WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:05.000
Folge 76 - BDSM - Alles Psycho oder was?!

00:00:06.000 --> 00:00:15.000
Transcript bearbeitet von Die Fähe

00:00:00.000 --> 00:00:39.000
<v Atmo>*Beginn Podcast Intro*

00:00:39.000 --> 00:00:43.000
<v Sebastian>Hallo und herzlich willkommen zur Kunst der Unvernunft, dem Podcast,

00:00:43.000 --> 00:00:47.000
<v Sebastian>in dem Menschen normalerweise über ihr persönliches BDSM-Erleben sprechen.

00:00:48.000 --> 00:00:52.000
<v Sebastian>Doch diese Folge ist ein klein wenig anders. Heute geht es um BDSM aus Sicht

00:00:52.000 --> 00:00:56.000
<v Sebastian>der Sexualmedizin und wir beantworten Fragen aus dem Publikum.

00:00:56.000 --> 00:01:01.000
<v Sebastian>Aber mal ganz von vorne. Ich bin nämlich nach Göttingen gefahren und habe dort Dr.

00:01:01.000 --> 00:01:05.000
<v Sebastian>Jörg Signerski und Diplom-Psychotherapeutin Stefanie Verfürth getroffen.

00:01:05.000 --> 00:01:10.000
<v Sebastian>In der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in der Universitätsmedizin

00:01:10.000 --> 00:01:14.000
<v Sebastian>der Georg-August-Universität haben die beiden dann ihre fachliche Sicht auf

00:01:14.000 --> 00:01:17.000
<v Sebastian>BDSM ausführlich und wie immer nicht abschließend erläutert.

00:01:18.000 --> 00:01:21.000
<v Sebastian>Ja, was waren das für Fragen aus dem Publikum? Es waren wirklich viele und wir

00:01:21.000 --> 00:01:24.000
<v Sebastian>konnten leider nur einige auswählen, aber hier ein paar Beispiele.

00:01:24.000 --> 00:01:27.000
<v Sebastian>Was lernen Mediziner über BDSM in der Ausbildung?

00:01:27.000 --> 00:01:32.000
<v Sebastian>Haben BDSMerInnen häufiger psychische Erkrankungen? Macht BDSM vielleicht süchtig?

00:01:32.000 --> 00:01:35.000
<v Sebastian>Und warum funktioniert BDSM überhaupt?

00:01:35.000 --> 00:01:37.000
<v Sebastian>Und natürlich noch viele weitere Fragen.

00:01:37.000 --> 00:01:41.000
<v Sebastian>Infos zu meinen Gästen findet ihr diesmal besonders ausführlich in den Shownotes.

00:01:41.000 --> 00:01:46.000
<v Sebastian>Dort gibt es auch ein Quellen- und Literaturverzeichnis und haufenweise Kapitelmarken,

00:01:46.000 --> 00:01:50.000
<v Sebastian>mit denen ihr direkt in die einzelnen Fragen und die passenden Antworten reinspringen könnt.

00:01:51.000 --> 00:01:53.000
<v Sebastian>Schaut ruhig rein, es lohnt sich diesmal ganz besonders.

00:01:54.000 --> 00:01:58.000
<v Sebastian>Auf kunstderunvernunft.de könnt ihr außerdem Kommentare zur Folge da lassen,

00:01:58.000 --> 00:02:00.000
<v Sebastian>die ich an meine Gäste weiterleite.

00:02:00.000 --> 00:02:03.000
<v Sebastian>Auf der Webseite findet ihr dann gleich auch noch alle anderen Folgen und könnt

00:02:03.000 --> 00:02:07.000
<v Sebastian>da weiterhören und natürlich könnt ihr dort auch gerne die Kunst der Unvernunft

00:02:07.000 --> 00:02:11.000
<v Sebastian>unterstützen oder einfach mal die Suchfunktion ausprobieren.

00:02:11.000 --> 00:02:14.000
<v Sebastian>Man findet da noch einige Schätze. Nun aber genug geredet.

00:02:15.000 --> 00:02:18.000
<v Sebastian>Irgendwas ist falsch. Nein, noch nicht genug geredet. Wir starten einfach.

00:02:19.000 --> 00:02:22.000
<v Sebastian>Los geht's mit Folge 76 mit Jörg und Steffi.

00:02:22.000 --> 00:02:28.000
<v Atmo>*Titelmelodie*

00:02:29.000 --> 00:02:32.000
<v Sebastian>Ich habe mich in den Zug gesetzt nach Göttingen, beinahe pünktlich,

00:02:32.000 --> 00:02:36.000
<v Sebastian>aber ich bin angekommen hier in einem Klinikum, ihr erfahrt gleich mehr dazu

00:02:36.000 --> 00:02:40.000
<v Sebastian>und ich begrüße Jörg und Steffi, hallo.

00:02:40.000 --> 00:02:41.000
<v Jörg Signerski &amp; Stefanie Verfürth>Hallo.

00:02:42.000 --> 00:02:45.000
<v Sebastian>So, das ist eine etwas andere Kunst der Unvernunft Folge.

00:02:46.000 --> 00:02:49.000
<v Sebastian>Normalerweise würde ich mit euch beiden jetzt über eure Erfahrungen über BDSM

00:02:49.000 --> 00:02:50.000
<v Sebastian>sprechen, was ihr so macht.

00:02:51.000 --> 00:02:57.000
<v Sebastian>Das machen wir heute alles nicht, denn ihr könnt aus dem beruflichen Kontext heute etwas beitragen.

00:02:57.000 --> 00:03:01.000
<v Sebastian>Mögt ihr euch vielleicht mal kurz auch vorstellen mit Titel, sage ich mal.

00:03:01.000 --> 00:03:04.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, Ladies first. Ich fange mal an. Mein Name ist Stefanie Verfürth.

00:03:04.000 --> 00:03:10.000
<v Stefanie Verfürth>Ich bin psychologische Psychotherapeutin und arbeite in einer eigenen Praxis in Bocholt.

00:03:10.000 --> 00:03:14.000
<v Stefanie Verfürth>Das ist in Münsterland in NRW, also auch weit weg von hier.

00:03:14.000 --> 00:03:18.000
<v Stefanie Verfürth>Genau und ich habe da unter anderem einen sexualtherapeutischen Schwerpunkt

00:03:18.000 --> 00:03:25.000
<v Stefanie Verfürth>und mache nebenbei auch mit dem Jörg noch als Dozentin Seminare für angehende

00:03:25.000 --> 00:03:29.000
<v Stefanie Verfürth>psychologische Psychotherapeuten, vor allen Dingen zum Thema Sexualpsychotherapie.

00:03:30.000 --> 00:03:37.000
<v Jörg Signerski>Ja, Jörg Sikniewski, ich bin Sexualmediziner und Sexualpsychotherapeut und leite

00:03:37.000 --> 00:03:42.000
<v Jörg Signerski>hier in Göttingen die Ambulanz für Sexualmedizin und Sexualpsychotherapie.

00:03:42.000 --> 00:03:47.000
<v Jörg Signerski>Und das hier ist mein Büro, wo die Sexualpsychotherapie stattfindet.

00:03:48.000 --> 00:03:51.000
<v Jörg Signerski>Vielleicht beschreibe ich das kurz, damit die Hörer:innen das wissen:

00:03:51.000 --> 00:03:56.000
<v Jörg Signerski>Wir haben ein kleines Tischchen hier, wir haben hier eine Couch,

00:03:56.000 --> 00:03:57.000
<v Jörg Signerski>wir haben hier noch zusätzlich zwei Stühle,

00:03:58.000 --> 00:04:03.000
<v Jörg Signerski>relativ viele Pflanzen und Blumen, relativ viel Licht nach draußen,

00:04:03.000 --> 00:04:09.000
<v Jörg Signerski>helles Büro und eigentlich, glaube ich, ganz gemütlich eingerichtet.

00:04:09.000 --> 00:04:13.000
<v Jörg Signerski>Aber es kann, glaube ich, Sebastian besser entscheiden, ob das gemütlich ist oder nicht.

00:04:13.000 --> 00:04:15.000
<v Sebastian>Ja, also ganz ehrlich, ich habe einen schönen Sessel bekommen.

00:04:15.000 --> 00:04:19.000
<v Sebastian>Ich sitze hier gemütlich mit übereinander geschlagenen Beinen und hier ist ein

00:04:19.000 --> 00:04:22.000
<v Sebastian>Tisch mit allerlei Leckereien, die wir hier zwischendurch auch mal naschen können.

00:04:23.000 --> 00:04:27.000
<v Sebastian>Also ich fühle mich, na, wie zu Hause vielleicht nicht, aber ich fühle mich

00:04:27.000 --> 00:04:32.000
<v Sebastian>hier gerade wohl und die Couch ist auch, was ist das, so eine Art Minzgrün vielleicht,

00:04:32.000 --> 00:04:34.000
<v Sebastian>würde ich sagen. Das ist bestimmt kein Zufall.

00:04:35.000 --> 00:04:38.000
<v Sebastian>Das Einzige, was mich natürlich als Tonmenschen ein bisschen ärgert,

00:04:38.000 --> 00:04:40.000
<v Sebastian>ist der Hall, aber den kriegt man aus dem Raum hier, glaube ich, auch nicht raus.

00:04:42.000 --> 00:04:45.000
<v Jörg Signerski>Die Couch ist Zufall, habe ich geerbt. Die war ja schon drin,

00:04:46.000 --> 00:04:49.000
<v Jörg Signerski>als die Mauer gezogen wurde und das Büro abgetrennt wurde, also sie ist nicht

00:04:49.000 --> 00:04:51.000
<v Jörg Signerski>bewusst ausgesucht worden.

00:04:51.000 --> 00:04:57.000
<v Stefanie Verfürth>Wenn ich was dazu sagen darf, für ein Krankenhaus und Psychiatrie-Arztzimmer

00:04:57.000 --> 00:05:01.000
<v Stefanie Verfürth>finde ich es hier ganz wohnlich und schick, aber wenn wir jetzt bei mir in der

00:05:01.000 --> 00:05:04.000
<v Stefanie Verfürth>Praxis säßen, sähe es da tatsächlich nochmal wesentlich,

00:05:05.000 --> 00:05:08.000
<v Stefanie Verfürth>finde ich, vom Ambiente her jedenfalls, angenehmer aus.

00:05:08.000 --> 00:05:09.000
<v Jörg Signerski>Oh ja, das stimmt, definitiv.

00:05:10.000 --> 00:05:15.000
<v Sebastian>Ich kann sagen, ich sehe den Kittel an der Wand hängen, es gibt ihn. Trägt man den hier?

00:05:15.000 --> 00:05:20.000
<v Jörg Signerski>Ich nicht. Im beruflichen Alltag trage ich den so gut wie nie,

00:05:21.000 --> 00:05:24.000
<v Jörg Signerski>weil ich hauptsächlich psychotherapeutisch arbeite.

00:05:24.000 --> 00:05:29.000
<v Jörg Signerski>Wenn ich mal akut-psychiatrisch arbeiten sollte, dann ja. Die Kollegen,

00:05:29.000 --> 00:05:33.000
<v Jörg Signerski>die akut-psychiatrisch auf der Geschlossenen arbeiten, also die tragen Kittel.

00:05:33.000 --> 00:05:38.000
<v Sebastian>Ich hab heute eine, wir haben einen Wahnsinnsritt vor uns, weil ich habe über 120 Fragen

00:05:38.000 --> 00:05:40.000
<v Sebastian>aus dem Publikum für diese Folge bekommen.

00:05:41.000 --> 00:05:46.000
<v Sebastian>Ich habe die sortiert, habe Duplikate weggekürzt, die Sachen ein bisschen zusammengerafft.

00:05:46.000 --> 00:05:48.000
<v Sebastian>Wir werden es trotzdem nicht schaffen.

00:05:48.000 --> 00:05:53.000
<v Sebastian>Die Leute sind ja heiß drauf, ganz viele Dinge zu erfahren und einfach

00:05:53.000 --> 00:05:54.000
<v Sebastian>mal Fragen stellen zu können.

00:05:54.000 --> 00:05:57.000
<v Sebastian>Ich werde auch in dieser Folge das ein bisschen anders strukturieren.

00:05:57.000 --> 00:05:58.000
<v Sebastian>Ich versuche selbst auch auf,

00:05:58.000 --> 00:06:02.000
<v Sebastian>ich sag mal BDSM-Fachbegriffe zu verzichten oder sie zumindest bei

00:06:02.000 --> 00:06:05.000
<v Sebastian>der ersten Nennung ganz kurz zu erklären, damit auch Menschen,

00:06:05.000 --> 00:06:09.000
<v Sebastian>die jetzt zum Beispiel ganz neu dabei sind und diese Folge hier finden,

00:06:09.000 --> 00:06:10.000
<v Sebastian>sich irgendwie orientieren wollen,

00:06:10.000 --> 00:06:13.000
<v Sebastian>dass sie zumindest eine Chance haben, hier mitzukommen.

00:06:13.000 --> 00:06:16.000
<v Sebastian>Dann legen wir einfach mal los. Ich glaube jetzt erstmal ist noch so ein bisschen

00:06:16.000 --> 00:06:23.000
<v Sebastian>die Person interessant, weil ja, psychotherapeutische, psychiatrische,

00:06:23.000 --> 00:06:26.000
<v Sebastian>oh Gott, ich weiß nicht mal, wie die Ausbildung richtig heißt, die gibt es.

00:06:26.000 --> 00:06:30.000
<v Sebastian>Deshalb muss ich vielleicht erstmal so ein bisschen erden, was wisst ihr über BDSM?

00:06:31.000 --> 00:06:35.000
<v Jörg Signerski>Die Frage ist richtig gut. Fangen wir erstmal an.

00:06:35.000 --> 00:06:39.000
<v Jörg Signerski>Was ist der Hauptschwerpunkt der Ambulanz für Sexualmedizin und Sexualpsychotherapie

00:06:39.000 --> 00:06:42.000
<v Jörg Signerski>und wie viel haben wir hier mit BDSM zu tun?

00:06:42.000 --> 00:06:49.000
<v Jörg Signerski>Hauptschwerpunktmäßig sehen wir hier Personen mit einer Transidentität,

00:06:49.000 --> 00:06:55.000
<v Jörg Signerski>also es sind Personen, die ein biologisch zum Beispiel männliches Geschlecht haben,

00:06:55.000 --> 00:07:00.000
<v Jörg Signerski>sich aber weiblich empfinden oder umgekehrt oder non-binäre Personen,

00:07:00.000 --> 00:07:02.000
<v Jörg Signerski>die sagen, in mir stecken möglicherweise beide Anteile.

00:07:02.000 --> 00:07:08.000
<v Jörg Signerski>Wir sehen dann sexuelle Funktionsstörungen, also Erektionsstörungen mit psychischer

00:07:08.000 --> 00:07:11.000
<v Jörg Signerski>Ursache, den Scheidenkampf, den Vaginismus,

00:07:11.000 --> 00:07:17.000
<v Jörg Signerski>Schmerzen beim Sexualkontakt, frühzeitigen Samenerguss und BDSM spielt hier

00:07:17.000 --> 00:07:22.000
<v Jörg Signerski>eine marginale Rolle, mit Sicherheit unter einem Prozent.

00:07:22.000 --> 00:07:23.000
<v Sebastian>Oh, so wenig?

00:07:24.000 --> 00:07:25.000
<v Jörg Signerski>M-hm.

00:07:25.000 --> 00:07:29.000
<v Sebastian>Ich weiß jetzt noch nicht, ob das für BDSM spricht oder einfach dafür,

00:07:29.000 --> 00:07:34.000
<v Sebastian>dass andere Probleme wichtiger sind oder mehr Priorität dann genießen.

00:07:34.000 --> 00:07:35.000
<v Sebastian>Wir werden es rauskriegen.

00:07:35.000 --> 00:07:39.000
<v Stefanie Verfürth>Ich würde sagen, man kann es vielleicht so interpretieren, dass möglicherweise

00:07:39.000 --> 00:07:45.000
<v Stefanie Verfürth>BDSMer eine so gesunde Sexualität haben, dass sie hier wenig unsere Hilfe in

00:07:45.000 --> 00:07:46.000
<v Stefanie Verfürth>Anspruch nehmen müssen.

00:07:46.000 --> 00:07:50.000
<v Sebastian>Ah, sehr schön. Ich wollte es selber nicht sagen, weil das klingt dann komisch,

00:07:50.000 --> 00:07:52.000
<v Sebastian>wenn ich das dann sage. Stimmt das?

00:07:52.000 --> 00:07:57.000
<v Jörg Signerski>Ja, es gibt Studien dazu, die sagen, also wenn man sich anguckt,

00:07:57.000 --> 00:08:01.000
<v Jörg Signerski>psychische Erkrankungen und BDSM, gibt es da einen Zusammenhang,

00:08:01.000 --> 00:08:03.000
<v Jörg Signerski>muss man eindeutig sagen, nein.

00:08:04.000 --> 00:08:11.000
<v Jörg Signerski>Es gibt in Randbereichen, findet man immer irgendetwas, aber es gibt keine Häufigkeit,

00:08:11.000 --> 00:08:14.000
<v Jörg Signerski>wo man sagt, da haben wir irgendeine signifikante Schnittmenge.

00:08:14.000 --> 00:08:21.000
<v Jörg Signerski>Wir haben natürlich Personen, die BDSM leben, die psychische Erkrankungen haben,

00:08:21.000 --> 00:08:23.000
<v Jörg Signerski>aber wir haben genauso gut Menschen,

00:08:23.000 --> 00:08:28.000
<v Jörg Signerski>die in einer ganz normalen heterosexuellen Sexualität leben,

00:08:28.000 --> 00:08:29.000
<v Jörg Signerski>die haben auch psychische Erkrankungen.

00:08:30.000 --> 00:08:35.000
<v Sebastian>Ja, ich glaube, das kann einfach jeder haben. Aber ich bin gespannt.

00:08:35.000 --> 00:08:36.000
<v Sebastian>Ich überlege, wie ich das hier strukturiere.

00:08:36.000 --> 00:08:40.000
<v Sebastian>Das bleibt jetzt auch genauso in der Aufnahme drin, dieses leichte Chaos in

00:08:40.000 --> 00:08:42.000
<v Sebastian>meinen Kopf, weil ich will natürlich immer wieder viel zu viel.

00:08:42.000 --> 00:08:43.000
<v Sebastian>Ich möchte immer sofort anknüpfen.

00:08:43.000 --> 00:08:47.000
<v Sebastian>Vielleicht können wir mal so ein bisschen erst mal erklären,

00:08:48.000 --> 00:08:50.000
<v Sebastian>wie können wir denn heute kommunizieren?

00:08:50.000 --> 00:08:54.000
<v Sebastian>Weil jetzt so Patientenbeispiele zu nennen, wird ja ein bisschen kompliziert.

00:08:55.000 --> 00:08:57.000
<v Sebastian>Da habt ihr euch einen Modus überlegt.

00:08:57.000 --> 00:09:01.000
<v Jörg Signerski>Genau, es gibt das didaktische Methode, auch psychotherapeutisch kann man das

00:09:01.000 --> 00:09:05.000
<v Jörg Signerski>nennen, tell a story, heißt wir erzählen.

00:09:05.000 --> 00:09:12.000
<v Jörg Signerski>Wir erzählen Pseudo-Patient:innen-Beispiele, um es zu verdeutlichen,

00:09:12.000 --> 00:09:13.000
<v Jörg Signerski>wenn wir das überhaupt machen.

00:09:13.000 --> 00:09:20.000
<v Jörg Signerski>Aber wenn das passiert, dann sind das Beispiele, die so nicht stattgefunden

00:09:20.000 --> 00:09:25.000
<v Jörg Signerski>haben, aber die es so ähnlich gegeben hat.

00:09:25.000 --> 00:09:32.000
<v Jörg Signerski>Warum? Wir sind natürlich an die Schweigepflicht gebunden und die müssen wir einhalten.

00:09:32.000 --> 00:09:35.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, was wir hier erzählen, da wird sich keiner wiederfinden,

00:09:35.000 --> 00:09:37.000
<v Jörg Signerski>weil wir es so sehr verfremdet haben.

00:09:37.000 --> 00:09:41.000
<v Jörg Signerski>Wir machen das zum Teil auch, wenigstens ich, ich weiß nicht,

00:09:41.000 --> 00:09:49.000
<v Jörg Signerski>wie es mit dir ist, im psychotherapeutischen Kontext, um auch unseren Patient:innen-Situationen

00:09:49.000 --> 00:09:52.000
<v Jörg Signerski>zu verdeutlichen. Ich weiß gar nicht, machst du das? Tell a story?

00:09:52.000 --> 00:09:57.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, durchaus, ja. Ich meine, das ist ja auch praktisch, dass Patienten dann

00:09:57.000 --> 00:10:01.000
<v Stefanie Verfürth>ja auch mal von anderen vielleicht was hören und das Gefühl haben,

00:10:01.000 --> 00:10:04.000
<v Stefanie Verfürth>nicht so ganz die einzigen auf der Welt zu sein mit solchen Problemen.

00:10:05.000 --> 00:10:11.000
<v Sebastian>Jetzt ist erstmal so die Überlegung, ihr habt beide eine tiefengehende Ausbildung

00:10:11.000 --> 00:10:15.000
<v Sebastian>genossen, ihr seid, ich sag mal Psycho, Punkt, Punkt, Punkt,

00:10:15.000 --> 00:10:16.000
<v Sebastian>alles was man da machen kann,

00:10:16.000 --> 00:10:20.000
<v Sebastian>das ist ja gerade versammelt vor mir und dann interessiert mich doch einfach mal,

00:10:21.000 --> 00:10:24.000
<v Sebastian>was kriegt man in der Ausbildung zum Thema Kink,

00:10:24.000 --> 00:10:30.000
<v Sebastian>BDSM, Sexualität oder abweichende Sexualität, was bekommt man da mit?

00:10:31.000 --> 00:10:31.000
<v Jörg Signerski>Nichts.

00:10:32.000 --> 00:10:36.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, bei mir auch so gut wie gar nichts. Also ich muss vielleicht auch zur Erklärung

00:10:36.000 --> 00:10:40.000
<v Stefanie Verfürth>nochmal dazu sagen, du sagst ja, wir haben hier eine große Bandbreite sitzen, das ist tatsächlich so.

00:10:40.000 --> 00:10:45.000
<v Stefanie Verfürth>Der Jörg ist von Haus aus Mediziner, also hat Medizin studiert,

00:10:45.000 --> 00:10:47.000
<v Stefanie Verfürth>ist Arzt, Psychiater und Psychotherapeut.

00:10:47.000 --> 00:10:52.000
<v Stefanie Verfürth>Ich habe Diplom-Psychologie studiert und dann eine Psychotherapieausbildung

00:10:52.000 --> 00:10:57.000
<v Stefanie Verfürth>gemacht und das Mindeste oder Höchste, was man da erwarten kann, ist tatsächlich,

00:10:57.000 --> 00:11:02.000
<v Stefanie Verfürth>dass wir ein Seminar haben zum Thema sexuelle Funktionsstörungen und deren Behandlung,

00:11:02.000 --> 00:11:05.000
<v Stefanie Verfürth>wo ganz kurz ein Abriss erfolgt darüber,

00:11:05.000 --> 00:11:09.000
<v Stefanie Verfürth>was es an sexuellen Funktionsstörungen gibt.

00:11:09.000 --> 00:11:14.000
<v Stefanie Verfürth>Damit ist aber der Bereich Kink, BDSM, was auch immer...

00:11:14.000 --> 00:11:18.000
<v Stefanie Verfürth>überhaupt nicht abgedeckt. Auch der Bereich Transidentität, was Jörg eben gesagt

00:11:18.000 --> 00:11:26.000
<v Stefanie Verfürth>hat, was ja hier in der Ambulanz häufig auftritt, wird da einfach gar nicht erfasst.

00:11:26.000 --> 00:11:31.000
<v Stefanie Verfürth>Es ist auch ein so breites Spektrum, dass man das auch im Rahmen der Ausbildung

00:11:31.000 --> 00:11:32.000
<v Stefanie Verfürth>irgendwie kaum unterkriegt.

00:11:32.000 --> 00:11:38.000
<v Stefanie Verfürth>Also wir sind einfach, nachdem wir unsere psychotherapeutische Ausbildung abgeschlossen

00:11:38.000 --> 00:11:42.000
<v Stefanie Verfürth>haben, aus lauter Interesse einfach durch Zusatzausbildung dazugekommen,

00:11:42.000 --> 00:11:47.000
<v Stefanie Verfürth>uns darüber zu informieren und interessieren und weiterzubilden.

00:11:48.000 --> 00:11:52.000
<v Sebastian>Die Zusatzausbildung, die muss man machen wollen oder sind die Pflicht,

00:11:52.000 --> 00:11:57.000
<v Sebastian>dass man pro Jahr drei, vier Zusatzqualifikationen erwirbt oder ist das dann

00:11:57.000 --> 00:11:58.000
<v Sebastian>persönliches Engagement?

00:11:58.000 --> 00:12:03.000
<v Stefanie Verfürth>Also grundsätzlich sind wir alle hier im medizinischen Bereich,

00:12:03.000 --> 00:12:07.000
<v Stefanie Verfürth>sowohl psychologische Psychotherapeuten als auch Ärzte und da auch alle Ärzte

00:12:07.000 --> 00:12:10.000
<v Stefanie Verfürth>und Fachärzte angehalten uns fortzubilden.

00:12:10.000 --> 00:12:15.000
<v Stefanie Verfürth>Wir haben eine Regelung mit so Fortbildungspunkten, die wir im Jahr sammeln

00:12:15.000 --> 00:12:18.000
<v Stefanie Verfürth>müssen oder in einem bestimmten Fünfjahreszeitraum

00:12:18.000 --> 00:12:20.000
<v Stefanie Verfürth>müssen so und so viele Fortbildungspunkte gesammelt werden.

00:12:20.000 --> 00:12:28.000
<v Stefanie Verfürth>Ansonsten gibt es da gewisse Repressalien, die bis zu einem Berufsverbot dann auch hingehen könnten.

00:12:29.000 --> 00:12:34.000
<v Stefanie Verfürth>Was man da aber an Fortbildung macht, da ist jeder eben persönlich frei,

00:12:34.000 --> 00:12:39.000
<v Stefanie Verfürth>je nachdem, wo man auch dann arbeiten möchte, was einen interessiert und wie

00:12:39.000 --> 00:12:44.000
<v Stefanie Verfürth>gesagt, wir haben uns eben entschieden, auch in dem Bereich uns fortzubilden.

00:12:44.000 --> 00:12:48.000
<v Stefanie Verfürth>Aber wie gesagt, machen auch nicht nur ausschließlich das.

00:12:48.000 --> 00:12:51.000
<v Stefanie Verfürth>Wir dürfen auch andere Fortbildungen besuchen.

00:12:51.000 --> 00:12:56.000
<v Jörg Signerski>Wir haben hier an der Uni, machen wir auch Lehrforschung, in der ich beteiligt

00:12:56.000 --> 00:13:02.000
<v Jörg Signerski>bin und wir haben uns angeguckt, was wissen denn Medizinstudierende über Sexualität?

00:13:03.000 --> 00:13:09.000
<v Jörg Signerski>Relativ wenig. Wir haben uns angeguckt, was wird im Staatsexamen denn gefragt

00:13:09.000 --> 00:13:16.000
<v Jörg Signerski>über Sexualität, weil man ja als Student:in nur das lernt, was dann wirklich prüfungsrelevant ist.

00:13:17.000 --> 00:13:23.000
<v Jörg Signerski>Es wird fast nur gefragt über sexual übertragbare Erkrankungen.

00:13:24.000 --> 00:13:27.000
<v Jörg Signerski>Trans, keine Fragen, also Transidentität, keine Fragen zu.

00:13:27.000 --> 00:13:33.000
<v Jörg Signerski>Auch sexueller Missbrauch waren in den vier Jahren, die wir uns angeschaut haben, keine Fragen zu.

00:13:34.000 --> 00:13:38.000
<v Jörg Signerski>Das gleiche findet man im psychotherapeutischen Bereich auch.

00:13:38.000 --> 00:13:44.000
<v Jörg Signerski>Und man muss wirklich auch sagen, in der psychotherapeutischen Weiterbildung

00:13:44.000 --> 00:13:51.000
<v Jörg Signerski>zur Sexualpsychotherapeutin, auch wenn das 140 Stunden Theorie sind und 60 Stunden Fallsupervision,

00:13:51.000 --> 00:13:59.000
<v Jörg Signerski>spielt in meinem Bereich das BDSM-Thema keine Rolle.

00:14:00.000 --> 00:14:06.000
<v Jörg Signerski>Es gibt jetzt seit ungefähr zwei Jahren die Zusatzbezeichnung Sexualmedizin

00:14:06.000 --> 00:14:08.000
<v Jörg Signerski>für die Mediziner:innen.

00:14:08.000 --> 00:14:14.000
<v Jörg Signerski>Da bin ich als Dozent mit drin und da machen wir eine halbe Stunde etwas zu

00:14:14.000 --> 00:14:19.000
<v Jörg Signerski>BDSM und in einer halben Stunde kann man nur ganz oberflächlich bleiben.

00:14:20.000 --> 00:14:24.000
<v Sebastian>Ich hätte jetzt gedacht, wir haben ja eine Änderung im ICD-11,

00:14:24.000 --> 00:14:26.000
<v Sebastian>ist glaube ich jetzt aktuell.

00:14:26.000 --> 00:14:31.000
<v Sebastian>Und seit Jahren geistert das, also ganz umgangssprachlich.

00:14:31.000 --> 00:14:35.000
<v Sebastian>BDSM ist krank, aber dank ICD-11 ist das nicht mehr so.

00:14:36.000 --> 00:14:41.000
<v Sebastian>Das heißt, es wird also irgendwo schon einkategorisiert und diagnostiziert.

00:14:41.000 --> 00:14:45.000
<v Sebastian>Und wenn ich es diagnostizieren kann, dann muss ich das auch mal gelernt haben.

00:14:45.000 --> 00:14:49.000
<v Sebastian>Also bin ich natürlich jetzt fest davon ausgegangen, das muss ja ein Lerninhalt

00:14:49.000 --> 00:14:51.000
<v Sebastian>sein, sonst kann ich es ja nicht diagnostizieren.

00:14:51.000 --> 00:14:54.000
<v Jörg Signerski>Ja, das könnte man so denken.

00:14:55.000 --> 00:14:59.000
<v Jörg Signerski>Aber gucken wir uns auch mal aktuell die Diagnose-Klassifikationen an.

00:14:59.000 --> 00:15:07.000
<v Jörg Signerski>Das ICD-11 ist wohl seit Januar gültig, aber im Moment diagnostizieren wir

00:15:07.000 --> 00:15:10.000
<v Jörg Signerski>alle noch nach ICD-10 und nicht nach ICD-11.

00:15:10.000 --> 00:15:15.000
<v Jörg Signerski>Das wird noch fünf Jahre wahrscheinlich brauchen, nobody knows,

00:15:15.000 --> 00:15:19.000
<v Jörg Signerski>bis wir überhaupt nach ICD-11 verschlüsselt werden.

00:15:19.000 --> 00:15:25.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, die Kollegen draußen denken immer noch, das ist eine Erkrankung, die meisten.

00:15:25.000 --> 00:15:27.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, ich wollte noch was ergänzen.

00:15:28.000 --> 00:15:34.000
<v Stefanie Verfürth>Du hast recht, es ist ein totales Paradox, dass es auf der einen Seite als Diagnose

00:15:34.000 --> 00:15:38.000
<v Stefanie Verfürth>zu verschlüsseln ist noch im ICD-10, auf der anderen Seite aber in der Ausbildung

00:15:38.000 --> 00:15:40.000
<v Stefanie Verfürth>gar nicht aufgegriffen wird.

00:15:40.000 --> 00:15:47.000
<v Stefanie Verfürth>Das ist aber auch dadurch zu erklären, dass es ja im Endeffekt auch keine Therapieform für gibt.

00:15:47.000 --> 00:15:52.000
<v Stefanie Verfürth>Und es ist ja in der Regel etwas, was Menschen freiwillig wählen.

00:15:52.000 --> 00:15:59.000
<v Stefanie Verfürth>Wenn ich mich für BDSM interessiere und das eben meine Vorliebe und mein Kink

00:15:59.000 --> 00:16:04.000
<v Stefanie Verfürth>ist, dann ist das ja was, was ich freiwillig praktiziere und wo ich meistens

00:16:04.000 --> 00:16:06.000
<v Stefanie Verfürth>keinen Leidensdruck mit habe, sondern sehr viel Lust empfinde.

00:16:06.000 --> 00:16:11.000
<v Stefanie Verfürth>Und Störungen aus unserer Sicht, die wir therapeutisch behandeln,

00:16:11.000 --> 00:16:16.000
<v Stefanie Verfürth>implizieren in der Regel immer die Voraussetzung, dass es einen gewissen Leidensdruck

00:16:16.000 --> 00:16:18.000
<v Stefanie Verfürth>damit gibt, den man auch behandeln kann.

