Spezial: Unvernunft meets Sexologisch

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Sebastian Hallo und herzlich willkommen zur Kunst der Unvernunft, dem Podcast, in dem es um BDSM geht. Und ja, huch, heute ist doch Mittwoch und da eine neue Folge. Das ist ein ganz sicheres Zeichen für eine Unvernunft-Spezialfolge. Heute mit Magdalena Heinzl vom Sexologisch-Podcast. Sie kommt aus Österreich und wenn jemand mit mir über Sex reden kann, dann ist sie das. Ich lese einfach mal von ihrer Webseite ein paar Dinge vor. Sie ist klinische Sexologin, ausgebildete Sozialarbeiterin, Sexualpädagogin und Theaterpädagogin, Supervisorin und noch ganz viel mehr, aber vor allem eine extrem charmante Gesprächspartnerin. Wir sprechen heute vor allem über Sex. Sex. Das Thema kommt ja in der Unvernunft ja eh immer viel zu kurz und vielleicht liegt das ja daran, dass BDSM ja viel zu einfach für uns ist. Warum sollten wir uns dann mit dem Rein- und Rausspiel begnügen? Ihr merkt schon, das sind steile Thesen von mir und ich bin froh, dass sich Magdalena diese Herausforderung gestellt hat. Über BDSM wird natürlich auch ein wenig gesprochen, denn diese Folge erscheint nicht nur in der Kunst der Unvernunft, sondern auch in Magdalenas Podcast, der heißt Sexologisch und den findet ihr auf sexologisch.com und natürlich in den Shownotes. Und nun geht's los mit dem Unvernunft-Spezial mit Magdalena von Sexologisch.
Magdalena Heinzl Ja, hallo und herzlich willkommen zu einer ganz wundervollen Sonderfolge. Ihr hört jetzt dann gleich noch eine andere Stimme.
Sebastian Ja, hallo, hier ist Sebastian von der Kunst der Unvernunft, dem BDSM-Podcast und ja, hallo Magdalena.
Magdalena Heinzl Hi Sebastian, ich freue mich riesig, dass es geklappt hat und ich bin Magdalena vom Sexologisch-Podcast und deswegen begrüßen wir heute quasi noch viel mehr Menschen, weil wir gesagt haben, wir machen eine gemeinsame Folge, weil das Thema super spannend ist und weil wir da beide einiges zu erzählen haben.
Sebastian Genau, also ich habe auf jeden Fall Nachholbedarf im Bereich Sexualität grundsätzlich, weil ich habe natürlich hier die BDSM-Nische. Vielleicht stellen wir uns beide für das jeweils andere Publikum ganz kurz vor, dass die so ein bisschen wissen, wer wir sind.
Magdalena Heinzl Sehr gerne, sehr gerne. Möchtest du anfangen?
Sebastian Ich habe jetzt natürlich gehofft, dass du anfängst, aber gut.
Magdalena Heinzl Bist schon so im Schwung.
Sebastian Ja, also ich bin Sebastian Stix. Ich mache seit 2018 den Podcast BDSM, die Kunst der Unvernunft. Das ist so ein Gesprächsformat. Da rede ich mit Menschen darüber, wie sie ganz persönlich BDSM erleben und ausleben. Es geht also gar nicht so sehr um Praktiken und wie etwas geht, sondern darum, wie das für jemanden ist, wie er dazugekommen ist, wie er sich entwickelt hat, das akzeptieren konnte für sich und ja, wie diese ganze Welt eben ist. und dann gibt es noch ein Live-Format und das ist dann auch noch alle zwei Wochen, also da ist eine ganze Menge los und es gibt ein tolles Publikum, die sich das gerne anhören und ja, liebes Publikum der Kunst und ich bin stolz auf euch und ja, Magdalena, du machst noch viel mehr.
Magdalena Heinzl Also ich freue mich ja riesig, weil das ist eine Zielgruppe, die ich natürlich auch mitbediene. Aber ich bin Magdalena, Magdalena Heinzl von Sexologisch, habe das gegründet in der Pandemie und bin seither ganz viel auf Social Media auch unterwegs und eröffne jetzt bald auch, beziehungsweise vielleicht, wenn die Folge erscheint, ist es sogar schon eröffnet jetzt im Juli, mein Zentrum für sexuelle Bildung. Das heißt, ich bin klinische Sexologin und Sexualpädagogin und habe es mir zum Beruf gemacht, mit Menschen über Sex und Sexualität zu sprechen. Natürlich kommt da auch BDSM und Co. vor, nennen wir es mal so. Also alles und auch mit allen Zielgruppen, also von Kindern, Jugendlichen über Erwachsene, MultiplikatorInnen oder auch im Altenpflegeheim. Auch da kann man noch über Sexualität sprechen, weil du das so so schön gesagt, dass ich bin auch total stolz auf meine Community. Also ich glaube tatsächlich, wir PodcasterInnen, wir werden ja total verloren eigentlich, wenn uns niemand zuhören würde. Also es funktioniert ja nur dadurch, dass Menschen das interessiert und zuhören. Deswegen ein großes Danke an alle, die einschalten immer.
Sebastian Ja, sie hören zu und empfehlen natürlich immer fleißig weiter.
Magdalena Heinzl Schön.
Sebastian Das ist so schön, wir leben hier im Luxus. Okay, wir haben jetzt hier irgendwie Mitte Mai, glaube ich, irgendwie am Mittag und Und die Sonne brät mich hier auch gerade ein wenig und es ist so viel drumherum und so viel Zeugs. Und ja, womit fangen wir an? Also ich würde gerne mehr über Sex erfahren von dir.
Magdalena Heinzl Was willst du da konkret wissen? Da musst du genauer werden.
Sebastian Okay, also ich habe mir überlegt, ich habe da so eine These. Also es gibt ja viele Menschen, die mögen BDSM. Und BDSM, das kann eine sexuelle Neigung sein, das kann aber auch identitätsstiftend sein. Und da rückt die Sexualität vielleicht ein bisschen in den Hintergrund. Wir nennen das ja D/s, also Dominance and Submission und da ist so die Überlegung, Mensch, tritt Sexualität da in den Hintergrund oder brauche ich BDSM, damit Sex mir überhaupt Spaß macht und ich stelle bei mir persönlich fest, ich bin ja selbst BDSMer, was gibt mir Sex eigentlich noch isoliert und habe ich vielleicht verlernt, einfach Sex zu haben, weil ich halt immer dieses ganze Konstrukt drumherum habe und auch genieße. Und ja, da ist jetzt natürlich die Frage, was sagt die Expertin dazu? Vielleicht habe ich mich ja hier selber irgendwie versaut. Ich weiß es nicht.
Magdalena Heinzl Nein, nein, nein. Also versaut hat sich sowieso nie jemand. Als klinische Sexologin habe ich den Vorteil, dass ich nicht so wie manch andere sexualtherapeutische Richtung in irgendwas pathologisieren muss. Das heißt, ich unterscheide nicht in gesund oder krank, sondern wir schauen uns an, was du im Laufe deines Lebens in deiner Sexualität erlernen durftest und was du jetzt einfach anwendest. Und wenn ich, also das ist jetzt natürlich sehr runtergebrochen, da müsste man ganz, ganz tief reingehen, ich will dich aber nicht exposen hier, aber bei ganz vielen Menschen, die BDSM-Praktiken genießen und dieses Szenario würde ich es ja fast nennen, also man inszeniert was, man bereitet sich darauf vor. Das ist ja nichts, was man einfach so mit Schnips sofort hinbekommt. Manchmal vielleicht schon, aber gerade wenn es dann um Kleidung geht, um Räume geht, um Spielsachen und darum, dass man vorher auch ausmacht und vereinbart, was wollen wir denn wie machen. Sachen. Das alles sind ja Dinge, die viele oft nicht bei der Sexualität mit drin haben. Aber das Spannende ist gerade, das finde ich eigentlich cool, wenn die Leute zu mir in die Praxis kommen. Und sie kommen ja eigentlich nur dann, wenn sie was stört. Das heißt, ansonsten ist Sexualität sowieso nie ein Problem. Aber die kommen dann oft und sagen, ich kann zum Beispiel nur noch so, wenn es ein Problem für die Person selbst ist. Das Interessante ist, dass bei den meisten BDSMern Spannung und Körperanspannung und hoher Rhythmus eine große Bedeutung haben. Das heißt, dieses Inszenieren und sich darauf vorbereiten erzeugt natürlich eine gewisse Spannung. Das ist aufregend, das ist mittlerweile nicht mehr ganz so verrucht und verschrien, aber trotzdem in der Mehrheitsgesellschaft immer noch so, oh mein Gott, was machen die da? Und natürlich erzeugt das im Körper Anspannung und diese Anspannung brauchen ganz viele Menschen, um überhaupt zum Orgasmus zu kommen, geschweige denn in eine sexuelle Erregung zu kommen. Das ist sogar der Großteil der Menschen, deswegen findet das auch gerade so Anklang.
Sebastian Wenn du jetzt sagst, der Großteil der Menschen. Also ich habe eine Beobachtung gemacht. Als BDSMer sehe ich überall BDSM-Handlungen und Praktiken. Und dann denke ich mir, Mensch, eigentlich macht doch fast jede Person mehr oder weniger BDSM. Die nennen es nur nicht so, aber irgendwas machen sie in dem Bereich. Und als Nicht-BDSMer habe ich das Gefühl, da ist das so diese Schwelle, oh Gott, was ich mache, könnte BDSM sein. Das möchten die Menschen vielleicht gar nicht so wahrnehmen. Und dann ist das, was sie tun, für sie selbst kein BDSM. Aber ich würde, wenn ich drauf gucke, sagen, oh, das ist definitiv BDSM. Wie siehst du das? Wie ist die Schnittmenge da?
Magdalena Heinzl ich glaube, da gibt es eine große Schnittmenge. So wie du sagst, das ist halt eine Frage der Perspektive. Und das ist wie, das ist jetzt vielleicht nicht ein perfekter Vergleich, aber das sind wie die Menschen, die sich total abgrenzen müssen zu queerer Sexualität oder zu queeren Menschen. Ich bin ja nicht schwul oder so, wenn ich auf Analsex stehe, weil dann würde das das bedeuten, weil es etwas Negatives ist oder als Negatives verwendet wird einfach. Ich finde, das ist auch so eine Sache und beim BDSM gibt es halt auch viele Vorurteile und so, das machen ja nur irgendwie schräge Vögel und das tut man nicht. Oder das andere, das ist ja so Christian Grey und sowas von Fifty Shades of Grey und da gibt es halt nur diese Assoziation dazu, was ja auch viel zu kurz gedacht ist. Aber da kannst du bestimmt mehr erzählen.
