
Auf kunstDerUnvernunft.live gibt es den Livestream & Chat und hier nun das Ergebnis für alle, die nicht dabei sein konnten und können.
Hin und wieder sprechen wir ohne Thema über alles.
(Nestor schreibt)
Das Thema Safeword ging mir nicht wirklich aus dem Kopf, schon während der Sendung hatte ich versucht, das für mich zu sortieren. Das hat nun ein paar Tage gebraucht.
Am Ende ist das ja nicht so unkomplex, wie es scheint, daher habe ich mich bei der Umfrage während der Sendung auch ein wenig schwer getan, die richtige Antwort für mich zu finden – ein digitales ja/nein erfasst es für mich nicht hinreichend.
Ein Safeword ist aus meiner Sicht ein Werkzeug, mit dem man Risiken im BDSM in den Griff bekommen kann. Ein Safeword kann in unterschiedlichen Ausprägungen genutzt werden und es sind unterschiedliche Methoden der Anwendung möglich.
Dass ein Safeword ein in einer BDSM-Session unübliches, aber hinreichend auffälliges Wort ist, welches zum sofortigen Abbruch führt, ist ja nur eine von vielen Möglichkeiten. Es kann ja auch einfach „Stop“ sein oder „Hör auf“ oder „Das ist zu viel für mich“ sein. Wenn aber genau das in der Session-Dynamik nicht gewünscht ist, aus welchen Gründen auch immer, kann man ein anderes, besonderes Wort vereinbaren. Damit ein „Hör auf!“ eben nicht zum aufhören führt, aber immer noch ein Abbruchwunsch kommuniziert werden kann. Es kann sich natürlich auch um Gesten oder andere nonverbale Zeichen handeln.
All das kann, muss aber nicht digital sein: Der sofortige Abbruch der Session ist dann die äußerste Reaktion, der Ampelcode ist eine Möglichkeit, differenzierter zu kommunizieren und zu steuern.
Am Ende ist es aber immer ein Werkzeug, die mit der BDSM-Dynamik einhergehenden Risiken in den Griff zu bekommen und ein hinreichendes Gefühl der Sicherheit zu haben.
Damit meine ich keine absolute und 100%ige Sicherheit, denn die gibt es nicht.
Es gibt da den schönen Spruch: „Sicherheit ist die Abwesenheit von nicht akzeptablen Risiken!“
Wenn ich das auf BDSM anwende: Ich muss mir überlegen, mit welchen Risiken ich in „meinem“ BDSM rechnen muss (das ist vielleicht ansatzweise objektivierbar) und ich muss mir überlegen, welche Risiken ich bereit bin zu akzeptieren (das ist offensichtlich subjektiv). Passt das nicht zusammen, dann muss ich mir überlegen, wie ich mit diesen möglicherweise zu hohen Risiken umgehe.
Ein Safeword ist Möglichkeit, mit dem Risiko umzugehen, dass ich eine Session oder eine Praktik währenddessen doch nicht mehr will, aus welche Gründen auch immer.
Wenn jemand bereit ist, mit diesem Risiko OHNE Safeword oder andere Abbruchmöglichkeit in die Session zu gehen, dann hat die Person vielleicht vorher drüber nachgedacht und andere Möglichkeiten gefunden, damit umzugehen: Nur mit ausgewählten Menschen spielen, die einen schon lange kennen, wäre eine Option, aber es gibt vielleicht noch mehr. Oder vielleicht wird das Risiko tatsächlich akzeptiert, weil der „Kick“ stärker wiegt als das Risiko oder weil die vereinbarten Praktiken als hinreichend risikoarm eingeschätzt werden.
Ist für mich alles nachvollziehbar (auch wenn ich persönlich einige Einzelfälle anders bewerten würde).
Für mich ist es aber spätestens dann verantwortungslos, wenn man sich vorher keine Gedanken macht, wenn man die Entscheidung nicht bewusst trifft. Oder wenn man in eine Entscheidung gedrängt wird: Dass eine aktive Person einer passiven die Möglichkeit eines Safewords (oder ein anderes Abbruchsignal) von vorneherein nicht zugesteht, bring ich mit Einvernehmlichkeit nicht übereinander. Alle Beteiligten sollten das für sich frei entscheiden können.
Natürlich ist ein Safeword auch nicht das einzige „Werkzeug“, um verschiedene Risiken beim BDSM in den Griff zu bekommen. Für manche ist es vielleicht sogar ein sehr ungeeignetes Werkzeug, oder verführt schlimmstenfalls zu der Annahme, damit alleine wäre alles „sicher“ – was dann wiederum das Spiel oder die Session tendenziell eher sogar weniger sicher macht.
Schöööönen Urlaub!!!!! Klingt nach "Flitterwochen"...
Eine schöne und ausgewogene Live-Folge. Tolle Themen und interessante Gespräche.
Die Sargnägel... ich muss immer noch grinsen. Witzig.
Im Gespräch mit Helena wurde das Thema BDSM im Wandel und Diversität angesprochen, was ich sehr spannend fand. Wie Sebastian sagt, wird sich in den nächsten Jahren einiges bewegen. Wie BDSMler mit "alten" Wertvorstellungen und Rollenbildern damit umzugehen lernen ist spannend. Offenheit scheint das Gebot der Stunde zu sein. Es wurde in dieser Folge im Podcast an zwei Stellen wunderbar treffend zusammengefasst (ich weiß grad nicht mehr an welchen Stellen und mit welchem genauen Wortlaut, aber beinahe wie ein Leitspruch oder Philosophie). Werde ich mir nochmal raussuchen und rausschreiben, denn es ist so wahr.
Auf einen Link zu der Masterthesis von Helena freue ich mich sehr. Das macht mich neugierig.
Die neue Themenvorschau auf der Homepage gefällt mir sehr gut.
KdU ist demnach wieder auf der BoFeWo?
Sehr schön!
Schöne Urlaubstage. Lg dini_dark.7.0