Das Transcript wurde automatisch erzeugt und kann Fehler enthalten.
Einleitung
Hallo und herzlich willkommen zur Kunst der Unvernunft, dem Podcast mit Gesprächen über BDSM.
Und das hier ist schon Folge 19.
Ich habe mich in den Zug gesetzt und habe Temel besucht.
Wer von euch FetLife benutzt, hat vielleicht schon ihre Comics gesehen.
Und wenn nicht, dann wird es jetzt Zeit, ihr Profil zu besuchen.
Oder ihr schaut einfach mal auf das Folgencover. Das hat sie nämlich selbst
gemacht und musste dabei eine fette Liste von Vorgaben von mir erfüllen.
Das Brand des Podcasts muss ja irgendwie erhalten bleiben. Ich finde, das sieht ganz gut aus.
Als wir aufgenommen haben, hatte Temel gerade vier Wochen Pause von so lästigen
Dingen, wie zum Beispiel ihrem Orgasmus.
Natürlich haben wir darüber gesprochen und das auch sehr ausführlich.
Wer sagt, Lustkontrolle sei nur etwas für männliche Subs, den haben wir eines
Besseren belehren können.
Temel hat außerdem ein Faible für Demütigung und einen Dom, der damit offenbar
umzugehen weiß. und ich finde, sie hat es plastisch erklärt.
Aber wie immer müsst ihr durch meine Einleitung durch, immer das Gleiche.
Ich fasse mich auch kurz und das sage ich auch jedes Mal. Diesmal wird es aber doch etwas länger.
Beim letzten Mal habe ich ja vom Hörertreffen am 15. November in Hamburg im Basement gesprochen.
Inzwischen gibt es auch ein Event bei FetLife, das ich hier natürlich wieder nicht verlinken darf.
Aber ihr findet das schon und wenn ihr Lust habt vorbeizuschauen,
dann könnt ihr euch da einfach eintragen. Plätze reservieren und so, das ist das Stichwort.
Eine Mail an mich geht aber natürlich auch.
Einige Gesprächspartner werden auch dort sein. Welche das sind,
das verrate ich aber noch nicht. Ich bin dabei auch erstmal sehr gespannt, euch kennenzulernen.
Ja, was habe ich noch? Ach ja, manche Gäste meinen, sie müssen bei der Aufnahme am Kabel rumspielen.
Da mag ich am liebsten safe werden. Aber ich habe dem Podcast jetzt so einen
Rope Bunny bestellt. Das ist so ein Hase mit Bondage dran, an dem kann man rumspielen,
nur hat dieses Bunny noch keinen Namen und ich finde, ihr solltet einen finden.
Das Instagram-Profil des Podcasts heißt ja Kunst der Unvernunft, ein Wort.
Dort gibt es Bilder vom Hasen und ich freue mich immer noch auf Vorschläge,
wie denn dieses Ding heißen mag, denn so lange heißt das Ding einfach noch Unnamed Subject.
Zuletzt noch der ewige Aufruf. Es war nämlich schon ziemlich cool,
sich einfach in den Zug zu setzen und aufzunehmen.
Dank eurer Spenden ist sowas hin und wieder möglich.
Dummerweise wird das Konto bei so etwas immer sehr schnell leer und ihr ahnt
es schon. Bitte, bitte, liebe Hörer, ich brauche wirklich eure Unterstützung.
und wenn ihr sagt mensch ich habe gerade ein paar euros übrig steuererstattung oder keine ahnung,
immerher damit auf kunst der unvernunft die auf den unterstützen button klicken
und da steht wie das dann alles geht das war jetzt erstmal genug eigenwerbung
jetzt geht's los mit folge 19 und.
Sebastian
So, ich bin durch die Gegend gefahren mit der Bahn und sie war pünktlich und
jetzt bin ich in Köln bei Temel. Hallo.
Temel
Hallo.
Sebastian
32 Jahre und du hast irgendwie ein Problem mit deiner Pussy, deshalb bin ich hier.
Aber darüber reden wir später. Irgendwas mit Keuschaltung, Verweigerung,
irgendwie so ein Nebenthema halt.
Temel
Das hört sich so ein bisschen an wie so der Anfang eines therapeutischen Gesprächs.
Sie haben da ein Problem mit ihrer.
Sebastian
Ja, vielleicht bist du ja am Ende geheilt.
Temel
Ja.
Sebastian
Nein, in Wirklichkeit bin ich hier, damit du dich im Kopf und Kragen reden kannst.
Temel
Das schaffe ich.
Sebastian
Du bist pervers, du bist irgendwie devot.
Temel
Ach, ja, da fängt das Problem schon an. Also ich fand es immer schon schwierig,
eigentlich mich so gut selbst zu bezeichnen.
Also irgendwo sagt man ja, dass es so vier Richtungen gibt bei der Beschreibung
des eigenen Kings oder der eigenen Richtung.
Also halt auf der einen Seite sadistisch und dominant und auf der anderen Seite
dann masochistisch und devot. Und dass man irgendwo versuchen soll,
sich da in den Kategorien irgendwo einzufinden und ich finde das schwierig.
Also spätestens auf irgendwelchen einschlägigen, perversen Portalen muss man
dann was eintragen oder muss man dann was zuordnen.
Also irgendwo in diese vier Kategorien muss man sich dann einfinden und ich
bin irgendwo alles davon, also von Devote und Maseristisch, aber auch nichts davon.
Also mir ist wichtig, dass es so eine Komponente des Zwangs hat.
Also Devote ist für mich immer problematisch zu sagen, weil es so dieses,
ich unterwerfe mich jemandem, weil ich das gerne möchte.
Also weil es mein eigener Wunsch ist, mich jemandem zu unterwerfen.
Sebastian
Du wirst also unterworfen.
Temel
Genau. Also ich sage eigentlich ganz gerne, ich unterwerfe mich nicht,
sondern ich werde unterworfen.
Da sehe ich durchaus einen Unterschied drin. Und das finde ich eigentlich auch das Spannende.
Also ich bin nicht so eine komplette Bread, also nicht so eine,
ihr müsst mich erst bezwingen mit Feuer und Schwert und sowas. Das nicht.
Es ist mir wichtig, dass es halt, dass es nicht das Einzige ist,
also dass es nicht nur von mir kommt, sondern dass der andere,
mit dem ich was mache, die Kraft hat oder die Kraft beweist,
dass er mich handeln kann. Das ist mir sehr wichtig.
Also dieses, dass jemand mich hilflos macht und dass ich nicht quasi von vornherein schon aufgebe.
Deswegen Devote, ja, so ein bisschen.
Ich ziehe eine sehr große Befriedigung oder auch eine sehr große Selbstidentifikation
meines Kings aus diesem Überwältigtwerden, aus diesem Bezwungenwerden.
Und dazu gehört halt auf der anderen Seite eben eine Kraft, die in der Lage ist, mich zu bezwingen.
Sebastian
Jetzt gehst du ja schon voll ins Detail.
Temel
Ja.
Sebastian
Ich hab vorgeworden. Ich ärgere die Hörer immer ein bisschen und sage, wir fangen vorne an.
Wie kommt man denn da drauf, überhaupt erstmal da loszulegen?
Temel
Also es gibt ja durchaus so verschiedene Möglichkeiten einzusteigen in BDSM.
Manche sind dabei, die das irgendwo über einen Freund kennenlernen oder irgendwie
über eine Serie kennenlernen, über einen Film, ein Buch entdecken.
Ich denke eigentlich, bei mir war das schon immer da. Also ich kann mich erinnern,
dass so relativ frühe Erinnerungen und relativ frühe wohlige Erinnerungen schon BDSM-Kontext hatten.
Also das klassische natürlich Fesseln, irgendwo gezwungen sein,
überwältigt sein, gedemütigt sein sehr stark.
Sebastian
Kannst du die Fantasien so ein bisschen altersmäßig einordnen?
Temel
Also relativ früh, man weiß das irgendwo nicht immer so ganz genau in der Erinnerung,
aber ich schätze mit neun, zehn schon.
Also wirklich, dass ich auch, also ich erinnere mich auch, dass ich dann körperlich
so ein wohliges Gefühl in bestimmten Bereichen gespürt habe.
Ich konnte das als Kind dann nur nicht zuordnen, aber das war sehr früh da.
Da war immer eine Begeisterung oder ein Empfinden von so einer wohligen Lust
bei diversen Themen, wenn ich die gehört habe.
Ich konnte es nur lange nicht zuordnen, aber es war immer in mir, es steckte immer in mir.
Es ist nicht, dass mir das erst irgendjemand eingeimpft hat oder so,
hey probiere das doch mal aus und ich so, ja okay, probiere ich mal aus,
sondern es war immer da, es war immer ein Teil von mir.
Sebastian
Wann kam denn die Zuordnung? Hast du ja nicht deinen ersten Freund gehabt oder
bist gleich in die Schule gerade, hey, ich hab da entdeckt, ich find das total toll.
Temel
Gar nicht. Ich glaub, so verglichen mit heute, so wie heute,
welches Alter heute, viele Jugendliche haben, die einsteigen,
war ich eher ein Spätsünder dann doch. Also es war irgendwo immer da.
Aber ich habe, wie gesagt, spät erst den Bezug so richtig gezogen oder so.
Also diese Verbindung, so hey, ich stehe sexmäßig auf das und das.
21, 22, so in etwa. Das Ding ist halt, ich fand normalen Sex sehr langweilig.
Schon immer eigentlich.
Und dachte so, hey, wenn das alle so hypen, da muss irgendwie noch mehr kommen.
Da muss aber doch definitiv noch mehr sein. Und...
Ja, so richtigen Auslöser gab es jetzt so gesehen nicht.
Ein bisschen halt das Internet und so eine allgemeine Selbstfindungsphase nach
der Schulzeit, also mit 2021.
Und tatsächlich habe ich dann angefangen, als ich so ein bisschen über Bondage
im Internet gestöbert hatte, mit Self-Bondage.
Du weißt schon, mit dem sich selber fesseln und das habe ich eine Zeit lang
ausprobiert, ein paar Monate.
Ja, war ziemlich cool, ziemlich lustig, falls jemandem das sagt.
Also man kann nicht nur gefesselt werden mit einer anderen Person,
das ist natürlich deutlich einfacher, sondern man kann sich auch selber fesseln
und ich hatte dann so eine Phase um 21,
da habe ich das ein bisschen selber ausprobiert.
Sebastian
Aber warum bist du denn nicht raus in die Welt gegangen und hast gedacht,
oh ich habe entdeckt, das heißt BDSM, los, macht das jemand mit dir?
Temel
Bin ich ja danach, aber halt nicht sofort. Also ich bin auf die SMJG gestoßen.
Ich bin dann auch zu einem Stammtisch gegangen, aber eben nicht sofort.
Also ein paar Monate vom Entdecken, Informieren und dann sich auch mal trauen,
Menschen zu treffen, sind schon vergangen.
Und in dieser Phase, wo man irgendwo das Interesse hat und das wirklich ernsthaft
verfolgen möchte und dem ersten Stammtisch war halt dann diese Self-Bondage-Zeit.
Sebastian
Irgendwelche Unfälle. Das heißt ja mal, Self-Bondage ist so gefährlich.
Temel
Ja, es ist alles gefährlich. Ja, es ist ein bisschen wie bei Extremsport.
Es kann immer irgendwas passieren.
Man kann versuchen mit gesundem Menschenverstand. Der hilft immer.
Kann ich allen empfehlen. Auch nicht BDSM, kann ich wirklich allen empfehlen.
Und das Risiko so ein bisschen zu minimieren oder nicht herauszufordern,
also irgendwo so Selbststrangulation während Self-Bondage ist vielleicht nicht
so eine ganz gute Idee, auch wenn es sich gut anfühlen kann,
aber es könnte halt gefährlich sein.
Ich habe wirklich so Leitvarianten gemacht, also dass ich auch immer in der
Lage war, mich dann irgendwann wieder zu befreien.
ging mir in meinen Self-Bonage-Sessions jetzt nicht so um Hardcore-Fesselein,
sondern mehr um das Gefühl entdecken.
Also dieses wirklich gefesselt sein, wirklich so sich in sich selber,
in seinem Körper zu winden, zu spüren, wie hilflos man ist.
Mehr um dieses, also kann ich irgendwie da noch schneller, noch höher,
noch weiter und irgendwann fessele ich mich an und hoch raus und sonst was.
Sondern einfach dieses Gefühl zu erleben, dass das was für mich ist. darum ging es.
Sebastian
Man könnte ja sagen, das Vorurteil ist jetzt, ja, wer keinen hat und keinen
findet und sich da irgendwie nicht traut, der muss das dann selber ausprobieren.
Aber bei dir war es wirklich Neugier.
Temel
Ja, also ein bisschen abendsiedelig klingt das wahrscheinlich schon immer, wenn man das erzählt.
Sebastian
Das habe ich nicht gesagt und auch nicht gemeint. Also ich habe da den größten
Respekt an der Stelle vor.
Mir hat mal jemand erzählt, wobei es heißt nicht erzählt, ich habe mal mit jemandem
telefoniert und dann hat jemand am Ende das Gespräch gesagt,
ja, ich saß übrigens die ganze Zeit gefesselt, weil irgendwie finde ich das
gut, wenn ich mich ja so ein bisschen am Stuhl festmache, weil dann kann ich
mich besser konzentrieren und lernen und sowas.
Wo ich dachte, ach ja, finde ich gut, weil klar, so eine andere mentale Stimmung gibt das nochmal.
Temel
Ja, ich habe das auch tatsächlich so ein bisschen fast rituell zelebriert,
also irgendwo, dass man dann ja das Licht irgendwo dimmt und das Bett macht und dann irgendwo so.
Also ja, das, ja, ganz ernsthaft, das hat schon irgendwo was von so Meditation oder sowas.
Das ist, also es war.
Sebastian
Da dachte ich ja, das musst du mal Pausen machen.
Wenn ich den Finger hebe, versuchst du mal den Satz zu beenden.
Wollen wir das so ausprobieren? Irgendwann hat dich ja mal jemand anders gefesselt.
Wie war es? Intensiver oder weniger intensiv? Weil immerhin ist ja mehr Sicherheit
da. Da ist noch jemand, der dich wieder losmachen kann.
Temel
Naja.
Sebastian
Auf der anderen Seite macht er dich aber auch so fest, dass du nicht mehr rauskommst.
Temel
Genau. Also anders würde ich sagen.
Also tatsächlich habe ich auch immer noch, also auch als ich dann schon Leute
hatte, die mich fesseln, immer noch Self-Pornage gemacht.
Also irgendwo, wenn ich zum Beispiel mal beruflich unterwegs bin im Hotel,
dann kam und kommt das auch schon mal vor, dass ich Handschellen mitgenommen
habe und mich selbst fessle.
Also es ist so ein bisschen wie bei Masturbation. Also irgendwo nur,
weil man einen Partner hat, mit dem man Sex haben kann, hört man ja auch nicht
auf mit Masturbation, sondern das macht man ja immer noch.
Und so ein bisschen war das bei Self-Ponage auch. Also es ist anders einfach.
Es ist irgendwo sehr, sehr konzentrierter, fast meditativer,
wenn man sich selber fesselt.