Sebastian Ja, über Fifty Shades of Grey rede ich immer so ungern, also,
Magdalena Heinzl Aber das wirst du in jedem scheiß Podcast gefragt, wenn es um BDSM geht, oder?
Sebastian ich habe die Messlatte für so Filme und solche Sachen inzwischen so gelegt, wenn ich mich nicht drüber aufrege, dann bin ich schon relativ zufrieden. Es gibt eine Netflix-Serie, Bonding heißt sie und Staffel 2, die ist genau auf dieser Grenze. Ja, das ist okay. Ich fühle mich da jetzt nicht missverstanden. Es ist natürlich Film und da ist es ein bisschen alles hoch zugespitzt und dramatisiert und keine Ahnung was. Das muss ja auch ein bisschen Effekt sein, das ist okay, aber ist halt schwierig. Wobei, gerade so Sachen wie Fifty Shades haben natürlich den Vorteil, dass sie, naja, Vorteil, also BDSMer empfinden das, was dort passiert, als toxisch. Das widerspricht dem Konsensverständnis, dem wir machen hier etwas Gemeinsames, es soll schön sein, aber für Menschen, die nicht in der Bubble drin sind, die sehen dieses toxische Zeug alles gar nicht. Die finden das vielleicht spannend und anregend und kommen vielleicht so ein bisschen dazu, sich damit zu beschäftigen.
Magdalena Heinzl Und kommen dann drauf, dass das, was sie da gezeigt gekriegt haben, gar nicht der Realität entspricht. Vor allem, wenn es ums Konsensprinzip geht. Das war auch das, was mich so gestört hat an diesem Film. Aber ich war tatsächlich auch nie so ein Riesenfan, interessanterweise. Vielleicht auch einfach, weil ich die Schauspieler nicht so toll gefunden habe. Aber wir wollten uns ja nicht über irgendwas aufregen.
Sebastian Genau. Pass auf, ich bleib nochmal beim Sex hängen. Ich hab hier im Vorfeld überlegt, wann hatte ich das letzte Mal, und ein bisschen schummel ich jetzt, weil ich will ja gar nicht so viel aus meinem Privatleben erzählen, aber so, wann hatte ich das letzte Mal ganz normalen Sex? So ohne BDSM, genau, also ohne BDSM-Elemente.
Magdalena Heinzl Was ist denn normaler Sex? Was ist stinknormaler Sex? Was sind BDSM-Elemente?
Sebastian Und das ist der Punkt.
Magdalena Heinzl Wo fängt das an? Wo fängt das an, ja?
Sebastian Also wenn ich der Meinung bin, ich habe jetzt hier die Macht und ich habe die Kontrolle, dann ist in meinem Kopf schon der Schalter umgelegt. Oder ich fasse ein bisschen fester an. Oder es gibt immer irgendwelche Handlungen, ganz intuitiv, da würde ich ganz klar sagen, das ist jetzt Ausdruck meiner Liebe zu BDSM. Ich sag mal so, der Sex im Sinne von rauf, ein bisschen bewegen, Orgasmus, tada, fertig, einschlafen. Hm, das ist etwas, was für mich persönlich etwas ist, wo ich sage, hm, warum sollte ich das tun? Und ich habe aber das Gefühl, wenn ich deinen Podcast-Folgen so zuhöre, das könnte viel besser sein, irgendwas mache ich und ich sage das mal, ich jetzt für viele BDSM-erInnen, irgendwas machen wir da falsch oder wir erwarten zu viel oder wir brauchen zu viel Spektakel, ich weiß das nicht. Also einfach schöner, ganz simpler, natürlicher Sex. Was ist das überhaupt noch? Gibt's das?
Magdalena Heinzl Gibt es das? Ich glaube, das gibt es nicht als Definition, weil wir ja alle immer glauben, der Sex, der ist so und so in der normalen Welt. Und das stimmt halt einfach überhaupt nicht. Das ist dasselbe wie, ich masturbiere eh normal. Das erzähle ich ganz gern. Ich frage das meine KlientInnen, um irgendwie so ein bisschen rauszufinden, was sie im System etabliert haben, das heißt, was sie gut können, was sie in die Erregung bringt, was sie lustvoll empfinden und da höre ich ganz häufig ja eh normal, aber dieses eh normal ist halt so willkürlich, weil ich dir erzählen kann, dass bestimmt alle anders masturbieren, auch wenn sie glauben, dass es nicht so ist und das ist das Interessante, wenn man das mal hinterfragt. Also ich glaube, es gibt gar kein normal und, also so stinknormaler Sex, so Vanilla-Sex, wie ihr ja immer liebevoll sagt. Oder nicht?
Sebastian Ja, das sagen wir, aber das sagen wir ja wertschätzend.
Magdalena Heinzl Ja eh, sage ich ja, liebevoll, liebevoll.
Sebastian Wobei wir uns, ja, das ist momentan noch so ein Streitthema. Wie nennt man die Menschen, die BDSM nicht mögen? Wir suchen da gerade alle noch so den richtigen Begriff, der einfach passt. Wir wollen natürlich das Wort nicht nicht drin haben. Aber ich nehme mal die Challenge. Ich versuche Sex zu haben ohne BDSM-Elemente. Vielleicht fehlt mir einfach die Fantasie. Was kann ich da tun? Also, du merkst, ich versuche, dich so ein bisschen aus dir rauszukitzeln. Wenn ich mir vorstelle, Menschen, die einfach mit BDSM nix am Hut haben, auch im Kopf, die da sagen, ach, diese Fantasien, das lehne ich eher ab. Wie hat man einfach schönen Sex? Was ist da auf jeden Fall Bestandteil oder was auch gerade nicht?
Magdalena Heinzl wird immer schwieriger, weil gerade wenn es um das Thema Fantasie geht, ich glaube, dass fast alle Menschen Fantasien haben in irgendeiner Art und Weise und ich würde auch sagen, dass Leute, die vermeintlich stinknormalen Sex haben, oft ganz andere Fantasien im Kopf ablaufen haben, um in die Erregung zu kommen.
Sebastian Es tut mir leid.
Magdalena Heinzl Ist das dann schon BDSM, wenn ich mir im Kopf vorstelle, dass mein Partner oder vielleicht auch eine ganz fremde Person mich gerade richtig hart rannimmt oder ich eigentlich gerade einen Dreier habe? Also ist das dann schon BDSM oder nicht, wenn ich die Fantasie in diese Richtung habe oder nicht?
Sebastian Würdest du sagen, dass fast alle Menschen solche Fantasien haben?
Magdalena Heinzl Der Großteil. Also es gibt keine erwiesenen Studien, aber ich erzähle jetzt einfach aus meiner Praxis und da kriege ich ja doch vieles mit. Und der Großteil der Menschen braucht einen hohen Muskeltonus, viel Anspannung und einen hohen Rhythmus, um überhaupt in die Erregung und dann zum Orgasmus zu kommen. Und wir stellen uns in den Filmen aber immer einen Sex vor, der leidenschaftlich ist, der lange dauert. Und das schließt sich jetzt alles nicht aus. Ich nenne jetzt mal die Stereotype, wo ganz viel geatmet und gestöhnt wird. Und die fast tanzen beim Sex, weil sie sich, also die bewegen sich ja so rund und so alles. Das ist so ein bisschen das Bild, was wir oft so romantisiert dargestellt bekommen. Und bei vielen ist es halt, aber trotzdem, wenn man sich so auch Mainstream-Pornos anschaut, klassischer Rammelsex, wo es viel um Körperspannung geht, viel um schnelle Rhythmen, um diese Stoßen und auch, natürlich, wenn ich so ein Spannungsmensch bin und sage, boah, ja, ich brauche diese Körperspannung, dann inszeniere ich gern rundherum. Dann inszeniere ich, boah, ich fände es geil, wenn du Dirty Talk machst. Oder es erregt mich, wenn ich hier an der Halskehle quasi so ein bisschen gewürgt werde. Oft muss es ja gar nicht fest sein, aber alleine dieses zu spüren, okay, da wird es enger, macht eine Anspannung im Körper. Das ist so ein Reflex. Und wir Sexologen sagen oft, dass wenn ich viel inszenieren muss von außen, dann habe ich vielleicht nicht eine so ganz so große Wahrnehmung. Weil Leute, die total gut bei sich sein können, und das ist ja die große Krux, wir wollen bei uns selber sein und uns selber gut spüren können und gleichzeitig in Kontakt mit jemand anderem sein. Und da scheitert es ja ganz oft. Also wann schaffen wir denn diese Brücke tatsächlich richtig gut, sodass wir sagen, boah, ja, ich war voll bei mir, aber auch voll bei der anderen. Das war so richtig Connection pur. Das ist ja auch utopisch irgendwie. Aber das heißt, wenn man mehr schaut, was macht mein Körper gerade und mehr bei der Wahrnehmung auch bei sich selber bleibt, kann es sein, dass man nicht mehr so viel von außen inszenieren muss. Und da meine ich jetzt bitte nicht nur BDSM, sondern Verliebtheit ist in Wahrheit auch eine Inszenierung im Außen, weil da sind dann halt die Hormone und alle so, oh mein Gott, ich kenne die Person nicht und wie riecht die und wie sieht die aus und was macht die? Das ist ja auch aufregend. Also jeder nutzt dann halt andere Tools, um diese Aufregung im Außen irgendwie zu kreieren, weil man merkt, boah, das wirkt super auf meine Lust. Das bringt mich total in die Erregung, bringt mich in die Lust und bam, fetzt. Und deswegen sind ganz viele in Langzeitbeziehungen zum Beispiel irgendwie so weniger Lust. Das liegt ganz häufig nicht daran, dass man die andere Person nicht mehr attraktiv findet oder so, sondern irgendwann kennt man sich, man kennt die Person, man weiß, wie die riecht, man weiß, wie die Person sich bewegt und dann versucht man was Neues, weil unser Hirn halt wieder Spannung und Aufregung will. So, jetzt ganz, ganz simpel runtergebrochen. Mein Lehrer wird mich vermutlich jetzt schimpfen, weil ich so vereinfacht gesagt habe, aber es ist so ein komplexes Modell, dieses Sexocorporel und schaut einfach wirklich auf diese ganz, ganz, ganz individuelle Sexualität von jedem Menschen. Aber vielleicht hat es bei dir ja jetzt schon ein paar Fragen eröffnet. Ich nehme an.
