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Sebastian
*Intro-Musik* Herzlich willkommen zur Folge 65 der Kunst der Unvernunft, dem Podcast,
in dem Menschen über ihr persönliches Erleben von BDSM sprechen.
Mein Name ist Sebastian Stix und ich habe noch vor Weihnachten Besuch von Sal und Merope bekommen.
Sal ist 30, Top, und Merope ist 43 und Sub.
Und eigentlich wollten wir über diesen kleinen Altersunterschied und alles,
was damit zu tun hat, sprechen. Haben wir dann aber kaum,
denn bis die beiden zusammengefunden haben, ist eine Menge passiert oder sehr
wenig. Kann man so und so sehen.
Selten war der Weg, wie ich finde, so steinig und das Ziel so schön.
Wir sprechen über Erziehung, Unterdrückung vom BDSM und was Verhütungsmittel damit zu tun haben.
Ihr ahnt es sicher schon. Wir sprechen über die Befreiung des Geistes,
das Überwinden von gesellschaftlichen Grenzen, von eigenen Grenzen,
vom Spielen, von Leben, von Lust und auch ein bisschen vom Markieren.
Ja, und dann sprechen wir dann doch noch ein wenig über den Altersunterschied.
Und wenn ihr bei dieser Folge ganz bis zum Ende zuhört, dann gibt es auch noch ein bisschen Kultur.
Merope hat nämlich ein Gedicht mitgebracht und damit das letzte Wort der Folge
mehr als verdient. So, mehr kann und muss ich heute gar nicht sagen.
Los geht's mit Folge 65 mit Sal und Merope. *Intro-Musik*
Ich habe Besuch bekommen aus Berlin. Herzlich willkommen, Merope. Hallo.
Merope
Hi.
Sebastian
Und Sal, hi.
Sal
Hallo.
Sebastian
Schön, dass ihr hier seid. Die Autobahn hat euch geärgert, aber jetzt kommt
ihr nicht mehr weg, bis wir das hier erledigt haben.
Ich versuche euch mal so ganz kurz vorzustellen. Merope, Frau,
43, weitestgehend Sub, denke ich mal.
Da sehe ich zumindest so ein Halsband, was das aussagt.
Und du bist auch noch gar nicht so lange dabei, kann ich schon verraten.
Merope
Stimmt.
Sebastian
Und Sal, 30, Top und auch noch nicht so lange dabei.
Sal
Ne, definitiv nicht. *lacht*
Sebastian
Wir sprechen heute so ein bisschen über Sub und Top, wie man da überhaupt hinkommt,
denn das kann ich jetzt schon verraten, das war nicht ganz so super einfach.
Wir sprechen auch über das Thema Altersunterschiede und, obwohl, dazu gibt es
eigentlich gar nicht viel zu sagen, aber trotzdem sprechen wir drüber und dann
gucken wir uns einfach mal genau an, was macht ihr so miteinander,
was macht ihr nicht, was macht macht ihr bald und,
ich glaube, wir müssen mal irgendwo anfangen, ne [Dialekt]?
Sal
Ja. Gerne.
Merope
Wir sind bereit.
Sebastian
Okay, mit wem fange ich denn an? Wir gucken erstmal so ein bisschen,
wie ihr das mit dem BDSM gefunden habt.
Sal
Vielleicht machen wir Ladies first, oder?
Merope
Aber ich bin ja eine Sub, das haben wir ja schon beschlossen,
dann musst du anfangen, du bist Top.
Sebastian
Aber er kann ja anfangen, das zu entscheiden.
Sal
Tu das am besten. *lacht*
Sebastian
Merope, du musst.
Merope
*lacht* Mist. *lacht*
Sebastian
Okay, du hast also irgendwann beschlossen,
ich bin Sub und dann war alles gut und dann hast du losgelegt.
Ich glaube, das war doch komplizierter.
Merope
Das war sehr viel komplizierter, das stimmt.
Sebastian
Ich mag mal so vorgreifen, wie viele Jahre hat der Weg gedauert von,
ich hab die erste mögliche Fantasie zu, es hat mal angefangen?
Merope
Angefangen habe ich mit, ich weiß es gar nicht mehr ganz genau, mit 35 oder 36 Jahren.
