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Trailer
Ich mache vielleicht immer noch die gleichen Dinge, aber sie werden halt einfacher
und spannender, wenn jemand anders sagt, du musst jetzt nicht die Entscheidung
treffen, ob du das machst oder nicht, sondern ich sage dir, du machst das jetzt so.
Dann ist Sex ein Teil davon, aber für mich der uninteressanteste.
Ich kann mir Beziehungen nur in der Dynamik mit einer Frau vorstellen.
Deswegen definiere ich mich auch als lesbisch.
Homoromantisch, weil ich ja asexuell bin. Ich habe sofort gemerkt,
irgendwas an diesem Aushalten ist total genial.
Ich schreibe für eine Serie, die nennt sich Sanctuary. Im Normalfall jeden Tag
mindestens eine Stunde und hab drumherum noch meinen Austausch mit meinen anderen Schreiberlingen.
Ich kann ja mit der Fantasie tausendmal mehr Kings ausleben,
als ich es in der Realität jemals könnte.
Das war tatsächlich eine Online-Spielbeziehung, die sich aus dem Fandom-Kontakt ergeben hat.
Für mich ist King die einzige Sexualität, die ich habe.
An Orgasm Denial ist, glaube ich, tatsächlich der Denial-Aspekt,
der für mich relevant ist, weil ich plötzlich auch nicht mehr muss.
Sebastian
Hallo und herzlich willkommen zur Kunst der Unvernunft.
Das eben war Elisandra, meine Gästin der heutigen Folge und ich bin Sebastian Stix.
Hier spreche ich mit Menschen über BDSM, über ihren persönlichen Kink,
ihre Sexualität und vor allem eben ihre eigene Perspektive auf das alles.
Mit Elisandra spreche ich heute über das Schreiben, das Erforschen von Kink
bis ins kleinste Detail und auch über Asexualität oder besser Kinksexualität.
Der Begriff ist auch für mich ein bisschen neu, vielleicht prägen wir ihn, mal sehen.
Besucht auf jeden Fall gerne kunstderunvernunft.de, denn da gibt es die Shownotes
zur Folge mit Links, mit Bildern, Kontakt zu Elisandra, ein Transkript und vor
allem die Kommentarfunktion. Und lasst also gerne eure Meinung,
euren Input, eure Botschaft da.
Das tut nicht weh, ist gerne auch anonym.
Und Yggisandra und ich, wir freuen uns riesig, wenn wir da ein bisschen was zurückbekommen.
Und dann noch schnell etwas aus dem Fuchsbau. Da residiert das Podcast,
so wie die unseren kleinen Merch-Shop betreut und Dinge einpackt und sich um alles kümmert.
Wir fahren demnächst ein paar Tage in den Urlaub. Und wenn ihr also noch vor
Ostern großartige, zwangsläufige oder machtsüchtige Kaffeebecher,
T-Shirts oder mobile Safe Spaces haben möchtet, bis zum 20.
März packt sie euch noch Dinge ein und dann ist Pause bis, ich glaube,
Osterdienstag, also den Tag nach Ostermontag.
Das alles findet ihr auf shop.kunstderunvernunft.de und jetzt geht's los mit
Folge 139 mit Elisandra.
Liebes Publikum, es ist der 12.02.26 mittags und vor mir sitzt Elisandra, hallo.
Elysandra
Hallo.
Sebastian
Ja, ich muss jetzt, habe ich ja gelernt, die Einleitung ein bisschen anders
einsprechen, weil ja alles umgebaut wird, auch mein erstes Mal quasi, dass ich das versuche.
Du bist 40 Jahre alt, aus dem mittel-norddeutschen Raum, um das mal verschwurbelt
unterzubringen, und sub.
Elysandra
Ja, genau.
Sebastian
Und wir reden heute über ganz viele Dinge. Wir reden über weniger Praxis als Theorie,
also das theoretische Beschäftigen mit Kink und BDSM, über Dinge,
die man online tun kann, über Wissen, Lesen,
sich einfach damit ganz viel beschäftigen, über einen möglichen Schutzraum vielleicht,
den das auch haben kann, diese mögliche Distanz oder eine andere Nähe.
Es wird Wahnsinn. Und wir sprechen auch über eine asexuelle Seite.
Wir definieren auch ein bisschen, welche Richtung ist das? Wo fängt Sex an?
Und wo ist der Raum, in dem du dich wohlfühlst? Und was brauchst du,
damit du raus in die Welt gehst?
Elysandra
Ja.
Sebastian
Und ja, also das sind so die ganz groben Themen. Damit haben wir einmal einen Überblick gemacht.
Und ja, Genderfluidität steht hier auch noch auf dem Zettel.
Es ist so viel. und wow, ich glaube, wir müssen einfach mal anfangen.
Hallo, schön, dass du da bist.
Elysandra
Danke, dass ich hier sein darf.
Sebastian
Du hast mich angeschrieben mit einer relativ langen, ausführlichen Mail.
Das hat mich sehr gefreut. Das hat mir die Arbeit im Vorfeld sehr viel leichter
gemacht. Dann haben wir ein tolles Vorgespräch geführt.
Ich war ganz fasziniert, weil...
Ich bin halt eher so die Person, die sagt, ja, also alle digitalen Medien sind
Kommunikationsformen und mit Menschen, die ich möglichst schon mal im echten
Leben kenne, echtes Leben ist auch wieder ein schlechter Begriff,
ja, reales Leben ist auch ein schlechter Begriff, die ich also durch persönliche
Begegnungen getroffen habe, um mit denen in Kontakt zu bleiben.
Das war aber nicht immer so bei mir. Und da sind dann ganz viele Erinnerungen bei mir da aufgekommen.
Wie war denn das, als ich früher angefangen habe zu Sklavenzentralzeiten,
wo man monatelang mit Menschen geschrieben hat, ohne sich jemals zu treffen und zu sehen.
Und habe auch echt darüber nachgedacht, wie stark ist eigentlich diese Verbindung.
Und deshalb will ich erst mal die Begriffe Real Life oder echtes Leben,
die will ich erst mal streichen.
Ich sage mal, es sind grundsätzlich andere Arten, mit Menschen in Kontakt zu
treten. Aber Menschen bleiben es, egal welches Medium.
Und jede Form der Kommunikation des Beisamsans hat eben Vor- und Nachteile.
Deshalb bin ich ganz offen für deine Sicht auf die Welt.
Und wenn du möchtest, kannst du einfach mal ein bisschen loslegen und mir erzählen,
wie du auf den Kink gekommen bist.
Wie ist denn das passiert? Und wie lange ist das her?
Elysandra
Vielleicht einmal ganz kurz vorweg zum Thema Real Life. Das ist nämlich auch
ein Punkt, an dem ich häufig hänge, wenn ich Leuten erzähle,
Ich habe da welche im Internet kennengelernt und wir schreiben gemeinsam und tauschen uns aus.
Die, mit denen ich das jetzt wirklich regelmäßig tue, mit denen schreibe ich
jeden Tag kontinuierlich den ganzen Tag durch.
Also ich kommuniziere mit denen eigentlich mehr als mit den meisten einzelnen
Personen in meinem Real Life.
Und das macht sie ja dann doch auch sehr real. Also sie sind ein großer Teil meines Lebens.
Und das erwarten die meisten einfach nicht, wenn man sagt, ich kenne da jemanden
und wir schreiben manchmal.
Sebastian
Okay, dann bleiben wir doch gleich da. Wenn ich aber schon sage,
ich kenne die Menschen aus dem Internet, dann sage ich ja quasi schon,
das sind ja gar keine Menschen, das sind ja möglicherweise nur Leute,
die irgendwas schreiben.
Ich glaube, die Frage ist ja, was müsste man sagen?
Ich habe Leute kennengelernt und dann kann man irgendwann mal erwähnen,
ich kenne die jetzt nicht persönlich, aber ganz ehrlich, in der Firma hast du
vielleicht auch deine, in der größeren Firma hat man auch mit Leuten jeden Tag
zu tun, die man noch nie gesehen hat.
Elysandra
Nur über Teams gesehen.
Sebastian
Genau. Und dann auch nur mit dem komischen Hintergrund, der nicht passt.
Elysandra
Genau. Ja, also ich hatte jetzt auch gerade Besuch aus Australien zum Beispiel.
Also da ergeben sich dann auch manchmal tatsächlich die In-Person-Kontakte dann draus.
Aber ja, das ist eine Diskussion, die ich häufiger führe.
Sebastian
Okay, das heißt, wir wollen heute gar nicht diskutieren, sondern heute kannst
du einfach deine Sicht auf die Welt präsentieren.
Aber komm, BDSM und Kink, wo kommt es her? Ich vermute, du hast darüber gelesen.
Elysandra
Nee, also ja, sehr viel sogar.
Angefangen hat das Ganze für mich das früheste, woran ich mich erinnere.
Da muss ich in der Grundschule gewesen sein, ungefähr. Ich kann es nicht genau rekonstruieren.
Da hatte ich mehrere Träume, von denen ich aufgewacht bin und die...
Mich irgendwie berührt haben, sodass ich sie zu Geschichten ausgearbeitet habe,
die ich mir abends im Bett immer ausgedacht habe oder immer weiterentwickelt habe.
Ich weiß noch, dass ich fünfte oder sechste Klasse habe ich das mal mit Freunden
auf dem Schulhof, waren wir irgendwie Thema Schlafen und so weiter.
und ich erzähle mir immer Geschichten, wenn ich einschlafen will.
Und ich stieß auf nicht so viel Anklang, konnten die anderen irgendwie nichts
mit anfangen. Aber deswegen hat sich mir das so eingebrannt,
dass das die ersten Sachen waren.
Und ja, ich habe letztens darüber nachgedacht, was war das eigentlich?
Disclaimer, Träume sind ja manchmal etwas seltsam.
Zwei habe ich, die mir in Erinnerung geblieben sind. Das eine war eine Art Schulhoftraum mit Zauberern.
wo mich jemand in einen Basketball verwandelt hat und dann mit mir Basketball gespielt hat.
Und das andere, das Ganze drumherum weiß ich nicht mehr, aber ich weiß,
dass es eine Phase in dem Traum gab,
wo ich in einer Art Maschine auf einem Fließband gesteckt habe und frage mich
nicht, was das sollte, aber die hat quasi den Körper eingebacken,
verhärtet, dass ich mich dann nicht mehr bewegen konnte.
und dann ist man noch maschinell, bin ich umgedreht worden und sowas und dann
bin ich irgendwann aufgewacht.
Sebastian
Oh Gott.
Elysandra
Waren keine Albträume, das muss ich dazu sagen. Also ich fand sie überhaupt nicht unangenehm.
Aber es waren eben die Sachen, die in mir irgendwas ausgelöst haben und dann
habe ich in die Art, auch als ziemlich kleines Kind, muss man ja sagen,
mir dann Geschichten ausgedacht.
Das Lustige ist, dass ich mich wirklich jetzt schon im Grunde seitdem immer
fortschreitend mit King beschäftige, aber bis vor wenigen Jahren fand Objectification
wäre jetzt überhaupt nicht mein Thema.
Sebastian
Kommen wir heute auch noch zu.
Elysandra
Ja, bis mir dann irgendwann diese Träume wieder einfielen und ich dachte,
das ist nichts anderes, als du wirst in ein Objekt verwandelt, buchstäblich.
Sebastian
Okay, aber lass mich mal ein bisschen vorspulen zu, du begreifst,
dass es BDSM als solches gibt und dass das etwas ist, worüber du nachdenkst.
Ich meine, das Kind muss ja oft erstmal einen Namen kriegen und das passiert,
ich hoffe, man hat noch so viel Schonzeit in der Grundschule,
dass man das alles noch nicht wissen muss.
Wann kam da eine Erkenntnis, dass diese perverse Sache, dass das eventuell auch
auf deinen Wirkungskreis zutrifft?
Elysandra
Das ist tatsächlich ein bisschen schwammig. Das kann ich nicht genau rekonstruieren.
Ich weiß, dass ich als junger Teenager habe ich Ken Follett,
Die Säulen der Erde gelesen und da gibt es eine Vergewaltigungsszene zum Beispiel.
Ich weiß, dass mich das total beschäftigt hat. Also die war auch markiert und
den Rest des Buches habe ich nicht nochmal gelesen, aber die Szene habe ich häufiger gelesen.
Also mir war schon klar, das sind irgendwie die spannenden Sachen,
dass das Ganze einen Begriff bekommen hat.
muss irgendwo dazwischen und zwischen, ich habe Internet und mir ist langweilig,
ich gebe mal irgendwelche Suchbegriffe ein gewesen sein, weil ich da über,
ich glaube, ich habe SM und ich habe Ketten wahrscheinlich gesucht. Ja, und dann ging es los.
Sebastian
Wie alt circa?
Elysandra
Ja, vor 15.
Sebastian
So 20, 25, ach so, doch so früh.
Elysandra
15 oder 16 würde ich sagen. Also ziemlich früh.
Ich weiß, ich habe zu dem Zeitpunkt Zeitungen ausgetragen mit einer Freundin
und kaum hatte ich quasi abends das Internet eröffnet in die Richtung,
bin ich beim nächsten Mal austragen.
Da habe ich gesagt, übrigens spannendes neues Thema, folgendes.
Sebastian
Was hat die Freundin gesagt?
Elysandra
Oh ja, ich auch.
Sebastian
Ach.
Elysandra
Genau, ja, das hat sich total gut getroffen. Wir sind dann auch zusammen zur
SMJG gegangen zum Beispiel.
Wir haben jetzt gerade wieder angefangen, zusammen auf Stammtische zu gehen,
weil ich zurückgezogen bin in die Gegend. Also das zieht sich seitdem.
Sebastian
Okay, also gar keine Berührungsängste, da ich zur SMJG hin.
Das heißt, das passt ja irgendwie gar nicht zu allen Themen,
die ich hier auf dem Zettel habe.
Ja, total. Also mit 15, 16, 17 rum irgendwie zur SMJG mit der Freundin. Ist ja super.
Elysandra
Nee, bisschen später. Man musste nämlich mit dem Auto hinfahren.
Das heißt, ich brauchte einen Führerschein. Sobald der Führerschein da war,
sind wir losgefahren auf die große Abenteuerfahrt.
Ja, und ab dann waren wir, bis ich weggezogen bin, dann glaube ich,
also ich habe nur schwammige Erinnerungen.
Ja, es stechen ja immer so in der Erinnerung dann so einzelne Sachen.
Wir waren dann mal auf dem Freimarkt oder sowas mit der Gruppe und so.
Also da muss schon einiges passiert
sein. Ich habe aber keine genauen Erinnerungen mehr an die meiste Zeit.
Sebastian
Okay, für die Menschen, die sie nicht kennen, gibt es glaube ich gar nicht.
Aber die SMJG ist die Jugendorganisation für Kinky-Personen von 14 bis 27.
smjg.org verlinke ich immer wieder gerne.
Okay, die haben ja nicht nur Stammtische, die haben ja auch eben diverse Veranstaltungen,
die haben eben das Online-Forum, die haben, ob sie es zu der Zeit schon hatten,
irgendwelche Live-Chats und solche Sachen.
Es gibt eine Menge Angebot heutzutage.
Was hast du, was habt ihr alles genutzt?
Elysandra
Ich habe mich das gefragt, als ich die Folge gehört habe über SMJG und ihre Geschichte.
Und bis auf den Stammtisch habe ich von denen quasi nichts mitbekommen,
obwohl ich sie am Internet gefunden habe.
Das muss allerdings auch 2002, 2000, ich weiß gar nicht, wie lange es die SMJG
gibt, aber meinen Führerschein habe ich 2003 gemacht.
In meiner Erinnerung war das wahrscheinlich noch gar nicht so lang etabliert.
Also ob es das Ganze drumherum da schon gab.
Sebastian
Kann ich gar nicht sagen. Ja, es gab ein bisschen was, auch zu der Zeit schon,
aber ja, es war noch nicht so hochprofessionell wie heute.
Elysandra
Ich bin aber auch nicht gut in Foren. Das kommt vielleicht später nochmal.
Sebastian
Ach, Foren sind ein Problem.
Elysandra
Das heißt, vielleicht habe ich das auch einfach ausgeblendet.
Sebastian
Alles gut. Wir schauen uns ja an, was war wirklich und nicht, was hätte man.
Aber Stammtisch besuchen, schön. Und dann auch gleich mit frische 18.
Und andere kinky Leute, super.
Elysandra
Ja, das war klasse. Ich muss sagen, ich habe da ziemlich wenig Berührungsängste.
Ich bin auch, ich glaube, da hatten wir uns sogar vorher angemeldet.
Ich glaube, die wollten gern, dass man sich vorher anmeldet.
Ich bin aber auch später zu anderen Stammtischen einfach halt hin,
wenn ich Bock hatte, hinzugehen, bis mir dann irgendwann klar wurde,
vielleicht ist es den OrganisatorInnen auch lieber, wenn man sich vorher anmeldet als Neuling.
Also jetzt mache ich das in der Regel dann, aber ja, ich habe nie BDSM oder
SM war das damals primär,
irgendwie als Problem für mich gesehen und dementsprechend auch nie irgendwie
Sorge gehabt, keine Ahnung, wen trifft man da oder wie reagieren die oder was auch immer,
sondern bin da einfach ganz fröhlich marschiert.
Sebastian
Ja, die Stammtische sind ja dort auch meistens gut geleitet und gut geführt.
Es gibt ja zum Beispiel dieses Nicht-Baggern-Gebot.
Also man soll sich ja wirklich eher austauschen und nicht, ich sag mal,
primär auf der Pirsch sein.
Trotzdem trifft man auf Menschen und wenn die Kategorie Sub,
die war da auch schon so da und auch ausgesprochen, dann hat man ja Gelegenheiten, Dinge zu machen.
Elysandra
Ja, stimmt. Das war auch ganz spannend.
Und ein bisschen chaotisch. Also ja, ich glaube, wir waren so ein kleiner chaotischer Haufen.
Aber ja, ich habe da verschiedene kleine Spielbegegnungen gehabt,
aber es hat sich nichts im Sinne einer Spielbeziehung entwickelt.
Sebastian
Okay.
Elysandra
Genau, aber nichtsdestotrotz, ich bin zum Beispiel in die ganze Sache gestartet.
Also mir war von Anfang an klar, was ich mag, ist Kontrolle und ich möchte,
dass jemand Kontrolle und Macht über mich hat.
Und ich war auch einsichtig genug, fand ich, dass Personen mehr Kontrolle haben,
wenn ich ihnen erlaube, mir Schmerz zuzufügen, weil ich den ja nicht möchte.
Bin also voll da rein mit Schmerz ist okay, aber ich bin jetzt nicht masochistisch.
Das ist halt ein Kontrollmittel.
Und das hat so ziemlich genau die ersten ein, zwei kleinen Spielgelegenheiten nicht überlebt.
Sebastian
Ich habe ein Zitat aus dem Vorgespräch, Schmerzen, ich akzeptiere, dass die sein müssen.
Elysandra
Ja.
Sebastian
Punkt. Das fand ich sehr schön, sehr, sehr, sehr trocken an der Stelle auch so.
Elysandra
Ja, gehört halt dazu. Ja, ich glaube, ein Stück weit auch und das begleitet
mich auch, weil ich es sehr schwierig finde…,
Überlegenheit oder die Idee von Überlegenheit voneinander zu akzeptieren.
Und dann ist natürlich, das ist quasi das Instrument, was du ihnen in die Hand geben kannst.
Um zu sagen, okay, sehe ich ein, du hast da ein Argument, was mir definitiv
nicht gefällt. Ich werde tun, was ansteht.
Sebastian
Hat das denn der Idee der Fantasie entsprochen? Wie sich das anfühlt?
Das ist ja dann doch, wenn man das dann merkt, das ist dann eben nicht die Person
aus dem Buch oder aus der Geschichte, die man sich im Kopf ausgedacht hat,
die die ultimative Macht hat.
Sondern man muss sich darauf einlassen und dann ist ja doch sowas wie ein Konsens
vielleicht auch noch irgendwie da. Das stört vielleicht.
Also inwieweit musstest du dich auch selber erstmal einordnen und eichen,
dass es da durchaus einen Realismus zu geben hat.
Elysandra
Die Überlegenheit bei diesen ersten Spielbegegnungen war relativ einfach dadurch
gegeben, dass die sich auskannten und ich nicht.
Das ist quasi erstmal ein Fakt, den ich so akzeptieren kann,
da muss ich jetzt nicht viel rumdiskutieren.
Sebastian
Das hält ja nicht lange an.
Elysandra
Das hält nicht lange an, aber es waren ja auch nur sehr kurze Begegnungen.
Was tatsächlich nicht ganz der Realität der Fantasie entsprochen hat,
war eben der Faktor Schmerz.
Der kam nämlich sehr schnell. Also die erste Gelegenheit, da hatte einer so
diese dünnen Carbonstäbe.
Sebastian
Gleich sowas Böses, Fieses.
Elysandra
Genau, hatte er mitgebracht. ist natürlich auch was Besonderes,
zumindest zu dem Zeitpunkt auch definitiv was Besonderes.
Wusste auch sonst irgendwie keiner so richtig, wo man die herbekommen könnte.
Also Vorzeige-Instrument sozusagen, Vorführ-Instrument. Ja, und dann hat sich
daraus ergeben, dass wir an dem Abend so ein bisschen, wir waren dann noch ein
bisschen privat, manchmal halt schließt sich ja an den Stammtisch noch ein bisschen was an.
Und dann hatten wir einfach die Gelegenheit, das so ein bisschen auszuprobieren.
Ja, und ich würde bis heute sagen, ich bin nicht masochistisch im Sinne von,
ich spüre Schmerzen und das wandelt sich in irgendeiner Form in Lust um sozusagen
als physikalische Reaktion in irgendeiner Form.
Das macht Gefälle, was dadurch deutlich wird, das wirkt dann schon wesentlich besser.
Aber ich habe sofort gemerkt, irgendwas an diesem Aushalten ist total genial.
Also ich quasi gegen meinen Körper. Kommt drauf an, wie ausdauernd die andere Person ist.
Nein, in der Regel gewinnt mein Körper.
Sebastian
Das ist ja dann auch so ein Loslassen. Ich glaube, Katharsis hast du benutzt
im Vorgespräch, der wird selten verwendet, so ein Wort.
Aber das trifft es ganz gut, glaube ich, wenn sich die Seele so ein bisschen abkoppelt.
Dir passiert das jetzt einfach. Ist das vielleicht der Kern,
den du spannend findest?
Elysandra
Ja, es fängt quasi an, der Kampf gegen mich selbst sozusagen.
Also mein Starrsinn gegen die Schmerzen, die ab irgendeinem Punkt halt schwer aushaltbar werden.
Und genau, dass ich sozusagen so lange, wie ich Ausdauer habe,
dagegen ankämpfen kann.
Und es ist aber fast schon von vorn, also je nach Absprache der Szene etc.
Aber grundsätzlich eigentlich von vornherein klar, wenn die andere Person das
lange genug durchzieht, werde ich am Ende klein beigeben.
So, dann kannst du dich natürlich austoben, dann kannst du richtig alles an,
ja, Widerstand, Eigensinn, Starrsinn,
vielleicht auch Wut, Stress, keine Ahnung, kannst du so richtig reinhauen und
sagen, nee, mich kriegst du nicht klein und weißt halt, okay.
Sebastian
Und wenn man jung ist, macht man auch mal blöde Sachen und trifft mal blöde Entscheidungen.
Elysandra
Ja.
Sebastian
Oder war das alles vorbildlich?
Elysandra
Also die Situationen waren manchmal etwas seltsam, wo ich sagen würde,
das würde ich heute nicht mehr so machen.
Ich habe in den letzten Jahren erst in verschiedenen Podcasts so diesen Begriff
Pick-up-Play zum Beispiel kennengelernt.
Das war damals als Begriff zumindest in meinem Umfeld überhaupt nicht gegeben,
aber fast alles, was ich da gemacht habe, war irgendwie Pick-up-Play.
Sebastian
Also vielleicht auch mal für die Menschen, die den Begriff noch nicht so kennen,
das ist halt wirklich dieses, das ist so eine Art One-Night-Stand des BDSM.
Elysandra
Genau.
Sebastian
Also man,
Ich kenne das auch so. Wollen wir ein bisschen spielen? Ja, okay.
Elysandra
Ja, genau. Und dann legt man los. Und in der Regel auch mit nicht,
also heutzutage sprechen wir über Konsens ja nochmal ganz anders und Gespräche
vorher führen und verschiedene Arten, wie man herangehen kann, etc. etc.
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass das damals groß Thema gewesen wäre.
Vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass wir alle SMJG Jugendliche waren
oder junge Erwachsene waren mit nicht so viel Erfahrung vielleicht.
Genau, aber wir haben eigentlich einfach ach, willst du das mal ausprobieren? Ja, dann mach mal los.
Sebastian
Aber das ist ja dann im Prinzip, also klar.
Elysandra
Konsens war gegeben.
Sebastian
Genau, also ich glaube, das darf man auch nicht zu hoch hängen.
Natürlich gibt es, ich bin auch Freund davon, nicht, ich sag mal,
vorbereitend ein riesiges Meeting zu führen, wo man alles mögliche abspricht
und dann muss das auch durchgezogen werden, weil man hat die Grenzen ja abgesprochen und eingehalten.