Sebastian Ja, Fragen. Fragen habe ich immer. Also ich überlege gerade, wenn ich BDSM genug ausweite von der Definition her, dann kann ich alle Menschen, fast alle Menschen einschließen. Das funktioniert dann schon irgendwie. Ein bisschen Macht und Ohnmacht vielleicht. Und es ist vielleicht auch mal ein bisschen unangenehm. Und in dem Moment, wo ich da reingehe, ich könnte die Definition soweit ausweiten und dann bin ich selber auch eine Person, die Sex hat wie jeder andere auch. Nur, dass ich natürlich dann noch ein paar Tools habe, die heißen dann ein bisschen mehr BDSM und dann kann ich natürlich spannende Dinge noch drum herum machen. Du hast gesagt Inszenierung. Das finde ich tatsächlich spannend, weil wo fängt denn überhaupt Sex an? Also Sex kann natürlich sein, klar, man vögelt miteinander, ganz simpel. Aber wo beginnt für dich als Sexologin das sexuelle Miteinander?
Magdalena Heinzl Also als Sexologin würde ich alles als Sex definieren, wo eine genitale Erregung zu spüren ist. Da geht es nicht um eine Erektion, sondern um dieses Erregungsgefühl, dieses Kribbeln, dieses ich habe so richtig Bock. Das braucht es. Das wäre für mich alles Sex. Das heißt, das kann ich wunderbar alleine haben, das kann ich in Situationen haben, wo ich überhaupt keine Erektion habe, also keine körperliche Reaktion darauf, sondern nur dieses Spüren, dieses boah, jetzt wäre es geil. Das ist für mich alles Sex. Und ich weiß, da würden jetzt vermutlich viele einen Schuh werfen, so, das gibt es ja nicht, weil dann habe ich ja in Wahrheit auch Sex, wenn ich die Nackte auf Seite 5 in der Kronenzeitung anschaue oder so.
Sebastian Finde ich spannend, weil das heißt, ich versuche als BDSM auslebende Person, versuche ich ja diese Spannung auch mit in den Alltag zu nehmen. Es gibt ja das Konstrukt von D/s, ich erkläre es jetzt ein bisschen genauer, weil ich nicht weiß, wie weit du dein Publikum schon vorgebrieft hast.
Magdalena Heinzl Gerne, gerne, gerne.
Sebastian Also dieses, dass ich diese Rituale, Regeln im Alltag etabliere und damit versuche, so eine Grundspannung immer aufrechtzuerhalten. Das heißt, das ist aus seiner Sicht eine sexuelle Inszenierung.
Magdalena Heinzl Ja, natürlich. Also auch wenn ich gewisse Regeln mir ausmache, natürlich. Weil ich weiß ja, worauf es dann, auch wenn das erst in zwei, drei, vier, fünf Tagen ist, hinauslaufen wird. Also das macht es ja noch spannender, wenn sich das so aufbaut, wenn ich weiß, das gehört eigentlich schon zum Spiel und das ist quasi schon mit drin. Also, allein wenn ich da zuhöre und mir das vorstelle, ist das Aufregung pur. Ich
Sebastian Ja, wir geben alle dann immer unser Bestes und manchmal ist es ganz schwierig oder man will zu viel, man muss viel experimentieren und ausprobieren. Ich mag es mal umdrehen. Gibt es was, wo du sagst, Mensch, das ist an BDSM etwas, was ich vielleicht ein bisschen erläutern kann?
Magdalena Heinzl finde das eh spannend, weil was ist denn BDSM? Weil immer wenn ich Leute frage, die BDSM praktizieren und sagen, sie gehören da dazu, sagen viele so, na, ich will das jetzt nicht definieren für die Community, weil das so individuell ist und ich will auch nicht, dass mir da jemand dann irgendwie eine schlechte Rückmeldung gibt. Was erzählst du da? So ist es ja gar nicht. Hast du denn eine Definition? Was ist alles BDSM?
Sebastian Boah, also der Podcast hat so einen Slogan, den habe ich schon lange nicht mehr gesagt. Ich sage immer, BDSM ist absolut unvernünftig, macht aber unglaublich viel Spaß. Und gerade diese Unvernunft dabei, also ich tue Dinge, die jetzt auf den ersten Blick vielleicht nicht notwendig sind oder die dort nicht unbedingt einen Sinn ergeben, aber sie machen mir irgendwie Spaß und Freude und entzünden ein Feuer in einem. Ich glaube, das würde ich so als grundsätzliche Definition hernehmen und wenn ich dann sagen muss, wann fängt BDSM an, dann glaube ich, dann habe ich entweder dieses Machtverhältnis auf der einen Seite, ich sage, du tust, wenn das beiden Spaß macht, wunderbar. Oder es kann auch einfach sein, dass man Situationen herbeiführt mit Gerätschaften und Fesseln und Sex und mit körperlichen Reizen wie ein Nadelrad, Strom, alles mögliche. Also es geht dann darum, einfach Extremsituationen zu erleben und vielleicht dieses Gefühl zu haben, was man nach einem Marathon hat. Man ist völlig K.O., es geht einem irgendwie nicht so richtig gut, aber man ist sehr, sehr glücklich. Aber man muss ja auch keinen Marathon laufen.
Magdalena Heinzl Adrenalin kickt.
Sebastian Genau, also dass man das vielleicht so ein bisschen forciert, dass man, ja genau, diesen Adrenalinschub tatsächlich dann auch erleben kann.
Magdalena Heinzl Ja, aber ich finde, das ist ein guter Vergleich mit dem Sport, weil unser Körper lernt ja nach Konditionierungen. Das heißt, wenn wir Dinge als etwas Lustvolles erleben und uns denken, weil wir dann dieses Adrenalin, diese Ausschüttung danach haben, Das ist ja fast wie bei Drogen. Das gibt es natürlich in der Sexualität auch. Aber natürlich auch alleine beim Verliebtsein. Alleine da werden so viele Hormone ausgeschüttet. Oh mein Gott, das kickt natürlich. Und da gibt es natürlich auch Leute, das habe ich auch manchmal, dass Menschen zu mir in die Praxis kommen und sagen, boah, ich kann eigentlich nur noch einmal mit einer Person Sex haben, weil danach ist die für mich uninteressant. Ich finde das Spannende, das zu inszenieren, jemanden neuen kennenzulernen, zu schauen, schaffe ich es, die Person für mich zu gewinnen, zu umgarnen und wenn es dann funktioniert, dann geht es einmal und danach verliere ich total die Lust und das Interesse, also das ist, ja, und das ist für die Leute dann oft auch schwierig, ne, also der ist halt damals zu mir gekommen, weil er gesagt hat, er findet es ganz schrecklich, weil er keine Beziehung führen kann, aber eigentlich gerne eine möchte oder mal zumindest was, was länger als eine Woche geht.
Sebastian Was kannst du da sagen? Ja, das muss die Person ja frustrieren, aber was kannst du da raten oder wie kannst du der Person helfen?
Magdalena Heinzl Ja, das ist eine Person, die in ihrem sexuellen System etabliert hat. Ich brauche eine hohe Inszenierung von außen. Ich brauche eine ganz hohe Spannung. Das heißt, ich arbeite ganz viel mit dem Körper und mit Wahrnehmungsübungen und Körperübungen, viel mit der Atmung. Vielleicht hat jemand von euch schon mal vom Mischpult der Sexualität gehört, meine Community auf jeden Fall. Da geht es um Tonus, Rhythmus, Atmung und Bewegung und das sind quasi so die Tools, die uns der Körper zur Verfügung stellt, um uns zu gestalten, im Alltag als auch in der Sexualität. Und dieses Mischpult-Prinzip, das ich, muss ich kurz nennen, habe ich am ISB in Wien gelernt in der Ausbildung von Wolfgang Kostenwein, der sagt, wenn du super flexibel auf jedem dieser Mischpult-Teile bist, dann könntest du theoretisch mit jedem Menschen auf dieser Welt phänomenal geilen Sex haben. Ja, das heißt, es geht eigentlich immer nicht, also das ist das Schöne, es geht nicht darum, etwas zu verlernen oder umzulernen, sondern es geht immer darum, zu erweitern, damit du noch autonomer in deiner Sexualität wirst. Das ist wie, wenn ich einen ganz bestimmten Fetisch habe, zum Beispiel die roten Gummistiefel und ich sage, ja geil, wenn die andere Person die roten Gummistiefel anhat, dann geht der Sex richtig gut und das finde ich so scharf, dass es einfach, bam, das pfeift. Blöd ist halt nur, wenn die andere Person sagt, boah, ich hätte eigentlich auch gern mal ohne rote Gummistiefel Sex. Geht das dann noch oder geht das nicht? Und wenn das nicht mehr geht, dann kommen sie oft, weil es so eingeschränkt ist, wenn sie sagen, boah, scheiße, dann bin ich nicht mehr autonom. Ich bin abhängig von diesen roten Gummistiefeln und von einer Person, die die anzieht für mich. Und viele Menschen wollen halt einfach auch autonom in ihrer Lust sein, dass ich bewusst sagen kann, okay, ich weiß, dieses Bewusstsein, so, ich rede mich um Kopf und Kragen, weil es einfach so,
Sebastian Ja, sprich, ich höre dir zu, ganz gespannt, finde ich wunderbar. Jetzt
Magdalena Heinzl du eh wieder in die Autonomie kommen willst eben, dann ist es notwendig, dass du auch schaust, dass du nicht abhängig bist von solchen Sachen. Dass das zwar nett ist, wenn das jemand anzieht und du dir denkst, geil, ja, also pfeift ordentlich, aber dass du diese Dinge, die im Unbewussten passieren, bevor du in eine Erregung kommst, ja, die Dinge passieren ja automatisch und deswegen gibt es ja auch diese Sprüche wie, ja gut, der Sex fällt vom Himmel und wenn es halt nicht klappt, dann stimmt was in der Beziehung nicht oder so. Das ist alles Blödsinn, das ist natürlich gelernt und je flexibler wir sind, umso autonomer können wir unsere Lust gestalten. Dadurch, dass aber so viel unbewusst abläuft, haben wir meistens keinen direkten Zugriff drauf, was unsere Autonomie natürlich wieder einschränkt. Das heißt, ich schaue oder versuche, Dinge, die im Unterbewussten ablaufen, ins Bewusstsein zu holen, damit ich aktiv selber weiß, ah, ich könnte ja, um in die Lust zu kommen, mit meiner Atmung was anderes machen. Oder was macht mein Körper sonst noch, wenn er kurz vor der Erregung, wie kommt er gut in eine Erregung, in so ein Erregungsgefühl? Was brauche ich persönlich, damit das bei mir gut klappt und damit sich das richtig nice anfühlt?