00:16:18.000 --> 00:16:23.000
<v Stefanie Verfürth>Und deswegen ist es im Endeffekt für uns so gesehen keine Erkrankung,

00:16:23.000 --> 00:16:25.000
<v Stefanie Verfürth>die behandlungsbedürftig ist.

00:16:25.000 --> 00:16:30.000
<v Sebastian>Ja, es gibt ja den Begriff, wenn es pathologisch ist, dann sollte man was tun.

00:16:30.000 --> 00:16:32.000
<v Sebastian>Vielleicht mag ich einfach mal

00:16:32.000 --> 00:16:36.000
<v Sebastian>diesen Begriff, wann ist denn etwas pathologisch? Kann man das erklären?

00:16:37.000 --> 00:16:42.000
<v Stefanie Verfürth>Na ja, das ist eben eine schöne Frage und das betrifft eben genau diesen Bereich.

00:16:43.000 --> 00:16:46.000
<v Stefanie Verfürth>Im Endeffekt gibt es ja eine große Bandbreite, was ist normal,

00:16:46.000 --> 00:16:51.000
<v Stefanie Verfürth>was ist nicht normal und wann wird etwas pathologisch und wir sagen im Endeffekt,

00:16:51.000 --> 00:16:55.000
<v Stefanie Verfürth>pathologisch wird etwas dann, wie gesagt, wenn es einen Leidensdruck erzeugt,

00:16:55.000 --> 00:16:57.000
<v Stefanie Verfürth>wenn etwas so negative Konsequenzen hat,

00:16:57.000 --> 00:17:04.000
<v Stefanie Verfürth>dass es möglicherweise mir schadet, dass es mein Leben beeinträchtigt,

00:17:04.000 --> 00:17:05.000
<v Stefanie Verfürth>dass ich nicht mehr in der Lage bin,

00:17:06.000 --> 00:17:09.000
<v Stefanie Verfürth>meinen Beruf auszuüben, eine Beziehung aufrecht zu erhalten,

00:17:10.000 --> 00:17:12.000
<v Stefanie Verfürth>soziale Kontakte zu machen und dergleichen.

00:17:12.000 --> 00:17:17.000
<v Stefanie Verfürth>Und das ist im Endeffekt auch die Voraussetzung dafür, dass beispielsweise auch

00:17:17.000 --> 00:17:21.000
<v Stefanie Verfürth>therapeutische Maßnahmen bezahlt werden. Auch das muss man noch mal dazu sagen,

00:17:22.000 --> 00:17:29.000
<v Stefanie Verfürth>zum Thema Psychotherapie oder Sexualpsychotherapie. Selbst wenn wir sexualpsychotherapeutisch

00:17:29.000 --> 00:17:34.000
<v Stefanie Verfürth>ausgebildet sind und Patienten mit sexuellen Funktionsstörungen behandeln können und wollen,

00:17:34.000 --> 00:17:38.000
<v Stefanie Verfürth>ist es so, dass die Krankenkassen das gar nicht übernehmen.

00:17:38.000 --> 00:17:44.000
<v Stefanie Verfürth>Das heißt Depressionen, Angststörungen, Schizophrenien, solche Erkrankungen

00:17:44.000 --> 00:17:48.000
<v Stefanie Verfürth>werden zweifelsfrei auch von den Krankenkassen bezahlt.

00:17:48.000 --> 00:17:53.000
<v Stefanie Verfürth>Aber wenn es um eine sexuelle Funktionsstörung geht oder Probleme in dem Bereich,

00:17:53.000 --> 00:17:58.000
<v Stefanie Verfürth>ist das sagen wir mal vielleicht eher ein Luxusproblem und eine Beeinträchtigung in der Lebensqualität.

00:17:58.000 --> 00:18:03.000
<v Stefanie Verfürth>Aber führt scheinbar nicht zu solchen weitreichenden Problematiken,

00:18:03.000 --> 00:18:08.000
<v Stefanie Verfürth>dass das Gesundheitssystem motiviert genug wäre, dafür Therapien zu bezahlen.

00:18:09.000 --> 00:18:12.000
<v Sebastian>Ja, aber da sehe ich jetzt gerade diesen Riesenwiderspruch und da kommen wir

00:18:12.000 --> 00:18:13.000
<v Sebastian>jetzt quasi schon weiter.

00:18:13.000 --> 00:18:16.000
<v Sebastian>Oh Gott, ich muss das wirklich anders strukturieren. Aber ich sehe es natürlich

00:18:16.000 --> 00:18:23.000
<v Sebastian>so, das Menschsein, da ist natürlich Sexualität einfach ein nicht zu unterschätzender Teil.

00:18:24.000 --> 00:18:24.000
<v Stefanie Verfürth>Richtig.

00:18:24.000 --> 00:18:28.000
<v Sebastian>Und ich meine, auch dieser Staat wünscht ja, dass wir hier Nachkommen produzieren

00:18:28.000 --> 00:18:30.000
<v Sebastian>und das wird ohne Sex nicht gehen.

00:18:30.000 --> 00:18:32.000
<v Sebastian>Und wenn ich da eine Funktionsstörung habe, dann habe ich eine,

00:18:32.000 --> 00:18:35.000
<v Sebastian>ich sage mal, eine Störung in der Volksgesundheit, sage ich.

00:18:35.000 --> 00:18:39.000
<v Sebastian>Also ich würde das viel dramatischer sehen als Staat, wenn meine Bürger da nicht

00:18:39.000 --> 00:18:42.000
<v Sebastian>in Anführungszeichen "funktionieren".

00:18:42.000 --> 00:18:47.000
<v Sebastian>Also deshalb bewerte ich es vielleicht dramatisch höher, als das ihr in der

00:18:47.000 --> 00:18:48.000
<v Sebastian>Bürokratie tatsächlich erlebt.

00:18:48.000 --> 00:18:50.000
<v Sebastian>Als Luxusproblem dann tatsächlich.

00:18:50.000 --> 00:18:54.000
<v Stefanie Verfürth>Das ist ja nicht jetzt meine persönliche Meinung, sondern ich erlebe das ja

00:18:54.000 --> 00:18:58.000
<v Stefanie Verfürth>so wie du, dass ich da auch sage, das kann ja eigentlich gar nicht sein und

00:18:58.000 --> 00:19:01.000
<v Stefanie Verfürth>das ist auch was, was ich anprangere am Gesundheitssystem.

00:19:02.000 --> 00:19:07.000
<v Stefanie Verfürth>Also ich würde mir auf jeden Fall wünschen, dass die Sexualität so einen wichtigen Stellenwert hat,

00:19:07.000 --> 00:19:14.000
<v Stefanie Verfürth>auch in der Sicht der Politiker, dass sie auch bereit wären dafür sich einzusetzen,

00:19:15.000 --> 00:19:18.000
<v Stefanie Verfürth>dass auch solche Behandlungen bezahlt werden. Ich finde das absolut.

00:19:18.000 --> 00:19:21.000
<v Jörg Signerski>Um kein Missverständnis aufkommen

00:19:21.000 --> 00:19:25.000
<v Jörg Signerski>zu lassen, wir sprechen hier um die sexuellen Funktionsstörungen.

00:19:26.000 --> 00:19:31.000
<v Jörg Signerski>Bei Transidentität sieht es anders aus, das ist eine Kassenleistung.

00:19:31.000 --> 00:19:38.000
<v Jörg Signerski>Bei einigen schweren sexuellen Identitätsstörungen, Paraphilie etc.

00:19:38.000 --> 00:19:42.000
<v Jörg Signerski>ist es auch eine Krankenkassenleistung. Da haben wir eher das Problem,

00:19:42.000 --> 00:19:46.000
<v Jörg Signerski>dass es kaum Therapeut:innen gibt, die sich damit auskennen.

00:19:47.000 --> 00:19:50.000
<v Jörg Signerski>So sozusagen die Lage aktuell.

00:19:51.000 --> 00:19:55.000
<v Sebastian>BDSMer, gibt es eine Zahl, wie viele wir denn sind?

00:19:55.000 --> 00:20:02.000
<v Sebastian>5%, 10%, 15%, 20%, wie viele machen es und wie viele haben Gedanken in die Richtung?

00:20:03.000 --> 00:20:06.000
<v Jörg Signerski>Sebastian, eine Gegenfrage, was ist denn BDSM?

00:20:06.000 --> 00:20:12.000
<v Sebastian>Ja, ich bezeichne BDSM als all das, was über das hinausgeht,

00:20:13.000 --> 00:20:17.000
<v Sebastian>was ich von der Kirche zugestanden bekommen würde.

00:20:18.000 --> 00:20:20.000
<v Jörg Signerski>Ja Stop, dann wäre Selbstbefriedigung BDSM?

00:20:20.000 --> 00:20:22.000
<v Sebastian>Wenn die Gedanken passen?

00:20:25.000 --> 00:20:29.000
<v Sebastian>Also ich sage es ganz ehrlich, ich definiere das sehr, sehr, sehr weit.

00:20:29.000 --> 00:20:35.000
<v Sebastian>Also ich kann da Fetische mit reinordnen, ich kann die rollenbasierte oder regelbasierte,

00:20:36.000 --> 00:20:41.000
<v Sebastian>das Zusammenspiel zwischen Menschen in der Sexualität kann ich da mit zuordnen.

00:20:41.000 --> 00:20:45.000
<v Sebastian>Also jedes Rollenspiel, ich nehme jetzt mal hier schön Oberarzt und Krankenschwester

00:20:45.000 --> 00:20:49.000
<v Sebastian>mal als blödes Beispiel, das kann ich in diesen Kontext reinsortieren.

00:20:50.000 --> 00:20:55.000
<v Sebastian>Klassisch ist BDSM natürlich eher Sadismus, Masochismus und dann geht es dabei

00:20:55.000 --> 00:21:00.000
<v Sebastian>Schmerzen zuzufügen oder eben auch zu empfangen oder sogar Lust dabei zu empfinden.

00:21:00.000 --> 00:21:06.000
<v Sebastian>Okay, aber so eng kann und mag ich das inzwischen nicht mehr eingrenzen.

00:21:06.000 --> 00:21:08.000
<v Sebastian>Es funktioniert überhaupt nicht.

00:21:08.000 --> 00:21:13.000
<v Sebastian>Und ich würde auch Menschen, die zum Beispiel in ihrer Freizeit als Pony rumlaufen

00:21:13.000 --> 00:21:16.000
<v Sebastian>und durch die Fußgängerzone und da viel Zeit und Energie reinstecken,

00:21:16.000 --> 00:21:19.000
<v Sebastian>auch das würde ich schon in den BDSM-Kontext reinsetzen, in dem Moment,

00:21:19.000 --> 00:21:22.000
<v Sebastian>wo es eine zweite Person gibt, die Anweisungen gibt.

00:21:23.000 --> 00:21:28.000
<v Sebastian>Macht und Ohnmacht, Schmerz und auch die Lust daran. Vielleicht kann ich das

00:21:28.000 --> 00:21:31.000
<v Sebastian>so mal ganz grob umreißen.

00:21:31.000 --> 00:21:38.000
<v Jörg Signerski>Weißt du, was mir als Begriff gefällt, ist von Vanilla und Not-Vanilla zu sprechen.

00:21:38.000 --> 00:21:42.000
<v Jörg Signerski>Weil ich finde die Vielfalt von Eissorten sehr schön.

00:21:42.000 --> 00:21:47.000
<v Jörg Signerski>Und wenn wir uns angucken, wie viel Not-Vanilla-Fantasien

00:21:47.000 --> 00:21:50.000
<v Jörg Signerski>denn in der Allgemeinbevölkerung da sind, finden wir,

00:21:51.000 --> 00:21:56.000
<v Jörg Signerski>dass zwischen 40 und 75 Prozent der Bevölkerung haben auf der Fantasieebene

00:21:56.000 --> 00:21:58.000
<v Jörg Signerski>diesbezügliche Fantasien.

00:21:58.000 --> 00:22:00.000
<v Jörg Signerski>Das heißt gar nicht wenig.

00:22:00.000 --> 00:22:06.000
<v Sebastian>Das sind eigentlich, wenn ich überlege, alle Menschen, die sexuell aktiv sind.

00:22:06.000 --> 00:22:09.000
<v Jörg Signerski>Es sind wenigstens viele. Die Frage ist, das weiß ich gerade nicht,

00:22:09.000 --> 00:22:14.000
<v Jörg Signerski>was die 100 Prozent dieser Studie waren, aber ich gehe davon aus,

00:22:14.000 --> 00:22:17.000
<v Jörg Signerski>dass das 100 Prozent aller sexuell Aktiven waren.

00:22:17.000 --> 00:22:21.000
<v Sebastian>Okay, schade, ich war zu optimistisch. Wie viele machen dann auch was?

00:22:22.000 --> 00:22:28.000
<v Jörg Signerski>Da wird es dann interessant, sich die Zahlen anzugucken, je nachdem was gemacht

00:22:28.000 --> 00:22:33.000
<v Jörg Signerski>wird zwischen 2 und 15 Prozent und je nachdem wie eng das setzt.

00:22:34.000 --> 00:22:39.000
<v Jörg Signerski>Also sagst du, das Fesseln am Bett, was man ab und zu macht,

00:22:40.000 --> 00:22:41.000
<v Jörg Signerski>gehört schon dazu oder nicht.

00:22:41.000 --> 00:22:44.000
<v Jörg Signerski>Je nachdem wie ich die Grenze setze, komme ich zu anderen Zahlen,

00:22:44.000 --> 00:22:47.000
<v Jörg Signerski>aber ungefähr da bewegen wir uns.

00:22:47.000 --> 00:22:50.000
<v Jörg Signerski>Und ich finde das gar nicht wenig. Es gibt sogar Studien, die sagen,

00:22:51.000 --> 00:22:54.000
<v Jörg Signerski>die geben höhere Zahlen an, wenn ich an die Berliner Männerstudie denke.

00:22:55.000 --> 00:23:00.000
<v Sebastian>Okay, das ist glaube ich das Studiendesign das Problem. Die müssen BDSM definieren,

00:23:00.000 --> 00:23:01.000
<v Sebastian>damit sie danach fragen können.

00:23:01.000 --> 00:23:03.000
<v Sebastian>Und gibt es da einen Überblick, wie die das definiert haben?

00:23:03.000 --> 00:23:06.000
<v Sebastian>Weil ich habe ja gerade sehr laissez-faire gerade einfach alles inkludiert.

00:23:08.000 --> 00:23:11.000
<v Jörg Signerski>Also ich kenne keinen Überblick. Das hängt von Studie zu Studie ab.

00:23:11.000 --> 00:23:13.000
<v Jörg Signerski>Und es gibt noch ein anderes Problem.

00:23:13.000 --> 00:23:16.000
<v Jörg Signerski>Wer ist denn die Gruppe, die ich befrage?

00:23:18.000 --> 00:23:22.000
<v Jörg Signerski>Und wie komme ich an die Ergebnisse? Stell dir vor, ich gehe in die Innenstadt

00:23:22.000 --> 00:23:25.000
<v Jörg Signerski>und spreche alle Menschen an, die ich gerade treffe.

00:23:27.000 --> 00:23:33.000
<v Jörg Signerski>Leben sie BDSM aus? Dann werden die denken, Schitte, ich bin in der Innenstadt.

00:23:33.000 --> 00:23:36.000
<v Jörg Signerski>Das sage ich mal nicht, was ich da so tue.

00:23:37.000 --> 00:23:42.000
<v Jörg Signerski>Wenn ich dann eine anonyme Befragung mache, also Links verschicke,

00:23:42.000 --> 00:23:44.000
<v Jörg Signerski>weiß ich ja gar nicht, wer antwortet mir.

00:23:44.000 --> 00:23:48.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, alle Daten, die ich in diesem Bereich habe,

00:23:48.000 --> 00:23:54.000
<v Jörg Signerski>sind Näherungsdaten, die irgendetwas abbilden, was wahrscheinlich in irgendeiner

00:23:54.000 --> 00:24:02.000
<v Jörg Signerski>Richtung so ist, aber bitte nie als in Stein gemeißelt verstehen.

00:24:02.000 --> 00:24:09.000
<v Jörg Signerski>Und was spannend ist bei Sexualstudien, es hängt auch noch von der Gegend ab, wo ich frage.

00:24:09.000 --> 00:24:16.000
<v Jörg Signerski>Frage ich in einer liberalen Großstadt oder frage ich irgendwo im mittleren

00:24:16.000 --> 00:24:19.000
<v Jörg Signerski>Westen in der USA eine sehr konservative,

00:24:21.000 --> 00:24:24.000
<v Jörg Signerski>evangelikale Gemeinde, dann kriege ich ganz andere Studienergebnisse raus.

00:24:25.000 --> 00:24:28.000
<v Sebastian>Okay, also es ist nicht rauszufinden, ehrlich gesagt. Das heißt,

00:24:28.000 --> 00:24:32.000
<v Sebastian>ich kann eigentlich nur von von den Menschen ausgehen, die sich offen bekennen.

00:24:32.000 --> 00:24:33.000
<v Sebastian>Und die kann ich schon mal als gesetzt sehen.

00:24:33.000 --> 00:24:36.000
<v Sebastian>Und dann kann ich vielleicht noch hochrechnen, wie viel es da noch geben könnte.

00:24:37.000 --> 00:24:40.000
<v Jörg Signerski>Naja, sagen wir mal, wir haben Nährungswerte. Und wir wissen,

00:24:41.000 --> 00:24:46.000
<v Jörg Signerski>Not Vanilla ist häufig, wenn nicht gar die Regel.

00:24:46.000 --> 00:24:48.000
<v Jörg Signerski>Auf der Fantasieebene, auf der Spielebene

00:24:50.000 --> 00:24:53.000
<v Jörg Signerski>vielleicht auch, vielleicht auch nicht. Wenigstens selten ist es nicht.

00:24:53.000 --> 00:24:57.000
<v Sebastian>Ich merke, das ist etwas, das wird noch über die nächsten 100 Jahre zu beantworten

00:24:57.000 --> 00:25:00.000
<v Sebastian>sein, es sei denn, wir landen irgendwann bei einer 100%-Quote,

00:25:00.000 --> 00:25:04.000
<v Sebastian>wenn die Gesellschaft so offen ist, dass sie sich erlaubt zu machen,

00:25:04.000 --> 00:25:05.000
<v Sebastian>was den Menschen Spaß macht.

00:25:06.000 --> 00:25:10.000
<v Sebastian>Wie entstehen Kinks oder die Neigung zu BDSM? Wo kommt es her?

00:25:10.000 --> 00:25:13.000
<v Sebastian>Weil das haben mich mit Abstand die meisten Menschen gefragt.

00:25:13.000 --> 00:25:17.000
<v Sebastian>Kommt das aus der Kindheit? Ist das angeboren? Liegt das an einem traumatischen Erlebnis?

00:25:18.000 --> 00:25:21.000
<v Sebastian>Das scheint den Menschen wichtig zu sein. Wo kommt es her?

00:25:21.000 --> 00:25:28.000
<v Jörg Signerski>Eine wundervolle Frage und wir beide werden wahrscheinlich die Zuhörer:innen

00:25:28.000 --> 00:25:31.000
<v Jörg Signerski>genauso enttäuscht zurücklassen, wie sie jetzt schon sind.

00:25:31.000 --> 00:25:39.000
<v Jörg Signerski>Wir wissen, dass die sexuelle Identität relativ früh angelegt wird.

00:25:40.000 --> 00:25:45.000
<v Jörg Signerski>Streitpunkte gibt es jetzt schon wissenschaftlich. Ist sie veränderbar oder

00:25:45.000 --> 00:25:49.000
<v Jörg Signerski>ist sie im weiteren Lebenskontext modulierbar?

00:25:49.000 --> 00:25:54.000
<v Jörg Signerski>Wir beide gehen von was modulierbarem aus, aber es gibt durchaus Kollegen,

00:25:54.000 --> 00:25:56.000
<v Jörg Signerski>die sagen, das Modulierbare ist deutlich eingeschränkter.

00:25:57.000 --> 00:25:59.000
<v Sebastian>Was bedeutet modulierbar an der Stelle?

00:25:59.000 --> 00:26:03.000
<v Jörg Signerski>Veränderbar in einem gewissen Kontext. Das macht,

00:26:03.000 --> 00:26:09.000
<v Jörg Signerski>wenn wir uns um krankhafte sexuelle Identitäten unterhalten,

00:26:09.000 --> 00:26:13.000
<v Jörg Signerski>bei der Pädophilie zum Beispiel, Achtung bitte das nicht im Zusammenhang mit

00:26:13.000 --> 00:26:16.000
<v Jörg Signerski>BDSM sehen. Das ist uns ganz, ganz wichtig.

00:26:16.000 --> 00:26:20.000
<v Jörg Signerski>Aber jetzt hier ein Beispiel, ein Extrembeispiel. Da ist die Frage,

00:26:20.000 --> 00:26:26.000
<v Jörg Signerski>wenn es modulierbar ist, dann kann ich daran arbeiten, dass ich gesunde Teile

00:26:26.000 --> 00:26:28.000
<v Jörg Signerski>der Sexualität herausarbeite.

00:26:29.000 --> 00:26:38.000
<v Jörg Signerski>Ist es nicht modulierbar, würde ich daran arbeiten, dass diese Person Risikosituationen meidet.

00:26:38.000 --> 00:26:42.000
<v Jörg Signerski>Das ist jetzt relativ holzschnittartig grob dargestellt.

00:26:42.000 --> 00:26:49.000
<v Jörg Signerski>Das ist im psychotherapeutischen Alltag viel komplexer, aber so mal als holzschnittartiges darstellen.

00:26:49.000 --> 00:26:55.000
<v Sebastian>Also ich kann etwas an der Priorität in meinem Kopf, daran kann ich etwas machen.

00:26:55.000 --> 00:26:59.000
<v Jörg Signerski>Modulierbar ist, wenn man davon ausgeht, dass du merkst, wir reden gerade in

00:26:59.000 --> 00:27:04.000
<v Jörg Signerski>einem Konjunktiv. Das heißt, das ist eine hypothetische Annahme.

00:27:04.000 --> 00:27:12.000
<v Jörg Signerski>So, dann, du hast ja gefragt, woher kommt das? Es gibt biosoziale oder psychobiosoziale

00:27:12.000 --> 00:27:15.000
<v Jörg Signerski>Prägungen in der Kindheit, die mit Sicherheit eine Rolle spielen.

00:27:16.000 --> 00:27:21.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, bei einigen unserer Patient:innen gibt es dann Geschichten wie,

00:27:21.000 --> 00:27:25.000
<v Jörg Signerski>wow, ich habe irgendwann mal einen tollen,

00:27:26.000 --> 00:27:30.000
<v Jörg Signerski>roten Schuh gesehen, da war ich vier, unterm Tisch bei meiner Tante,

00:27:30.000 --> 00:27:34.000
<v Jörg Signerski>da ist mir erst mal aufgefallen, ich stehe auf rote Schuhe.

00:27:35.000 --> 00:27:39.000
<v Jörg Signerski>So welche Geschichten haben wir, aber das sind nur einzelne Storys.

00:27:40.000 --> 00:27:45.000
<v Jörg Signerski>Wir wissen gar nicht, wo fängt die Prägung an und was wird geprägt.

00:27:45.000 --> 00:27:50.000
<v Jörg Signerski>Manchmal finden wir dafür Hinweise, das heißt aber definitiv nicht,

00:27:50.000 --> 00:27:55.000
<v Jörg Signerski>dass das bei allen Personen so ist und woher das kommt.

00:27:55.000 --> 00:28:01.000
<v Jörg Signerski>Wir wissen auch, Traumatisierungen spielen eine Rolle bei der Prägung,

00:28:01.000 --> 00:28:09.000
<v Jörg Signerski>oder können eine Rolle spielen bei der späteren sexuellen Identität, die sich entwickelt.

00:28:09.000 --> 00:28:11.000
<v Jörg Signerski>Bei einigen ja, bei anderen nicht.

00:28:11.000 --> 00:28:18.000
<v Jörg Signerski>Sodass man sagen muss, so ganz verstehen wir nicht, wie die sexuelle Identität

00:28:18.000 --> 00:28:20.000
<v Jörg Signerski>schlussendlich entsteht.

00:28:21.000 --> 00:28:25.000
<v Sebastian>Also das ist dann eher ein, ich suche das Muster, weil ich mich mit mir beschäftige

00:28:25.000 --> 00:28:29.000
<v Sebastian>und dann werde ich in der Vergangenheit schon etwas finden, was da passt.

00:28:30.000 --> 00:28:33.000
<v Sebastian>So ein kleiner Sebastian fand auch mit sieben jeden Folterkeller in der Burg

00:28:33.000 --> 00:28:35.000
<v Sebastian>toll, weil das war das Highlight.

00:28:37.000 --> 00:28:40.000
<v Sebastian>War das schon eine Prägung oder nicht, man weiß es nicht.

00:28:41.000 --> 00:28:44.000
<v Sebastian>Kann auch einfach sein, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat oder

00:28:44.000 --> 00:28:47.000
<v Sebastian>es hat zumindest den Kopf geöffnet, um weiter darüber nachzudenken,

00:28:47.000 --> 00:28:48.000
<v Sebastian>dass man darauf kommen kann.

00:28:48.000 --> 00:28:52.000
<v Sebastian>Aber ist das die Ursache? Keine Ahnung. Die Frage ist, ob das wichtig ist.

00:28:52.000 --> 00:28:54.000
<v Sebastian>Es ist den Menschen offenbar wichtig.

00:28:54.000 --> 00:28:58.000
<v Sebastian>Und damit muss man ja irgendwie umgehen. Wenn jemand sagt, wo kommt das her,

00:28:58.000 --> 00:28:59.000
<v Sebastian>wo kommt das her, wo kommt das her.

00:28:59.000 --> 00:29:05.000
<v Sebastian>Das ist ja wirklich, was kann man den Menschen dann auch sagen in einem Gespräch.

00:29:05.000 --> 00:29:10.000
<v Stefanie Verfürth>Also es ist ja so ein bisschen auch die Frage, was war zuerst da, das Ei oder das Huhn?

00:29:10.000 --> 00:29:14.000
<v Stefanie Verfürth>Das, was du gerade so schön gesagt hast mit dem Folterkeller.

00:29:14.000 --> 00:29:21.000
<v Stefanie Verfürth>Es ist ja die Frage, hast du angeboren sozusagen ein gewisses Faible und deswegen

00:29:21.000 --> 00:29:23.000
<v Stefanie Verfürth>schon früh das Interesse für solche Folterkeller gehabt?

00:29:23.000 --> 00:29:30.000
<v Stefanie Verfürth>Oder hast du vielleicht besonders gute Erfahrungen gemacht oder dich besonders

00:29:30.000 --> 00:29:34.000
<v Stefanie Verfürth>wohl gefühlt da und das spannend gefunden in dem Folterkeller und deswegen später

00:29:34.000 --> 00:29:37.000
<v Stefanie Verfürth>eine Neigung zu BDSM entwickelt?

00:29:37.000 --> 00:29:42.000
<v Stefanie Verfürth>Das ist was, was man einfach nie schlussendlich klären kann,

00:29:42.000 --> 00:29:45.000
<v Stefanie Verfürth>aber was man im Endeffekt immer sagen kann ist,

00:29:45.000 --> 00:29:51.000
<v Stefanie Verfürth>die Psyche ist ja sehr komplex und es ist in der Regel nie ein Zusammenhang,

00:29:51.000 --> 00:29:54.000
<v Stefanie Verfürth>"das ist passiert und deswegen ist das jetzt so".

00:29:55.000 --> 00:29:59.000
<v Stefanie Verfürth>Sondern es ist immer ein Zusammenspiel aus vielen verschiedenen Faktoren.

00:29:59.000 --> 00:30:06.000
<v Stefanie Verfürth>Was in der Regel eine Rolle spielt, ist sicherlich auch die Persönlichkeitsstruktur der Person.

00:30:07.000 --> 00:30:14.000
<v Stefanie Verfürth>Ist jemand von sich aus angeborenermaßen eher schon ein zurückhaltender Typ,

00:30:14.000 --> 00:30:15.000
<v Stefanie Verfürth>der sich gerne führen lässt,

00:30:15.000 --> 00:30:19.000
<v Stefanie Verfürth>der sich gerne leiten lässt oder ist jemand schon eher derjenige,

00:30:19.000 --> 00:30:22.000
<v Stefanie Verfürth>der auch die Kontrolle gerne übernimmt und Verantwortung übernimmt und so weiter.

00:30:22.000 --> 00:30:27.000
<v Stefanie Verfürth>Das sind Dinge, die sind in unserer Persönlichkeit verhaftet und das ist vor

00:30:27.000 --> 00:30:29.000
<v Stefanie Verfürth>allen Dingen angeboren,

00:30:29.000 --> 00:30:33.000
<v Stefanie Verfürth>zunächst die Tendenz, entwickelt sich aber dann auch wieder im Zusammenspiel

00:30:33.000 --> 00:30:39.000
<v Stefanie Verfürth>mit Erlebnissen im Laufe des Lebens weiter in bestimmte Richtungen.

00:30:39.000 --> 00:30:43.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, sodass im Endeffekt ja auch die Sexualität etwas ist,

00:30:43.000 --> 00:30:49.000
<v Stefanie Verfürth>was immer ein Zusammenspiel ist aus genetisch bedingten Veranlagungen,

00:30:49.000 --> 00:30:55.000
<v Stefanie Verfürth>aus Persönlichkeitsaspekten in Zusammenspiel und Interaktion mit Erfahrungen,

00:30:55.000 --> 00:30:56.000
<v Stefanie Verfürth>die ich im Laufe meines Lebens mache.

00:30:56.000 --> 00:31:01.000
<v Stefanie Verfürth>Also deswegen insofern ist es schwer jetzt zu sagen, es liegt immer nur daran,

00:31:01.000 --> 00:31:05.000
<v Stefanie Verfürth>also auch unsere Patienten, die jetzt nicht mit sexuellen Themen kommen,

00:31:05.000 --> 00:31:10.000
<v Stefanie Verfürth>sondern mit in Anführungsstrichen "normalen psychischen Erkrankungen" wie Depressionen,

00:31:10.000 --> 00:31:12.000
<v Stefanie Verfürth>Angsterkrankungen und so weiter, fragen uns ja häufig,

00:31:12.000 --> 00:31:19.000
<v Stefanie Verfürth>"Wie bin ich da hingeraten? Warum habe ich das?" und das ist auch einer der wichtigsten

00:31:19.000 --> 00:31:22.000
<v Stefanie Verfürth>Punkte in einer Psychotherapie mit dem Patienten zu erarbeiten.

00:31:22.000 --> 00:31:25.000
<v Stefanie Verfürth>Wie ist eine Erkrankung entstanden?

00:31:25.000 --> 00:31:30.000
<v Stefanie Verfürth>Oder auch ungünstige Verhaltensweisen, die eine Erkrankung herbeiführen und

00:31:30.000 --> 00:31:32.000
<v Stefanie Verfürth>aufrechterhalten. Wie ist es dazu gekommen?

00:31:33.000 --> 00:31:36.000
<v Stefanie Verfürth>Auch da haben wir immer ein multifaktorielles Modell.

00:31:37.000 --> 00:31:42.000
<v Stefanie Verfürth>Also viele verschiedene Faktoren, die zusammenkommen, um das auszulösen.

00:31:42.000 --> 00:31:46.000
<v Stefanie Verfürth>Da gehören langfristige Ursachen zu, aber auch akute Auslöser.

00:31:47.000 --> 00:31:50.000
<v Stefanie Verfürth>Im Endeffekt ist ja auch immer die Frage, wie man das auslösen kann.

00:31:51.000 --> 00:31:56.000
<v Stefanie Verfürth>Erfüllt zum Beispiel auch diese sexuelle Neigung eine gewisse Funktion in meinem

00:31:56.000 --> 00:31:58.000
<v Stefanie Verfürth>Leben? Ja, was habe ich davon?

00:31:58.000 --> 00:32:02.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, ich bin Verhaltenstherapeutin und Verhaltenstherapeutinnen gucken sich immer

00:32:02.000 --> 00:32:07.000
<v Stefanie Verfürth>gerne an, was ist die Funktionalität oder was ist der Lernmechanismus des Körpers?

00:32:07.000 --> 00:32:15.000
<v Stefanie Verfürth>Ein grundlegender lerntheoretischer Erklärungsmechanismus für Verhaltensweisen

00:32:15.000 --> 00:32:20.000
<v Stefanie Verfürth>in der Psyche des Menschen ist die operante Konditionierung.

00:32:21.000 --> 00:32:27.000
<v Stefanie Verfürth>Das heißt, wenn ich einen positiven Effekt habe auf eine bestimmte Verhaltensweise

00:32:27.000 --> 00:32:29.000
<v Stefanie Verfürth>hin, dann mache ich das wieder.