Also ich bin Freund davon, sich der Einvernehmlichkeit während des gesamten
Handels immer wieder zu versichern.
Und es ist auch ein Konsent einholen, wenn ich die große böse Gerte raushole
und lege die einfach mal hin und sage, gewöhn dich mal dran und jetzt kannst
du überlegen, ob wir jetzt an der Stelle weitermachen oder nicht.
Mir macht es mehr Spaß, wenn ich ein Ja kriege, auch wenn ich weiß, dass du das hast.
Dann habe ich natürlich in einer Spielsituation, das ist nicht ganz ideal,
weil das ist natürlich ein bisschen durch Erregung und Aufregung getriggert,
aber ich habe trotzdem an der Stelle eine Möglichkeit geschaffen,
auf irgendeine Art und Weise einzuwilligen.
Und das heißt ja nicht, dass ich dann, wenn dann eher ein Jahr kommt,
alles durchziehe bis zum bitteren Ende.
Aber ich bin durchaus Freund davon, dass man sich nicht darauf berufen kann,
vor zwei Stunden wäre das ja noch okay gewesen, was soll denn das jetzt?
Und dass man eben auch Dinge einbauen kann, indem man ein bisschen Ruhe und Zeit hat. Aber das ist.
Elysandra
Ja.
Sebastian
Schwierig. Also darf man eigentlich so nicht mehr sagen. Aber ich bin durchaus
der Meinung, dass wenn zwei Menschen miteinander harmonieren, dass das funktioniert.
Elysandra
Das hat auch immer funktioniert in der Hinsicht. Und es waren auch nie extreme
Sachen. Also es waren wirklich so die ersten Ausprobiersachen.
Was ich aber im Nachhinein sagen würde, wo es nicht ganz funktioniert hat,
ist eigentlich Konsens um die Beziehungsebene in dem Moment.
Sebastian
Die gab es ja nicht.
Elysandra
Genau, die gab es nicht, aber das wurde nie so explizit gesagt.
Also bei der Eingelegenheit zum Beispiel hat sich dann auch so eine Art irgendwie,
wir sind in Kontakt geblieben und hm, hm.
Also das war quasi eigentlich immer die Ebene, mit der ich dann,
ja, Probleme hatte oder wo es dann irgendwie komisch wurde.
Das eine zum Beispiel war komplett ungeplant und dann haben wir ein bisschen...
Ja, ein bisschen gespielt und dann treten sich unsere Wege und als wir uns das
nächste Mal gesehen haben, hatte er dann demonstrativ seine Freundin im Arm
und ignorierte mich quasi.
Und das sind halt Sachen, die könnte ich auch einfach vorher klären,
wer sind wir, was machen wir jetzt hier. und also,
tatsächlich nicht so sehr auf das Spielen bezogen, sondern eher auf wir spielen
jetzt tatsächlich nur einmal kurz und darüber hinaus schließt sich da auch gar nichts an.
Ich habe aber und da bin ich nicht ganz sicher, weil ich damals noch nicht so,
bis auf in der SMJG einfach noch nicht so groß in der Community unterwegs war,
ist das vielleicht aber auch eine Dynamik, die einfach wesentlich gebräuchlicher
geworden ist, die es damals gab, aber nicht so richtig thematisiert wurde vielleicht weiß ich nicht.
Sebastian
Ja, es ist mal schwierig, das einzuordnen. Also es gibt Personen,
für die ist BDSM etwas, wenn ich eine tiefe, langjährige Beziehung habe,
dann kann das eine Erweiterung der Sexualität sein.
Man kann es aber auch ein bisschen anders sehen, dass man sagt,
okay, das ist ja eine Freizeitaktivität.
Das kann ich genauso machen, wie ich mit jemandem mal eine Runde Schach spiele
oder mal um den Teich spaziere oder mal mit jemandem ein Bierchen am Kiosk trinke.
Also dass das quasi an sich nicht diese Bedeutungsspannung, langere Wirkung hat.
Und das ist, glaube ich, schwierig, weil da unterscheiden sich Menschen einfach.
Und gerade wenn es neu ist, dann hat es natürlich automatisch sehr viel mehr
Bedeutung als für jemanden, der oder die jede Woche mit einer anderen Person mal spielt.
Also ich glaube, das ist auch eine Erfahrungs- und Gewöhnungssache und eine
Sozialisationsfrage und eine Altersfrage und überhaupt alles.
Also da muss man wahrscheinlich ein bisschen zusammenpassen,
damit es dieses Ungleichgewicht nicht gibt.
Das tut wahrscheinlich auch einfach weh, wenn dann die Person einen beim nächsten
Mal ignoriert, weil man war ja irgendwie intim.
Elysandra
Genau, ja, beziehungsweise und man war davor auch freundschaftlich verwendet,
also zumindest über den Stammtisch so, hat sich unterhalten und man ist ja nicht
umsonst in irgendeiner Form zusammengekommen.
Aber ich denke auch gerade so, das war eine Zeit, da war das Internet ja noch
nicht im Sinne von Social Media so stark vertreten.
Also wenn ich überlege, was ich jetzt alles an Community online finden kann im Vergleich zu...
Und damals ist mir einfach tatsächlich nicht viel aufgefallen im Internet,
wenn man jetzt nicht auf den Mailinglisten und so weiter unterwegs war.
Und wie gesagt, Forum war nicht meine Stärke.
Sebastian
Ich würde gerade sagen, ich empfinde es genau umgekehrt. Also Social Media ist
inzwischen, jeder kann Creator sein, ja, man braucht keine technischen Kenntnisse mehr.
Aber früher hatte ich eben Foren oder Chats oder Messenger, wo ich mich austausche,
wo ich ein gewisses Gleichgewicht habe, wo also viele Menschen zusammen Content erschaffen.
Heute, egal ob Facebook, Instagram, TikTok und Co., scrolle ich durch und wenn
es ganz hoch kommt, dann hinterlässt man mal einen Kommentar.
Das heißt, die Interaktionsebene ist eine andere. Ich habe immer einen Präsenter
und ich habe Publikum, wie im Prinzip bei diesem Podcast.
Ich glaube, im Durchschnitt sind das 2000 Menschen eine Folge hören,
kommentiert eine was unter einer Folge.
Das ist eine Quote, die ist schon, man gewöhnt sich dran.
Aber ja, wie gesagt, so ein Forum,
da ist halt entweder ist da Stille oder ist was los und dann tragen halt Menschen
was bei, manche mehr als andere, nicht jede Community ist auch gesund im Umgang
miteinander, aber damals zumindest,
sag ich mal, wer konsumieren wollte, musste beitragen und konnte auch Fragen
stellen und Einsichten weitergeben.
Das empfand ich durchaus sozialer.
Elysandra
Das stimmt. Ich glaube, was ich heute als sehr interessant und angenehm wahrnehme,
ist zum Beispiel, also ich höre relativ viele verschiedene King-Podcasts und
da hat die Community einfach eine Stimme,
mit der sie sich und ihre Ideen und ihre Konzepte vorstellen kann und dann in
der Regel ja sogar noch auf eine relativ polierte Art und Weise und dann mal
recherchiert oder mal als Erfahrungsberichte.
Aber wir haben eine relativ große Plattform, wo wir sehr, sehr viele verschiedene
Stimmen zusammenbringen können.
Und je nachdem, wo man im Forum landet…,
Ja, poliert ist da schon mal gar nichts.
Sebastian
Aber ist der Unterschied so groß?
Elysandra
Finde ich, ja. Aber wie gesagt, ich bin auch, ja, ich habe mit Foren ein bisschen mein Problem.
Sebastian
Das ist überhaupt kein Thema. Also wir tauschen uns ja an der Stelle aus,
weil wir sind in ähnlicher Zeit im Internet aktiv gewesen.
Und irgendwo sind wir dann unterschiedlich abgebogen.
Elysandra
Ja, natürlich.
Sebastian
Also gerade als es angefangen hat und auch wirklich im Jahr 2002, 3, 4, 5 bis 2010,
sag ich mal, war die Verknüpfung Sexualität, sexuelle Handlung,
Sex und BDSM, die waren noch stärker als heute. Wir haben da eine gewisse Entkopplung.
War das damals ein Problem?
Elysandra
Ich glaube, das ist tatsächlich ein bisschen das, worauf ich,
wo mein Beitrag zu, wir haben die Beziehungsebene nicht geklärt, eben auch einhakt.
Ich dachte nämlich eben noch so, meine Wahrnehmung von damals war auch ganz
klar, wenn du spielen willst, musst du eine Beziehung finden mit jemandem, der auch spielen will.
und kann sein, dass es Ecken gab, in denen ich nicht unterwegs war,
wo das anders diskutiert wurde, aber das war sozusagen die Prämisse,
die ich überall wahrgenommen habe,
mindestens eine Langzeitspielbeziehung, eigentlich aber einfach eine Beziehung,
in der King dann eben auch eine Rolle spielt.
Und ich glaube, daher kam dann eben diese, es ist sozusagen impliziert,
wenn wir spielen, heißt das, da ist Potenzial für eine Beziehung,
weil das ist ja sozusagen das Ziel, was von allen anvisiert wird und wenn du
dann nicht vorher klärst, ne, aber ist völlig in Ordnung, wenn du einfach mal einen Abend lang,
deine Gärte an mir ausprobierst oder so,
dann glaube ich, führt das zu den komischen Momenten.
Sebastian
Das heißt, eigentlich hättest du gern die Beziehung gehabt, aber das Spiel war
ein möglicher Einstieg dahin?
Elysandra
Nee, nicht für mich, aber ich meine, dass das quasi als implizierter,
sozusagen als abstraktes Konzept sofort im Raum stand.
Und dann kommt vielleicht sowas wie, dann ignoriere ich dich beim nächsten Mal,
um ganz klar zu machen, dass das natürlich jetzt so nicht gemeint war.
Sebastian
Was ist für dich intimer? Sexualität in Form von sexuellen Handlungen oder Spielen und BDSM?
Elysandra
Immer Spielen und BDSM, weil ich an Sexualität ohne Spielen und BDSM überhaupt
gar kein Interesse habe.
Sebastian
Das war damals auch schon so?
Elysandra
Das habe ich damals noch nicht verstanden, aber es war schon so, ja.
Sebastian
Ja, wenn es auch so war, dann ist ja dein Handeln, musst du ja irgendwie in
Einklang bringen mit den Erwartungen, die auch an dich gestellt werden,
die du an der Gegenüber stellst.
Und wenn man sich dem nicht so bewusst ist, dann wird es ein bisschen kompliziert.
Also wo hast du gemerkt, irgendwas ist vielleicht anders?
Elysandra
Das habe ich schon ganz früh gemerkt.
Meine ganz große Frage in der Schulzeit war schon, wo haben die alle ständig ihre Partner her?
Sebastian
Entschuldigung. Okay.
Elysandra
Es gibt ja, kennt wahrscheinlich jeder, es gibt auch so, oder gab dann so Klassenkameradinnen,
die irgendwie nach Ende jeder Beziehung, egal wie lang die waren,
zwei Wochen später hatten sie die nächste.
Und ich stand immer mit einem ganz großen Fragezeichen daneben.
Ich habe nie, bis heute nie, ich finde keine Person in irgendeiner Form sexuell
attraktiv oder anziehend.
Andere Arten von Attraktivität, ästhetisch, anziehend, ja, sexuell, null.
Je weniger die Person anhat, desto weniger, also umso langweiliger wird es für mich.
Und ich verliebe mich auch sehr, sehr, sehr, sehr selten.
Das ließ mich dann in einem großen, reden die sich das alle ein?
Ich habe ja den Verdacht, die reden sich das ein, in der Regelmäßigkeit.
Nee, genau, also das war mir schon ganz lange, ganz lange klar.
Und ich habe das auch teilweise zurückgespiegelt bekommen.
Also ich hatte zum Beispiel während meiner Studienzeit, war ich dann auf einem
anderen Stammtisch unterwegs und habe dort auch mit einem Dom ein bisschen angebändelt.
Für mich halt so ein bisschen Spielbeziehung, Fragezeichen. Beziehung wollte
ich eigentlich gar nicht so. Ich bin auch eigentlich lesbisch.
Insofern wollte ich sowieso mit einem Mann schon mal gar keine Beziehung.
Das war mir absolut klar.
Zu dem Zeitpunkt war Kink und BDSM in meiner Wahrnehmung ganz klar mit Sex verknüpft.
Das ist einfach so, ist ja eine sexuelle Praktik.
Dementsprechend habe ich das sozusagen hingenommen. Wenn ich BDSM machen will,
dann ist Sex ein Teil davon.
Das war aber für mich der unwichtigste oder der uninteressanteste Teil.
und ich habe dann aber teilweise zurückgespiegelt bekommen, so im Sinne von,
meine Güte, du bist die erste Frau, die ich treffe, die Sex und Liebe trennen kann.
Das kenne ich nur von Männern, das ist ja wirklich spannend.
Sebastian
Ja, also, okay, kann man das trennen? Ja, natürlich kann man das trennen,
aber okay, das so gesagt zu bekommen, ich weiß nicht, bin mir nicht sicher,
ob ich das als Kompliment sehen würde.
Elysandra
Ich stand auch ein bisschen mit Fragezeichen daneben, hörte mir das an und dachte,
ja, also, weil der Sex halt für mich keine Bedeutung hat.
Deswegen, gleiches Thema, vor, danach der Ehe Sex und ich habe gedacht,
ja, weiß ich nicht, musst du halt wissen, entweder du wartest oder nicht, wo ist das Problem?
Sebastian
Ich muss mal kurz einwerfen, weil du eben sagtest, dass die alle immer neue Partner hatten etc.
Ich habe ihn gestern Abend lange, lange gelesen. Falls ihr, liebes Publikum,
ein Zeitabo habt, ein Online-Abo, guckt mal auf zeit.de nach Hetero-Fatalismus.
Artikel heißt, Frauen sind müde vom Männer-Dating. Warum?
Toller Artikel, empfehle ich einfach mal zu lesen. Es ist total großartig.
So, musste ich einfach einmal unterbringen. Ich verlinke es auch,
wenn ich dran denke in den Show Notes.
Lass uns mal drüber reden, was ist denn überhaupt Sex? Weil wenn BDSM eine sexuelle
Handlung ist, ist BDSM ja Sex.
Und darauf stehst du ja und damit ist ja das überhaupt kein Thema.
Elysandra
A Sexualität gelöst.
Sebastian
Ja, nein, also wo fängt für dich Sex an? Ab wo wird es eine sexuelle Handlung?
Und wo ist der Punkt, wo du sagst, das ist jetzt nicht so wichtig oder nicht
so toll vielleicht oder vielleicht auch abstoßend?
Elysandra
Ich würde sagen, Sexualität beginnt für mich ...
Es ist uninteressant zu werden, sobald Genitalien in irgendeiner Form ins Spiel kommen.
Das Ganze ist ja ein Spektrum, also von Leuten, die das nur mit bestimmten Personen
dann anziehen finden, bis hin zu Leuten, die einfach komplett abgestoßen sind
von allem, was irgendwie damit zu tun hat.
Da bin ich jetzt eher auf neutralem Grund mit Tendenz zu ...
Genau, aber da beginnt das im Grunde für mich. Und da begannen dann in der Regel
auch immer die Phasen in Szenen, wo ich dann ...
Da musste dann halt durch, halt so.
Sebastian
Okay, hätte man aber auch einfach weglassen können.
Elysandra
Meinetwegen ja. Aber genau, das war halt gar nicht Thema zu dem Zeitpunkt.
Sebastian
Ja, lass uns das mal ein bisschen auseinanderbauen, Weil die erste Geschichte
war ja die Vergewaltigungsszene im Buch. Das ist ja nun mal Sex.
Elysandra
Volle Kanne, ja.
Sebastian
Also echt nicht einvernehmlich, aber es ist nun mal Sex und das hat dich ja
so geprägt, dass du es mir heute erzählen konntest, 30 Jahre später im Grunde.
Also die Erkenntnis, Sex ist jetzt nicht nur nicht wichtig, sondern durchaus
gut und gerne verzichtbar, die muss ja auch erstmal irgendwann kommen.
Also um das zu wissen, muss man vermutlich erst mal Sex haben und hinterher
feststellen, aha, also war das einfach, ich mag jetzt nicht Ursachen suchen,
aber schon so ein bisschen die Grenzen wissen,
wo es bei dir einfach, wo du dann auch merkst, so brauche ich nicht.
Elysandra
Also ich glaube tatsächlich, dass mir die Vermischung mit Kink da ziemliche
Steine in den Weg gelegt hat, um das zu verstehen.
Ich habe für mich das Thema Asexualität oder den Begriff Asexualität,
der tauchte in meinen 30ern, Anfang 30, überhaupt zum ersten Mal in meinem Leben auf.
Dann habe ich das noch mehrere Jahre vor mir hergeschoben und dann habe ich das durchdacht.
Also dass ich niemanden anziehend finde, wusste ich ja schon immer.
Wobei man sagen muss, und ich glaube, das geht vielen Asexuellen so,
du verbringst eine relativ lange Zeit damit, darauf zu warten,
dass der oder die eine Richtige kommt.
Das wird dir nämlich immer gesagt. Du hast den oder die, in der Regel ja den,
wenn du eine Frau bist, den Richtigen noch nicht gefunden.
Dann habe ich mich irgendwann als lesbisch geoutet und dann hieß es,
ja, dann hast du die Richtige noch nicht gefunden.
Ich also immer in Warteposition und habe halt gleichzeitig gemerkt,
der Gedanke von Sex kombiniert mit Kontrollverlust, den finde ich total spannend.
Ja, aber ich wusste aber zu dem Zeitpunkt schon, Sex ohne, habe ich null Interesse dran. Null.
Denke ich nie drüber nach, gucke ich mir nicht gerne an. Nichts finde ich langweiliger.
Sebastian
Ich habe ja hier im Podcast ganz viele Menschen, die sagen, Sex an sich kann
ich nicht viel anfangen, das ist halt langweilig.
Wenn es in dem BDSM-Setting ist, großartig.
die Menschen würden sich aber auf gar keinen Fall als asexuell bezeichnen,
sondern die würden halt ganz klar sagen nein, es ist halt die Art und Weise
des Sex, die Technik das drumherum dass ich bin da fixiert und dann,
kommt sie mit ihrem großen,
äh keiner dann ist das Szenario spannend alles andere ist unspannend ich suche
da noch so diese Abgrenzung da musst du mir helfen Ja genau.
Elysandra
Aber das ist das, wo ich auch hätte Hilfe gebrauchen können,
weil ich weiß, dass ich ziemlich viele Jahre, also jetzt nicht durchgehen,
aber wenn ich mal wieder darüber nachgedacht habe und versucht habe,
das für mich zu begreifen,
war es mal, ja, zwischenzeitlich habe ich dann gesagt, okay,
bin ich, ist das ein Fetisch?
Weil die Definition des Fetisches ist ja, man kann nicht zum Orgasmus kommen,
ohne dass der Fetischteil irgendwie involviert ist.
Käsefetisch, dann kannst du halt nur einen Orgasmus haben, wenn Käse involviert ist.
Also hätte ich ja per Definition mich eigentlich als SM, BDSM,
Kinkfetischistin bezeichnen müssen.
Ja, fand ich total schwer. Deswegen habe ich auch eine Asexualität nicht wirklich.
Da ist ja irgendwie, da ist auch Erregung im Spiel und ich glaube,
ich denke mehr über Sex nach als viele nicht-asexuelle Menschen,
was aber interessanterweise viele Asexuelle von sich sagen.
Viele Podcasts werden von asexuellen Menschen gemacht.
Sebastian
Da denken sie so viel darüber nach.
Elysandra
Genau, weil nämlich immer die Frage im Raum steht, was ist das eigentlich,
was daran ist denn so toll und so.
Also ich glaube tatsächlich, es hat zumindest eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit,
dass du dich dann vielleicht genauer damit auseinandersetzt,
zumindest auf theoretischer Ebene.
Sebastian
Vielleicht mache ich mal einen Versuch. Also Sex, ja erstmal ist das Ganze,
die Lust auf Sex ist hormongesteuert und evolutionsbiologisch bla bla bla bla bla.
Also das ist der eine Grund Sex zu haben, der andere Grund Sex zu haben ist
etwas, was gesellschaftlich aufgeladen ist.
Das macht man nur in der Ehe, das ist im Zweifel was Verbotenes.
Man holt sich tödliche Krankheiten, Frau natürlich auch.
Man kann es falsch machen, man kann die Körperattribute, er kann zu klein sein,
er kann zu groß sein, er kann zu dünn sein, sie kann zu trocken sein, was weiß ich.
Es gibt eine Million Gründe für schlechten Sex und das Highlight,
was dann in unserer popkulturellen Gesellschaft vorgelebt wird,
ist dann, und guter Sex, das ist die Sache.
Danach streben wir alle und das ist das, was wir brauchen und wollen.
Diese Suche kann im Zweifel unendlich lang gehen. Menschen,
die jetzt Kink finden, haben den Vorteil, dass sie genug Trigger und Reize in
einer Situation haben, dass auch nicht so guter Sex durch das Ganze drumherum
so schön aufgeladen wird, dass es dann doch irgendwie als lustvoll hinterher empfunden sein wird.
Aber vom Grundsatz her, diese Mischung aus gesellschaftlichen Tabus,
Notwendigkeit, der Gefahren, des Abenteuers, das macht Sex zu Sex.
Und wenn man darüber steht, dann wird es sehr schnell uninteressant.
Elysandra
Genau, das interessiert mich alles überhaupt nicht. Ja, ich habe auch lange gesucht.
Ich bin auch immer noch nicht ganz fertig mit der Suche, das muss ich sagen,
weil mechanisch, grundsätzlich funktioniert das Ganze, ja, grundsätzlich.
Ich weiß noch, lange Zeit war das, vielleicht war das auch so eine Phase,
aber es ging dann ganz viel mit Selbstbefriedigung.
Dann lern erstmal deinen Körper kennen, finde raus, was ihm gefällt, etc.
etc. erkunde, das Ganze fällt erstmal.
Ich und mein Körper haben für uns festgestellt, es gibt genau einen Punkt,
der irgendwie von Interesse ist.
Zumindest war das jahrelang der Fall.
Ein Vibrator auf der Klitoris.
Alles andere, ich habe immer gedacht, da muss es noch mystische Schalter geben,
die man irgendwie umlegen kann,
laut den Beschreibungen, die es überall zu finden gibt, war aber nicht so.
Sebastian
Ja, einen Schalter zu haben ist auch schon ein Erfolg.
Elysandra
Ja, immerhin. Also auch, ja, genau.
Ich bin auch tatsächlich, das ist auch immer eine Frage bei Asexuellen,
masturbieren die denn oder nicht und so weiter? Haben die Sex, haben die keinen Sex?
Masturbation zum Beispiel mache ich ziemlich regelmäßig, das klickt jetzt auch so.
Sebastian
Das packe ich in den Trailer zur Folge rein, sehr schön.
Elysandra
Ich würde sagen, zu 90 Prozent aus entweder Langeweile oder Stress.
Und dann gibt es alle Jubeljahre mal so einen Tag,
wo ich irgendwie gedanklich wirklich unterwegs bin und das Gefühl habe,
jetzt wäre es schön mal einen Orgasmus zu haben, weil mich einfach gerade in
diesem Moment sozusagen, habe ich Lust darauf.
Aber dieses Lust darauf in dem Sinne, das habe ich eigentlich gar nicht.
Sebastian
Okay, also du brauchst es nicht, aber es ist okay, wenn es da ist.
Elysandra
Naja, wie gesagt, also ich mach das schon regelmäßig so aus Stress irgendwie.
Danach ist ja auch netter.
Sebastian
Aber… Ja, aber nicht aus sexuellem Antrieb.
Elysandra
Nee, genau. Das ist, glaube ich, der Punkt.
Sebastian
Das ist so, wie ich lass mir eine Massage geben.
Elysandra
Ja, genau.
Sebastian
Tut gut, ist schön.
Elysandra
Und manchmal tut es ihr auch noch weh. Das sind die Besten.
Sebastian
Nehmen wir mal an, du hättest eine Partnerin und es wäre okay für dich,
Sex zu haben mit ihr, weil sie da das Bedürfnis hat.
Elysandra
Ja, und da wird es aber schon schwierig.
Sebastian
Okay.
Elysandra
Das ist nämlich das, was ich über die Zeit festgestellt habe.
Und ich hadere damit oder ich habe damit viel gehadert, weil es so egoistisch klingt.
Aber für mich ist halt, ich bin der Ansicht, ich müsste das eigentlich gerne
machen wollen, zumindest weil ich ja weiß, dass es ihr dann gefällt.
Aber da bin ich vielleicht schon ein bisschen zu sehr über das Neutrale hinweg
zu, eigentlich möchte ich mich nicht unbedingt damit auseinandersetzen.
Und dann wird es halt auch schwierig. Dann bist du schon in diesem ...
Ich meine, ich gehe davon aus, dass die meisten Allosexuellen,
also die, die in Anführungsstrichen normalsexuell, wie wir das quasi als Durchschnitt
kennen, die so funktionieren, dass die auch begehrt werden wollen.
einer Beziehung. Und das zum Beispiel wirst du von mir nicht bekommen. Tue ich nicht.