Sebastian kommen wir aber langsam Richtung Konsens, denn nur weil ich weiß, was ich brauche, heißt das ja nicht, dass mir mein Partner das auch geben kann. Und eine der erfolgreichsten Live-Folgen, die ich gemacht habe in den letzten Monaten, ist, wenn BDSM nicht gelebt werden kann, weil zum Beispiel der Partner, die Partnerin das ablehnt. Und ich glaube, das bezieht sich nicht nur auf BDSM, sondern das ist einfach generell, wo Menschen miteinander sexuell interagieren wollen, dass sie sich irgendwie einigen müssen und die Frage ist einfach, die Bedürfnisse der einen Person wiegen die schwerer als das, ich sag mal, Nichtbedürfnis der anderen Person. Und da wird es für mich total schwierig, weil ich habe dafür nie eine Lösung finden können, weil man kann ja nicht einfordern, los, mach jetzt BDSM mit mir. Man kann aber auch nicht einfordern, los, mach Sex mit mir. Aus deiner Sicht, ohne jetzt BDSM-Bezug zu haben, wie geht man damit um, wenn bei zwei Menschen die Bedürfnisse jetzt auf den ersten Blick nicht kompatibel sind?
Magdalena Heinzl Das ist ja glaube ich die große Frage oder das ist das, was ja Menschen die miteinander sexuell interagieren auch immer wieder einfach beschäftigt Ja genau, der heilige Gral
Sebastian das ist so der Stein der Weisen. Wenn wir dafür jetzt die Lösung finden, dann ja.
Magdalena Heinzl Boah, du stellst jetzt lauter Fragen, die mich total ans Limit bringen muss ich ehrlich sagen, aber finde ich geil
Sebastian Ich habe die Chance und die Gelegenheit heute. Und das sind Sachen, die mich wirklich beschäftigen.
Magdalena Heinzl Yes
Sebastian Weil ja, was kann man machen? Man kann ja nicht einfach sagen, du musst das jetzt aber wollen, weil es ist ja mein Bedürfnis und meine Bedürfnisse sind wichtig. Und wir sprechen ja immer darüber, dass die eigenen Bedürfnisse so wichtig sind.
Magdalena Heinzl Ja, ich glaube auch das ist nichts, was man ausverhandeln kann Also ich glaube, da gibt es keinen richtig guten Kompromiss.
Sebastian Was machen wir denn da?
Magdalena Heinzl Also kann man vielleicht finden manchmal, aber ich glaube nicht, dass das was ist, was so in der klassischen Paartherapie abgehandelt wird. So du lässt deine Socken immer am Boden liegen, ja und du machst das oder so. Das bin ich auch nicht vom Typ her, sondern ich schaue halt wirklich, dass beide wieder in ihre Autonomie kommen. Das heißt, wenn eine Person zum Beispiel sagt, ich habe weniger Lust, aber mein Partner oder meine Partnerin möchte halt öfter Sex als ich, dann könnte man schauen, ja, ist es dir auch ein Bedürfnis, wieder mehr Lust zu haben oder autonomer in deiner Lust zu sein, dass du sagen kannst, okay, ich weiß, was ich tun muss, um mich in Stimmung zu bringen, da brauche ich niemand anderen dazu und ich möchte das. Oder ich möchte generell mein Leben lustvoll erleben. Also das Thema Lust ist ja ganz häufig bei mir Thema in der Praxis, wie du hörst. Und dann arbeite ich mit der Person und zwar genau mit diesem Mischpult. Das heißt, wir schauen, was macht dein Körper, wenn du in die Lust kommst? Was macht deine Atmung? Wie hoch ist deine Anspannung oder auch Entspannung im Körper? Weil manche brauchen ja eine bewusste Entspannung, um überhaupt in die Lust zu kommen und andere aber wiederum eine ganz hohe Spannung. Also bei denen ist es am allerbesten, wenn es super stressig ist, sie eigentlich null Zeit haben für irgendwas und dann der Quickie zwischendurch, das gibt mir quasi den Kick. Da sind wir halt alle auch wieder unterschiedlich und das muss man mal rausfinden. Worauf springe ich an? Und das kann man mit beiden einzeln machen. Ich bin auch kein Fan, dass man sich alles erzählen muss in einer Beziehung. Also ich finde auch gerade Fantasien sind manchmal, gerade wenn man sagt, ich möchte die eigentlich gar nicht ausleben in Realität, aber ich weiß, sie wirken auf meinen Körper brauchbar und ich finde, man muss sich das auch nicht erzählen. Kann sein, wenn man möchte, aber ich finde, man darf auch Geheimnisse haben in Beziehungen, auch wenn mich dafür jetzt wieder manche shamen.
Sebastian ist doch Betrug, wenn man an was anderes denkt währenddessen.
Magdalena Heinzl Ja, das sagen manche, sehe ich anders, weil manchmal funktionieren halt Fantasien oder diese Bilder im Kopf oder natürlich auch Pornos, also auch wenn ich es visuell anschaue oder so Romane, also so Erotik-Romane, was ich dann auch immer lese oder anschaue oder mir vorstelle im Kopf, das wirkt auf meinen Körper und löst dann in meinem Körper bestenfalls einen Modus aus, in dem ich mich wohlfühle. Weil ich schaue mir eine Pornokategorie an, weil meinem besten Freund die total gefällt und merke so, boah, das macht bei mir überhaupt nichts. Das ist sogar eher ein totaler Abtörner, ja. Wir wählen Pornos ja nicht einfach wahllos aus, sondern unser Interesse an Pornos oder Fantasien richtet sich immer nach dem, was wir auf körperlicher Ebene etabliert haben. Das heißt, wir suchen uns jetzt Bilder, Texte, Geschichten, Szenarien, die unser körperliches System bedienen, ja. die das positiv beeinflussen, damit wir schneller in die Erregung kommen. Und wenn ich Standardeinstellungen auf meinem Mischpult habe, oder nennen wir es Lieblingseinstellungen, hohe Spannung, hoher Rhythmus, wenig Atmung, vielleicht sogar Luft anhalten und wenig Bewegung, dann werde ich mir irgendwas suchen, wo entweder ein krasses Tabu drauf ist, darum gibt es halt gerade auch so viele Stepdad und Stepmom-Pornos oder diese MILF-Pornos, wo du eigentlich weißt, das sollte ich nicht tun, aber gleichzeitig so, oh mein Gott, oder auch BDSM wirkt da, Oder diese Gangbang-Sachen oder diese Vergewaltigungsfantasien quasi. Das löst eine superhohe Anspannung aus und wirkt deswegen auf die Erregung. Und im Kopf, also wir bewerten das ja, wir Menschen sind ja irgendwie so doof und bewerten das immer selber und sagen, boah, ich bin eigentlich so eine Feministin, aber wenn ich Pornos gucke, dann finde ich halt die Vergewaltigungspornos am geilsten. Das erregt mich total und gleichzeitig fühle ich mich schlecht, weil ich merke, das löst was aus in mir. Und das hat aber nichts damit zu tun, dass du irgendwas moralisch Verwerfliches machst. Nein, du suchst dir einfach Bilder aus, unbewusst, die dein Erregungssystem bedienen. Und wenn du das verstanden hast, dann können wir an die ganze Sache schamloser rangehen.
Sebastian Okay, jetzt ist das natürlich sehr egozentrisch. Wie gesagt, ich habe mir so ein paar Dinge vorher überlegt. Ich behaupte jetzt einfach mal was ganz fürchterliches und darf es dann mir bitte widersprechen. Also Sexualität ist erstmal sehr egoistisch. Ich möchte genießen, ich möchte Erregung, vielleicht möchte ich sogar einen Orgasmus und ich möchte ein Szenario erleben und ich möchte mich danach gut fühlen. Jetzt habe ich aber die Menschen, die BDSM machen und vielleicht habe ich eine Person, die ganz submissiv ist und ganz viel Spaß daran hat, dass sie auch nicht sexuell dient, zur Verfügung steht, Dienste erbringt, Kaffee bringt zum Beispiel. Also der das einfach Spaß macht und das ist ja dann total altruistisch und das kann ich auch dann total romantisieren, da kann ich machen, was ich will als Top, da ist ein Mensch, der genießt das dann einfach, wenn ich halt mein Kram mache und dann gelegentlich die Person mal benutze und da entsteht dann ganz viel. Aber das widerspricht natürlich dann aus meiner Perspektive total diesem Anspruch von, die Person will ja auch für sich selbst diese Erregung haben. Gibt es das überhaupt oder ist da immer die Erregung mit drin, auch wenn sie jetzt vielleicht nicht gezeigt und ausgelebt wird?
Magdalena Heinzl Die Erregung ist ja trotzdem mit drinnen, ja. Sonst würden sich die Personen auf solche Spiele nicht einlassen oder selbst wenn sie sich darauf einlassen, würden sie früher oder später sagen, das macht keinen Spaß. Wir haben das Spiel gespielt, aber es macht mir keinen Spaß. Ich möchte jetzt auch mal oder so.
Sebastian Okay, also das Bild des selbstlosen Sklaven, das gibt es halt nur in Geschichten offenbar dann.