Aber was so der entscheidende bessere, in Anführungszeichen,
Faktor ist, wenn jemand einen fesselt, ist wirklich diese Unberechenbarkeit.
Also dass man nicht weiß, was der andere tut. Also vor allem,
was der andere auch tut, wenn man gefesselt ist, was er dann mit einem macht,
wann er einen wieder losmacht.
Also das ist überhaupt so das stärkste Element, was ich spannend finde.
Der Willkür eines anderen ausgeliefert sein. Also noch nicht mal so,
es gibt auch manche, die gehen in dem Gefühl, gefesselt zu sein auf.
Also wirklich einfach in dem Gefühl.
Und für mich ist es eigentlich so die psychische Ebene noch obendrauf,
dass ich einem anderen ausgeliefert bin. Das kriegt man alleine natürlich nicht hin.
Sebastian
Ich habe ja versprochen, ein bisschen zu pieksen. Also wer jetzt die Folge hört
und gerade irgendwie online ist bei Fatlife, kann man mal das Profil von Temel
aufrufen. Schreibt man so, wie es klingt.
Temel
Wenn ihr drauf seid, findet ihr es.
Sebastian
Ja, ihr findet das. Und da gibt es so nette kleine Comics. Und heute ist Tag 29, habe ich gehört.
Temel
28.
Sebastian
Tag 28. Wir werden darüber ja später reden.
Aber vielleicht ist Self-Bondage ja im Moment auch einfach spannend,
weil es dich nachts davon abhält, irgendwelche Dummheiten zu machen. Kann das sein?
Temel
Es ist ja so Self-Bondage als Präventivmaßnahme.
Sebastian
Ja, so ein paar Handschellen auf dem Rücken. Nicht, dass man morgens aufwacht
und dann hat man ein Problem.
Temel
Tatsächlich macht es Self-Bondage schwieriger, wenn ich bestimmte Dinge nicht
darf, weil ich vom Fesseln geil werde.
Also es ist dann weniger eigentlich eine, also natürlich verhindert es auch
irgendwo, dass man sich irgendwo berühren kann, aber es ist auch so ein bisschen,
es macht es schwieriger, weil es ganz, ganz eindeutige Gefühle hervorrufen.
Sebastian
Ja, wir reden ja später darüber.
Temel
Immer dieses Teasing.
Sebastian
Ja, so ein bisschen, ne? wir waren jetzt gekommen bis SMJG so ein bisschen ausprobiert
und gemacht, das ist ja jetzt auch schon irgendwie zehn Jahre her ja.
Temel
Wie über zehn Jahre.
Sebastian
BDSM ist für dich inzwischen alles.
Temel
Eben nicht nur inzwischen. Also ich denke, es gibt in, wie sagt man,
der BDSM-Szene oder unter Leuten, die BDSM interessiert sind,
verschiedene Beweggründe, verschiedene Motive, wie man das auslebt.
Und ich denke, es gibt da so, wie soll ich sagen, verschiedene Richtungen.
Also ich denke, es gibt diejenigen, die eigentlich Sex machen haben wollen,
sexuell aktiv sind und dann eventuell auch noch BDSM-Elemente dazunehmen und
dann gibt es irgendwo alle Mischungen,
aber dann gibt es eben auch diejenigen, für die ist BDSM-Sex und da würde ich mich zuzählen.
Also ich praktiziere keinen normalen Sex eigentlich noch nie.
Also das konventionelle Einvernehmliche, also dass irgendwo einer auf dem anderen liegt und so.
Sebastian
Wir probieren das mit der Konditionierung. Geht der Stift in die Luft,
hört das Thema aufzureden?
Ich kriege ja sonst keinen Einstieg mehr. Das kann nicht auch gehen.
Du machst die Folge dann selber fertig.
Temel
Ja, wäre auch mal lustig. Ich übernehme deinen Podcast, ich finde das cool.
Sebastian
Okay, also ich stelle es nochmal klar. BDSM und dann irgendwie nochmal gefickt
werden, das ist dir relativ egal. Es sei denn, das Ficken hat eine Bedeutung.
Es dient zur Erniedrigung.
Temel
Also das Machtgefälle ist mir wichtig. Ich erziehe die Erregung oder die Lust
aus diesem Machtgefälle, was sich ergibt.
Also aus diesem, jemand ist über mir und dominiert mich oder unterwirft mich.
Und wenn das fehlt, also bei so normalem, einvernehmlichen Sex,
ich weiß, ich möchte immer das Wort normal nicht sagen, also auch nicht abwertend
gebrauchen, aber so dieses, wie man das so kennt, das gibt mir nichts.
Und deswegen, es hat immer, egal was man macht und selbst wenn es nur ein Gespräch
ist, was unturnt ist, diese Komponente von BDSM, also das Dominanz-Unterwerfungsspiel.
deswegen, sage ich. Alles andere, was das nicht hat, ist per se nichts für mich.
Also es ist nicht nur Sex mit ein paar BDSM-Praktiken für mich.
Sebastian
Ist es denn dann langweilig oder nicht befriedigend?
Temel
Ja, kann man so sagen. Es ist nicht erfüllend, das gibt mir nichts.
Es ist auch gar nicht nur mal so, dass ich, wie soll ich sagen,
dass ich fetischistisch unterwegs bin oder dass ich bestimmte Praktiken brauche.
Es ist mehr so wie bei einem Haus, wo das Fundament von vornherein stimmen muss.
Und mein Fundament ist eben dieses Dominanz-Unterwerfungsspiel,
das Machtgefälle oder eine Demütigungskomponente.
Und wenn das Fundament von vornherein nicht stimmt, dann kann was oben drüber
gebaut ist noch so toll und noch so interessant sein, das gibt mir dann nichts.
Sebastian
Wie sieht es denn aus mit Zwitschen? Ich meine, das muss man doch mal probieren.
Temel
Ja, ich habe auch die Theorie, dass ich der Einzige auf der Welt bin, der nicht zwitscht.
Sebastian
Da sind wir schon zwei.
Experimente wirst du ja mal gemacht haben.
Temel
Also zumindest von vielen weiblichen Subs stelle ich in letzter Zeit fest,
also so aus meinem Bekanntenkreis, dass da sehr viele von switchen.
Also dass die wirklich vielleicht als submissive Person anfangen,
also als submissive Frau, und dann denken, naja, aber irgendwo,
dann probiere ich mal das und das aus und ich denke, das werden tatsächlich mehr und ich,
ja, ich will auch nicht sagen, dass es nicht cool ist zu switchen,
also auch irgendwo mal die andere Seite zu erleben Stopp mal.
Sebastian
Ich will ja wissen, ob du es schon mal probiert hast wenigstens,
stell mal vor, du bist irgendwo auf einem Stammtisch, auf einer Party und plötzlich,
unterwirft sich da jemand also kniet da vor dir und sagt, mach doch mal kann ja mal passieren echt?
Temel
Dann drehst du dich an die Schreien weg und läufst davon am Buffet vielleicht,
doch also ich hab Kleinigkeiten in die Richtung mal ausprobiert aber es ist nichts für mich,
Ganz einfach tatsächlich. Also es gibt mir nichts. Da kommen wir wahrscheinlich
später auch noch drauf, aber ich bin jemand, der sehr intensiv spielt.
Und ich denke, ich bin kreativ. Ich würde es hinkriegen, zu switchen, also zu toppen.
Ich würde es hinkriegen, aktiv zu sein. Ich habe sehr viele Ideen.
Also wenn ich toppen würde, wäre vielleicht der fieseste Dom, den es auf der Welt gibt.
Sebastian
Das sagen alle, aber die Kunst ist ja in der Dominanz, dass man es auch macht,
dass man sich traut, dann zu sagen, okay, ich mache das jetzt.
Temel
Ja eben, aber das Problem ist tatsächlich, selbst wenn ich es könnte oder selbst
wenn ich Anlagen dafür hätte, die ich vielleicht hätte, aber es gibt mir nichts
und ich möchte immer sehr intensiv
spielen und das heißt auf der anderen Seite auch, ich möchte nicht,
oder ich finde, wenn ich jemandem nur die Hälfte von mir gebe,
also wenn ich mit jemandem spiele und eigentlich mache ich etwas,
was mir selber nichts gibt oder nicht so viel gibt, dann ist es auch nicht schön für den anderen.
Also ich möchte dem, wenn ich mit jemandem was mache, wirklich 100% geben von mir.
Und das kann ich nicht, wenn ich aktiv bin, weil es mir dafür nicht genug gibt.
Sebastian
Du gewinnst jetzt. Ich versuche dich ja davon abzuhalten, total einzusteigen
in was mache ich, wie spiele ich, wie intensiv ist das und was brauche ich.
Ich versuche das ja rauszuzögern so ein bisschen.
Es gelingt mir nicht so richtig.
Temel
Ja, sag ruhig, dass ich der Überlegende bin bei der Gesprächsführung.
Sebastian
Okay, pass auf, wir überspringen jetzt die ganze Zeit zwischen,
ja mal einen Stammtischbesuch, die erste Party, all das ganze Theater, lassen wir weg.
Demütigung, das steht hier wirklich so als dickes, fettes Thema.
Das mögen ja nicht so viele Leute, weil das ist ja manchmal schwer,
denn wenn es zu krass ist, dann ist der Tag gelaufen.
Temel
Ja, das stimmt.
Sebastian
Aber du brauchst das.
Temel
Ja, also ich habe eigentlich auch nur den Eingink.
Sebastian
Okay, was ist denn überhaupt für dich demütigend? Du hast nämlich schon erwähnt,
also ein Knebel, das ist schon voll demütigend, wo ich dann denke,
ich würde das jetzt nicht per se als demütigend definieren, also sag mal ein paar Sachen.
Temel
Also Demütigung ist natürlich wirklich ein weites Feld, ich kann also nur beschreiben,
wie es für mich ist, das heißt für alle anderen kann das was komplett anderes sein.
Sebastian
Ja, das wissen wir ja. Ich hab dich ja gefragt.
Temel
Nicht ausweichen. Ja, man muss schon Disclaimer.
Sebastian
Wir fahren jetzt mit dem Auto gegen die Wand und nicht dran vorbei. Wir weichen nicht aus.
Temel
Okay, dann fahren wir jetzt gegen die Wand.
Also für mich bedeutet es, dass das, was ich bin als Persönlichkeit,
also mich machen ja wie jeden Menschen Dinge aus, also ich bin sehr redselig,
ich bilde mir sehr viel ein auf meine Kommunikation, ich bilde mir auch viel ein auf mein Intellekt,
der mal mehr, mal weniger zum Vorschein kommt, aber ich bilde mir sehr viel
auf irgendwo verbale Fähigkeiten, auf Intelligenz, auf sowas ein.
Und es ist so, wenn ich erregt bin, also wenn ich in bestimmten Zuständen bin,
dann hört das alles auf. So wie jetzt. Ja, es fängt an.
Dann hört das alles auf. Und das liegt nicht an mir. Nicht, ja,
also schon an den Gesprächsthemen auch.
Ja, aber dann verändert sich das. Dann verändere ich mich.
Und ich sehe mich irgendwo schon als ein rationales Wesen, ein denkendes Wesen.
Und wenn man mir dann vorhält oder mich damit aufzieht, dass ich dann doch triebhaft
bin oder so schöne Vokabeln wie Notgeil,
also wenn man mir irgendwo vorhält, dass ausgerechnet das, was mir eigentlich
wichtig ist und wie ich mich als Persönlichkeit sehe oder identifiziere,
wenn man mir das wegnimmt oder vorenthält oder mich vorführt,
dass das dann doch nicht so ist,
das empfinde ich als demütigend.
Und da kommt auch der Knebel etwa ins Spiel.
Also da ich mir viel darauf einbilde, dass ich irgendwo redegewandt bin und
mich gut ausdrücken kann, wenn man genau das verhindert, dass ich deutlich sprechen kann.
Also man kann ja mit den meisten Knebeln auch noch sprechen,
nur nicht mehr sehr deutlich.
Man wird nicht mehr verstanden. Man ist ja nicht Stummienfisch.
Du kannst ja immer noch reden, halt nur nicht mehr gut verständlich.
Und es hört sich demütigend an, es hört sich lächerlich an.
Sebastian
Und du sabberst auch noch.
Temel
Und du sabberst auch noch, genau.
Sebastian
Wobei das ist weniger das Problem für dich, ne?
Also ist das nicht mehr dort deutlich und korrekt reden können oder das Sabbern?
Also ich kann versprechen, es gibt Menschen, denen ist das mit dem Kniebel völlig
egal, aber das Sabbern ist ein Problem.
Temel
Ja, beides. Also auch das Sabbern hat überhaupt dieses der Lächerlichkeit preisgegeben
sein in irgendeiner Form.
Das muss noch nicht mal Sabbern sein, das kann alles mögliche sein.
Oder auch schon, dass wenn jemand angezogen ist und du selber nackt bist,
weil es dann quasi ein Unterschied ist, eine Asymmetrie, also eine andere Behandlung.
Sebastian
Der Unterschied zwischen oben und unten. Je extremer der ist, desto besser.
Temel
Genau, genau. Also einfach so dieses Vorgehalten, diese Asymmetrie,
dieses Vorgehalten bekommen, hier wirst du anders behandelt als ich.
Also Demütigung ist wirklich unendlich, aber es hat meistens irgendwo damit
zu tun tatsächlich, dass ich als Person oder als das, was mich ausmachte,
unterworfen, bezwungen, vorgeführt so etwas werde.
Sebastian
Und das Ergebnis ist, dass du gefügig wirst. Und nebenbei auch geil wahrscheinlich.
Temel
Das ist jetzt, es ist ja umgekehrt.
Nebenbei geil klingt so. Ach ja, übrigens, als Nebenprodukt wirst du davon auch noch geil.
Sebastian
Ich stelle mir vor, dass du gerade unglaublich rabiat, renitent sein kannst.
Und da muss erst das Hirn ausgeschaltet werden, damit du dann die Ressourcen hast, folgsam zu sein.
Temel
Ich verändere schon mein Verhalten unter Demütigung.
Also ich verändere mich einfach, wenn ich unterworfen werde.
Also ich bin schon irgendwo mal rabiat. Ich bin nicht derjenige,
der sich so komplett in sein Schicksal ergibt,
wenn jemand nur mit dem Finger schnippt, aber ich bin auch jemand,
der durchaus, wenn er dann mal gedemütigt, unterworfen, was auch immer wurde,
der dann sein Verhalten verändert und dann tatsächlich devot ist.
Also ich bin nicht Dauer-Devote, sag ich mal so, aber ich hab schon Zustände,
wo ich dann sehr Devote bin.
Sebastian
Wollen wir ihn mal nennen, wir können ihn ja erwähnen, Oderind heißt er,
der dich momentan an der kurzen Leine hält.
Temel
Ja, genau, schon seit einer Weile.
Sebastian
Da wird die Stimme auch gleich anders. Nein, er hat sein Okay gegeben,
dass wir nicht um ihn herumschiffen müssen, das finde ich sehr gut.
Temel
Ja, das wäre auch echt schwierig.
Sebastian
Ja, aber man merkt jetzt schon, der Name kommt, die Stimme wird sanfter,
das Grinsen wird immer breiter.
Temel
Ja, der ist schon so eine spezielle Person.
Sebastian
Und du ziehst auch die Beine mehr an tatsächlich, so ein Schutzreflex offensichtlich.