Und meine ersten Fantasien, also sexueller Natur, wo ich BDSM als Fantasie oder
als erotisch empfunden habe, schon in frühester Kindheit eigentlich.
Sebastian
Okay, das heißt also, ich sag mal, mindestens 25 Jahre war es einfach noch nicht so weit.
Merope
Genau, absolut.
Also ich hab mir, genau, in der Pubertät schon natürlich Szenarien vorgestellt, ich komm ja aus einer Generation,
ich komm ja aus einer Generation, wo es, jedenfalls mir als Mädchen, ich hatte kein Internet, ich hatte keine Pornozeitschriften, sondern das waren alles Fantasien, die ich mir gemacht habe aus
der Realität gesponnen, Lehrer, die mich fasziniert haben in ihrer Dominanz oder in der Clique irgendwelche Freunde, und da habe ich mir dann Fantasien ausgemalt und hab die dann
immer weiter gesponnen. Ich habe aber schon eigentlich in frühester Kindheit
Filme oder Bücher oder Szenen, die ich gesehen habe, oder Doktorspiele,
die waren schon alle so in die Richtung gehend.
Also auch die Doktorspiele als ganz kleines Kind waren schon in die Richtung tatsächlich.
Sebastian
Was heißt denn „in die Richtung“? Also kommt ja ganz oft das Beispiel, ja, wir haben Cowboy und Indianer gespielt, da wurde mit dem Seil, Kabel um den Baum herum getanzt.
Also wo hast du intuitiv gemerkt, dass, oder jetzt im Nachhinein kannst du es ja erst beurteilen, wo ging es intuitiv für dich hin,
auch in welche Richtung? Kann ja „herrschen und teilen“ oder sich doch lieber unterwerfen und fangen lassen.
Merope
Stimmt, also es war bei mir nicht Cowboy und Indianer, sondern es war, als ich ganz klein war, so, dass wir immer Arzt gespielt haben eigentlich und
der große Bruder meiner Freundin hat uns immer untersucht und da musste man
immer ganz weit die Beine breit machen und dann hat er einen da unten abgehorcht
und so und man hatte dadurch,
dass es der große Bruder war, so überhaupt gar keine Kontrolle über die Situation.
Und etwas später, wir sind dann umgezogen, da hatte ich eine Freundin und da
haben wir richtig Vergewaltiger gespielt.
Also wir haben Rollenspiele gespielt, dass man allein im Wald war und dann wurde
man irgendwo von irgendjemandem in tiefe Kellergewölbe gezogen und so was haben wir gespielt.
Also das war schon, das ging schon irgendwie zur Sache. Also das ist mir im
Nachhinein schon, *lacht* du schüttelst jetzt den Kopf, ist mir schon auch echt peinlich.
Sebastian
Muss dir gar nicht peinlich sein, das ist ja, um Gottes Willen,
ich glaube gerade wenn man sehr jung ist, man kann ja nur mit dem im Kopf arbeiten,
was man irgendwo her kennt und wenn man halt Nachrichten kennt,
wo immer schlimme Dinge passieren, dann bedient man sich halt an dieser Quelle.
Ich glaube, dass da der fehlende Zugang zu irgendwelchen Möglichkeiten,
was könnte man denn möglicherweise machen oder gut finden, dass das eben dazu
führt, dass man dann halt das Erstbeste rausgreift.
Merope
Ja.
Sebastian
Es ist ja immer der Punkt, zum Glück muss es ja dann immer nicht so weit kommen,
dass es dann auch genau so ist, sondern es ist halt ein Spiel.
Merope
Ja.
Sebastian
Wie kann ich das grob einordnen? Eher so 10, 15?
Also ist das schon was, wo du sagst, das ging schon in Richtung Sexualität oder
ist das eher so ein intuitives Erwachsenwerden?
Merope
Also bezogen auf was, die Doktorspiele waren bedeutend früher.
Das eine war Kindergartenzeit und das andere war Grundschulzeit und sexuell
aktiv wurde ich ja dann zur Oberschule.
In Berlin gehen wir ja ab der siebten Klasse erst auf die weiterführende Schule.
Und da, die Fantasien, die ich hatte, waren natürlich rein sexueller,
also richtig sexueller Natur, nicht spielerisch oder so was.
Also über was reden wir, über Selbstbefriedigung oder so was?