Magdalena Heinzl Ja, ja, ich glaube, das ist schon auch was wieder mit unserer moralischen Haltung. Vielleicht ist das auch ein ganz hoher Wert in unserem Wertesystem, weißt du, dass man dieses Gebende und ich gebe dir und ich habe unbegrenzt Ressourcen zur Verfügung, nimm mich und mach, ich erfreue mich dann. Und das ist es ja nicht, das löst nämlich dann die Erregung aus, auch bei vielen. Die sind so heterozentriert, also zentriert auf die andere Person, dass sie sich an dem erregen, wenn es der anderen Person gefällt und wenn sie merken, oh ja, das löst da drüben was aus. Und das ist, sage ich mal, der Großteil der Leute. Und ist total fokussiert darauf, gefällt es der anderen Person. Nicht umsonst haben wir so eine hohe Orgasmuszentrierung, weil wenn die andere Person Orgasmus hat, dann wirkt es ja wieder auf mich zurück. Ich denke mir, geil, ich bin richtig gut im Bett, super. Und das beflügelt dann meine Erregung wieder so, yes. Also das hat oft eher mit sowas zu tun.
Sebastian Also so eine Win-Win-Situation, ne?
Magdalena Heinzl Ja, genau. Für manche ist das eine Win-Win-Situation, aber es gibt auch tausend Gründe, warum Menschen miteinander Sex haben oder sexuelle Handlungen oder generell auch Beziehungen eingehen, in welcher Form auch immer.
Sebastian Ja, ausschließlich zum Kinderkriegen.
Magdalena Heinzl Manche tatsächlich. Tatsächlich ist für manche Sexualität ein reines Mittel, um Nachwuchs zu kriegen. Und das sind dann Leute, die natürlich in ein totales Loch fallen, gefühlt sexuell. Oder meistens ist das eh nur eine Person und die andere Person, die eigentlich weiterhin gerne Sex gehabt hätte, auch wenn das Kind da ist oder wenn man schwanger ist, ist dann oft total traurig oder versteht die Welt nicht mehr, warum jetzt auf einmal die andere Person gar keine Lust hat. Aber es gibt tatsächlich Menschen, die diese Lust nur aus dem Grund haben, weil sie sich vorpflanzen wollen. Das ist jetzt nicht der Großteil, aber das gibt es.
Sebastian Ja gut, es soll ja alles geben und das ist ja auch in Ordnung, wenn das dann in der Beziehung funktioniert.
Magdalena Heinzl Ja,
Sebastian Ich glaube, da ist mal der Haken, man ist da meistens nicht allein. Nein. Gibt es denn BDSM-Praktiken, wo du sagst, nee, oder das überschreitet eine Grenze? Also wo siehst du es kritisch? Das würde mich mal interessieren, weil das sagt mir in meinem Podcast nämlich niemand.
Magdalena Heinzl Ja, naja, ich persönlich, das ist jetzt wieder eine persönliche Meinung, ich persönlich finde halt Praktiken schwierig oder bin da mit mir selber noch nicht auf den grünen Zweig gekommen, wo Lebensgefahr drin steckt oder so ein Potenzial von, da könnte jemand dabei sterben. Ich meine, man kann auch rausgehen vor die Haustür, über die Straße gehen und überfahren werden, ich weiß. Aber so Praktiken wie Waterboarding zum Beispiel, das sind jetzt natürlich so krasse Sachen. Da denke ich mir schon manchmal, ja, aber das ist was Persönliches, weil wenn die beiden Menschen das miteinander ausmachen und dann kommt jetzt jemand, der Jurist oder Juristin ist und sagt, na, aber das ist ja vom Gesetz her, auch wenn die das konsensuell machen, nicht erlaubt und so. Also das finde ich schwierig, aber auch gleichzeitig interessant. Also so Praktiken, wo es wirklich so an die Substanz geht. Aber wie siehst du das? Ich höre ja irgendwie immer nur von diesen ganz, ganz krassen Sachen oder von diesen Sachen, die man eh weiß. Aber BDSM ist ja so viel mehr.
Sebastian Ja, also hast schon recht. Also in dem Moment, wo Lebensgefahr mitspielt, das ist dann auch, ich sag mal, für sehr, sehr, sehr viele Menschen einfach eine Grenze, da wollen sie nicht hin. Natürlich kann ich die Schwelle, wo es besteht jetzt Lebensgefahr, die kann ich natürlich immer weiter senken. Also ich kann zum Beispiel sagen, Mensch, wenn ich eine Praktik, dass ich mit Nadeln unter die Haut gehe, mit so Kanülen, ganz leicht nur unter die Haut und wieder raus. Theoretisch kann natürlich sich das entzünden, man hat eine Blutvergiftung, es wird alles, die Person stirbt am Ende. Oder wenn ich mit Seilen was mache, dann kann ich theoretisch eine Embolie verursachen, wenn ich da Blut abschnüre, die Person stirbt. Also im Zweifel kann ich natürlich alles als Ursache für irgendeinen Ungemach herbeisehen. Ich glaube aber, dass die BDSM-Community und auch gerade in den letzten Jahren sehr viel da rein investiert hat, zu gucken, dass das irgendwie safe ist. Also ja, ich kann krasse Sachen machen, aber ich will natürlich nicht mein Leben verlieren dabei und ich will auch keine bleibenden Schäden haben. Und nicht umsonst gibt es ja unfassbar viele Kurse für Shibari, also Fesseln, Bondage mit Seilen, wo es darum geht, wie kriege ich das hin, dass ich eben keinen Nerven irgendwie abdrücke und sei es nur am Handgelenk, damit ich eben keine Fallhand habe und im Zweifel einen bleibenden körperlichen Schaden. Und da ist ist Wissensvermittlung, glaube ich, ganz viel dabei und früher waren halt so die Basissachen, man schlägt nicht auf die Niere. Es ist klar, wer das einmal gemacht hat und sei es versehentlich, der weiß, das tut man nicht und das will man nicht und das sollte man niemals tun, aber inzwischen geht das, glaube ich, viel, viel weiter und da ist viel mehr Bildung auch angekommen. Was mache ich, wie mache ich das und auch nicht nur körperliche Unversehrtheit, sondern auch psychische Unversehrtheit, Und damit ich eben nicht versehentlich zu dem Sadisten und Egomanen werde, der mein Gegenüber psychisch über Jahre kaputt spielt, kaputt macht. Und dann habe ich zwar gedacht, ich mache BDSM, aber im Grunde habe ich dann einfach wirklich einen Schaden angerichtet, der vielleicht auch gar nicht mehr rückgängig zu machen ist. Ich glaube, das wollen, ich sage jetzt mal, alle vermeiden. Man will ja mit einer Person auch nochmal spielen. Das ist halt schwierig, aber es gibt natürlich diese Praktiken, die wirklich extremer sind und wo man von außen auch sagt, um Gottes Willen, das kann ich mir für mich selber auch echt nicht vorstellen, wobei ich persönlich sagen muss, da sind eher so die Psychosachen, bei denen ich dann sage, oh, das ist mir aber zu heftig.
Magdalena Heinzl Zum Beispiel.
Sebastian Ah, okay, also wo wird's schwierig? Also schwierig wird's, wenn man dann anfängt, das geht natürlich immer von der oben spielenden Person aus, zu sagen, okay, wir machen jetzt hier Regeln, wir sagen jetzt, okay, meine Sub, die verlässt das Haus nicht und die lebt da und hat ganz viele Regeln und so ganz so endgültige Szenarien, wo mein Gefühl mir einfach sagt, ja das kann für den Urlaub mal toll sein, das kann aber auf Dauer, kann ich mir das nicht vorstellen, weil da wird eine Person in ihrem Leben, in ihrer Entfaltung auch beruflich und außerhalb und Freundeskreis eingeschränkt und gehemmt. Und da habe ich persönlich eine Hemmung, wo ich sage, wenn BDSM verhindert, dass ich soziale Kontakte habe, dass ich mich in meinem Leben entfalte, dann weiß ich nicht, ob das für mich eine persönliche Grenze überschreitet, wo ich auch nicht mehr weggucken mag. Weil da ist immer noch dieser Punkt, es soll ja dann zumindest hinterher Spaß gemacht haben.
Magdalena Heinzl und
Sebastian nicht schlimm, wenn meine Sub während des Spiels das total fürchterlich findet und nicht mehr will, dass ich weitermache und es ist doof und blöd und wir kennen uns aber so lange schon, dass ich sagen kann, ich kann darauf vertrauen, am nächsten Morgen wird sie tanzen durch die Gegend trällern und das gut finden. Und solange ich das weiß, dass das diesen positiven Aspekt hat, solange kann ich auch mit meinem Gewissen vereinbaren, dass ich wirklich bösartige Dinge getan habe. Ja,
Magdalena Heinzl solange das auch konsensuell stattfindet, also das ist ja was, das haben finde ich die BDSMler viel mehr drauf, als die, die sich nicht zu dieser Gruppe zählen, über Konsens sprechen mit Safeword und Co. Ich finde schon, dass es bei euch viel, viel, viel etablierter ist als beim Rest.
Sebastian ich glaube, das ist auch lebensnotwendig für uns, dass wir einfach, wir müssen halt schon, was festlegen, ein Safeword, das muss man nicht haben, das kann man haben, ich finde sogar, das birgt ein paar Gefahren, die nicht ganz einfach sind, aber diesen Konsens herstellen, der muss ja nicht im Detail sein. Ja, heute machen wir das und dann machen wir 25 mal mit der Gerte auf dem Popo, sondern einfach auch einfach miteinander kommunizieren und herausfinden, was möchte mein Gegenüber, was möchte es nicht und was möchte mein Gegenüber vielleicht mal erfahren und ausprobieren und es ist nicht unbedingt das Ziel, dass es währenddessen toll sein muss. Aber da ist auch mal die Frage, in was willige ich da ein, weiß ich überhaupt, in was ich da einwillige. Und das gilt, glaube ich, auch für die passive Person, denn die überfordert manchmal, glaube ich, auch die oben spielende Person mit ihren Wünschen und sagt, hier, ich will aber, dass du das mit mir tust und zieh das durch und da, da, da, da, da. und dann hat man manchmal auch diesen Topdrop, also dass die oben spielende Person, die ja eigentlich die Macht hat, dann ja auch dann die Wünsche erfüllen möchte oder auch was bieten möchte. Und ich glaube, das wird sehr oft vergessen, dass man auch sagen muss, beide können in dieses Loch fallen und einfach die Situation kann sich ändern und beide können hinterher schlecht drauf sein und brauchen dann Liebe und Zuwendung. Und das geht wirklich in beide Richtungen. Das geht aber ganz oft unter, wie ich finde.