Temel
Ja, Schutzreflex, das hat andere Gründe. Aber rede mal über Schutzreflex, ja.
Ja, ich höre immer noch zu.
Sebastian
Du hörst zu.
Temel
Ja. Oder.
Sebastian
Also eine Pause ist auch mal gut. Ja, oder. Soll ich was über ihn erzählen?
Temel
Ja, gerne.
Sebastian
Nein.
Temel
Vielleicht fällt mir auch was zu ihm ein.
Sebastian
Nein, ich nehme jetzt einfach mal ganz untypisch hier so eine Hörerfrage mit rein.
Da wurde gefragt, Go's und No-Go's, beziehungsweise was ist besser,
das Ausgeliefertsein oder sich das Schämen? Von Kat übrigens.
Temel
Oh, das sind ja gleich mehrere Fragen auf einmal.
Sebastian
Das schaffst du.
Temel
Ja.
Sebastian
Also Go und No-Go's.
Temel
Ja, das ist schwierig bei mir tatsächlich. Also bei mir ist alles ein bisschen
anders, als man das so kennt.
Ich versuche es ganz kurz zu machen. Ich bin jemand,
der eigentlich nicht so sehr über die Praktiken funktioniert oder einteilt,
was geht und was nicht geht, sondern ich bin jemand, der das sehr stark einerseits
über die Person macht, also kurz gesagt, die richtige Person darf alles,
die falsche Person darf gar nichts.
Sebastian
Aber auch bei der richtigen Person gibt es ja doch auch eine Grenze und ein
No-No und man tastet sich ja an die Grenze ran und muss auch mal drüber.
Beispiele? Anekdoten?
Temel
Also erstmal bin ich der weicheierigste Sub von allen, finde ich.
Also ich bin masochistisch, ich kann Schmerzen was abgewinnen,
aber ich fange irgendwo bei der kleinsten Berührung die falsche sofort anzuschreien.
Damit muss man einfach leben, wenn man mich dominiert.
Ich gehe sehr gern an die Grenzen und ich gehe auch gern an die Grenzen hinaus.
Also tatsächlich spielen Oderint und ich naja,
es hört sich ein bisschen schockierend an, aber wir machen dieses TPE 24-7 und
auch dass er im Prinzip bestimmt, was gemacht wird und,
ich unterwerfe mich dem, also er kennt mich sehr, sehr gut, wirklich sehr,
sehr, sehr, sehr gut mit drei Ausrufezeichen.
Das hilft natürlich, aber wir spielen auf einer sehr, sehr intensiven Ebene,
auf einer wirklich intensiven Ebene.
Und dazu gehört es auch, dass man an die Grenzen geht oder auch über die Grenzen hinaus.
Da aber teilweise auch was Neues entdeckt. Also für mich war es zum Beispiel
ein längeres Hardlimit irgendwas mit Strom.
Weniger, weil gefährlich, sondern weil Strom halt wirklich unangenehm ist.
Also wenn man nur einen gewischt kriegt am Aufzug oder sowas,
Strom ist unangenehm. Das tut dann auch nicht mal richtig weh.
Er ist einfach unangenehm. Er ist furchtbar.
Sebastian
Ich habe jetzt ein paar Schuhe weggeschmissen. Immer wenn ich aus dem Auto ausgestiegen
bin, habe ich einen gefeuert gekriegt. Ja, genau. Beschlossen, die kommen weg.
Temel
Also jeder, der es mal ausprobiert hat, es ist ein unangenehmer Schmerz.
Es ist nicht schön, das will man nicht.
Und ja, wir haben mit Strom was ausprobiert. Also ja, man kennt ja vielleicht
diese Wartenbergräder.
Also so Räder mit so einer sich drehenden, piksigen Spitze, die man dann so über die Haut fährt.
Und die kann man auch unter Strom setzen. So was hat Oderin dann geschleppt
und an mir ausprobiert und es ist furchtbar.
Es ist extrem schmerzhaft. Es ist an sich...
Es ist vor allem unangenehm, also es tut noch nicht mal so weh,
es ist einfach schwer zu beschreiben, es ist wirklich eine Mischung aus Pieksen
und Brennen und auf einem ganz, ganz, ganz kleinen Punkt, es ist furchtbar,
es ist einfach widerlich und eklig und es ist ganz, ganz furchtbar und wenn
er sowas an mir anwendet,
dann schreie ich auch aus Leibeskräften und winde mich und rufe,
hör auf, hör auf und sowas und ja, aber das Besondere ist eben,
er hört dann auf, wenn er aufhören möchte und das finde ich auch tatsächlich gut so.
Also es wird schon an meine Grenzen gegangen, auch an meine Grenzen,
die ich ertragen kann und darüber hinaus.
Und ich persönlich habe halt auch die Auffassung, dass das okay ist.
Also im BDSM spricht man häufig sehr über dieses nur bis an die Grenzen gehen
und nicht darüber hinaus. Und ist sehr fokussiert, dass gar nicht erst irgendwo
was Schlimmes passiert.
Also quasi, dass man gar nicht erst so weit kommt. Und das ist auch richtig.
Aber ich denke, wichtiger als die Frage, wo sind die Grenzen,
ist, was passiert, wenn doch eine überschritten wurde. Denn das kann immer mal passieren.
Das kann immer mal sein. Wichtiger ist, drüber nachzudenken,
was ist, wenn es doch mal passiert.
Sebastian
Ja, aber ich kenne das auch, man muss ja Grenzen auch so vorsichtig überschreiten,
um überhaupt zu wissen, ob die Grenze tatsächlich da gewesen ist.
Das zweite ist dieses Gefühl, wir sind über Grenzen gegangen und das war gut.
Temel
Ja.
Sebastian
Oder es war scheiße, aber im Rückblick wird es gut gewesen sein.
Temel
Ja, genau.
Sebastian
Ja, da kann man schon so ein bisschen süchtig nach werden.
Temel
Also es ist wie immer ein schmaler Grat und man muss auch gucken,
dass der mit dem man was macht, das nicht irgendwo bösartig fahrlässig ausnutzt
und auch selber weiß, was er tut und es hilft sich gut zu kennen.
Also dass der andere einfach schon so weiß, okay, das klappt jetzt ungefähr
oder wenn es ein bisschen über die Grenze hinaus ist, ist auch okay.
Aber wie gesagt, ganz wichtig ist auch das Verhalten danach,
also nicht nur Aftercare, also nicht nur nach der Session.
Sebastian
Das muss sein, ja.
Temel
Ja, das muss schon sein.
Sebastian
Wie geht Aftercare, wenn es einen oben und unten gibt und das möglichst oft
recht erhalten werden soll?
Temel
Oh, das geht sehr gut. Das geht extrem gut.
Ich glaube, das ist auch gerade wichtig. Also ich finde, das geht sowohl auf
einer körperlichen Ebene als auf einer emotionalen Ebene.
Also das in den Arm nehmen als körperliche Ebene ist natürlich was.
Aber auch so dieses, dass derjenige, der dich unterwirft, dir nach der Session
oder nach einer Grenzüberschreitung emotional seine Verbundenheit versichert.
Oderin zum Beispiel hat natürlich schon Spaß daran, mich zu quälen.
Und das möchte ich auch, dass er Spaß daran hat.
Also dass er nicht die ganze Zeit denkt, oh, eigentlich möchte ich das Thema
gar nicht antun, sondern er hat Spaß daran. Das ist wichtig.
Sebastian
Ich bin gerade bei dir nicht sicher, ob du das Gequältwerden genießt oder die
Tatsache, dass er das will.
Temel
Beides. Ja, es ist mir sehr wichtig, dass derjenige, der mich quält,
auch Spaß daran hat. Ja, das ist extrem wichtig.
Sebastian
Damit wir noch auf andere Themen kommen. Ich wiederhole das nochmal.
Das Ausgeliefertsein oder das Schämen? Was gibt dir mehr?
Und Schämen, bei was schämst du dich? Also jetzt nicht, dass ich dir nicht zutrauen
würde, dass du dich wegen irgendwas schämst.
Temel
Bei allem?
Sebastian
Wie bei allem?
Temel
Bei allem.
Sebastian
Jetzt gerade?
Temel
Der Witz an der Sache ist, man denkt glaube ich immer bei Leuten,
die auf Demütigung stehen, dass sie sich für nichts mehr schämen oder dass sie
sich nicht schämen oder anders schämen. Also dass sie keine Tabus haben oder sowas.
Sebastian
Das versuche ich dir gerade zu unterstellen.
Temel
Ja, das Gegenteil ist der Fall. Ich schäme mich für alles. Ich bin derjenige,
der, ich werde rot, wenn man ein falsches Wort sagt. Ich verstehe dich gerade.
Also ich schäme mich für alles. Es ist nicht so, dass wenn man auf Demütigung
steht, dass man sich dann nicht mehr schämt. Das Gegenteil ist der Fall.
Man zieht einfach nur Befriedigung oder Erregung erstmal aus dem sich schämen.
Aber ich schäme mich eigentlich für alles.
Also ich schäme mich für Situationen mit anderen, also vorgeführt werden vor
anderen. Ich schäme mich für nackt sein, ich schäme mich für Worte, die ich sagen muss.
Also wirklich, selbst wenn ich nur aussprechen muss irgendwas,
was ich tue, wenn ich es selber formulieren muss, da schäme ich mich teilweise schon.
Sebastian
Aber du machst es trotzdem, du gehst nicht in eine Verweigerungshaltung und
sagst, ne, das mache ich nicht.
Temel
Also selten.
Sebastian
Oder du musst dann erst mit dem Stromnadelrad bearbeitet werden,
bis der Widerstand einbricht.
Temel
Also selten, also selten. Es gibt schon Situationen, wo ich auch mal schon einen
Widerwillen habe, auch einen starken Widerwillen, die gibt es.
Wenn es mir auch irgendwo wirklich peinlich ist, die gibt es schon, ja.
Sebastian
Ich höre.
Temel
Och ne, muss das sein?
Sebastian
Das muss nicht sein, aber Ruderind hört ja die Folge auch irgendwann.
Er wird ja enttäuscht haben, wenn das beste Erlebnis quasi oder seinen Meilenstein,
den er verbracht hat, wenn du darüber nicht reden willst.
Sieh es mal von der Seite.
Temel
Also ein Punkt ist immer bei mir, es ist jetzt so schwierig,
wenn man mich nicht persönlich kennt und nicht persönlich erlebt.
Also ich bin klein und rothaarig und wie soll ich sagen, ich sehe schon weiblich aus.
Ich bin jetzt nicht so elegant, sagen wir es mal so. Und irgendwo verbinden
ja doch viele so mit Frauen irgendwo so eine gewisse Art der Bewegung,
eine gewisse Art der Eleganz und jeder, der mich ein bisschen kennt,
weiß, dass es bei mir nicht der Fall ist.
Ich bin nicht elegant. Ich bin eher so wie Bambi.
Du weißt schon, Bambi, der auf einer Eisfläche das erste Mal steht und immer
ausrutscht, so bin ich eher. Oderin führt mich auch gerne vor mit,
dass ich irgendwo, dass ich unsicher bin bei bestimmten Bewegungen.
Also tatsächlich, ich hoffe, es kriegt jetzt keiner einen Lachanfall,
inklusive dir, aber er lässt mich auch schon mal tanzen.
Was bei normalen Menschen dann irgendwo cool und rhythmisch und in sich ruhend
aussieht und bei mir sieht das aus wie Bambi.
Sebastian
Ja, willkommen im Club, ich bin auch Rhythmuslegastheniker.
Temel
Ja, eben. Und ich total auch. Und das sind auch wirklich Situationen,
wo ich gerade zu Anfang ein wahnsinniges Problem hatte. So von wegen, ich will nicht tanzen.
Ich sehe so peinlich dabei aus. Es ist so demütigend.
Das ist wirklich etwas.
Ich bin schon am Boden gekrabbelt und habe aus Nepfen gegessen und das fiel
mir nicht so schwer, wie zu tanzen.
Wirklich. Also so, deswegen Demütigung können auch manchmal echt so banale Sachen
sein. Jeder normale Mensch denkt sich vielleicht, naja, dann tanze ich halt
und es sieht furchtbar aus, hey what.
Aber ich finde das wirklich demütigend, so mit seiner eigenen Unkoordiniertheit
konfrontiert zu werden.
Also das fiel mir echt schwer und da habe ich mich das ein oder andere Mal auch
ein bisschen gesträubt, aber letztendlich mich selber überwunden.
Sebastian
Sieht es denn jetzt besser aus in deinen Augen? Hat es sich gelohnt?
Temel
Natürlich, also John Travolta wünscht er, wäre so wie er. Naja,
also das Ding ist, bei sowas habe ich glaube ich auch höhere Ansprüche an mich
als Oderint zum Beispiel.
Also ihm geht es dann auch gar nicht darum, dass es elegant aussieht.
Ihm geht es um genau das, was ich gesagt habe. Ihm geht es darum,
dass ich mich überwinde.
Ihm geht es darum, zu sehen, wie ich kämpfe.
Sebastian
Das macht ihm Spaß, dass er sagt und du tust und basta.
Temel
Ja, ihm macht es Spaß, mich kämpfen zu sehen. Also nicht nur,
dass er mit mir kämpft, sondern dass ich mit mir selber kämpfe.
Das ist ein sehr großer Faktor bei uns und auch ein sehr großer Faktor mit der Demütigung.
Sebastian
Also ich überlege gerade, aber ja, Subi dabei zuzusehen, wie in ihrem Kopf diese
Kämpfe ausgetragen werden und das Ergebnis wird sein, dass sie tut, was ich sage.
Aber das kann auch dauern, braucht man manchmal Geduld und man kriegt da schlechte
Laune ab und alles mögliche, aber im Endeffekt passiert es.
Temel
Ja, das Ding ist, da sind auch echte Gefühle im Spiel, also echte Frustration.
Das ist das echte, erlebte Hilflosigkeit, auch Verzweiflung teilweise.
Das ist echtes Winden in sich selber, echtes Kämpfen mit sich selber.
Also das ist sehr intensiv, das kann nicht jeder und möchte nicht jeder,
aber ich ziehe wirklich einen sehr großen Teil meines BDSM aus.
Sebastian
Also wer gewinnt? Du, er oder beide?
Temel
Ja.
Sebastian
Ja, wieso? Du gewinnst doch auch. An Selbstsicherheit und du kannst stolz auf
das sein und er ist stolz auf dich.
Damit gewinnst du ja seine Gunst.
Temel
Ja, also.
Sebastian
Vielleicht kannst du dann irgendwann auch mal wieder kommen.
Temel
Ja, danke, dass du mich dran hast.
Sebastian
Ja, ich hab mir zum Ziel gesetzt, dieses Thema alle paar Minuten mal irgendwie
zumindest anzuschneiden, aber dass wir bitte nicht drüber reden.
Temel
Ja, ja, das kenn ich.
Sebastian
Es kommt da hinten vor, dass ich jemandem wirklich so einen Wunsch erfülle.
Temel
Ach, das ist echt nett von dir, ja.
Ich fühle mich tiefgehrt. Ja, also gewinnen ist natürlich, kann man so und so
interpretieren, also ich, ja, ich habe ja schon durchblicken lassen,
ich werde sehr gerne gequält und ich werde sehr gerne so behandelt,
wie ich von Udo Rind behandelt werde.