Sebastian
Die Person begehrst wahrscheinlich schon, aber eben nicht ihre Genitalien.
Elysandra
Ja, aus verschiedenen Gründen, aber nicht ihre Genitalien und ja,
leider ja, ich schließe das nicht aus.
Sebastian
Aber Das Schöne ist ja, wir haben eine Gesellschaft, in der man,
herausfinden kann, durch Information und darf was die eigenen Bedürfnisse sind,
was die eigenen Kinks sind und auch in diesem Kontext ist, ich sag mal,
Blümchensex auch ein Kink, den man unterstützen kann.
Also ich, genauso wie ich sagen kann, ich stehe auf Schmerzen,
Fesseln, Atemkontrolle, irgendwas, kann auch genauso Penetrationen da in dieser Liste stehen.
Und warum kann man alles ablehnen, aber das eine nicht?
Also ich glaube, in so einer Kinky-Community kann man das genauso wie alles
andere auf die Not-To-Do-Liste setzen.
Elysandra
Sehe ich genauso.
Sebastian
Sehen das alle so.
Elysandra
Nehme ich auch für mich in Anspruch.
Sebastian
Ja, aber sehen das alle so.
Elysandra
Das sehen nicht alle so. Da wird es dann teilweise schwierig.
Sebastian
Also eine Person, die sich auch als asexuell outet, ist die interessant für
dich als Beziehungsperson?
Allein dadurch, dass sie da eine Gemeinsamkeit hat?
Elysandra
Ich würde mich gern mit ihr unterhalten, wie sie das Ganze erlebt.
Ansonsten ist das keine Basis. Also da kommt es für mich nicht drauf an.
Ja klar, ich könnte theoretisch innerlich entspannter sein, wenn ich weiß,
das steht gar nicht im Raum.
Aber da wäre tatsächlich für mich, also wie kann ich mit der Person reden,
wie ist die drauf, sind wir auf einer Wellenlänge und aber auch,
also es wäre schon eigentlich schön, wenn ich Kink in meiner Beziehung hätte,
insofern wäre es wahrscheinlich interessanter, wenn die Person dann auch passend.
Sebastian
Ja gut, das setzen wir hier ja mal voraus.
Elysandra
Dominante Vibes mitbringt, dann wäre das, also das wäre ideal,
das würde mich total entspannen, ja.
Sebastian
Okay, also die Zielgruppe ist einfach klein. Vor allem das Schlimme ist ja,
dass viele Menschen, die eher dem Sex ausweichen, weil sie das so wie du definieren,
sich aber darüber nicht im Klaren sind, die kriegst du mit den Buzzwords nicht.
Bei Bondage, das schreibe ich dran. Bondage, das ist einfach.
Masochismus, Sadismus, wunderbar. Ich kann da überall ein Label dran kleben.
Und die Leute sind sich auch relativ schnell bewusst, ah, das mit den Seilen
hat Spaß gemacht. Ich mag offenbar Bondage.
Dass einem etwas nicht so gefällt, also negativer Kink.
Es gibt jetzt keinen Kink, der so die Phobie vor Seilen, oder nicht,
dass ich das erfinden müsste.
Der Anti-Seil-Kink. Genau, also immer, wenn ich etwas nicht so sehr mag,
dann ist es ja kein Kink. Ja.
Und damit hat es auch weniger oder kein Label.
Elysandra
Ja, genau.
Sebastian
Das ist ein Problem in der Kommunikation, Empfinden von Menschen.
Elysandra
Und das ist zum Beispiel auch, wo ich dann mich ab und zu in Foren begebe und
denke, jetzt guck mal, ob es hier was zum Thema Asexualität und Kink gibt.
Und meistens gibt es dann einen vor ungefähr drei Jahren verstorbenen und nie
besonders gelebten Threat irgendwo, der mir dann auch nicht wirklich weiterhilft.
Sebastian
Gibt es da eine Community? Gibt es da irgendwelche Plätze im Netz,
wo die voll sind mit Menschen? Ich meine, die Welt ist groß,
irgendwas wird es ja geben.
Elysandra
Genau, ja, es gibt tatsächlich das Avon-Netzwerk. Das ist quasi das Größte, glaube ich.
Also ich bin jetzt tatsächlich im asexuellen Bereich gar nicht primär unterwegs,
weil mich Kink zu sehr interessiert, um mich nur mit Asexualität zu beschäftigen.
Sebastian
Ja, vielleicht ist man dort ja, wenn man sagt, ich stehe übrigens auf Kink,
dann ist man dort wieder der Außenseiter.
Elysandra
Ja, ein bisschen, ja.
Sebastian
Verdammt.
Elysandra
Da sind halt verdammt viele Leute, die nicht auf Kink stehen.
Das ist der Vorteil von den Kink-Plattformen. Da ist das zumindest schon mal gesichert.
Genau, also es gibt dieses Netzwerk, das ist auch gegründet von der Person,
die, ich weiß gar nicht, wann das war, 90er oder so, glaube ich,
relativ aktiv sich in die Medien begeben hat, um das Thema publik zu machen.
Und ich bin auch auf verschiedenen Discord-Servern, die sich um Asexualität drehen.
Meistens gibt es dann auch so einen Channel, Ü18 oder BDSM oder Kink oder sowas
und da passiert dann aber auch relativ.
Also es ist, ich finde das schwierig.
Sebastian
Das zusammen Ich habe eine böse Fragestellung. Wenn man sich in einer Community
bewegt, auch in der, dann hat das immer so einen selbstverstärkten Effekt und
Menschen legen die Messlatte immer höher.
Also das ist wie beim BDSM, also wenn man nicht gleich mit der richtigen Gärte
und ordentlich, dann ist es ja kein Spanking.
Also weißt du, die Messlase wird immer höher und Asexualität ist ja nur dann
richtig gelehnt, wenn man wirklich gar nichts mehr will.
Weißt du, was ich meine? Ist das ein Problem?
Elysandra
Finden wir ja überall. Es gibt die Goldstar Lesbian, das ist die,
die noch nie mit Männern sexuell in Kontakt hatte.
Das sind sozusagen die reinsten Lesben, die du finden kannst.
Genau das gleiche Konzept gibt es auch in der Asexualität, sozusagen die Goldsternchen
Aces, die noch nie Sex hatten oder so.
Keine Ahnung, finde ich ziemlich albern und auch komplett unnötig.
Also, aber das geht so ein bisschen in die Richtung, was wir im heteronormativen Bereich auch haben.
Diese Frau hat zu viele Männer gehabt oder du hast vor der Ehesex gehabt oder
so eine Art von in irgendeiner Form entweder Verunreinigung oder Verbrauch,
der dort stattgefunden hat. Und das findet sich in diesem Konzept natürlich wieder.
Sebastian
Das klingt ja dann ganz besonders schlimm.
Elysandra
Ja, total. Da bist du verdorben, da kannst du auch machen, was du willst.
Sebastian
Okay, also die Community funktioniert nicht. Ist die King-Community heute offen
genug, wo du sagen kannst, ja, ich mag das und das und das und das mag ich übrigens
nicht und asexuell bin ich auch noch. Ist das was, wo die Leute sagen, ist okay?
Oder musst du das diskutieren, so wie mit mir jetzt? Ich meine,
mein Job ist es, mit dir drüber zu diskutieren. Normalerweise würde ich sagen, okay.
Dann würde ich noch, also wenn wir jetzt auf dem Stammtisch treffen,
würde ich sagen, erst mal würde ich sagen, ist okay.
Dann würde ich vielleicht irgendwann mal fragen, möchtest du es mir ein bisschen
genauer erklären, weil das außerhalb meines Denkhorizonts ist.
Und dann kommt die Frage auf, wie viel Geduld hast du.
Aber wenn dich das jeder fragt, dann bist du irgendwann sehr müde und fühlst
dich nicht akzeptiert, weil jeder es immer hinterfragt. Also in die Falle würde
ich total reinlaufen, muss ich ehrlich zugeben.
Elysandra
Vielleicht mache ich da nochmal einen Bogen, ein bisschen zurück in die,
wie sich das bei mir entwickelt hat. Ich habe, wie gesagt, ziemlich früh...
gar nicht 100% sicher, was zuerst kam, Kink oder lesbisch sein.
Aber das habe ich um 15, 16 rum beide Begriffe gefunden und für mich entdeckt
und dann auch sofort als Label in der Welt verbreitet und hatte damit auch null Probleme.
Es war so, okay, ich bin lesbisch, okay, ich stehe auf Kink.
Gut, das reduziert jetzt meine,
potenzielle Beutegruppe sozusagen schon mal ein bisschen stärker.
Es muss also eine Frau sein und sie muss auf Kink stehen und eigentlich dann
ja auch noch dominant sein.
Also das ist ja nochmal wieder eine Subkategorie, die ich da als Beuteschema gehabt hätte.
Und als ich dann, wie gesagt, mit irgendwann Anfang der 30er das Thema Asexualität
aufkam, also als ich das so die ersten Mal, die Begriffe gehört habe und vielleicht
auch Definitionen gelesen habe und dann war es so ein innerliches.
Tendenz zu erklärt ziemlich viel. Tendenz auch, wenn ich das jetzt gerade nicht
wahrhaben willst, so trifft wahrscheinlich ziemlich gut.
Und es hat mich dann aber tatsächlich jedes Mal in so ein richtiges Loch gestoßen.
Also ich habe wirklich, ich erinnere mich, dass ich drei oder vier Mal auf das
Thema gestoßen bin und danach so eine richtig tiefe Lochphase hatte einfach.
Emotional, stimmungsmäßig, voll rein.
Und deswegen habe ich das quasi gesehen, Trigger genommen und das Thema dann
wieder von mir geschoben, weil ich das geführte, damit kann ich mich gerade
nicht auseinandersetzen.
Und ich weiß, dass der Kernproblempunkt daran war, dass ich dachte,
Mist, okay, jetzt brauche ich nicht nur, es muss nicht nur eine Frau sein und
sie muss auf King stehen und sie soll auch noch idealerweise dominant sein.
Jetzt muss ich auch noch irgendwie verklickern, dass das Thema Sexualität nicht so meins ist.
Und das ist ja schon auch immer noch die generelle gesellschaftliche Erwartung,
Beziehung gleich Sexualität. Also das ist schon was, was glaube ich Asexuelle
immer wieder gefragt werden und immer wieder ausverhandeln müssen.
Was genau bedeutet das für dich? Gar nicht oder nur manchmal oder nur mit bestimmten
Personen oder nur wenn die Sterne an der Position X stehen, keine Ahnung,
alle fünf Jahre, was ist dein Rhythmus?
Und dann auch immer mitschwingend die Frage, okay, aber wie funktionieren denn
Beziehungen, wenn einer allosexuell ist und der andere asexuell und wie können
diese Bedürfnisse überhaupt in Deckung gebracht werden.
Das schwirrt sozusagen das ganze Thema Asexualität und Beziehung immer drumherum.
Sebastian
Und wie?
Elysandra
Kommt total auf die Person an, das kannst du. Manche sagen, ist völlig in Ordnung,
ich mag Sex, aber es ist mir nicht wichtig, dann brauchen wir das nicht.
Manche Asexuelle sagen, ich brauche keinen Sex, interessiert mich auch nicht,
aber wenn dir das Freude macht, gib mir das total viel.
Was ich mir ja für mich auch wünschen würde, vielleicht finde ich auch noch
die Person, mit der das ist.
Sebastian
Du hättest gerne Freude daran, deinem Gegenüber eine Freude zu machen damit.
Elysandra
Ja.
Sebastian
Also das Emotionale, dass das mitkäme.
Elysandra
Genau, ja, weil ich, dann wäre es halt einfacher, sich zu sagen,
okay, ich mache das jetzt nicht für mich, ich mache das, ne, und ich.
Sebastian
Das ist wie, ich mache dir einen Kaffee, weißt du, ich mache dir damit eine
Freude, das Kaffeekochen ist jetzt eher langweilig, ne, und kann im Zweifel
von einer Maschine erledigt werden.
Elysandra
Genau, außer, dass du halt vor der Kaffeemaschine stehst und grundsätzlich,
wenn du erstmal die Kaffeemaschine anguckst, denkst, schmeckt tendenziell bitter, dauert relativ lange.
Sebastian
Okay, achso, du hast dich dessen bewusst zu sein. Was ist denn mit dem Begriff Demisexualität?
könnte der Paar, also du hast ja gesagt, ich habe erstmal Erfahrung mit Männern
ganz viel, aber dann auch zu sagen, so lege ich jetzt lesbisch.
Elysandra
Die Erfahrungen mit den Männern waren übrigens, nachdem ich mich,
also lesbisch bin ich schon immer.
Sebastian
Okay, meine Überlegung ist, das ist ja keine Entscheidung.
Liebes Publikum, es tut mir leid, ich finde die richtigen Worte gerade nicht.
Also ist lesbisch eine Entscheidung gegen Männer oder für Frauen?
Elysandra
Kommt auf die Lesbe an.
Sebastian
Ja, also es geht natürlich immer um den Menschen, aber es kann natürlich auch
sein, dass du einfach gemerkt hast, okay, das muss ich jetzt echt gar nicht
haben und dann bleibt das übrig, was ich nicht hoffe, ehrlicherweise.
Oder du sagst, nee, ich fühle mich einfach da hingezogen.
Also, es tut mir total leid.
Ich finde nicht die passenden Worte. Ich entschuldige mich dafür,
aber ich glaube, alle wissen, was gemeint ist.
Elysandra
Ja, und das ist aber auch was, was
total schwer, das ist total schwer zu definieren und zu greifen sowieso.
Also auch für mich, wenn ich das schon Schwierigkeiten habe zu vermitteln, dann, ne.
Ich habe eben gesagt, ich habe sehr viel, sehr lange auf verschiedene Sachen
gewartet und ich glaube, das ist ein Problem an Asexuellen oder was vielleicht,
vermute ich, viele Asexuelle haben.
Wie kannst du klar sagen, dass etwas nicht der Fall ist?
Sebastian
Ja gut, dass du...
Elysandra
Also wenn was schwarz ist, kann ich sagen, okay, das ist jetzt nicht rot.
Aber bei uns ist ja nicht stattdessen, was anderes da, es ist einfach nur die Abwesenheit von etwas.
Und dann auch noch etwas, was wir ja als Mensch auch erst im Laufe der Jahre quasi entwickeln.
Kinder sind ja noch, da sprichst du ja gar nicht von Sexualität und sexueller
Anziehung. Das kommt also erst später.
Deswegen ist Asexualität zumindest geschichtlich und ich könnte mir vorstellen,
auch heute noch, kommt drauf an, mit wem man spricht, häufig eher als infantil betrachtet worden.
Sebastian
Vielleicht kann ich mal eine Brücke schlagen. Also wenn ich jetzt zum Beispiel, nehmen wir mal an,
Auch wieder, ich habe irgendwie einen Lebensabschnitt, wo einfach viel los ist.
Dann nimmt meine Sexualität einfach ab.
Im Zweifel bis auf den Nullpunkt. Dazu muss ich nicht krank sein oder sowas,
sondern einfach es sind andere Dinge im Leben.
Prüfungsphase als Beispiel. Es gibt Menschen, gut, es gibt Menschen,
die in Prüfungsphasen einfach ganz wilden Sex jeden Tag brauchen,
damit sie irgendwie noch halbwegs entspannt sind, aber es gibt auch ein paar
Menschen, bei denen ist einfach so dieses,
so ich habe die große Abschlussprüfung in drei Monaten, in der Zeit kommt einfach keine Lust,
Erregung, Bedürfnis auf, weil andere Dinge wichtiger sind.
Ist das in irgendeiner Form vergleichbar?
Elysandra
Quasi der Dauerzustand.
Sebastian
Ja, also, nein, aber dass man sich das einfach mal vorstellen kann.
Elysandra
Möglicherweise schon viele Jahre. Nee, aber davon ganz unabhängig.
Ja, ein bisschen. Also genau, es ist halt einfach, du stehst da und guckst dich
um und alle sagen dir, jetzt habe ich Lust auf das, auf das,
auf das und du denkst nur die ganze Zeit, ja, ich nicht.
Ich habe eben gesagt, vielleicht, ich bin auch immer noch so ein bisschen auf der Suche.
Das heißt, demisexuell bedeutet ja, dass ich nur bei bestimmten Personen,
wenn ich sie auf einem bestimmten Level kenne, auch das ist dann immer wieder
subjektiv, erst dann sexuelle Anziehung empfinde.
Ich bin mir nach 30 oder sagen wir nach 25 Jahren Auseinandersetzung und Warten und.
Innere Auseinandersetzung damit, sehr sicher, dass diese Person jetzt nicht mehr kommen wird.
Ich war ja auch verliebt, ich habe auch Beziehungen gehabt, wo das nicht stattgefunden hat.
Also da würde ich dann halt sagen, wenn es irgendwann gekommen wäre,
dann hoffentlich in dem Moment, war aber nicht der Fall.
Deswegen würde ich mich auch nicht als demisexuell, sondern als asexuell betrachten.
Aber du hast natürlich immer so ein bisschen im Hinterkopf noch dieses,
wie gesagt, darauf warte ich gar nicht mehr.
Also das habe ich für mich einfach, das habe ich abgehackt, das ist klar,
sexuelle Anziehung empfinde ich nicht.
Wo bei mir noch Fragezeichen sind, ist Sex hat ja einfach auch eine bestimmte
mechanische Komponente, auf die der Körper mit bestimmten Reizen und Nervenenden etc.
reagiert. Und das ist der Punkt, wo ich dann sage, theoretisch könnte da ja
irgendwann nochmal was Spannendes passieren.
Ja, ist halt nur ein bisschen schwierig.
Sebastian
Da hinzukommen, wenn mich das Thema halt eigentlich interessiert.
Aber es nicht auszuschließen, ist ja schon mal eine gute Strategie.
Wir machen jetzt aber erstmal eine kleine Pause und dann geht's weiter und ich
habe schon spannende Fragen eingekringelt.
Liebes Publikum, die kleine Pause ist vorbei. Ich habe mir ein Cappuccino besorgt
und meine Gästin hat sich übrigens
vor der Aufnahme noch einen Becher ausgesucht, denn das dürftest du.
Du hast nicht zwangsläufig genommen, sondern machtsüchtig.
Elysandra
Ja, ich kenne ja meinen Kaffee.
Sebastian
Ja, und jetzt zugleich der Hint gibt es übrigens auf shop.kunst.de,
um ein bisschen Werbung gemacht zu haben. Aber da brauchst du ja nicht shoppen gehen.
Elysandra
Nee.
Sebastian
Also ein bisschen Bestechung muss es hier immer mal geben. Und wenn ich sowas schon da habe.
Elysandra
Dann kann ich nur empfehlen.
Sebastian
Sehr gut. Und das ist so schön matt, schwarz.
Elysandra
Ja, er ist wunderbar.
Sebastian
Ein Latte Macchiato gab es trotzdem aus einem schnöden Glas, Glas, Glas, Glas.
Elysandra
Ein Latte Macchiato Glas, wie sich das gehört.
Sebastian
Ja, nur hat die Maschine das Glas nicht vollgekriegt, da muss ich nochmal rumtarieren.
So, aber wir reden weiter über das Thema.
Ich werfe dir mal direkt was hin, wenn es um BDSM-Handlungen geht.
Ist das Geschlechter nicht eigentlich egal?
Elysandra
Ja, genau. Das ist tatsächlich auch, ich habe eben schon gesagt,
lesbisch weiß ich schon seit immer, war auch nie ein Thema.
Und trotzdem habe ich tatsächlich bisher, also irgendwie ist es einfacher Männer
zu finden, die spielbereit sind.
Und ich finde tatsächlich, also deswegen würde ich mich auch,
ja, ich finde das mit diesen ganzen Kategorien und so, die können sehr hilfreich
sein, wenn sie einem selber was erklären oder wenn sie eine Abkürzung sein können,
um anderen etwas zu erklären.
Zum Beispiel Asexualität finde ich für mich sehr hilfreich.
Da hat zumindest jeder schon mal ungefähr eine Idee, wenn er das hört. Irgendwas ist anders.
Ansonsten kann man das ja total klein zergliedern und überhaupt tue ich mich
ein bisschen schwer, mich da in alle möglichen Sachen noch runter zu zerteilen.
Aber ich würde schon sagen, was Spieldynamiken angeht, bin ich Pan-Leaning sozusagen.
Sebastian
Kann es sein, dass der Kink und dass das, was passiert und auch das Zwischenmenschliche,
aber die Handlung als solches, das ist dein Kink.
Und die Protagonisten spielen gar nicht so eine große Rolle.
Elysandra
Ja, das klingt ein bisschen gemein, wenn man das so sagt.
Aber genau, also das, was ich anziehend finde, ist die Persönlichkeit,
die Art des dominanten Auftretens und auch die Art zu sprechen,
sich auszudrücken, was man für Kinks interessant findet, solche Sachen.
Also ich habe auch tatsächlich ein paar Mal in meinem Leben so kleine Kink-Ups-Momente
gehabt mit Leuten, was weiß ich, im Beruf oder in der Schule mit Lehrern oder
sowas, wo plötzlich jemand so sagt, hey,
Das und das. Und bei mir ist dann so ein, uh, passt jetzt nicht, aber war da.
Genau, also das hängt dann einfach nicht vom Geschlechter.
Sebastian
Also ich sag's mal so, jetzt gehen wir mal von der Geschlechterfrage weg,
aber von der Personen- und Menschenfrage.
Wenn Menschen neu in der Szene sind und wollen alles sofort entdecken,
Männer wie Frauen wie alle anderen, dann suchen sie nicht primär eine Person,
einen Menschen, für den sie sich interessieren, sondern sie suchen eine Person,
mit der sie das endlich mal erleben können.
Das ist ja gar nicht so weit weg davon im Grunde.
Und das wird zumindest den Männern ja mal vorgeworfen, die wollen mich als Frau
gar nicht wahrnehmen, die wollen ja nur jemanden, der ihnen klingt, befriedigt.
Jetzt werfe ich dir diesen Vorwurf mal hin.
Elysandra
Ja genau, ich nehme mich selber aber auch nicht unbedingt als Frau war.
Aber ja, sorry, also was mich primär interessiert, ich finde Frauen ästhetisch
anziehend und ich kann mir Beziehungen eigentlich nur in der Dynamik mit einer Frau vorstellen.
Deswegen definiere ich mich auch als lesbisch, wobei man jetzt eigentlich sagen
müsste homoromantisch, weil ich ja asexuell bin, aber ich finde lesbisch einfacher.
Genau, aber in der Dynamik, die die Person mir entgegenbringt,
wir sagen ja auch nicht, Männer sind automatisch dominant oder dominanter als Frauen.
Da sind wir weit drüber hinweg, dass wir da irgendwelche antiken Geschlechterbilder damit verknüpfen.
Und dementsprechend ist es aber eigentlich auch nur logisch,
dass ich mich vom Geschlecht unabhängig von einer Kink-Dynamik oder Persönlichkeit
angesprochen fühlen kann.
Sebastian
Also meine Frage geht ein bisschen mehr in die andere Richtung.
Also du stehst auf das BDSM. Und die Menschen…,
Und Geschlechtsrollen und Sex, das ist halt gar nicht so wichtig.
Also im Grunde bist du die Vorzeige-BDSMerin, die so die reinste Form des Kinks gut findet.
Es geht um den Kink, es geht nicht um das Wer, um das Wie, ob da was dranhängt
oder irgendwas, sondern es geht einfach nur, du stehst auf BDSM.
Elysandra
Ja.
Sebastian
Ganz pur und rein und fertig.
Elysandra
Ja, das ist tatsächlich so.
Sebastian
Herzlichen Glückwunsch.
Elysandra
Wunderbar.
Sebastian
Ich finde, das ist doch ein Label.
Elysandra
Bin ich jetzt Goldstar, Kingstar oder sowas?
Sebastian
Nein, aber du machst kein BDSM, damit der Sex besser wird. Du machst kein BDSM,
damit dein Leben besser wird, sondern du stehst auf die Sache an sich.
Und das, ehrlicherweise glaube ich, dass das bei gar nicht so vielen Menschen
der Fall ist, dass der Kink aus sich heraus funktioniert und dass der aus sich
heraus ein Bedürfnis und das hervorruft.
Das finde ich schön. Passt perfekt in den Podcast.
Elysandra
Ja, ist aber tatsächlich, wie du gerade sagst, das ist vielleicht gar nicht
so oft unbedingt der Fall und dementsprechend ist es auch in der Auseinandersetzung
mit anderen nicht so einfach zu kommunizieren und zu klären tatsächlich.
Wo wir zum Beispiel wieder beim Thema sind, Sexualität ist damit verwoben und
zumindest alle, mit denen ich bis jetzt gesprochen habe, möchten das auch damit verwoben wissen.
Und dann bist du immer sofort in einer Aushandlungsposition und in der Position
bin ich auch, wenn ich zum Beispiel sage, ich bin lesbisch, du bist ein Mann,
ich finde dich jetzt trotzdem gerade interessant zum Spielen,
dann kommt sofort natürlich die Frage, wie kann denn das sein? Warum denn?
Hast du den einen Mann getroffen, mit dem es dann doch geht und so?