Magdalena Heinzl Ja, voll. Alleine, dass du jetzt sagst, es darf auch währenddessen mal doof sein. Also, das denkt ja niemand, weil die meisten wollen ja, wenn sie Sex haben, dann muss das so richtig geil sein, dann muss das die Erfüllung schlechthin sein, oder? Also dann, wenn, dann will ich alles und das volle Programm.
Sebastian Oh, wie stehst du dazu? Ein Paar verabredet, sie haben Sex, aber wenn die beiden Sex haben, dann hat eine Person keinen Orgasmus. Den kann sie später haben, aber während des Sexes nicht. Das ist ja eigentlich exakt das Gegenteil von dem, was deine Klienten sich wünschen. Weil die möchten ja eigentlich, glaube ich jetzt zumindest, idealerweise den gemeinsamen Höhepunkt erleben in voller Eintracht.
Magdalena Heinzl Oft, ja, oft, sehr oft. Am besten sogar zeitgleich. Vielleicht.
Sebastian Genau, und jetzt stell dir vor, jetzt sagt jemand, nein, wir wollen genau das nicht. Wir machen genau aktiv das nicht. Im Gegenteil, eine Person muss sogar versuchen, diesen Orgasmus irgendwie zu unterdrücken während des Sex. Kannst du dir das vorstellen? Kannst du das nachvollziehen?
Magdalena Heinzl Naja, es lässt sich sexologisch schon nachvollziehen. Ich für mich persönlich denke mir so, ach, das wäre aber schade.
Sebastian Ja, es ist halt so ein bisschen die Ungeheuerlichkeit. Man könnte, und das wäre jetzt total einfach, aber man muss sich körperlich dagegen stemmen.
Magdalena Heinzl Und das wiederum löst die Spannung aus und macht es noch geiler. Ja, verstehe ich. Kann ich nachvollziehen. Also macht ja Sinn, finde ich, für das System auch wieder.
Sebastian Braucht es den Orgasmus, damit es gut gewesen ist?
Magdalena Heinzl Nee. Es gibt ja auch richtig tollen Sex ohne Orgasmus. Das Spannende ist ja, ein Orgasmus, wir Sexologen unterscheiden ja auch da wieder zwischen orgasmischer und orgastischer Entladung. Das heißt, das eine ist die rein körperliche Entladung auf körperlicher Ebene. Die kann ich ja schnell mal haben, die habe ich auch beim Masturbieren mal schnell. Aber diese emotionale Entladung ist für viele oft viel spannender und intensiver. Und wenn dann beides zusammen auftritt, dann haben wir quasi erst einen Orgasmus. Das heißt, am häufigsten erleben Menschen wohl orgastische Entladungen, körperliche Entladungen, Punkt.
Sebastian Das klingt gerade total unromantisch.
Magdalena Heinzl Ja, ich weiß, ich zerstöre romantische Bilder, aber interessant, wenn man mal drüber nachdenkt und wirklich so hinspürt auch. Ist das jetzt eine rein körperliche Entladung gewesen oder war das was, wo ich das Gefühl habe, auch so emotional drin aufzugehen? Also in welcher Form auch immer, das muss jetzt nicht romantisch sein, aber wo man sich total fallen lassen konnte und sich total verbunden gefühlt hat vielleicht auch. Also wirklich dieses Loslassen ist da ganz oft auch Thema.
Sebastian Ja, ich muss da nochmal drauf rumfragen, es tut mir leid.
Magdalena Heinzl Gerne.
Sebastian Ich habe jetzt in den letzten Wochen, hat es hier eine Live-Sendung gegeben, da ging es um das Thema Keuschhaltung. Und da geht es ja auch darum, dass das auch mal längerfristig ist oder nur für ein paar Tage als Spiel. Aber generell scheint da eine Faszination zu sein, damit zu spielen, Bedürfnisse werden eben gerade nicht befriedigt und das befriedigt wiederum. Und ich nehme jetzt einfach mal an, ein Orgasmus wird dadurch, also die orgastische Entladung, wie du sagst, die wird dadurch seltener, sehr viel seltener vielleicht. Und trotzdem empfinden diese Menschen ja ein gewisses Glück dabei und eine Befriedigung. Befriedigung. Ist das eine Befriedigung, von der du sagst, ja, das ist gut so, das kann auch ausreichen oder sagst du, nee, irgendwas stimmt da nicht.
Magdalena Heinzl Natürlich kann das auch ausreichen. Also es gibt Leute, die haben erst mit 80 eine körperliche Entladung oder so, weißt du, oder noch später, weil sie dann erst mal so, ah wow, so fühlt sich das an, ja. Das ist es. Das sind auch ganz viele, die sagen, ich genieße den Sex total, ich habe total viel Lust, es ist so schön und ich fühle mich so verbunden und so eins mit dem Universum und dem Kosmos jetzt überspitzt wieder in einen Stereotyp rein. Ich brauche das gar nicht. Also das ist so erfüllend und so, dass ich gar nichts anderes will. Und dann gibt es Leute, die sagen, aber ich weiß, wie sich der Orgasmus auf körperlicher Ebene anfühlt und ich will das auch. Oder ich will nur das, weil ich gar keinen Vergleich habe. Was ist der Unterschied eigentlich bei mir? Wie fühlt sich der Unterschied an und wie fühlt es sich an, wenn beides gekoppelt ist? Und deswegen finde ich das Thema Sexualität so geil, weil du nie fertig bist. Du kannst immer noch was lernen, du kannst immer noch erweitern, egal wie alt du bist, egal was du schon ausprobiert hast oder nicht, da geht immer noch was und das ist geil irgendwie. Ich
Sebastian Ist das eine Innovation, wo du sagst, das ist eine Erkenntnis vielleicht, die in den letzten Jahren neu hochgekommen ist, mit der man vorher nicht gerechnet hat. Weil Sex machen wir seit Zehntausenden von Jahren. Da kann man doch gar nicht mehr viel Neues erfinden.
Magdalena Heinzl finde, die Innovation ist jetzt in unserer heutigen Zeit dieses Bei-sich-Sein und dieses wieder mehr in den Körper gehen und dieses Hinspüren. Wir sind ganz viel im Außen, wir sind viel im Kann-man-das-machen, drüber nachdenken, Dinge argumentieren und so, geht das, geht das nicht. Wir sind, finde ich, ganz häufig viel im Außen und wenig bei uns selber im Spüren. Und den Körper lassen wir sowieso ganz häufig außer Acht. Also könntest du jetzt sagen, was genau macht dein Körper gerade? Wo im Körper hast du eine Anspannung? Wo hast du eine Entspannung? Wie schnell bewegst du dich? Wie ist deine Atmung? Fließt die gerade runter bis in den Bauch oder nicht? Das sind alles Sachen, die haben wir alle nie auf dem Schirm, obwohl wir unseren Körper immer dabei haben und den richtig geil nutzen könnten. Nicht nur im Sex, sondern auch im Alltag.
Sebastian Ich habe tatsächlich keine Ahnung. Das Einzige, wenn ich Sport mache, dann spüre ich meinen Körper. Oder auch beim Sex, klar, wenn ich mich anstrenge, dann werden ja diese Reize verstärkt. Und dann merke ich, was ich da tue. Und dann merke ich, ich brauche mehr Luft oder irgendwas. Aber du hast schon recht, so in mich rein spüren.
Magdalena Heinzl muss man auch üben. Also das ist auch was und ich glaube, das haben wir echt fast alle oder der Großteil hat das verlernt oder nur so leise, feine Zugänge dazu und das wäre eigentlich cool, wenn wir das vergrößern könnten, weil ich mit ziemlicher Sicherheit behaupten würde, dass sich dann auch Lust und Genuss und Co. vergrößern, weil wir noch mehr im Spüren sind, weil wir noch mehr Nuancen wahrnehmen können und das ist eigentlich geil.
Sebastian Das ist aber spannend, weil wir haben ja gerade im BDSM diesen alten Begriff, höher, schneller, weiter. Man fängt an mit BDSM, man kommt in die Szene, man lernt Leute kennen, man fängt an zu spielen und auszuprobieren. Und das ist erstmal so ein ganz steiler Berg, den man erklimmt und da rennt man quasi hoch. Und man probiert immer extremere Sachen, natürlich nicht alle, aber viele, die haben eine sehr schnelle, sehr steile Lernkurve. Und irgendwann kommt immer dieser Punkt, was kommt denn jetzt als nächstes? Jetzt fängt es an, gefährlich zu werden. Und vielleicht ist dieses Spüren und auf sich selbst achten hilft einem vielleicht auch, dass es halt nicht mehr den Reiz braucht, der super extrem ist, sondern dass auch vielleicht ich mit ein bisschen weniger Reiz Lust empfinden kann.
Magdalena Heinzl vor allem der Reiz von außen.
Sebastian Hast
Magdalena Heinzl Müssen Reize immer von außen kommen oder kann das auch aus mir selber rauskommen oder sich in mir selbst entwickeln, ohne jemand anderen und ohne ein Bild oder ein Szenario im Außen?
Sebastian du Menschen in der Praxis, die sagen, ich brauche zu viel Tamtam drumherum, damit es funktioniert? Also die sagen, es soll mit weniger Aufwand verbunden sein? Ah,
Magdalena Heinzl Schon, schon. Ja, wenn sich das nämlich, so wie du erzählst, wenn sich das so krass schnell gesteigert hat, wo man dann sagt, okay, jetzt bin ich an einem Punkt, da ist es dann lebensgefährlich und das ist mir zu heikel. Also entweder ich überwinde mich und mache das dann trotzdem oder ich merke, ich bin da an einem Punkt, wo ich nicht mehr weiter kann. Das ist, ich bin da eingefahren, ich brauche diese hohe Spannung im Außen. Und so eine hohe Spannung kann ja auch sein, dass ich zum Beispiel nur mit einem Sextoy zum Orgasmus kommen kann. Das ist auch, ich brauche dieses Ding im Außen und ohne das funktioniert es nicht. Das frustriert ja auch viele. Und ich finde, bitte nutzt so viele Sextoys, wie ihr nutzen wollt, aber das ist das Gleiche, wenn ich mit der Hand immer gleich masturbiere, dann gewöhnt sich mein Körper auch daran und dann tun sich manche total schwer, wenn sie mit anderen in sexuelle Interaktion gehen oder mal die andere Hand nehmen oder vielleicht einmal eine andere Bewegung machen oder in einer anderen Position masturbieren, wo sie dann sagen, nee, das geht jetzt nicht. Also da bin ich dann, das meint man eben mit Limitierung oder einer kleinen Einschränkung, wenn ich sage, okay, da merke ich für mich persönlich eine Grenze und die Frage ist, kann ich mit der Grenze gut leben, dann masturbiere ich halt mit dem Toy, ich weiß, mit dem Toy funktioniert es wunderbar, wieso sollte ich etwas anderes machen, unser Hirn ist ja faul. Das heißt, wir lernen nur dann, wenn wir sagen, okay, jetzt wird es irgendwie knifflig und darum kommen die meisten Leute halt dann auch, wenn sie sagen, okay, jetzt habe ich eine Grenze erreicht und das möchte ich eigentlich nicht, das stört mich.