Sebastian
Ja, es geht so ein bisschen drum, mehr um diese Verbindung, BDSMige Anteile,
die in die Sexualität reinwirken, weil ich würde ja zum Beispiel bei mir behaupten,
ich glaube ganz am Anfang, wo ich dann begriffen habe: „ah Sex,
das gibt es, da kann man was machen“, ich glaube da ging es darum,
erstmal irgendwie diesen Sex zu haben und wie das jetzt ausgestaltet ist oder
so, ich glaube das war mir gar nicht so wichtig,
dass das total öde ist für mich, das musste ich erstmal in der ersten Erfahrung
sammeln, um festzustellen, das kann es irgendwie nicht gewesen sein.
Also dieser Schritt zu sagen, okay, da ist nochmal was im sexuellen Bereich,
was mich wirklich tief berührt, das ist eben dann doch was anderes.
Und diesen Zusammenhang zwischen Sex und dann BDSMigen Fantasien,
den herzustellen, das ist ja auch ein Lernprozess.
Merope
Das stimmt, aber ich habe den Lernprozess glaube ich schon vor meinen ersten
sexuellen Erfahrungen gehabt,
weil bevor ich Sex hatte, habe ich mich angefangen selbst zu befriedigen und
damals, da hat die Frau meines Onkels, die hat uns Kindern,
also ich habe Geschwister und da hat sie uns ihr altes Reitzeug mitgebracht.
So Mädchen wollen Pferde und Pferdekoffer und Striegeln und so weiter.
Und da war auch eine Gerte dabei.
Und ich habe meine ersten Selbsterfahrungen mit mir, Selbstbefriedigungen,
da habe ich mich auch schon bei gehauen, zum Beispiel auf den Po, so, doch.
Und als ich dann normalen Sex hatte, sag ich mal, da spielte das natürlich keine
Rolle, da hab ich nicht gesagt, „hau mich mal“ oder so, das kam wie gesagt ja
erst dann mit 35 *lacht* oder so was, aber da hat's mich natürlich auch
gereizt, dass mein Freund damals viel erfahrener war und der war vorher mit
einer Frau zusammen, die irgendwie ganz, ganz viele Erfahrungen schon mit Männern, also mit ...
Ja, mit einer, die halt irgendwie jeden gehabt hat vorher *lacht* und der ist danach
immer irgendwie aufgestanden, hat sich mit seinen Kumpels getroffen,
hat manchmal seine Kumpels ins Zimmer gelassen, während ich noch nicht mal angezogen
war und ich musste dann zusehen, dass ich mit dem Laken oder der Decke um den
Körper irgendwie ins Bad komme.
Das hat ihn gar nicht interessiert, die waren halt so Kiffer und das,
sag ich mal, das hätte nicht jeder mitgemacht.
Das hatte auch natürlich einen gewissen Reiz für mich.
Sebastian
Aber dessen bewusst warst du dir wahrscheinlich gar nicht.
Merope
Gar nicht, ich war ganz jung noch.
Sebastian
Okay, das müssen wir irgendwie erklären. Wieso 35? Weil wenn man merkt,
okay, da ist ja was. Das ist spannend.
Und auch diese Verknüpfung, Selbstbefriedigung plus Schmerz,
das funktioniert offenbar für dich. Was kannst du dazu verraten?
Diese, ja, ich sag mal, 15, 20 Jahre dazwischen, die musst du jetzt erklären.
Merope
Die muss ich jetzt erklären, ja. Ich kann das eigentlich ganz einfach erklären.
Und ich habe das damals auch dann, ich war ja dann verheiratet,
ich habe das auch meinem Mann dann so erklärt, als ich mich geoutet habe eigentlich.
Und zwar habe ich dann natürlich verhütet und habe die Antibabypille genommen,
weil das so das Praktischste war, was auf dem Markt war.
Und ich muss sagen, damit war so dieser,
dieses Devote fast verschwunden. Also es kam immer mal so ganz kurz
blitzte es vielleicht hervor, so ein, zwei Tage in meinem Zyklus.
Aber so dieser Drang, mich zu unterwerfen oder dieser Drang,
Schmerzen haben zu wollen, erniedrigt zu werden, das war quasi komplett weg.