00:32:29.000 --> 00:32:34.000
<v Stefanie Verfürth>Das heißt, wenn der Hund ein Leckerchen bekommt, dafür, dass er Sitz gemacht

00:32:34.000 --> 00:32:36.000
<v Stefanie Verfürth>hat, wird er wieder Sitz machen.

00:32:36.000 --> 00:32:41.000
<v Stefanie Verfürth>Und so funktionieren nicht nur die Hunde, sondern auch die Menschen ganz schlichtweg.

00:32:41.000 --> 00:32:48.000
<v Stefanie Verfürth>Und das heißt, wenn ich irgendwie eine besondere Erregung immer wieder mit einem

00:32:48.000 --> 00:32:53.000
<v Stefanie Verfürth>bestimmten Reiz verbinde, dann kann das eben eine Assoziation in meinem Gehirn

00:32:53.000 --> 00:32:54.000
<v Stefanie Verfürth>herstellen und verknüpfen,

00:32:55.000 --> 00:33:00.000
<v Stefanie Verfürth>weswegen ich dann möglicherweise ein Fable habe für bestimmte Vorlieben.

00:33:00.000 --> 00:33:05.000
<v Sebastian>Das ist ja dann, als ob man die Schuldfrage klären würde. Also würde das den

00:33:05.000 --> 00:33:08.000
<v Sebastian>Menschen überhaupt irgendwas bringen, diese Antwort zu haben?

00:33:09.000 --> 00:33:12.000
<v Jörg Signerski>Ich glaube nicht. Ich glaube, es interessiert jeden, woher das kommt.

00:33:13.000 --> 00:33:15.000
<v Jörg Signerski>Aber ich finde, es steckt auch keine Schuld dahinter.

00:33:16.000 --> 00:33:18.000
<v Jörg Signerski>Also man sucht gerne nach Ursachen, weshalb man so ist.

00:33:19.000 --> 00:33:24.000
<v Jörg Signerski>Aber häufig, genauso wie Steffi sagt, ist es so komplex, dass wir das nicht rauskriegen.

00:33:24.000 --> 00:33:28.000
<v Sebastian>Okay, aber offenbar gibt es auch gar keine Notwendigkeit, wenn es für mich kein

00:33:28.000 --> 00:33:33.000
<v Sebastian>Problem darstellt und ich dann mit mir im Reinen bin. Warum soll ich dann suchen?

00:33:33.000 --> 00:33:34.000
<v Jörg Signerski>Richtig.

00:33:34.000 --> 00:33:39.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, also ich würde auch sagen, wie gesagt, solange man Spaß daran hat und auch

00:33:39.000 --> 00:33:41.000
<v Stefanie Verfürth>Menschen findet, die das mit einem ausleben, ist es doch schön.

00:33:41.000 --> 00:33:47.000
<v Stefanie Verfürth>Und es ist doch schön, dass wir so vielfältig sind und uns da ja auch sicherlich entwickeln.

00:33:47.000 --> 00:33:50.000
<v Sebastian>Vielleicht kann ich nochmal ein bisschen auf diese Entwicklung eingehen,

00:33:50.000 --> 00:33:56.000
<v Sebastian>denn ich versuche jetzt mal ganz grob, also liebes Publikum oder liebes Stammpublikum, ich weiß,

00:33:56.000 --> 00:33:58.000
<v Sebastian>das deckt jetzt nicht alles ab und alle Facetten, aber ich sortiere einfach

00:33:58.000 --> 00:34:02.000
<v Sebastian>mal die BDSM-igen Menschen ein in vier Gruppen.

00:34:03.000 --> 00:34:09.000
<v Sebastian>Mensch mit einem Fetisch, also ein Ding, ein Objekt ist das Objekt der Begierde,

00:34:09.000 --> 00:34:11.000
<v Sebastian>dann habe ich die Menschen, die...

00:34:12.000 --> 00:34:15.000
<v Sebastian>eher dominant-sadistisch, ich würfel das jetzt auch extra zusammen,

00:34:15.000 --> 00:34:20.000
<v Sebastian>sich orientieren oder eben masochistisch-devot und dann eben noch die Menschen,

00:34:20.000 --> 00:34:23.000
<v Sebastian>die Switch sind, die sich überall zu Hause fühlen.

00:34:23.000 --> 00:34:28.000
<v Sebastian>Es gibt jetzt natürlich tausend Abstufungen, aber da gibt es so dieses schöne

00:34:28.000 --> 00:34:31.000
<v Sebastian>Beispiel, ja junge Mädels, die sind natürlich erstmal devot,

00:34:31.000 --> 00:34:33.000
<v Sebastian>weil da fühlen sie sich wohl.

00:34:33.000 --> 00:34:37.000
<v Sebastian>Und die Jungs, die Männer sind natürlich eher dominant und überhaupt diese ganzen

00:34:37.000 --> 00:34:42.000
<v Sebastian>Stereotype zusammen mit Geschlechterstereotypen, das macht mich immer wahnsinnig.

00:34:42.000 --> 00:34:48.000
<v Sebastian>Aber gibt es da Tendenzen, gibt es da Beobachtungen, dass Menschen da erstmal

00:34:48.000 --> 00:34:52.000
<v Sebastian>in so ein Grundmuster reinfallen und dann erstmal sich da rausentwickeln müssen?

00:34:52.000 --> 00:34:56.000
<v Sebastian>Also bei Frauen, Entschuldigung noch ein Satz, bei Frauen sagt man so ab 30,

00:34:56.000 --> 00:35:00.000
<v Sebastian>habe ich schon ganz oft gehört, jetzt musst du aber langsam mal dominant sein und zur Domina werden.

00:35:00.000 --> 00:35:03.000
<v Sebastian>Also das scheint so eine gesellschaftliche Erwartung zu sein,

00:35:03.000 --> 00:35:06.000
<v Sebastian>das ist ganz fürchterlich und jetzt liebes Publikum mich bitte nicht schlagen

00:35:06.000 --> 00:35:08.000
<v Sebastian>und jetzt höre ich einfach mal brav zu.

00:35:08.000 --> 00:35:12.000
<v Jörg Signerski>Die Frage hat ein paar Fallen.

00:35:12.000 --> 00:35:13.000
<v Sebastian>Bestimmt.

00:35:14.000 --> 00:35:19.000
<v Jörg Signerski>Fangen wir so an. Statistisch gesehen können wir Unterschiede feststellen.

00:35:19.000 --> 00:35:23.000
<v Jörg Signerski>Die Statistik sagt aber nicht aus, woher die Unterschiede kommen,

00:35:24.000 --> 00:35:28.000
<v Jörg Signerski>ob sie angeboren sind, anerzogen oder ich weiß nicht was. Wir wissen,

00:35:28.000 --> 00:35:34.000
<v Jörg Signerski>dass Männer mehr zu Fetischen neigen als Frauen, bedeutend mehr.

00:35:34.000 --> 00:35:36.000
<v Jörg Signerski>Wenn man jetzt analytische Theorien

00:35:36.000 --> 00:35:39.000
<v Jörg Signerski>anschaut, sagen die, der Fetisch der Frauen liegt irgendwo anders.

00:35:40.000 --> 00:35:46.000
<v Jörg Signerski>Frage, ist das so? Also wir wissen, dass Männer mehr dominant sind als Frauen

00:35:46.000 --> 00:35:51.000
<v Jörg Signerski>und wir mehr submissive Frauen finden als dominante Frauen.

00:35:52.000 --> 00:35:59.000
<v Jörg Signerski>Also die Klischees bestätigen sich, aber was haben wir von der Bestätigung des Klischees?

00:35:59.000 --> 00:36:04.000
<v Jörg Signerski>Wir haben ein Individuum vor uns sitzen und da kann alles ganz anders sein.

00:36:04.000 --> 00:36:08.000
<v Sebastian>Ja, ich denke jetzt natürlich an den Manager, der dann doch zur Domina geht.

00:36:08.000 --> 00:36:12.000
<v Sebastian>Da ist die Frage, ist denn diese Person jetzt dominant oder devot?

00:36:13.000 --> 00:36:15.000
<v Sebastian>Also kann ich überhaupt eine Person

00:36:15.000 --> 00:36:19.000
<v Sebastian>in so eine Position, in eine Rolle einsortieren? Geht das überhaupt?

00:36:19.000 --> 00:36:23.000
<v Jörg Signerski>Da müssen wir ja definieren. Du musst mich unterbrechen, Steffi,

00:36:23.000 --> 00:36:25.000
<v Jörg Signerski>wenn ich da auf dem Holzweg bin.

00:36:25.000 --> 00:36:28.000
<v Jörg Signerski>Wir müssen definieren, was ist denn überhaupt dominant?

00:36:29.000 --> 00:36:34.000
<v Jörg Signerski>Ich mag eine Definition ganz gern. Aber vielleicht habt ihr beide eine andere Meinung.

00:36:35.000 --> 00:36:40.000
<v Jörg Signerski>Ich finde, die Dominanz ist eine soziale Position, die man innehat.

00:36:41.000 --> 00:36:48.000
<v Jörg Signerski>Also sozial im Sinne von auf der Arbeit habe ich die soziale Position des Chefs, des Managers.

00:36:48.000 --> 00:36:53.000
<v Jörg Signerski>Da bin ich dominant da, wenn ich von den anderen auch als dominant anerkannt werde.

00:36:53.000 --> 00:36:57.000
<v Jörg Signerski>Auch wenn ich eine soziale Position habe, muss ich auch Leute haben,

00:36:57.000 --> 00:36:59.000
<v Jörg Signerski>die das anerkennen. Wenn nicht, bin ich nicht dominant.

00:36:59.000 --> 00:37:02.000
<v Jörg Signerski>Ich kann im Sexuellen dann devot sein.

00:37:03.000 --> 00:37:05.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, das passt zusammen.

00:37:06.000 --> 00:37:11.000
<v Sebastian>Okay, also ich habe jetzt einfach dieses Bild, des ich breche aus meiner Alltagsrolle

00:37:11.000 --> 00:37:16.000
<v Sebastian>aus und bin dann im sexuellen Kontext oder im BDSM-Kontext dann eben genau das

00:37:16.000 --> 00:37:20.000
<v Sebastian>Gegenteil dessen, was ich in meinem Alltag darstelle oder was ich bin.

00:37:21.000 --> 00:37:27.000
<v Sebastian>Und diese Flexibilität beißt sich halt mit meinem Gefühl von jemand ist devot

00:37:27.000 --> 00:37:33.000
<v Sebastian>oder ist dominant, weil offenbar ist das der Situation oder dem aktuellen Umfeld geschuldet.

00:37:33.000 --> 00:37:38.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, also ich würde auch, glaube ich, gar nicht so immer in diesen Kategorien

00:37:38.000 --> 00:37:43.000
<v Stefanie Verfürth>denken wollen, weil ich auch glaube, dass vieles ja erstmal auch ein Kontinuum

00:37:43.000 --> 00:37:47.000
<v Stefanie Verfürth>ist und man nicht vielleicht immer einen in die Schublade so stecken kann.

00:37:47.000 --> 00:37:51.000
<v Stefanie Verfürth>Und selbst wenn wir das jetzt so schubladenmäßig machen, wie du das gerade sagst,

00:37:52.000 --> 00:37:55.000
<v Stefanie Verfürth>glaube ich trotzdem, auch da darf es ja von allem etwas geben.

00:37:55.000 --> 00:38:00.000
<v Stefanie Verfürth>Also ich glaube, es gibt durchaus Leute, die grundsätzlich dann eher so eine

00:38:00.000 --> 00:38:04.000
<v Stefanie Verfürth>dominante Rolle vielleicht in ihrem Alltag spielen und aber dann sozusagen zum

00:38:04.000 --> 00:38:07.000
<v Stefanie Verfürth>Ausgleich vielleicht auch brauchen und das mögen,

00:38:07.000 --> 00:38:12.000
<v Stefanie Verfürth>sich dann im sexuellen Kontext auch mal submissiv zu geben.

00:38:14.000 --> 00:38:18.000
<v Stefanie Verfürth>Umgekehrt wird es aber genauso auch Menschen geben, die sowohl im beruflichen

00:38:18.000 --> 00:38:25.000
<v Stefanie Verfürth>und Alltagskontext dominant sind, als auch im sexuellen dann diese Rolle spielen möchten.

00:38:25.000 --> 00:38:29.000
<v Stefanie Verfürth>Und vielleicht auch gar nicht aufgeben können. Auch da, finde ich,

00:38:29.000 --> 00:38:31.000
<v Stefanie Verfürth>ist es individuell sehr unterschiedlich.

00:38:31.000 --> 00:38:34.000
<v Stefanie Verfürth>Und von daher, ich glaube, es ist einfach alles möglich.

00:38:34.000 --> 00:38:38.000
<v Stefanie Verfürth>Und man kann an der Stelle vielleicht eher gucken, was ist die Funktion dahinter

00:38:38.000 --> 00:38:43.000
<v Stefanie Verfürth>oder was ist sozusagen die Dynamik dahinter, weswegen jemand das macht.

00:38:43.000 --> 00:38:46.000
<v Jörg Signerski>Und der Manager, das ist ein Klischee, was du da nennst.

00:38:47.000 --> 00:38:53.000
<v Jörg Signerski>Also das ist jetzt, es widersträubt sich mir, dieses Klischee zu benutzen.

00:38:53.000 --> 00:38:59.000
<v Jörg Signerski>Also natürlich gibt es diesen Manager, aber man findet auch genau das Gegenteil

00:38:59.000 --> 00:39:00.000
<v Jörg Signerski>von dem, was du gerade schilderst.

00:39:01.000 --> 00:39:08.000
<v Sebastian>Okay, also ich kann zusammenfassen, das ist im Grunde von Person zu Person unterschiedlich. Ende.

00:39:08.000 --> 00:39:10.000
<v Jörg Signerski>Alles darf, nichts muss.

00:39:11.000 --> 00:39:20.000
<v Sebastian>Ich habe relativ viele Anfragen zu bekommen zum Thema Stabilität, mentale Stabilität.

00:39:20.000 --> 00:39:24.000
<v Sebastian>Jörg, du hattest das am Anfang schon gesagt, dass BDSMer möglicherweise ein

00:39:24.000 --> 00:39:30.000
<v Sebastian>bisschen, oder ihr beide habt das gesagt, ein bisschen mental stabiler sind.

00:39:30.000 --> 00:39:33.000
<v Sebastian>Die Frage ist so ein bisschen, wie kann das sein?

00:39:33.000 --> 00:39:39.000
<v Sebastian>Ist BDSM vielleicht ein Heilmittel für Stress und Alltag und Leben?

00:39:40.000 --> 00:39:44.000
<v Sebastian>Oder, also was spielt da zusammen, was ist da auch wieder Ursache und Wirkung

00:39:44.000 --> 00:39:49.000
<v Sebastian>und weil BDSMer scheinen, das sehe ich auf meiner Liste hier, scheinen ganz viel

00:39:49.000 --> 00:39:52.000
<v Sebastian>Angst vor toxischem BDSM zu haben und,

00:39:54.000 --> 00:39:58.000
<v Sebastian>ich finde in diesen beiden Fragenkategorien, die ich hier liegen habe, da beißt sich das total.

00:39:59.000 --> 00:40:01.000
<v Sebastian>Wenn ich zu viel mache, mache ich einen psychischen Schaden.

00:40:01.000 --> 00:40:05.000
<v Sebastian>Und auf der anderen Seite, ich mache BDSM, deshalb geht es mir psychisch besser.

00:40:05.000 --> 00:40:07.000
<v Sebastian>Und wie spielt das zusammen?

00:40:08.000 --> 00:40:13.000
<v Jörg Signerski>Also Sexualität kann ein Skill sein, damit es einem besser geht.

00:40:14.000 --> 00:40:17.000
<v Jörg Signerski>Jegliche Form von Sexualität im gesunden Maß.

00:40:17.000 --> 00:40:21.000
<v Jörg Signerski>Wenn wir hier drüber sprechen, sprechen wir nicht über das Pathologische.

00:40:21.000 --> 00:40:26.000
<v Jörg Signerski>So, das heißt auch BDSM spielen kann ein positiver Skill sein,

00:40:26.000 --> 00:40:29.000
<v Jörg Signerski>kann einen entspannen, kann für Ablenkung sorgen.

00:40:30.000 --> 00:40:35.000
<v Jörg Signerski>Wir wissen, das habe ich gerade schon gesagt, dass wir keine Häufigkeit von

00:40:35.000 --> 00:40:40.000
<v Jörg Signerski>psychischen Erkrankungen haben bei BDSMlern. Natürlich, habe ich eben auch schon

00:40:40.000 --> 00:40:44.000
<v Jörg Signerski>gesagt, gibt es BDSMler, die psychisch erkrankt sind.

00:40:44.000 --> 00:40:50.000
<v Jörg Signerski>Und es gibt auch mit Sicherheit BDSMler, die das Spiel des BDSMs nutzen,

00:40:50.000 --> 00:40:54.000
<v Jörg Signerski>um sich mit ihrer psychischen Erkrankung auseinanderzusetzen,

00:40:54.000 --> 00:40:59.000
<v Jörg Signerski>im Positiven, aber die es auch teilweise machen und sich psychisch schädigen

00:40:59.000 --> 00:41:01.000
<v Jörg Signerski>und diese psychische Störung unterstützen.

00:41:01.000 --> 00:41:03.000
<v Jörg Signerski>Das sind aber auch wieder Randgruppen.

00:41:03.000 --> 00:41:07.000
<v Jörg Signerski>Wir wissen, dass BDSMler, da gibt es eine einzige Studie zu,

00:41:07.000 --> 00:41:10.000
<v Jörg Signerski>die sagt, BDSMler sind stabiler.

00:41:10.000 --> 00:41:12.000
<v Jörg Signerski>Die hat sich dann Sexualität angeguckt und die haben gesagt,

00:41:12.000 --> 00:41:17.000
<v Jörg Signerski>meine Güte, die sind offener bezüglich Sexualität, können darüber besser reden,

00:41:17.000 --> 00:41:20.000
<v Jörg Signerski>sind toleranter, was ja auch passt.

00:41:23.000 --> 00:41:26.000
<v Jörg Signerski>Das wissen die Zuhörerinnen ja alle ganz gut.

00:41:26.000 --> 00:41:33.000
<v Jörg Signerski>Was machen BDSMler? Die tauschen sich viel aus, unterhalten sich viel über Grenzen,

00:41:34.000 --> 00:41:37.000
<v Jörg Signerski>über Codewort, über Wünsche.

00:41:37.000 --> 00:41:42.000
<v Jörg Signerski>Und das macht natürlich etwas mit der Sichtweise auf Sexualität.

00:41:43.000 --> 00:41:49.000
<v Jörg Signerski>Das macht das Standard-Vanilla-Paar mit Sicherheit nicht so intensiv.

00:41:50.000 --> 00:41:54.000
<v Sebastian>Ja, das ist natürlich an der Stelle auch ein Ding der Notwendigkeit.

00:41:54.000 --> 00:41:59.000
<v Sebastian>Also wenn ich Dinge mache, die über gewisse Wohlfühlgrenzen hinausgehen können,

00:41:59.000 --> 00:42:03.000
<v Sebastian>dann muss ich natürlich diese Fähigkeit haben, darüber zu kommunizieren, zu reflektieren.

00:42:04.000 --> 00:42:08.000
<v Sebastian>Ich glaube, das betrifft auch beide Seiten. Also sowohl die unten spielende

00:42:08.000 --> 00:42:12.000
<v Sebastian>Person muss ein Codewort haben oder es hilft, eins zu haben,

00:42:12.000 --> 00:42:15.000
<v Sebastian>um sich sicher zu fühlen, zu sagen, ich kann hier jederzeit aus der Situation raus.

00:42:15.000 --> 00:42:18.000
<v Sebastian>Auf der anderen Seite muss aber auch die oben spielende Person sich darauf verlassen

00:42:18.000 --> 00:42:21.000
<v Sebastian>können, dass das dann auch kommt.

00:42:21.000 --> 00:42:28.000
<v Sebastian>Also es fordert von beiden viel Kraft und Kommunikation scheint einfach wirklich notwendig zu sein.

00:42:28.000 --> 00:42:31.000
<v Sebastian>Das scheint ein Skill zu sein, ohne den geht es wirklich nicht.

00:42:32.000 --> 00:42:34.000
<v Sebastian>Wenn wir vielleicht so ein bisschen im Bereich Gesundheit erstmal bleiben,

00:42:34.000 --> 00:42:37.000
<v Sebastian>dann kann ich ja vielleicht mal so einen Block heute mal durchstreichen.

00:42:38.000 --> 00:42:42.000
<v Sebastian>Weil das sind die Sachen, die die Menschen am eindringlichsten interessieren. Es geht um Subspace,

00:42:42.000 --> 00:42:47.000
<v Sebastian>also der Zustand während und nach einer Session, wo man einfach ein

00:42:47.000 --> 00:42:51.000
<v Sebastian>bisschen wie auf Wolke Sieben schwebt und den Subdrop,

00:42:51.000 --> 00:42:57.000
<v Sebastian>also den Absturz, wenn einem plötzlich, wenn alles nur noch fürchterlich ist

00:42:57.000 --> 00:42:58.000
<v Sebastian>und man gar nicht mal genau sagen, warum.

00:42:59.000 --> 00:43:02.000
<v Sebastian>Ja, was passiert dabei aus psychologischer Sicht?

00:43:02.000 --> 00:43:06.000
<v Sebastian>Und ja, wie kann man auch vielleicht, wenn es dann passiert,

00:43:07.000 --> 00:43:10.000
<v Sebastian>den Subdrop an der Stelle, wie kann man das abmildern?

00:43:10.000 --> 00:43:13.000
<v Sebastian>Und von mir noch die Ergänzung, das gilt natürlich auch immer alles für top,

00:43:13.000 --> 00:43:16.000
<v Sebastian>dem kann es auch mal schlecht gehen oder ihr kann es auch mal schlecht gehen.

00:43:18.000 --> 00:43:21.000
<v Sebastian>Wie können Menschen sich gegenseitig unterstützen, dass ihnen nichts Schlechtes widerfährt?

00:43:22.000 --> 00:43:25.000
<v Jörg Signerski>Gucken wir uns die Hypothesen dazu an. Woran liegt das? Subspace,

00:43:25.000 --> 00:43:28.000
<v Jörg Signerski>wir haben während des Sexualkontaktes,

00:43:29.000 --> 00:43:35.000
<v Jörg Signerski>oder auch während des Spielens, denk an Schlagen etc., einen absoluten Ausstoß

00:43:35.000 --> 00:43:39.000
<v Jörg Signerski>von Endorphinen, von Oxytocin, also verschiedenen Hormon, die ausgestoßen werden,

00:43:39.000 --> 00:43:41.000
<v Jörg Signerski>die uns diesen Rauschzustand dann,

00:43:43.000 --> 00:43:46.000
<v Jörg Signerski>uns in diesen Rauschzustand versetzen.

00:43:48.000 --> 00:43:53.000
<v Jörg Signerski>Das Gegenteil davon ist der Hormonentzug. Wir sind vorher gut drauf und die Hormone sinken.

00:43:54.000 --> 00:43:59.000
<v Jörg Signerski>Und dann geraten wir in diese Dysphorie, in diese schlechte Stimmung.

00:43:59.000 --> 00:44:05.000
<v Jörg Signerski>Das kann sogar noch teilweise 17 Stunden später, also Stunden später noch passieren.

00:44:05.000 --> 00:44:08.000
<v Jörg Signerski>Das muss nicht direkt nach der Session passieren.

00:44:08.000 --> 00:44:14.000
<v Jörg Signerski>Das kann auch passieren, wenn man dann auf einmal, man hat abends gespielt und

00:44:14.000 --> 00:44:17.000
<v Jörg Signerski>morgens ist man auf der Arbeit und denkt, irgendwie ist was mit mir nicht richtig.

00:44:18.000 --> 00:44:21.000
<v Jörg Signerski>Das kann dann auch nicht nur etwas mit den Hormonen zu tun haben,

00:44:21.000 --> 00:44:23.000
<v Jörg Signerski>sondern auch mit Scham, mit Realisierung.

00:44:24.000 --> 00:44:29.000
<v Jörg Signerski>Passt das überhaupt zu meiner Vorstellung von Sexualität?

00:44:29.000 --> 00:44:31.000
<v Jörg Signerski>Passt das zu meiner Moral? Sowas kann da eine Rolle spielen.

00:44:31.000 --> 00:44:34.000
<v Jörg Signerski>Also Scham kann unter anderem eine Rolle spielen.

00:44:36.000 --> 00:44:39.000
<v Jörg Signerski>Was kann man dagegen tun, gegen dieses Runterfallen?

00:44:41.000 --> 00:44:46.000
<v Jörg Signerski>Aftercare ist eine Möglichkeit und ich glaube, das können BDSMler ganz gut, wenigstens hoffe.

00:44:46.000 --> 00:44:51.000
<v Jörg Signerski>Es ist eine Möglichkeit und darüber sprechen und Aftercare muss dann

00:44:51.000 --> 00:44:56.000
<v Jörg Signerski>nicht nur heißen direkt danach, sondern kann es auch sein, dass man sich die

00:44:56.000 --> 00:44:59.000
<v Jörg Signerski>Nähe holt, die man vielleicht dann braucht,

00:44:59.000 --> 00:45:02.000
<v Jörg Signerski>ein paar Stunden später. Oder sich darüber austauschen und sagen,

00:45:02.000 --> 00:45:05.000
<v Jörg Signerski>meine Güte, mir geht es schlecht, lass uns mal darüber unterhalten.

00:45:06.000 --> 00:45:12.000
<v Sebastian>Kann ich dann, wenn ich jetzt beim Spielen bin, da schon etwas aktiv tun?

00:45:12.000 --> 00:45:16.000
<v Sebastian>Also vielleicht kann ich ja den Hormonpegel nicht so hochschießen lassen wie

00:45:16.000 --> 00:45:18.000
<v Sebastian>so ein Zuckerschock, damit er auch gar nicht so absinken kann.

00:45:19.000 --> 00:45:22.000
<v Sebastian>Also kann ich nicht einfach ein bisschen sanfter sein und dann kann auch nichts passieren?

00:45:24.000 --> 00:45:29.000
<v Sebastian>Liegt es da dran, an der Intensität? Oder ist es beeinflussbar überhaupt?

00:45:29.000 --> 00:45:34.000
<v Jörg Signerski>Also wenn du in der Normvariante bist, nein, dann ist es halt so, wie es ist.

00:45:34.000 --> 00:45:38.000
<v Jörg Signerski>Es gibt natürlich eine Ausnahme, die muss man hier benennen,

00:45:38.000 --> 00:45:43.000
<v Jörg Signerski>sind Patient:innen mit einer Traumatisierung als Vorgeschichte,

00:45:43.000 --> 00:45:51.000
<v Jörg Signerski>Achtung, auch wieder Randgruppe, die dann eine sozusagen Retraumatisierung haben aufgrund des Spiels.

00:45:51.000 --> 00:45:52.000
<v Sebastian>Man würde jetzt Trigger sagen.

00:45:53.000 --> 00:45:58.000
<v Jörg Signerski>Genau. Und da muss man einfach sagen, da geht es darum, diesen Trigger zu vermeiden, wenn man den kennt.

00:45:58.000 --> 00:46:01.000
<v Sebastian>Kann man Trigger mal definieren, weil das weicht sehr ab.

00:46:01.000 --> 00:46:05.000
<v Sebastian>Ich habe auch manchmal so diese Info, wenn ich jetzt im Podcast Themen anspreche,

00:46:05.000 --> 00:46:08.000
<v Sebastian>ja, wenn es in dem Bereich geht, bitte eine Triggerwarnung machen.

00:46:09.000 --> 00:46:11.000
<v Sebastian>Und da bin ich immer nicht so sicher, was ist denn jetzt ein Trigger?

00:46:11.000 --> 00:46:16.000
<v Sebastian>Ist es das Thema, wenn ich mich damit nicht wohlfühle oder wenn wirklich was

00:46:16.000 --> 00:46:19.000
<v Sebastian>mit meiner Psyche passiert? Also kann man das definieren?

00:46:19.000 --> 00:46:23.000
<v Stefanie Verfürth>Naja, Trigger ist erstmal das englische Wort für Auslöser. Also Trigger ist

00:46:23.000 --> 00:46:30.000
<v Stefanie Verfürth>erstmal ganz schlichtweg der Reiz, der das auslöst, dass du sozusagen in dieses

00:46:30.000 --> 00:46:32.000
<v Stefanie Verfürth>alte Erleben kommst oder eben in das schlechte Gefühl.

00:46:32.000 --> 00:46:37.000
<v Stefanie Verfürth>Also der Trigger ist entweder der Geruch plötzlich,

00:46:38.000 --> 00:46:43.000
<v Stefanie Verfürth>wenn wir nochmal bei dem Beispiel von sexueller Traumatisierung sind,

00:46:43.000 --> 00:46:50.000
<v Stefanie Verfürth>können Gerüche, Gesten, bestimmte Körperteile ein Triggerreiz sein.

00:46:50.000 --> 00:46:58.000
<v Stefanie Verfürth>Und der löst dann eben plötzlich alte Erinnerungen, Bilder, Gedanken und auch Körpersymptome aus.

00:47:00.000 --> 00:47:04.000
<v Sebastian>Okay, vielleicht mal was Persönliches. Ich habe so eine merkwürdige Art der Höhenangst.

00:47:04.000 --> 00:47:07.000
<v Sebastian>Ich fühle mich absolut unwohl und bin auch fest der Meinung,

00:47:07.000 --> 00:47:09.000
<v Sebastian>dass Dinge sich bewegen, wenn ich dann da oben auf dem Eiffelturm bin.

00:47:10.000 --> 00:47:16.000
<v Sebastian>Ich vermeide das nicht, sondern ich taste mich dann da so ran und diskutiere

00:47:16.000 --> 00:47:18.000
<v Sebastian>mit mir aus, das ist jetzt safe, das ist sicher, das kann ich machen.

00:47:19.000 --> 00:47:21.000
<v Sebastian>Und wenn ich es hinterher getan habe, dann fühle ich mich verdammt wohl.

00:47:21.000 --> 00:47:22.000
<v Stefanie Verfürth>Super.

00:47:22.000 --> 00:47:28.000
<v Sebastian>Geht nicht weg, aber... ich... um Himmels Willen, mein Hirn wird mir nicht verbieten,

00:47:28.000 --> 00:47:29.000
<v Sebastian>auf so einen Turm zu steigen.

00:47:29.000 --> 00:47:33.000
<v Sebastian>Aber da vermeide ich den Trigger ja nicht. Da gehe ich ja voll drauf.

00:47:34.000 --> 00:47:34.000
<v Stefanie Verfürth>Richtig.

00:47:34.000 --> 00:47:37.000
<v Sebastian>Also sollte man sie vermeiden oder kann man schon mit ihnen spielen?

00:47:37.000 --> 00:47:43.000
<v Stefanie Verfürth>Naja, das hängt eben dann tatsächlich von der Art der "Erkrankung" in Anführungsstrichen ab.

00:47:44.000 --> 00:47:47.000
<v Stefanie Verfürth>Da muss man natürlich jetzt gucken, ob das bei dir schon in die Richtung einer

00:47:47.000 --> 00:47:50.000
<v Stefanie Verfürth>Höhenangst geht oder einer Phobie. Ja.

00:47:51.000 --> 00:47:56.000
<v Stefanie Verfürth>Bei Traumafolgestörungen muss man immer sehr vorsichtig gucken und individuell gucken.

00:47:56.000 --> 00:48:01.000
<v Stefanie Verfürth>Da sollte man, je nachdem worum es geht und wie schwer die Störung ist,

00:48:02.000 --> 00:48:06.000
<v Stefanie Verfürth>auch vielleicht eher vermeiden, solche Situationen aufzusuchen oder aber im

00:48:06.000 --> 00:48:12.000
<v Stefanie Verfürth>Rahmen einer speziellen Traumatherapie psychotherapeutisch bearbeiten,

00:48:12.000 --> 00:48:17.000
<v Stefanie Verfürth>dass solche Situationen nicht mehr unbedingt Symptome einer Traumafolgestörung auslösen.

00:48:17.000 --> 00:48:23.000
<v Stefanie Verfürth>Was Ängste angeht und das ist schön, dass du jetzt einfach mal dieses Beispiel

00:48:23.000 --> 00:48:24.000
<v Stefanie Verfürth>genommen hast mit der Höhenangst.

00:48:24.000 --> 00:48:28.000
<v Stefanie Verfürth>Das ist ja was, wo viele Leute sich wahrscheinlich auch mit identifizieren können.

00:48:28.000 --> 00:48:33.000
<v Stefanie Verfürth>Also der Begriff Trigger, den assoziieren viele ja auch mit dem Bereich Trauma,

00:48:33.000 --> 00:48:37.000
<v Stefanie Verfürth>aber wie gesagt, es ist ein sehr allgemein stehender Begriff für das Wort Auslöser.