Sebastian okay, es geht also wirklich um diesen Druck auf mich selbst, das stört mich und dann möchte ich da was machen.
Magdalena Heinzl Ja, außer Leute, die geschickt werden. Meine Frau hat gesagt, ich soll mal kommen.
Sebastian Oh, wer wird denn geschickt? Oh Gott.
Magdalena Heinzl Ja genau, es kommt auch immer wieder vor natürlich, aber wie gesagt, ich bin ja eher im Freiwilligen, also was heißt, ich arbeite ja nicht im Zwangskontext.
Sebastian Okay, aber wenn jemand geschickt wird, der kriegt ja dann noch so ein Paket mit, vielleicht hast du dann ja auch mit der Frau ein Gespräch geführt am Telefon, die sagt, keine Ahnung, was sagt die und dann kommt er auch noch, also ich werde einen Teufel tun, wenn meine Frau mich zu dir schickt und dann würde ich sagen, sag mal, wenn, dann gehen wir zusammen. Zusammen.
Magdalena Heinzl Ja, ja, die kommen dann eh meistens zusammen.
Sebastian Aber wie gehst du damit um, weil da ist ja quasi schon eigentlich alles verloren.
Magdalena Heinzl ich habe sehr hohe Verführungskompetenzen nennen wir es mal so ich schaffe es total gut den Leuten das so schmackhaft zu machen dass das Erweitern für sich selber eigentlich was bringt, gar nicht so sehr für die andere Person sondern für sich selbst einfach geil ist dass die schon immer neugierig sind und sagen, okay gut, dann komme ich nochmal oder zumindest zwei, dreimal und wir schauen uns das an und wenn es scheiße ist komme ich einfach nicht mehr und wenn es gut ist dann ja, das ist nice Also ich schaffe das meistens ganz gut, die irgendwie so anzuteasern, dass sie Bock haben, was auszuprobieren. Aber ich würde auch nie sagen, wenn die jetzt kommt und die Frau sagt, reparieren sie ihn so quasi, das hört man ja auch immer wieder, aber ich sage, nee, mache ich nicht. Nämlich, wenn du keinen Bock hast, was zu verändern, dann nein, einfach nein. Dann gibt es vielleicht als letzte Lösung nur, dass sie sich trennen. Wenn, dann müssen sie beide daran arbeiten und dann werde ich einmal mit der Person allein arbeiten und mit der Person und dann schauen wir, ob das was im System verändert oder nicht. Und ganz häufig ist es dann so, dass ich gar nicht mehr mit den beiden zusammenarbeiten muss, weil sich dadurch, dass sich auf individueller Ebene sehr viel löst und erweitert, das natürlich auch Auswirkungen hat auf den Rest. Das ist eigentlich das Interessante, was ich so beobachte.
Sebastian Muss ich da mal neugierig fragen, wer schickt denn in der Regel wen? Die Frau, den Mann oder umgekehrt? Klar, das ist jetzt bei gleichgeschlechtlichen Paaren, kann ich das nicht so verallgemeinern, aber generell, wer ist denn eher unzufrieden? Die Person, die viel will oder die vom anderen zu viel verlangt bekommt.
Magdalena Heinzl Boah, gute Frage. Also mich meistens Kontakt aufnehmen bei mir tun die Frauen jetzt in Hetero-Beziehungen. Vielleicht auch, glaube ich, weil meine Website eher Frauen anspricht. Das kann schon sein, auch von den Farben und so. Also das könnte man jetzt einfach hinterfragen. Aber das hat nichts damit zu tun, ob die Person jetzt mehr oder weniger Lust hat. Es sind eher halt in Hetero-Beziehungen kommen die Frauen zu mir oder rufen halt an und machen Termine für ihre Partner und sich selber aus.
Sebastian Das darf ich heute nicht vergessen, ich habe es versprochen. Ich habe noch eine Sache, die muss ich von dir wissen. Es geht darum, BDSM-Praktiken als Alternative zu Sex zu haben. Also Sex im Sinne von Geschlechtsverkehr. Ja, dass man also sagt, ich habe jetzt BDSM entdeckt, ich mache da jetzt ganz viele Sachen, da sind auch Orgasmen mit drin und da ist alles mögliche an Regeln und dieses ganze wunderbare Universum und so ganz normaler Sex, den brauche ich nicht mehr, den haben wir in der Beziehung abgeschafft. Und da habe ich mich gefragt, warum sollte man das denn bleiben lassen? Wie kommt man da hin? Wird das zum Problem irgendwann oder verschiebt sich dann die Sexualität einfach an der Stelle? Also kannst du dir das überhaupt vorstellen, dass Leute sagen, ein Paar in einer Beziehung, das lassen wir jetzt einfach.
Magdalena Heinzl Na klar, also es gibt ja auch, das kann man sich nicht vorstellen ganz oft, weil wir es halt im Mainstream anders sehen, aber natürlich gibt es auch genügend Paare, die sagen, ja wir sind zusammen, aber wir haben nie Penetration in welcher Form auch immer, weil uns das beiden nichts gibt. Und da würde jetzt vermutlich ein Großteil der Gesellschaft sagen, um Gottes Willen, die haben ja gar keinen richtigen Sex, weil wenn der Penis nicht irgendwo drin steckt, dann ist es ja kein Sex. Also das ist ja so ein überspitztes Vorurteil wieder. Aber natürlich, wie gesagt, orgasmische, orgastische Entladung, das sind zwei Paar Schuhe und wenn ich diese genitale Erregung auch in anderen Kontexten habe und viele haben ja dieses Erregungsgefühl zum Beispiel auch beim Kuscheln schon, dann brauche ich den Rest vielleicht auch gar nicht. Wieso denn auch?
Sebastian Vielleicht hat man ja, vielleicht kommt so der Punkt her, vielleicht hat man ja früh mit BDSM angefangen, hat diese unglaubliche Stufe an Action und Erregung quasi früh kennengelernt und hat vielleicht einfach Sex oder einfach nie richtig gelernt, wie man das genießen kann und wie das funktionieren kann. Ich
Magdalena Heinzl Kann auch sein. Ja, kann sein. Kann auch sein, dass man dadurch gar nicht so viele Möglichkeiten hatte, gut ins Spüren und ins Wahrnehmen zu kommen, weil man so mit dem Außen beschäftigt war. Weil ich finde, das sind ja auch viele Dinge, an die man denken muss, die man besprechen muss, wo man auf viele Dinge auch achten muss oder beachten sollte. Und das kann schon sein, dass man dann viel bei der anderen Person wieder ist, viel in dem Außen-Szenario und wenig bei sich, wenig im Spüren. Aber dieser klassische Blümchensex, wie er ganz oft genannt wird, wo es ganz viel ums Spüren geht, dieses Tanzen miteinander, das gibt halt auch nur den Leuten was, die sich selber überhaupt gut spüren können. Können, ja, wenn ich wenig Wahrnehmung habe, dann gibt mir das nicht viel, weil ich mir denke, langweilig, was soll, also wieso gibt es überhaupt Menschen, die das super toll finden, ja, da tut sich bei mir gar nichts oder minimal oder ich merke dann, okay, da müsste ich nachhelfen mit einer hohen Spannung oder ich schalte mir halt eine Fantasie im Kopf ein so oder helfe so oder so nach oder mit schnelleren Rhythmen oder mit Dirty Talk, weißt du, das heißt eigentlich, also mein Lehrprofessor, der hat mal gesagt, mehr Blümchensex für alle und das fand ich interessant, weil er halt sagt, wenn du mit dir selber so gut in der Wahrnehmung bist und im Spüren, dann brauchst du das drumherum nicht, deswegen wäre das eigentlich ja interessant. Oder das wäre so die Idee, das könnte man, wenn man möchte, könnte man das so weit erweitern, dass man sagt, okay, eigentlich kann ich mit ein und derselben Person ein Leben lang zusammenbleiben, Sex haben und den richtig geil und toll finden, weil ich bei mir selber so gut bin und sich das so fein anfühlt und das so geil ist, weil ich so tief im Spüren bin. Das ist jetzt natürlich nicht für alle und das muss es ja oft auch gar nicht sein, weißt du, aber einfach dieses Erweitern, dass man mehr wieder in die Autonomie kommt, das ist schon was, was für viele sehr brauchbar ist.
Sebastian bin ja Jahrgang 81 und meine Sozialisierung, was Sexualität angeht, das war so gerade die Zeit, da war die Bravo noch sehr aktuell und da war natürlich immer ganz wichtig, also Sexualität war für uns Jungs damals ein, achte auf deine Freundin, Partnerin, achte auf ihre Bedürfnisse und gucke, dass das alles und ganz schön und sanft und reden und Bedürfnisse und nichts mehr. nicht after, okay, wie heißt es, Vorspiel und Nachspiel, alles total wichtig und das ist so die Sozialisierung, die ich damals abgekriegt habe und deshalb, ich kann sagen, mit 15 habe ich dann per Zufall BDSM entdeckt mit so einer Spam-E-Mail, da war eine gefesselte Frau, das fand ich irgendwie gleich gut und dann habe ich weitergesucht, aber Fakt ist einfach, damals hatte ich dieses Spannungsfeld, es weicht völlig, völlig von aller Sozialisierung ab, die ich zu Sexualität von außen bekommen habe. Und das war für mich wirklich schwierig. Ich habe es halt trotzdem gemacht und ausprobiert und spannend gefunden. Aber es war erstmal so dieses, ich begebe mich hier in die tiefsten Tiefen und werde eine Sexualität schön finden, bei der ich sage, was ich will und dann kriege ich das und das ist dann für uns beide toll. Also das ist immer der wichtige Aspekt, es muss für beide toll sein, sonst habe ich da auch wieder nichts von, aber trotzdem widerspricht es komplett dem, was der mediale Wahnsinn mir beigebracht hat, als ich Jugendlicher war.