Also von daher natürlich gewinnen wir beide.
Aber ich sag mal so quasi, so
dieses, schafft er es mir seinen Willen aufzuzwingen, da gewinnt schon er.
Also es gibt da durchaus auch so die Top-Sub-Beziehungen, wo es so ein bisschen
brattiger ist, also wo wirklich der Sub oder die Sub sehr,
ja sehr provokant ist und letztendlich doch irgendwo so ihren Willen durchkriegt,
aber eigentlich empfindet der Top das halt auch nur als Spiel und dann ist das
schon okay, wenn da so Widerstand kommt. So ist das nicht bei uns, das ist wirklich klar.
Sebastian
Kommen wir mal, das geht so ein bisschen in die Richtung Nachhaltigkeit.
Also das hat ja einen Sinn, andere würden jetzt sagen Erziehung.
Ihr habt ja eine Entwicklung.
Temel
Ja, das hätte ich vielleicht auch mal voranschicken sollen. Ich habe TBE und 24-7 schon gesagt.
Und wir haben eine DS-Beziehung. Ja, wie soll ich sagen, auch da kann man ja
anders spielen. Manche spielen so in One-Shots. Also irgendwo jede Session ist so für sich selber.
Und Oderind und ich haben eben eine DS-Beziehung, wo es Regeln gibt.
Also wo ich einige Regeln habe, die ich einzuhalten habe und die mich irgendwo
in meinem Alltag, also auch wenn er nicht da ist, begleiten.
Sebastian
Ich muss mal kurz einschreien, ihr wohnt aber nicht zusammen.
Temel
Ja, genau.
Sebastian
Gut, weil das muss man jetzt immer sehen, der Hörer stellt sich jetzt vor,
um Gottes Willen. Die hocken am Tag 16 Stunden aufeinander.
Das ist der arme Mann, der hat ja ständig was zu tun.
Temel
Hey, hey, hey.
Entschuldige mal, du sitzt in meiner Gegenwart. Da ist man nicht arm,
da ist man bereichert oder gesegnet.
Sebastian
Ja, aber es ist nur mal anstrengend zu führen und zu leiten,
weil man muss aufpassen, da sind Provokationen, die muss man ahnden.
Wenn man das nicht tut, ist da jemand schwer enttäuscht.
Temel
Ich provoziere nicht. Ich bin richtig pflegeleicht. Ich kann richtig lieb sein.
Sebastian
Ihr könnt das jetzt nicht sehen, aber sie ist gerade sehr, sehr,
sehr rot. Nicht nur die Haare.
Temel
Das könnte auch häufiger passieren, ja.
Sebastian
Ja, also langfristig. Nachhaltig. Nachhaltig ist überhaupt so ein schönes grünes Wort.
Temel
Genau, also das Spannende finde ich so eine Entwicklung in der Spielbeziehung.
Also wo wirklich sich Dinge verändern und ja, wo wirklich so eine Art Erziehung stattfindet.
Also Erziehung klingt manchmal so negativ. Es hört sich immer so...
Sebastian
Konditionierung.
Temel
Ja, eher Konditionierung tatsächlich. Also es hört sich sonst immer so an,
als würde man irgendwo meinen Willen brechen oder irgendwo, als wäre ich irgendwann
nur noch ein unterwürfiges Stück, was in der Ecke sitzt und so ist es nicht.
Ich bin voll happy und ich sitze voll happy in der Ecke.
Nicht unterwürflich. Aber es ist tatsächlich so, dass sich Dinge ergeben und verändern.
Also ich will da nicht so sehr ins Detail gehen, aber ich habe zum Beispiel
auch, wenn ich mich mit Oderin treffe, also bestimmte Worte,
die ich, oder ein Wort, das ich nicht benutzen darf und bestimmte...
Sebastian
Nein.
Temel
...ääh...
Genau.
Sebastian
Ich habe recherchiert.
Temel
Ja, genau. Du hast richtig recherchiert.
Sebastian
Wenn ihr die Comics anguckt, dann findet ihr darunter immer so einen kleinen
Text, meistens auf Englisch. Da kann man eine Menge rauslesen.
Temel
Ja, absolut richtig. Das ist wahrscheinlich auch ein extremes Thema,
aber ja, genau, das ist das Wort, was ich nicht benutzen darf.
Sebastian
Du hast es jetzt auch gerade nicht benutzt.
Temel
Ich darf es ja… Welches.
Sebastian
Wort noch gleich?
Temel
Ja, theoretisch.
Sebastian
Wir spielen ja hier nicht miteinander. Wenn die Regeln jetzt gelten, dann gelten.
Temel
Theoretisch ist er ja nicht im Raum.
Sebastian
Theoretisch sitzt er neben uns und hört zu.
Temel
Naja.
Sebastian
Also du kannst jetzt entscheiden, ob du es jetzt sagen möchtest oder nicht und
dann gucken möchtest, ob es Konsequenzen hat und ob du mit denen leben kannst.
Temel
Ich fürchte, ich habe es eben schon benutzt, also von daher.
Sebastian
Ich markiere die Stellen im Transkript.
Temel
Also das Wort, was ich nicht benutzen darf, ist das Gegenteil von ja.
Und das ist mir verboten auszusprechen in der Gegenwart von Moderin.
Sebastian
Funktioniert es?
Temel
Ja, also es ist wahnsinnig schwer, aber man kann da tatsächlich eine Entwicklung sehen.
Also die Regel war von Anfang an da, die war so ein bisschen fast der Grundstein
unserer DS-Beziehung oder einer der Grundsteine, neben der Orgasmuskontrolle tatsächlich.
Aber am Anfang habe ich das wirklich inflationär sehr, sehr häufig benutzt,
weil es einfach ein Wort ist, was man ständig benutzt.
Also noch nicht mal nur zur Ablehnung, sondern einfach zur Klarstellung,
das Wort benutzt du ständig.
Wirklich ständig, so wie ich oder so wie ja.
Und das war eine große Umstellung. Also ich habe das dann auch immer gezählt
oder zählen müssen, wie oft ich es benutze und muss immer noch Strafarbeiten
dafür schreiben, wenn ich es benutze.
Aber es ist weniger geworden. Also man fängt dann wirklich an,
sein Denken umzustellen.
Und das finde ich sehr, sehr spannend eigentlich bei allem, was wir da spielen.
Also dass wir tatsächlich so Dinge haben, die sich verändern,
die sich dynamisch verändern.
So wie bei Videospielen, so Level Up und jetzt Next Level Domination.
Sebastian
Sind das nächste Level nach, nein?
Temel
Nicht das nächste Level nach dem Wort, aber dass sich dein eigenes Verhalten umkehrt.
Also ich habe dann irgendwann angefangen, mir halt Strategien zurechtzulegen,
was ich, also du musst ja dann eine Alternative sagen, du darfst ja immer noch
ablehnen, aber ich mache das dann zum Beispiel so, dass ich dann zum Beispiel
statt diesem Wort sage, habe ich nicht oder sehe ich nicht.
Also irgendwelche Formulierungen drumherum. Und das ist spannend,
dass sich tatsächlich das Denken dann umstellt. Also du fängst dann irgendwann an, anders zu denken.
Oder andersrum, du fängst auch tatsächlich an, dass dir irgendwas komisch vorkommt,
wenn du das Wort dann doch aussprichst.
Also ich bin ja dann auch alleine oder im Umgang mit anderen,
wo oder nicht dabei ist ganz oft.
Und da darf ich das Wort ja aussprechen oder muss das Wort auch aussprechen.
Und da ist tatsächlich so, wenn ich es dann ausspreche, so ein komisches Gefühl,
wie so ein Notfallschalter, der
so blinkt, so hey, machst du hier gerade nicht was, was nicht okay ist?
Das ist super spannend und das bezieht sich auf viele Regeln und auf viele Ebenen.
Und deswegen, von wegen Erziehung, also Erziehung, Konditionierung,
wie man es auch nennt, das ist super interessant, dass da so eine Bewegung ist.
Also dass es nicht nur ist, ich habe eine Regel, ich mache sie falsch,
ich werde bestraft und so weiter, sondern dass langfristig eher tatsächlich
mein Verhalten verändert.
Sebastian
Also ihr feiert Erfolge zusammen. Das dauert, ne? Ich sage immer,
so ein halbes Jahr dauert es und dann fängt an, sich was festzusetzen.
Temel
Also es könnte wahrscheinlich besser sein. Ich habe, sagen wir mal,
ich habe eine schlechtere Quote in der Einhaltung der Regeln,
wenn ich in bestimmten Zuständen bin.
Sebastian
Ja, du sprichst es wieder an. Nein, wir kommen da noch nicht zu.
Temel
Ich wollte es auch gar nicht provozieren.
Sebastian
Du hast mir gestern noch gestanden, irgendwie, Cockholding, findest du noch irgendwie spannend.
Temel
Ja.
Sebastian
Ich sag ganz kurz, was es sein soll. Also von der Grundsubstanz her ist das,
dass dann der Ehemann seine Frau,
nein, dass der Ehemann seine Frau nicht mehr vögelt, stattdessen tun das andere
und in amerikanischen Pornos möglichst schwarze, langspänzige Typen und er darf
halt nicht und nie wieder.
So, das ist so die Porno-Version davon.
Temel
Ja, und es gibt auch die andere Version, also das gleiche nur mit einer Frau,
die dann zuschauen muss. Das heißt dann eigentlich Kack Queen, glaube ich.
Sebastian
Ich habe es gestern gegoogelt und zwar mit EA hinten geschrieben, nicht mit EE.
Temel
Also nicht wie Königin auf Englisch.
Sebastian
Ich schreibe es in die Shownotes rein, dann kann man es googeln,
aber viel gibt es dazu tatsächlich nicht.
Temel
Ja, das ist wie mit der Keuschhaltung, aber da kommen wir angeblich noch zu.
Sebastian
Das heißt, die grundsätzliche Idee ist also er vögelt eine andere und du bist behilflich.
Temel
Ja, oder unterschiedlich, aber auf jeden Fall irgendwo zuschauend oder konfrontiert
damit, dass man selber nichts kriegt, während der andere sich vergnügt.
Ich habe es ja eben gesagt, eigentlich habe ich nur einen Kink und das stimmt auch.
Auch bei Kackholding oder Kackqueening ist die Demütigung die Hauptkomponente.
Das bleibt da auch. Also ich bin wirklich bei vielen Dingen,
auch bei sowas nicht praktikbezogen im Prinzip.
Also es muss jetzt nicht das sein, aber alles, was irgendwo eine Ebene der Demütigung
hat, damit kann ich viel anfangen.
Also es gilt auf ganz, ganz, ganz, ganz viel. Ich beschränke es wirklich nicht
auf Praktiken, sondern auf das dahinter.
Sebastian
Also ich hätte jetzt gedacht, Dass das so ein Ding ist, wo es wirklich über
eine Grenze geht, dass das vielleicht ein No-Go ist, dass du da an der Stelle einnehmend bist.
Aber offensichtlich die Komponente der Demütigung hilft dir da an der Stelle
auch zu verzeihen. Stell dir das mal vor.
Und du hilfst auch noch mit bei der ganzen Aktion, weil du die Frau vielleicht
noch angeschleppt hast.
Temel
Genau deswegen ist es ja diese spannende Komponente der Demütigung,
also dass es noch nicht mal der dominante Part macht, um sich zu befriedigen,
sondern eigentlich nur, um dem anderen vorzuführen, dass er das mit dir machen kann.
Das ist ein ganz großer Faktor. Also auch viele Dinge, wie wir spielen,
sind eigentlich weniger, wo es um die Sache an sich geht, sondern nur,
dass er mir vorführt, dass ich das mit mir machen lasse.
Sebastian
Wir müssen vielleicht noch klarstellen, gemacht hat er das nicht?
Temel
Noch nicht, noch nicht.
Sebastian
Noch nicht, okay. Es ist also ein Wunsch.
Temel
Hey, hey, hey. Hey, hey, hey.
Sebastian
Also mit hoher Priorität an Weihnachten oder so. Ich weiß es ja nicht.
Temel
Wie er das macht. Hey, hey, hey, hey. es ist eine Fantasie, Wunsch würde ich
jetzt schwierig ich glaube es wäre also ich glaube es wäre schon spannend irgendwo
was in die Richtung auszuprobieren aber,
Herausforderungen trifft es eher also das hängt von vielen Dingen ab und auch
bezogen auf andere Dinge habe ich diverse Fantasien,
wo ich dann aber in der praktischen Umsetzung immer denke, naja also in der
Fantasie klingt das alles nett, aber wenn man dann nur zwei Schritte weiter
denkt zur Umsetzung und was es dann noch für Haken gäbe, naja.
Und dann steht es und fällt es auch wieder sehr mit den Personen.
Also das ist etwas, was ich spannend finde.
Sebastian
Seid ihr schon mal gegen diese Realitätsmauer gerannt, wo ihr gesagt habt,
man erzählt sich ja, man spitzt sich ja gegenseitig an und ja,
das können wir machen und das.
Und dann hat sich rausgestellt, das können wir doch nicht machen,
weil es hat Nebenwirkungen.
Temel
Oft ja. Also ich bin, also gegen die Realitätsmauer gerannt, klingt sehr brutal.
Es kann ja auch einfach sehr belebend sein, sich über Fantasien auszutauschen,
selbst wenn die so nicht zustande kommen, aber sich die gegenseitig,
oder eher sie mir ins Ohr zu flüstern, das hat ja auch was.
Selbst wenn man das dann nicht erlebt, aber einfach gemeinsam Kopfkino zu teilen,
das ist ja auch schon schön. Und das machen wir auch oft.
Aber es gibt einige Dinge, gerade weil ich sehr auf Vorführung stehe,
also sehr auch auf öffentliche Demütigung, Public Disgrace, auf Partys zum Beispiel.
Wo natürlich auch so die Frage ist, wäre es nicht toll, andere in irgendeiner
Art und Weise mit einzubeziehen in das Spiel und dann ist eben die Frage,
in welcher Art und dann gibt es ja auch irgendwo Partykonzepte mit Auktionen,
mit sonst was und da spinnt und philosophiert man natürlich eine ganze Menge.
Aber ja, was ich gerade sagte, manches kann sich noch in der Fantasie so toll
und ausgeschmückt anhören und auswalzen lassen, aber sobald man dann denkt,
naja, aber wenn man das dann wirklich macht, gibt es das Problem, das Problem,
dann kommt man vielleicht doch für die reale Ausübung wieder davon ab.
Sebastian
Ich frage natürlich wieder nach konkreten Beispielen. Ich mag dich da jetzt
nicht einfach loslassen.
Temel
Öffentliche Benutzung zum Beispiel, also Auktionen.
Sebastian
Im Sinne von Fußgängerzone oder?
Temel
Ach, also es gibt ja so Sklavenauktionen zum Beispiel,
wo man dann so gegen Spielgeld, wo Sklavinnen vorgeführt werden,
wie Objekte, wie Sklaven und man die dann mit Spielgeld oder irgendwas kaufen
kann, in Anführungszeichen. und, äh.