00:48:37.000 --> 00:48:42.000
<v Stefanie Verfürth>Und deswegen Triggersituationen kann es überall geben im Alltag.

00:48:42.000 --> 00:48:45.000
<v Stefanie Verfürth>Du kannst auch einen Trigger haben für gute Gefühle.

00:48:45.000 --> 00:48:48.000
<v Stefanie Verfürth>Wenn ich jetzt zum Beispiel den leckeren Kuchenduft beim Reinkommen rieche,

00:48:49.000 --> 00:48:52.000
<v Stefanie Verfürth>ist das für mich auch ein Trigger und dann fängt meine Speichelproduktion an

00:48:52.000 --> 00:48:57.000
<v Stefanie Verfürth>und der Magen knurrt und ich kriege ganz gute Laune in Vorfreude auf den leckeren Kuchen.

00:48:57.000 --> 00:49:00.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, also auch das ist dann an der Stelle ein Trigger.

00:49:01.000 --> 00:49:05.000
<v Stefanie Verfürth>Gut, aber nochmal zurück zu deiner Frage. Grundsätzlich ist das Sich-Aussetzen

00:49:05.000 --> 00:49:10.000
<v Stefanie Verfürth>mit dieser eigentlich angstauslösenden Situation durchaus was,

00:49:10.000 --> 00:49:16.000
<v Stefanie Verfürth>was im therapeutischen Kontext auch in der Verhaltenstherapie genutzt wird, um Ängste abzubauen.

00:49:16.000 --> 00:49:18.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, je nachdem, wie schwer jetzt

00:49:18.000 --> 00:49:22.000
<v Stefanie Verfürth>deine Beschwerden da sind, kannst du das natürlich im Alleingang machen.

00:49:22.000 --> 00:49:25.000
<v Stefanie Verfürth>Aber ansonsten, wenn es wirklich schon eine psychische Erkrankung ist,

00:49:25.000 --> 00:49:28.000
<v Stefanie Verfürth>sollte man sich da eher therapeutische Hilfe tun und das unter Anleitung machen.

00:49:28.000 --> 00:49:32.000
<v Stefanie Verfürth>Aber grundsätzlich, wenn du sagst, das kriege ich ganz gut hin und es wird jetzt

00:49:32.000 --> 00:49:34.000
<v Stefanie Verfürth>auch nicht schlimmer mit den Ängsten, sondern tendenziell eher besser,

00:49:34.000 --> 00:49:38.000
<v Stefanie Verfürth>ist das gut, dass du dich dieser Situation aussetzt und dem Gehirn zeigst,

00:49:38.000 --> 00:49:42.000
<v Stefanie Verfürth>es passiert gar nichts, wenn ich auf diesen Turm steige.

00:49:42.000 --> 00:49:46.000
<v Stefanie Verfürth>Ich habe zwar diese Angst, aber die Angst wird irgendwann auch besser und das

00:49:46.000 --> 00:49:50.000
<v Stefanie Verfürth>Gehirn macht erstmal die Erfahrung, meine Befürchtungen treten gar nicht ein

00:49:50.000 --> 00:49:53.000
<v Stefanie Verfürth>und ich beruhige mich wieder, das Angstlevel kommt von selber runter,

00:49:53.000 --> 00:49:56.000
<v Stefanie Verfürth>ohne dass ich jetzt irgendwie diesen Turm vermeiden muss.

00:49:56.000 --> 00:50:02.000
<v Sebastian>Das ist ja jetzt so eine Art Konditionierung. Es ist immer so die Frage,

00:50:02.000 --> 00:50:06.000
<v Sebastian>ab wo fange ich denn an im BDSM-Kontext als Paar mein Gegenüber,

00:50:07.000 --> 00:50:11.000
<v Sebastian>unbeabsichtigt, unwissentlich, aber anfangen rumzutherapieren an meinem Gegenüber.

00:50:11.000 --> 00:50:13.000
<v Sebastian>Oh, das magst du nicht so toll.

00:50:13.000 --> 00:50:16.000
<v Sebastian>Ja, das macht mir aber doch gerade Spaß, dass du es nicht magst.

00:50:16.000 --> 00:50:17.000
<v Sebastian>Deine Reaktion gefällt mir.

00:50:17.000 --> 00:50:21.000
<v Sebastian>Du gruselst dich davor, du schreckst davor zurück. Und dann machen wir das.

00:50:22.000 --> 00:50:26.000
<v Sebastian>Und da ist so ein bisschen die Frage, geht das nicht schon ein bisschen so in

00:50:26.000 --> 00:50:28.000
<v Sebastian>diese Persönlichkeitsformung rein?

00:50:28.000 --> 00:50:35.000
<v Sebastian>Da haben offenbar Menschen auch wirklich Angst, dass sie ihrem Gegenüber Verhaltensweisen beibringen.

00:50:35.000 --> 00:50:38.000
<v Sebastian>Manchmal finden sie es toll, das nennt man dann Konditionierung.

00:50:38.000 --> 00:50:45.000
<v Sebastian>Aber manchmal haben die Menschen wirklich Ängste, dass man Sub zum Beispiel,

00:50:45.000 --> 00:50:49.000
<v Sebastian>dass man da in der Psyche rumpfuscht, um das mal ganz platt zu sagen.

00:50:50.000 --> 00:50:56.000
<v Sebastian>Wie einfach ist denn das überhaupt da versehentlich mal was kaputt zu machen,

00:50:56.000 --> 00:50:59.000
<v Sebastian>um es mal so auszudrücken? Ich weiß, die Frage ist sehr schwierig, aber…,

00:51:00.000 --> 00:51:01.000
<v Sebastian>Könnt ihr dazu was sagen?

00:51:01.000 --> 00:51:05.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, also um nochmal eben den Begriff Konditionierung zu erläutern,

00:51:05.000 --> 00:51:08.000
<v Stefanie Verfürth>das muss nicht immer nur mit etwas Positivem einhergehen.

00:51:08.000 --> 00:51:13.000
<v Stefanie Verfürth>Du kannst durchaus auch Sachen konditionieren im Sinne von aversiven Reizen.

00:51:13.000 --> 00:51:17.000
<v Stefanie Verfürth>Und das ist ja das, warum Trigger überhaupt zu Triggern werden.

00:51:17.000 --> 00:51:20.000
<v Stefanie Verfürth>Das ist auch ein Konditionierungsprozess, der da stattfindet.

00:51:20.000 --> 00:51:27.000
<v Stefanie Verfürth>Mein Gehirn assoziiert diese Erfahrung eben und diese negativen Konsequenzen

00:51:27.000 --> 00:51:29.000
<v Stefanie Verfürth>mit der auslösenden Situation.

00:51:30.000 --> 00:51:35.000
<v Stefanie Verfürth>Das heißt, so entstehen auf der einen Seite Ängste und Traumata,

00:51:35.000 --> 00:51:40.000
<v Stefanie Verfürth>aber auf der anderen Seite nutzen wir Konditionierung auch im positiven Sinne,

00:51:40.000 --> 00:51:45.000
<v Stefanie Verfürth>bei der Verknüpfung mit positiven Situationen, um erwünschtes Verhalten oder

00:51:45.000 --> 00:51:47.000
<v Stefanie Verfürth>erwünschte Reaktionen hervorzurufen.

00:51:48.000 --> 00:51:50.000
<v Stefanie Verfürth>Also deswegen, das geht in beide Richtungen.

00:51:51.000 --> 00:51:56.000
<v Stefanie Verfürth>Also es erfordert in der Regel schon ein bisschen mehr und mehr Wiederholungen,

00:51:56.000 --> 00:51:59.000
<v Stefanie Verfürth>damit du jemanden ein gewisses Verhalten antrainierst.

00:52:00.000 --> 00:52:04.000
<v Stefanie Verfürth>Und ich weiß auch nicht, ob das jetzt, sagen wir mal...

00:52:06.000 --> 00:52:11.000
<v Stefanie Verfürth>im partnerschaftlichen Kontext so einfach ist, jemanden dann zu erziehen oder zu verändern.

00:52:12.000 --> 00:52:15.000
<v Stefanie Verfürth>Da gehört, glaube ich, schon ein bisschen mehr dazu. Auch da ist die Psyche,

00:52:15.000 --> 00:52:19.000
<v Stefanie Verfürth>glaube ich, ein bisschen komplexer. Aber grundsätzlich kannst du natürlich auch

00:52:19.000 --> 00:52:22.000
<v Stefanie Verfürth>in gewisser Weise gewisse Dinge formen.

00:52:22.000 --> 00:52:26.000
<v Stefanie Verfürth>Aber der Mensch ist natürlich ja jetzt nicht nur eine Reizreaktionsverbindung,

00:52:27.000 --> 00:52:31.000
<v Stefanie Verfürth>sondern der hat ja einen eigenen Verstand, mit dem er auch denken kann und wo

00:52:31.000 --> 00:52:32.000
<v Stefanie Verfürth>er dann auch was sagen kann.

00:52:32.000 --> 00:52:37.000
<v Stefanie Verfürth>Und wenn, ich würde es auch nicht therapeutisch nennen, wenn du jetzt merkst,

00:52:37.000 --> 00:52:40.000
<v Stefanie Verfürth>oh das gefällt ihm nicht so gut, dann mache ich das mal, dann finde ich das

00:52:40.000 --> 00:52:44.000
<v Stefanie Verfürth>eher nickelig und dann sagt das vielleicht etwas über eure Beziehung aus oder

00:52:44.000 --> 00:52:45.000
<v Stefanie Verfürth>deinen Ausmaß an Sadismus,

00:52:45.000 --> 00:52:49.000
<v Stefanie Verfürth>dass du vielleicht Freude dran hast, den anderen ein bisschen aus der Reserve zu locken.

00:52:50.000 --> 00:52:54.000
<v Stefanie Verfürth>Und dann ist eben auch die Frage, wie reagiert die andere Person drauf?

00:52:54.000 --> 00:52:59.000
<v Jörg Signerski>Und die andere Person hat ja, wenn wir im gesunden Bereich sind,

00:52:59.000 --> 00:53:02.000
<v Jörg Signerski>immer noch eine Selbstverantwortung, also eine Grenzsetzung.

00:53:03.000 --> 00:53:07.000
<v Jörg Signerski>Das ist bei uns als Sexual- und Paartherapeuten unwahrscheinlich wichtig.

00:53:07.000 --> 00:53:12.000
<v Jörg Signerski>Wir sprechen von Veto- und Egoismusregel, Prinzip der Selbstverantwortung,

00:53:12.000 --> 00:53:16.000
<v Jörg Signerski>was im sexualtherapeutischen Kontext wirklich entscheidend ist.

00:53:16.000 --> 00:53:20.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, derjenige, der Lust hat, kann natürlich in einem bestimmten Rahmen

00:53:20.000 --> 00:53:22.000
<v Jörg Signerski>das machen, was er möchte.

00:53:22.000 --> 00:53:25.000
<v Jörg Signerski>Der andere hat aber die Verpflichtung, Veto zu sagen, eine Grenze zu setzen.

00:53:26.000 --> 00:53:30.000
<v Jörg Signerski>Und wenn du irgendwen, weiß ich nicht was, immer eine Spinne aufs Bein legst

00:53:30.000 --> 00:53:36.000
<v Jörg Signerski>und er will das nicht, dann hat er und er sagt Veto, dann musst du dich daran

00:53:36.000 --> 00:53:39.000
<v Jörg Signerski>halten, sonst sind wir auch wieder im pathologischen Bereich.

00:53:39.000 --> 00:53:46.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, wenn der Nein sagt, das ist das Nein und gut ist und dann wirst du

00:53:46.000 --> 00:53:47.000
<v Jörg Signerski>ihn ja nicht konditionieren können.

00:53:47.000 --> 00:53:50.000
<v Sebastian>Also ich glaube, da ist auch wieder dieser Faktor des Miteinander.

00:53:50.000 --> 00:53:52.000
<v Sebastian>Das Leben ist ja nicht eine andauernde Session.

00:53:53.000 --> 00:53:58.000
<v Sebastian>Die Frau konditioniert mich ja auch, nämlich sie hat mir mal eine so eine kleine

00:53:58.000 --> 00:54:00.000
<v Sebastian>Bimmel geschenkt, hier steht neben dem Bett, wenn ich da drauf drücke,

00:54:00.000 --> 00:54:01.000
<v Sebastian>kommt ein doppelter Cappuccino.

00:54:02.000 --> 00:54:06.000
<v Sebastian>Idee, hat sie mir so verkauft, dass ich sie jetzt konditioniere,

00:54:06.000 --> 00:54:08.000
<v Sebastian>sie hört das Klingeln und dann bringt sie diesen doppelten Cappuccino.

00:54:09.000 --> 00:54:12.000
<v Sebastian>Fakt ist, ich bin konditioniert, wenn ich ein Cappuccino haben will,

00:54:12.000 --> 00:54:12.000
<v Sebastian>dann suche ich eine Bimmel.

00:54:14.000 --> 00:54:18.000
<v Sebastian>Und ob sie das dann immer hört und überhaupt nicht und so weiter und so fort, also,

00:54:19.000 --> 00:54:23.000
<v Sebastian>ihr merkt, es ist jetzt sehr viel Humor da auch mit drin, aber es ist sehr spannend

00:54:23.000 --> 00:54:28.000
<v Sebastian>zu sehen, wie Dinge auf einen auch wirken und auch wieder zurückwirken und nicht

00:54:28.000 --> 00:54:31.000
<v Sebastian>nur die Reaktion der anderen Person ist spannend, sondern auch die eigene auf etwas.

00:54:32.000 --> 00:54:37.000
<v Jörg Signerski>Ich finde dein Beispiel schick, weil ihr habt euch beide freiwillig für diese Bimmel entschieden.

00:54:37.000 --> 00:54:39.000
<v Sebastian>Die Frau ist Schuld, sie hat sie geschenkt.

00:54:40.000 --> 00:54:41.000
<v Jörg Signerski>Du hast dich drauf eingelassen.

00:54:41.000 --> 00:54:44.000
<v Sebastian>Ja, verdammt, ich hätte das Safeword benutzen sollen. Ach, okay.

00:54:45.000 --> 00:54:49.000
<v Sebastian>Ich gehe nochmal ganz wichtig in den Punkt rein, Traumabewältigung.

00:54:49.000 --> 00:54:54.000
<v Sebastian>Es gibt Menschen, sagtest du, Jörg schon, Randgruppe, aber es gibt sie,

00:54:54.000 --> 00:54:59.000
<v Sebastian>wo Menschen versuchen, mit BDSM ein Trauma zu bewältigen.

00:54:59.000 --> 00:55:02.000
<v Sebastian>Also sie nutzen BDSM, ich sag mal, als Werkzeug.

00:55:03.000 --> 00:55:06.000
<v Sebastian>Und da schließt sich dann auch dann wieder an, dann wird dann,

00:55:06.000 --> 00:55:10.000
<v Sebastian>dass, leider Gottes jetzt in meinem Beispiel das ich habe, sind es immer die submissiven

00:55:10.000 --> 00:55:14.000
<v Sebastian>Menschen, die das betrifft und die dominanten Personen haben dann so ein bisschen Angst,

00:55:14.000 --> 00:55:21.000
<v Sebastian>oh Gott, ich werde hier als Therapeut missbraucht und ich weiß doch gar nicht,

00:55:21.000 --> 00:55:24.000
<v Sebastian>was da los ist und dann scheint überhaupt kein Konsens da zu sein.

00:55:24.000 --> 00:55:28.000
<v Sebastian>Aber ist es theoretisch denn denkbar, ein Trauma, ich sag mal jetzt mal

00:55:28.000 --> 00:55:31.000
<v Sebastian>Höhenangst und dann habe ich eine Domina, die mich ständig auf den Turm schickt.

00:55:31.000 --> 00:55:36.000
<v Sebastian>Also die weiß das gar nicht, dass ich die habe, aber ich verlange von ihr halt diese Intervention.

00:55:37.000 --> 00:55:40.000
<v Sebastian>Ist das denn theoretisch möglich, ein Trauma zu bewältigen durch BDSM?

00:55:41.000 --> 00:55:42.000
<v Jörg Signerski>Theoretisch ja.

00:55:43.000 --> 00:55:43.000
<v Sebastian>Funktioniert es?

00:55:44.000 --> 00:55:48.000
<v Jörg Signerski>Spiel mit dem Feuer. Ja, funktioniert, muss aber nicht. Kann voll nach hinten losgehen.

00:55:49.000 --> 00:55:50.000
<v Sebastian>Okay, ist das fair?

00:55:51.000 --> 00:55:51.000
<v Jörg Signerski>Von wem?

00:55:52.000 --> 00:55:56.000
<v Sebastian>Von der Person, die es weiß. Ist ja meistens nur eine.

00:55:57.000 --> 00:56:01.000
<v Jörg Signerski>Die Frage ist, ist der Person bewusst, das so zu machen?

00:56:02.000 --> 00:56:06.000
<v Sebastian>Bevor ich hier aus meinem Haupttopic Gesundheit so ein bisschen ausbreche,

00:56:06.000 --> 00:56:11.000
<v Sebastian>habe ich noch einen wichtigen Punkt und das ist Narzissmus oder der Narzisst.

00:56:12.000 --> 00:56:18.000
<v Sebastian>Man sagt, Narzissten sind Gift, davon musst du dich fernhalten, egal ob passiv oder

00:56:18.000 --> 00:56:23.000
<v Sebastian>aktive Person. Aber wenn du auf einen Narzissten triffst, dann lauf so schnell

00:56:23.000 --> 00:56:25.000
<v Sebastian>du kannst. Was ist denn das überhaupt?

00:56:26.000 --> 00:56:31.000
<v Jörg Signerski>Narzissmus ist eine, also das was wir darunter verstehen, meinst du wahrscheinlich

00:56:31.000 --> 00:56:33.000
<v Jörg Signerski>auch, ist die narzisstische Persönlichkeitsstörung.

00:56:34.000 --> 00:56:39.000
<v Jörg Signerski>Lässt sich im ICD-10 nicht abbilden, aber in der amerikanischen Klassifikation

00:56:39.000 --> 00:56:42.000
<v Jörg Signerski>und ich meine im ICD-11 kommt es jetzt auch.

00:56:42.000 --> 00:56:50.000
<v Stefanie Verfürth>Naja, im ICD-10 ist es zumindest als F60-8 unter den sonstigen Persönlichkeitsstörungen.

00:56:50.000 --> 00:56:57.000
<v Sebastian>Kann man begründen, warum es keine gute Idee ist, mit einem Narzissten zu spielen,

00:56:57.000 --> 00:57:00.000
<v Sebastian>BDSM zu praktizieren? Also was passiert?

00:57:01.000 --> 00:57:03.000
<v Sebastian>Also das wurde im Podcast schon immer wieder mal von verschiedenen Menschen

00:57:03.000 --> 00:57:08.000
<v Sebastian>erwähnt und vielleicht ist so da die Frage, wo kommt das Toxische her?

00:57:08.000 --> 00:57:15.000
<v Stefanie Verfürth>Also ich würde erstmal nochmal ein bisschen die Definition des Narzissmus weiter ausholen und sagen,

00:57:15.000 --> 00:57:21.000
<v Stefanie Verfürth>auch da, also im Sinne von Persönlichkeit haben wir auch immer ein Kontinuum,

00:57:21.000 --> 00:57:26.000
<v Stefanie Verfürth>wo wir sagen müssen, es gibt einen narzisstisch angehauchten Persönlichkeitsstil.

00:57:26.000 --> 00:57:31.000
<v Stefanie Verfürth>Jemand ist vom Charakter her tendenziell leicht in die Richtung und dann würde

00:57:31.000 --> 00:57:35.000
<v Stefanie Verfürth>ich es nicht narzisstisch nennen, sondern es ist einfach ein selbstbewusster Persönlichkeitsstil.

00:57:36.000 --> 00:57:40.000
<v Stefanie Verfürth>Und das Ende des Kontinuums, wo wir dann auch im Störungsbereich sind,

00:57:40.000 --> 00:57:44.000
<v Stefanie Verfürth>ist das, was Jörg gerade gesagt hat, die narzisstische Persönlichkeitsstörung.

00:57:44.000 --> 00:57:48.000
<v Stefanie Verfürth>Aber da reden wir, wie gesagt, wieder davon, wenn wir im Störungsbereich sind,

00:57:48.000 --> 00:57:54.000
<v Stefanie Verfürth>ist das etwas, wo ich in allen Lebensbereichen aufgrund meiner Denkweise,

00:57:54.000 --> 00:57:56.000
<v Stefanie Verfürth>Haltung, Verhaltensweise…,

00:57:57.000 --> 00:58:02.000
<v Stefanie Verfürth>oder auch emotionalen Erlebensweise in Schwierigkeiten gerate.

00:58:02.000 --> 00:58:06.000
<v Stefanie Verfürth>Im beruflichen Kontext, im privaten Kontext, im Beziehungskontext und so weiter.

00:58:07.000 --> 00:58:12.000
<v Stefanie Verfürth>Das heißt, jemand, der nicht nur selbstbewusst ist, sondern so sehr auf sich

00:58:12.000 --> 00:58:19.000
<v Stefanie Verfürth>selbst fixiert ist, auf die Erfüllung, sagen wir mal, eigener Bedürfnisse und Wünsche fixiert ist,

00:58:20.000 --> 00:58:24.000
<v Stefanie Verfürth>dass er andere Menschen da "manipuliert", in Anführungsstrichen.

00:58:26.000 --> 00:58:31.000
<v Stefanie Verfürth>Ausnutzt möglicherweise, sehr den Ton angibt und das in einer Form,

00:58:31.000 --> 00:58:35.000
<v Stefanie Verfürth>was ihn unter Umständen zwar sehr erfolgreich macht in seinem Leben und deswegen

00:58:35.000 --> 00:58:40.000
<v Stefanie Verfürth>auch erstmal sehr zufrieden in der Regel, aber das Umfeld leidet häufig sehr.

00:58:40.000 --> 00:58:44.000
<v Stefanie Verfürth>Und in der Folge kann es natürlich auch zu anderen Problemen kommen,

00:58:44.000 --> 00:58:47.000
<v Stefanie Verfürth>wie zum Beispiel Depressionen, Abhängigkeitserkrankungen und so weiter,

00:58:47.000 --> 00:58:50.000
<v Stefanie Verfürth>weil der Narzisst dann am Ende doch vielleicht gar nicht so glücklich ist,

00:58:50.000 --> 00:58:55.000
<v Stefanie Verfürth>weil er vielleicht auch viele Kränkungserlebnisse hat. Weil ein Narzisst so

00:58:55.000 --> 00:58:58.000
<v Stefanie Verfürth>von seinem Selbstverständnis her das Gefühl hat,

00:58:58.000 --> 00:59:03.000
<v Stefanie Verfürth>dass er halt einfach allmächtig und herrlich ist und dass doch auch alle Welt

00:59:03.000 --> 00:59:08.000
<v Stefanie Verfürth>das selbst auch wahrnehmen muss und dass doch eben alle auch alle Wünsche erfüllen

00:59:08.000 --> 00:59:10.000
<v Stefanie Verfürth>und das auch mit Fug und Recht,

00:59:11.000 --> 00:59:15.000
<v Stefanie Verfürth>ne, aufgrund seiner gottgegebenen Großartigkeit.

00:59:15.000 --> 00:59:23.000
<v Stefanie Verfürth>Ja und alle anderen Menschen drumherum sehen das natürlich gar nicht so. Ja, insofern...

00:59:25.000 --> 00:59:28.000
<v Sebastian>Wenn man das so formuliert, dann klingt das immer so, das muss man doch merken, dass man da,

00:59:28.000 --> 00:59:35.000
<v Sebastian>also es ist ein bisschen überspitzt jetzt, aber was macht denn die Sexualität

00:59:35.000 --> 00:59:39.000
<v Sebastian>mit einem Narzissen oder mit einer Narzisstin, die gibt es ja bestimmt auch

00:59:39.000 --> 00:59:40.000
<v Sebastian>als weiblich gelesene Person,

00:59:41.000 --> 00:59:45.000
<v Sebastian>was macht das so gefährlich oder warum sollte man da aufpassen?

00:59:46.000 --> 00:59:49.000
<v Sebastian>Könnt ihr euch das vorstellen oder habt ihr da Hintergründe zu?

00:59:49.000 --> 00:59:55.000
<v Jörg Signerski>Also die Narzisstere Person hat eine Besonderheit.

00:59:56.000 --> 01:00:03.000
<v Jörg Signerski>Sie kann hervorragend die Bedürfnisse des anderen lesen, obwohl sie wenig empathisch ist.

01:00:04.000 --> 01:00:08.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, die weiß genau, was du gerade brauchst, damit du dich gut fühlst.

01:00:09.000 --> 01:00:14.000
<v Jörg Signerski>Das kann diese Person, also einige dieser Personen relativ gut herauskristallisieren.

01:00:14.000 --> 01:00:21.000
<v Jörg Signerski>Das macht sie auch so teilweise faszinierend. Dann sind sie teilweise sehr von

01:00:21.000 --> 01:00:25.000
<v Jörg Signerski>sich selbst überzeugt, was auch eine Faszination ausmacht.

01:00:26.000 --> 01:00:29.000
<v Jörg Signerski>Gleichzeitig kommt dann das dazu, was du gerade gesagt hast,

01:00:29.000 --> 01:00:37.000
<v Jörg Signerski>sie sind ausbeuterisch, das ist ein Diagnose-Kriterium und sie sind trotzdem,

01:00:37.000 --> 01:00:43.000
<v Jörg Signerski>obwohl sie herauskriegen, was dich in deinem Narzissmus pinselt,

01:00:43.000 --> 01:00:45.000
<v Jörg Signerski>sind sie gleichzeitig aber auch noch wenig empathisch.

01:00:45.000 --> 01:00:51.000
<v Sebastian>Also diesen Widerspruch verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Also sie können Bedürfnisse lesen.

01:00:52.000 --> 01:00:57.000
<v Sebastian>Lesen heißt ja auch sich dessen bewusst sein. Das heißt, entscheiden sie sich

01:00:57.000 --> 01:01:02.000
<v Sebastian>aktiv dagegen, ich sag mal freundlich zu sein, obwohl sie wissen,

01:01:02.000 --> 01:01:03.000
<v Sebastian>was sind die Bedürfnisse.

01:01:03.000 --> 01:01:06.000
<v Sebastian>Das macht doch theoretisch guten BDSM aus.

01:01:06.000 --> 01:01:10.000
<v Jörg Signerski>Ich merke, dass ich es falsch formuliert habe. Ja, aber sie können lesen,

01:01:10.000 --> 01:01:15.000
<v Jörg Signerski>was dich... deine Bedürfnisse können die lesen, die können die sehr gut bedienen,

01:01:15.000 --> 01:01:16.000
<v Jörg Signerski>dass du dich toll fühlst.

01:01:16.000 --> 01:01:20.000
<v Jörg Signerski>Das kriegen die hin, gleichzeitig wissen die aber auch, wie sie dich stark verletzen können.

01:01:21.000 --> 01:01:24.000
<v Stefanie Verfürth>Sagen wir mal so, sie kriegen es gut hin zu wissen, welche Knöpfe sie bei dir

01:01:24.000 --> 01:01:28.000
<v Stefanie Verfürth>drücken müssen, damit du das tust, was sie wollen und was ihnen am Ende dient.

01:01:28.000 --> 01:01:35.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, es fällt dir möglicherweise nicht so sehr auf, dass es ihnen rein um ihre

01:01:35.000 --> 01:01:36.000
<v Stefanie Verfürth>Bedürfnisbefriedigung geht,

01:01:36.000 --> 01:01:40.000
<v Stefanie Verfürth>aber sie sind sehr gut darin, das zu ergründen, was sie tun müssen,

01:01:41.000 --> 01:01:45.000
<v Stefanie Verfürth>damit du ihnen freiwillig sozusagen "dienst", in Anführungsstrichen.

01:01:46.000 --> 01:01:50.000
<v Sebastian>Ah, okay, aber dann kommt eben nichts mehr zurück, weil das ist ja nicht zielführend.

01:01:50.000 --> 01:01:54.000
<v Stefanie Verfürth>Genau, eben. Das ist eben der Grund, warum es dann in der Pathologie,

01:01:54.000 --> 01:01:57.000
<v Stefanie Verfürth>also wenn wir im Störungsbereich sind, auch nachher zu Problemen führt,

01:01:58.000 --> 01:02:01.000
<v Stefanie Verfürth>weil es irgendwann auf Dauer niemand mehr mit dem Menschen aushält.

01:02:01.000 --> 01:02:07.000
<v Stefanie Verfürth>Aber deswegen habe ich ja eben auch gesagt, Narzissmus ist vorsichtig zu betrachten

01:02:07.000 --> 01:02:08.000
<v Stefanie Verfürth>und im Endeffekt ein Kontinuum.

01:02:08.000 --> 01:02:12.000
<v Stefanie Verfürth>Nur die wenigsten landen ja wirklich in dem Bereich,

01:02:12.000 --> 01:02:17.000
<v Stefanie Verfürth>wo es wirklich eine Störung beinhaltet, sondern jemand grundsätzlich mit so

01:02:17.000 --> 01:02:21.000
<v Stefanie Verfürth>einem Persönlichkeitsstil in mehr oder weniger starker Ausprägung kann davon

01:02:21.000 --> 01:02:25.000
<v Stefanie Verfürth>ja auch sehr viel Gewinn schöpfen.

01:02:25.000 --> 01:02:28.000
<v Stefanie Verfürth>Das sind meistens Leute, die in sehr erfolgreichen Positionen,

01:02:28.000 --> 01:02:32.000
<v Stefanie Verfürth>sehr erfolgreich Teams leaden zum Beispiel,

01:02:32.000 --> 01:02:38.000
<v Stefanie Verfürth>erfolgreiche Unternehmen managen, weil sie zum einen auch wahnsinnig ehrgeizig sind,

01:02:38.000 --> 01:02:45.000
<v Stefanie Verfürth>leistungsstark sind und auch in der

01:02:45.000 --> 01:02:52.000
<v Stefanie Verfürth>Lage sind, Menschen da für sich auch einzusetzen und arbeiten zu lassen.

01:02:53.000 --> 01:02:59.000
<v Stefanie Verfürth>Und wie gesagt auch gerne Macht ausüben und Menschen führen.

01:03:00.000 --> 01:03:04.000
<v Stefanie Verfürth>Jemand, der in einer Leitungsposition arbeitet, aber von seinem Persönlichkeitsstil

01:03:04.000 --> 01:03:08.000
<v Stefanie Verfürth>her eher unterwürfig oder abhängig strukturiert ist,

01:03:09.000 --> 01:03:13.000
<v Stefanie Verfürth>eher so der submissive Part, dann fühlt sich er in seiner Rolle so unwohl,

01:03:13.000 --> 01:03:16.000
<v Stefanie Verfürth>dass er dann auch nicht unbedingt diesen Job wahnsinnig gut ausführen würde.

01:03:16.000 --> 01:03:22.000
<v Stefanie Verfürth>Und inwieweit man das jetzt zusammenbringen kann, eben wie narzisstisch oder

01:03:22.000 --> 01:03:27.000
<v Stefanie Verfürth>wie selbstunsicher ein Mensch von der Persönlichkeitsstruktur her ist und ob

01:03:27.000 --> 01:03:31.000
<v Stefanie Verfürth>sich das dann abbildet im Thema dominant-submissiv.

01:03:31.000 --> 01:03:35.000
<v Stefanie Verfürth>Auch das ist so, wie wir das vorhin vielleicht schon hatten,

01:03:35.000 --> 01:03:40.000
<v Stefanie Verfürth>auch wieder eine Frage, muss das immer miteinander kongruent sein?

01:03:40.000 --> 01:03:45.000
<v Stefanie Verfürth>Oder kann nicht auch der Narzisst mal klein sein wollen und das kompensieren

01:03:45.000 --> 01:03:47.000
<v Stefanie Verfürth>wollen in einer unterwürfigen Rolle?

01:03:47.000 --> 01:03:52.000
<v Stefanie Verfürth>Dass er auch mal die Kontrolle abgeben darf und nicht immer den Starken spielen muss.

01:03:52.000 --> 01:03:57.000
<v Stefanie Verfürth>Weil es auch unter den narzisstischen Menschen die Situation gibt,

01:03:58.000 --> 01:04:03.000
<v Stefanie Verfürth>oder sogar häufig so ist, dass sie zwar nach außen hin dieses Großartige und

01:04:03.000 --> 01:04:08.000
<v Stefanie Verfürth>Selbstbewusste präsentieren und ganz charismatisch auftreten,

01:04:08.000 --> 01:04:12.000
<v Stefanie Verfürth>aber innerlich eigentlich immer mit einer ganz großen Angst rumlaufen,

01:04:12.000 --> 01:04:16.000
<v Stefanie Verfürth>selbst gar nicht so toll zu sein, wie sie sich verkaufen.