Magdalena Heinzl Ich nehme an, dass du einfach in deinem sexuellen System etabliert hattest, dass eine hohe Körperspannung was ist, was dich in die Erregung bringt, aber auch ein schneller Rhythmus, vielleicht auch gleichbleibend. Ich weiß nicht mit wie viel Druck, das würde jetzt zu sehr ins Detail gehen, aber ich nehme an, dass in deinem System wenig Lernraum war für tiefe Atmung und
Sebastian Habe ich nie davon gehört.
Magdalena Heinzl viel Beckenbewegung und so, weißt du. Also das ist ja auch was, das ist total doof, weil eigentlich, wenn wir das Becken mehr bewegen könnten und ich meine jetzt nicht nur dieses Stoßen, dieses Rammeln, wo wir stocksteif quasi so herumwerkeln, dann würden wir auch mehr genießen und mehr Lust empfinden können. Und das ist aber was, das uns sukzessive auch abtrainiert wird, vor allem den männlich gelesenen Personen, weil ein Mann darf ja nicht mit den Hüften wackeln, wackel nicht so mit dem Arsch und bewegt dich doch nicht so komisch und so. Das ist total doof, weil je runder und je mehr Bewegungsspielraum und Freiraum wir haben, umso mehr können wir den natürlich auch nutzen.
Sebastian Ja, ich meinte ein bisschen was anderes. Ich meinte, die Sozialisierung war, achte nicht auf dich, achte auf dein Gegenüber. Und das finde ich halt schwierig. Ist das was, was heutzutage immer noch der Standard ist? Also egal, ob männlich, weiblich, ich
Magdalena Heinzl Ja, weil es unseren moralischen Vorstellungen entspricht. Natürlich, weil wir sollen ja lieb sein, wir sollen nett sein, wir sollen achtsam mit uns sein, wir sollen auf die Bedürfnisse von anderen Personen achten, uns selber hinten anstellen, nicht zu viel fordern. Das sind ja alles so Zuschreibungen, die man kriegt. Dass aber ganz viele Menschen auch total drauf stehen, eben so wie du sagst, mal so ein bisschen Richtung Unterwerfung zu gehen. Ich denke mir, das müssen wir einfach auch akzeptieren, weil unser sexuelles System oft unterschiedlich funktioniert und oft konträr zu unseren moralischen Vorstellungen auch ist. Und jetzt kann es sein, dass ich das lerne, dass ich mich dann irgendwann, weil ich es so oft mache, daran gewöhne und sage, ja, das finde ich mittlerweile auch geil und schön und super. Und dann kann es sein, dass ich das nicht erweitere. Also man könnte es schon so weit erweitern. Die Frage ist, muss man oder möchte man? Also müssen tut man eh gar nichts, aber möchte man erweitern?
Sebastian mag nochmal so ein bisschen die Kurve kriegen, du gibst ja auch Kurse, gerade für Heranwachsende und wird dieses Bild von damals immer noch so vermittelt oder vermittelst du eben doch jetzt dieses neue Bild, sage ich mal?
Magdalena Heinzl Ich finde beides wichtig. Weil einerseits erlebe ich das ganz häufig eben Mainstream-Pornos als Vorlage genommen werden, wo ja überhaupt kein Konsens oder so im Vorfeld gezeigt wird meistens und das finde ich schon wichtig und auch dieses, dass ganz klar ist, man darf über Sexualität reden, man darf über Bedürfnisse sprechen, man darf auch nachfragen, man darf auch lachen oder es darf auch mal was schief gehen beim Sex, weißt du, also dass das nichts ist, was von Anfang an nach Plan funktionieren muss, weil da auch ganz viel Druck ist so und vor allem auch natürlich bei den Jungs es wieder so, ich muss es quasi ihr besorgen, weil sonst bin ich ja einfach nicht gut im Bett. Also der Anspruch ist dann schon da. Und dann haben sie halt als Vorlage oft nur eben diesen klassischen Rammelsex, der halt vielen nicht so viel Spaß macht, aber manchen schon, aber halt auch nicht allen. Und dieses, du darfst deinen eigenen Körper erkunden und hinspüren, was für dich gut passt, was sich für dich gut anfühlt. Und niemand kann Gedanken lesen, deswegen müssen wir nachfragen. Und deswegen müssen wir das auch kommunizieren.
Sebastian Ja, und wir müssen selber erst mal wissen, was wir überhaupt mögen. Das ist ja immer noch mal schwieriger.
Magdalena Heinzl Deswegen eine Ode an die Masturbation. Sich selber berühren, selber angreifen, selber spüren und schauen, was sich gut anfühlt. Bitte, das kann man nicht genug machen. Auch in Beziehungen übrigens. Das finde ich auch immer sehr traurig, wenn es da dann so ein Verbot gibt, weil nee, der oder die muss ja nicht mehr masturbieren, jetzt sind wir ja zusammen. Also, weißt du, bei Essen ist es auch so. Da tun wir auch nicht so blöd. Wir haben ja auch nicht immer Bock zur selben Uhrzeit zu essen und dann Bock auf dasselbe Essen Und die gleich große Portion, das ist ja auch sehr unterschiedlich. Und da scheißen wir aber nicht rum, blöd gesagt, aber beim Sex dann schon, wenn es mal nicht so ist, dass beide jetzt Bock haben.
Sebastian Wir haben noch etwa maximal zehn Minuten Zeit. Ich würde jetzt normalerweise jetzt noch darüber sprechen, ah ja, Masturbation, ja, wir sind zusammen, mach das mal nicht, Kontrolle, Macht etc. Also das kann ich wieder aus der BDSM-Perspektive sehen und da auch wieder für beide sehr viel Lust herbeikonstruieren, indem ich natürlich eine Ressource, so böse das klingt, ein Bedürfnis, begrenze und damit spiele und dann, da kann man so viele schöne Sachen machen.
Magdalena Heinzl Ja voll, aber dann ist das ausgemacht, weißt du, dann hat man auch drüber gesprochen.
Sebastian Ich kann alles in Lust wandeln und diese Flexibilität, die kann ich mir auch erarbeiten.
Magdalena Heinzl Ja, also man kann alles, diese Flexibilität kann man auf jeden Fall erarbeiten oder erlernen, ja. Das ist ja auch der Grund, warum manche Paare auch sagen, die schon lange zusammen sind, boah, jetzt bin ich 40, 50, 60 und jetzt habe ich den Sex meines Lebens, weil ich endlich quasi ausverhandeln konnte, was für uns beide geil ist, weil ich meinen Körper so gut kenne, weil es mir vielleicht auch wurscht ist, weil mir die Optik vielleicht jetzt auch nicht mehr so wichtig ist, weil es mir mehr ums Spüren geht weil je mehr ich im Spüren bin, umso unwichtiger wird die Optik, weil alter, mein Körper fühlt sich richtig geil an und das genügt dann oft schon
Sebastian Ich hab dir jetzt echt ein Loch im Bauch gefragt. So hatten wir das gar nicht geplant eigentlich.
Magdalena Heinzl Ich glaube, es braucht eine zweite Folge, oder?
Sebastian Ja, wir müssen das definitiv wiederholen.
Magdalena Heinzl so habe ich das Gefühl auch, also ich glaube auch für meine Community gibt es noch viele, viele Fragen und ich finde, man könnte ja so ein FAQ machen, dass ich einfach mal frage, was sie BDSMler fragen wollen würden. So traust dir nie Fragen oder so, das finde ich geil.
Sebastian Ja, sehr gerne. Ich kann natürlich immer nichts abschließend beurteilen, weil selbst wenn ich was ausprobiere, was was ich eigentlich nur mit meiner Sub mache, also ich lasse mich verhauen, dann kann ich zwar das spüren, aber ich kann es nicht so empfinden. Die Perspektiven sind ja unglaublich weitläufig und aber klar, ein FAQ kann man da super gerne machen, da werde ich versuchen
Magdalena Heinzl Ja,
Sebastian alles, was auch eventuell erstmal gruselig wirkt. Ich glaube, inzwischen bin ich ganz gut darin, die Aspekte, die einen reizen, dann auch so ein bisschen zu finden. Warum mag ich etwas überhaupt? Und ich lasse mich aber auch selber immer gern von meinen Gästen im Podcast überzeugen und ich habe schon manches Mal Sachen gehabt, wo ich dachte, um Gottes Willen, auf gar keinen Fall und dann wurde mir das erklärt und auch wenn ich das selber nicht teile in dem Moment und auch selber nicht gut finde oder für mich ablehne, dann kann ich trotzdem nachvollziehen, warum kann diese Person da eine Erregung spüren und das ist total schön, wenn man da einfach auch was lernen kann und dann zumindest sagen kann, nicht nur ich toleriere das, sondern ich respektiere das und ich kann es vielleicht sogar mitfühlen. Das finde ich immer großartig.
Magdalena Heinzl Das ist super. Das ist auch eine Erweiterung. Und auch, also ich finde, dass man das einfach stehen lassen darf, das finde ich schön. Deswegen hört unbedingt mal in den Podcast Die Kunst der Unvernunft rein. Ist natürlich alles verlinkt in den Shownotes für die, die von Sexologisch kommen. Genau.
Sebastian Genau und umgekehrt, hört in Sexologisch rein. Den Podcast gibt es auch überall und ich glaube sexologisch.com war deine Webseite. Da gibt es ganz viel und bald eben dein neues Zentrum.
Magdalena Heinzl genau.
Sebastian Ich sehe schon bei Instagram immer die Bilder vom Einrichten und Renovieren und ich finde das super klasse, dass du dir Zeit genommen hast, dass das heute funktioniert hat. und also bis wir uns wiederhören, bis dahin wünsche ich dir unfassbar viel Erfolg und dass das bei dir genauso raketenhaft weitergeht.
Magdalena Heinzl Danke dir, es war ein richtig tolles Gespräch, ich habe mich sehr, sehr wohl gefühlt bei dir, sehr aufgehoben und freue mich auch schon auf unseren Teil 2 dann.
Sebastian Ja, super gerne. Vielen Dank. Tschüss.
Magdalena Heinzl Tschüss!