Und ich habe Jahre die Antibabypille genommen. Und immer, wenn ich dann die
Pille abgesetzt habe, um irgendwie Kinder zu bekommen, war das auf einmal wieder da.
Und das kam dann wie mit Brachialgewalt irgendwie und ich wusste gar nicht,
wohin mit mir, weil auf einmal war wieder alles anders.
Und ich habe dann viel später, als ich mein Leben nach den Kindern so ein bisschen
sortiert hatte eigentlich, als sie ein bisschen größer waren,
erst darüber nachgedacht.
Und dann hatte meine Mutter Brustkrebs, so hormonell bedingten und dann habe
ich die Pille abgesetzt sofort,
weil das auch genetisch vererbbarer Brustkrebs ist und da war das dann auf einmal
wieder ganz präsent und dann gab es ja mittlerweile schon das Internet,
was es bei mir als Kind eben, war das noch nicht präsent und dann konnte ich ...
Sebastian
Moment, ganz kurz. Du warst dir aber schon bewusst, also du hast die Pille genommen
und das war weg. Fällt einem das auf?
Und wusstest du schon, was jetzt nicht mehr so drängend im Kopf ist?
Oder ist das jetzt auch wieder in der Rückschau? Dieses, wenn man zurückschaut,
da weiß man immer ganz viel und hätte man alles mögliche einordnen können.
Aber war dir BDSM schon ein Begriff und hast du gemerkt, dass dieses Verlangen verschwindet?
Merope
Also BDSM war ein Begriff. Aber es ist so, wie ich es jetzt erzähle,
ist in der Rückschau mir schon vieles viel klarer geworden.
Also auf einmal ergab alles Sinn eigentlich. Ich ergab irgendwann Sinn.
Sebastian
Ja, ich glaube, das ist genau dieser Punkt. Man nimmt es ja selber gar nicht
so wahr. Und das habe ich jetzt schon von vielen gehört.
Also die Pille als Liebestöter, sage ich mal, oder auch an der Stelle,
scheint sie ja wirklich bei dir die Wirkung zu haben, dass sie all diese ganzen
finsteren Gelüste perfekt wegdämpft.
Das ist ja schrecklich oder ist es vielleicht auch gut gewesen in der Situation?
Merope
Nee, also mich hat es tatsächlich gehindert, daran mich frei zu entwickeln, wie ich eigentlich bin.
Also mich hat es schon arg verändert, gerade Sexualität ist ja ein großer Teil
auch von Menschen oder von mir auf jeden Fall.
Und ich war definitiv ein anderer Mensch.
Und andererseits ist die Pille natürlich ein Gewinn für unsere Gesellschaft,
dass Jugendliche sich frei entwickeln können.
Aber das ist dann die Frage, wie frei habe ich mich eigentlich entwickelt darunter,
aber ich hätte auch nicht gerne, also meine ersten sexuellen Kontakte waren
mit 14, da wäre ich nicht gerne Mutter geworden, insofern ist die Pille ja schon ein Geschenk. *lacht*
Sebastian
Ja, es ist auch eine Abwägungssache und ich glaube, es gibt ja auch so viele
verschiedene und ich glaube, die wirken auch zum Teil ganz unterschiedlich.
Manche sagen, sie werden quasi depressiv davon und das geht ihnen fürchterlich
aufs Gemüt und dann ist aber eine andere, funktioniert dann besser.
Ich bin jetzt keine Frau, ich habe das Ding nie genommen, also ich kann es halt nicht sagen.
Aber das scheint eine verdammte Bandbreite zu sein und das habe ich jetzt auch
von dir das erste Mal gehört, dass das so völlig, also dich so an die Gesellschaft anpasst, an die Norm.
Das finde ich ehrlich gesagt ziemlich schrecklich.
Merope
Ich glaube gar nicht, dass es mich an die Norm angepasst hat,
sondern ich hatte einen richtigen Libido-Verlust.
Und ich war damals eigentlich schon sehr aufgeklärt oder auch naturwissenschaftlich
interessiert und habe mich dann beraten lassen, habe nachgelesen und so weiter.
Ich habe viele Präparate ausprobiert.
Nicht, weil ich dachte, ich will wieder erniedrigt, also dieses Gefühl haben, *lacht*
erniedrigt werden zu wollen, sondern weil ich wirklich, meine Libido war deutlich
eingeschränkt jedes Mal mit der Pilleneinnahme.