Und dann halt zu klären, ja, weil lesbisch sein und kink haben nicht unbedingt
zusammengehört für mich notwendigerweise.
Sebastian
Es gibt ja doch recht viele Menschen, das lese ich auch in Mails,
die mich erreichen immer wieder mal, dieses, ich trenne BDSM und Sex ganz streng.
Wie kommst du denn mit dem Menschen klar? Weil ich glaube, die meinen was anderes als du.
Elysandra
Die meinen was anderes, weil sie Sexualität, nicht alle, es gibt auch asexuelle
Kingster, die einfach sagen, Sex spielt für mich keine Rolle,
will ich nicht, will ich nicht drüber nachdenken, deswegen ist King für mich nicht sexuell.
Alle, die da nicht in diese Kategorie fallen, denken aber trotzdem über den
Sex nach und wollen ihn nur sozusagen an einer anderen Stelle haben.
Und für mich ist King aber tatsächlich die einzige Sexualität,
die ich habe, würde ich sagen.
Sebastian
Ah, also das zu trennen ist für dich unmöglich.
Elysandra
Ja, absolut.
Sebastian
Shibari, Leute, das hört man ja auch immer, das ist ganz zivil.
Die Menschen tragen Klamotten, da geht es um die Kunst, um das Erleben.
Liebes Publikum, das soll jetzt keine Beleidigung sein.
Ich versuche das jetzt wirklich für unsere liebe Gästin so aufzubereiten,
dass sie leicht Ja sagen kann.
Nein, aber das ist ja auch eine Community, bei der ich der Meinung wäre,
du müsstest dich leichter unter den Menschen wohlfühlen, weil Sex so wenig im Vordergrund steht.
Ästhetik ja, aber nicht Sex.
Elysandra
Ja, hat jetzt das Problem, dass ich Seile…,
komplett uninteressant finde. Also nicht so sehr wie Sexualität.
Ich kann mir vorstellen, das mal auszuprobieren, wenn jemand das unbedingt gerne
mal mit mir machen möchte. Bin ich dabei.
Ich bin allerdings nicht sehr beweglich, muss ich schon mal vorweg sagen.
Genau, zum Fesseln super, sobald die Kontrolle reinkommt. Ansonsten das Ganze,
ich finde es, ja, wie gesagt, meistens sind die Leute ja entweder nackt oder
in Klamotten, die sozusagen nicht stören.
Ich habe ja vorhin auch schon gesagt, Je weniger Klamotten, desto uninteressanter.
Das spricht auch meine ästhetische Seite tatsächlich einfach gar nicht groß an.
Also ich habe wirklich mit seinen extrem wenig Berührungspunkte und Interessen.
Sebastian
Jetzt will ich dich auch gar nicht weiter quälen, indem ich immer gucke,
warum das nicht, warum das nicht, warum das nicht.
Wir haben uns vorgenommen, ich darf alle blöden Fragen stellen,
die das Publikum eventuell zu stellen bereit wäre. Ich höre mal auf, hier abzulesen.
Denn du bist ja, du hast dich aus der Szene zurückgezogen. Und das ist ja für
viele unvorstellbar, wenn man sie einmal gefunden hat, endlich mal Menschen
hat, mit denen man darüber reden kann, machen kann, tun kann.
Und ja, wie ist dir die Szene verloren gegangen. Klar, mit 27 hört das mit der
SMJG auf, aber es gibt ja noch andere Stammtische und so weiter.
Also, wann hast du aufgehört, dass das ein wichtiger Teil deines Alltags ist,
kinky Menschen zu sehen?
Elysandra
Ja, ist eine gute Frage. Ich war tatsächlich gar nicht lange bei der SMJG.
Ich bin zum Studium umgezogen und bin dann direkt,
ich weiß gar nicht mehr, ob es da mehrere Stammtische gab. Ich glaube,
ich war zumindest am Ende beim Smart Stammtisch.
Sebastian
Grüße übrigens.
Elysandra
Ich habe aber keine Kontakte mehr.
Sebastian
Die habe ich zufällig noch.
Elysandra
Ich habe auch letztens eingeschlafen.
Sebastian
Aber die Menschen sind noch da und existieren und leben.
Elysandra
Ich habe einen Namen wieder gefunden und tatsächlich irgendwo hier im Küstenbereich.
Ich war ganz verblüfft. Also vielleicht muss ich mal Kontakt aufnehmen.
Genau, ja und ich kann gar nicht
so genau sagen, wann mir der Stammtischkontakt verloren gegangen ist.
Ich war auch ein Jahr im Ausland, vielleicht hatte das damals, ich weiß es nicht mehr.
Ich würde aber tatsächlich sagen, dass mich mit kinky Menschen auszutauschen
tatsächlich außerhalb von Stammtischen viel regelmäßiger bei mir die ganze Zeit stattgefunden hat,
als während der Stammtisch-Sitzungen sozusagen.
Und das ist vielleicht auch der Grund, warum es mir relativ leicht fiel,
nicht sozusagen ein Loch zu empfinden, als ich nicht mehr auf die Stammtische gegangen bin.
Wobei ich aber sagen muss, ich habe die Jahre über, so alle paar Jahre habe
ich mal wieder einen Versuch unternommen.
Aber die Stammtische, auf denen ich war, die haben einfach, also die Personen,
die da waren, waren alle super nett, aber überhaupt nicht auf meiner Wellenlänge.
Und du musst ja außerhalb von BDSM auch noch was zu sprechen haben mit den Leuten,
damit du da gerne regelmäßig hingehst, weil man ja gar nicht so viel über BDSM spricht.
Sebastian
Das Wetter.
Elysandra
Genau, genau.
Sebastian
Der Verkehr.
Elysandra
Ja und dafür war die Fahrt aber immer relativ lang.
Sebastian
Ja.
ich habe geschrieben hier in meinen Notizen Rückzug. Ich überlege gerade,
ist das ein Rückzug oder hast du vielleicht irgendwann der virtuellen Community,
ich werde noch das richtige Wort im Laufe des Tages finden,
den Vorzug geben einfach, weil das natürlich in dem Setting für dich einfacher ist.
Im Zweifel hat man nämlich da auch ein Profi, wo man ein paar Punkte reinschreiben
kann und dann ist das einmal klar und dann dokumentiert dieser Wechsel.
Denn ich möchte mit dir ein bisschen drüber sprechen, über diese Theorie,
über das Theoretische rangehen und auch über das, ja, Virtuelle ist immer der
falsche Begriff, das Online-Medien-Gestützte interagieren mit Menschen.
Also warum du daran hängen geblieben bist und das andere hast dich wegfallen
lassen, weil gut war es ja offenbar, wenn man gespielt hat, wenn du gespielt
hast, wenn du Spaß hattest dabei.
Und Spaß unterstelle ich jetzt einfach mal.
Elysandra
Ja, nee, auf jeden Fall. Ja, vielleicht muss ich dafür mein Online-Leben ein
bisschen genauer beschreiben.
Also ich war tatsächlich damals auch schon auf der SZ unterwegs und habe darüber
dann auch die Stammtische in den neuen Orten gefunden etc.
Ich wäre tatsächlich aufgrund meiner Asexualität fast nicht in den Joy-Club gelangt.
Und ich habe mich nur gewundert, also FetLife war ich auch, so ein bisschen
war ich nicht so richtig, SZ war ich früher halt mehr, das war so die Plattform.
Und als ich jetzt wieder nach Stammtischen geguckt habe, habe ich gedacht,
das kann doch nicht wahr sein, es gibt nur noch so wenig Stammtische.
Und dann bin ich durch Zufall, achso, vielleicht sogar im Podcast.
Ja, ich glaube, es war Thema im Podcast. Und dann sagtest du oder jemand anderes
dann so, ja, die sind ja jetzt alle im Joy Club.
Und ich weiß noch, dass ich mir die Plattform mal angeguckt habe und gedacht
habe, eine Plattform für One-Night-Stands ist die letzte Plattform,
auf der ich mich jemals anmelden werde und habe die deswegen überhaupt nicht
in Erwägung gezogen und fast nicht gefunden, wenn es nicht über den Podcast gewesen wäre, genau.
Sebastian
Ja, lieber Joy Club, das Provisionskonto kennt ihr ja.
Elysandra
Aber die Kontakte, die ich habe, sind tatsächlich auch nicht über diese Plattform
entstanden, sondern über mein wahrscheinlich größtes Hobby, das Schreiben.
Ich schreibe seit der Mittelstufe, würde ich sagen, Fanfiction.
Ich habe auch mal eigene Texte geschrieben, aber ich bin einfach im Fanfiction-Bereich hängen geblieben.
Sebastian
Man muss kein Worldbuilding betreiben, sondern die Welt ist schon da.
Elysandra
Genau, man kann sich auf die Figuren konzentrieren und auf die Dynamiken etc.
Wobei Worldbuilding ist noch ein anderes Thema, mache ich auch.
Kann man auch zu den Serien in meinem Fall machen.
Aber genau, du hast quasi einen Startpunkt, du kannst einfach direkt in die
Sandkiste springen und losbauen und musst nicht dir deine eigene Sandkiste erstmal bauen.
Sebastian
Für die Menschen, die Fanfiction noch nie gelesen haben, ich weiß nicht,
das muss 10, 15 Jahre her sein, da bin ich mal auf eine Seite gestoßen,
da war so Harry Potter Fanfiction.
Mein Gott, da vögelt jeder mit allem und in unmöglichsten Konstellationen.
Und dann macht es noch Hex, Hex und dann ist es noch schlimmer.
Oh Gott, das sind Dinge, wo ich dachte, okay, sich das auszudenken, Chapeau.
Gut, dass es eine Möglichkeit gibt, das irgendwo im Netz zu lassen.
Oh Gott, das war krass, was ich da gelesen habe.
Das war wirklich krass, wo ich dachte, wow, das ist, Hogwarts ist ein,
oh Gott, wahrscheinlich werde ich jetzt verklagt oder so, ist offenbar ein riesiger
Moloch an Vergewaltigern und ich weiß es nicht.
Elysandra
Naja, das liegt an den Bösen, die da sehr viele neue Möglichkeiten haben.
Sebastian
Wahnsinn, also wirklich Wahnsinn. Also ich habe gerade Bilder im Kopf und ich
habe eigentlich keine Bilder im Kopf.
Elysandra
Vielleicht rücke ich einfach mal, also entweder ich rücke gerade oder ich informiere
generell. Es kennt sich ja immer noch nicht jeder damit aus.
Sebastian
Ich habe das Niveau ja jetzt ausreichend gesenkt, jetzt kannst du es wieder aufbauen.
Elysandra
Kann nur noch besser werden.
Fanfiction oder Fandom insgesamt kann zu allen möglichen Medien stattfinden.
Im Grunde, wenn man über Fanstudies zum Beispiel spricht, dann ist auch Fußball dabei etc.
Es gibt da Fansein, was akzeptierter ist.
In der Regel das, was mit dem gut Geld zu machen ist und meistens auch das,
was Männer primär betreiben.
Das ist einfach im Schnitt, würde ich sagen, akzeptierter.
Fandom stellt sich sehr stark aus Frauen, schon lange traditionell.
Das fing mit Star Trek damals an.
Die Leute haben sich zu kleinen Conventions getroffen und auf Handprintmaschinen
ihre Fansigns multipliziert und die dann halt rumgegeben, per Post verschickt
etc., weil es das ganze Internet in der Form einfach noch gar nicht gab.
Also das hat eine lange Geschichte und wenn wir ganz weit zurückgehen,
dann sind wir auch bei den klassischen Autoren, die Cervantes oder so,
die zu anderen Themen was schreiben oder auch, was weiß ich,
die Arthur Sage von tausend Leuten bearbeitet.
Könnte man alles als transformative Werke auf jeden Fall beschreiben.
Sebastian
Ich überlege, ob ich jetzt sagen soll, die Bibel, aber nein, ich sage es nicht.
Elysandra
Auch das wird gerne diskutiert. Ich sage es nicht.
Sebastian
Ich sage es nicht. So, Entschuldigung.
Elysandra
Genau, es ist halt eine sehr lange Geschichte und es ist natürlich wenig überraschend
etwas, das mit dem Aufkommen des Internets sich einfach, ja,
vertausendfacht hat. Jeder kann da jetzt leicht ran.
Es fing an mit den Mailing-Lists, wo dann die Geschichten rumgeschickt wurden
und inzwischen gibt es Archive.
Du warst wahrscheinlich in der Zeit online, wo noch jedes Fandom teilweise auch
schon einzelne Pairings, also welche Figuren werden hier in irgendeiner Form
zusammengesetzt oder welches Thema wird bearbeitet.
Jeder hat so sein eigenes Archiv gemacht, damit man irgendwo diese Geschichten lassen konnte.
Deswegen bist du wahrscheinlich auch auf ein Harry Potter Archiv gestoßen.
Es gab über die Jahre mehrmals sogenannte Purges, mir fährt das deutsche Wort gerade nicht ein,
Fanfiction, achso kann ich den Link sagen? Natürlich.
Fanfiction.net oder auch auf Live-Journal gab es sehr, sehr viel Fandom-Kultur
und immer, wenn es um Bezahlfragen ging,
sei es, dass die Leute, die Werbung geschaltet haben, eben nichts in sexueller
Hinsicht wollten oder was heute ja auch mit Mastercard und so weiter mal wieder
Thema ist, wo dann plötzlich zensiert wird.
Und in der Form sind da große Löschungsaktionen durchgeführt worden,
wo einfach alle Geschichten, die als erwachsenes Material markiert waren, gelöscht wurden.
Die waren weg. Die Leute selber hatten die auch nicht mehr, wenn sie nicht noch
eine Kopie hatten, raus aus dem Hintergrund.
Sebastian
Was schreibt man denn noch, wenn man das rauslassen muss?
Elysandra
Fanfiction, genau, das ist die andere Seite. Es gibt Fanfiction von absolut...
Also wir haben eine Bewertungsskala von G-General, das kann jeder lesen,
jedes Kind kann diese Abenteuergeschichte lesen oder eine Familiengeschichte
oder was auch immer, bis hin zu quasi Porno, du bist sozusagen am Pornoende gelandet.
Gibt es alles? Gibt es alles in allen Qualitäten? Das ist eben das Schöne.
Demokratie im Internet sozusagen. Jeder kann seine Geschichte posten.
Das sind eben Leute, die zum allerersten Mal überhaupt irgendwas schreiben kreativ.
Das sind aber genauso AutorInnen zum Beispiel, die schon zig Bücher publiziert haben.
Ist jetzt gerade aus anderen Gründen problematisch. Aber Neil Gaiman zum Beispiel
ist jemand, der sehr bekannt dafür war oder immer noch ist, auch wenn halt die
Kontroverse gerade läuft.
Fanfiction geschrieben zu haben. Also das ist wirklich was, du findest qualitativ alles.
Von richtig gut bis richtig schlecht und von richtig pornografisch bis überhaupt
gar nicht problematisch in irgendeiner Hinsicht.
Sebastian
Und du schreibst jetzt pornografische Sachen.
Elysandra
Erotisch.
Sebastian
Ja, ich hab überlegt, bevor wir heute hier gesprochen haben,
ist das eventuell ein Ventil oder ist das kreativ austoben oder ist das Austausch
und Inspiration von anderen?
Also du hast erstmal lesen und schreiben. In welchem Verhältnis steht das zueinander?
Zehn Stunden lesen, zwei Stunden schreiben? Oder schreibst du eher und liest gar nichts?
Elysandra
Also sagen wir mal so, ich habe Literaturwissenschaft studiert und promoviert.
Das heißt, meine Lesezeit ist relativ hoch.
Ich schreibe aber auch im Normalfall jeden Tag mindestens eine Stunde,
manchmal zwei oder drei und habe drumherum noch meinen Austausch mit meinen
anderen Schreiberlingen.
Kann ich nicht genau beziffern und auch nicht ins Verhältnis setzen,
aber quasi der zentrale Teil meines Lebens. Beides.
Sebastian
Okay. Und...
Wenn du schreibst, wo ist der Ansatz? Also ich setze mich hin,
ich habe ein leeres Dokument vor mir.
Elysandra
Das leere Blatt-Sphänomen.
Sebastian
Ja genau, dann habe ich eine Idee. Ich setze mich dann an den Rechner und fange
an zu schreiben, wenn ich eine Idee habe, dann bringe ich sie erstmal zu Papier.
Das ist auch der Grund, warum es von mir niemals ein Buch geben wird,
weil alles, was ich zu Papier bringe, dann deutlich zu unstrukturiert ist.
Ich hätte zwar tolle Ideen, was man machen könnte, aber nein,
vielleicht drucke ich mal die Transkripte irgendwann von diesem Podcast einfach aus. Aber ...
Was ist die Motivation? Oh, da gibt es noch etwas, was fehlt in diesem Universum,
das ergänze ich jetzt oder ist es ein Bedürfnis von dir zu sagen,
ich möchte diesen Gedanken entwickeln?
Also was ist der Antrieb zu sagen, ich nehme mir jetzt die Zeit und ich flirte
jetzt mit dem Papier, sage ich mal, oder mit den Worten?
Elysandra
Das ist schön, ja. Ich möchte, also einerseits ist erotisches Schreiben halt
das, was bei mir auch Erregung ins Spiel bringt zum Beispiel.
Das heißt, es ist auch einfach ein Teil, wo ich mich schön finde,
schön fühle, wenn mir die Szenen gut gelingen oder wenn die Leute,
mit denen ich mich austausche, mir schöne Szenen schicken.
Was mir wirklich Spaß macht daran, ist aber sozusagen Kink und Persönlichkeit
zu analysieren, indem ich schreibe.
Deswegen ist glaube ich auch einfach das Fandom oder Fanfiction als Format für mich so gut geeignet.
Ich habe sozusagen die vorgegebenen Personen, wir nennen das Canon,
das ist alles, was eben im Film, in der Serie oder im Buch steht,
also was publiziert worden ist und abgenickt ist.
Sebastian
Von offizieller Seite.
Elysandra
Von offizieller Seite, genau. Und auf der anderen Seite hätten wir Fanon,
das sind so bestimmte Ideen, die sich im Fandom so weit etabliert haben,
dass manche gar nicht mehr sagen können, ob das jetzt im Originalmaterial war oder nicht.
Sebastian
Das ist immer toll, ich kenne den Begriff Kanon und ich höre einen Star Trek
Podcast, Trek am Dienstag, die nehmen immer jede Folge auseinander und das Schöne ist,
wenn die dann aufdecken, ja also das war jetzt Kanon und dann hat sich die Serie
selbst nicht an die eigenen Vorgaben gehalten.
Also vor zehn Jahren war das in der Folge so und so und so und jetzt ist das plötzlich anders.
Also da hat man quasi seine eigenen Bücher nicht ordentlich gelesen und weicht
davon jetzt ab, nur damit das Drehbuch funktioniert.
Also das ist der Kanon oder der Canon, um den es geht dabei.
Das heißt die Freiheit den zu ignorieren haben eigentlich nur die, die ihn eh festlegen.
Elysandra
Also was die AutorInnen schreiben oder Screenwriter etc., das ist sozusagen Gesetz in der Hinsicht.
Aber dann kommt ja das Fandom ins Spiel und sagt, ist mir völlig egal,
was ihr da festgelegt habt.
Es gibt, also da könnten wir jetzt einen eigenen Podcast drüber machen,
es gibt tausend Spielversionen damit, es gibt Leute, die sagen,
zwischen den Folgen ist was passiert und muss was passiert sein und das schreibe
ich da jetzt rein, da fehlt irgendwas.
Weiterdenken, was passiert ist, wie ging es nach der Szene weiter etc.
Bis hin zu, und dazu tendiere ich inzwischen, am Anfang überhaupt nicht inzwischen
sehr, dass man sich alternative Universen ausdenkt, AUs.
Das heißt, du nimmst die Figuren und die Dynamiken und die Charakteristiken
etc., die du vorgegeben hast.
Und ja, ganz klassisch ist im Moment sehr beliebt Blumenladen AU.
Wie würden meine Figuren leben, wenn sie nicht, keine Ahnung,
Star Trek Mitglieder auf einem Voyager sind oder so, sondern einen Blumenladen auf der Erde führen?
Begegnen den gleichen Leuten, haben vielleicht ähnliche, angepasste Erlebnisse.
Wie sieht das Ganze dann aus und was ändert sich?
Also im Grunde wie ein großer Labortisch, auf dem du immer mal die Zutaten änderst
und guckst, was für eine Reaktion dann rauskommt.
Sebastian
Okay, werd mal konkret. Was schreibst du in welchem Universum,
zu welchem Werk, was hast du verändert und wie hast du es hingekriegt,
dass das dann auch erotisch ist?
Im Blumenladen fällt mir das mit der Erotik übrigens relativ schwer,
weil die kommen alle nur rein und sagen, oh Gott, ich hab meine Frau betrogen, ich brauch Blumen.
Also ich stelle mir das wirklich vor wie Kahn, Entschuldigung,
liebes Publikum, ich bin gleich fertig.
Kahn kommt rein und sagt, um Gottes Willen, ich habe Mist gebaut,
ich brauche jetzt einen Riesenstrauß Rosen und zack, habe ich Star Trek 2 uminterpretiert. Entschuldigung.
Nein, ich höre jetzt auf in dem Generde. Es tut mir leid, liebes Publikum.
Elysandra
Dann würde er sich aber ja ungewollt in diesen attraktiven Mann hinter der Theke
vergucken und würde dann anfangen zu recherchieren, wie eigentlich die Sprache
der Blumen aus der viktorianischen Zeit zu vermitteln ist.
und mal auszutesten, ob die Person hinterm Tresen das auch kann. Okay, okay.
Sebastian
Was schreibst du?
Elysandra
Genau, ich schreibe für eine Serie, die nennt sich Sanctuary.
Angefangen habe ich mit Stargate SG-1 und bin dann mit der Hauptdarstellerin
nach Ende der Serie rübergewechselt zu Sanctuary.
Sebastian
Kannst du das Setting ganz kurz erklären?
Elysandra
Ja, die Serie dreht sich um, ja wo fange ich an?
Also die Protagonistin Helen Magnus ist eine zu Beginn der Serie 156 Jahre alte
Dame aus dem viktorianischen Zeitalter,
die dort sich von den Normen und Zwängen nicht einschränken lassen wollte und Ärztin geworden ist.
Und das Ganze spielt in einer Welt, in der es die sogenannten Abnormals gibt.
Das heißt, ja, alles, was nicht normal ist. Das können Menschen mit anderen Fähigkeiten sein.
Das können Pflanzen sein, die irgendwas tun, zu irgendwas dienen,
was auch immer, was nicht normalen Pflanzen entspricht, Tiere etc.
Also alles kann es, es gibt auch Elementals und so weiter, alles kann es als Abnormale geben.
Was dir dann auch Worldbuilding-mäßig extrem viel Möglichkeiten gibt,
dir neue Sachen auszudenken.
Und diese Helen Magnus hat ein internationales Netzwerk aus sogenannten Sanctuaries
gegründet, wo sie sowohl diese abnormalen Menschentiere, alles dazwischen, schützt und erforscht,
als auch, wenn es denn nötig ist, die Menschen vor diesen Wesen beschützt,
weil manche einfach nicht kontrollierbar sind.
Sebastian
Okay, das ist das Setup.
Elysandra
Genau.
Sebastian
Jetzt überlege ich, wie viel Kink und Erotik da reinkommt.
Elysandra
Da ist schon einiges drin, weil diese Protagonistin, also sagen wir mal,
sie geht sehr offen mit ihrer Sexualität um.
Sie ist immer sehr elegant, aber eben auch durchaus High Heels zum Beispiel.
High Heels haben mich vorher überhaupt nicht interessiert, seitdem ich diese
Serie gesehen habe. mag ich High Heels an anderen.
Sebastian
Also so einen leichten Schwarm für die Hauptfigur hast du?
Elysandra
Ja schon Also ästhetisch spricht die mich absolut an und sie hat mich sie begleitet
mich halt auch, also sagen wir mal die Schauspielerin begleitet mich ja seit,
98 glaube ich ist SG-1 erschienen und damals habe ich auch Das.
Sebastian
Ist der Film aus den 90ern, der echt gut war. Dann gab es die Serie,
eine, dann gab es noch eine Serie und ich glaube sogar noch eine dritte.
Allerdings hat man das Budget nicht für diese tollen Effekte aus dem Hauptfilm.
Das ist dieses Sternturm, wo man irgendwo hinkommt und landet dann im Ägypten
auf einem fernen Planeten. Irgendwie so.
Mit MacGyver.
Elysandra
Ganz wichtig.
Sebastian
Der Schauspieler hat auch einen echten Namen, den habe ich aber gerade vergessen.
Elysandra
Richard Dean Anderson.
Sebastian
Ah, lebt der noch? Der lebt noch, okay.
Elysandra
Genau, aber war ein komplett anderes Setting. Waren Soldaten,
alle sind immer in ihren BDUs rumgelaufen und so weiter.
Da habe ich auch Fanfiction für geschrieben. Die sahen dann halt einiges anders aus als die jetzt.
Jetzt habe ich eine sehr elegante Protagonistin, die kämpfen kann wie nichts
Gutes, sehr alt schon ist, sehr viel weiß, zufällig auch sehr viel Geld hat. Ich glaube, das...
