge, in der aber aus meiner Sicht aber einiges vermischt wurde, was getrennt werden sollte: 1) Es gibt einen Unterschied zwischen "Sichtbarkeit" und "in der Öffentlichkeit spielen". Was die Sichtbarkeit angeht, sehe ich tatsächlich keine großen Unterschiede zur LGTB-Community. Das ist letztlich eine Frage des persönlichen Mutes oder der persönlichen Entscheidung, ob ich in der Öffentlichkeit mit meinem Kink / meiner Identität sichtbar sein möchte. Ist in der Großstadt sicher einfacher, als auf dem Dorf, aber das gilt für jedes nicht genormte Verhalten. Wenn ich damit - z.B. durch Kleidung etc. - sichtbar sein möchte, sehe ich keinen Grund, weshalb Rücksicht auf "die Gesellschaft" genommen werden müsste. Da darf ich erwarten, dass das akzeptiert und ausgehalten wird. Die bloße Sichtbarkeit wird aber überschritten, wenn zu bestimmten Erkennungsmerkmalen bestimmte Handlungen hinzutreten, z.B. die viel zitierte Ohrfeige. Das fällt dann m.E. unter "Spielen in der Öffentlichkeit". Da ist dann eine andere Rücksicht geboten. Das ist aber ein ganz anderes Thema. 2) Das von Sebastian mehrfach benutzte Beispiel im Cafe, der Kneipe etc., passt aus meiner Sicht auch nur zur Hälfte. Der Ansatz war, dass ich durch mein Verhalten u.U. andere Gäste dazu nötige, zu zahlen und zu gehen. Ja, das ist sicherlich richtig. Aber gerade in Cafes und anderen privatwirtschaftlichen Einrichtungen entscheidet letztlich der Inhaber des Hausrechts darüber, was für ihn in O… Mehr Text anzeigen
dini_dark.7.0
Ein großes Lob an diese tolle Folge. Abgesehen von der Relevanz des Themas, war es einfach grandios Sebastians Moderation durch die Folge zu lauschen. Ungewohnt bissig und provozierend, aber mit dem richtigen Maß. Chapeau! Ja, es ist ein polarisierendes und teils ambivalentes Thema. Stix erwähnte eingangs, er habe seine eigene Einstellung und Meinung zu Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Aber abschließend nach seiner Recherche, der Live Folge und den Gesprächen müsse er diese nochmals überdenken... In welchen Punkten genau hat sich deine Sichtweise geändert, lieber Herr Sebastian Stix? Neugierig gefragt * Eine Anruferin sagte, es wäre doch so schön, wenn jeder so sein kann wie er will und jeder so leben und lieben kann wie er möchte, und alles wäre normal und ok und gut so. Hört sich erstmal gut an, aber wäre es auch so gut? Ich mag an BDSM eigentlich auch, dass es etwas versteckter ist und nicht an jeder Straßenecke zu finden ist. Das geheime und verborgene macht es auch ein bisschen reizvoller. Zwar trage ich mein Halsband auch beinahe 24/7 (wurde aber noch nie darauf angesprochen), mehr möchte ich aber auch nicht nach außen tragen. Wer fragt, würde Antworten bekommen, aber aufdrängen würde ich Hintergründe zu meinem Liebesleben und meiner Identität als Sub jedoch nicht. @ Jeannie: du hast einen wirklich schönen Kommentar verfasst. Aufklärung aus erster Hand ist super wichtig, bevor andere ein falsches Bild von BDSM zeichnen. Dabei ist es eine so wunderbare Sache.… Mehr Text anzeigen
Sebastian Stix
15.09.26Jeannie
Diese wunderbare Live-Folge habe ich leider verpasst – umso schöner, dass sie jetzt als Podcast online ist! Und ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung des Themas irgendwann… Warum ist Sichtbarkeit für uns in der BDSM-Community so wichtig? Für mich hat sich die Antwort auf schmerzhafte Weise gezeigt. Denn wer sich nie zeigt, überlässt es anderen, die eigene Geschichte zu erzählen und die Gesellschaft trägt Vorurteile und Stigmatisierung weiter, solange sie uns nicht kennt. Lange habe ich mich zurückgehalten, wenn es um meine D/s-Beziehung und mein Engagement in unserem BDSM-Verein ging. Bis mich ein Bekannter gezielt geoutet hat, in meinem beruflichen Umfeld, um mir zu schaden. Das war schlimm und hat mir gezeigt, wie es sich anfühlt, wenn andere über deine Geschichte bestimmen, bevor du selbst bereit bist. Seither stehe ich offener dazu. Ich dränge es niemandem auf, aber wenn das Thema zur Sprache kommt, stehe ich zu dem, was ich bin. Manches bleibt bewusst privat – nicht alles muss oder soll jeder sehen. Aber es gibt auch Dinge, die die Gesellschaft aushalten und tolerieren können muss, auch ungefragt: dass es uns gibt, dass wir lieben und leben, wie es zu uns passt. Wenn wir uns immer nur in Kellern verstecken, werden wir nie gesehen und nie akzeptiert. Deshalb: kleine Schritte, Sichtbarkeit in Vereinen, auf der Pride/dem CSD oder eben in einem wundervollen Podcast. Danke dir, Sebastian! Am nächsten Samstag steht das grösste Fest meines Lebens bevor: die Schwarze H… Mehr Text anzeigen