Sebastian
Ja, wo dann alle zusammenlegen für die eine und dann die Veranstalterin kauft
dann alle die Jungs, die für die keiner was ausgeben will, die kauft sie dann alle zusammen.
Temel
Das ist dann der Trostpreis, ja. Genau.
Sebastian
Das ist die Frage, ob das dann die Demütigung ist, wenn keiner für dich,
aber du wüsstest sofort, das ist ein abgekartetes Spiel.
Temel
Ich würde mal schätzen, ein paar Spielgeld-Euros wäre ich schon den Leuten wert, aber,
ähm, aber es, also ich finde daran die Objektifizierung spannend tatsächlich,
also dieses Entmenschlichtwerden, das hat auch wieder mit der Demütigung zu
tun, es hat alles mit Demütigung zu tun,
aber das finde ich spannend daran und eigentlich sobald es dann geht,
okay, man gerät dann aber an einen anderen Dominanten, den man nicht kennt und
der dann irgendwas mit einem macht, dann ist halt schon so wieder,
naja, es ist echt ein Vorteil, wenn man mich gut kennt, wenn man was mit mir macht,
wie soll das funktionieren, wenn das nicht der Fall ist.
Ich hab's ja schon gesagt, die Art, wie ich spiele, ist nicht,
setzt sehr stark darauf, dass derjenige, der was mit mir macht, mich kennt.
Das ist mein Sicherheitsfaktor. Wenn derjenige mich kennt, brauche ich eigentlich
keinen Sicherheitsfaktor.
Ich sichere mich selber ab durch diese Lektion im Vorhinein der Person.
Sebastian
Du hast dir gewünscht, dass wir über das Thema Safe Word nochmal reden?
Temel
Ich sehe einfach nur, wo andere das Safe Word als die Sicherheit schlechthin
sehen, sehe ich das problematisch.
Ich finde, es nimmt auch teilweise denjenigen, der der aktiv ist,
der aufpassen muss, so ein bisschen aus der Verantwortung, so von wegen,
okay, die Verantwortung liegt beim Submissiven, ganz böse gesagt,
und wenn der irgendwas hat, dann wird er sein Wort sagen und erst dann mache ich was.
Und ich verlasse mich nicht auf ein Wort, was ich sage, sondern ich verlasse
mich tatsächlich auf die Person, dass die Person mich kennt,
dass die mich einschätzen kann und dass ich da kein Wort brauche.
Und wohlgemerkt, ich bin auch jemand, der wirklich, wirklich,
wirklich, wirklich stark reagiert.
Also ich kommuniziere mit allem, was ich bin und mit allem, was ich habe.
Also es ist wirklich eigentlich einfach bei mir die Zeichen richtig zu lesen.
Sebastian
Das heißt eigentlich würdest du, wenn du ein Safe-Word hattest,
es nur einfach ständig gebrauchen.
Und damit das Spiel dann nicht aufhört, was ja dann wieder doof wäre,
willst du lieber keins haben.
Temel
Ja.
Sebastian
Also bei dir wäre so ein Safe-Absatz ganz gut, den du dann fehlerfrei am Stück
auf Chinesisch runterrattern.
Temel
Oder auf Finish.
Sebastian
Ja.
Temel
Ich brauche tatsächlich einfach keins. Also ganz ehrlich.
Sebastian
Ich glaube, du willst gar keins.
Temel
Ganz ehrlich, es zörnt mich auch sehr an, dass ich es tatsächlich nicht beenden kann.
Also das ist, wenn ich mal dran bin mit Oderind, wenn wir was machen,
dass es nichts gibt, was ich tun kann, dass es beendet wird.
Also ich kann schreien und sonst was rufen und mich winden.
Es gibt nichts, was mich aus der Situation rausholt. Das ist seine Entscheidung.
Er wählt den Zeitpunkt aus, nicht ich. Das finde ich unglaublich antörend.
Und ich würde mir ein bisschen selber den Spaß nehmen, wenn ich dann doch ein
Wort habe und ja, wenn ich das sage, ist alles vorbei. Das würde mir so ein
bisschen den Kick nehmen.
Es ist sehr eigennützig, dass ich keinen Safe-Water haben möchte.
Sebastian
Ich weiß ja, du willst ja auf mein Thema 4 hier unbedingt kommen.
Irgendwas mit verweigern.
Temel
Aber ich will gar nicht kommen, in keiner Hinsicht.
Sebastian
Du hast bestimmt ein Ding der Woche für mich. Her damit.
Temel
Tatsächlich.
Sebastian
Das wird ja kein Orgasmus-Tagebuch sein, was dann leer ist.
Temel
Ja, tatsächlich gibt es ein anderes Tagebuch, aber das ist nicht das,
was ich dir zeigen wollte.
Ich habe ein technisches Gerät, was ich jetzt mal präsentiere,
was auch glaube ich schon funktioniert.
Und was auch schon im Einsatz war.
Ja, genau, man muss dazu, ja, jetzt funktioniert es auch.
Sebastian
Es lag auf dem Tisch die ganze Zeit neben diesem einem Buch und ich habe mir
gedacht, hm, schon wieder ein Buch.
Temel
Genau, es hat sowohl, weil wir die beiden Themen ja schon hatten,
Das hat sowohl mit Demütigung zu tun, als auch mit Orgasmuskontrolle.
Sebastian
Das ist ja großartig.
Temel
Es handelt sich um ein leuchtendes Namensschild, also ein digitales Namensschild,
wo man so ein paar Speicherbänke programmieren kann.
Und ja, eigentlich soll man es als Namensschild benutzen, aber man kann da natürlich
auch ein paar andere Worte reinschreiben. Ich finde das total toll.
Sebastian
Ich mache jetzt erstmal ein Bild davon, weil...
Temel
Ja, mach das.
Sebastian
Also ich habe die auf der Maker Faire gesehen, die Dinger da laufen ganz viele
damit rum und ich wollte den Bausatz eh schon mal mitnehmen.
Temel
Genau, also zur Erklärung, was wir hier gerade sehen.
Sebastian
Ja, ein Bild werde ich dann mal wieder irgendwie verinstagramm.
Temel
Also es ist ein Namensschild, was ich auch mal anhatte auf einer BDSM-Veranstaltung
und vielleicht in Zukunft auch nochmal anhabe,
wo nicht nur mein Name steht oder mein Nickname, sondern auch die Anzahl der
Tage, die ich keusch bin und eben auch, dass es keuschheit ist.
Also natürlich, wenn man so ein Schild hat, dann lesen die Leute das zwangsläufig.
Man liest ja alles, was irgendwo zu lesen ist. Gerade wenn es leuchtet. Es leuchtet grün.
Und natürlich wird man dann auch drauf angesprochen oder damit wiedererkannt.
Sebastian
Mag natürlich für die, die jetzt nicht irgendwie nebenbei noch die Bilder und so weiter angucken,
erwähnen, es ist tatsächlich wie so ein Laufband, wie man es früher aus den
Geschäften kennt, so eine LED-Punktanzeige oder auf den Bussen oben teilweise
und dann blinkt es hier durch, 28-Tage-Themel in Keuschaltung.
Temel
Genau, ich könnte da auch draufschreiben, hier könnte Ihre Werbung stehen.
Sebastian
Ja, warum steht da nicht kunstderunvernunft.de?
Temel
Das ist ja kein Werbeschild, das ist ein Namensschild.
Sebastian
Hier könnte ihre Werbung stehen.
Temel
Ja, kann man programmieren.
Sebastian
Ja, wäre doch mal eine Challenge für die nächste Partie.
Temel
Kann man auch noch weitere, also hat mehrere Speicherbänke und ich kann da alles
mögliche hinschreiben.
Aber ja, was jetzt draufsteht, ist kurz und prägnant.
Sebastian
Das hat er aber nicht drauf gemacht, das hast du drauf gemacht.
Temel
Das habe ich drauf.
Sebastian
Erinnerung für dich selbst und das ist dir auch ein wichtiges Ding.
Temel
Das habe ich selber programmiert. Ja, ich hatte das auch schon an,
wo es dann ein anderer programmiert.
hat. Also das Programmieren ist sehr einfach. Du schreibst eigentlich wirklich
nur in so eine kleine Software rein, was du für Text haben möchtest.
Und ja, ich hatte gestern noch Urderind gefragt, was man da so reinschreiben
könnte für Präsentation heute.
Aber sowas wie das stand halt schon mal drin, als wir es mal,
als ich es mal getragen habe, wo Leute dabei waren. Also mein Name und die Anzahl der Tage.
Sebastian
Es ist auch wieder demütigend, weil jeder, der dich sieht, erstmal du fällst
auf der kompletten Party natürlich auf, weil du hast dieses Leuchten,
das Namensschild, leuchtest und du blinkst und es ist auch noch animiert.
Ich habe sogar aber jetzt gerade ein kleines Video davon gemacht.
Und jeder weiß, aha, die darf nicht.
Jeder weiß es. Jeder geht auf die Party, weil er geile Sachen machen will,
weil es geil ist, geil zu sein und du darfst nicht. Dann bist du ja einzigartig dann an dem Abend.
Es sei denn, außer den Jungs, die ja diese Keutscheidskäfige da tragen.
Wir könnten ja langsam auf das Thema mal kommen, aber eigentlich habe ich ja noch mehr Themen.
Temel
Das ist übrigens echt brutal, auf einer Party der Einzige zu sein,
der nicht kommt. Ich sag's ja nur. Aber gut.
Sebastian
Also es gibt bestimmt auch andere Leute, die nicht kommen, aber meistens,
es gibt ja Leute, die haben einen scheiß Abend auf der Party.
Die haben sich so viel vorgenommen, sind irgendwie mit dem Rudel Leute da oder
was weiß ich, es geht den Leuten nicht gut, aber du hast ja dann dieses,
du bist in der Stimmung und er auch, aber er macht's nicht, weil er das so entschieden hat.
Temel
Also ich bin auch durchaus kurz, kurz davor, soweit zu sein,
aber ich darf halt nicht bis zum Meistersten kommen.
Sebastian
Jetzt ist es soweit, wir reden über Verweigern. Jetzt darfst du von dem erzählen,
worüber du die ganze Zeit erzählen willst.
Temel
Boah, das hört sich so an, als wäre ich voll gierig. Bin ich natürlich nicht.
Sebastian
Und jetzt nochmal ehrlich.
Temel
Ja, bin ich.
Sebastian
Okay, wunderbar. Also ja, liebe Hörer, ihr habt es ja gemerkt,
ich habe das jetzt sehr künstlich rausgezögert. Es tut mir auch ein bisschen leid.
Temel
Es tut dir nicht leid, lügt nicht.
Sebastian
Aber ich habe mir gedacht, dann kriegen wir vielleicht ein bisschen mehr zu hören.
Temel
Das ist Verweigerungsverweigerung.
Sebastian
Also dein Zustand ist momentan so, egal wer mit irgendwas um die Ecke kommt,
was dich irgendwie triggert und das ist wohl fast alles.
Temel
Ja.
Sebastian
Das heißt eigentlich die ganze Welt bedommt dich irgendwie.
Temel
Ja genau, ich bin hypersensibel.
Sebastian
Die Bahn, die zu spät kommt und du kommst dann natürlich später zum Meister,
selbst die verweigert dich dann schon. Das heißt, die macht dich schon spitz.
Temel
Ja, so ungefähr.
Sebastian
Ja, okay.
Temel
Oder ich lese irgendein Plakat mit Bon Voyage und mein Gehirn strickt sofort
Bondage daraus und ja, so Sachen. So Sachen passieren jetzt am laufenden Band.
Sebastian
Fangen wir mal mit der Provokation an. Orgasmuskontrolle.
Jetzt sagt man ja, okay, das geht bei Männern ganz wunderbar,
weil da gibt es ja diese lustigen Käfige und dann macht man die da drum rum
und dann ist alles gut und dann gut verschlossen, Ende aus.
Bei Mädels funktioniert das ja nicht.
Temel
So sagt man, ja.
Sebastian
Ja, okay, was macht ihr denn da genau? Also nein, ich fange mal anders an.
Die Grundidee ist Orgasmuskontrolle.
Temel
Genau.
Sebastian
Das heißt, er kontrolliert, er bestimmt, er liegt fest.
Temel
Genau, ja. Ich möchte dann erstmal mit dem Vorurteil aufräumen,
dass es bei Mädels nicht geht.
Sebastian
Das machen wir ja später.
Wir werden ja jetzt erfahren, dass es nicht geht oder dass es geht, je nachdem.
Entschuldigung.
Temel
Das ist echt schwierig. Das ist Verweigerung, Verweigerung. Ich bleibe dabei.
Sebastian
Okay, einfache Fragen. Ich merke gerade, das ist schwer. Wessen Idee war das?
Temel
Das ist eine einfache Frage.
Sebastian
Deine oder seine?
Temel
Naja, es hat sich so ergeben. Ich würde schon sagen beide.
Ich würde nicht sagen seine oder meine. Wirklich nicht.
Es ist unser beider Kink und wir haben uns irgendwo auch so ein bisschen dazu
gefunden, das würde ich schon sagen.
Also manche denken vielleicht dann auch, wenn irgendwo die Frau keusch gehalten
wird, dass es der Mann ist, der seinen Kink daraus zieht, die Frau keusch zu
halten und die Frau das dann irgendwo so mitmacht und das ist schon unser Beiderkink.
Also wir haben uns ja ausgetauscht über das, was man so gut findet und von meiner
Seite war da relativ schnell dieses, ich finde es gut, wenn das Intimste,
was ich habe, kontrolliert wird. Also Orgasmuskontrolle.
Und wenn jemand da mitspielt. Und er fand das auch gut, so stellte sich heraus
und wir sind da relativ schnell mit eingestiegen.
Aber ich denke, es ist schon fair zu sagen, es ist nicht seines oder meines, sondern unser beides.
Sebastian
Das ist alles, was du dazu zu sagen hast.
Temel
Ich habe eine ganze Menge dazu zu sagen. Ich werde dir ja immer so gebrennt.
Sebastian
Ja, dann verabschieden wir uns jetzt hier.
Temel
Ich werde dir ja immer so kurz gehalten. Ein Gefühl, was mir völlig unbekannt ist.
Sebastian
Okay, es ist jetzt aber, es ist Orgasmuskontrolle und nicht Lustkontrolle.
Temel
Ja, das ist richtig, das ist auch schwierig.
Sebastian
Also du kannst, okay, was darfst du denn nicht?
Temel
Also ich selber darf nicht kommen ohne seine Erlaubnis und ich darf mich auch
selber nicht berühren ohne seine Erlaubnis.
Also wenn ich irgendwo allein bin oder sonst wie Lust habe, das darf ich nicht.
Er darf mich berühren und er darf auch entscheiden, was er dann macht oder wie weit er dann geht.
aber ich selber für mich bin berührungslos so no touch mäßig,
aber er darf schon und ja also auch in Perioden wo ich dann verweigert bin wie
soll ich sagen, da passiert schon was da unten, nur halt, dass ich dann mal
keusch gehalten würde also nicht zum äußersten kommen darf nicht zum Orgasmus.
Sebastian
Es gibt ja jetzt keine mechanischen oder chemischen Mittelchen,
die dich davon abhalten, sondern das ist eine Willensentscheidung,
Klappt das?
Temel
Ja, das klappt.
Sebastian
Musst du denn da zu Kreuze kriechen und sagen, ja, Entschuldigung, aber?