Begründet sich vor allen Dingen in der Länge ihrer Lebenszeit.
Genau und damit habe ich mich aber tatsächlich auch selber entwickelt.
Also so während ich SG1 geguckt und geschrieben habe, habe ich mich so sehr
als butschig und anpackend und so in die Richtung identifiziert.
Und Sanctuary hat mir dann einfach auch nochmal eine andere,
so eine sehr feminine Seite eröffnet, sozusagen. Also ich habe mich auch damit entwickelt.
Sebastian
Das ist mal spannend, was so eine Serie und allein die Wahl des Protagonisten,
was das ausmacht, was das Menschen gibt.
Ja, total. Also mehr als man glaubt.
Okay, jetzt nochmal die Frage, was schreibst du so?
Elysandra
Ich wollte gerade sagen, du wolltest wissen, wo das Erotische reinkommt.
Genau, ich habe jetzt sozusagen diese Protagonistin und die ist auch tatsächlich
canon bisexuell, was auch nicht oft vorkommt oder zumindest zu dem Zeitpunkt noch nicht oft vorkam.
Und ich kombiniere sie fröhlich mit mehr oder weniger allen anderen Personen,
die mich da auch noch interessieren.
Sebastian
Du lässt sie wild durch die Weltgeschichte vögeln oder BDSM haben?
Das ist ja auch nochmal eine spannende Frage.
Elysandra
Die mehr BDSM haben, ja. Also bewerten kann ich meine Sex-Szenen jetzt natürlich.
Genau, das tun andere. Sie kommen auf jeden Fall gut an, wurde mir mitgeteilt.
Genau, ich schreibe, ich habe, ich meine, ich schreibe jetzt seit 20 Jahren,
ich habe eine ganze Masse an Geschichten inzwischen geschrieben.
Oder 25.
Ich habe durchaus Geschichten, die auch Sex involvieren.
Teilweise, vor allem wenn sie auch in einer Serie sozusagen von Geschichten
sind, wo es einfach schon viel Kontext gibt, dann vielleicht auch mal primär
findet nur im Schlafzimmer statt oder ähnliches.
Ich habe aber über die Zeit gemerkt, dass ich dazu tendiere,
nicht sehr detailliert zu beschreiben, was jetzt die sexuellen Akte angeht.
Manchmal bemühe ich mich, mir da ein paar Details auszudenken und das Ganze greifbarer zu machen.
Aber ja, das ist sozusagen der Unterschied zwischen ist es explizit oder ist es nur mature als Label,
wenn du einfach nur sagst so und dann nahm er sie hart oder irgendwie sowas,
keine Ahnung, ich schreibe auf Englisch, das klingt alles komisch auf Deutsch,
das wäre halt mature und wenn du aber sagst so und keine Ahnung, dann ja.
Sebastian
Er packte ihre Hüfte und seine Fingernägel bohrten sich in ihr Fleisch,
während er lustvoll in sie hineinglitz.
Elysandra
Nee genau, aber wenn du sozusagen, wenn du anfängst die Körperteile genau zu
beschreiben, Farbe, Feuchtigkeit, Körperflüssigkeit und so, das wäre dann eben
explicit im Detail sozusagen und da merke ich, dass ich dazu tendiere.
Bei den Kink-Aspekten sehr explizit zu werden, bei den sexuellen Aspekten,
das ist halt mehr so eine Handlung, die eben die Kink-Dynamik unterstreicht.
Sebastian
Sind das abgeschlossene Handlungen? Also abgeschlossene Geschichten?
Oder ist das eher so ein 30-Teiler, den man dann folgt?
Elysandra
Ja, da sprichst du jetzt einen wunden Punkt an. Ich bin nicht sehr gut darin, Dinge fährt.
Nein, also ich habe sehr, sehr viele One-Shots, nennen wir die.
Das ist eine Geschichte und dann ist fertig.
Sebastian
Pick up and play.
Elysandra
Genau. Ich habe aber tatsächlich auch, also ich habe zum Beispiel eine AU,
die ist jetzt, glaube ich, knapp 200.000 Wörter lang und ich habe immer noch
nicht alle Kapitel geschrieben.
Sebastian
200.000.
Elysandra
Wörter. Ja. Das sind halt auch Sachen, an denen ich über Jahre arbeite. Ja.
Sebastian
Man kriegt kein Geld dafür, ne?
Elysandra
Man kriegt kein Geld dafür, nein.
Sebastian
Dürfte man auch nicht, glaube ich.
Elysandra
Nee, genau, das ist Teil des Ganzen, dass wir das alle hobbymäßig machen.
Sebastian
Okay, also du schreibst das, du postest das und dann kommt Feedback.
Elysandra
Manchmal, ja.
Sebastian
Also brauche es das? Also sagst du, ich schreibe das jetzt und dann freue ich
mich auf Feedback oder ist das völlig unnötig?
Elysandra
Nee, tatsächlich nicht. Und da ist auch wieder jeder, da gibt es so und solche
im Fandom, das ist total unterschiedlich. Manche schreiben nur fürs Posten,
manche wechseln auch immer in das Fandom, wo am meisten Leute unterwegs sind,
wo es am meisten Feedback gibt etc.
Und ich habe aber über die Jahre gemerkt, ich schreibe für mich.
Für mich ist das Posten tatsächlich einfach ein zweiter Vorgang sozusagen,
den ich gerne mal auslasse oder vergesse.
wobei ich mich aber bemühe zu posten weil ich auch das Fan-Name am Leben halten
will also wir sind sowieso ein relativ kleines Fan-Name, die Serie ist schon
seit mehreren Jahren abgeschlossen und ich finde da muss man dann auch seinen Beitrag leisten
und wenn man Feedback bekommt und die Leute finden das auch gut,
das ist natürlich auch ein schönes Gefühl, aber für mich ist tatsächlich der
Schreibprozess das Abschließen,
also gerade wenn man in so einem Schreibflow ist und kommt dann zum Ende der
Geschichte, das ist einfach auch ein total geniales Ding, also das sind dann
auch Geschichten, die ich mir über mehrere Tage immer mal wieder angucke,
so wie wenn man was bastelt und guckt immer mal wieder da drauf, wie gut es geworden ist.
Sebastian
Also es ist wie musizieren.
Also es ist ein kultureller, künstlerischer Akt.
Elysandra
Ja, genau. Ich habe auch tatsächlich einfach, und das ist glaube ich so ein
bisschen, was mich an der Wahrnehmung von Fanfiction stört, in den breiten Medien sozusagen.
Das wird immer so ein bisschen als, ja, irgendwie in der Regel,
wie gesagt, weibliche, also Frauen, die da irgendwie schreiben und ihre erotischen Fantasien ausleben.
Das ist sozusagen die Definition von Fanfiction.
Und ich habe, wie gesagt, ich mache das jetzt seit 20, 25 Jahren.
Ich habe Kreativ-Schreiben-Workshops mitgemacht. Ich habe Online-Kurse.
Ich habe tausend Bücher mit Schreibanlässen, mit Schreibstrategien,
Psychologie für Screenwriting und so weiter.
Also das kann man auf einem völlig anderen Level betreiben, als das,
was immer wahrgenommen wird.
Sebastian
Ist das ein Teil deiner Sexualität?
Elysandra
Ja. Doch, das glaube ich schon. Also was ich halt total mag und das ist auch etwas,
würde ich sagen, was tatsächlich viel stärker als der Kontakt mit anderen Kingstern
auf Stammtischen oder selbst über das Spielen, weil sich das halt sehr phasenweise bei mir fokussiert.
Aber was immer da war, war das Schreiben und immer auch das Kinky-Schreiben,
wobei es nicht immer sexuell wird.
Also vieles meiner Texte ist Kinky quasi was andere als die Vorstufe betrachten,
weil es mir eben um die Kontroll- oder um die Machtdynamik geht,
die ich dann analysieren kann.
Aber das ist auch tatsächlich das, woran sich meine Kink-Identität extrem entwickelt
hat über die vielen Jahre.
Sebastian
Das heißt, du schreibst es ja nicht nur, du recherchierst ja auch.
Also das heißt, du tauchst noch.
Also du hast in der ersten Mail von dir, das war so, ich kriege es nicht mehr
ganz zusammen, aber das war so, du gehst da von der theoretischen Basis ran
und du analysierst Kink und BDSM total.
Elysandra
Ja.
Sebastian
Also das ist so, als würdest du Kink erforschen und deine Forschungsergebnisse
und jetzt nicht in einem wissenschaftlichen Journal publizieren,
sondern halt in einem Fandom.
Elysandra
Ja, es gibt übrigens auch Fandom-Journals. Also es gibt auch Leute,
die das beruflich analysieren. Fandom generell jetzt nicht nur auf Kink bezogen.
Ja, auf jeden Fall. Also ich habe tatsächlich, ich habe natürlich damals am
Anfang, das Internet hat sich geöffnet und ich habe erstmal alles gelesen,
was ich zu SM generell lesen konnte.
aber wo es für mich wirklich spannend wurde ich hab dann im Fandom es gibt total
viele Challenges im Fandom also Fans stellen anderen Fans Aufgaben,
ja was weiß ich Fem Slash February wo du dann,
also Fem Slash ist zwei Frauen die miteinander in irgendeiner Form von eben
G bis Explicit in irgendeiner Form zusammengebracht werden in einer Geschichte
und dann schreibst du den Februar über jeden Tag zu einem Prompt eine Geschichte von zwei Frauen,
Das wäre so eine Challenge-Format.
Sebastian
Das kann doch niemand lesen alles.
Elysandra
Ich glaube, die Leute lesen wesentlich mehr im Internet als du denkst.
Sebastian
Okay, war eine ganz dumme Frage.
Wenn jemand dann irgendwie drunter stellt, boah, super, ich hatte heute super
viel Spaß mit mir, während ich deine Geschichte gelesen habe. Stört das?
Elysandra
Nee, das stört mich.
Sebastian
Ich meine, das ist eine Wichs-Vorlage im Grunde, die du schreibst.
Würde dir das kaputt machen? Was macht dir das kaputt?
Elysandra
Überhaupt nicht. Also die Reaktion der anderen macht mir gar nichts kaputt.
Sebastian
Ja.
Elysandra
Das ist jetzt ganz spannend. Also das, was das zum Beispiel wirst du,
glaube ich, habe ich noch nie in irgendeinem Kommentar gesehen.
Das ist ganz interessant, weil der größte Lob sozusagen für eine erotische Fanfiction,
meiner Ansicht nach, kann sein,
wenn die Leute entweder schreiben, I'm a puddle on the floor,
also im Grunde von ich bin dahin geschmolzen, auch im Körperflüssigkeitssinn.
Das ist jetzt nicht nur metaphorisch, also es ist dann ja auch wieder metaphorisch,
aber nicht nur metaphorisch gemeint.
Oder I am off to my bunk, also im Sinne von, ich verziehe mich jetzt in mein
Bett. Das ist einfach ein total großes Lob.
Aber niemand wird dir sagen, während ich das gelesen habe, habe ich mich selbst befriedigt.
Das ist tatsächlich, finde ich, ganz spannend gerade, habe ich noch nie drüber nachgedacht.
Aber ich glaube, das ist ein Fankulturaspekt.
Sebastian
Fandom zu deinen Texten.
Elysandra
Dass jemand sozusagen meine nimmt und weiterschreibt.
Sebastian
Und dann weiterschreibt. Weil du verlierst ja dann die Kontrolle.
Ich glaube nämlich, die Sache mit der Kontrolle ist bei dir ja doch recht wichtig
und zentral. Die ist sehr zentral.
Elysandra
Ja.
Sebastian
Und dann geht jemand hin und nimmt dein Werk und entwickelt das in eine Richtung
weiter, die vielleicht nicht dir gefällt.
Elysandra
Ja, genau.
Sebastian
Gibt es das?
Elysandra
Es gibt auch mit AutorInnen etc. die Diskussion. Es gibt welche,
die wollen das einfach nicht. Anne Rice hat ganze Klagewellen ausgelöst,
wann immer jemand was zu ihren Büchern geschrieben hat, zum Beispiel.
Im Fandom selbst ist es natürlich erstmal so, du hast jetzt keinen Anspruch darauf.
Du hast ja gar nicht mit deinen eigenen Figuren gespielt, sondern mit denen von jemand anderem.
Sebastian
Es geht darum, was macht das mit dir? Ist das für dich ein Lob oder ist das
eher ein, der macht es kaputt oder sie?
Elysandra
Ich würde das als Lob betrachten, weil im Endeffekt, sobald ich es nicht geschrieben
habe, ist es ja auch nicht mehr mein Canon sozusagen, sondern dann das,
was jemand anderes für sich, also wenn wir jetzt von individuellen Canons sprechen,
nicht vom Serienkennen.
Meine Figuren sind meine Figuren, wenn ich sie schreibe.
Sebastian
Ist das befriedigend?
Dann kommen wir wieder zu dem, drehen wir uns im Kreis, ist das deine Art Sexualität
zu leben, indem du sie durchdenkst?
Und zwar möglichst realistisch habe ich langsam den Eindruck.
Elysandra
Ja, und das ist auch was, also das hat sich auch über die Jahre entwickelt.
Am Anfang war ich auch so sehr in diesen typischen, naja, jeder kennt so die
Standard-Fantasien und Szenen, glaube ich.
Da habe ich mich quasi am Anfang erstmal ausgetobt, um aber den Bogen zu diesen
Challenges zurückzuschlagen.
Es gab nämlich, die gibt es inzwischen nicht mehr, aber es gab ein sogenanntes Kink-Bingo.
Also da hast du Bingo-Karten bekommen und in jedem Feld war dann, keine Ahnung,
Korsetts, Atemkontrolle, Seile oder Mechanical Kink oder Dollification,
Bambification, Bimbofication.
Tausend Kinks, sozusagen immer nur ein Kink benannt und du solltest eine Geschichte dazu schreiben.
Das ist etwas, wo ich das so richtig für mich entdeckt habe,
weil die gleichzeitig ein Wiki bereitgestellt haben, wo sie zu jedem Kink,
den es auf der Karte geben konnte, eine relativ lange Beispielliste beschrieben
haben, in welchen Formen dieser Kink auftauchen kann.
Also ja, keine Ahnung, Dollification, dass du dann,
manche finden Gummipuppen gut, manche wollen als Puppe gekleidet werden im viktorianischen
Stil, Porzellanpuppe sein, manche wollen eine Handpuppe sein,
die auf der Hand tanzt oder an Fäden tanzt oder ne, also da gibt es ganz viele
verschiedene Varianten, die du dir ja überlegen kannst dazu.
Und was ich sehr lange, solange es das gab, gemacht habe, war,
dass ich dann eben immer meine Figuren, ich schreibe mehr oder weniger immer
über die gleichen Figuren.
Genommen habe, plus diesen King, der mir genannt wurde und dann angefangen habe
zu überlegen, was daran kann denn für diese Figur interessant sein.
Weil es eine ganze Reihe, Bimbofication zum Beispiel ist für meine Figuren überhaupt nicht.
Sebastian
Kannst du Bimbofication? Ich wundere mich, dass ich das Wort sage.
Kannst du das bitte einmal übersetzen? Das ist gar nicht so einfach.
Elysandra
Gibt es ein deutsches Wort dafür?
Sebastian
Was ist der Kern?
Elysandra
Bei Bimbo ist im Grunde ja jemand, der nichts im Kopf hat, sozusagen.
Das wäre, glaube ich, die Kerndefinition.
Das kann sein, dass jemand zum Beispiel auf Personen oder Figuren steht,
die einfach so ein bisschen dumm, naiv, fröhlich, was auch immer,
daherkommen und findet das einfach total toll, weil ich die dann zum Beispiel
beeinflussen kann oder verführen kann oder herabziehen kann.
Sebastian
Was ist überhaupt der Gedanke daran? Ist das ethisch noch zeitgemäß?
Also Ethik spielt ja bei allem, was man schreibt, eine große Rolle.
Elysandra
Ja, aber wir sind ja im Consensual-Bereich unterwegs.
Sebastian
Das kann ja dann nicht mehr Consensual sein, wenn jemand das nicht mehr,
also weißt du, was ich meine?
Elysandra
Naja, normalerweise wirst du Leute haben, die zum Beispiel sagen,
also wenn ich jetzt überlege, wie würde man das in der Realität als Szene spielen,
dann könntest du dir zum Beispiel überlegen, du machst das mit Hypnose.
vorher abgesprochen, gar kein Problem. Oder du machst eine Art Rollenspiel und
sagst, du hast jetzt zum Beispiel einen Trank getrunken oder eine Pflanze gegessen
oder so, die diesen Effekt hat.
Oder es kommt ein Alien, der dich verändert.
Eine Maschine, da kannst du total viel mit machen.
Sebastian
Ja, aber der Punkt ist ja der, also ich kriege langsam den Eindruck,
bitte widersprich mir, dass der Kink, also der Kink, den man real erleben kann,
den man auch legal erleben kann und der auch ethisch korrekt wäre.
Elysandra
Ja.
Sebastian
Vielleicht ist das zu wenig für deine Gehirnzellen. Und da bewegst du dich in
einem Bereich, wo du die ganzen ethischen und physikalischen und sonstigen Grenzen einreißen kannst.
Elysandra
Ja, absolut.
Sebastian
Und das wäre das Problem. Das heißt, mal ganz konkret, auch wenn du Sachen von
anderen liest oder auch von dir selbst etwas liest, was kriegt dich?
Wo sagst du, boah, das hat mich jetzt gepackt. Das muss gar nicht sein,
dass du hinterher völlig erregt bist oder sowas, aber wo sagst du,
Wahnsinn, das bleibt im Kopf.
Elysandra
Was für mich immer absolut zentral ist und deswegen würde ich mich auch immer
als DSler bezeichnen, ist das Machtgefälle.
Kontrolle ist, glaube ich, Kontrolle ohne Kontrolle ist alles für mich nicht nicht erregend.
Und diese ganzen Geschichten, die ich schreiben kann und wie gesagt,
die ich ja viel, viel, viel weiter treiben kann, als ich das in der Realität
jemals tun könnte, bis hin zu Alien-Raumschiffen, wo ich in einer Maschine zu
einer Drohne verwandelt werde oder so.
Dronification. Das sind alles Möglichkeiten, wie ich das Spiel mit der Kontrolle
bis ins absolute Extrem ziehen kann.
Bis hin zu, ich bin nur noch eine Nummer und führe Aufträge aus oder sowas.
Sebastian
Das Gemeine ist jetzt die nächste Folge, die erscheint jetzt am Montag, also in drei Tagen.
Grüße an Paula übrigens, die kennst du noch nicht, aber die Lösung war dort,
wenn ihr die Folge noch nicht gehört habt, liebes Publikum, dann hört jetzt mal 30 Sekunden weg.
Die Lösung war dort, von der Sub in die Domrolle zu wechseln und die Kontrolle zu haben.
Und damit sind alle Ansprüche an Kink und Kontrolle plötzlich drin und machbar.
Und das ist erstaunlicherweise tatsächlich so befriedigend, wie es eigentlich
unten erwartet worden ist.
Und du, wenn du schreibst, hast du die Kontrolle über die Figuren,
über die Handlungen, über alles.
Also die Frage ist, ob dein Kontrollkink so flexibel ist, dass du eigentlich
auch mal überlegen könntest, wenn du King lebst, Real Life, ob du nicht oben spielen möchtest.
Ist das ein Szenario oder spricht etwas dagegen?
Elysandra
Nee, tatsächlich gar nicht. Was mich erregt, ist immer der Kontrollverlust.
Und ich müsste quasi, wenn ich in einer Szene die Kontrolle übernehme,
müsste ich mich, während ich das tue, in die andere Person hineinversetzen,
um dann den Kontrollverlust zu erleben. Und das,
Nee.
Sebastian
Du kannst auch, also als Top kann man die Kontrolle auch verlieren.
Das ist jetzt unerwünscht und auch wieder unethisch und ich weiß nicht was alles, aber denkbar.
Also es ist wirklich der Kontrollverlust, der Verlust deiner eigenen Kontrolle.
Elysandra
Absolut, ja. Also ich glaube, ich bin ein sehr, ich bin sehr perfektionistisch.
Ja, also damit hängt für mich schon mal zum Beispiel viel Kontrolle,
viel Selbstkontrolle. Ich mache das so lange, bis es richtig ist,
bis es wirklich die Qualität hat, die ich haben will.
auch meine ganzen Studium und so weiter und so fort neben dem Beruf.
Also ich habe mit total viel Selbstdisziplin mich einfach über Jahre sozusagen
dahin gearbeitet, wo ich jetzt bin und es war von Anfang an so diese Idee von ähm,
Jetzt kann ich einfach mal loslassen, jetzt kann ich einfach mal jemand anderem
so, ich mache vielleicht immer noch die gleichen Dinge, aber sie werden halt
einfacher und spannender, wenn jemand anders sagt, du musst jetzt nicht die
Entscheidung treffen, ob du das machst oder nicht, sondern ich sage dir, du machst das jetzt so.
Und damit ist die Entscheidungsenergie, die ich aufwenden muss,
sozusagen weg und stattdessen wird sie dann durch Erregung in der Regel ersetzt.
Sebastian
Die Fantasien, die du hättest, die du gerne erleben möchtest,
sind die eventuell real wirklich unmöglich oder nicht in diesem Land durchführbar,
sage ich, in diesem Kulturkreis durchführbar.
Elysandra
Ich wandere aus.
Sebastian
Nein, aber kann das tatsächlich sein, dass du das Ventil des Schreibens brauchst,
weil machbar ist es halt nicht.
Elysandra
Ja, das ist auch mit ein Teil,
warum ich gesagt habe, es könnte interessant sein, meine Geschichte sozusagen
hier einmal zu erzählen, weil ich das sehr stark wahrnehme, dass King immer
so nach dem Motto, wir fangen ja alle mit Fantasien an.
Dann werden die mit der Realität konfrontiert und du bist sozusagen ein erfahrener
Kingstar, wenn du weißt,
was übersteht den Realitätskontakt und über diese etwas naiven und in der Regel
übertriebenen Fantasien sozusagen hinaus bist und reale Erfahrungen gemacht hast.
Ich sage nicht, dass es alle Leute sagen, aber das ist so ein bisschen der Ton, der immer mitschwingt.
Sebastian
Weißt du denn, was real machbar ist?
Elysandra
Ja.
Sebastian
Bist du erfahren?
Elysandra
Genau, ich habe eigene Erfahrungen. Ich habe aber auch sehr viel damit verbracht,
Berichte von Leuten zu lesen, mich mit Leuten auszutauschen.
Ich habe auch sehr, sehr viele, Corona hat es ja sehr leicht gemacht,
Workshops mir angehört, damit ich auch Details wie Techniken und so weiter,
aber eben auch ethische Fragen diskutiert und so weiter, die ganzen Podcasts,
die ich höre, auf unterschiedlichen Leveln, manche sprechen ja einfach ein Thema, wie geht das,
andere sprechen über, was ist Queerness, in welchem feministischen Kontext können
wir über Impact Play sprechen und was weiß ich was,
also da sozusagen habe ich über Jahre auf allen möglichen Leveln mich informiert
und auch sehr viel gehört.
Sebastian
Und jetzt sitzt du hier, das adelt mich ja beinahe oder zumindest dieses Format und alle seine Gäste.
Pass mal auf die Uhr, die tickt tatsächlich relativ unerbittlich.
Ich weiß, es gibt Dinge der Woche.
Elysandra
Ja, genau.
Sebastian
Ich würde dich doch mal bitten, gibt es mehrere oder eins?
Elysandra
Es gibt mehrere.
Sebastian
Ja, dann ist doch an der Zeit mal in diesen Teil des Podcasts reinzuspringen.
Wir haben wahrscheinlich ganz viele Menschen im Publikum verloren,
weil ich kriege ja immer wieder den Vorwurf und ich mag diesen Vorwurf,
dieser Podcast ist der ungeeignetste Podcast, um ihn bei sexuellen Handlungen zu hören.
Elysandra
Vor allem mit mir als Gast.
Sebastian
Nein,
eventuell wirst du ja noch ein bisschen irgendeine kleine Arbeitsprobe als Link oder so teilen.
Elysandra
Ich kann zu meiner Archivseite verlinken.
Sebastian
Sehr schön, also alle Links gibt es in den Shownotes, kann ich schon mal erwähnen.
Und jetzt holst du ja eine Kiste aus der Tasche.
Ui. So, liebes Publikum, ich habe ja eine Holzkiste mit hier mit so Messingbeschlägen.
Ich mache auch gleich mal erstmal ein Schnappschussfoto davon.
Dann müssen wir ja den Show noch zeigen.
Und wenn du magst, kannst du nochmal schöne Fotos machen. Ich mache wirklich nur die.
Mir fehlt immer noch die Fotowand. Hier gibt es keine Wand, vor der man irgendwie,
vielleicht so. Nee, das sieht auch fürchterlich aus. Ich halte jetzt einfach mal hier die Luft.
Vielleicht kannst du nochmal ein schönes Foto machen davon. Ja,
eine Fotoecke brauche ich noch.
So, ich habe die Kiste in der Hand. Sie ist so 25 cm breit, etwa 12 cm tief und 18 cm hoch.
Also gerade das Format, was nicht in ein DHL-Kleinpaket passt,
das habe ich schon rausgefunden.