01:04:16.000 --> 01:04:21.000
<v Stefanie Verfürth>Und innerlich häufig doch ganz selbstunsicher sind und Angst davor haben,

01:04:21.000 --> 01:04:24.000
<v Stefanie Verfürth>dass irgendwann der Schwindel rauskommt und irgendwer sie entlarvt.

01:04:25.000 --> 01:04:29.000
<v Stefanie Verfürth>Deswegen hat man auch diese Situation, dass die dann schnell kränkbar sind,

01:04:29.000 --> 01:04:31.000
<v Stefanie Verfürth>wenn jemand nicht gleich ihrer Meinung ist.

01:04:31.000 --> 01:04:36.000
<v Sebastian>Ah, okay. Also ich überlege gerade, wo diese Warnung herkommt.

01:04:36.000 --> 01:04:40.000
<v Sebastian>Lass dich nicht mit einem Narzissten, mit einer Narzisstin ein, das endet nicht gut.

01:04:41.000 --> 01:04:44.000
<v Sebastian>Das klingt immer so, als ob der Mensch einen irgendwann um die Ecke bringt,

01:04:44.000 --> 01:04:47.000
<v Sebastian>früher oder später, aber das scheint nicht der Punkt zu sein.

01:04:47.000 --> 01:04:56.000
<v Sebastian>Also was ist denn die Gefahr für eine Person, wenn sie auf so einen pathologischen Narzisst:in trifft?

01:04:56.000 --> 01:05:00.000
<v Sebastian>Was kriegt das Umfeld davon mit und warum ist das so toxisch?

01:05:00.000 --> 01:05:05.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, also das geht ja im Endeffekt darum, wie gesagt, der Narzisst guckt in erster

01:05:05.000 --> 01:05:10.000
<v Stefanie Verfürth>Linie auf seine Bedürfnisbefriedigung und kann andere ganz gut dazu bringen, ihm zu dienen.

01:05:10.000 --> 01:05:15.000
<v Stefanie Verfürth>Und das wird dann insofern für andere vielleicht toxisch, wenn man sich selbst

01:05:15.000 --> 01:05:20.000
<v Stefanie Verfürth>aufgibt. Es gibt ja Menschen und häufig hat man die Kombination in Partnerschaften,

01:05:20.000 --> 01:05:24.000
<v Stefanie Verfürth>dass der eine Teil eher narzisstisch strukturiert ist, das heißt dominant.

01:05:25.000 --> 01:05:32.000
<v Stefanie Verfürth>Der andere, der dazu häufig sich dann da auch passend fügt, ist derjenige,

01:05:32.000 --> 01:05:35.000
<v Stefanie Verfürth>der eher von der Persönlichkeitsstruktur her, wir nennen das abhängig oder selbst-

01:05:35.000 --> 01:05:37.000
<v Stefanie Verfürth>unsicher strukturiert ist.

01:05:37.000 --> 01:05:40.000
<v Stefanie Verfürth>Der braucht jemanden, der profitiert im Endeffekt auch erstmal davon,

01:05:40.000 --> 01:05:42.000
<v Stefanie Verfürth>dass er jemanden hat, der den Ton angibt.

01:05:42.000 --> 01:05:45.000
<v Stefanie Verfürth>Der ist nämlich total froh, wenn er selbst keine Entscheidung treffen muss.

01:05:45.000 --> 01:05:50.000
<v Stefanie Verfürth>Und wenn der Partner, der narzisstisch ist, sagt, wir machen das so und so und

01:05:50.000 --> 01:05:54.000
<v Stefanie Verfürth>so, kann das für den unterwürfigen Teil natürlich mega hilfreich sein,

01:05:55.000 --> 01:05:58.000
<v Stefanie Verfürth>weil er selber nicht Angst haben muss, Entscheidungen zu treffen und das alles

01:05:58.000 --> 01:06:00.000
<v Stefanie Verfürth>abgeben kann und einfach ausführen kann.

01:06:00.000 --> 01:06:04.000
<v Stefanie Verfürth>Aber am Ende heißt das ja auch, diese Person bleibt eigentlich mit ihren Bedürfnissen

01:06:04.000 --> 01:06:09.000
<v Stefanie Verfürth>total auf der Strecke und verliert auch irgendwann den Blick dafür,

01:06:09.000 --> 01:06:10.000
<v Stefanie Verfürth>was tut mir eigentlich gut.

01:06:10.000 --> 01:06:17.000
<v Stefanie Verfürth>Und da besteht dann die Gefahr, dass es irgendwann dann auch zur Entwicklung

01:06:17.000 --> 01:06:20.000
<v Stefanie Verfürth>von psychischen Erkrankungen kommt oder was auch immer.

01:06:20.000 --> 01:06:24.000
<v Stefanie Verfürth>Oder auch da der Selbstwert immer niedriger wird, weil ich mich eben immer mehr

01:06:24.000 --> 01:06:31.000
<v Stefanie Verfürth>abhängig mache von dieser Person, die mich so dominiert und ja nur ihre Bedürfnisse durchsetzt.

01:06:31.000 --> 01:06:35.000
<v Sebastian>Also damit ist quasi meine nächste Frage perfekt mitbeantwortet.

01:06:35.000 --> 01:06:39.000
<v Sebastian>Kurz zusammengefasst schadet eine submissive Position in der Beziehung nicht

01:06:39.000 --> 01:06:41.000
<v Sebastian>vielleicht der Lebenstüchtigkeit?

01:06:43.000 --> 01:06:45.000
<v Sebastian>Dann würde ich jetzt aus dem, was ich verstanden habe, sagen,

01:06:45.000 --> 01:06:48.000
<v Sebastian>ja, wenn man es mit einem Narzissen zu tun hat und selber dafür ein bisschen

01:06:48.000 --> 01:06:52.000
<v Sebastian>anfällig ist, dann ist es vielleicht eine blöde Kombination. Kommt das hin?

01:06:52.000 --> 01:06:55.000
<v Stefanie Verfürth>Kann, aber muss nicht. Also auch da immer wieder, es ist die Frage,

01:06:56.000 --> 01:07:01.000
<v Stefanie Verfürth>wie sehr ist mir das bewusst, wie sehr mache ich das bewusst in der Konstellation.

01:07:02.000 --> 01:07:06.000
<v Stefanie Verfürth>Wenn ich es nur auf den sexuellen Bereich begrenze, ist es ja vollkommen in

01:07:06.000 --> 01:07:10.000
<v Stefanie Verfürth>Ordnung. Aber wenn du tatsächlich merkst, es betrifft andere Lebensbereiche

01:07:10.000 --> 01:07:13.000
<v Stefanie Verfürth>und du bist nachher nicht mehr in der Lage, dir einen Arzttermin zu machen ohne

01:07:13.000 --> 01:07:17.000
<v Stefanie Verfürth>deinen Partner oder einkaufen zu gehen.

01:07:17.000 --> 01:07:21.000
<v Stefanie Verfürth>Was ist, wenn der plötzlich mal ins Krankenhaus muss und du stehst ganz alleine

01:07:21.000 --> 01:07:22.000
<v Stefanie Verfürth>da und kannst das Haus gar nicht mehr verlassen?

01:07:23.000 --> 01:07:27.000
<v Stefanie Verfürth>Oder bist du lebensunpraktisch geworden, dass du dich gar nicht selbst versorgt kriegst?

01:07:27.000 --> 01:07:30.000
<v Stefanie Verfürth>Das wäre ja nun mal wirklich nicht mehr günstig. Oder was ist,

01:07:30.000 --> 01:07:35.000
<v Stefanie Verfürth>wenn der Partner dich plötzlich verlässt und du bist dann völlig unselbstständig?

01:07:35.000 --> 01:07:40.000
<v Stefanie Verfürth>Also das sind dann Sachen, wo ich schon sagen würde, das ist ungünstig,

01:07:40.000 --> 01:07:45.000
<v Stefanie Verfürth>aber bis dahin muss es ja auch erstmal kommen und das passiert eben halt eher

01:07:45.000 --> 01:07:46.000
<v Stefanie Verfürth>in ungünstigen Konstellationen.

01:07:46.000 --> 01:07:51.000
<v Stefanie Verfürth>Da muss auch eben dieser submissive Part schon sehr von sich aus auch selbstunsicher sein.

01:07:52.000 --> 01:07:56.000
<v Stefanie Verfürth>Und ich weiß nicht, ob das wirklich immer so ist im BDSM-Bereich,

01:07:56.000 --> 01:08:02.000
<v Stefanie Verfürth>dass das dann Personen sind, die vom Persönlichkeitsstil dann in Richtung selbstunsichere

01:08:02.000 --> 01:08:04.000
<v Stefanie Verfürth>Persönlichkeitsstörungen gehen.

01:08:04.000 --> 01:08:10.000
<v Sebastian>Ja, ich glaube, da muss man vorsichtig sein. Submissiv heißt nicht unsicher oder devot.

01:08:10.000 --> 01:08:14.000
<v Sebastian>Das ist einfach nur die Rolle, in der ich mich wohlfühle. Das sagt ja erstmal

01:08:14.000 --> 01:08:17.000
<v Sebastian>nichts weiter aus über meine Fähigkeiten, mich durchzusetzen.

01:08:17.000 --> 01:08:21.000
<v Stefanie Verfürth>Genau, deswegen habe ich das vorhin gesagt, dass man wahrscheinlich nicht von

01:08:21.000 --> 01:08:26.000
<v Stefanie Verfürth>der Persönlichkeitsstruktur per se drauf schließen kann, in welche Rolle ich mich begebe.

01:08:26.000 --> 01:08:29.000
<v Stefanie Verfürth>Das ist ja ein bewusstes Schlüpfen in diese submissive Rolle,

01:08:29.000 --> 01:08:31.000
<v Stefanie Verfürth>was eben nicht heißen muss.

01:08:31.000 --> 01:08:35.000
<v Stefanie Verfürth>Und deswegen denke ich, dass es weniger selbstunsichere Menschen in devoten

01:08:35.000 --> 01:08:39.000
<v Stefanie Verfürth>Personen gibt, als narzisstische Menschen in dominanten Positionen.

01:08:39.000 --> 01:08:43.000
<v Stefanie Verfürth>Aber wie gesagt, das sind alles Sachen, da gibt es keine Studien zu,

01:08:43.000 --> 01:08:45.000
<v Stefanie Verfürth>das ist jetzt mal persönliches Feeling.

01:08:46.000 --> 01:08:51.000
<v Sebastian>Ja, ich merke, hier gehen viele Fragen auch so ein bisschen in diese Position

01:08:51.000 --> 01:08:57.000
<v Sebastian>rein, wo eine Bewertung gefordert wird und ja oder nein Fragen sind das ganz

01:08:57.000 --> 01:09:01.000
<v Sebastian>oft und ich merke aber, es ist immer das Zusammenspiel,

01:09:01.000 --> 01:09:03.000
<v Sebastian>es ist immer eine feine Skala,

01:09:03.000 --> 01:09:08.000
<v Sebastian>Graubereiche, die mit anderen Graubereichen wiederum gemischt werden.

01:09:08.000 --> 01:09:15.000
<v Sebastian>Und offenbar ist es leider Gottes einfach nicht so einfach,

01:09:15.000 --> 01:09:16.000
<v Sebastian>was im Kopf vor sich geht.

01:09:17.000 --> 01:09:19.000
<v Sebastian>Und jetzt frage ich mich, wieso kriege ich das hin, erfolgreich,

01:09:20.000 --> 01:09:24.000
<v Sebastian>also was heißt erfolgreich, für mich und hoffentlich auch meine Partnerin befriedigend BDSM zu machen.

01:09:24.000 --> 01:09:28.000
<v Sebastian>Aus irgendeinem Grund scheint es da einfach zu funktionieren.

01:09:28.000 --> 01:09:30.000
<v Sebastian>Sind Menschen dafür einfach talentiert?

01:09:31.000 --> 01:09:35.000
<v Sebastian>Oder, also woran liegt das, dass das funktionieren kann, wenn die Psyche doch

01:09:35.000 --> 01:09:38.000
<v Sebastian>so kompliziert ist? Was ist es?

01:09:38.000 --> 01:09:44.000
<v Stefanie Verfürth>Naja, also das sind glaube ich tatsächlich die Fragen und die Dinge,

01:09:44.000 --> 01:09:48.000
<v Stefanie Verfürth>die damit eine Rolle spielen und auch da wieder mehrere Faktoren, die da mit dazugehören.

01:09:48.000 --> 01:09:52.000
<v Stefanie Verfürth>Das ist zum einen die Frage, wie fest bin ich so in meiner Persönlichkeit.

01:09:52.000 --> 01:09:58.000
<v Stefanie Verfürth>Wenn ich in mir gut gesettelt bin, wenn ich ein gutes Gefühl für meine Bedürfnisse,

01:09:58.000 --> 01:10:03.000
<v Stefanie Verfürth>Wünsche habe, meine Grenzen setzen kann und auch mal sagen kann,

01:10:03.000 --> 01:10:08.000
<v Stefanie Verfürth>okay, das war jetzt zu viel und das auch gut kommunizieren kann.

01:10:08.000 --> 01:10:13.000
<v Stefanie Verfürth>Das eine ist eben das, wie bin ich mit mir im Reinen, kann für mich sorgen.

01:10:13.000 --> 01:10:16.000
<v Stefanie Verfürth>Aber auch das, wie ist unsere Kommunikation als Paar?

01:10:16.000 --> 01:10:20.000
<v Stefanie Verfürth>Und das ist etwas, wo Jörg eben ja auch schon mal drauf hingewiesen hat,

01:10:20.000 --> 01:10:23.000
<v Stefanie Verfürth>dass das, glaube ich, im BDSM-Bereich wesentlich verbreiteter ist,

01:10:23.000 --> 01:10:28.000
<v Stefanie Verfürth>über Dinge zu sprechen. Was wünsche ich mir, wo sind Grenzen?

01:10:28.000 --> 01:10:34.000
<v Stefanie Verfürth>Dass das wesentlich transparenter gemacht wird. Dass im Vanille-Bereich

01:10:35.000 --> 01:10:40.000
<v Stefanie Verfürth>eben vielfach ganz große Hemmungen sind, über Sexualität zu sprechen und deswegen

01:10:40.000 --> 01:10:45.000
<v Stefanie Verfürth>ganz viel gar nicht auf den Tisch kommt, gar nicht ausgelebt wird oder eben

01:10:45.000 --> 01:10:47.000
<v Stefanie Verfürth>mitgemacht wird, ohne was zu sagen,

01:10:47.000 --> 01:10:51.000
<v Stefanie Verfürth>sodass da Sexualität möglicherweise viel unzufriedenstellender ist.

01:10:51.000 --> 01:10:55.000
<v Stefanie Verfürth>Und ich glaube, dass eben im BDSM-Bereich ja auch in der Szene Leute,

01:10:56.000 --> 01:11:02.000
<v Stefanie Verfürth>die sich da bewegen, ja auch das fördern, Austausch darüber zu pflegen und dass

01:11:02.000 --> 01:11:05.000
<v Stefanie Verfürth>ein bewusster Part ist, das zu leben,

01:11:05.000 --> 01:11:11.000
<v Stefanie Verfürth>dass die Partner sich da gegenseitig austauschen und mitteilen und auch jedem

01:11:11.000 --> 01:11:13.000
<v Stefanie Verfürth>wichtig ist, auf Grenzen zu achten.

01:11:13.000 --> 01:11:17.000
<v Sebastian>Ja nicht nur die Partner, also man passt schon so ein bisschen innerhalb der

01:11:17.000 --> 01:11:20.000
<v Sebastian>Community darauf auf, dass man sich benimmt.

01:11:21.000 --> 01:11:27.000
<v Sebastian>Dass man also schon schaut, welche Personen sind jetzt durch übergriffiges Verhalten

01:11:27.000 --> 01:11:31.000
<v Sebastian>aufgefallen und die werden im Grunde, ja gebranntmarkt will ich nicht sagen,

01:11:31.000 --> 01:11:34.000
<v Sebastian>aber eine zweite Chance ist relativ schwer zu bekommen oder ist mit viel Arbeit

01:11:34.000 --> 01:11:39.000
<v Sebastian>verbunden und da scheint auch so eine Sozialisierung stattzufinden.

01:11:39.000 --> 01:11:45.000
<v Sebastian>Und ich selbst sage auch, dass ich Stammtische und auch Veranstaltungen allgemein

01:11:45.000 --> 01:11:50.000
<v Sebastian>im BDSM-Kontext als gut sehe, weil das eine gewisse Art der... soziale Kontrolle

01:11:50.000 --> 01:11:51.000
<v Sebastian>ist ein böser Begriff... darstellt.

01:11:51.000 --> 01:11:53.000
<v Stefanie Verfürth>Doch, doch, aber so würde ich das ruhig nennen.

01:11:53.000 --> 01:11:59.000
<v Sebastian>Ja, man kann halt zumindest diese Fantasien, die Menschen alleine mit sich ausgemacht

01:11:59.000 --> 01:12:02.000
<v Sebastian>haben, so ein bisschen auf ein realistisches Level wieder zurückbringen.

01:12:02.000 --> 01:12:06.000
<v Sebastian>Und dieses Peer-to-Peer-Aufeinander-Aufpassen.

01:12:07.000 --> 01:12:11.000
<v Sebastian>Ich glaube, das ist mal der erste Schritt, damit eben die Erfahrungen hoffentlich positiv sind.

01:12:11.000 --> 01:12:15.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, und deswegen, das hast du schön gesagt, das finde ich ist ein ganz wichtiger

01:12:15.000 --> 01:12:17.000
<v Stefanie Verfürth>Faktor und ja auch etwas, was ein

01:12:17.000 --> 01:12:22.000
<v Stefanie Verfürth>Alleinstellungsmerkmal ja auch ist im BDSM-Bereich, im Vanilla-Bereich.

01:12:22.000 --> 01:12:26.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, es würde ja niemals irgendwie sich jemand da in der Nachbarschaft zusammensetzen

01:12:26.000 --> 01:12:29.000
<v Stefanie Verfürth>und sagen, wir machen jetzt mal einen Stammtisch und wir reden ab und zu mal

01:12:29.000 --> 01:12:34.000
<v Stefanie Verfürth>über unsere Sexualität und gucken mal und da wird ja nicht Nachbar zu dem anderen sagen,

01:12:34.000 --> 01:12:38.000
<v Stefanie Verfürth>Mensch hier Gregor, da hast du aber mal du, also da musst du beim nächsten Mal

01:12:38.000 --> 01:12:41.000
<v Stefanie Verfürth>aber mit deiner Frau ein bisschen. Stell dir das mal vor.

01:12:41.000 --> 01:12:44.000
<v Stefanie Verfürth>Also das könnte ich mir im Leben nicht vorstellen.

01:12:44.000 --> 01:12:50.000
<v Stefanie Verfürth>Das gibt es ja dann nicht. Und das ist dann ja im BDSM-Bereich vollkommen selbstverständlich,

01:12:50.000 --> 01:12:55.000
<v Stefanie Verfürth>dass da dann auch wie gesagt drauf aufgepasst wird. Und sowas kriege ich ja

01:12:55.000 --> 01:12:58.000
<v Stefanie Verfürth>im Endeffekt auch über deinen Podcast mit.

01:12:58.000 --> 01:13:02.000
<v Stefanie Verfürth>Das ist ja etwas, worüber ich mich sozusagen in dem Bereich auch fortgebildet

01:13:02.000 --> 01:13:04.000
<v Stefanie Verfürth>habe oder auch immer wieder fortbilde.

01:13:05.000 --> 01:13:12.000
<v Stefanie Verfürth>Du betonst da ganz oft mit deinen Gästen auch immer wieder, dass man Sachen

01:13:12.000 --> 01:13:17.000
<v Stefanie Verfürth>vereinbart, dass man drüber redet, den Konsens in dem, was man da tut.

01:13:17.000 --> 01:13:23.000
<v Stefanie Verfürth>Und deswegen, das ist glaube ich eine Kultur allein, die schon dafür sorgt,

01:13:23.000 --> 01:13:26.000
<v Stefanie Verfürth>dass man da auch ganz anders mit umgeht.

01:13:26.000 --> 01:13:31.000
<v Stefanie Verfürth>Und was dann dafür sorgt, dass man das dann auch in dem Bereich gut hinkriegt,

01:13:31.000 --> 01:13:33.000
<v Stefanie Verfürth>seine Sexualität zu leben.

01:13:33.000 --> 01:13:37.000
<v Sebastian>Dann frage ich doch jetzt mal zwischendurch, also ihr beide habt den Podcast

01:13:37.000 --> 01:13:41.000
<v Sebastian>gehört, was habt ihr aus der Kunst der Unvernunft gelernt?

01:13:41.000 --> 01:13:44.000
<v Sebastian>Das ist jetzt nicht die ausleitende Abschlussfrage, aber es passt gerade so schön.

01:13:45.000 --> 01:13:49.000
<v Sebastian>Gibt es was, was ihr da Neues mitgenommen habt? Oder was hängen geblieben ist.

01:13:49.000 --> 01:13:53.000
<v Jörg Signerski>Ja, wir haben Einblicke gewonnen, die wir so nicht gewinnen würden.

01:13:53.000 --> 01:13:59.000
<v Jörg Signerski>Wir haben Vokabular gelernt, was wir so nicht kennen.

01:14:00.000 --> 01:14:03.000
<v Jörg Signerski>Ja, so würde ich das erstmal formulieren.

01:14:04.000 --> 01:14:07.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, also deswegen, ich kann es gar nicht einzeln aufzählen, weil das wahnsinnig

01:14:07.000 --> 01:14:11.000
<v Stefanie Verfürth>viel ist, weil ich, wie gesagt, sonst mit dieser Szene irgendwie nie was zu tun hatte.

01:14:12.000 --> 01:14:17.000
<v Stefanie Verfürth>Und das sozusagen meine Fortbildung ist unter anderem.

01:14:17.000 --> 01:14:20.000
<v Stefanie Verfürth>Und ich einfach versucht habe, da einen Einblick zu kriegen.

01:14:20.000 --> 01:14:25.000
<v Stefanie Verfürth>Und deswegen habe ich erst mal verstanden, okay, wie weit ist dieses Feld eigentlich?

01:14:27.000 --> 01:14:32.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, wie schön das ist, dass es eben eine Community gibt, in der so offen auch

01:14:32.000 --> 01:14:36.000
<v Stefanie Verfürth>über Sexualität gesprochen werden darf, mit welcher Selbstverständlichkeit,

01:14:36.000 --> 01:14:40.000
<v Stefanie Verfürth>das finde ich einfach schön und ja, was Jörg schon sagt, einfach wahnsinnig

01:14:40.000 --> 01:14:43.000
<v Stefanie Verfürth>viel, erstmal überhaupt Fachbegriffe, was gibt es da eigentlich alles,

01:14:43.000 --> 01:14:47.000
<v Stefanie Verfürth>auch von dem Vorlieben und was man da so gerne macht, das sind ja Dinge,

01:14:47.000 --> 01:14:54.000
<v Stefanie Verfürth>die stellt man sich ja als, sagen wir mal, Vanillamensch so gar nicht vor,

01:14:54.000 --> 01:14:55.000
<v Stefanie Verfürth>da kann man ja nicht auf alles drauf kommen.

01:14:55.000 --> 01:15:00.000
<v Stefanie Verfürth>Und das ist, finde ich, eine schöne Bereicherung, sage ich mal,

01:15:00.000 --> 01:15:04.000
<v Stefanie Verfürth>auch der eigenen Fantasien oder Ideen.

01:15:04.000 --> 01:15:07.000
<v Sebastian>Ein kleines bisschen rot werde ich gerade. Ich merke, ich habe die Frage wirklich

01:15:07.000 --> 01:15:11.000
<v Sebastian>zu früh gestellt. Ich möchte gerne über Bedürfnisse reden.

01:15:12.000 --> 01:15:17.000
<v Sebastian>Es gibt so ein paar Sachen im BDSM, die sind wider der Evolution.

01:15:18.000 --> 01:15:22.000
<v Sebastian>Beispiel. Erniedrigung führt zu Erregung. Warum?

01:15:23.000 --> 01:15:25.000
<v Jörg Signerski>Weshalb ist das wider der Evolution?

01:15:26.000 --> 01:15:29.000
<v Sebastian>Okay, zweites Beispiel. Ich habe, Moment, ich muss es einmal finden,

01:15:30.000 --> 01:15:31.000
<v Sebastian>damit ich es auch korrekt vorlese.

01:15:32.000 --> 01:15:35.000
<v Sebastian>Im Spiel macht es mich glücklich, wenn ich nicht zum Höhepunkt komme.

01:15:35.000 --> 01:15:38.000
<v Sebastian>Warum? Warum regt es mich, keinen Orgasmus haben zu dürfen?

01:15:39.000 --> 01:15:41.000
<v Jörg Signerski>Und soll das wider der Evolution sein?

01:15:41.000 --> 01:15:44.000
<v Sebastian>Naja, also theoretisch, also den Erfolg mit Nachwuchs und so,

01:15:44.000 --> 01:15:47.000
<v Sebastian>den kriegt man ja nur hin, wenn man das mit dem Orgasmus auch hinbekommt als Kerl.

01:15:47.000 --> 01:15:50.000
<v Sebastian>Also wo kommt der Spaß her?

01:15:50.000 --> 01:15:55.000
<v Jörg Signerski>Die Frage ist ja, was ist Sexualität? Wir haben verschiedene Ebenen.

01:15:55.000 --> 01:16:00.000
<v Jörg Signerski>Die eine Ebene ist natürlich die Fortpflanzungsebene. Aber wenn wir nur Sex

01:16:00.000 --> 01:16:04.000
<v Jörg Signerski>hätten, um uns fortzupflanzen, dann wäre das nicht viel.

01:16:04.000 --> 01:16:06.000
<v Jörg Signerski>Dann würden wir auch kein BDSM haben.

01:16:07.000 --> 01:16:08.000
<v Sebastian>Okay, wozu brauchen wir das?

01:16:09.000 --> 01:16:11.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, wir haben noch andere Ebenen. Wir haben eine Lust-Ebene,

01:16:11.000 --> 01:16:12.000
<v Jörg Signerski>wir haben eine Beziehungsebene.

01:16:13.000 --> 01:16:19.000
<v Jörg Signerski>Und die Lust-Ebene ist, dass wir Spaß haben an etwas, was uns erregt.

01:16:19.000 --> 01:16:26.000
<v Jörg Signerski>Die Beziehungsebene ist, wir gehen in eine Interaktion, wo es auch um Nähe und Akzeptanz geht.

01:16:26.000 --> 01:16:31.000
<v Jörg Signerski>Dann haben wir noch etwas dazu. Wenn du schon die Evolution ansprichst,

01:16:31.000 --> 01:16:39.000
<v Jörg Signerski>spielt Macht und Unterwürfigkeit im sexuellen Kontext schon eine Rolle.

01:16:40.000 --> 01:16:46.000
<v Jörg Signerski>Ich empfehle jeden einmal, in den Zoo zu gehen und sich den nächsten Affenfelsen anzuschauen.

01:16:47.000 --> 01:16:51.000
<v Jörg Signerski>Da passiert ja sexuell relativ viel, ohne dass es um Fortpflanzung geht,

01:16:52.000 --> 01:16:59.000
<v Jörg Signerski>sondern Präsentieren des Genitals hat etwas, kann beim Präsentieren des männlichen

01:16:59.000 --> 01:17:02.000
<v Jörg Signerski>Genitals etwas mit Macht zu tun haben.

01:17:02.000 --> 01:17:08.000
<v Jörg Signerski>Da gibt es auch Unterwürfigkeitsgesten. Das heißt, auch dort finden wir schon

01:17:08.000 --> 01:17:17.000
<v Jörg Signerski>dieses Spiel mit Macht und Unterwürfigkeit auf einem sexuell konnotierten Bereich.

01:17:18.000 --> 01:17:23.000
<v Jörg Signerski>Sodass du merkst, wie vielschichtig das da ist, was Sexualität ist,

01:17:23.000 --> 01:17:27.000
<v Jörg Signerski>dass es nicht nur um Fortpflanzung geht und eher nicht um Fortpflanzung geht.

01:17:27.000 --> 01:17:31.000
<v Stefanie Verfürth>Ich würde deine Frage aber auch noch direkter beantworten wollen,

01:17:31.000 --> 01:17:37.000
<v Stefanie Verfürth>weil Jörg jetzt so ein bisschen erstmal so grundlegende Dinge angesprochen hat.

01:17:37.000 --> 01:17:42.000
<v Stefanie Verfürth>Deine Frage war ja gerade, warum ist es erregend, wenn ich zum Beispiel keinen Orgasmus haben darf.

01:17:43.000 --> 01:17:45.000
<v Stefanie Verfürth>Und da würde ich das Pferd jetzt

01:17:45.000 --> 01:17:49.000
<v Stefanie Verfürth>mal von der Seite her aufzäumen zum Thema sexuelle Funktionsstörungen.

01:17:50.000 --> 01:17:56.000
<v Stefanie Verfürth>Menschen mit Orgasmusstörungen haben zum Beispiel häufig große Versagensängste,

01:17:56.000 --> 01:17:57.000
<v Stefanie Verfürth>Leistungsdruck und so weiter.

01:17:57.000 --> 01:18:03.000
<v Stefanie Verfürth>Und da erleben wir ja eben dieses Fixiertsein auf den Orgasmus,

01:18:03.000 --> 01:18:09.000
<v Stefanie Verfürth>den Orgasmus haben wollen, haben müssen, als etwas, was gerade das verhindert

01:18:09.000 --> 01:18:11.000
<v Stefanie Verfürth>und was auch die Lust am Sex verhindert.

01:18:11.000 --> 01:18:19.000
<v Stefanie Verfürth>Und umgekehrt ist es dann nämlich ein entlastender oder psychologisch auch positiver

01:18:19.000 --> 01:18:22.000
<v Stefanie Verfürth>Effekt, wenn ich eher etwas nicht haben darf.

01:18:23.000 --> 01:18:26.000
<v Stefanie Verfürth>Wir wollen ja immer das, was wir nicht haben dürfen.

01:18:27.000 --> 01:18:30.000
<v Stefanie Verfürth>Das wird ja dann besonders attraktiv. Also das ist ja ein Naturgesetz,

01:18:30.000 --> 01:18:33.000
<v Stefanie Verfürth>sag ich mal, der Psychologie, dass die Dinge, die wir nicht haben können,

01:18:33.000 --> 01:18:35.000
<v Stefanie Verfürth>gerade interessant für uns werden.

01:18:36.000 --> 01:18:40.000
<v Stefanie Verfürth>Aber gleichzeitig eben mit diesem Hintergrund, ich darf jetzt eigentlich gar

01:18:40.000 --> 01:18:48.000
<v Stefanie Verfürth>nicht kommen, entledigt mich ja all dieser Leistungs- und Versagensängste.

01:18:48.000 --> 01:18:54.000
<v Sebastian>Da wäre der Umkehrschluss, der ist ja garantiert falsch. Wenn Menschen mit Orgasmuskontrolle

01:18:54.000 --> 01:18:58.000
<v Sebastian>experimentieren und Spaß daran haben, dann haben sie ein Problem damit,

01:18:58.000 --> 01:18:59.000
<v Sebastian>den Orgasmus zu kriegen.

01:19:00.000 --> 01:19:04.000
<v Stefanie Verfürth>Nö, aber das muss ja nicht unbedingt so sein. Also ich kann ja immer sagen,

01:19:05.000 --> 01:19:10.000
<v Stefanie Verfürth>ich experimentiere mit Erregung und herauszögern von Orgasmus.

01:19:10.000 --> 01:19:14.000
<v Stefanie Verfürth>Das ist auch etwas, was dann in der Therapie durchaus gewollt eingesetzt wird,

01:19:14.000 --> 01:19:19.000
<v Stefanie Verfürth>dass man Erregung aufbaut und wieder abflauen lässt und so weiter.

01:19:19.000 --> 01:19:21.000
<v Stefanie Verfürth>Aber das kann ja jeder machen, auch wenn er keine Orgasmusstörung hat.

01:19:22.000 --> 01:19:23.000
<v Stefanie Verfürth>Oder habe ich dich jetzt falsch verstanden?

01:19:23.000 --> 01:19:25.000
<v Sebastian>Ja, die Überlegung ist einfach dieses...

01:19:27.000 --> 01:19:32.000
<v Sebastian>Ich habe das jetzt so verstanden, es wirkt erregend, weil damit ein Druck genommen

01:19:32.000 --> 01:19:35.000
<v Sebastian>wird und damit ist man eigentlich freier in dem Sinne.

01:19:35.000 --> 01:19:38.000
<v Sebastian>Also wenn man sagt, wir machen jetzt hier Dinge, aber den Orgasmus machen wir

01:19:38.000 --> 01:19:43.000
<v Sebastian>nicht, dann ist... der Druckfaktor fällt weg und damit wird es entspannt und vielleicht

01:19:43.000 --> 01:19:47.000
<v Sebastian>auch schön und dann löst sich dadurch vielleicht etwas. So habe ich es verstanden.