Temel
Oft. Also es ist irgendwo Teil des Spiels, dass ich sehr oft ankomme und auch
frage, darf ich nicht doch und vielleicht ein bisschen und dass ich mich so
sehr darin finde und sehr damit selber quäle, dass ich nicht darf.
Also ich krieche sehr oft zu Kreuze und es wird auch, es wird wirklich schlimmer.
Also ich werde empfindlicher für Gesten, Worte, Berührungen, für alles mögliche.
Aber ich, naja, ich muss mich im Zaum halten und es ist vermutlich auch besser,
dass ich mich tatsächlich selber nicht berühren darf. Denn wenn,
dann würde ich wahrscheinlich failen.
Also ich bin für mich selber der schlechteste Edger, den es gibt.
Ich kann da nicht zurückhalten, wenn es so schön ist. Also es ist wahrscheinlich
besser, dass ich es von vornherein selber nicht darf ohne Aufsicht.
Sebastian
Ist das jetzt der Kink für dich, weil das ist eine demütigende Geschichte und
du darfst nicht und dir wird dein eigener Körper quasi vorenthalten, deine eigene Lust,
das ist alles weg, du kommst nicht ran oder geht es vielleicht darum,
dass du ihm vielleicht damit Lust bereitest,
so dieser dienende Faktor oder dass du dich für ihn aufhebst oder irgendwas,
also gibt es da noch was anderes außer deiner eigenen Rattigkeit, die du da rausziehst?
Temel
Es hat viele Ebenen. Die Demütigung ist eine Ebene, ganz sicher,
weil es auch so etwas Intimes ist, wie Lust zu empfinden, einen Orgasmus zu empfinden.
Also sowas, was wirklich man über sich selber bestimmt und dass da jemand anderes
ist, der einem das Intimste überhaupt wegnimmt, das ist sehr demütigend.
Und auch natürlich, dass man sich selber damit quält, also dass man es selber
will, dass man da selber nach verlangt, das Intimste in die Hände eines anderen zu geben.
Also die besondere Fiesheit ist auch nicht, dass er dann quasi mir das nur wegnimmt,
sondern dass er mich auch sehr regelmäßig selber drum bitten lässt,
dass er mir den Orgasmus wegnimmt, dass er mich so kontrollieren kann.
Dass ich mich selber vorführe, dass ich mich selber quäle, gehört auch ganz stark dazu.
Aber natürlich empfinde ich auch eine große Genugtuung und Befriedigung,
dass, naja, ich ihm damit gefalle, ist eine komische Formulierung,
aber dass es ihm auch, dass es ihm Spaß macht, dass es ihn auch erregt,
dass er daraus Genugtuung zieht, das ist ein sehr schöner Faktor.
Und ich kann es ja sagen, ich werde auch extra erregt davon,
wenn er dann irgendwo in bestimmten Zuständen ist und ich nichts darf,
während er darf quasi auf mich.
Das ist ziemlich, ziemlich erregend.
Sebastian
Ich versuche mich ja auch immer hinein zu versetzen und dann stelle ich fest
und auch von allen möglichen Experimenten, ja, komme ich heute nicht, komme ich morgen.
Aber wenn ich morgen nicht komme, dann habe ich keinen Bock mehr.
Also ich würde eiskalt und grundsätzlich bescheißen, weil ganz ehrlich, wozu der ganze Mist?
Es geht ja darum, dass ich meine Lust habe und dass ich meinen Spaß habe und
dass ich meinen Orgasmus habe und dass ich danach entspannt bin und befriedigt und gut gelaunt.
Ich würde meiner Umgebung das nicht antun wollen. Und das sind ja jetzt bei dir 28 Tage.
Ja, es war sogar eine App dafür, hast du mir eben gezeigt. Da steht auf die Sekunde, wie lange?
Temel
Ja, das ist so eine, man kann die Tage zählen, also da stellt man quasi einen
Start ein und dann zählt sie automatisch hoch.
Das ist eigentlich, glaube ich, eher für tolle Ereignisse gedacht,
also so und so viele Tage bis zu dem großen Ereignis.
Und ich benutze das eben, um zu zählen, wie viele Tage es sind,
weil ich vielleicht sonst irgendwann durcheinander komme oder es nicht mehr gibt.
Sebastian
Eher so eine App für abstinente Alkoholiker. Oder ein Ex-Raucher.
Temel
Ja, oder einfach zum Tage hochzählen, genau.
Damit ich nicht durcheinander komme, vor allem, wenn man nachhalten muss,
wie lange es jetzt schon ist.
Sebastian
Wie gesagt, das Bescheißen, das gab es auch tatsächlich. Ich habe ja nach Feedback
gebeten, nach Hörerfragen gebeten.
Und da kam dann eben, und wenn sie schummelt, warum? Also es wurde direkt mal unterstellt.
und das ist natürlich jetzt die Frage du schummelst nicht.
Temel
Ja, ich schummel nicht die Frage kommt häufiger.
Sebastian
Ja, ich schummel nicht nein, ich schummel nicht, heißt es doch Ja.
Temel
Ich drücke das mal etwas anders aus Hust.
Sebastian
Hust Ganz ehrlich, ich glaube dir das Du hast nämlich im Vorgespräch zu mir
gesagt, man hat ja auch einen gewissen eigenen Anspruch an sich selbst Ja Ja.
Temel
Also das Ding ist, man muss sich, also Vertrauen ist eine Sache in so einer
DS-Beziehung überhaupt.
Ich bin nicht ständig in Oderens Gegenwart und ja auch nicht in meiner und es
gibt einfach die Punkte, also auch bei mehreren Regeln, wo er das nicht nachprüfen
kann, ob ich das wirklich mache oder nicht. Einiges kann man dokumentieren, alles aber auch nicht.
Also das Vertrauen muss schon irgendwo da sein. Ich sag mal,
wenn so ein gewisses Grundvertrauen nicht da ist oder nicht zustande kommt,
dann braucht man es, glaube ich, mit einer ernsthaften, intensiven DS-Beziehung
auch gar nicht versuchen und auch gar nicht machen.
Ich meine, warum soll man es dann machen, wenn man nicht das Bedürfnis hat?
Sebastian
Lass uns mal das so ein bisschen sezieren. Also es fängt irgendwann an,
Tag X, und er sagt, so und jetzt ist mal eine Orgasmuspause.
Mal nett auszudrücken. Du weißt dann nicht, wie lange.
Temel
Ja, genau. Ich weiß es auch im Moment nicht.
Natürlich frage ich immer mal wieder, sogar sehr häufig immer wieder,
aber er äußert sich dann nicht dazu oder geheimnisvoll dazu und ich weiß es
teilweise wirklich bis Sekunden vorher, wo es passiert, nicht,
ob es jetzt passiert oder wie es passiert.
Sebastian
Das heißt aber in dem Moment fängt die Erregung schon an.
Die Augen werden ganz groß gerade und ja.
Temel
Also man muss vielleicht zu der Frage auch, ob ich schummele oder nicht.
Man muss sich auch fragen, was ist plausibel oder nicht.
Und was man wissen muss, so zu mir und auch zu meiner Vorgeschichte.
Ich mag Orgasmuskontrolle sehr. Ich habe immer Orgasmuskontrolle gewollt und
auch irgendwo mit Leuten, mit denen ich vorher zu tun hatte.
Ich will nicht sagen versucht, die in so eine Richtung zu pushen,
Aber doch, irgendwo habe ich schon gesucht nach Leuten, die Spaß haben an der Kosmoskontrolle.
Also die Spaß an diesem Spiel haben, die Spaß an Denial haben.
Und so richtig gefunden habe ich da immer nicht, was ich suchte.
Tatsächlich ist da Oderint der Erste, der das so in dem Maße mag und tut und
da Freude daraus zieht wie ich. Und ich würde mich, wenn ich das boykottieren
würde, das wäre einfach ziemlich sinnlos.
Ich habe es so lange gesucht und dann soll ich es mir selber kaputt machen.
Dann hätte ich es auch nicht zu suchen brauchen. Das muss man natürlich vorher
wissen, dass das bei mir so ist.
Es ist kein Kink, den mir irgendjemand eingeimpft hat oder so.
Wir machen das jetzt, sondern ich habe es selber gesucht.
Sebastian
Okay, das heißt also schummeln würdest du nicht, aber Unfälle passieren ja auch mal.
Temel
Ja, ein Unfall ist auch schon passiert.
Sebastian
Und was passiert dann?
Temel
Ja, da war ich erlaubt, ein bisschen was zu tun mit einem Vibro-Ei und hätte
natürlich aufhören müssen,
wenn es zu schön wird und ich sage ja, ich bin der schlechteste Edger, den es gibt.
Ich habe es einfach nicht hingekriegt. Ich wollte einfach das Gefühl noch so
lange rauszögern, wie geht, ohne dass ich komme und ich habe es einfach nicht hingekriegt.
Ich habe mich dann selber ruiniert, ohne dass ich es wollte.
Ich wollte es wirklich nicht.
Sebastian
Ruiniert, kannst du es mal kurz definieren? Ich glaube, das kennt nicht jeder.
Temel
Ja, also man kann tatsächlich sowohl bei Männern als auch bei Frauen oder bei
allen anderen unterscheiden zwischen einem vollen Orgasmus, also einem Orgasmus,
der sich gut anfühlt und einem ruinierten Orgasmus.
Ruinieren ist eigentlich nur, wenn man vorher mit der Stimulation aufhört,
beziehungsweise es gibt irgendwann einen Punkt, so den Point of No Return beim
Orgasmus. So, dann ist man über die Schwelle und dann kommt der Orgasmus.
Und wenn man, es ist ja sehr schön, wenn man dann noch ein bisschen weiter stimuliert
wird, so quasi während der Orgasmus schon einsetzt.
Und wenn man genau dann aufhört, wenn er nicht mehr zu verhindern ist,
dann kommt er zwar trotzdem, aber es fühlt sich nicht gut an.
Es fühlt sich unerfüllt an. Es ist einfach nicht schön.
Also kann ja auch jeder selber ausprobieren bei der Masturbation oder sowas.
Das geht wirklich sowohl bei
Männern als auch bei Frauen und es ist nicht schön. Es ist nicht erfüllt.
Das ist ein ruinierter Orgasmus.
Sebastian
Aber klingt eigentlich nach etwas, was du dir wünschst. So wie ich dich jetzt
in den letzten anderthalb Stunden kennengelernt habe, müsste ich meinen, das ist genau dein Ding.
Temel
Ja, man kann auch hier wieder, wenn man mir genau zugehört hat,
drauf schließen. Ich mag die Demütigung daran.
Es geht alles zurück auf den Ursprung.
Sebastian
Ja, aber das ist ja in dem Moment wirklich dieses Bewusstsein,
das ist ja dieses Scheiße-Fressen an der Stelle.
Und totaler Mist und lang drauf hingearbeitet. gearbeitet und dann noch nicht
mal das gekriegt oder was gekriegt und dann die ganze Spannung ist weg,
aber trotzdem war es Mist und alles umsonst.
Temel
Es ist spannend, damit umzugehen. Es gab tatsächlich vor kurzem eine Situation,
wo Oderind und ich gespielt haben und wo ich im Prinzip wusste,
dass ich die Wahl habe zwischen,
wenn ich komme, dann ruiniert er mich oder ich komme gar nicht und ich wollte
keinen ruinierten Orgasmus, weil die sich echt furchtbar anfühlen Und das endete
daran, dass ich sehr, sehr,
sehr, sehr erregt war und darum gebettelt und gefläht habe, dass ich nicht kommen darf.
So irrsinnig das klingt, weil ich halt wusste, wenn ich komme,
ist es sowieso nur ein ruinierter Orgasmus.
Und dann ist man geil wie sonst was und bittet darum, nicht zu kommen.
Das ist völlig, das ist echt intensiv, weil es so widersprüchlich für einen
selber ist und weil man selber sich so damit vorführt.
Das war sehr intensiv und sehr heiß.
Sebastian
Und?
Temel
Und sehr mies.
Sebastian
Und hast du einen Orgasmus gehabt?
Temel
Er war gnädig, er hat mich nicht kommen lassen. So muss man das dann wohl formulieren.
Sebastian
Ja, das ist ja das Schöne daran. Da verschwimmt ja wirklich dieses ganze,
was will ich, was will mein Körper. Das sind zwei Dinge, die nicht unbedingt zusammengehören.
Temel
Ja.
Sebastian
Was will er?
Temel
Ja.
Sebastian
Und wie ist seine Laune gerade?
Temel
Ja, das weiß man in der Tat immer nicht. Ich sagte ja vorhin schon,
dass ich diese Unberechenbarkeit merke. Er merkt, dass ich...
Nicht weiß, was passiert, was er plant, was er nicht plant und er hat ja die
Macht, alles zu tun. Ich weiß nur die Entscheidung nicht.
Sebastian
Was macht das denn mit deinem Umfeld? Also im Alltag bist du dann irgendwie,
ich wäre ja jetzt nur mal einfach gereizt.
Temel
Es hat wirklich eine sehr reale Ebene, deswegen sag ich auch,
dass echte Gefühle im Spiel sind bei sowas oder echte Frustrationen,
also es ist natürlich irgendwo auch mal lustig und humorvoll und so,
aber ja, es gibt auch die Momente, wo ich dann irgendwo frustriert bin und irgendwo denke,
boah, ich würde jetzt so gerne und das geht nicht und dass man dann so ein bisschen
beleidigt ist und oder auch irgendwo beim Spiel, wenn man so gerne wäre und
man wird nur geteased und kriegt nichts. ja, das ist schon so.
Sebastian
Was machst du denn in so Momenten, wo es echt gar nicht mehr geht,
wo du, wo er auch nicht verfügbar ist und du sitzt da irgendwie zu Hause rum
und musst ja mit dir selber klarkommen?
Temel
Eigentlich nicht, also sehr häufig suche ich dann doch den Kontakt,
also irgendwo, ich schreibe ihm dann und sage ihm hier, oh meine Güte,
jetzt hier gerade sitze rum und sowas und einfach, dass man sich irgendwo hinwenden
kann, das tut ja schon gut, also deswegen würden,
irgendwelche Verweigerungsspiele auch nicht nur mit mir selber funktionieren.
Also wenn ich mich irgendwo als eigene Challenge-Kolsch halte,
das würde nicht funktionieren.
Ich brauche diesen Widerpart, der es irgendwo auch aufnimmt,
wie ich mich fühle und sowas. Das hilft schon.
Sebastian
Okay, also es muss betreut sein. Also wenn ihr jetzt sagen würdet,
so, pass auf, ich will jetzt eine Woche nichts davon hören.
Temel
Ja, das wäre schwierig bis unmöglich, ja.
Also irgendwo so das Verarbeiten, das ist wichtig.
Das Verarbeiten oder damit umgehen, also wie soll ich sagen,
man muss diese Gefühle, die man da hat, die echt sind, irgendwo kanalisieren.
Dass sie sich nicht aufstauen. Aber es ist schon manchmal schwer.
Es gibt die Momente, wo ich wirklich da sitze und,
Einfach nichts darf, einfach nichts passiert, wirklich gar nichts und es sehr
viel Selbstbeherrschung kostet, die gibt es.
