Auf kunstDerUnvernunft.live gibt es den Livestream & Chat und hier nun das Ergebnis für alle, die nicht dabei sein konnten und können.
Der Kontrollverlust ist so ein magisches Ding. Im Kopf macht es Klick und du spürst, dass du gerade die Kontrolle verloren hast. Du musst vertrauen. Etwas anderes bleibt nicht übrig...
Ich wollte gerne etwas zu dieser Folge schreiben, doch nachdem ich die vorherigen Beiträge gelesen habe, bin ich etwas unsicher, ob meine Fantasie moralisch angemessen ist. Aber wie Anruferin Bondie schon geantwortet hat: es ist eine Fantasie.
Ich fühlte mich beim Gespräch zwischen Sebastian Stix und Anruferin Bondie sofort angesprochen. Ich wusste genau, woraufhin Stix hinauswollte mit dem Kontrollverlust.
Ich habe mit meinem Mann und Dom eine Situation erlebt, in der er mich an die Wand gefesselt hat und mit dem Spanking begonnen hat. Nach einer Weile spürte ich, dass mich mein Kreislauf verlässt. Mein Dom reagierte sofort und begann die Fesselung zu lösen. Die Ohnmacht kam trotzdem und er bettete mich auf dem Boden, bis ich langsam wieder zu mir kam. Er war geschockt und beängstigt und ich etwas überrascht und verwirrt über das, was passiert war. Wenig später habe ich mir gewünscht, mein Dom hätte mich in dieser Ohnmacht genommen... Für diesen Wunsch/Fantasie schämte ich mich doch sehr. Vor allem wenn man an die Opfer von echter Gewalt denkt... Moralisch verwerflich.
Trotzdem gibt es in vielen Dynamiken den einvernehmlichen Wunsch des Kontrollverlustes. Ich habe mit meinem Dom danach noch über die Situation gesprochen, da brauchte mein Mann/Dom Aftercare von mir/Sub. Als ich ihm von meiner kurz aufflackernden Fantasie erzählte, zog er sofort eine Grenze seinerseits. Was ich sehr schätze.
Die Folge hat trotzdem getriggert und mir die Situation in (doch verlockend) Erinnerung gerufen. Aber manche Dinge funktionieren in der Fantasie besser.
Ich hab die Folge gestern nachgehört und möchte meine 2cents dazugeben: ich glaube, keiner von uns möchte einen tatsächlichen Verlust der Kontrolle erleben. Eine Anruferin sprach von der Fantasie, bewegungsunfähig zu sein aber dennoch dabei zu sein. Pharmakologisch gäbe es da schon Möglichkeiten, die aber ohne eine Überwachung der Vitalparameter tatsächlich lebensbedrohlich wären. Ich musste an das denken, was Giselle Pelicot passiert ist. Das war der ultimative Kontrollverlust. Vom eigenen Mann sediert und dann von ihm und Fremden vergewaltigt. So etwas kann man sich nicht wünschen.
Eigentlich ist es doch die immer wieder auftauchende Frage: wer hat eigentlich die Macht? Dom, der/die Sub dominiert oder Sub, der/die Dom erlaubt, seine/ihre Dominanz auszuleben? Ohne dieses Einverständnis wäre es Körperverletzung, Freiheitsentzug, Missbrauch, what ever.
Ich genieße es selbst sehr, im Spiel die Kontrolle abzugeben, die ich sonst im normalen Leben immer haben muss. Ich muss nichts mehr tun, entscheiden, muss nicht eigeninitiativ handeln, darf nur reagieren, fühlen, genießen. Wenn er mich dazu bringt, gewisse Dinge zu tun oder geschehen zu lassen, dann kann ich in diesem Moment ja auch nichts dafür, etwas zu tun, was man eigentlich nicht tun darf. Das alles aber in der Gewissheit (und somit mit der Kontrolle), er will mir nicht tatsächlich schaden, mich nicht verletzen, mich nicht im wirklichen Leben kompromittieren. Weil ich ihm absolut vertrauen kann.
Alles, was im Rahmen des Einvernehmens passiert, findet ja unter Kontrolle statt. Wenn die weg ist, wird es gefährlich. Für beide oder alle Beteiligten.
Liebe Grüße und vielleicht traust Du Dich ja doch mal, lieber Sebastian, Dich in die Hände Deines Podcastsubbies zu begeben und sie einfach mal machen zu lassen. Und wenn es nur eine Rückenmassage mit verbundenen Augen ist ☺️
Vielen lieben Dank für ein weiteres wirklich spannendes Thema und die ganzen Sichtweisen dazu. Es ist ein schmaler Grad zwischen Kontrollabgabe und Kontrollverlust. In vielerlei Hinsicht ist es tatsächlich eher eine Kontrollabgabe, denn in unserer Dynamik machen wir alles gemeinsam und das ist sehr spürbar. Doch natürlich gibt es auch Momente des Gefühlten Kontrollverlustes. Das beste Beispiel ist immer noch das damalige Fake-Branding. Ich war gefesselt, ich hab nichts gesehen, ich habe Dinge gehört und gerochen und dann wurde mein linker Oberschenkel punktuell heiß und ich dachte, ich habe die Kontrolle verloren über das, was mit meinem Körper passiert und das unwiderruflich. Obwohl es lediglich ein Spiel mit meinem Kopf war - denn es war Trockeneis & kein glühend heißes Eisen - habe ich körperlich den Verlust der Kontrolle gespürt wie kein anderes Mal. Die Ambivalenz der Gefühle war überwältigend. Und eine Geschichte, die für immer in meinem Herzen sein wird.
Hingebungsvolle Grüße,
Jay