01:19:47.000 --> 01:19:51.000
<v Stefanie Verfürth>Also das stimmt schon, aber das heißt ja nicht, dass es ein Kausalzusammenhang

01:19:51.000 --> 01:19:53.000
<v Stefanie Verfürth>sein muss und dass es bei jedem immer so sein muss.

01:19:54.000 --> 01:20:01.000
<v Stefanie Verfürth>Der eine Aspekt ist ja eben zu sagen, ich habe... grundsätzlich alles was verboten

01:20:01.000 --> 01:20:05.000
<v Stefanie Verfürth>ist, wird attraktiver und das andere ist eben nochmal vielleicht eben,

01:20:05.000 --> 01:20:08.000
<v Stefanie Verfürth>dass zusätzlich dieser Leistungsdruck wegfällt.

01:20:08.000 --> 01:20:14.000
<v Sebastian>Ja, vielleicht ist es auch die Intensität des Gefühls, was ich spannend finde.

01:20:14.000 --> 01:20:16.000
<v Sebastian>Also auch dieser Punkt Erniedrigung.

01:20:17.000 --> 01:20:23.000
<v Sebastian>Erniedrigung ist eine zutiefst unangenehme Erfahrung und trotzdem entsteht daraus eine Erregung.

01:20:23.000 --> 01:20:27.000
<v Sebastian>Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern ein bisschen mehr. Und zwar so viel,

01:20:27.000 --> 01:20:31.000
<v Sebastian>dass die Menschen dann sagen, ich möchte dieses erniedrigende Gefühl nochmal

01:20:31.000 --> 01:20:35.000
<v Sebastian>haben und formuliere es sogar gegenüber meinem Partner. Das sind ja ganz viele große Schritte.

01:20:36.000 --> 01:20:39.000
<v Sebastian>Da muss so viel dahinter stecken.

01:20:39.000 --> 01:20:44.000
<v Sebastian>Dieser Reiz muss so mächtig sein, dass er im Prinzip sehr übermächtig ist.

01:20:44.000 --> 01:20:46.000
<v Sebastian>Und das wundert mich ein bisschen.

01:20:46.000 --> 01:20:47.000
<v Jörg Signerski>Was wundert dich denn daran?

01:20:47.000 --> 01:20:52.000
<v Sebastian>Wir sind denkende Wesen. Wir können logisch denken, wir haben ein Gehirn und

01:20:52.000 --> 01:20:55.000
<v Sebastian>jetzt kommen da Hormone daher und sagen uns, was wir tun und reden sollen.

01:20:57.000 --> 01:21:02.000
<v Sebastian>Also das empfinde ich bei BDSM grundsätzlich als Wahnsinn, weil da passiert

01:21:02.000 --> 01:21:07.000
<v Sebastian>offenbar ganz viel Hormonelles im Körper und ganz viel Auslösendes.

01:21:07.000 --> 01:21:10.000
<v Sebastian>Aber diese Intensität, die ist ja gigantisch.

01:21:10.000 --> 01:21:14.000
<v Jörg Signerski>Es werden massiv Dopamin und Endorphine ausgeschüttet, ja.

01:21:15.000 --> 01:21:20.000
<v Stefanie Verfürth>Davon mal abgesehen, sage ich meinen Patienten auch immer, Gefühle sind nicht logisch.

01:21:20.000 --> 01:21:27.000
<v Stefanie Verfürth>Das heißt an der Stelle ist das Denken nicht mit dem Gefühl zu vergleichen.

01:21:27.000 --> 01:21:32.000
<v Stefanie Verfürth>Das sind zwei völlig unterschiedliche Systeme und Gefühle sind wie gesagt nicht

01:21:32.000 --> 01:21:38.000
<v Stefanie Verfürth>mit normalem Menschenverstand immer zu erklären und folgen keiner Logik.

01:21:38.000 --> 01:21:42.000
<v Sebastian>Ich versuche ja immer nicht BDSM-igen Menschen BDSM mit Sport,

01:21:43.000 --> 01:21:44.000
<v Sebastian>mit Marathon zu erklären.

01:21:44.000 --> 01:21:48.000
<v Sebastian>Ist das medizinisch gesehen korrekt?

01:21:49.000 --> 01:21:52.000
<v Sebastian>Dieses Gefühl hinterher, ich bin jetzt 40 Kilometer gelaufen,

01:21:52.000 --> 01:21:54.000
<v Sebastian>es tut mir alles weh und ich fühle mich glücklich.

01:21:54.000 --> 01:21:56.000
<v Jörg Signerski>Mit der Endorphinausschüttung, ja.

01:21:57.000 --> 01:21:58.000
<v Sebastian>Okay, aber das ist wahrscheinlich schon alles, ne?

01:21:59.000 --> 01:21:59.000
<v Jörg Signerski>Ja.

01:22:01.000 --> 01:22:03.000
<v Sebastian>Okay, Sport ohne Sport machen zu müssen.

01:22:04.000 --> 01:22:04.000
<v Jörg Signerski>Ja.

01:22:04.000 --> 01:22:09.000
<v Stefanie Verfürth>Oder der schönste Sport der Welt. Also ich bin ja ein Sportmuffel und immer

01:22:09.000 --> 01:22:15.000
<v Stefanie Verfürth>wenn ich Sex habe, ist das dann alles überhaupt nicht so anstrengend.

01:22:15.000 --> 01:22:16.000
<v Stefanie Verfürth>Das merke ich dann dabei ja gar nicht.

01:22:16.000 --> 01:22:19.000
<v Stefanie Verfürth>Und deswegen mache ich viel lieber Sex als Sport.

01:22:19.000 --> 01:22:26.000
<v Sebastian>Okay, das ist eine Aussage. Ich frage da jetzt mal nicht weiter in die Richtung,

01:22:27.000 --> 01:22:27.000
<v Sebastian>ich habe es versprochen.

01:22:28.000 --> 01:22:34.000
<v Sebastian>Ich habe hier noch so ein paar Nebenpunkte. Lustschmerz als Beispiel.

01:22:35.000 --> 01:22:42.000
<v Sebastian>Geht das in die gleiche Richtung auch aus therapeutischer Sicht wie Erregung

01:22:42.000 --> 01:22:44.000
<v Sebastian>und Lustkontrolle etc.?

01:22:44.000 --> 01:22:49.000
<v Jörg Signerski>Also Lustschmerz, der Schmerz sorgt dafür, dass auch dort wieder Endorphine

01:22:49.000 --> 01:22:53.000
<v Jörg Signerski>ausgeschüttet werden und das macht dann oder kann dann Lust machen.

01:22:53.000 --> 01:22:56.000
<v Sebastian>Es gibt dieses Gerücht und ich meine das bestätigen zu können,

01:22:57.000 --> 01:23:01.000
<v Sebastian>dass wenn man anfängt mit nicht zu intensivem Schmerz, dass so nach einer Viertelstunde

01:23:01.000 --> 01:23:03.000
<v Sebastian>etwa so ein Bereich kommt,

01:23:03.000 --> 01:23:10.000
<v Sebastian>wo das gegenüber in diesen Lustschmerz quasi reingeht, wo dann das hormonelle

01:23:10.000 --> 01:23:14.000
<v Sebastian>Haushalt so ist, dass man das unfassbar genießen kann offenbar.

01:23:15.000 --> 01:23:23.000
<v Jörg Signerski>Also der Körper ist unwahrscheinlich, wie sagt man, anpassungsfähig.

01:23:23.000 --> 01:23:26.000
<v Jörg Signerski>Und wenn man sich anguckt, schwerste Verletzungen zum Beispiel,

01:23:26.000 --> 01:23:32.000
<v Jörg Signerski>dass die auf einmal nicht mehr wahrgenommen werden, da spielen die Endorphine

01:23:32.000 --> 01:23:36.000
<v Jörg Signerski>sozusagen eine ganz große Rolle, die dafür sorgen, dass das für uns dann erträglich wird.

01:23:36.000 --> 01:23:40.000
<v Sebastian>Okay und dieser zeitliche Zusammenhang, den ich jetzt, ich sag mal,

01:23:40.000 --> 01:23:42.000
<v Sebastian>experimentell erforscht habe.

01:23:43.000 --> 01:23:43.000
<v Jörg Signerski>Passt ganz gut.

01:23:44.000 --> 01:23:44.000
<v Sebastian>Passt ganz gut.

01:23:45.000 --> 01:23:45.000
<v Jörg Signerski>Passt ganz gut.

01:23:46.000 --> 01:23:50.000
<v Sebastian>Das heißt, wenn man ein bisschen länger Spaß haben möchte, dann fängt man langsam

01:23:50.000 --> 01:23:52.000
<v Sebastian>an, das Warmhauen gibt es ja als Begriff.

01:23:53.000 --> 01:23:55.000
<v Sebastian>Das ist also keine so schlechte Idee.

01:23:55.000 --> 01:23:59.000
<v Jörg Signerski>Na, du musst dir vorstellen, du fängst an, Endorphine auszuschütten und wenn

01:23:59.000 --> 01:24:06.000
<v Jörg Signerski>du dann Endorphine ausschüttest und die schon da sind, kannst du natürlich mehr Schmerzen ertragen.

01:24:06.000 --> 01:24:10.000
<v Sebastian>Okay, das ist dann tatsächlich mal überraschend klar und eindeutig geklärt.

01:24:11.000 --> 01:24:15.000
<v Sebastian>Liebes Publikum, die Uhr, die Uhr, die Uhr und deshalb scheuche ich meine beiden

01:24:15.000 --> 01:24:19.000
<v Sebastian>Gäste hier einfach mal durch, weil wir müssen dringend reden über Umfeld und Soziales.

01:24:20.000 --> 01:24:25.000
<v Sebastian>Menschen, die BDSM mögen, mögen sich gerne outen. Fangen wir mal an mit dem Partner, der Partnerin.

01:24:26.000 --> 01:24:31.000
<v Sebastian>Wie sage ich es und wie gehe ich damit um, wenn mein Gegenüber sagt, nö.

01:24:31.000 --> 01:24:33.000
<v Jörg Signerski>Wie sage ich es, ich spreche es einfach an.

01:24:34.000 --> 01:24:36.000
<v Sebastian>Das fällt Menschen ja in der Regel schwer.

01:24:36.000 --> 01:24:39.000
<v Jörg Signerski>Das stimmt, das bedeutet eine Überwindung, dieses zu tun.

01:24:40.000 --> 01:24:43.000
<v Jörg Signerski>Aber wenn ich es unbedingt sagen will, bleibt mir ja nichts anderes übrig,

01:24:43.000 --> 01:24:47.000
<v Jörg Signerski>als irgendwann einmal das Thema auf den Tisch zu bringen.

01:24:47.000 --> 01:24:50.000
<v Jörg Signerski>Problem ist, wenn ich zu lange um den heißen Brei herumrede,

01:24:50.000 --> 01:24:53.000
<v Jörg Signerski>produziere ich ja eher Missverständnisse als Klarheit.

01:24:54.000 --> 01:24:58.000
<v Sebastian>Ja, ich finde es halt immer schwierig, weil man muss sich ja selber im Klaren sein, was will ich.

01:24:58.000 --> 01:24:58.000
<v Jörg Signerski>Richtig.

01:24:59.000 --> 01:25:02.000
<v Sebastian>Das ist gar nicht so einfach. Und dann kann man ja auch sein Gegenüber nicht

01:25:02.000 --> 01:25:07.000
<v Sebastian>überfordern. Hallo, ich möchte BDSM mit dir machen mit Bondage,

01:25:07.000 --> 01:25:09.000
<v Sebastian>Squirting und Bastonade.

01:25:10.000 --> 01:25:13.000
<v Sebastian>Ich habe mich da übrigens reingelesen die letzten drei Monate.

01:25:13.000 --> 01:25:14.000
<v Sebastian>Das Gegenüber wird wegrennen.

01:25:14.000 --> 01:25:17.000
<v Jörg Signerski>Das stimmt. Also man sollte es langsam daran gewöhnen.

01:25:19.000 --> 01:25:22.000
<v Sebastian>Ja, also gibt es da Strategien, mit denen man vielleicht auf ein bisschen mehr

01:25:22.000 --> 01:25:26.000
<v Sebastian>Verständnis hoffen kann oder sogar darauf hoffen kann, dass man sein Gegenüber

01:25:26.000 --> 01:25:28.000
<v Sebastian>begeistern kann? Ist das überhaupt möglich?

01:25:28.000 --> 01:25:32.000
<v Stefanie Verfürth>Naja, also was ich erstmal empfehlen würde, generell wäre,

01:25:32.000 --> 01:25:37.000
<v Stefanie Verfürth>egal ob man es jetzt mit dem Partner bespricht und sich beim Partner outet oder

01:25:37.000 --> 01:25:38.000
<v Stefanie Verfürth>vielleicht auch bei anderen,

01:25:38.000 --> 01:25:42.000
<v Stefanie Verfürth>dass man erstmal auch so ein bisschen vorweg nimmt und sagt,

01:25:42.000 --> 01:25:46.000
<v Stefanie Verfürth>du hör mal, ich möchte was mit dir besprechen, wo ich jetzt selber gar nicht

01:25:46.000 --> 01:25:48.000
<v Stefanie Verfürth>weiß, was du dazu sagen wirst.

01:25:48.000 --> 01:25:52.000
<v Stefanie Verfürth>Und vielleicht auch vorwegnehmen, ich habe Angst, dass du mich danach in einem

01:25:52.000 --> 01:25:53.000
<v Stefanie Verfürth>ganz anderen Licht siehst.

01:25:54.000 --> 01:25:58.000
<v Stefanie Verfürth>Ich habe Angst, dass sich unsere Beziehung zueinander verändert und so weiter.

01:25:58.000 --> 01:26:02.000
<v Stefanie Verfürth>Aber ich bin an einem Punkt, wo ich mir lange Gedanken gemacht habe,

01:26:02.000 --> 01:26:04.000
<v Stefanie Verfürth>wie ich es dir sage und irgendwie muss ich es dir ja sagen.

01:26:05.000 --> 01:26:08.000
<v Stefanie Verfürth>Also dass man das ruhig einleitet und schon mal vorweg nimmt.

01:26:09.000 --> 01:26:13.000
<v Stefanie Verfürth>Es ist ja erst mal unklar, wie reagierst du drauf. Es ist etwas,

01:26:13.000 --> 01:26:14.000
<v Stefanie Verfürth>was uns irritieren kann.

01:26:15.000 --> 01:26:21.000
<v Stefanie Verfürth>Dass man das, wie gesagt, schon mal vorweg nimmt und auch einräumt,

01:26:21.000 --> 01:26:24.000
<v Stefanie Verfürth>dass es auch okay ist, da möglicherweise irritiert drauf zu reagieren.

01:26:24.000 --> 01:26:27.000
<v Sebastian>Ja, aber das bedeutet ja, dass ich dann, wenn ich es formuliere,

01:26:27.000 --> 01:26:30.000
<v Sebastian>dann auch von meinem Partner erwarte, mach das mit mir.

01:26:30.000 --> 01:26:33.000
<v Sebastian>Weil sonst würde ich es ja nicht ansprechen, wenn ich mir nichts erhoffen würde.

01:26:33.000 --> 01:26:35.000
<v Sebastian>Und da wird es doch jetzt ein bisschen schwierig.

01:26:36.000 --> 01:26:39.000
<v Stefanie Verfürth>Naja, aber das ist ja eben die Frage, muss ich das gleich erwarten?

01:26:39.000 --> 01:26:40.000
<v Stefanie Verfürth>Also auch das kann ich ja formulieren.

01:26:40.000 --> 01:26:43.000
<v Stefanie Verfürth>Auch da kann ich ja sagen, okay, ich sag dir jetzt erstmal, was ich bei mir

01:26:43.000 --> 01:26:48.000
<v Stefanie Verfürth>festgestellt habe, was ich spannend finde und ich würde es mir von dir wünschen.

01:26:48.000 --> 01:26:51.000
<v Stefanie Verfürth>Oder ich will erstmal hören, wie stehst du dazu? Wie siehst du das?

01:26:51.000 --> 01:26:53.000
<v Stefanie Verfürth>Gab es bei dir vielleicht schon mal ähnliche Gedanken?

01:26:54.000 --> 01:26:57.000
<v Stefanie Verfürth>Oder könntest du dir vorstellen, sowas mit mir zu machen?

01:26:58.000 --> 01:27:01.000
<v Sebastian>Ich glaube, Jörg, der Vorteil ist, wenn es wieder so viele Menschen sind,

01:27:01.000 --> 01:27:04.000
<v Sebastian>dann ist die Chance, dass der Partner, den man schon kennt, dass der eventuell

01:27:04.000 --> 01:27:06.000
<v Sebastian>sagt, oh find ich auch spannend, die ist gar nicht so schlecht.

01:27:07.000 --> 01:27:12.000
<v Jörg Signerski>So ist es mit Sicherheit. Ich erinnere mich an ein Pärchen, wo wir mit den ideellen

01:27:12.000 --> 01:27:15.000
<v Jörg Signerski>sexuellen Szenarien gespielt haben. Das ist eine Übung.

01:27:15.000 --> 01:27:21.000
<v Jörg Signerski>Da sollen die zu Hause aufschreiben, was sie sich idealerweise sexuell vorstellen

01:27:21.000 --> 01:27:24.000
<v Jörg Signerski>mit einem idealen Partner.

01:27:24.000 --> 01:27:28.000
<v Jörg Signerski>Die kriegen das auf, kommen zurück und lesen das vor.

01:27:28.000 --> 01:27:34.000
<v Jörg Signerski>Es stand erstmal nur Geplänkel da und dann sagte er, er hätte noch was stehen,

01:27:35.000 --> 01:27:38.000
<v Jörg Signerski>darauf stehe ich. Ich traue mich nicht, das zu sagen.

01:27:38.000 --> 01:27:42.000
<v Jörg Signerski>Die Angst, die dann da ist, ist, man verliert den Partner, man verletzt ihn,

01:27:42.000 --> 01:27:45.000
<v Jörg Signerski>man verliert ihn, man steht im schlechten Licht, aber was Steffi gerade schon gesagt hat.

01:27:47.000 --> 01:27:52.000
<v Jörg Signerski>Die Partnerin hatte so Kulleraugen, so Rehaugen, die mit Augenaufschlag nach oben, ja.

01:27:53.000 --> 01:27:55.000
<v Jörg Signerski>Die hat ihn sozusagen um den Finger gewickelt, er hat es dann erzählt.

01:27:57.000 --> 01:28:04.000
<v Jörg Signerski>Und dann sagte er, wow, ich stehe darauf mal, mit einer Reitgärte zuzuschlagen.

01:28:05.000 --> 01:28:11.000
<v Jörg Signerski>Einfach mal auf deinen Po. Und da sagte sie, wow, bei mir steht ja das Gleiche

01:28:11.000 --> 01:28:13.000
<v Jörg Signerski>drauf, ich würde mal gerne geschlagen werden.

01:28:13.000 --> 01:28:19.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, die haben 20 Jahre lang zusammengelebt, ohne dass sie voneinander

01:28:19.000 --> 01:28:23.000
<v Jörg Signerski>wussten, dass sie die gleichen sexuellen Impulse hatten und haben es dann ausprobiert.

01:28:23.000 --> 01:28:25.000
<v Jörg Signerski>Sie haben sich dem dann langsam genährt.

01:28:25.000 --> 01:28:28.000
<v Sebastian>Ja, das ist die Traumlösung, sag ich mal.

01:28:28.000 --> 01:28:33.000
<v Jörg Signerski>Genau, es kann natürlich auch ganz anders laufen. Es kann so sein,

01:28:33.000 --> 01:28:39.000
<v Jörg Signerski>dass man sich outet und man merkt das Gegenüber hat dieses sexuelle Skript wirklich nicht.

01:28:40.000 --> 01:28:47.000
<v Jörg Signerski>Dann gibt es zwei Varianten. Entweder diese Person sagt, ich spiele ein bisschen

01:28:47.000 --> 01:28:53.000
<v Jörg Signerski>mit, so wie ich das von meinem Gefühl, von meinem Gewissen mitmachen kann.

01:28:53.000 --> 01:28:58.000
<v Jörg Signerski>Es gibt meine Grenzen. Ich sage Veto, ich sage Stopp. Wir gucken, wie wir das machen.

01:28:58.000 --> 01:29:01.000
<v Jörg Signerski>Es gibt auch die Lösung, guck dir Außenbeziehungen an. Also so welche Lösung

01:29:01.000 --> 01:29:05.000
<v Jörg Signerski>gibt es. Aber stell dir vor, wir haben eine Paarkonstellation,

01:29:05.000 --> 01:29:10.000
<v Jörg Signerski>wo es darum geht, einer von beiden sagt, nein, es ist für mich nicht lebbar.

01:29:10.000 --> 01:29:12.000
<v Jörg Signerski>Du darfst es auch nicht woanders spielen.

01:29:13.000 --> 01:29:14.000
<v Sebastian>Kommt das vor?

01:29:14.000 --> 01:29:18.000
<v Jörg Signerski>Das kommt vor. Das kommt in vielen anderen sexuellen Bereichen auch vor.

01:29:18.000 --> 01:29:23.000
<v Jörg Signerski>Dann stehen wir vor einem sogenannten Dilemma. Wir nennen das Two-Choice Dilemma.

01:29:24.000 --> 01:29:30.000
<v Jörg Signerski>Die Person, die den Wunsch hat, den großen Wunsch hat,

01:29:31.000 --> 01:29:34.000
<v Jörg Signerski>seinen Kink zu leben, muss sich nun entscheiden,

01:29:35.000 --> 01:29:42.000
<v Jörg Signerski>lebe ich meine Sexualität so, wie ich sie mir wünsche oder und dann verlasse

01:29:42.000 --> 01:29:45.000
<v Jörg Signerski>ich meinen Partner oder meine Partnerin oder bleibe ich in der Beziehung,

01:29:45.000 --> 01:29:50.000
<v Jörg Signerski>weil mir das Gegenüber so wichtig ist oder weil ich sage, das ist eine Familie, Haus, ich weiß nicht.

01:29:50.000 --> 01:29:53.000
<v Jörg Signerski>Also gibt es ja verschiedene Gründe, in der Beziehung zu bleiben.

01:29:53.000 --> 01:29:58.000
<v Jörg Signerski>Und das, kein Kompromiss möglich, Two-Choice-Dilemma heißt dann therapeutisch

01:29:58.000 --> 01:30:05.000
<v Jörg Signerski>zu gucken, in den Entscheidungsprozess zu begleiten, für welchen Lösungsweg entscheide ich mich.

01:30:06.000 --> 01:30:09.000
<v Jörg Signerski>Und dann kann diese Entscheidung teilweise sehr erleichternd sein,

01:30:09.000 --> 01:30:11.000
<v Jörg Signerski>wenn man sich entschieden hat.

01:30:11.000 --> 01:30:17.000
<v Jörg Signerski>Weil gerade dieses, ich sitze zwischen zwei Stühlen, ist langfristig oder kann

01:30:17.000 --> 01:30:19.000
<v Jörg Signerski>langfristig sehr belastend sein.

01:30:21.000 --> 01:30:24.000
<v Jörg Signerski>Man kann es natürlich auch aufschieben. Du merkst, es gibt verschiedene Lösungen,

01:30:24.000 --> 01:30:25.000
<v Jörg Signerski>aber es ist erstmal ein Dilemma.

01:30:25.000 --> 01:30:30.000
<v Jörg Signerski>Man muss sich entscheiden, mit dem Dilemma umzugehen. Es kann auch eine Entscheidung

01:30:30.000 --> 01:30:33.000
<v Jörg Signerski>sein, damit nicht umzugehen. Auch das ist dann eine bewusste Entscheidung.

01:30:34.000 --> 01:30:38.000
<v Sebastian>Ich glaube nicht, dass ich die Entscheidung treffen konnte, zu sagen,

01:30:38.000 --> 01:30:40.000
<v Sebastian>nein, BDSM ist mir jetzt nicht mehr wichtig.

01:30:40.000 --> 01:30:45.000
<v Sebastian>Es gibt andere Sachen im Leben, die haben Vorrang. Feststellung bei mir selbst.

01:30:46.000 --> 01:30:50.000
<v Sebastian>Präsent. Und die Entscheidung dagegen ist nicht möglich.

01:30:50.000 --> 01:30:54.000
<v Jörg Signerski>Gut, dann hast du, genau, dann wirst du dich, aber dann ist der Leidensdruck

01:30:54.000 --> 01:30:58.000
<v Jörg Signerski>so groß, dass er immer wieder kommt, dann musst du oder dann wirst du irgendwann

01:30:58.000 --> 01:31:01.000
<v Jörg Signerski>eine Entscheidung für BDSM treffen.

01:31:02.000 --> 01:31:05.000
<v Sebastian>Okay, aber da habe ich den Leidensdruck. Das heißt, das ist dann der Moment

01:31:05.000 --> 01:31:06.000
<v Sebastian>zu sagen, ich suche mir einen Therapeuten.

01:31:06.000 --> 01:31:11.000
<v Jörg Signerski>Genau, beim Two-Choice-Dilemma, musst du, du musst dich da keinen Therapeuten

01:31:11.000 --> 01:31:14.000
<v Jörg Signerski>suchen, kannst du tun. Geht auch ein Freund.

01:31:14.000 --> 01:31:14.000
<v Sebastian>Freundin.

01:31:14.000 --> 01:31:19.000
<v Jörg Signerski>Genau, aber dieses Two-Choice-Dilemma sorgt, solange du dich nicht für irgendetwas

01:31:19.000 --> 01:31:23.000
<v Jörg Signerski>entschieden hast und sei es, du entscheidest dich bewusst für nichts.

01:31:23.000 --> 01:31:23.000
<v Jörg Signerski>Das kannst du ja auch tun.

01:31:25.000 --> 01:31:30.000
<v Jörg Signerski>Solange du aber da in dem Entscheidungsprozess da bist, kann es für dich sehr quälend sein.

01:31:30.000 --> 01:31:34.000
<v Sebastian>Gut, jetzt stelle ich fest, ich habe eine Entscheidung getroffen,

01:31:34.000 --> 01:31:35.000
<v Sebastian>sie ist offenbar falsch.

01:31:35.000 --> 01:31:39.000
<v Sebastian>Das ist ja auch in der Kommunikation gegenüber dem Partner, der Partnerin dann

01:31:39.000 --> 01:31:42.000
<v Sebastian>wirklich schwierig zu sagen, ja, wir haben da zwar eine Absprache,

01:31:43.000 --> 01:31:45.000
<v Sebastian>aber hilft nichts, geht nicht.

01:31:45.000 --> 01:31:51.000
<v Sebastian>Inwieweit wird denn auch das jetzt auch hier in der therapeutischen Praxis

01:31:51.000 --> 01:31:57.000
<v Sebastian>das Gegenüber, der Partner einbezogen und wie weit wird auf den eingewirkt?

01:31:57.000 --> 01:32:03.000
<v Sebastian>Man könnte ja Kompromiss finden, lass dich doch mal hauen, mal um es ganz flapsig

01:32:03.000 --> 01:32:06.000
<v Sebastian>zu sagen, das kann ich mir ja nicht vorstellen, dass man so einen Rat geben

01:32:06.000 --> 01:32:09.000
<v Sebastian>würde, aber wie weit ist diese Kompromissfähigkeit generell da?

01:32:09.000 --> 01:32:11.000
<v Sebastian>Das sind so richtig verbohrte Menschen, die sagen, geht gar nichts,

01:32:12.000 --> 01:32:15.000
<v Sebastian>kein Millimeter, das kann ich mir nicht vorstellen, weil man liebt ja sein

01:32:15.000 --> 01:32:17.000
<v Sebastian>Gegenüber irgendwie auch und ist kompromisssuchend.

01:32:18.000 --> 01:32:22.000
<v Jörg Signerski>Also wenn Paare zu uns kommen, haben die schon alle Kompromisse durch.

01:32:22.000 --> 01:32:27.000
<v Jörg Signerski>Die kommen damit, das Problem ist nicht lösbar. Wir haben alles versucht,

01:32:27.000 --> 01:32:30.000
<v Jörg Signerski>wir stehen vor einer Schwierigkeit.

01:32:31.000 --> 01:32:37.000
<v Jörg Signerski>Und dann geht es darum, wir arbeiten mit dem Paar zusammen und wir können,

01:32:37.000 --> 01:32:39.000
<v Jörg Signerski>A, geben wir keine Ratschläge.

01:32:39.000 --> 01:32:43.000
<v Jörg Signerski>Ratschläge in der Psychotherapie sind Schläge, die gehören da nicht hin.

01:32:44.000 --> 01:32:50.000
<v Jörg Signerski>Und wir verändern keine Menschen, sondern das Paar, die Einzelperson kommt mit

01:32:50.000 --> 01:32:54.000
<v Jörg Signerski>einem Ziel, mit einem Auftrag zu uns. Wir machen die Auftragklärung, die Zielklärung.

01:32:55.000 --> 01:33:01.000
<v Jörg Signerski>Und das Ziel müssen wir gucken, ist das machbar? Ich nenne dir ein Beispiel.

01:33:02.000 --> 01:33:07.000
<v Jörg Signerski>Ich hatte eine Patientin, die sagte, ich möchte mich nicht mehr selbst befriedigen

01:33:07.000 --> 01:33:08.000
<v Jörg Signerski>aus religiösen Gründen.

01:33:09.000 --> 01:33:14.000
<v Jörg Signerski>Das kriege ich nicht hin, therapeutisch. Es gibt Dinge, die ich einfach nicht verändern kann.

01:33:15.000 --> 01:33:20.000
<v Jörg Signerski>Da sind wir ja zum Beispiel bei der Konversionstherapie bei Homosexualität.

01:33:20.000 --> 01:33:26.000
<v Jörg Signerski>Wir können die sexuelle Identität vielleicht in einem gewissen Grad formen,

01:33:26.000 --> 01:33:29.000
<v Jörg Signerski>aber nicht grundsätzlich verändern.

01:33:29.000 --> 01:33:32.000
<v Sebastian>Ist BDSM denn eine sexuelle Identität?

01:33:32.000 --> 01:33:33.000
<v Jörg Signerski>Ja, es ist eine sexuelle Identität.

01:33:34.000 --> 01:33:37.000
<v Sebastian>Okay, das ist immer noch so ein Streitthema so ein bisschen.

01:33:37.000 --> 01:33:41.000
<v Sebastian>Ist es eine Neigung oder eine Präferenz oder ist es eine Identität?

01:33:41.000 --> 01:33:47.000
<v Jörg Signerski>Na die Frage, was ist eine Identität? Die Identität besteht aus vielen Ebenen,

01:33:47.000 --> 01:33:53.000
<v Jörg Signerski>auch aus vielen Ebenen des sexuellen Spiels und da gehört BDSM mit zur Identität.

01:33:54.000 --> 01:33:57.000
<v Sebastian>Okay, aber weil ja alles so fließend ist von der Intensität her.

01:33:58.000 --> 01:34:00.000
<v Jörg Signerski>Kann sich da eine Identität ändern.

01:34:00.000 --> 01:34:02.000
<v Sebastian>Ja vor allem, ich muss es entscheiden.

01:34:02.000 --> 01:34:03.000
<v Jörg Signerski>Genau, das ist so.

01:34:03.000 --> 01:34:06.000
<v Sebastian>Wenn ich sage, ich fühle mich dem Spektrum zugehörig, dann ist es so.

01:34:06.000 --> 01:34:07.000
<v Jörg Signerski>So ist es.

01:34:07.000 --> 01:34:07.000
<v Sebastian>Okay.

01:34:07.000 --> 01:34:08.000
<v Jörg Signerski>Du entscheidest dich.

01:34:08.000 --> 01:34:11.000
<v Sebastian>Jetzt gibt es ja nicht nur den Partner, die Partnerin, jetzt gibt es noch die Familie.

01:34:13.000 --> 01:34:17.000
<v Sebastian>Die Familie sagt, das ist doch krank. Man outet sich, man hat ja den Wunsch,

01:34:17.000 --> 01:34:19.000
<v Sebastian>sich zu outen, weil es ist ja dann Identität.

01:34:20.000 --> 01:34:23.000
<v Sebastian>Und dann möchte man ja auch von seinen Lieben, auch von der Familie so wahrgenommen werden.

01:34:24.000 --> 01:34:27.000
<v Sebastian>Genauso, wenn man schwul ist, möchte man sich ja auch möglichst outen zu Hause.

01:34:28.000 --> 01:34:30.000
<v Sebastian>So wie als BDSMer. Die Familie sagt, das ist doch krank.

01:34:31.000 --> 01:34:34.000
<v Sebastian>Gibt es eine Strategie, wie ich dem begegnen kann?

01:34:35.000 --> 01:34:37.000
<v Sebastian>Außer es zu ignorieren.

01:34:37.000 --> 01:34:39.000
<v Jörg Signerski>Die erste Frage, die sich immer stellt, muss ich mich outen?