Deshalb sind Kaffeebecher zu verschicken, das ist so teuer, weil sie passen
nicht in günstige Formate. Und jetzt mache ich diese Kiste auf.
Tada! Ui, oh Gott, da ist so viel Zeug drin.
Ui, so, da sind drin kleine Heftchen, so ein bisschen Format, Reklamheft.
1, 2, 3, 4 habe ich in der Hand.
Plus Briefe, also Briefe mit Siegel sogar, mit Siegelwachs und dann liegt da
noch ein mobiler USB-Speicher, eine Feder aus Silber würde ich sagen oder ja, ach so ein Brieföffner.
Elysandra
Ne?
Sebastian
Für die Siegel. Für die Siegel, ja. Ich fang mal oben an, so und hier so kleine Lederbüchlein.
Ach, hier auf einem steht vorne was drauf. Das wilde Denken.
Notizbuch, Surkamm, Taschenbuch. Okay, damit fange ich mal an, wenn das okay ist.
Und das ist eng beschrieben von Hand.
Mit dem Eselsohr als Lesezeichen. Das macht man doch nicht.
Elysandra
Wenn ich selber geschrieben habe, darf ich auch das Eselsohr reinmachen.
Sebastian
Wow, okay. Eng, also wirklich vollgeschrieben bis zur letzten,
selbst der Buch, selbst die letzte Seite, die lässt man doch immer frei.
Elysandra
Nein, nein, nein, das ist Platzverschwendung.
Sebastian
Doch, die erste hast du freigelassen, hinten konntest du dich nicht zurückhalten.
Elysandra
Ja, weil ich meistens ein Inhaltsverzeichnis machen will und mach's dann doch nicht.
Sebastian
Wow. Ich guck mal das nächste an.
Elysandra
Soll ich die vielleicht mal eben erklären?
Sebastian
Ja, wir lassen das Publikum noch kurz warten. Mikrogramme, noch ein Notizbuch.
Auch das ist wieder eng beschrieben, da liegt sogar was drin zwischendurch.
Da ist ein echtes Lesezeichen drin. Und ich guck mal hinten auch wieder,
gar bis zum, also wirklich...
Also ich sage jetzt nicht vollgekritzelt, aber wenn man Papier hat,
wenn es Papiermangel gibt, auch eine wirklich kleine Schrift,
auch hier wieder das nächste.
Auch das, okay. Da ist auf der letzten Seite immer noch ein bisschen frei.
Elysandra
Für den Notfall.
Sebastian
Dann habe ich noch das erste, das ist jetzt auch ein Leder eingebunden mit einer
Lederkordel drumherum. Auch da gucke ich nochmal. Und dann kannst du es gleich erklären.
Liebes Publikum, das ist der Moment, den ich mir immer gönne.
Das ist doch, das ist doch auch so vollgeschrieben bis zum Gehtniveau.
Mein Gott, aber da ist noch Platz. Sehr schön, okay. So, was trage ich hier in Händen?
Elysandra
Meine Schreibkiste.
Sebastian
Die Schreibkiste?
Elysandra
Wenig überraschend nach der Beschreibung.
Sebastian
Ja.
Elysandra
Ja, die Notizbücher, die du eben in der Hand hattest. Ich schreibe eigentlich auf dem PC meistens.
Sebastian
Offenbar nicht immer.
Elysandra
Genau, ich habe aber immer ein Notizbuch dabei. Das sind die drei vorherigen.
Die Kiste ist ja auch endlich groß, deswegen kann ich da nicht alles reintun.
Aber das sind sozusagen die drei letzten. Die sind auch noch nicht komplett
abgetippt. Das sieht man hier an der förblichen Markierung.
Sebastian
Ach, du tippst das dann ab?
Elysandra
Klar.
Sebastian
Ey.
Elysandra
Genau, also das ist für immer, wenn ich kein Laptop, Tablet,
PC, was auch immer in der Hand habe, dabei habe und irgendwelche wichtigen Gedanken
festhalten muss. Und ...
Genau, aber das wird trotzdem alles getippt und das eigentliche Schreiben mache ich auf dem PC.
Aber manchmal, wenn der Schreibflow sich nicht so richtig einstellen will,
dann ist tatsächlich Medium wechseln auch eine ganz beliebte Methode.
Wenn du nicht mehr tippst, sondern plötzlich mit der Hand schreibst,
dann kann die Inspiration sehr schnell wieder zurückkommen und du bist einfach
in einem anderen Modus als vorher.
Also auch dafür. Aber das Lederbuch hier, was du siehst, das ist das eigentlich
Interessante an der Kiste plus die Briefe.
Sebastian
Ich habe diese Briefe, die sind mit Januar, Februar, dann Dezember beschriftet,
aber da ist immer ein Siegel drumherum.
Elysandra
Januar und Februar sind schon offen.
Sebastian
Wobei, das ist doch gedruckt, das ist doch keine Handschrift.
Elysandra
Das ist gedruckt, genau.
Sebastian
Okay, ich wollte gerade sagen. Also das ist, liebes Publikum,
das ist halt gedruckt in einer Skriptschrift, also in einer Handschrift gedruckt.
Aber ich dachte mir, so gerade kann niemand schreiben. Doch Mönche können es vielleicht.
Elysandra
Nee, nee. Aber da wird es jetzt spannend.
Sebastian
Hast du das Bläderbuch in der Hand?
Elysandra
Genau. Ich habe eben von Helen Magnus erzählt.
Eine andere Figur, die in der Serie auftaucht, ist Nikola Tesla,
den sicherlich einige kennen werden.
Sebastian
Das ist der, der die Autofirma gegründet hat. Entschuldigung, Karlauer musste sein.
Nein, den habe ich in Day of the Tentakel kennengelernt.
In einem Computerspiel.
Elysandra
Aha, das kenne ich nicht. Du hast das Buch nicht dabei.
Sebastian
Ich mache nebenbei mal ein paar Schnappschüsse für den Fall,
dass ich von denen nicht ausreichend Fotos bekomme.
Elysandra
Also der spielt auch eine Rolle.
Unsere Protagonistin lernt ihn in der Universität kennen im Jahre 1880.
Und x plus x ist nicht genau definiert.
Und auch der ist tatsächlich unsterblich, weil sie bei einem Experiment,
da spritzen sie sich selber, Vampirblut und da werden bei ihm,
bisher nicht verwirklichte Gene sozusagen aktiviert und er mutiert zu einem Vampir.
Dadurch ist er unsterblich und kann uns bis in die Gegenwart begleiten.
Sebastian
Und heute Autos bauen.
Elysandra
Und heute sich aufregen über viel spannender.
Und zu den beiden unter anderem schreibe ich Geschichten.
Ich hatte vorhin schon gesagt, dass ich Kontakte über das Schreiben habe,
die gar nicht von den Plattformen kommen, die also über das Fandom,
also gar nicht über die Kink-Plattform kommen, die habe ich über das Fandom kennengelernt.
Sebastian
Ich habe hier gerade einzelne Zettel ganz unten in der Kiste gefunden. I-O-I-U.
Elysandra
Ich habe vergessen, dass die da auch drin sind.
Sebastian
Was ist das? Was heißt I-O-I-U?
Elysandra
Ich schulde dir. Also das ist eine gängige Abkürzung.
Ja, und das Schöne an der Serie ist, dass die Protagonistinnen,
wie gesagt, seit dem viktorianischen Zeitalter, also seit 1850 auf der Welt sind.
Das heißt, ich kann nicht nur heute schreiben, sondern ich kann auch im viktorianischen
Zeitalter problemlos schreiben und mich sozusagen noch mehr oder weniger nah am Kennen bewegen.
und das viktorianische Zeitalter ist ein weiteres Hobby von mir.
Deswegen tue ich das sehr häufig für die beiden. Ich habe jetzt vor einiger
Zeit inzwischen eine Freundin kennengelernt, mit der ich dort auch zusammenschreibe.
Also wir tauschen Geschichten aus, wir brainstormen zusammen.
Inzwischen haben wir auch AUs, die wir zusammenschreiben.
Und unter anderem habe ich in dem Zuge irgendwann angefangen.
Ich hatte die Idee, dass die Protagonistin dem Nikola Tesla,
Also die haben eine Kink-Dynamik und sie beauftragt ihn in seinem Notizbuch alle,
weiß ich jetzt nicht mehr, aber sagen wir mal, jede dritte Seite muss er ihr
eine Seite widmen, neben seinen wissenschaftlichen Notizen sozusagen.
Sebastian
Ich gebe mal die Kiste zurück, ich habe sie wieder zusammen,
habe sie wieder befüllt irgendwie. Sie ist gut voll.
Elysandra
Genau. Und dann sagte besagte Freundin, es wäre doch richtig cool,
wenn es dieses Notizbuch wirklich gäbe. Da würde ich gerne mal drin lesen.
Und das hat eine neue Art von Immersion im Grunde für uns ausgelöst.
Also ich habe dann nämlich mir so ein Leder-Notizbuch bestellt und habe angefangen,
seine Einträge, die wissenschaftlichen Sachen habe ich jetzt rausgelassen,
aber seine Einträge sozusagen schreibe ich dort von Hand hinein und schreibe
dann eine Geschichte darüber, wie sie diese Einträge später liest und was sie dann damit macht.
Und das finde ich total spannend, weil der Schreibprozess auch ein ganz anderer
ist. Also wenn ich dort sitze und dieses Notizbuch schreibe,
dann mache ich sozusagen, ich schauspielere, wie so eine Art Method Writing.
Ich habe quasi das vor mir, worin er schreibt und tauche es richtig in seine
Gedanken ein und es ist was ganz anderes,
solche Notizbucheinträge oder die Briefe, die du eben in der Hand hattest,
die hat er auch an sie geschickt, zu schreiben, als eine Geschichte zu schreiben,
weil ich ja plötzlich nur noch aus Sicht dieser einen Person und nur noch die Gedanken festhalte.
Da ist keine Handlung in dem Moment.
Er hat Erinnerungen, was sie mal gemacht haben oder was er gerne mal machen möchte oder sowas.
Aber einen Brief zu schreiben, ist etwas ganz anderes, als eine Geschichte zu schreiben.
Und genau, da habe ich dieses Notizbuch, was er schreibt. Ich habe diese Briefe,
die habe ich für meine Freundin sogar als Geschenk geschrieben.
die quasi jetzt jeden Monat wird einer geöffnet, deswegen sind auch erst nur
zwei geöffnet in meiner Version sozusagen.
Unten habe ich IOUs, das war eine andere Idee.
Sie spielt gerne mit Orgasm Denial und irgendwann war er halt am Betteln und
sagte, ich möchte aber gerne und überhaupt darf ich nicht, vielleicht doch.
Und dann hat sie auf die Frage so, ja, schlag was vor. Warum sollte ich?
Was würdest du dafür tun? Und dann hat er gesagt, was auch immer du willst.
Und dann kam sie auf die Idee, da könnte ich ja so kleine IOUs draus machen.
Er schuldet mir irgendwann mal irgendetwas, hat er ja gerade vorgeschlagen,
dafür, dass er jetzt kommen darf.
Und dann schreibt sie das auf, er unterschreibt das dann auch schön.
Sebastian
Gib mir mal ein Beispiel.
Elysandra
Ähm...
Sebastian
Also da er ja Vampir ist, nach dem Motto, dafür wird irgendwie eine Bauersfamilie
am Leben gelassen oder sowas.
Elysandra
Nein, nein, nein, nicht die Art von Vampir. Er ist auch nur Halbvampir.
Sebastian
Ich muss dich ja eigentlich einfangen, wir müssen wieder zum eigentlichen Thema
dieses Podcast zurückkehren.
Ich lass dich aber ein bisschen an der langen Leine, weil ich mag so einen kleinen
Eindruck haben in deine Denkweise.
Also da darf das Publikum ruhig ein bisschen Geduld mit uns haben.
Was schuldet Tesla für einen Orgasmus?
Elysandra
Das ist ja das Gemeine an den Dingern. Das weiß er ja noch nicht.
Sie sammelt diese Zettel.
Und irgendwann, ich habe auch eine Geschichte, da lässt sie sich von ihm eine
Technik, eine Waffe, glaube ich, entwickeln.
Und da sitzt er dann drei Tage lang dran. Weil er ja vor ein paar Monaten hatte
er ja mal einen Orgasmus.
Sebastian
Ach Gott, was für eine Währung.
Elysandra
Ja, das stellt er dann auch fest. Also zu dem Zeitpunkt, wo er das verspricht,
hat er natürlich ganz andere Ideen und dann passiert ewig gar nichts.
Er vergisst das quasi und dann kommt es zu einer Beziehungskrise,
weil so hat er das ja nicht gemeint.
Sebastian
Ah. Ja, aber da steht doch schon drauf, was er schuldet.
Elysandra
Nee, da steht drauf, was sie ihn hat machen lassen.
Sebastian
Ah.
Elysandra
Sie hält quasi fest, in welcher Form sie den Orgasmus erlaubt hat.
Sebastian
Hier ist der Schulschein, Orgasmus hast du gekriegt und was genau,
das kommt ja doch. Und das kann aber auch was Praktisches sein.
Elysandra
Ja, absolut. Aber das war halt nicht seine Idee. Also das sind so die kleinen Fiesigkeiten.
Sebastian
Wo ich… Genau, jetzt gucken wir doch nochmal, gehen wir nochmal zurück zu dir ganz persönlich.
Wäre alles, was du da schreibst, wären das Dinge, wo du sagst, ach ja, das zu erleben?
Elysandra
Ja, schon.
Sebastian
Also nehmen wir auch mal genau dieses Szenario tatsächlich. Gut,
ist ja immer die Frage, wie dringend für dich das Bedürfnis nachher im Orgasmus
ist, aber… Wollte ich gerade sagen.
das kann ja auch ein völlig anderes Bedürfnis sein und dann endet es damit, dass du,
so einen Zettel unterschreibst. Und damit lieferst du dich aus und verlierst
Kontrolle über ein Stück weit deines Lebens und da kann sonst etwas kommen.
Elysandra
Und zwar jederzeit.
Sebastian
Ist das das Ding, wo du sagst, das ist eigentlich das, was ich will?
Elysandra
Ja, ja. Generell, ich mag auch gerne, ich mag gerne Regeln, ich mag gerne Aufgaben,
also quasi alles, was dich Kontrolle spüren lässt.
Ein Kontrollkorsett sozusagen. Und ich mag aber auch ganz gern Willkür,
weil was gibt Kontrolle besser wieder als Willkür.
Sebastian
Willkür steht, hab ich extra für dich auf meine Spielliste gesetzt. Okay.
Ist der physische Reiz schon gar nicht so wichtig zu sein.
Und jetzt bist du ja in einer Community und triffst Menschen,
mit denen du das teilen kannst.
Also virtuelle Dominanz.
Das wäre doch eigentlich, jetzt wenn man die ganzen Metadaten und Fakten hier
mal zusammenträgt, wäre doch eigentlich genau das, was du willst und brauchst und suchst.
Jemand, der dich aus der Ferne besparst, der dich mit Aufgaben und Regeln zudeckt
und du bist zu Hause sehr aktiv und musst viele, viele Dinge tun und dein Alltag
wird davon bestimmt, dass du dich da in blöde Situationen gebracht hast. Ist es das?
Elysandra
Ja.
Sebastian
Weil das kommt ohne Geschlechtsteile aus, ohne Nacktheit etc.
Elysandra
Genau, keiner muss sich ausziehen.
Sebastian
Du wirst administriert.
Elysandra
Ja, ja.
Sebastian
Wär es das? Das ist wie eine Art Homeoffice für Kink. Mit Teams Anwesenheitserkennung.
Elysandra
Genau. Du wirst lachen, ich habe tatsächlich Erfahrungen in die Richtung gemacht.
War die gut? Die war auch gut, ja.
Also erstmal grundsätzlich total.
Ich mag halt auch Impact Play und sowas zum Beispiel. Also ich möchte das nicht,
ich würde das nicht, also ich habe es jetzt viele Jahre außen vor gelassen,
weil es halt nicht die Gelegenheit gab, aber eigentlich ist das schon was,
was ich auch erleben möchte.
Ich kann mir das aber zum Beispiel auch absolut einfach als Pick-up-Play oder
lockere Spielbeziehung oder was auch immer, das muss nicht da reingehören.
Also Strafen kann ich auch in anderer Form.
Right for me zum Beispiel ist super gemein.
Sebastian
Das ist eine Online-Plattform, ne?
Elysandra
Genau, da kriegst du Schreibaufträge und das kann mit allen möglichen Sonderregeln.
Sebastian
Kann auch sein, du hast dich nicht an die Regeln gehalten, jetzt führe folgendes
aus oder es kommt jemand vorbei, der dir den Hintern verhaut.
Elysandra
Das wäre auch gut, ja, das wäre eigentlich ideal.
Sebastian
Ist halt teuer auf Dauer. Ist teuer, aber geht.
Elysandra
Ja, geht, genau. Ich kann ja mal erzählen, was ich da für Erfahrungen gemacht
habe. Also das eine war tatsächlich eine Online-Spielbeziehung,
die sich aus dem Fandom-Kontakt ergeben hat.
Wir haben angefangen zu schreiben, weil wir beide unsere Geschichten gegenseitig
gelesen haben, gut fanden, dann sind wir ins Gespräch gekommen etc.
Und wirklich lange, also ein, zwei Jahre oder sowas hatten wir uns schon unterhalten.
Und dann ging es darum, dass ich ständig zwischen meinen Universen hin und her
springe und die Sachen immer nicht fertig schreibe.
Und meine Freundin sagte, ja komm, ey, das geht doch so nicht weiter.
Diese eine will ich lesen, besagte fast 200.000 und immer noch nicht fertig.
Da war sie noch wesentlich kürzer und immer noch nicht fertig.
Davon will ich mehr lesen, schreib doch davon mal mehr. Und dann habe ich so
einen kleinen Peitschen-Emoji zurückgeschrieben und gesagt, ja,
musst du vielleicht mal die Peitschen hier annehmen.
Ja und zack, schon waren wir da quasi in einer Spielbeziehung,
wo sie mir Aufträge gegeben hat, gesagt hat, was ich schreiben soll.
Ich habe ihr dann Sachen geschrieben, zu einem bestimmten Zeitpunkt geschickt,
so und so viel, musste fertig sein, lesbar sein, einmal die Woche,
dann und dann und so weiter.
Sebastian
Du brauchst Druck.
Elysandra
Ich brauche Druck. Entweder jemand gibt mir Druck oder ich mache ihn mir selber.
Sebastian
Ja, wenn man sich selber Druck macht, ist das ja nicht gesund, habe ich mal gehört.
Elysandra
Ja, genau, das ist ja auch das, was ich nicht so gerne mache.
Das ist sozusagen ein Ersatzdruck, wenn niemand anderes sich bereit erklärt.
Genau, das war tatsächlich, also wir haben bestimmten Jahr lang so unsere Dynamik gelebt.
Und ich bin von der Tendenz her eher bratty.
Ich fand auch immer schon, also Service, Submission fand ich,
wems gefällt, gut und schön, für mich total langweilig, weil ich nämlich,
ich will unterworfen werden. Das war quasi immer mein Ansatz.
Kennst du zufällig The Warrior Princess Submissive?
Sebastian
Nein, ich kenne es nicht und das Publikum zu großen Teilen wahrscheinlich auch
nicht. Du wirst es erklären müssen.
Elysandra
Das war ein Buch, was ich ganz früh mal gelesen habe. Ich habe es auch jetzt
schon ewig nicht mehr gelesen.
Aber vom Prinzip her ging es darum, Xena kennen vielleicht einige,
die Kriegerprinzessin.
Sebastian
Ja, diese wundervolle Serie aus den 90ern.
Elysandra
Man kann sich schlapp lachen. Ich habe sie noch mal geguckt und sie war extrem
viel lustiger, als ich das als Kind mitbekommen habe.
Sebastian
Das glaube ich sogar.
Elysandra
Sie nimmt sich selbst nicht ernst. Und damit wird das dann alles gewollt.
Sebastian
War noch die Zeit, wo Menschen im Fernsehen, wenn sie irgendwie kämpfen,
dass sie hinterher gespitzt haben, dass man das sieht.
Elysandra
Ja, unglaublich.
Genau, aber die Idee an diesem Buch war, dass es sozusagen, er hatte in irgendeinem
anderen Buch, glaube ich, verschiedene Kategorien für Submissives,
typisch Handbuch, was auch immer, keine Ahnung, das habe ich auch nicht gelesen.
Aber es ging ihm darum, dass er sagt, ich habe eine Frau kennengelernt,
die ist unfassbar selbstständig,
die hat diverse Handwaffen, mit denen sie und ich weiß nicht was,
die ist total stark und die ist Feministin und Aktivistin und ich weiß nicht
was und die passt in alle meine Kategorien nicht rein, aber sie ist submissiv.
Und dann hat er sich gedacht, da könnte es doch sowas wie eine Kriegerprinzessin
in Submissive geben, die sozusagen völlig komplett willens und in der Lage ist,
ihr Leben alleine auf die Beine zu stellen und das durchzuziehen,
was sie für richtig hält.
Sie hätte aber gern jemanden an ihrer Seite, der das mit ihr macht.
Und wenn die Aktionen getan sind, würde sie gerne zu seinen Füßen knien und
loslassen dürfen, sozusagen.
Und das war für mich so ein, ja, ich will halt jemanden, der,
ja, eigentlich der mit einer gewissen Überlegenheit, wo ich zumindest das Gefühl
habe, er könnte mir vielleicht oder sie könnte mir vielleicht überlegen sein,
dann sich durchsetzt und so quasi.
Das war immer so meine Vorstellung. Und halt auch dieses Bretty,
ich mag gern Wortspiele und so weiter. Also ich teste da gern so ein bisschen.
Sebastian
Ich überlege, ob die richtige Person, mit der du auf BDSM-Ebene richtig interagieren
kannst, eine Person ist, die, oh Gott, da kriege ich jetzt bestimmt endgültig einen Shitstorm.
Die sich einfach total gar nicht für die intellektuelle Beschäftigung interessiert,
sondern die einfach nur ganz stumpf sagt, nee.
Elysandra
Punkt.
Sebastian
Keine Begründung, keine Worte, kein gar nichts. Jetzt, Hintern hinhalten und drauf da.
Ich glaube, dass du dabei, wenn du nämlich mit Worten nichts mehr anfangen kannst,
wenn du damit nichts mehr bewirken kannst, die Kontrolle tatsächlich endgültig
verlierst, weil Worte funktionieren nicht und damit bist du komplett wehrlos.
Entschuldigung, ich teste das jetzt einfach. Ist das ein Szenario?
Du sagst, das könnte spannend sein, weil alles, was ich da tue,
alles, was ich durchdenke, recherchiert habe, gedacht habe, geschrieben habe,
egal wie ich mich ausdrücke,
wenn dieses Schwert, und das ist ein scharfes Schwert, Worte,
Schrift, wenn das nutzlos wird, wenn da immer nur steht immun oder interessiert nicht.
Also könnte so ganz stumpfer, animalischer BDSM, wo du wirklich die Kontrolle
allein deswegen verlierst, könnte das dein Ding sein?
Elysandra
Das wäre aber ja eine rein auf körperlicher Kraft basierende Überlegenheit.
Sebastian
Naja gut, ein Statement kann man ja machen. Ich sage, du tust.
Elysandra
Ende.
Sebastian
Und damit ist die Diskussion beendet. Das ist dann nicht auf körperlicher Kraft,
sondern es ist eine Entscheidung, die du einmal triffst und dann musst du damit
leben. Was für eine wundervolle Vorstellung.
Nee. Okay, ich habe es versucht.
Elysandra
Ja, nee, ich glaube tatsächlich, wenn ich jemanden hätte, mit dem ich alles
Mögliche ausdiskutieren kann und irgendwann sagt der, weißt du was,
das ist ja nett mit dir zu reden, aber jetzt ist es vorbei.
Das wäre spannend. Das wäre auch dieses Willkür-Aspekt.
Aber ich würde mich trotzdem, müsste ich das Gefühl haben, er ist mir intellektuell
zumindest ein Sparing-Partner sozusagen, an dem ich mich austoben kann.
Sebastian
Führ dich nochmal ein bisschen zurück, weil die Uhr ist tatsächlich unerbittlich.
Du darfst natürlich, aber ich fange dich gleich trotzdem ein.
Elysandra
Genau, ich muss aber noch die Sache mit besagter Online-Freundin zu Ende bringen,
weil die nämlich irgendwann gesagt hat, weißt du was, hier ist eine Herausforderung für dich.
Ich gebe dir jetzt, ich weiß nicht mehr, ob es eine Woche war oder länger,
bestimmte Regeln und die hast du genau zu befolgen und du hast keine Widerworte zu geben.
Und da habe ich nämlich meine Service-Submissive-Seite entdeckt,
weil ich das 1a, also ich meine, ich bin ja auch ehrgeizig.
Sie sagte hinterher, sie dachte nicht, dass das klappen würde,
aber ich habe mich super brav an alle Vorgaben, jeden Gruß, jede Sache,
die geschickt werden musste, jede Formulierung, habe ich alles hingenommen, habe ich alles gesagt.
Dachte plötzlich ja, good girl sozusagen, was mich eigentlich überhaupt nicht
reizt, aber in dem Moment dachte ich, jo, das macht Spaß.