Sebastian
Du hast ja in den Comics, die du bei FetLife reinpackst, ich erwähne sie jetzt
nochmal, weil das ist nochmal der richtige Moment, da durchzublättern.
Was ist das eigentlich? Da ist Horniness, das ist Plüschkissen,
Alien, was soll das sein?
Temel
Also ich habe angefangen so für jetzt die zwei letzten etwas längeren Perioden,
wo ich verweigert bin, also jetzt auch gerade diese 28 Tage, die noch laufen.
habe ich mein Fatlife-Profilbild täglich verändert.
Und das verfolgen dann einige zusammen mit meinen Gedanken dazu,
die ich dann so unter die Bilder schreibe.
Und da habe ich dann irgendwann auch angefangen, meine Geilheit,
also Englisch Horniness, zu personifizieren.
Also in Form von so einem kleinen grünen Viech.
Alien, ja, genau. Und das ist auch sehr gut angekommen bei der Community.
Und sehr, sehr, wird auch nachgefragt. und weil es halt auch so ein bisschen
den Kampf mit mir selber schildert irgendwo.
Also ich habe immer das Problem, das ist auch, oder nicht Problem,
aber das ist auch der Grund, warum ich das mache mit der Orgasmuskontrolle.
Ich werde von nichts geiler als von der Vorstellung, dass jemand meine Lust
kontrollieren kann, dass er das in der Hand hat.
Nichts erregt mich mehr, wirklich nichts.
Andererseits ist es dann eben die Konsequenz, dass ich auch nichts darf.
und dann aber umso mehr möchte.
Und ja, dann ist das so eine Spirale, die sich immer weiter dreht.
Wie soll ich sagen, es ist so eine permanente Selbstbeschäftigung, auch mit dem Thema.
Und so auf diese Art und Weise verarbeite ich das auch in diesen Comics oder kleinen Zeichnungen.
Sebastian
Die sind sehr, sehr niedlich.
Temel
Dankeschön.
Sebastian
Es gibt ja zwei Monate im Jahr, die sind so in diesem ganzen Denial-Thema wichtig.
Temel
Oh je.
Sebastian
Der Locktober und der November. Wir sind ja nun gerade im Oktober.
Das heißt, dir steht noch ein bisschen was bevor.
Oder interessiert ihn das eh nicht?
Temel
Oder möchtest du, dass ihn das interessiert? Ich weiß es tatsächlich nicht.
Also gestern habe ich noch darum gebeten, du kannst doch nicht und noch zwei
Monate oder auch nur noch einen Monat.
Also der Oktober hat ja auch gerade erst angefangen. Also oh Gott.
Weihnachten ist nah.
Sebastian
Und Neujahr auch.
Temel
Ich will gar nicht über sowas sagen.
Sebastian
Also die Frage ist ja, ob die Vorstellung, dass es jetzt noch viel,
viel, viel, viel, viel länger dauert, ob das eher abschreckend ist,
abturnt ist oder ob das einfach so ein wahres, ob das deine aktuelle Stimmung
einfach nochmal reinsteigert.
Temel
Also die Vorstellung ist anturnt. Ganz eindeutig.
Ja, es verstärkt das Gefühl des Ausgeliefernd Seins, es verstärkt das Gefühl,
dass man weiß nicht, was derjenige vorhat, der ist unberechenbar.
Die Vorstellung ist hochgradig anturnt.
Sebastian
Also wenn er mir jetzt hier schon das Datum verraten hätte, und das hier stehen würde.
Temel
Hätte.
Sebastian
Das wäre jetzt ein Problem für dich, wenn da eine 20 hinten steht.
Temel
Das ist nur theoretisch, was wir gerade besprechen.
Ja, das wäre...
Sebastian
Entschuldige bitte, aber es lag so auf der Zunge einfach.
Temel
Hat er aber nicht, oder?
Sebastian
Das musst du selber fragen.
Temel
Ja, das klappt ja auch immer hervorragend. Äh, ja.
Sebastian
Das war jetzt einfach, du lädst auch einfach so dazu ein.
Temel
Ja, ja, ich weiß es nicht. Ich kann mich sehr gut in sowas reinreden,
reingesteigert werden. Ich weiß auch nicht, ich lade ein zu sowas.
Sebastian
Ich kann mir jetzt in dem Moment aber ganz gut vorstellen, wie du auf einer Party am Gucken bist.
Temel
Oder wie er sich immer fühlt.
Sebastian
Nee, das kann ich tatsächlich nicht. Ich kann das aus meiner eigenen Erfahrung,
kann ich das nachvollziehen. Ich kann das nachempfinden.
Temel
Also das ist Spaß macht mich zu verweigern. Das macht ja nicht bei jedem gleich
viel Spaß. Man kann ja auch negativer als ich mit dem Thema umgehen.
Sebastian
Ja, aber da gilt immer, alle Spielpartner sind unterschiedlich und du bist nicht mein Spielpartner.
Und deshalb, ich habe einfach gelernt, dass das Gefühl, wie ist das miteinander,
was macht einen spitz und was bringt Erregung, das ist immer unterschiedlich.
Ja, ich habe da auch irgendwann gemerkt, dass ich so eine gewisse Interessenlosigkeit
habe bei allen anderen außer Subi, weil ich da irgendwie, da ist immer nicht genug Gefühl mit drin.
Ich kann das dann bei ihr so schön durchschauen und bin genau drin und weiß
das alles und kann das steuern und alles andere, das ist erstmal so,
wenn man jemanden nicht kennt und spielt, dann ist das für mich so technisch.
Man kann es machen, es ist ein gewisses Handwerk mit einer gewissen Erfahrung.
Temel
Ja, ich weiß, was du meinst.
Sebastian
Aber im Grunde versteht man gar nicht, was man da tut, das braucht halt und
im Moment habe ich halt diesen, ich habe einfach den Luxus, auf was aufbauen zu können.
Temel
Ich weiß, was du meinst. Das ist ja auch die Art von Spielen, die ich dann suche.
Also weniger technisch, weniger auf eine Praktik, die wir durchziehen,
bezogen, sondern eher auf so ein Gefühl, auf so eine Grundhaltung,
die beim Spielen durchkommt. Nicht auf die einzelne Praktik.
Sebastian
Wenn du jetzt so eine längere Periode hattest, wie lange ging die letzte?
Temel
Die längste der Rekords sind 31 Tage.
Sebastian
Okay, 31 Tage. Und dann kommt der Tag X. Ja. Wusstest du vorher, dass das passiert?
Temel
Das wusste ich nicht vorher.
Sebastian
Wie war es denn?
Temel
Ziemlich gut. Was hat er gemacht?
Sebastian
Da hat er dich in die Ecke gesetzt und hat gesagt, jetzt mach halt,
ich komme gleich wieder, ich hole kurz Zigaretten oder so. Und wenn ich wieder
da bin, dann bist du bitte gekommen.
Temel
Tatsächlich war das, weil du es ja auch schon angesprochen hattest mit dem Verarbeiten bei FetLife,
tatsächlich war das sehr interessant, weil wir das, was die Community da irgendwo
gemacht hat oder wie wir sie einbezogen haben, dann Einfluss hatte auf meinen Orgasmus.
Also es gab dann irgendwo mal ein Bild, wo gevotet werden konnte,
also wo Leute Kommentare schreiben konnten und die Frage war,
wenn ich dann wieder kommen darf, werde ich dann ruiniert oder nicht?
Also darf ich einen vollen Orgasmus erleben oder einen ruinierten Orgasmus?
Das hatten wir dann irgendwann so, ich glaube Bild 17 war das oder sowas und
das haben wir dann quasi laufen lassen bis halt dann Tag 31 und dann waren wir
halt zusammen, haben was gemacht,
er hat mich gefesselt und dann haben wir das ausgezählt, also er hat vorgelesen,
Kommentar für Kommentar, es waren ein paar Kommentare, also wirklich ein paar, einige.
Hat das vorgelesen, Stimme für Stimme, auch was da manche Leute so geschrieben
haben, also es haben da Leute nicht nur Ruined or Not Ruined geschrieben,
sondern manche haben da auch wirklich so halbe Pornofantasien da reingeschrieben,
also wahnsinnig, ich meine das sehr gut, wahnsinnig kreativ, wahnsinnig toll,
also das heißt, wenn ich das nur gehört habe, war mir schon ganz anders und wohlig zumute.
Also das war eine ganz, ganz tolle Situation, da gefesselt zu sein,
diese Votings und Stimmen vorgelesen zu bekommen.
Ich musste dann immer zählen, also in diesem hochgradig erregten Zustand musste
ich auch noch irgendwas zusammenzählen.
Ich musste mehrmals neu anfangen, weil ich es immer nicht zusammengekriegt habe.
Ja, und dann irgendwann glücklicherweise waren mehr Leute dafür,
dass ich einen vollen Orgasmus kriegen darf.
und es überwiegte wirklich und er hat mich also schon während des ganzen Votings
geteased über Stunden und ja und tatsächlich hatte ich dann die Gnade kommen zu dürfen.
Und dann mehrmals. Viele Male. Einige Male.
Also das war sehr, sehr schön, weil das halt auch das einbezogen hatte,
was wir da an dieser Denial Challenge aufgebaut hatten, auch mit der Interaktion
bei Fat Life. Das war eigentlich ein toller Abschluss.
Sebastian
Hat es sich denn gelohnt?
Temel
Ja. es hat sich tatsächlich vor allem gelohnt also es ist intensiver, wenn man,
wenn man so lange verweigert wurde es macht wirklich was mit dem Körper und
auch was mit dem Geist also es ist wirklich ein Unterschied also auch das hindert
mich daran zu schummeln, weil ich wirklich es spannend finde meinen Körper und
meine Seele zu beobachten wie die sich anders verhalten,
also wie da wirklich Unterschiede passieren, es macht wirklich was das ist spannend
und es ist stärker und intensiver es ist toll es hat sich dann wirklich gelohnt das muss ich schon sagen.
Sebastian
Jetzt hat er ja an dem Moment dann dir gedient und du warst dann quasi mit ihm
gleichgestellt, weil er hat dir ja nachgegeben, weil irgendwann muss er dir halt nachgeben.
Temel
Naja.
Sebastian
Da fehlt ja jegliche Demütigung. Er hat dann ja im Prinzip dir deinen Orgasmus gegeben.
Temel
Naja, was man schon sagen muss, zum Herrschen gehört natürlich auch gnädig sein.
Also zum Herrschen gehört auch nicht immer nur draufhauen oder immer nur Druck
machen, sondern zum Herrschen gehört es auch gütig zu sein.
Und ja, ich erfahre natürlich auch das eine oder andere Mal Gnade oder auch
wenn ich Dinge richtig gemacht habe, eine gewisse Belohnung.
Also das funktioniert jetzt nicht nur über immer nur draufhauen oder immer nur
irgendwas Negatives oder immer nur wegnehmen, sondern geben gehört auch dazu.
Das Ding ist, und das sagt auch
Oderint immer, du musst schon ja auch ein bisschen die Hoffnung schüren.
Also wenn du irgendwo jemanden verweigerst und quasi sagst, haha,
du kommst nie wieder oder überhaupt nicht mehr, dann hat derjenige ja auch keine Hoffnung mehr.
Dann hat derjenige ja auch, okay, was soll ich da noch draus ziehen?
Also er muss auch schon ein bisschen so mit der Hoffnung angefüttert werden.
Das heißt, so die Belohnungsphasen sind schon auch wichtig.
Und auch, dass man weiß, was man vermisst, wenn man dann wieder verweigert wird.
Sebastian
Wo du dabei bist, ihn gerade zu zitieren. Er hat mir geschrieben und ich lese das einfach mal vor.
Temel
Das ist jetzt für mich selber auch neu, was ich da jetzt höre.
Sebastian
Das hoffe ich. Ich habe ihn gefragt, ob ich das zitieren darf.
Benutzt werden ist, denke ich, ein Thema, das tief in ihr drin ist.
Im Sinne von Erfüllungsgehilfe, der Lust eines anderen sein,
während sie selbst nichts kriegt.
Und Demutsgesten etc. Alles, was geeignet ist, den Unterschied zwischen oben
und unten richtig reinzureiben in die Wahrnehmung. Gerne auch in der Öffentlichkeit.
Hat er dich damit perfekt charakterisiert?
Temel
Ja, das klingt nach oderend sehr gut.
Ja, das trifft es sehr gut. Das klingt sehr treffend, ja.
Sebastian
Wir hätten uns die letzten anderthalb Stunden quasi sparen können und einfach
das verlesen können in zwei Sätzen.
Temel
Ich habe ja gesagt, er kennt mich sehr gut. Er kann mich treffender und prägnanter
beschreiben, als ich das selber kann in manchen Dingen.
Sebastian
Ich bin mir gerade gar nicht so sicher, ob ich das erwähnen darf,
aber es ist ja dieser Gedanke, du kommst nicht, weil du nicht darfst.
Wie ist es denn, wenn es soweit ist, Erziehungsziel, Konditionierung,
du kannst nicht, wenn du nicht darfst.
Temel
Ich denke tatsächlich, auch da passiert eine Entwicklung.
Also ich sag mal, es ist körperlich schon sehr schwierig, es zurückzuhalten.
Irgendwann ist da einfach so viel Stimulation, dass wirklich nur noch ein kleiner
Schubser reicht. Es ist wirklich schwierig.
Aber ich merke schon, dass da ein Unterschied ist in meiner Erwartungshaltung.
Also ich möchte mittlerweile auch diese Erlaubnis.
Also ich, immer wenn ich kurz davor bin, wo Odo Renter ja dann logischerweise
mitbeteiligt ist, frage ich, ob ich kommen darf.
Und wenn er dann zum Beispiel einfach eine Weile schweigt, aber mich weiter
stimuliert, dann bin ich unsicher.
Ich habe schon den eigenen Anspruch, also den geistigen Anspruch,
dass ich wirklich erst auf seine Erlaubnis warte. Ich weiß noch nicht,
ob es so stark wäre, dass ich gar nicht könnte, wenn ich die Erlaubnis nicht habe.
Ich schätze mal noch nicht, aber ich würde versuchen, es zurückzuhalten,
wenn ich noch nicht seine Erlaubnis habe, so stark ich kann.
Also es spielt eine Rolle, es ist ein zunehmender Faktor, der sich vielleicht
auch noch mit weiteren Monaten noch stärker entwickelt, ja. Diese Konditionierung ist definitiv da.
Es klingt nach Science Fiction, aber das ist schon richtig.
Sebastian
Ich habe das Gefühl, die Ziele setzt du dir erstmal selbst.
Jetzt ist ja die Frage, ist dann der Dom nicht austauschbar,
weil du ja im Prinzip jetzt nur jemand suchst, der deinen Kink erfüllt.
Temel
Also erstmal, ich finde das, das sind ja auch schon fast zwei Fragen.
Sebastian
Das können auch drei oder vier sein.
Temel
Also ich finde es spannend, dieses Level der Konditionierung zu erreichen.
Es gibt ja auch sowas wie Hypnose, also ein ganz anderes Thema,
ich schneide es auch nur kurz an.