01:34:40.000 --> 01:34:40.000
<v Sebastian>Ja.

01:34:41.000 --> 01:34:45.000
<v Jörg Signerski>Ja, die Frage ist wirklich, ich sehe das so klar nicht, dass ich ein Ja sage,

01:34:45.000 --> 01:34:51.000
<v Jörg Signerski>weil jeden Schritt, den ich tue, hat Vor- und Nachteile.

01:34:51.000 --> 01:34:56.000
<v Jörg Signerski>Ich muss mich auch beim Outing bewusst sein, dass ich Nachteile in Kauf nehme.

01:34:57.000 --> 01:35:00.000
<v Sebastian>Ja, die Welt wäre schöner, wenn das nicht so wäre, aber es ist halt so.

01:35:00.000 --> 01:35:07.000
<v Jörg Signerski>Und wenn mir jetzt meine Familie wichtig ist und ich weiß, Oma Erna und Tante

01:35:07.000 --> 01:35:10.000
<v Jörg Signerski>Gisela geht gar nicht, die haben aber in der Familie die Hosen an.

01:35:11.000 --> 01:35:14.000
<v Jörg Signerski>Und wenn die das sagen, dann werde ich auf den Geburtstag nicht mehr eingeladen

01:35:14.000 --> 01:35:16.000
<v Jörg Signerski>und sehe dann keinen mehr, bin dann Außenseiter.

01:35:17.000 --> 01:35:20.000
<v Jörg Signerski>Dann muss ich mich überlegen, gehe ich diesen Schritt?

01:35:20.000 --> 01:35:24.000
<v Jörg Signerski>Es kann für mich soziale Konsequenzen haben.

01:35:24.000 --> 01:35:29.000
<v Jörg Signerski>Erst einmal, ich finde es immer wichtig, dass man sich bewusst ist, was man tut.

01:35:29.000 --> 01:35:33.000
<v Jörg Signerski>Ich finde, dass da, sage ich ja, Ratschläge sind Schläge in der Therapie.

01:35:33.000 --> 01:35:37.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, man muss individuell gucken, wo, was möchte

01:35:39.000 --> 01:35:44.000
<v Jörg Signerski>Ich? Und wenn ich etwas will, welche Konsequenzen hat das für mich?

01:35:44.000 --> 01:35:49.000
<v Stefanie Verfürth>Wenn ich dich ergänzen darf, also es ist ja im Endeffekt eine Kosten-Nutzen-Abwägung, die man macht.

01:35:50.000 --> 01:35:56.000
<v Stefanie Verfürth>Das heißt, welchen Vorteil habe ich davon, meiner Familie zu erzählen und was

01:35:56.000 --> 01:35:58.000
<v Stefanie Verfürth>bin ich bereit dafür in Kauf zu nehmen?

01:35:58.000 --> 01:36:03.000
<v Stefanie Verfürth>Wenn es um eine Homosexualität geht und ich möchte offen mit meinem Partner

01:36:03.000 --> 01:36:05.000
<v Stefanie Verfürth>oder meiner Partnerin dann auch diese Sexualität leben,

01:36:05.000 --> 01:36:12.000
<v Stefanie Verfürth>werden das ja die Familienangehörigen mitkriegen, wenn ich da zusammenlebe

01:36:12.000 --> 01:36:17.000
<v Stefanie Verfürth>und meinen Partner oder Partnerin mitnehme, auf Familienfeiern und so weiter.

01:36:17.000 --> 01:36:19.000
<v Stefanie Verfürth>Da geht es wahrscheinlich nicht ohne ein Outing.

01:36:19.000 --> 01:36:24.000
<v Stefanie Verfürth>Aber was das BDSM angeht, ist es ja nichts, was andere Leute aus der Familie

01:36:24.000 --> 01:36:26.000
<v Stefanie Verfürth>zwingend mitkriegen würden im Alltag.

01:36:27.000 --> 01:36:30.000
<v Stefanie Verfürth>Sexualität ist ja in der Regel etwas, was ihr ohne die Familie macht.

01:36:31.000 --> 01:36:35.000
<v Stefanie Verfürth>Und da ist es ja so, das Beispiel, was Jörg gerade genannt hat,

01:36:35.000 --> 01:36:39.000
<v Stefanie Verfürth>was habe ich davon, das allen irgendwie auf die Nase zu binden,

01:36:39.000 --> 01:36:43.000
<v Stefanie Verfürth>wenn ich mir so Probleme einhandele und schon davon ausgehen kann,

01:36:43.000 --> 01:36:44.000
<v Stefanie Verfürth>dass es nur Theater gibt.

01:36:46.000 --> 01:36:49.000
<v Sebastian>Es ist die grundsätzliche Überlegung, warum will ich mich outen,

01:36:49.000 --> 01:36:51.000
<v Sebastian>damit ich nicht aufpassen muss, was ich sage.

01:36:52.000 --> 01:36:56.000
<v Sebastian>Also es gibt ja auch passenden Schmuck, den Ring der O, ein Halsreif ist

01:36:56.000 --> 01:36:59.000
<v Sebastian>ein sehr schönes Symbol, den kann man rund um die Uhr tragen und das fühlt sich

01:36:59.000 --> 01:37:02.000
<v Sebastian>dann doch falsch an, wenn man ihn auf der Arbeit trägt, weil es ist ja erstmal

01:37:02.000 --> 01:37:04.000
<v Sebastian>eine sehr stabile Halskette und die sagt erstmal nix.

01:37:05.000 --> 01:37:07.000
<v Sebastian>Vielleicht reden Leute was, aber trotzdem ist es erstmal so.

01:37:07.000 --> 01:37:11.000
<v Sebastian>Aber zu Hause muss man das Ding dann abnehmen, weil da weiß vielleicht jemand,

01:37:11.000 --> 01:37:13.000
<v Sebastian>würde es jemand deuten können und dann wäre das schlimm.

01:37:14.000 --> 01:37:18.000
<v Sebastian>Also da fühlt man sich ja massiv in seiner Freiheit eingeschränkt und verdammt

01:37:18.000 --> 01:37:21.000
<v Sebastian>nochmal, warum kann man nicht einfach den Anspruch haben, ich oute mich und

01:37:21.000 --> 01:37:23.000
<v Sebastian>dann hat das akzeptiert zu werden.

01:37:23.000 --> 01:37:27.000
<v Sebastian>Kann ich das von Menschen erwarten von meinem Umfeld? Was muss ich denen zumuten?

01:37:27.000 --> 01:37:30.000
<v Jörg Signerski>Du kannst erwarten, dass sie es tun, aber die Frage: machen sie es?

01:37:31.000 --> 01:37:35.000
<v Jörg Signerski>Also du musst ja mit der Konsequenz leben. Und ganz ehrlich,

01:37:35.000 --> 01:37:38.000
<v Jörg Signerski>einen Ring der O erkennt Tante Erna nicht.

01:37:39.000 --> 01:37:43.000
<v Jörg Signerski>Also da muss man sich überlegen, kann ich das Risiko nicht trotzdem eingehen?

01:37:44.000 --> 01:37:48.000
<v Jörg Signerski>Wenn du dich aber outen willst, du sagst, ja, das ist für dich wichtig,

01:37:48.000 --> 01:37:52.000
<v Jörg Signerski>du hast dich dafür entschieden, das ist für dich der richtige Weg, dann ist das so.

01:37:52.000 --> 01:37:56.000
<v Jörg Signerski>Ich bin jetzt nicht gegen Outing, sondern ich sage, entscheidet euch bewusst.

01:37:57.000 --> 01:38:02.000
<v Jörg Signerski>Macht jeden Schritt, den ihr tut, mit einer Idee, was für Konsequenzen das hat.

01:38:02.000 --> 01:38:06.000
<v Jörg Signerski>Ich bin für Outing, ich bin dafür, dass man es offen lebt. Ich bin dafür, dass man es sagt.

01:38:06.000 --> 01:38:13.000
<v Jörg Signerski>Aber es gibt gesellschaftliche Vorbehalte. Und gerade Sexualität ist massiv stigmatisierend.

01:38:13.000 --> 01:38:17.000
<v Jörg Signerski>Wenn ihr es wollt, euch zu outen, dann ist es wichtig, es so anzusprechen,

01:38:17.000 --> 01:38:19.000
<v Jörg Signerski>dass das Gegenüber es versteht.

01:38:19.000 --> 01:38:21.000
<v Jörg Signerski>Da werden Fragen aufkommen.

01:38:22.000 --> 01:38:26.000
<v Jörg Signerski>Da muss man sich auf diese Fragen vorbereiten. Und dann kann man genau das machen,

01:38:27.000 --> 01:38:30.000
<v Jörg Signerski>was du in deinem Podcast machst, was wir hier gerade machen:

01:38:30.000 --> 01:38:33.000
<v Jörg Signerski>Aufklären. Wie ist denn das überhaupt? Was sagen denn die Studien?

01:38:34.000 --> 01:38:38.000
<v Jörg Signerski>Zwischen 40 und 75 Prozent haben das als sexuelle Fantasien.

01:38:38.000 --> 01:38:42.000
<v Jörg Signerski>Das wird vielleicht Tante Erna oder unsere Oma auch so gehabt haben. Das wissen wir nicht.

01:38:43.000 --> 01:38:49.000
<v Jörg Signerski>Und ich habe im Outing-Prozess, bei mir im beruflichen Alltag geht es meistens

01:38:49.000 --> 01:38:52.000
<v Jörg Signerski>um das Outing von Geschlechtlichkeit bei Transpersonen.

01:38:53.000 --> 01:39:00.000
<v Jörg Signerski>Da habe ich Dinge erlebt von einer Transperson, die hat in einem handwerklichen Betrieb gearbeitet.

01:39:00.000 --> 01:39:06.000
<v Jörg Signerski>Alle saukonservativ, schienen so, typische Männersprüche wurden da abgelassen,

01:39:06.000 --> 01:39:09.000
<v Jörg Signerski>schwulen- und sowas, feindliche Sprüche.

01:39:10.000 --> 01:39:17.000
<v Jörg Signerski>Diese Person ist unwahrscheinlich wertschätzend dann von den Kolleg:innen

01:39:17.000 --> 01:39:19.000
<v Jörg Signerski>aufgenommen worden. Es ist genau das Gegenteil passiert.

01:39:20.000 --> 01:39:24.000
<v Jörg Signerski>Ein anderes Beispiel ist eine Person, die wirklich im öffentlichen Dienst gearbeitet

01:39:24.000 --> 01:39:28.000
<v Jörg Signerski>hat, wo man denkt, da gibt es alles, da gibt es Gleichstellungsbeauftragte und

01:39:28.000 --> 01:39:30.000
<v Jörg Signerski>so weiter, massiv gemobbt worden.

01:39:30.000 --> 01:39:33.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, man weiß nicht, was passiert, man muss sich vorher Gedanken darüber

01:39:33.000 --> 01:39:37.000
<v Jörg Signerski>machen, auf welche Konsequenzen kann man, mit welchen Konsequenzen muss man

01:39:37.000 --> 01:39:42.000
<v Jörg Signerski>umgehen und wie begegnet man den Fragen, die dann kommen, weil das Gegenüber versteht das ja nicht.

01:39:42.000 --> 01:39:46.000
<v Jörg Signerski>Da muss man das mitnehmen und sagen, das und das ist es, darum geht es mir.

01:39:47.000 --> 01:39:50.000
<v Jörg Signerski>Also wirklich und dann auch nicht sich angegriffen fühlen, sondern dann auf

01:39:50.000 --> 01:39:55.000
<v Jörg Signerski>die Nachfragen erst einmal ganz sachlich, ganz nüchtern reagieren.

01:39:55.000 --> 01:40:01.000
<v Jörg Signerski>Man wird das Gegenüber, wenn es stark konservativ eingestellt ist oder stark,

01:40:01.000 --> 01:40:05.000
<v Jörg Signerski>wie kann man das sagen, moralisierend eingestellt ist, konservativ ist da vielleicht

01:40:05.000 --> 01:40:06.000
<v Jörg Signerski>sogar das, das ist das falsche Wort,

01:40:07.000 --> 01:40:10.000
<v Jörg Signerski>dann wird man diese Person wahrscheinlich nicht überzeugen können.

01:40:11.000 --> 01:40:15.000
<v Sebastian>Da ist der Begriff überzeugen. Was geht denn in einer Person vor,

01:40:15.000 --> 01:40:20.000
<v Sebastian>also vor der ich... ich oute mich vor jemandem. Was denkt dieser Mensch?

01:40:20.000 --> 01:40:24.000
<v Sebastian>Was stellt er sich vor? Weil ganz ehrlich, vor mir hat sich noch nie jemand

01:40:24.000 --> 01:40:27.000
<v Sebastian>geoutet mit etwas, was ich schwer zu verdauen hätte.

01:40:29.000 --> 01:40:33.000
<v Sebastian>Also vielleicht, dass man mal so einen Überblick bekommt. Also ja,

01:40:33.000 --> 01:40:36.000
<v Sebastian>was passiert im Kopf? Um Gottes Willen, den fand ich ja eigentlich ganz nett.

01:40:37.000 --> 01:40:42.000
<v Sebastian>Der sah doch ganz vernünftig aus. Und jetzt sowas. Also sind diese Gedanken

01:40:42.000 --> 01:40:44.000
<v Sebastian>echt oder stelle ich mir das nur so vor?

01:40:44.000 --> 01:40:49.000
<v Jörg Signerski>Die Gedanken sind schon echt. Die Frage ist ja das Gegenüber.

01:40:50.000 --> 01:40:52.000
<v Jörg Signerski>Welche sexuellen Mythen hat das Gegenüber?

01:40:53.000 --> 01:40:58.000
<v Jörg Signerski>Und die sexuellen Mythen werden ja vom Gegenüber nicht als "das ist ein Mythos"

01:40:58.000 --> 01:41:01.000
<v Jörg Signerski>gesehen, sondern als "das ist die Wahrheit".

01:41:01.000 --> 01:41:07.000
<v Stefanie Verfürth>Das heißt, der Mensch hat ein Klischee im Kopf und dementsprechend auch eine

01:41:07.000 --> 01:41:10.000
<v Stefanie Verfürth>Bewertung von, was das für ihn bedeutet.

01:41:10.000 --> 01:41:16.000
<v Stefanie Verfürth>Und da ist es eben abhängig davon, was hat diese Person für ein Klischee im Kopf.

01:41:16.000 --> 01:41:20.000
<v Sebastian>Ist es denn realistisch zu denken, ich kann jemanden überzeugen?

01:41:21.000 --> 01:41:24.000
<v Stefanie Verfürth>Das hängt ja davon ab, wie offen diese andere Person auch ist.

01:41:25.000 --> 01:41:29.000
<v Stefanie Verfürth>Also auch da ist es ja sehr unterschiedlich. Jörg hat ja jetzt eben hier Oma

01:41:29.000 --> 01:41:33.000
<v Stefanie Verfürth>Erna und Tante Gisela genommen, weil als Beispiele, es hört sich ja schon auch

01:41:33.000 --> 01:41:37.000
<v Stefanie Verfürth>an nach einer gewissen Generation und die sind nicht offen und so weiter.

01:41:37.000 --> 01:41:41.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, aber vielleicht ist Oma Erna ja auch eine total lockere und offene Oma,

01:41:41.000 --> 01:41:44.000
<v Stefanie Verfürth>die das alles total undramatisch findet und sagt, Mensch gut,

01:41:45.000 --> 01:41:48.000
<v Stefanie Verfürth>ist doch prima und hier hast du noch einen Holzlöffel.

01:41:49.000 --> 01:41:53.000
<v Stefanie Verfürth>Deswegen auch da ist es ja sehr individuell unterschiedlich.

01:41:53.000 --> 01:41:59.000
<v Stefanie Verfürth>Und auch ob du jetzt mit deinem Halsband oder was auch immer erkannt wirst oder

01:41:59.000 --> 01:42:04.000
<v Stefanie Verfürth>nicht, hängt ja auch davon ab, wie weit hat sich diese Person selbst schon informiert

01:42:04.000 --> 01:42:06.000
<v Stefanie Verfürth>oder interessiert sich für solche Richtungen.

01:42:06.000 --> 01:42:09.000
<v Stefanie Verfürth>Und dementsprechend kann das ja auch manchmal total überraschend sein,

01:42:10.000 --> 01:42:11.000
<v Stefanie Verfürth>dass jemand da ganz gut drauf reagiert.

01:42:12.000 --> 01:42:16.000
<v Stefanie Verfürth>Oder aber, wie gesagt, man hat die beklopptesten Ideen dazu im Kopf und sagt,

01:42:16.000 --> 01:42:18.000
<v Stefanie Verfürth>meine Güte, jetzt ist er ganz durchgedreht.

01:42:18.000 --> 01:42:21.000
<v Stefanie Verfürth>Ich hab's, ja, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.

01:42:22.000 --> 01:42:24.000
<v Stefanie Verfürth>Das kann nicht mein Sohn sein oder so, ne?

01:42:24.000 --> 01:42:27.000
<v Jörg Signerski>Und ich muss mal Oma Erna in Schutz nehmen, weil das Spannende ist,

01:42:27.000 --> 01:42:31.000
<v Jörg Signerski>wenn man sich anguckt, wie sind denn...

01:42:32.000 --> 01:42:39.000
<v Jörg Signerski>Wie ist Offenheit verteilt bezüglich des Alters, findet man bei den Alten teilweise

01:42:39.000 --> 01:42:42.000
<v Jörg Signerski>offenere Menschen als im Jugendbereich.

01:42:42.000 --> 01:42:48.000
<v Jörg Signerski>Das kann passieren, wenn man sich die Alt-68er anguckt und das ist jetzt unsere

01:42:48.000 --> 01:42:52.000
<v Jörg Signerski>Oma Erna, dass die da sagt "Das habe ich damals in der WG auch gemacht".

01:42:52.000 --> 01:42:56.000
<v Jörg Signerski>Also man muss sich auch dort nicht von den eigenen Klischees und Vorstellungen

01:42:56.000 --> 01:43:00.000
<v Jörg Signerski>leiten lassen. Da kann man ganz schöne Überraschungen erleben.

01:43:00.000 --> 01:43:04.000
<v Sebastian>Das ist im Grunde wie Würfeln und wie weit habe ich Hinweise gesammelt,

01:43:04.000 --> 01:43:08.000
<v Sebastian>wie diese Person grundsätzlich drauf ist. Ich hätte jetzt sanfte Hinweise gemacht.

01:43:09.000 --> 01:43:15.000
<v Sebastian>Also man schenkt der Oma zum runden Geburtstag halt mal die Shades of Grey DVD

01:43:15.000 --> 01:43:17.000
<v Sebastian>und guckt mal, ob sie empört ist.

01:43:17.000 --> 01:43:20.000
<v Sebastian>Man kann ja auch anonym sowas verschenken oder ob sie sich total freut und ob

01:43:20.000 --> 01:43:23.000
<v Sebastian>sie einen Wochen lang danach in den Ohren liegt, was sie da für einen tollen Film gesehen hat.

01:43:23.000 --> 01:43:26.000
<v Sebastian>Also ich finde, man kann ja ein bisschen strategisch rangehen.

01:43:26.000 --> 01:43:28.000
<v Jörg Signerski>Das kann man tun. Man weiß nicht, was dann passiert.

01:43:29.000 --> 01:43:33.000
<v Stefanie Verfürth>Oder man kriegt es ja manchmal auch mit, allein durch Diskussionen oder Dinge,

01:43:34.000 --> 01:43:37.000
<v Stefanie Verfürth>die in der Presse auftauchen, dass man einfach mal sich unterhält und da sieht

01:43:37.000 --> 01:43:41.000
<v Stefanie Verfürth>man ja auch schon, wie ist jemand zu einem bestimmten Thema eingestellt.

01:43:41.000 --> 01:43:44.000
<v Jörg Signerski>Achtung, nochmal zum Beispiel von eben. Von meiner Transperson,

01:43:44.000 --> 01:43:48.000
<v Jörg Signerski>die sich geoutet hat in einem handwerklichen Betrieb.

01:43:48.000 --> 01:43:50.000
<v Jörg Signerski>Die hat also auch versucht, vorsichtig zu machen. Was kam?

01:43:52.000 --> 01:43:55.000
<v Jörg Signerski>Homosexuell feindliche Sprüche. Als sie sich geoutet hat, waren die alle weg.

01:43:56.000 --> 01:43:59.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, da kann man sich auch mit auf die Nase legen, wenn man da mal so ran tatscht.

01:44:00.000 --> 01:44:03.000
<v Jörg Signerski>Frage ist, wo tatscht man da gerade dran?

01:44:04.000 --> 01:44:10.000
<v Stefanie Verfürth>Umgekehrt kann es genauso gut sein, dass die Eltern mega liberal sind und überhaupt

01:44:10.000 --> 01:44:14.000
<v Stefanie Verfürth>kein Problem damit haben. Aber wenn das plötzlich das eigene Kind betrifft.

01:44:14.000 --> 01:44:15.000
<v Sebastian>Das geht mal gar nicht.

01:44:15.000 --> 01:44:17.000
<v Stefanie Verfürth>Voll nicht. Dann ist aber Holland in Not.

01:44:17.000 --> 01:44:21.000
<v Sebastian>Was darf ich denn als BDSMer oder als sexuell aktiver Mensch,

01:44:21.000 --> 01:44:23.000
<v Sebastian>was darf ich denn meinem Umfeld zutrauen?

01:44:24.000 --> 01:44:27.000
<v Sebastian>Also womit müssen die klarkommen? Gibt es da so einen moralischen Leitfaden?

01:44:28.000 --> 01:44:30.000
<v Sebastian>Okay, ich

01:44:30.000 --> 01:44:32.000
<v Stefanie Verfürth>Nicht wirklich.

01:44:32.000 --> 01:44:36.000
<v Stefanie Verfürth>Ich befürchte, das ist tatsächlich immer im Auge des Betrachters und nichts,

01:44:36.000 --> 01:44:38.000
<v Stefanie Verfürth>wo man sagen kann, das muss doch wohl möglich sein.

01:44:38.000 --> 01:44:39.000
<v Sebastian>Ja aaaber.

01:44:39.000 --> 01:44:42.000
<v Stefanie Verfürth>Wir würden es uns alle wünschen, sagen wir mal so.

01:44:43.000 --> 01:44:46.000
<v Sebastian>Das sind zwei Fragen im Prinzip. Also was kann ich meinem Umfeld zumuten?

01:44:46.000 --> 01:44:50.000
<v Sebastian>Das alleine sagt noch nicht viel, aber ich sehe andere Menschen, die BDSM machen.

01:44:51.000 --> 01:44:55.000
<v Sebastian>Ich sehe, die machen was. Und jetzt ist so eine Grenze erreicht,

01:44:55.000 --> 01:44:57.000
<v Sebastian>wo ich der Meinung bin, ich müsste einschreiten.

01:44:57.000 --> 01:45:02.000
<v Sebastian>Und BDSM hat ja nun mal leider Gottes diese Eigenschaft, dass es manchmal sehr

01:45:02.000 --> 01:45:07.000
<v Sebastian>martialisch und schlimm und nicht konsensual aussieht und dass ein Eingriff

01:45:07.000 --> 01:45:08.000
<v Sebastian>von außen und sei es nur ein,

01:45:08.000 --> 01:45:14.000
<v Sebastian>ist alles okay bei euch, eventuell schon situationsstörend wirkt. Wie kann ich mich als...

01:45:15.000 --> 01:45:22.000
<v Sebastian>Dritter Verhalten oder was muss ich aushalten, wenn ich in so einer Community unterwegs bin?

01:45:22.000 --> 01:45:24.000
<v Jörg Signerski>Was würdest du dir denn wünschen?

01:45:24.000 --> 01:45:28.000
<v Sebastian>Ja, okay, dann will ich mal meine eigene Doppelmoral hier formulieren.

01:45:29.000 --> 01:45:34.000
<v Sebastian>Sofern ich der Meinung bin, dass ich fit und mit meinem Sinn beisammen bin in

01:45:34.000 --> 01:45:37.000
<v Sebastian>einer Situation, möchte ich natürlich, dass niemand sich einmischt.

01:45:38.000 --> 01:45:43.000
<v Sebastian>Dann möchte ich das tun, was ich tue und das genießen und wenn da noch Leute

01:45:43.000 --> 01:45:46.000
<v Sebastian>drumrum sind, dann können die zwar existieren, aber das ist unsere Bubble dann.

01:45:48.000 --> 01:45:52.000
<v Sebastian>So, dummerweise muss ich dann allerdings auch immer im Hinterkopf behalten,

01:45:52.000 --> 01:45:54.000
<v Sebastian>ich muss den Außenstehenden die Chance geben, das zu bewerten,

01:45:55.000 --> 01:45:57.000
<v Sebastian>damit sie mir eben nicht plötzlich die Hand halten und sagen,

01:45:57.000 --> 01:45:58.000
<v Sebastian>hör mal auf mit dem Quatsch.

01:45:58.000 --> 01:46:01.000
<v Sebastian>Und das finde ich sehr schwierig, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite

01:46:01.000 --> 01:46:05.000
<v Sebastian>war ich aber auch schon in einer Situation, wo jemand in Not war,

01:46:05.000 --> 01:46:09.000
<v Sebastian>will ich jetzt nicht sagen, aber wo ein Eingreifen einfach erforderlich und angemessen war.

01:46:10.000 --> 01:46:13.000
<v Sebastian>Und ich habe mich in dem Moment aber erwischt, dass ich mehrere Minuten überlegt

01:46:13.000 --> 01:46:15.000
<v Sebastian>habe und immer rüber geschielt habe, ist das da hinten noch okay?

01:46:15.000 --> 01:46:17.000
<v Sebastian>Ist es nicht okay? Ist es okay? Ist es nicht okay?

01:46:18.000 --> 01:46:19.000
<v Sebastian>Bis ich dann irgendwann entschieden habe, okay, scheiß drauf,

01:46:19.000 --> 01:46:24.000
<v Sebastian>ich gehe da jetzt hin. Und ich finde, das ist gerade auf Spielpartys sehr

01:46:24.000 --> 01:46:29.000
<v Sebastian>schwierig, da diese Missverständnisse oder auch diesen gegenseitigen Schutz,

01:46:29.000 --> 01:46:32.000
<v Sebastian>man will sich ja nur helfen und beschützen gegenseitig, wie man das hinbekommt.

01:46:33.000 --> 01:46:36.000
<v Sebastian>Boah, das ist ein Riesenfeld. Gibt es da irgendwas, was ich bedenken kann?

01:46:36.000 --> 01:46:38.000
<v Sebastian>Wie ich mich und andere schützen kann?

01:46:38.000 --> 01:46:41.000
<v Jörg Signerski>Du hast das doch super gelöst. Also was hast du denn gemacht?

01:46:41.000 --> 01:46:46.000
<v Jörg Signerski>Du bist hingegangen und hast eine Situation beobachtet, bewertet,

01:46:46.000 --> 01:46:51.000
<v Jörg Signerski>analysiert und dann für dich die Entscheidung getroffen, einzugreifen.

01:46:52.000 --> 01:46:53.000
<v Sebastian>War zufällig richtig.

01:46:54.000 --> 01:46:59.000
<v Jörg Signerski>Ja, aber du hast keinen Aktionismus gezeigt. Du hast weder Aktionismus gezeigt

01:46:59.000 --> 01:47:03.000
<v Jörg Signerski>noch weggeschaut, sondern du hast versucht, mit deinem klaren Menschenverstand

01:47:03.000 --> 01:47:06.000
<v Jörg Signerski>eine Analyse hinzukriegen und hast dich dann dafür entschieden.

01:47:06.000 --> 01:47:08.000
<v Jörg Signerski>Das ist doch das Einzige, was wir machen können.

01:47:08.000 --> 01:47:11.000
<v Jörg Signerski>Weder der Aktionismus ist schlecht, scheiße, da gehe ich hin,

01:47:11.000 --> 01:47:16.000
<v Jörg Signerski>zack, ja, noch ich schaue weg, sondern natürlich braucht man dann zwei,

01:47:16.000 --> 01:47:21.000
<v Jörg Signerski>drei Minuten, vielleicht auch vier, fünf und überlegt, welchen Weg gehe ich,

01:47:21.000 --> 01:47:25.000
<v Jörg Signerski>was könnte der richtige sein und du entscheidest dich bewusst.

01:47:26.000 --> 01:47:30.000
<v Sebastian>Ja, okay, das ist jetzt meine Lösung. Wie gesagt, die hat ein bisschen mit Glück zu tun.

01:47:30.000 --> 01:47:33.000
<v Sebastian>Ich hatte es selber schon, man wird angesprochen, ist alles okay,

01:47:33.000 --> 01:47:36.000
<v Sebastian>man merkt, das hat einem gerade die Session versaut. Das gibt es.

01:47:37.000 --> 01:47:40.000
<v Sebastian>Scheint ein Teil der Risikoabwägung einfach zu sein. Dann muss ich halt ein

01:47:40.000 --> 01:47:43.000
<v Sebastian>bisschen schöner, netter sein, dann kommt keiner.

01:47:43.000 --> 01:47:47.000
<v Sebastian>Da spielt so ein bisschen der Gedanke mit dahinter, es kann ja auch gerade

01:47:47.000 --> 01:47:53.000
<v Sebastian>dabei passieren, dass vor Augen von Menschen ja Missbrauch betrieben wird und keiner greift ein,

01:47:53.000 --> 01:47:57.000
<v Sebastian>weil das ja in diesem, wir lassen die mal spielen, solange da hinten kein Safe

01:47:57.000 --> 01:48:00.000
<v Sebastian>Word zu hören ist, ist ja alles per Definition okay.

01:48:00.000 --> 01:48:04.000
<v Sebastian>Das scheint ein moralischer Ballast zu sein, den manche Menschen mit sich rumtragen

01:48:04.000 --> 01:48:06.000
<v Sebastian>müssen. Kann man die davon befreien?

01:48:06.000 --> 01:48:08.000
<v Jörg Signerski>Ich wüsste nicht.

01:48:08.000 --> 01:48:10.000
<v Jörg Signerski>Ich komme nochmal zu deinem Beispiel.

01:48:10.000 --> 01:48:13.000
<v Jörg Signerski>Du hast ja wirklich bewusst die Entscheidung getroffen.

01:48:13.000 --> 01:48:19.000
<v Jörg Signerski>Und was du nicht kannst, ist, du kannst nicht in die Köpfe der anderen reinschauen.

01:48:19.000 --> 01:48:23.000
<v Jörg Signerski>Das können, das kann keiner, auch ein Psychotherapeut oder eine Psychotherapeutin nicht.

01:48:23.000 --> 01:48:28.000
<v Jörg Signerski>Auch wenn man uns das manchmal sozusagen zuschreibt, genau, das können wir nicht.

01:48:29.000 --> 01:48:34.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, du kannst nur von außen beobachten und du weißt eigentlich nicht, was da passiert.

01:48:34.000 --> 01:48:37.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, du kannst es mit einer großen Wahrscheinlichkeit richtig und mit

01:48:37.000 --> 01:48:39.000
<v Jörg Signerski>einer großen Wahrscheinlichkeit falsch machen.

01:48:39.000 --> 01:48:43.000
<v Jörg Signerski>Und dann musst du wirklich, du entscheidest, Risiko-Nutzen-Abwägung.

01:48:43.000 --> 01:48:48.000
<v Jörg Signerski>Ist es eine Sache, wo Hilfe benötigt wird, dann denkst du darüber nach,

01:48:48.000 --> 01:48:54.000
<v Jörg Signerski>kommst zum Schluss, dann schreitest du ein. Sagst du, sieht safe aus, ist okay, dann nicht.

01:48:55.000 --> 01:48:59.000
<v Stefanie Verfürth>Und es ist ja auch die Frage, kannst du für dich persönlich moralisch besser

01:48:59.000 --> 01:49:03.000
<v Stefanie Verfürth>in Kauf nehmen, dass du denen jetzt die Session versaut hast oder dass da möglicherweise

01:49:03.000 --> 01:49:04.000
<v Stefanie Verfürth>doch jemand missbraucht worden ist?

01:49:05.000 --> 01:49:07.000
<v Sebastian>Ich lenke mal ein bisschen ab, denn ich habe das Gefühl, ich müsste auf der

01:49:07.000 --> 01:49:09.000
<v Sebastian>Couch Platz nehmen und es mir gemütlich machen gerade.

01:49:11.000 --> 01:49:13.000
<v Jörg Signerski>Wir haben die Rollen umgedreht.

01:49:13.000 --> 01:49:16.000
<v Sebastian>Ja, ein kleines bisschen, aber das ist ja nicht schlimm. Aber ich glaube,

01:49:16.000 --> 01:49:19.000
<v Sebastian>es ist eher diese Angst davor, falsche Entscheidungen zu treffen,

01:49:19.000 --> 01:49:23.000
<v Sebastian>Fehler zu machen oder in diese Rituale einzugreifen. Und das kann man natürlich

01:49:23.000 --> 01:49:25.000
<v Sebastian>nur mit, ich sag mal, Wissen

01:49:25.000 --> 01:49:28.000
<v Sebastian>"Hallo, du hast schon zehn Partys besucht, du weißt etwa wie es läuft",

01:49:28.000 --> 01:49:29.000
<v Sebastian>"dann merkst du auch, wenn es komisch ist".