Sebastian
Die Menschen stellen sich jetzt vor, dass du irgendwelche Handlungen gemacht
hast und Fotos geschickt hast oder so, aber ich vermute, dass es wirklich eher
um die Kommunikation ging und Schreibaufträge.
Elysandra
Genau, genau.
Und da saß ich da aber plötzlich und dachte, es ist richtig schön,
jemandem eine Freude zu machen.
Da kann ich das. Und es ist richtig schön, den Erwartungen von jemandem gerecht
zu werden. Das tut total gut.
Und was ich daraus aber gelernt habe, ist, dass es geht mir,
also das Unterwerfen ist gar nicht an sich das Notwendige, sondern die Kontrolle zu spüren.
Und wenn jemand ein Korsett aus Regeln und Aufgaben etc.
schnürt, was eng genug ist, dass ich immer das Gefühl habe, ich spüre jetzt
die Kontrolle, dann ist das völlig in Ordnung.
Dann muss ich auch gar nicht mehr bratty durch die Gegend laufen.
Also Brett sein ist ja eigentlich auch Kontrolle testen, Regeln testen.
Und das war für mich so eine ganz neue Erfahrung, die ich erst vor drei,
vier Jahren oder so gemacht habe.
Sebastian
Tja, wo geht der Weg hin?
Elysandra
Kommt drauf an, auf wen ich treffe.
Sebastian
Oder was möchtest du, was wünschst du dir?
Elysandra
Ich möchte gerne Leute treffen, mit denen ich einzelne Sachen einfach ausprobieren kann.
Gerade auch Impact Play und so weiter. Achso, genau, das kann ich dir auch direkt nochmal geben.
Sebastian
Und noch ein Ding der Woche? Naja, ja. Okay. Ui.
Gut, das habe ich jetzt nicht erwartet. Das habe ich jetzt nicht kommen sehen.
Erstmal mache ich das Foto.
Also keine Sorge, ich lege das zwar hier auf den Teppich, aber das ist der einzige
halbwegs neutrale Hintergrund.
Und der ist heute doppelt gesaugt. Das habe ich heute Morgen noch hingekriegt.
So, ich habe hier in der Hand einen Paddel.
Ich habe ja sogar ein extra Mikrofon, um damit ein bisschen zu klopfen.
Und zwar ist es erstaunlich leicht, liegt gut in der Hand, hat hinten einen
Lederschlauch, es ist aus Holz und hat drei Luftdurchlässe,
damit man nicht so vom Luftwiderstand gebremst wird und das ist bestimmt Aua
und es hat auch doch relativ scharfe Kanten und es ist offenbar auch benutzt.
Elysandra
Ja, genau. Aber in dem Fall selbst benutzt.
Sebastian
Ach, selbst bei dir. Wie bist du dazu gekommen?
Elysandra
Ja, ich versuche stark, mich am Riemen zu reißen und nicht zu viel Geld auszugeben
in einer Zeit, wo ich das nur an mir selber ausprobieren kann.
Aber ich habe mir eine gewisse Sammlung an Spielzeug zugelegt.
Und zwar so idealerweise von jedem interessanten Typ Spielzeug,
der mir über den Weg läuft, einer, damit ich weiß, wie sich das anfühlt.
und das ist das, was mir am wichtigsten ist, weil es einen viktorianischen Touch hat, auch hier in der,
Verzierung und so weiter. Also ich habe eine Sammlung zu Hause.
Sebastian
Liebes Publikum, wenn ihr euch das jetzt vorstellen wollt, ihr kennt diese Kommoden,
wo dann nochmal so eine Kante ist, wo nochmal ein paar Verzierungen und ein
paar Schnörkel drumrum sind,
so ein bisschen der Stil, auch so von der Farbe her, sind wir hier in so einem
dunkel beige-braunen Ton.
Es könnte auch, wenn es ein bisschen kleiner wäre, es könnte auch eine Haarbürste
sein, so eine viktorianische.
Wie hieß denn diese fürchterliche Serie, wo man Popsongs hat,
aber sie spielt dann auch da Bridgerton oder sowas? Ja, Bridgerton.
Wenn man das kennt, das könnte da optisch hinpassen, glaube ich.
Elysandra
Stimmt, ja.
Sebastian
Okay, die haben da wahrscheinlich auch solche Paddel.
Elysandra
Bestimmt. Mindestens, wenn du dir die Fanfiction dazu holst.
Sebastian
Okay, nee, die habe ich jetzt nicht, es hieß immer, das sei so toll,
dann habe ich drei Folgen geguckt und dachte mir, naja, ist nicht meins.
Aber das macht nichts, ich muss ja nicht alles mögen.
Elysandra
Genau, ich kann dazu auch nichts sagen.
Sebastian
Es sei denn, da kommen Aliens vor, dann bin ich wieder voll dabei.
Elysandra
Nicht, dass ich wüsste.
Sebastian
Verdammt, naja, gut. Okay, du verhaust dich selbst mit dem Paddel.
Elysandra
Ja.
Und anderen Sachen.
Sebastian
Aufgrund wessen Ansage?
Elysandra
Ne, das ist dann, habe ich auch schon, genau.
Sebastian
Ja.
Elysandra
Also es gab durchaus auch mal Strafen, wo es dann hieß, Gärte,
Rohrstock, keine Ahnung, so und so oft.
Finde ich als Strafe tatsächlich schwierig, weil ich finde, man selber kann
sich nicht so schlagen, wie andere das täten.
und wenn es dann eine klare Vorgabe von irgendwie zehnmal gibt und ich aber
aufgrund meiner Körperverrenkungen zum Beispiel einfach gar nicht so viel Wucht
ausüben kann, dass die wirklich nachhaltig wären, hat das seine Grenzen.
Sebastian
Okay, bleibt der Eigenantrieb. Warum?
Elysandra
Ja, weil ich gern Impact Play mag.
Also ich finde es, das ist wie gesagt,
das ist tatsächlich auch was, ich habe in der Zeit, wo es sehr stressig war bei mir, Ja,
habe ich mir sehr oft gewünscht, ich hätte eine bestehende Spieldynamik,
wo ich ab und zu einfach mal Katharsismäßig so meinen Stress abbauen könnte.
Das geht allein jetzt nicht so gut.
Sebastian
Aber es geht.
Elysandra
Aber es geht, genau. Und ja, manchmal mag ich es einfach gern,
um den Körper zu fühlen und ich bin gerne am nächsten Tag, spüre ich gern so
die Nachwirkungen und ja, genau.
Naja, und wenn ich darüber schreibe, wie gesagt, ich möchte möglichst realistisch
schreiben. Ich möchte auch...
Klar, ich habe auch Texte, die sind überzogen und Vampire und so weiter sind
eh Fantasie, aber ich möchte in dem Ganzen eigentlich im Kern Realistik ein- und abbilden.
Also die Probleme so einer Beziehung auch, die Fragen, die aufkommen können,
die Sachen, die mal schief gehen können. Ich möchte auch beschreiben können,
wie genau sich die Sachen anfühlen etc.
Sebastian
Ich überlege noch, ist das Teil des Erforschens? So fühlt sich das an?
Oder ist das vielleicht dann doch nur ein Vorwort, um zu sagen,
nein, ich will das jetzt spüren, weil das gefällt mir, das zu spüren.
Am nächsten Morgen, wenn ich mich hinsetze, zu merken, der Hintern tut da noch
ein bisschen weh, ist das vielleicht doch dieses leichte Grinsen, was das auslöst?
Elysandra
Auf jeden Fall. Also wie gesagt, ich würde ja auch jederzeit eine Szene mit
jemandem spielen und mich mal so richtig Impact-Play-mäßig verhauen lassen.
Sagen wir mal, die Entschuldigung, die brauche ich da auch gar nicht.
Sebastian
Die brauchst du nicht, um Gottes Willen. Das machen mehr Menschen, als du glaubst.
Elysandra
Die Entschuldigung kommt ins Spiel, wenn ich das Geld für das neue Spielzeug ausgebe.
Dann kommt ein, naja, aber ein Spielzeug dieser Art habe ich ja noch nicht.
Das heißt, wenn ich darüber schreiben möchte, dann muss ich jetzt hier ein Probeexemplar kaufen.
Sebastian
Okay, du brauchst einen Vorwand, um die Kohle auszugeben. Wie viel Aufwand treibst
du denn im Moment, um eine Person zu finden, die dich bespielt?
Elysandra
Ja, also ich habe angefangen wieder auf Stammtische zu gehen,
wobei ich da auch einfach die Stammtische, also ich mag das einfach reden können, wie man will.
Die Witze sind einfach genial auf Stammtischen. Ich lache selten so viel wie auf dem Stammtisch.
Ich habe es auch online versucht auf den Plattformen und habe da ein paar Ansätze gehabt, aber ja.
Ja, das ist der Punkt, wo mein Asexuellsein dann tatsächlich reinkommt und Probleme
verursacht und auch mich noch nicht so genau verorten können.
Also wie gesagt, ich habe das ja in der früheren Phase, wo ich gespielt habe
und so weiter, war das noch gar nicht Thema.
Da habe ich das noch gar nicht beschreiben und als Grenze irgendwie festsetzen
können. und jetzt komme ich sozusagen mit einer neuen Erkenntnis zurück in den
Ring und weiß aber nicht so genau, wo denn jetzt die neuen Grenzen verlaufen sollten.
Sebastian
Also ich glaube, das Gemeine ist, dass du das ganze Thema Kink gedanklich durchgespielt hast.
Das Schöne ist, man kennt das ja, jeder Plan hält nur bis zum ersten Versuch
oder nur bis zu dem Moment, wo man es austestet und versucht.
Das ist doch eigentlich aufregend. dir steht da quasi ganz viel bevor oder erwartest
du, dass das, wie du es dir vorstellst, dass das auch so zu sein hat?
Also suchst du danach, dass dein geschriebenes,
Wort Realität wird? Oder ist das nochmal eine ganz andere Ebene?
Elysandra
Das ist eine komplett andere Ebene und ich glaube, das ist auch das,
was mich immer so ein bisschen stört an diesem, erst die Fantasie,
dann die Realität und dann weiß man, wie es wirklich geht.
Ich kann ja mit der Fantasie tausendmal mehr Kings ausleben,
als ich es in der Realität jemals könnte.
Und ich stoße auch immer wieder auf welche, die mich überhaupt nicht interessieren, eigentlich.
Und dann überlege ich, warum sie aber für meine Figur interessant sein könnte,
die das eigentlich auf dem Papier auch erstmal gar nicht interessieren dürfte.
und dann stecke ich plötzlich in Financial Domination und denke,
aber also aus dieser Perspektive, wenn man jene Mittel hat und folgende Konstruktionen,
dann ist das ganz schön spannend.
Ich selber habe aber, ich würde niemals mein Geld dafür ausgeben,
nur weil ich jemand anderem Geld gebe.
Das heißt, diese Fantasien oder diese Geschichten sind super spannend,
aber das ist nichts, was ich ausprobieren würde und das betrifft total viele Bereiche.
Ich habe eigentlich relativ, ja, sagen wir mal so die.
Sebastian
Ich unterbreche dich mal. Nehmen wir mal an, du bist jetzt auf dem Stammtisch,
da ist eine Person, die dich so interessiert, dass du dir vorstellen könntest,
oh ja, diese Person wäre die,
Mit der möchte ich Spanking erleben. Jetzt musst du dir ja in endlicher Zeit
erklären, was deine Erwartungen und Wünsche und Träume sind,
damit du überhaupt erstmal einen ersten Eindruck hast und prüfen kannst, was Sache ist.
Oder die Person erzählt dir von ihren Wünschen und Erwartungen,
worauf würdest du anspringen. Also beides, beide Seiten sind ja interessant.
Wie könntest du es formulieren? Kurz.
Elysandra
Also wenn es wirklich quasi jetzt um eine Erfahrungssache geht,
dann möchte ich gerne ihre Spielzeuge kennenlernen oder ich möchte jemand Neues
meine Spielzeuge ausprobieren lassen und so viel erleben wie möglich.
Sebastian
Ist ja einfach.
Elysandra
Das wäre jetzt einfach, genau. Das wäre aber jetzt auch, da kommt DS ja zum
Beispiel noch gar nicht rein.
Also das wäre jetzt für mich erstmal zu sagen, wir vereinbaren,
dass wir jetzt Impact Play betreiben und dann passiert das auch.
Sebastian
Wäre es sinnvoll, wenn die Person auch im Fandom-Bereich aktiv wäre und da auch
weiß, wovon du sprichst, dass
man auch da eine Ebene hat oder ist das eigentlich an der Stelle egal?
Elysandra
Das ist an der Stelle egal. Das wird, glaube ich, für mich relevant,
wenn ich über die DS-Seite nachdenke.
Und da wäre es halt auch eher eine Spielbeziehung oder Beziehung,
die ich suchen würde. Also eine dauerhafte Dynamik, die ich etablieren wollen würde.
Und da habe ich gemerkt, also das ist super schwierig, weil es auch noch ein
kleines Fandom ist. Das heißt, die meisten Leute kennen die Serie gar nicht.
Dann schreibe ich auf Englisch, was für viele kein Problem ist,
für viele aber auch ein Problem ist.
Sebastian
Das muss ja nicht dein Fandom sein, das kann ja irgendeins sein,
damit überhaupt generell diese So ein Verständnis quasi Genau,
das Verständnis für die Sache an sich, dass das schon mal da ist,
dass man da einen gemeinsamen Punkt hat Ja.
Elysandra
Aber also das Ja, entschuldige Das, was ich daraus ziehe, ist ja der Austausch
über konkret meine Geschichten und die anderen Geschichten, die andere zu diesem Fandom schreiben, also.
Sebastian
Okay, ich merke schon. Okay, es sind wirklich verschiedene Ebenen.
Elysandra
Aber es ist halt auch, und ich glaube, wie gesagt, das, was mir wichtig ist,
ist wirklich diese Idee von,
man kann BDSM eben auch anders ausleben zwischen realem BDSM mit anderen Personen
vor mir oder wilden Fantasien, die ich habe.
Und auch die haben ja ihren Wert.
Sebastian
Trotzdem fehlt das reale Erlebnis, dieses Paddel landet auf dem Hintern.
Das ist durch nichts zu ersetzen.
Elysandra
Das ist was komplett anderes. Aber genauso kannst du mit dem realen Paddel auf
dem Hintern nicht die Dynamiken erzeugen, die ich in den Geschichten erzeugen kann.
Also da ist glaube ich auch, das ist vielleicht noch ein Punkt,
der bei mir mit reinkommt.
Das, was ich zum Beispiel in sexueller Hinsicht an Verlangen und Ähnlichem einbringen
kann, ist extrem begrenzt.
Auch da bin ich manchmal von mir überrascht, aber da ist quasi eigentlich nichts.
Sebastian
Das glaube ich dir ehrlich gesagt nicht. Ich mache das ja selten,
dass ich da widerspreche.
Aber ich glaube schon, es ist halt einfach eine Frage, wie man es definiert.
Und dass du hast da extremes Verlangen, und ich würde das auch als sexuelles
Verlangen sehen, nach eben diesem Kontrollverlust, nach dem Spüren des Körpers,
dass nach der, man kennt das, der Rücken wird einem kalt, weil es so heftig ist.
Nach diesem körperlichen Erleben.
Elysandra
Total, auf jeden Fall.
Sebastian
Und das würde ich, und das fehlt hier, und demnach würde ich das wirklich auch
als starkes Verlangen deuten.
Ich will dir deine Identität nicht absprechen, um Gottes Willen.
Aber ich glaube schon, dass es viele Menschen gibt, die damit eine Menge anfangen können.
Da sehe ich eine Menge Hingabe und eine Menge, ich will dominiert werden ich
will keine Macht mehr haben,
Ich will mich fügen, das höre ich so raus. Wenn ich falsch liege,
bitte, bitte widersprech mir.
Ich versuche jetzt auch alle Fehlschlüsse in dieser Folge zu machen,
damit das Publikum sie nicht machen muss.
Elysandra
Nee, das ist völlig richtig. Deswegen gehe ich ja auch wieder auf Stammtische etc.
Wobei ich merke, der Drive, dass
jetzt wirklich, so manche Leute ziehen ja dann los und sagen, so jetzt.
Und bei mir ist es mehr so, wenn sich eine Gelegenheit ergibt,
dann ist es bestimmt schön.
Also ich bin jetzt gar nicht so im Sinne von, ich bin auch dann auf Joy und so weiter.
Ja, ich habe da jetzt meine Profile und ich schreibe auch manchmal mit Leuten,
aber die interessieren mich meistens dann, also in der virtuellen Ebene nicht besonders.
Also das finde ich total schwierig, da Kontakt wirklich zu knüpfen und komme
dann auch immer ganz schnell an die Grenzen von die Personen interessieren mich tatsächlich.
Sebastian
Ja, das ist nochmal eine etwas andere Welt und,
Du musst halt eine Menge liegen lassen. Wenn die Menschen im Gespräch dann relativ
schnell darauf kommen, ja, ich verhau dich und dann vögeln wir, dann bist du ja raus.
Elysandra
Genau. Aber das ist sowas, was ich halt im Schreiben zum Beispiel ausleben kann.
Mein Protagonist zum Beispiel kann ein unglaubliches körperliches Verlangen
haben. So, damit kann ich ewig spielen.
Orgasm, denial, bis ich weiß nicht wann und so weiter und so fort.
und das ist aber ein Punkt, den mein Körper so nicht einbringen wird.
Ich stehe halt nicht irgendwo und sehe jemanden und denke oh mein Gott,
ja jetzt darf ich sofort, darf ich, darf ich oder so, das heißt,
das ist eine Seite, eine Idee, die ich einfach nur im Schreiben ausleben kann.
Sebastian
Ich zeichne mal ein Szenario, ich weiß nicht, was mich dazu treibt.
Es gäbe einen Spanking-Workshop und dein Job ist folgender, du bist das Objekt
da am Kreuz und wenn es dann soweit ist, dass die Leute mal was ausprobieren,
dann gehen sie halt hin und machen.
Damit haben wir Objektifizierung, wir haben das Spanking mit drin,
du bist aber nicht gefordert, irgendetwas zu tun oder zu machen,
höchstens mal zu rauen, wenn es fest war oder zu wenig.
Tada, das perfekte Szenario. Keine Verpflichtung hinterher und davor,
sondern schlicht und einfach Testobjekt.
Elysandra
Perfektes Szenario, wenn mir jemand den Auftrag gegeben hat, da zu stehen.
Sebastian
Okay.
Elysandra
Also das bräuchte ich dann halt drumherum schon, weil sonst ist es ja wieder
meine Entscheidung, dass ich da jetzt.
Sebastian
Liebes Publikum, wenn ihr solche Workshops mal veranstaltet,
Aufträge könnt ihr senden an Elisandra.
Die Kontaktdaten gibt es im Profil auf kunstderunvernunft.de.
Nein, ich will dich da gar nicht so reinreiten, um Gottes Willen. Boah.
Sehe diese Uhr, wir haben jetzt auch die zweite Pause einfach ausgelassen,
komplett. Damit hier nochmal 90 Minuten am Stück drangehängt.
Ich habe eigentlich nur noch eine große Frage.
Dann bin ich erst mal mit meiner To-Do-Sendeplanliste durch.
Das ist die Frage, ob dir noch was auf dem Herzen liegt, bevor ich die letzte Frage stelle.
Bevor ich habe noch zwei.
Elysandra
Nö, also ich hatte noch ein Ding der Woche.
Sebastian
Oh, das nehmen wir doch. Ich markiere mir mal, was ich hier gleich nochmal fragen
muss und wollte. Oh, da kommt ein Korsett.
Elysandra
Ein Korsett.
Sebastian
Ein zusammengehaltenes Korsett. Ja, das Wort kam, glaube ich,
schon ein paar Mal vor. Ich werde es hinterher im Transkript,
hätte ich es zählen können.
Das scheint wichtig zu sein, weil das ist eben dieses enge Korsett.
Das ist die Regel, das ist der Umstand.
Elysandra
Ja, also das ist tatsächlich ein Korsett. das habe ich.
Sebastian
Ich wickele das jetzt einfach mal aus, wenn das okay ist, aber zusammenwickeln musst du es wieder.
Elysandra
Weil das ist sehr.
Sebastian
Wobei ich mache nochmal direkt das Foto, das ist mir sehr schön zusammengewickelt,
sehr schön transportabel.
Ich wusste ja gar nicht, dass man die so kompakt zusammenwickeln kann, aber offenbar geht das.
Elysandra
Ja, ja, doch.
Sebastian
Das sieht echt schön aus.
Elysandra
Mir wurde damals auch gesagt, das sollte man so machen, zur Form Erhaltung und
so weiter. Also das war die beste Lagerungsvariante.
Sebastian
Das ist also kein online bestelltes irgendwas?
Elysandra
Nee, genau. Vielleicht gibt es auch 20 Jahre später neue Erkenntnisse dazu.
Sebastian
Nein, also Das ist gut, auch Korsetts gibt es ja schon eine längere Zeit.
Elysandra
Genau. Ja, auch übrigens viktorianisches Zeitalter, super schönes Thema,
sich mit den Korsetts zu beschäftigen. Die sahen aber damals anders aus.
Sebastian
Also jetzt auch von der Form her etc.
Ich wickele das mal aus.
Das ist aber doch jetzt eher von der Optik, jetzt sind das eher chinesische Drachen.
Elysandra
Ja, genau.
Sebastian
Passt das in das Zeitalter?
Elysandra
Nein, nein, das war ja auch damals noch gar nicht so.
Sebastian
Dieses Korsett.
Elysandra
Das Korsett, was ich mir heute hoffentlich irgendwann in näherer Zukunft einmal
zulegen werde, wird sicherlich einen anderen Stoff und eine andere Machart haben.
Das habe ich mit 17 oder so, glaube ich, gekauft.
Sebastian
Das heißt, in diesem Korsett wurdest du schon bespielt?
Elysandra
Darin wurde ich schon bespielt, genau. Also das war eine meiner ersten großen
Ausgaben im King-Bereich.
Und es ist etwas, und deswegen habe ich das mitgebracht, also A,
weil es mich schon so lange begleitet,
aber B, weil es tatsächlich etwas ist, was mich nochmal in einen anderen Zusammenhang
zu meinem Körper gesetzt hat.
Weil ich mich darin plötzlich ganz anders fühle.
Unter anderem eben, weil man damit, also es gibt auch Korsetts für Männer und
das ist auch nicht unspannend, wenn man jetzt eher männlich sich gerade fühlt oder denkt,
aber ich habe nun mal die weibliche Taille und ein männliches Korsett würde
mich da auch nicht sehr weit bringen.
Aber dieses Korsett kann mir, also Hourglass oder wie heißt das,
Westentalje und so weiter,
da schaffe ich es jetzt bestimmt nicht hin, aber mehr Westentalje als jemals
sonst und damit eben auch so eine sehr aufrechte Art. Du kannst nicht mehr in dich zusammensacken.
Du atmest auf eine bestimmte Art.
Du sitzt auf eine ganz andere Art. Und das war für mich plötzlich so ein sehr
gefasstes oder umschlossenes Gefühl, aber auch eine Art Femininität, die ich sonst...
So nicht erlebe. Also das hat wirklich meinen Körper nochmal anders geformt.
Und das Gefühl mag ich total gerne.
Und deswegen dachte ich, das sollte auf jeden Fall.
Sebastian
Und wir werden das zeigen in den Shownotes.
Elysandra
Ja.
Sebastian
Sehr gut. Vielleicht ja an dir. Das musst du entscheiden.
Elysandra
Ja.
Sebastian
Wir werden sehen, liebes Publikum. Wir werden sehen. Das Schöne ist ja mal,
ich rede ja meine Gäste um Kopf und Kragen.
Und ja. Ja, das ganze Thema Schreiben und Literatur.
Der Begriff kommt von dir tatsächlich, dass er hier drauf steht.
Ist das nicht alles Eskapismus, um einem etwas anderem auszuweichen,
um das Erleben zu verschieben auf irgendwann einmal, um sich vorher,
also um diesen Sprung ins kalte Wasser nicht zu wagen.
Also ist das ein Entfliehen, Verschieben? Ich weiß, das ist jetzt eine gemeine
und fiese Fragestellung, aber gibt das vielleicht erstmal die Sicherheit,
um das heute nicht zu tun oder um sich heute da nicht reinzuwerfen?
Elysandra
Literatur ist immer Eskapismus, auf unterschiedliche Art und auf unterschiedlichem Level, würde ich sagen.
Aber mindestens, wenn wir ins immersive Lesen gehen, wo wir uns selber ein Stück
weit zurücklassen und gegen Figuren zum Beispiel im Text austauschen.
Sind wir ja per Definition nicht mehr in uns, sondern in dem Text drin.
Damit sind wir rausgeflohen.
Also geflohen impliziert jetzt immer etwas, dass man auch was zurücklassen will.
Das ist jetzt auch eine andere Frage.
Du sagst das so, als würde ich einer Sache ausweichen wollen.
Und das sehe ich so nicht. Ich habe ja beides ziemlich, also zumindest ab dem
Zeitpunkt, wo ich hin konnte, dann auch wirklich parallel versucht auszuleben.