Aber manche sagen, dass es tatsächlich mit Hypnose oder mit so einem posthypnotischen
Trigger möglich ist, jemanden so umzuprogrammieren, dass er nur kommen kann,
wenn er ein bestimmtes Wort hört oder wenn er eine bestimmte Geste sieht, erfährt.
und ich fände schon den Gedanken, dass ich wirklich gar nicht mehr kommen kann,
ohne dass zum Beispiel Oderint mir das ermöglicht.
Selbst wenn ich wölte, das fände ich, ach Gott, das ist ultra heiß,
das ist, boah, das ist, das ist Erregung plus tausend, das ist allein die Vorstellung.
Ja, gut, ich habe gesagt, ich
finde das gut. Also ich finde das ziemlich erregend, diese Vorstellung.
Aber von Erfüllungsgehilfen würde ich auch nicht sprechen.
Also man sagt ja in der Szene manchmal diesen Begriff für eine bestimmte Art
von submissiven Namens Wunschzettel, Subs oder das Verhalten Topping from the Bottom.
Also dass man ja doch irgendwo nur das, was man selber möchte,
irgendwo projiziert auf den, der es macht.
Das ist, es wirkt manchmal so, natürlich sind da Deckungen, aber es ist nicht das, was ich suche.
Ich suche auch diese Unberechenbarkeit und dafür nehme ich auch Dinge in Kauf,
die dann nicht primär meiner eigenen Lust dienen.
Also irgendwo so, wenn ich Strom, wie ich es eben erwähnte, also dieses elektronische
Wartenbergrate, das tut wirklich sauweh, da könnte ich gut drauf verzichten,
das ist einfach nur furchtbar.
Oder auch andere Dinge, also die irgendwo, die eigentlich gegen meinen Willen
passieren, die ich nicht so toll finde,
wenn ich tanzen muss oder auch irgendwelche anderen Spielarten,
die primär eigentlich nicht mein Ding sind, aber das kann ich alles verbuchen
unter ich werde damit gedemütigt, also finde ich es okay.
Sebastian
Wenn er jetzt so ein Ding hätte, wo du jetzt gar nichts mit anfangen kannst
und er sagt, aber nee, das ist zwar sein neuer King, wo er sagt,
das ist jetzt für ihn total spannend und er will da voll drin aufgehen, dann ist das so.
Temel
Dann let's go.
Das ist eben meine Auffassung vom Spiel, dass ich auch gar nicht möchte,
dass ich alles weiß, was er vorhat und er soll nicht mein Erfüllungsgehilfe sein.
Sonst klappt das halt auch mit sowas wie Verweigerung nicht gut.
Also ich bestimme nicht, wann und wie lange wir das machen, sondern er bestimmt das.
Und es ist auch überraschender einfach. Also ich mag diese Überraschungen.
Ich mag den unkalkulierbaren Faktor am Spielen.
Wenn es jetzt irgendwo alles vorher geskriptet wäre, heute machen wir die und
die Praktik und heute möchte ich das und das und ich möchte das und das,
so lange, da ist doch wirklich der Reiz weg. Da ist doch wirklich die Spannung weg.
Das finde ich nicht erfüllend. Ich brauche schon, ja, ich weiß nicht,
ein Zufallselement oder den anderen Charakter, der auch Ideen und Wünsche hat.
Es muss sich gegenseitig eine Dynamik verschaffen.
Wenn einer nur sein Spiel in den anderen reinimpft, ist es langweilig.
Das gilt auch durchaus für Dominante, die irgendwo dann quasi ihre Spiele und
Fantasien nur auf den Submissiven projizieren.
Es muss eine Dynamik haben. Beide machen was zusammen.
Jeder macht seine eigenen Schritte. Jeder macht seine eigenen Züge. So muss das sein.
Sebastian
Dann lass uns doch mal ein bisschen in die Zukunft gucken. Mehr Konditionierung,
weniger Nein, weniger Orgasmus.
Wo geht die Reise denn hin?
Temel
Ach, das ist sehr schwierig. Also es ist auch nicht so, dass zumindest ich da so konkrete Pläne habe.
Also das möchte ich auf jeden Fall erreichen.
Also ich gucke zum großen Teil, wo die Reise hinführt, ohne dass ich da ein Ziel habe.
Ich finde schon das Spiel mit dem Gehorsam sehr spannend.
Also dass ich auch wirklich meine Regeln erfüllen möchte, weil ich das wirklich selber möchte.
Sebastian
Ich frage dich mal andersrum. Wo siehst du bei dir Selbstoptimierungsbedarf?
Temel
Beim Gehorsam. Also ich habe wirklich Schwierigkeiten, die Regeln zu erfüllen, wenn ich erregt bin.
Also es ist noch nicht mal so, dass ich in bestimmten Dingen nicht gehorche,
weil ich es nicht will. Ich kriege es einfach nicht hin.
Also daran, ich möchte eigentlich ein Level des Gehorsams erreichen,
was so intensiv ist, dass ich nicht rational nachdenken muss,
okay, ich sage jetzt dieses Wort nicht oder ich verhalte mich so und so,
sondern dass es so ein reflexhaftes, wie so ein Pavlovscher Reflex im Kopf ist,
der auslöst, dass ich mich so und so verhalte.
Also so eine Verinnerlichung der Regeln des Gehorsams, weil ich das so spannend finde.
Klingt ein bisschen unheimlich, aber ich finde das super spannend.
Sebastian
Das ist die große Frage an der Geschichte, ob da nicht im Endeffekt,
wenn das genau so und konsequent umgesetzt wird, ob da nicht eventuell ein anderer
Mensch dabei am Ende rauskommt, der du vielleicht gar nicht sein willst.
Temel
Hm, das denke ich nicht. Also auch hier wäre es irgendwo von Vorteil,
wenn man mich kennt oder wenn man auch Uderin kennt, aber sehr viel von unserem
Verhältnis baut darauf auf, dass ich eine eigene Persönlichkeit bin.
Also ich bin wahnsinnig umtriebig. Ich habe tatsächlich das Problem,
dass ich auf Stammtischen oder auch manchmal auf Partys, obwohl ich klein bin
von der Statur her, ich werde oft für den dominanten Part gehalten.
Also ich werde oft für zumindest ein Switcher gehalten, weil ich sehr viel rede,
weil ich sehr viel kommuniziere und weil ich sehr viele eigene Ambitionen habe.
Das scheint schon zu reichen. Also ich habe wahnsinnig viele Vorstellungen.
Ich bin umtriebig, ich bin informiert über Events, über Spielzeuge, über Praktiken.
Ich bin total dabei und viele haben wohl die Vorstellung, dass die Submissiven
auch eher die Passiven sind. Also wirklich so, die lassen sich ziehen und treiben.
Und das muss ja nicht so sein, das ist auch nicht so. Aber bei manchen ist das das Vorurteil.
Und das ist bei mir nicht so. Das heißt, ich brauche irgendwo jemanden,
der mich da auch händeln kann. Also der nicht versucht, meine Persönlichkeit zu killen, zu töten.
Also nicht versucht, mich irgendwo, ja, die Platz zu machen.
Sondern einfach damit umzugehen. Und das ist eigentlich das Schöne,
auch wie ich mit Oderin spiele.
Dass er mich, er lässt mich meine eigene Person sein. Und er möchte auch mich
als Person. Er möchte mich nicht verbiegen.
Er möchte mich nicht bösartig zu was anderem gleichschalten. Das ist nicht das Ziel.
Es ist mehr eine Veränderung meiner Person hin zu etwas, was ich auch möchte
und doch eine positive Veränderung, weil es mir Spaß macht und weil es mich
unglaublich erfüllt. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr.
Es ist also eine gute Veränderung und ein Mensch wird ja nicht schlechter,
nur weil er sich an sich verändert. Er wird nur anders.
Sebastian
Ein bisschen schwierig ist, dass du jetzt sagst, was er sagen würde,
dass du für ihn sprichst.
Temel
Das würde ich aber so auch sagen.
Sebastian
Also ich habe mal gelernt, um Gottes Willen, nicht mutmaßen,
was Subi denkt, weil ich liege damit nicht hundertprozentig richtig.
Temel
Naja, also er weiß ja in vielen Dingen, wie ich denke und also wir tauschen uns ja aus.
Wir schweigen die Dinge ja nicht tot. Wir reden sehr, sehr viel über uns,
über SM, über alles mögliche. Wir wissen ja, wie der andere tickt.
Das ist ja kein Geheimnis und das sollte man auch. Also in unserer DS-Beziehung
kommunizieren wir wahnsinnig, wahnsinnig, wahnsinnig, wahnsinnig, wahnsinnig viel.
Also häufig auf einer erotischen Ebene, aber häufig auch einfach auf einer Neugier-Ebene.
Also ich weiß in vielen Fällen, was er denkt und er weiß in vielen Fällen, was ich denke.
Also es ist fast so ein Zustand der Synchronisierung, weißt du?
Also so ein, dass sich so ein bisschen das eigene Denken an das vom anderen
anpasst und umgekehrt auch das, was ich denke, in seinen Gedanken ist.
Was eine ziemlich gute Basis für...
Sebastian
Eine Symbiose.
Temel
Eine Symbiose, genau.
Sebastian
Wir kommen langsam zum Ende. Ich gucke noch mal auf das Aufnahmegerät.
Ja, das wird wahrscheinlich eine lange Folge. Magst du noch irgendwas sagen?
Temel
Ja, möchte ich.
Sebastian
Raus damit.
Temel
Eigentlich vor allem in Richtung für Leute, die vielleicht auch so mit Spielen
wie Orgasmuskontrolle überlegen, ob sie das machen oder überlegen,
was dazugehört und was da möglich ist.
Und ich finde, man kann und soll da viel ausprobieren.
Also in der Zeit, wo ich gesucht habe über Orgasmuskontrolle und über Keuschaltung,
gerade von Frauen, habe ich extrem viel gefunden, was sich vor allem mit der
Keuschaltung von Männern beschäftigte.
Das fand ich immer ein bisschen merkwürdig, damals wie heute,
sodass viele wohl zumindest im deutschsprachigen Raum der Meinung sind,
dass es eher was ist, was Femdoms mit Malesubs machen, also den Mann keuschalten.
Sebastian
Das machen die ja.
Temel
Das machen sie ja auch, ja klar. Aber dass es quasi da mehr der Kink ist und
dass umgekehrt in nicht so viel stattfindet.
Und ja, einfach die Aussage, doch, das andere ist aufzunehmen.
Das machen die ja. möglich und man kann und soll damit ausprobieren und ich
denke, das ist schön, also Orgasmuskontrolle heißt auch nichts,
dass nichts mehr passiert, das ist kein Tothalten der Lust, sondern es passiert
trotzdem oder gerade deswegen viel, also Oderind und ich haben,
auch und gerade in den Perioden, wo ich nicht darf, sehr, sehr viel Also er
kann ja und darf ja, aber ich eben nicht.
Also das ist nicht das Töten der Lust oder das Aufhören der Lust,
sondern das ist eigentlich sehr bereichernd.
Und ich persönlich als jemand, der eine Frau ist und eine sehr,
sehr starke Libido hat und schon immer hatte, ich empfinde eigentlich Keuschhaltung
oder jemanden, der mich keusch hält.
Als jemanden, der meine Lust wertschätzt. Das finde ich auch einen wichtigen Faktor.
Es ist so dämlich, dass sich vielleicht auch anhört, aber es ist wie ein Kompliment
an meine Lust, dass ich von ihm keusch gehalten werde.
Denn wenn es mir nichts wert wäre, wenn mir mein Orgasmus und meine Lust nichts
wert wäre, dann wäre es mir auch nicht viel wert und dann wäre es auch nicht
besonders, mir das wegzunehmen.
Sebastian
Das perfekte Schlusswort, kein Satz mehr daran. Genau die richtigen Worte.
Temel
War der so schön?
Sebastian
Ja, das kommt in den Trailer rein.
Temel
Oh.
Sebastian
Kontakt zu dir gibt es, wenn man dich anschreibt bei FetLife?
Temel
Ja.
Sebastian
An Temel, T-E-M-E-L.
Temel
Ja.
Sebastian
Und das sollte man aber nur tun, wenn...
Temel
Man bei FetLife ist?
Sebastian
Okay, okay. Nein, gibt es irgendeine Art von Post, die du nicht haben willst
oder die dir auf die Nerven geht?
Nö.
Temel
Ich reagiere einfach meistens nicht, wenn mich was nicht interessiert.
Also ich kriege tendenziell viele Nachrichten, ich schaffe es manchmal zeitlich
nicht auf alles zu antworten. aber naja ich bin an billigen Anmachten nicht interessiert also.
Sebastian
Gut also wenn ihr ordentlich formulieren könnt und vielleicht noch eine Frage
stellt, dann kommt bestimmt eine Antwort.
Temel
Also ich beantworte sehr sehr gerne alle Fragen,
also zu mir, zu dem was ich gesagt habe, zu den Comics, whatever aber ich sag
mal mit irgendwas was aus der Luft gegriffen ist, so hast du Lust zu schreiben
kann ich nichts anfangen, dann weiß ich auch nicht was ich sagen soll weil ich
ein extrem schlechteres Maultalker bin, eigentlich.
Sebastian
So, dann erfüllst du mir noch einen Wunsch. Diese Folge kriegt ja ein Cover,
was du gestaltest, hast, wirst, irgendwie so.
Temel
Ja.
Sebastian
Wenn es euch nicht gefällt, dann gleich auch sie anschreiben und nicht mich.
Ich habe da keinen Einfluss drauf.
Temel
Und wenn es euch gefällt, dann alle Komplimente an mich. Genau so war das.
Sebastian
Nee, so ist der Modus ja nicht.
Temel
Doch. Das habe ich jetzt beschlossen.
Sebastian
Dann lobt sie schön dafür, ist in Ordnung.
Temel
Ja.
Sebastian
Gut, ja, Hörertreffen werde ich in der Einleitung eh schon gesagt haben, Also 15.11.2019.
Ansonsten einfach nochmal zurückspulen. Zum Anfang, da erzähle ich das eh schon
wieder. Gut, ja, ansonsten. Ich habe nichts mehr zu fragen.
Temel
Ich bleibe süchtig.
Sebastian
Du bleibst süchtig.
Temel
Bis ans Ende aller Tage.
Sebastian
Ja, man kann es ja nachlesen, online.
Temel
Genau, man kann das live als interaktive Challenge, wie so ein Videospiel,
nachverfolgen, wie sich das entwickelt.
Also wer bei FetLife ist, das ist vielleicht lustig und unterhaltsam.
Sebastian
Und man kann auch voten.
Temel
Ja.
Sebastian
Gelegentlich.
Temel
Genau.
Sebastian
Gut. Liebes ein S, ne? Das Temel?
Temel
Ach so, äh, ja. Was ist das Temel?
Sebastian
Männlich, weiblich, sachlich?
Temel
Objektifiziert. Ja, liebe Temel, liebes Temel.
Sebastian
Liebes Temel, also, liebes Temel.
Temel
Ja.
Sebastian
Vielen, vielen Dank für die Einladung. Vielen Dank für Speis und Trank und laufende
Kekse. Hat mir ganz viel Spaß gemacht.
Temel
Danke, danke. Mir auch.
Sebastian
Ja, wunderbar. Dann sage ich jetzt dir tschüss und den Hörern natürlich auch
bis zum nächsten Mal. Macht's gut. Tschüss.
Temel
Tschüss. Bleibt kurz.