01:49:30.000 --> 01:49:33.000
<v Sebastian>Damit kann man das so ein bisschen hinkriegen. Aber es scheint so einen Drang

01:49:33.000 --> 01:49:36.000
<v Sebastian>zu geben, sich einzufügen in diese Szene.

01:49:36.000 --> 01:49:39.000
<v Sebastian>Man ist doch eigentlich so anders, aber in dieser Community möchte man dann

01:49:39.000 --> 01:49:41.000
<v Sebastian>doch zur Gruppe gehören. Das finde ich sehr spannend.

01:49:41.000 --> 01:49:45.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, naja, das ist ja auch etwas, was menschlich ist.

01:49:45.000 --> 01:49:53.000
<v Stefanie Verfürth>Also wir haben ja, sagen wir mal von Natur aus eben auch dieses Bedürfnis,

01:49:53.000 --> 01:49:55.000
<v Stefanie Verfürth>uns einer jeweiligen Gruppe anzupassen,

01:49:56.000 --> 01:50:01.000
<v Stefanie Verfürth>so sehr wir auch im Endeffekt alle irgendwo mit unserer Individualität so sein dürfen

01:50:03.000 --> 01:50:08.000
<v Stefanie Verfürth>wollen. Ist es aber im Endeffekt auch da jetzt wieder evolutionär gesehen so,

01:50:08.000 --> 01:50:12.000
<v Stefanie Verfürth>dass es durchaus funktional ist, so sein zu wollen wie die anderen.

01:50:12.000 --> 01:50:18.000
<v Stefanie Verfürth>Weil dahinter steckt ja der Gedanke, wir müssen uns ja sehen vor Jahrtausenden,

01:50:19.000 --> 01:50:22.000
<v Stefanie Verfürth>wo die Menschheit noch in Höhlen lebte und so weiter.

01:50:23.000 --> 01:50:28.000
<v Stefanie Verfürth>Da warst du auf die Gruppe angewiesen. Da war man alleine nicht überlebensfähig.

01:50:28.000 --> 01:50:33.000
<v Stefanie Verfürth>Und das heißt, die größte Gefahr fürs Überleben war, dann aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden.

01:50:33.000 --> 01:50:38.000
<v Stefanie Verfürth>Das heißt, ich tue ja möglichst dann alles, um von der Gruppe auch akzeptiert zu werden,

01:50:38.000 --> 01:50:44.000
<v Stefanie Verfürth>dazu zu gehören und dementsprechend habe ich natürlich auch so die Neigung,

01:50:44.000 --> 01:50:49.000
<v Stefanie Verfürth>mich dann der Gruppe anzupassen und das mitzumachen, was in der Gruppe in Anführungsstrichen "Norm" ist.

01:50:50.000 --> 01:50:55.000
<v Jörg Signerski>Sollst du es deiner Psychotherapeutin erzählen, dass du BDSM lebst?

01:50:55.000 --> 01:50:58.000
<v Sebastian>Liebes Publikum, ich habe jetzt einfach Aufnahme gedrückt. Die Frage wurde gerade

01:50:58.000 --> 01:51:02.000
<v Sebastian>gestellt. Ich höre jetzt einfach weiter zu. Diskutiert das doch mal, bitte.

01:51:03.000 --> 01:51:09.000
<v Jörg Signerski>Achso, du hast die Frage schon gestellt. Wir waren schon sozusagen on air, heißt es glaube ich.

01:51:09.000 --> 01:51:14.000
<v Sebastian>Ich habe gerade einmal ganz kurz zwischendurch Aufnahme gedrückt. Soll man es sagen?

01:51:15.000 --> 01:51:19.000
<v Stefanie Verfürth>Naja, das hängt ja auch wieder davon ab, mit welchem Zweck eigentlich.

01:51:21.000 --> 01:51:27.000
<v Stefanie Verfürth>Ob es jetzt für die Psychotherapie zuträglich ist, hängt wieder,

01:51:27.000 --> 01:51:28.000
<v Stefanie Verfürth>finde ich, von der ganz individuellen Situation ab.

01:51:29.000 --> 01:51:35.000
<v Stefanie Verfürth>Wenn es möglicherweise Sinn macht, dann kann ich es ja auch der Psychotherapeutin sagen.

01:51:35.000 --> 01:51:43.000
<v Jörg Signerski>Naja, ganz ehrlich, wenn ich als Psychotherapeut:in eine Sexualanamnese mache,

01:51:44.000 --> 01:51:49.000
<v Jörg Signerski>was ja eigentlich sinnvoll wäre, dann wird das ja Thema.

01:51:49.000 --> 01:51:52.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, aber da haben wir ja wieder eine große Kluft zwischen dem,

01:51:52.000 --> 01:51:54.000
<v Stefanie Verfürth>was sinnvoll wäre und dem, was real getan wird.

01:51:54.000 --> 01:52:01.000
<v Jörg Signerski>Sehe ich auch so. Aber stell dir mal vor, wir würden es oder alle würden dies tun.

01:52:03.000 --> 01:52:11.000
<v Jörg Signerski>Und wir merken, oder genau wir als Klient:innen merken, unsere Psychotherapeutin

01:52:11.000 --> 01:52:15.000
<v Jörg Signerski>kann damit überhaupt gar nicht wertfrei umgehen, dann würde das für mich heißen,

01:52:15.000 --> 01:52:17.000
<v Jörg Signerski>okay, gut, dass ichs weiß, ich gehe zum nächsten.

01:52:17.000 --> 01:52:22.000
<v Stefanie Verfürth>Das ist wahr. Umgekehrt, wenn du schon seit so und so vielen Monaten in einer

01:52:22.000 --> 01:52:27.000
<v Stefanie Verfürth>laufenden Therapie bist und eigentlich dir die Therapie auch hilft,

01:52:27.000 --> 01:52:32.000
<v Stefanie Verfürth>aber plötzlich diese Information bei der Therapeutin so viel auslöst,

01:52:32.000 --> 01:52:40.000
<v Stefanie Verfürth>dass du plötzlich eine ganz radikale Veränderung in der Patient-Therapeut-Beziehung hast,

01:52:40.000 --> 01:52:43.000
<v Stefanie Verfürth>dann hast du auch ein Problem.

01:52:43.000 --> 01:52:44.000
<v Jörg Signerski>Natürlich.

01:52:45.000 --> 01:52:49.000
<v Stefanie Verfürth>Deswegen plädierst du dafür, das möglichst früh zu eruieren.

01:52:50.000 --> 01:52:53.000
<v Jörg Signerski>Genau, ich finde, das sollte man früh sagen.

01:52:53.000 --> 01:52:58.000
<v Jörg Signerski>Ich finde, eine Sexualanamnese gehört zu einer guten psychiatrisch-psychotherapeutischen Anamnese dazu.

01:52:59.000 --> 01:53:03.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, ich würde Klient:innen empfehlen, das offen zu legen.

01:53:03.000 --> 01:53:09.000
<v Jörg Signerski>Und wenn man in der Probatorik merkt, das sind sozusagen die ersten Testsitzungen,

01:53:09.000 --> 01:53:17.000
<v Jörg Signerski>das Gegenüber reagiert da wirklich naserümpfend, ja dann muss ich zu einer anderen Therapeutin,

01:53:17.000 --> 01:53:19.000
<v Jörg Signerski>weil es halt ein Teil der Identität ist.

01:53:19.000 --> 01:53:20.000
<v Stefanie Verfürth>Absolut.

01:53:20.000 --> 01:53:26.000
<v Jörg Signerski>Und ich negiere ja damit einen Teil der Identität und gerade die Psychotherapie

01:53:26.000 --> 01:53:29.000
<v Jörg Signerski>ist ja etwas, wo ich wirklich offen sein möchte.

01:53:30.000 --> 01:53:34.000
<v Stefanie Verfürth>Gebe ich dir vollkommen recht, würde ich mir auch so wünschen, aber ich weiß ja,

01:53:34.000 --> 01:53:39.000
<v Stefanie Verfürth>wie wenig im therapeutischen Alltag nach solchen Dingen gefragt wird und wie

01:53:39.000 --> 01:53:45.000
<v Stefanie Verfürth>wenig da auch im Laufe noch der Probatorik an Antworten von Patient:innen kommt.

01:53:46.000 --> 01:53:49.000
<v Stefanie Verfürth>Insofern ist da glaube ich wieder eine große Kluft zwischen dem,

01:53:49.000 --> 01:53:52.000
<v Stefanie Verfürth>was schön wäre und dem, was real ist.

01:53:52.000 --> 01:53:58.000
<v Jörg Signerski>Die Frage, Steffi, die ich habe, ist, würdest du den Zuhörer:innen empfehlen,

01:53:58.000 --> 01:54:01.000
<v Jörg Signerski>das direkt in der Probatorik von sich aus anzusprechen?

01:54:01.000 --> 01:54:05.000
<v Stefanie Verfürth>Wie gesagt, das würde ich sehr vom Einzelfall abhängig machen.

01:54:05.000 --> 01:54:08.000
<v Jörg Signerski>Okay, da sind wir ein bisschen divergenter Meinung.

01:54:09.000 --> 01:54:11.000
<v Jörg Signerski>Ich würde sagen, ja, ich finde es gar nicht schlecht, das direkt,

01:54:11.000 --> 01:54:14.000
<v Jörg Signerski>nicht in der ersten Sitzung, aber in der zweiten, dritten offen zu legen,

01:54:14.000 --> 01:54:18.000
<v Jörg Signerski>anzudeuten und zu gucken, kann das Gegenüber damit arbeiten.

01:54:19.000 --> 01:54:22.000
<v Jörg Signerski>Genauso sehe ich das für urologische und gynäkologische Termine.

01:54:22.000 --> 01:54:25.000
<v Stefanie Verfürth>Und das ist wahr. Aber da finde ich auch, ist es ja nochmal was,

01:54:25.000 --> 01:54:29.000
<v Stefanie Verfürth>was viel mehr in den Bereich hingehört.

01:54:29.000 --> 01:54:37.000
<v Stefanie Verfürth>Und da geht es ja auch, sagen wir mal... ich meine zum Gynäkologen gehe ich vielleicht

01:54:37.000 --> 01:54:40.000
<v Stefanie Verfürth>dann ein oder zweimal im Jahr mal eben für zehn Minuten hin.

01:54:40.000 --> 01:54:42.000
<v Stefanie Verfürth>Das ist ja was ganz anderes.

01:54:42.000 --> 01:54:47.000
<v Stefanie Verfürth>Nochmal, aber gut, das ist jetzt wieder eine Ansichtssache, ob es mir leichter fällt,

01:54:47.000 --> 01:54:51.000
<v Stefanie Verfürth>dann jemanden, den ich nur zweimal im Jahr sehe, sowas zu sagen oder meinem

01:54:51.000 --> 01:54:56.000
<v Stefanie Verfürth>Therapeuten, mit dem ich vielleicht schon oder noch so und so viele Gespräche

01:54:56.000 --> 01:54:58.000
<v Stefanie Verfürth>führen will, die auch so und so ausführlich sind.

01:54:58.000 --> 01:55:01.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, ich glaube, das kann jetzt eine Endlosdiskussion werden.

01:55:01.000 --> 01:55:06.000
<v Jörg Signerski>Ja, das kann es. Vielleicht noch etwas, was ich für die Zuhörer:innen wichtig fand,

01:55:06.000 --> 01:55:15.000
<v Jörg Signerski>weil das war eine Frage, die im Raum stand, war, muss die Gynäkolog:in oder irgendein

01:55:15.000 --> 01:55:21.000
<v Jörg Signerski>anderer Arzt melden, wenn Schäden zu sehen sind bezüglich BDSM?

01:55:21.000 --> 01:55:24.000
<v Jörg Signerski>Und dann muss ich einfach sagen, nein, es gibt eine Schweigepflicht,

01:55:25.000 --> 01:55:29.000
<v Jörg Signerski>da ist nichts zu melden und wenn da was gemeldet wird,

01:55:29.000 --> 01:55:33.000
<v Jörg Signerski>ist es immer eine Schweigepflichtsverletzung

01:55:33.000 --> 01:55:34.000
<v Jörg Signerski>und somit eine Straftat.

01:55:35.000 --> 01:55:38.000
<v Jörg Signerski>Das finde ich nochmal ganz entscheidend, das ist klar und deutlich zu sagen.

01:55:38.000 --> 01:55:42.000
<v Sebastian>Ja, ihr habt das, aber ich hätte euch jetzt noch eine Stunde zuhören können.

01:55:44.000 --> 01:55:47.000
<v Sebastian>Es braucht mich heute ja eigentlich gar nicht. Ja, aber es ist ja,

01:55:47.000 --> 01:55:50.000
<v Sebastian>ich sehe das immer als auch so ein moralisches Ding.

01:55:50.000 --> 01:55:55.000
<v Sebastian>Ich hab meinen Arzt, ich hab meine Ärztin und dann, ganz ehrlich, der Versuch zu sagen,

01:55:55.000 --> 01:55:57.000
<v Sebastian>oh nächste Woche habe ich einen

01:55:57.000 --> 01:56:00.000
<v Sebastian>Termin beim Arzt, dann machen wir mal nichts, dann ist es ja verboten.

01:56:01.000 --> 01:56:05.000
<v Sebastian>Damit macht es Spaß, dann ist es reizvoll. Und dann macht man ja erst recht

01:56:05.000 --> 01:56:07.000
<v Sebastian>irgendwas. Das kann man sich ja kaum verkneifen.

01:56:07.000 --> 01:56:12.000
<v Sebastian>Also von daher ist das nicht so einfach so zu planen und zu sagen,

01:56:12.000 --> 01:56:14.000
<v Sebastian>wenn ich zum Arzt gehe, dann habe ich halt keine Spuren zum Beispiel.

01:56:15.000 --> 01:56:18.000
<v Sebastian>Gibt es denn, macht BDSM süchtig?

01:56:18.000 --> 01:56:20.000
<v Jörg Signerski>Jein. Das ist eine schöne Frage.

01:56:22.000 --> 01:56:29.000
<v Jörg Signerski>Macht Sex süchtig? Jein. Also es gibt Sexsucht. Die gibt es.

01:56:32.000 --> 01:56:34.000
<v Jörg Signerski>Ähm, so wie alles andere aber auch süchtig machen kann.

01:56:34.000 --> 01:56:37.000
<v Jörg Signerski>Essen kann süchtig machen, ich weiß nicht, Computerspielen kann süchtig machen,

01:56:38.000 --> 01:56:45.000
<v Jörg Signerski>auch BDSM kann süchtig machen, aber die absolute Ausnahme und nicht die Regel.

01:56:46.000 --> 01:56:50.000
<v Sebastian>Wann ist es denn überhaupt eine Sucht? Also klar, wenn es pathologisch wird,

01:56:50.000 --> 01:56:53.000
<v Sebastian>man umfällt und so weiter und so fort, aber kann ich das für mich beurteilen,

01:56:53.000 --> 01:56:54.000
<v Sebastian>wann tut es mir nicht mehr gut?

01:56:54.000 --> 01:56:58.000
<v Jörg Signerski>Und deine Sucht ist es dann, jetzt musst du mir helfen Steffi,

01:56:58.000 --> 01:57:04.000
<v Jörg Signerski>nicht dass ich die Definition falsch hinkriege, wenn ich a) etwas tue,

01:57:04.000 --> 01:57:10.000
<v Jörg Signerski>was mir selber schadet und ich es weitermache oder ich dadurch soziale berufliche

01:57:10.000 --> 01:57:17.000
<v Jörg Signerski>Konsequenzen habe oder aber es irgendwelche anderen Konsequenzen gibt,

01:57:17.000 --> 01:57:18.000
<v Jörg Signerski>die ich so nicht einschätzen kann,

01:57:18.000 --> 01:57:22.000
<v Jörg Signerski>ich von dem Verhalten aber trotz dieser Konsequenzen nicht lassen kann.

01:57:22.000 --> 01:57:28.000
<v Jörg Signerski>Ich mache das mal an einem Beispiel deutlich, weil das Beispiel ist deutlicher als BDSM-Sucht.

01:57:28.000 --> 01:57:32.000
<v Jörg Signerski>Ich kenne keinen BDSM-Süchtigen, ich kenne nur einen Sex-Süchtigen und die machen

01:57:32.000 --> 01:57:35.000
<v Jörg Signerski>zum Teil BDSM, aber auch deutlich mehr.

01:57:36.000 --> 01:57:41.000
<v Jörg Signerski>Die dann sozusagen nur noch im Büro sitzen, nur noch Pornos konsumieren,

01:57:41.000 --> 01:57:47.000
<v Jörg Signerski>nicht mehr ihre Arbeit schaffen, irrsinnig viel Geld ausgeben.

01:57:47.000 --> 01:57:53.000
<v Jörg Signerski>Ich hatte schon Patient:innen, die sich wirklich massiv verschuldet haben,

01:57:53.000 --> 01:57:55.000
<v Jörg Signerski>wo die Partnerschaft dann leidet.

01:57:55.000 --> 01:58:01.000
<v Jörg Signerski>Dann haben wir sozusagen ein sexsüchtiges Verhalten und da kann dann auch

01:58:01.000 --> 01:58:05.000
<v Jörg Signerski>BDSM-Verhalten mit drunter sein. Wir sagen aber da nicht BDSM-süchtig,

01:58:05.000 --> 01:58:08.000
<v Jörg Signerski>sondern wir würden es dann diagnostizieren als Sexsucht.

01:58:09.000 --> 01:58:12.000
<v Jörg Signerski>Kann man behandeln, sogar gut behandeln.

01:58:12.000 --> 01:58:14.000
<v Sebastian>Kann man das? Wie macht man das?

01:58:15.000 --> 01:58:19.000
<v Jörg Signerski>Es gibt sozusagen ein Verfahren, das heißt Dialektisch-Behaviorale Therapie nach Linehan.

01:58:20.000 --> 01:58:23.000
<v Jörg Signerski>Sagt jetzt wahrscheinlich kaum einer der Zuhörerinnen etwas.

01:58:24.000 --> 01:58:29.000
<v Jörg Signerski>Und da gibt es so etwas sozusagen, wo man lernt, andere Dinge zu tun,

01:58:29.000 --> 01:58:33.000
<v Jörg Signerski>anstelle seinem Impuls nachzugeben, dieses dysfunktionale Verhalten zu machen.

01:58:34.000 --> 01:58:38.000
<v Jörg Signerski>Das nächste, wenn es ganz, ganz, ganz, ganz schädlich ist, wo man sagt,

01:58:38.000 --> 01:58:42.000
<v Jörg Signerski>da holt man sich zum Beispiel eine sexual übertragbare Erkrankung und so weiter,

01:58:42.000 --> 01:58:48.000
<v Jörg Signerski>dann kann man einen Hormonblocker geben und die Sexualität flachlegen und dann

01:58:48.000 --> 01:58:53.000
<v Jörg Signerski>sozusagen psychotherapeutisch einsteigen, bis das behandelt wurde und dann den

01:58:53.000 --> 01:58:54.000
<v Jörg Signerski>Hormonblocker absetzen.

01:58:54.000 --> 01:59:01.000
<v Jörg Signerski>Das habe ich aber in meinem beruflichen Leben bisher erst einmal gemacht, ist auch eine Rarität.

01:59:02.000 --> 01:59:08.000
<v Sebastian>Jetzt so als allerletzten Punkt hätte ich gerne nochmal eure Sicht zum Thema 24/7.

01:59:09.000 --> 01:59:12.000
<v Sebastian>Vielleicht erkläre ich es nochmal in einfachen Worten.

01:59:12.000 --> 01:59:16.000
<v Sebastian>Man verständigt sich in der Beziehung darauf, dass dieses Machtgefälle,

01:59:16.000 --> 01:59:22.000
<v Sebastian>dieses Machtgefüge, dass das jederzeit besteht oder bestehen kann,

01:59:22.000 --> 01:59:24.000
<v Sebastian>weil zum Beispiel allein die dominante Person sagt so, Schnipp,

01:59:25.000 --> 01:59:28.000
<v Sebastian>jetzt gilt das Regelwerk und alles.

01:59:28.000 --> 01:59:31.000
<v Sebastian>Das wird immer als extreme Praktik gesehen,

01:59:31.000 --> 01:59:36.000
<v Sebastian>weil man eben rund um die Uhr quasi spielt und das muss ja sehr anstrengend

01:59:36.000 --> 01:59:40.000
<v Sebastian>sein, aber die Frage ist dabei so ein bisschen, ist das nicht eh in jeder Beziehung

01:59:40.000 --> 01:59:45.000
<v Sebastian>so, dass man 24/7 miteinander umgeht und Bedürfnisse und diese ganze Pyramide da aufbaut?

01:59:46.000 --> 01:59:51.000
<v Sebastian>Ist 24/7 an der Stelle überhaupt irgendetwas Extremes und etwas,

01:59:51.000 --> 01:59:52.000
<v Sebastian>worüber man nachdenken muss?

01:59:52.000 --> 01:59:56.000
<v Sebastian>Oder muss man BDSM-Sessions verpacken? Das ist vielleicht die viel einfachere

01:59:56.000 --> 01:59:58.000
<v Sebastian>Frage. Ist das sinnvoll? Braucht man das?

01:59:58.000 --> 01:59:59.000
<v Jörg Signerski>Weshalb brauchst du unsere Antwort?

02:00:00.000 --> 02:00:03.000
<v Sebastian>Ja, ich weiß schon. Ich habe schon eine Meinung. Das ist das Schlimme dabei.

02:00:03.000 --> 02:00:07.000
<v Sebastian>Liebes Publikum, hier versage ich kläglich mit dem Anspruch an Neutralität und

02:00:07.000 --> 02:00:11.000
<v Sebastian>Wissbegier. Ich habe einfach zu vorgefertigte Meinungen. Verdammt.

02:00:12.000 --> 02:00:16.000
<v Sebastian>Dann könnt ihr das ja diagnostizieren, wie ich das sehe. *lacht*

02:00:17.000 --> 02:00:24.000
<v Jörg Signerski>Ich finde, du hast eine schöne Antwort gegeben. Also jetzt muss ich noch ausführen,

02:00:24.000 --> 02:00:28.000
<v Jörg Signerski>weil wir sind jetzt nochmal auf einer anderen Ebene. Wir sind auf einer Beziehungsebene.

02:00:29.000 --> 02:00:33.000
<v Jörg Signerski>Und auch auf einer Beziehungsebene gibt es ganz, ganz, ganz viele verschiedene

02:00:33.000 --> 02:00:40.000
<v Jörg Signerski>Arten, Spielarten, wie ich Beziehungen gestalte. Da kann auch 24/7 eine durchaus

02:00:40.000 --> 02:00:43.000
<v Jörg Signerski>praktikable Beziehungsgestaltung sein.

02:00:44.000 --> 02:00:48.000
<v Jörg Signerski>Und auch nicht pathologisch, sondern auch durchaus... "normal" finde ich immer so

02:00:48.000 --> 02:00:52.000
<v Jörg Signerski>schwierig... also durchaus nicht irgendwie behandlungsbedürftig.

02:00:52.000 --> 02:00:56.000
<v Jörg Signerski>Ja, es gibt, also auch das ist so vielfältig und so vielfältig normal,

02:00:56.000 --> 02:01:01.000
<v Jörg Signerski>dass wir damit einen eigenen Podcast basteln könnten über Beziehungen.

02:01:01.000 --> 02:01:06.000
<v Jörg Signerski>Das ist spannend, was dann auch von der Dynamik zwischen dem Paar passiert, nach außen passiert.

02:01:06.000 --> 02:01:10.000
<v Sebastian>Ich komme gerne wieder. Darf ich mal versuchen, was zusammenzufassen?

02:01:11.000 --> 02:01:13.000
<v Stefanie Verfürth>Sehr gerne, wir sind gespannt.

02:01:15.000 --> 02:01:20.000
<v Sebastian>Solange es sich nicht nach einem wirklichen Problem anfühlt,

02:01:20.000 --> 02:01:23.000
<v Sebastian>ist es wahrscheinlich auch keins.

02:01:23.000 --> 02:01:23.000
<v Jörg Signerski>*holt tief Luft*

02:01:23.000 --> 02:01:25.000
<v Sebastian>Wenn ich kommunizieren kann...

02:01:25.000 --> 02:01:28.000
<v Sebastian>Ah okay, dann bitte mich einmal verbessern.

02:01:29.000 --> 02:01:30.000
<v Sebastian>Aber es scheint so zu sein, dass...

02:01:32.000 --> 02:01:32.000
<v Jörg Signerski>Naja.

02:01:33.000 --> 02:01:35.000
<v Sebastian>*lacht*

02:01:35.000 --> 02:01:41.000
<v Jörg Signerski>Wenn es sich für dich nicht wie ein Problem anfühlt, kann es trotzdem für andere ein Problem sein.

02:01:41.000 --> 02:01:47.000
<v Jörg Signerski>Also wenn wir sagen, was ist noch was ist nicht krankhaft, was ist nicht behandlungsbedürftig,

02:01:47.000 --> 02:01:52.000
<v Jörg Signerski>Wenn du keinen Leidensdruck hast, aber wenn du auch kein Leiden bei anderen auslöst.

02:01:53.000 --> 02:01:55.000
<v Jörg Signerski>Du musst den anderen ja immer mitdenken.

02:01:56.000 --> 02:01:58.000
<v Jörg Signerski>Das heißt, auch wenn es für dich okay wäre.

02:01:59.000 --> 02:02:02.000
<v Sebastian>Ja, und eventuell habe ich ja das Problem, dass dass ich für die anderen nicht

02:02:02.000 --> 02:02:03.000
<v Sebastian>mitdenken kann, dass ich das nicht sehe.

02:02:04.000 --> 02:02:08.000
<v Jörg Signerski>Genau, dann kann es schwierig werden. Wenn du jetzt narzisstisch wärst und sagst, pfff, scheißegal.

02:02:09.000 --> 02:02:11.000
<v Sebastian>Okay, also noch ein Versuch. Also wenn ich sage, BDSM gefällt mir,

02:02:11.000 --> 02:02:15.000
<v Sebastian>macht mir Spaß und Menschen um mich herum mir das auch zurückspiegeln,

02:02:15.000 --> 02:02:17.000
<v Sebastian>dann brauche ich euch nicht zu besuchen.

02:02:18.000 --> 02:02:18.000
<v Stefanie Verfürth>Richtig.

02:02:18.000 --> 02:02:23.000
<v Sebastian>Weil ich kein Bedürfnis habe oder keine Notwendigkeit dann sehe oder sehen muss,

02:02:23.000 --> 02:02:25.000
<v Sebastian>da irgendetwas zu behandeln.

02:02:26.000 --> 02:02:26.000
<v Jörg Signerski>Ja.

02:02:26.000 --> 02:02:27.000
<v Stefanie Verfürth>Genau.

02:02:27.000 --> 02:02:31.000
<v Sebastian>Ja, sehr schön. Also dann fühle ich mich jetzt hier als geheilt entlassen.

02:02:32.000 --> 02:02:35.000
<v Sebastian>Nein, gibt es noch was, wo ihr beiden sagt, das ist euch wichtig,

02:02:35.000 --> 02:02:38.000
<v Sebastian>das möchtet ihr noch, das möchtet ihr auf jeden Fall noch unterbringen oder

02:02:38.000 --> 02:02:39.000
<v Sebastian>das möchtet ihr dem Publikum mitgeben?

02:02:40.000 --> 02:02:41.000
<v Jörg Signerski>Wir haben jetzt drei Stunden geredet.

02:02:41.000 --> 02:02:42.000
<v Stefanie Verfürth>Ich wollte gerade sagen.

02:02:42.000 --> 02:02:46.000
<v Jörg Signerski>Also vielleicht so viel. Liebes Publikum, wir haben drei Stunden geredet.

02:02:47.000 --> 02:02:50.000
<v Jörg Signerski>Nicht jeder Satz, den wir sagen, ist druckreif.

02:02:52.000 --> 02:02:54.000
<v Jörg Signerski>Es werden mit Sicherheit Formulierungen da sein, wo man sagt,

02:02:55.000 --> 02:02:57.000
<v Jörg Signerski>das kann man anders formulieren, dann wäre es besser.

02:02:57.000 --> 02:03:01.000
<v Jörg Signerski>Es tut uns leid, aber so ist es halt bei einem Podcast.

02:03:01.000 --> 02:03:06.000
<v Jörg Signerski>Wir präsentieren hier oder erzeugen hier kein druckreifes Werk.

02:03:06.000 --> 02:03:12.000
<v Jörg Signerski>Da werden auch Fehler drin sein, wo man sagt, das ist mit Sicherheit anders

02:03:12.000 --> 02:03:15.000
<v Jörg Signerski>formuliert oder ergänzend formuliert mit Sicherheit noch besser.

02:03:15.000 --> 02:03:20.000
<v Sebastian>Also ganz ehrlich, ich finde, ihr habt das jetzt wundervoll gemacht und das

02:03:20.000 --> 02:03:25.000
<v Sebastian>Stigmata, was ich ja aus den Publikumsfragen so ein bisschen rauslese,

02:03:25.000 --> 02:03:27.000
<v Sebastian>immer diese Frage, bin ich normal,

02:03:27.000 --> 02:03:31.000
<v Sebastian>bin ich tragbar, ist das, was ich tue, schädlich für mich und andere?

02:03:32.000 --> 02:03:36.000
<v Sebastian>Im Grunde habt ihr ja eigentlich die ganze Zeit nur gesagt, im Extremfall ja,

02:03:36.000 --> 02:03:38.000
<v Sebastian>ansonsten ist alles entspannt.

02:03:38.000 --> 02:03:38.000
<v Jörg Signerski &amp; Stefanie Verfürth>Genau.

02:03:38.000 --> 02:03:45.000
<v Stefanie Verfürth>Wie gesagt, solange niemand einen Nachteil dadurch hat und alle halbwegs ihr

02:03:45.000 --> 02:03:47.000
<v Stefanie Verfürth>Leben auf die Kette kriegen, ist eigentlich alles super.

02:03:48.000 --> 02:03:51.000
<v Jörg Signerski>Also keinen anderen schädigen, sich nicht selber schädigen.

02:03:52.000 --> 02:03:54.000
<v Sebastian>Das könnte so einfach sein.

02:03:54.000 --> 02:03:55.000
<v Jörg Signerski &amp; Stefanie Verfürth>Genau.

02:03:55.000 --> 02:03:57.000
<v Stefanie Verfürth>Also deswegen fühlt euch frei.

02:03:57.000 --> 02:04:02.000
<v Sebastian>Ich fühle mich gerade super entspannt und bestätigt in dem, wie ich mich identifiziere.

02:04:02.000 --> 02:04:05.000
<v Sebastian>Ich hoffe, dem Publikum geht es genauso.

02:04:06.000 --> 02:04:09.000
<v Sebastian>Also dass man einfach selbstbewusst sagen kann, okay, ich muss zwar selber denken

02:04:09.000 --> 02:04:12.000
<v Sebastian>und entscheiden und fühlen und Feedback kriegen.

02:04:12.000 --> 02:04:16.000
<v Sebastian>Aber wenn ich das alles so ein bisschen im Griff habe, dann kann ich total entspannt

02:04:16.000 --> 02:04:21.000
<v Sebastian>sein und muss auch nicht Angst haben, dass ich irgendwie etwas Diagnostizierbares tue.

02:04:22.000 --> 02:04:24.000
<v Jörg Signerski>Genau, das ICD-11 hat es ja Gott sei Dank rausgenommen.

02:04:24.000 --> 02:04:28.000
<v Sebastian>Gut, dann hoffen wir, dass sich das auch so verbreitet und umgesetzt und abgerechnet wird.

02:04:28.000 --> 02:04:33.000
<v Sebastian>Okay, Jörg, Steffi, ich kann nur sagen, vielen, vielen, vielen lieben Dank für

02:04:33.000 --> 02:04:39.000
<v Sebastian>eure Zeit und mehr kann ich heute gar nicht mehr sagen, ich bin jetzt auch platt.

02:04:39.000 --> 02:04:40.000
<v Jörg Signerski>Wir auch.

02:04:40.000 --> 02:04:42.000
<v Stefanie Verfürth>Ja, danke für deinen Besuch.

02:04:42.000 --> 02:04:43.000
<v Jörg Signerski>Danke schön.

02:04:43.000 --> 02:04:44.000
<v Sebastian>Sehr gerne, macht's gut, tschüss.

02:04:44.000 --> 02:04:45.000
<v Jörg Signerski>Tschüss.

02:04:45.000 --> 02:04:50.000
<v Atmo>*Outro*Podcast Musik*