Ich glaube nur, dass bei mir, bei mir ist einfach der größte Teil,
mein Körper bietet quasi nicht das, womit andere dann dort anknüpfen,
aber mein Kopf bietet das Ganze.
Und deswegen geht es auch einfach nicht ohne. Ich habe das auch,
ich sagte ja schon, ich habe verschiedene Kontakte gehabt und es war auch so,
wir haben schon über die Spieldynamik gesprochen, wir haben es ein bisschen ausprobiert etc.
Einerseits habe ich da gemerkt, so dieses Gefühl von Ebenbürtigkeit,
leichte Überlegenheit, das stellt sich halt nicht bei allen Personen ein.
Dafür muss man auf eine gewisse Art und Weise auf einer Wellenlänge sein und
das ist halt nicht immer der Fall. Man kann das dann sozusagen spielen,
wie so eine Art Rollenspiel.
Ich akzeptiere, dass ich dir jetzt die Überlegenheit zuerkannt habe und dann spielen wir.
Das habe ich früher häufig gemacht, bin aber auch häufig danach in ziemliche
Subdrops gefallen, muss ich sagen. Also das fand ich dann auch immer schwer
zu verdauen. Das möchte ich eigentlich nicht mehr.
Das heißt, wenn ich merke, da kommt so ein Ungleichgewicht für mich,
dann wird es auch schwierig mit der Fortführung oder der Entwicklung so einer Beziehung.
Sebastian
Ich muss das aus einer E-Mail zitieren, die ich neulich bekommen habe.
Das fand ich ganz spannend, den Gedanken, wenn ich einer Person die Macht gebe,
nur aus meiner eigenen Notgeilheit heraus, dann fühle ich mich damit schlecht.
Und ich dachte, ja, der Gedanke hat was. Also Größe gehen einmal anonym jetzt
hier raus. Da denke ich noch ein bisschen drauf rum.
Elysandra
Ja, aber vom Prinzip her so, man möchte...
Man möchte stolz sein auf die andere Person und dass man sich ihr unterworfen
hat, sich ihr unterwerfen durfte.
Und wenn du nicht das Gefühl hast, dass die Person dir in irgendeiner Form,
also dass da auch was involviert war, sondern dass ich einfach gesagt habe,
ich möchte mich gerne mal unterwerfen, bitteschön, dann kann dieses Stolzgefühl
halt in der Form nicht so einsetzen.
Sebastian
Respekt.
Elysandra
Respekt, auf jeden Fall auch, ja. Und das andere, was ich aber dabei gemerkt habe, ist,
dass diese Energie, die vor allem am Anfang ist,
die ist ja häufig sehr allumfassend, die schneidet dann aber teilweise in meine
Schreibzeit ein und in meine Austauschzeit auch mit meinen Schreibkontakten sozusagen,
die halt sehr viel Zeit am Tag in Anspruch nehmen.
Und da ist es total schnell so, dass sich bei mir so ein richtiges Verlangen
nach dem Schreiben, also wenn ich nicht regelmäßig schreibe,
dann fühle ich mich auch nicht mehr so gut, das ist so ein richtiges Ventil
auch auf eine gewisse Art und Weise.
Und ich merke, früher hatte ich immer Angst, dass Beziehungen,
wenn sie zu intensiv werden, das ersetzen könnten und ich das verliere.
Und heute ist es eher so, dass ich merke, ich weiß nicht, ob das passieren würde
oder nicht, aber wenn es zu weit einschneidet, dann komme ich total schnell
an den Punkt, wo ich sage, das ist es mir nicht wert.
Sebastian
Okay.
Elysandra
Also so viel macht das für mich aus. Kink ist sozusagen ein großer Teil meiner
Identität, meines Lebens jeden Tag. und das ist etwas...
Sebastian
Verschreiben ist auch ein sehr großer Teil und...
Du willst und brauchst beides. Und so ein Tag hat so wenig Stunden.
Elysandra
Ja, das ist ein großes Problem.
Und man kann auch nicht besonders gut schneller schreiben oder so.
Sebastian
Du könntest anfangen zu diktieren.
Elysandra
Ja, stimmt.
Sebastian
Also, liebes Publikum, das ist mal eine ganz andere Folge. Und auch die braucht es.
Und ich habe vorher, bevor wir aufgenommen haben, habe ich so den Begriff,
also ich habe darauf rumgedacht, Ersatzbefriedigung, ja.
So, ich hab echt überlegt und ich kam aber, ich konnte aber nie einen Haken
drunter setzen und sagen, nee, das ist es und das ist nach diesem Gespräch immer noch nicht so.
Sondern, ich glaub, du verfolgst da zwei Kings und der eine ist eben mit der
Feder zu führen und der andere ist eben, ja, dich führen zu lassen,
und das muss gar nicht so lyrisch sein, das darf auch einfach mal Aua machen, Punkt.
Elysandra
Ja, ja.
Sebastian
Ah, ich habe ja noch zwei kleine Traditionen im Podcast.
Das eine sind die Shorts. Ich erinnere dich jetzt daran, du kennst es ja schon.
Kurze Antworten, es dürfen mehr als ein, zwei, drei Sätze sein,
aber auch keine längeren Monologe.
und ich habe mir mindestens eine Sache ausgesucht, bei der dir das schwerfallen wird.
Und ich werfe dir die Sachen jetzt einfach mal hin. Es sind auch meistens gar
nicht eigene einzelne Begriffe, es sind manchmal sogar ganze Sätze.
Und ich nehme mal den ersten.
Im Kopf ist und wird es Realität.
Also ein bisschen mehr darfst du dazu schon sagen.
Elysandra
Ich bin ehrgeizig. Ja, auf jeden Fall.
Also ich habe eben gesagt, im Leseprozess ist immer, also okay,
ich lasse die Literaturwissenschaft jetzt raus.
Ich sage mal, generalisierend tendieren wir zum Immersions- oder Transportation,
dass wir uns in etwas anderes hineinversetzen.
Und das ist beim Schreiben auch so. Und dann kommt noch dieses Flow-Gefühl dazu,
wenn es so richtig gut läuft und so weiter.
Aber das heißt, in diese Geschichten tauche ich in dem Moment auch ein.
Ja, ich habe eine analytische Ebene.
Was macht das mit den Figuren? Wie entwickelt sich das realistisch bei diesen
Figuren spezifisch statt bei anderen Konstruktionen etc.?
Aber ich kann in dem Moment ja auch das durchleben und diese Charakteristiken
für mich annehmen und mich mit den gleichen Problemen oder Freuden oder was
auch immer konfrontiert sehen.
Sebastian
Ausnahmsweise eine Nachfrage. Wenn die Figur Lust empfindet, teilst du diese Lust?
Elysandra
Wenn sie kinkbezogen ist, ja. Es gibt nichts langweiligeres,
als über Nicht-Kink-Sex zu lesen oder zu schreiben.
Sebastian
Dann probiere ich es doch mal. Nächster Punkt. Lesbischer Sex.
Elysandra
Ja, im Grunde gleiche Antwort. Mit Kink geht das?
Also Sex ist für mich wirklich eher eine Kink-Praktik, mit der man Kontrolle ausüben kann.
Orgasm-Denial oder jemanden nehmen oder was auch immer.
Sebastian
Das erwähnst du relativ häufig, Orgasm-Denial, muss ich ja zugeben.
Okay, die Lösung für alles heißt Poli.
Elysandra
Ja, grundsätzlich ja. Bin ich auch tatsächlich, da hätte ich überhaupt kein Problem mit.
Aber trotzdem muss man die Leute erstmal finden.
Sebastian
In zehn Jahren habe ich.
Elysandra
Mein Leben sortiert. Möchte ich gerne regelmäßig in der Szene unterwegs sein, bei mir in der Umgebung.
Idealerweise immer noch meine Schreibbeziehungen haben, die ich jetzt gerade
habe, also die Freundschaften, die sich da entwickelt haben.
Und diverse, hoffentlich auch neue Sachen ausprobieren können.
Sebastian
Hm, Kennzeichnung.
Elysandra
Ja, fand ich früher, schien mir das ein Muss, fand ich auch irgendwie spannend,
bin ich jetzt inzwischen gefühlt irgendwie drüber hinweggekommen.
Ich habe es auch mal mit Self-Coloring versucht, fand ich als Konzept ganz interessant,
aber in der Realität überhaupt nicht.
aber da gibt es tatsächlich einige Sachen, auch sowas wie Selbstbezeichnung,
Sklavin zum Beispiel habe ich echt ein Problem mit, musste ich jetzt feststellen
also das verändert sich über die Jahre dann doch auch das eigene Verhältnis dazu.
Sebastian
Oben spielen müssen.
Elysandra
Auf Anweisung,
äh
Würde ich tun, der anderen Person zuliebe, aber eigentlich nicht interessant, nee.
Sebastian
Okay, ich muss es vielleicht nochmal erklären. Also die Person,
die die Anweisung gibt, dass du umspielen musst, ist nicht die, die du bespielst.
Elysandra
Ja, trotzdem gleiche Antwort.
Sebastian
Okay. Deine letzte Session oder ich könnte auch sagen körperliche Erfahrung.
Elysandra
War überraschend.
Sebastian
Wie lang her?
Elysandra
Ein paar Monate. Das war im Sommer.
Das Wort kommt so oft oder die beiden Wörter Orgasm, Denial.
War zu meiner Überraschung und das hatte ich vorher einfach noch nicht so erlebt.
Quasi Ansage ja jetzt heute Abend nicht mehr und ab da konnte ich nicht mehr
aufhören darüber nachzudenken.
Das hat mich sehr aus dem Konzept gebracht, das hatte ich vorher noch nicht.
Deswegen auch dieses Gefühl von es könnte immer nochmal was Neues auftauchen.
Sebastian
Ich sehe da den Widerspruch, diese Wolllust und Verlangen können doch entstehen.
Elysandra
Die können entstehen, aber tatsächlich, also an Orgasm Denial ist glaube ich
tatsächlich der Denial Aspekt, der für mich relevant ist, weil ich plötzlich auch nicht mehr muss.
Sebastian
Also eine Last wird dir genommen.
Elysandra
Ja, ja.
Ich finde das ganze Konzept auch einfach mit Orgasm Control total spannend,
aber ich habe gemerkt, dass das System, wie ich selber Orgasmen erlebe und mir bereite,
ist ein so hoch spezialisierter Prozess.
Sobald andere versuchen, da einzugreifen, funktioniert das für mich nicht mehr.
Und das ist zum Beispiel auch ein Punkt, wo ich dann an Grenzen stoße,
wenn andere sagen, okay, aber was ist denn mit dir noch machbar?
Können wir vielleicht das noch machen?
Kann ich da vielleicht noch eingreifen? Superschwer. Ja.
Sebastian
Gehen wir weiter. Schmutzig und dreckig.
Elysandra
Ist nicht so mein Ding. Ich habe es lieber elegant und ja, auch nicht immer.
Aber also ich habe weder einen Schmutzkink, noch mag ich pornografische Sachen. Insofern, ja.
Sebastian
Formulare ausfüllen Ja, top.
Elysandra
Ne?
Wenn man genau weiß, was man machen soll, gut wenn sie einen vor Probleme stellen Hier.
Sebastian
In Großbuchstaben schreiben.
Elysandra
Großbuchstaben?
Sebastian
Hier in Großbuchstaben eintragen da bitte so und so weiter ich finde Formulare
sind eine also das war das Korsett und die Regeln und diese Gängelung durch
komplizierte Sachverhalte und hier nur eintragen wenn,
und ich bin der erste Mensch der immer Häkchen ankreuzt, von denen er danach
liest. Ach so, nur wenn das, verdammt.
Elysandra
Du machst mir gerade richtig Lust zu überlegen, wie man das in einen Kink umwandeln könnte.
Sebastian
Ja, bitte, bitte. Wenn du Unvernucht-Fandom schreibst, dann bitte über ganz
viele Formulare einbauen. Alles klar. Okay, Ansprüche.
Elysandra
Ja, habe ich.
Mag ich total von anderen. Was mich schon mein Leben lang begleitet,
ist so von außen, jetzt nicht auf King spezifisch, aber so beziehungsmäßig generell,
du darfst nicht zu hohe Ansprüche haben.
Und das finde ich sehr schwierig. Also eine schwierige Aussage.
Sebastian
Okay, und jetzt so der letzte Punkt. Und da wird es dir schwerfallen,
dich kurz zu fassen. Szenario. Wenn Sex verboten wäre.
Dieses Publikum, ihr wisst das nicht. Sie hatte das eigentlich als Thema mit
auf meine Liste gesetzt.
Und jetzt, tja, muss sie sich kurz fassen.
Elysandra
Das ist mein Privileg. Gesellschaftlich Sex verboten oder mir Sex verboten?
Sebastian
Du hast es auf die Liste gesetzt. Das ist deine Definition.
Aber dir Sex verboten finde ich auch gut.
Elysandra
Ja, mir Sex verboten wäre interessant, weil ich zum Beispiel Cuckolding oder
Cuckqueening in dem Fall dann auch spannend finde.
Sebastian
Das zieht sich durch, dieses Thema.
Elysandra
Genau.
Gesellschaftlich wäre es einerseits natürlich sehr erleichternd,
weil die Grundannahme, dass es in bestimmten Situationen oder Beziehungen zu
Sex kommt, wegfallen würde.
Aber ich müsste noch drüber nachdenken dürfen, weil sonst wäre ja ein Großteil
meiner Geschichten nicht mehr zulässig. Das geht auch nicht.
Sebastian
Ja, frag mal amerikanische Jugendliche, die leben genau in diesem Szenario.
Das war jetzt mal ein bissiger Kommentar zum Schluss. Du machst das super,
aber das A oder B Spiel, um das kommen wir hier nicht drum herum.
Auch das kennst du, liebes Publikum, wenn ihr es nicht kennt,
ich habe hier gar nicht so viele heute,
42 Wort- oder Aussagenpaare und Elisandra muss sich immer relativ schnell für
eins entscheiden und dann könnt ihr jetzt Rückschlüsse ziehen,
was denn das bedeuten soll und ich fange einfach mal an, du kennst es ja schon, Eule oder Lerche?
Elysandra
Lerche.
Sebastian
Konsens oder Risiko?
Elysandra
Konsens.
Sebastian
Erst fragen oder danach um Verzeihung bitten?
Elysandra
Erst fragen.
Sebastian
D oder S?
Elysandra
D oder S? Also DS quasi.
Sebastian
D oder S? Gemütlich oder gefordert?
Elysandra
Gefordert.
Sebastian
Nach Konzept oder Flow beim Schreiben?
Elysandra
Flow. Okay.
Sebastian
Auf dem Papier oder dem Bildschirm?
Elysandra
Machen wir es anders.
Sebastian
Wir machen es anders. Nie wieder Papier oder nie wieder Bildschirm?
Elysandra
Auch schlimm.
Nie wieder Papier. Das war hart.
Sebastian
Sommer oder Winter?
Elysandra
Sommer.
Sebastian
Drinnen oder draußen?
Elysandra
Draußen.
Sebastian
Paddel oder Gärte?
Elysandra
Oh. Oh. Hm. Hm. In meinen Texten meistens Gärt.
Für mich eher Paddel.
Sebastian
Roter Hintern oder blauer Hintern?
Elysandra
Blau.
Sebastian
Jetzt wenig oder später mehr?
Elysandra
Später mehr.
Sebastian
Jetzt werden wir ein bisschen literalsch hier. Fifty Shades oder Geschichte der O?
Elysandra
Geschichte der O.
Sebastian
Buch oder Film?
Elysandra
Ich kenne nur das Buch, deswegen das Buch.
Sebastian
Guck dir mal den Film an. Dann hast du Lust, das Buch zu verbrennen.
Hardcore oder Softcore?
Elysandra
Hardcore.
Sebastian
Mit der Hand oder Tastatur?
Elysandra
Tastatur.
Sebastian
Oben oder unten?
Elysandra
Unten.
Sebastian
Motiviert oder gezwungen?
Elysandra
Gezwungen.
Sebastian
Bett gemacht oder schnell in den Tag?
Elysandra
Bett gemacht.
Sebastian
Unter vier Augen oder mehr? Ja.
Elysandra
Unter vier Augen.
Sebastian
Safe Word oder kein Safe Word?
Elysandra
Safe Word.
Sebastian
Haben die Protagonisten eigentlich in deinen Geschichten auch Safe Words?
Elysandra
Du weißt doch nicht. Ich setze mich sehr intensiv damit auseinander,
wann Safe Words eigentlich eingeführt wurden und wie man im viktorianischen
Zeitalter damit umgegangen sein könnte.
Modern meistens. Ja.
Sebastian
Kekse oder Chips?
Elysandra
Chips.
Sebastian
Aftercare oder auf zu neuen Abenteuern?
Elysandra
Aftercare.
Sebastian
Schriftlich oder mündlich?
Elysandra
Schriftlich.
Sebastian
Im TV oder im Kino?
Elysandra
Im TV.
Sebastian
Kochen oder bestellen?
Elysandra
Kochen.
Sebastian
Hund oder Katze?
Elysandra
Hund.
Sebastian
Musik oder Stille? Musik Wasser oder Wein?
Wasser Ansprüche stellen oder befriedigen?
Elysandra
Ähm, befriedigen.
Sebastian
Intim Rasur oder Frisur?
Elysandra
Ah, Brute.
Sebastian
Den habe ich bewusst mal draufgelassen auf der Liste. Ich hatte überlegt,
ob er dahin gehört heute, aber ja.
Elysandra
Ähm, Frisur.
Sebastian
Die Leute können sich, du kannst dir überlegen, was du damit meinst.
Und ob bei dir oder anderen, das ist ja alles ungesagt. Kapitel überspringen oder durchhalten?
Elysandra
Durchhalten.
Sebastian
Du siehst auch so einen Stephen King, ne? liest du die tausend Seiten,
wenn es einfach nur drei Seiten zur Handlung gibt.
Elysandra
Wenn ich ein Buch anfange.
Sebastian
Oh Gott. 300 Seiten oder tausend Seiten?
Elysandra
Ja, tausend Seiten, wenn sie gut sind.
Sebastian
Objekt oder Subjekt?
Elysandra
Subjekt.
Sebastian
Oder Prädikat?
Elysandra
Prädikat, ja. Eindeutig.
Sebastian
Belohnung oder Strafe?
Elysandra
Strafe.
Sebastian
Willkür oder Vorhersehbarkeit? Oder regelkonform?
Elysandra
Regelkonform.
Sebastian
Brett oder brav?
Elysandra
Brett.
Sebastian
Chatten oder anrufen?
Elysandra
Chatten.
Sebastian
Anrufen oder Sprachnachrichten?
Elysandra
Anrufen.
Sebastian
Akku immer voll oder Powerbank immer dabei?
Elysandra
Powerbank immer dabei.
Sebastian
Nicht bei dir. Hose oder Rock?
Elysandra
Hose.
Sebastian
Plach oder Heels?
Elysandra
Heels.
Sebastian
Lack oder Leder?
Elysandra
Leder.
Sebastian
Leder oder Latex?
Elysandra
Leder.
Sebastian
Lack oder Stoff?
Elysandra
Stoff.
Sebastian
Auto oder Bahn?
Elysandra
Bahn, da kann man so schön schreiben.
Sebastian
Okay, dann Auto oder Fahrrad?
Elysandra
Fahrrad.
Sebastian
Okay, noch zwei. Regeln einhalten oder Regeln dehnen?
Elysandra
Ja.
Ja, dehnen. Und gucken, was passiert.
Sebastian
Das ist auch gleich brechen bei dir. Du kannst dir so sehr dehnen,
dass sie eingehalten sind, aber faktisch gebrochen sind. Okay, Moral oder Unvernunft?
Elysandra
Unvernunft.
Sebastian
Sehr gut, die richtige Antwort auf das Letzte. Ich habe versucht,
dich ein bisschen zu fordern.
Ich hoffe, es ist ein bisschen gelungen. Ja, das war sehr interessant.
Mir hat mal jemand geschrieben, dass wenn man das dann drei,
vier, fünf, sechs Monate später hört, dieses Spiel, dass die Leute sagen,
um Gottes Willen, das würde ich heute nicht mehr so beantworten.
Aber das ist ja die Idee, dass man eben nicht drüber nachdenken kann,
dass es relativ spontan ist.
Elysandra
Ja, man kann auch nicht durchdenken, welche Implikationen sozusagen möglich sind.
Sebastian
Ja, da habe ich immer beim Schreiben. Früher habe ich mir sehr viele Gedanken
um jedes Wortpaar gemacht.
Inzwischen mache ich das nicht mehr. Ich schreibe einfach ein paar auf und gucke mal, was passiert.
Und beim Vorlesen fällt mir dann selbst auch ein, was man daraus hätte machen
können oder was gemeint sein könnte.
Das ist für mich auch überraschend. Ich würde die Spiele auch nie spielen.
Elysandra
Das oder das oder das.
Sebastian
Mein Spickzettel sieht schlimm aus heute. Ich habe mehr dazu geschrieben, als vorher drauf stand.
Elysandra
Passen zum Thema Schreiben.
Sebastian
Ich überlege gerade, für wen wird diese Folge genau die Lieblingsfolge gewesen sein?
Und ich bin mir da nicht sicher.
Das müssen die Menschen wohl drunter schreiben in den Kommentaren auf der Podcast-Webseite.
Die wirst du auch lesen, hoffe ich.
Elysandra
Das wäre interessant, ja.
Sebastian
Du kannst sie auch beantworten. Links und Leseproben von dir.
Alles immer her schicken. Ich baue alles in die Folge ein oder in die Show Notes
ein. Die kann man auf der Webseite kunsterundvernunft.de, ich mag es ja nochmal
erwähnen, kann man die alle lesen. und,
Ich persönlich würde mich auch interessieren, liebes Publikum,
wenn ihr selbst auch im Fandom-Fam-Fiction-Bereich unterwegs seid,
schreibt das gerne mal unter die Folge.
Das würde mich wirklich viel interessieren oder sehr interessieren,
wie die Überschneidungen zu diesem Podcast sind. Ich bin mir da ehrlich gesagt unsicher.
Und ja, wir werden ein paar Menschen auf dem Weg verloren haben. Aber ich finde,
gerade so Themen wie Asexualität kommen hier und ich glaube auch in vielen Podcasts,
die dieses Thema BDSM haben oder generell Themen wie Sexualität haben,
kommt das immer nicht vor.
Und es gehört aber dazu, weil Kink ist, glaube ich, mit jeder Form von Sexualität
kompatibel, weil es so bunt und so groß ist.
Und dafür hast du heute ein perfektes Beispiel geliefert. Vielen Dank.
Elysandra
Ja, sehr schön. Ich würde auch gerne hören, ob andere auch im Fanfiction-Bereich unterwegs sind.
Ich habe zumindest schon eine von meinen Freundinnen angefixt, die hört jetzt auch.
Sebastian
Sehr gut. Das finde ich immer gut, wenn Menschen in diesem Podcast verbreiten.
Du verbreitest diese Folge hoffentlich. Und vielleicht schreibst du ja irgendwann
mal irgendwas, wo deine steht.
Und dann habe ich die Folge X aus der Unvernunft gehört.
Und dadurch hatte ich die Erkenntnis, keine Ahnung.
Ich finde das ja mal toll, wenn die Unvernunft irgendwo erwähnt wird.
Das wird sie leider viel zu selten, meiner Meinung nach. Aber es ist ja auch
nur ein Podcast von zig, hunderttausend.
Elisandra, ich kann mich nur bedanken, dass du dir die Zeit genommen hast,
dass du hergekommen bist, dass du wirklich frei gesprochen hast.
und ich glaube, das eine oder andere Detail wolltest du gar nicht unbedingt so preisgeben.
Deshalb ganz toll, dass du es getan hast.
Und ja, ich hoffe, dass auch ein paar Menschen sich ein bisschen mehr verstanden
fühlen. Ich glaube auch, ein Ideal,
ein bisschen bessere Idee zu haben, was eigentlich die Aussage,
wenn jemand vor mir steht und sagt, ich bin asexuell, was das eigentlich bedeutet.
Das hat sich heute bei mir auf jeden Fall ein bisschen verändert.
Auch da gibt es ja verschiedene Schattierungen und Farben von,
aber deine Perspektive hast du glaube ich toll rübergebracht.
Und ich überlasse dir jetzt einfach die letzten Worte.
Ich sage schon mal Tschüss und nochmal vielen Dank und komm gut nach Hause und
einfach eine tolle Zeit und viele schöne Erfahrungen und möglichst einen Hintern,
auf dem du möglichst ungern sitzen magst in Zukunft und dass dir immer das Richtige
zum Schreiben einfällt.
So, und jetzt deine letzten Worte. Mach's gut.
Elysandra
Ja, danke, dass ich hier sein durfte und ich hoffe, dass dieser Prozess einfach
von Selbstsuche, Selbstfindung und auch immer offen für Neues sein oder Neues
erkennen vielleicht auch andere anspricht oder eigene Erfahrungen widerspiegelt.
Und natürlich, je mehr Leute in Fandoms unterwegs sind und schreiben,
desto bunter wird die Welt. Insofern, vielleicht hat das ja auch jemanden auf Ideen gebracht.
Sebastian
Alles klar. Vielen Dank. Mach's gut. Tschüss.