Insofern hatte ich dann irgendwann ein Präparat, wo ich dachte,
hey, das passt so, aber tatsächlich, also im Nachgang sozusagen war das,
was ich eigentlich bin, war komplett weg.
Sebastian
Okay, dann hast du das Ding abgesetzt.
Merope
Ja.
Sebastian
Und dann warst du wieder du. Also die blaue Pille in Matrix,
dieses und jetzt wird das Leben real.
Merope
Absolut.
Sebastian
Was hast du gemerkt? Weil das ist ja dann auch so eine Selbstentdeckung.
Plötzlich ist da eine Libido, plötzlich sind da Bedürfnisse und dann hast du
schon gesagt, die wollen ergoogelt werden.
Also ich glaube, das ist der Moment, wo du die Reise begonnen hast. Wie alt warst du da?
Merope
Ja, ich denke, ich war 35. Ganz sicher bin ich es mir nicht.
Und die Reise hat nicht mit Absetzen in der Pille begonnen,
sondern die Reise hat eigentlich mit Sal begonnen. *lacht*
Sebastian
Ah, ja.
Dann mache ich doch jetzt, wenn es da jetzt in die Richtung geht,
dann mache ich doch an der Stelle jetzt mal einen Strich und sage so,
noch nicht weiter erzählen,
weil ab da geht es ja dann mit euch gemeinsam weiter.
Merope
Stimmt.
Sebastian
Sal. Auch bei dir, ne, bei dir kann die Geschichte ja nicht ganz so lang sein.
Du hast einfach weniger Zeit dafür gehabt.
Ja, wie sieht es aus? Wie wird man Top?
Sal
Das ist eine gute Frage tatsächlich. Wenn ich überlege, also ich habe ja,
nachdem ich die ganzen Storys von Merope hörte, hatte ich immer wieder darüber
nachgedacht, ob ich denn so was auch hätte,
solche Geschichten frühe Doktorspiele, frühe weiß ich nicht was.
Und tatsächlich habe ich das ganz lange gedacht, ne, so was hatte ich eigentlich nicht.
Also mir ist nichts aufgefallen, wo ich jetzt hätte sagen können,
das ist ganz klar im Nachhinein dem BDSM zuzuordnen, was ich jetzt gemacht hatte in früherer Kindheit.
Bis ich tatsächlich überlegt hatte, was ich denn so auf der Grundschule gemacht
habe. Also ich war ja sehr konservativ erzogen, immer schon.
Das heißt, sehr prinzipienorientiert. Gleichzeitig war so was BDSM,
das gehört sich eigentlich nicht.
Und dann habe ich überlegt, was ich gemacht habe in der Grundschule.
In der Grundschule hatte ich einen Freund, der war sozial eher Außenseiter, war so ein bisschen ...
Wir waren beide eher soziale Außenseiter und wir sind irgendwann dazu übergegangen,
ich weiß nicht, wie es dazu kam genau, aber wir haben immer Mädchen über den
Schulhof gejagt und zwar dann festgehalten, wenn wir sie gekriegt haben.
Und die fanden das auch irgendwie gut, die haben da mitgespielt.
Es war immer so ein mehr oder weniger dann am Basketballkorb fesseln,
in Anführungsstrichen. Es war nur festhalten, aber ...
Und es ging quasi ganz lange so und es ging immer mehr so in die Richtung,
dass wir jetzt da mit denen so rumspielen und rummachen und weiß ich nicht was,
bis irgendwann das quasi so ein bisschen auseinander ging, weil man dann auch
die Schule gewechselt hat.
Und mein Freund von damals, der musste dann eh die Schule wechseln,
weil der in der Schule nicht besonders gut war.
Und dann ging es ein bisschen auseinander. Und das war interessanterweise im
Nachhinein doch was, wo ich eher sagen würde, wir haben schon diese Kontrolle
gesucht, diese Überwältigung in Anführungsstrichen.
Und dann bin ich natürlich voll im Internetzeitalter groß geworden.
Das heißt, im Nachhinein habe ich mir natürlich viel im Internet angeschaut.
Es kam ja dann auch immer mehr über viele verfügbare Online-Seiten,
gab es ja alle möglichen Videos aller Art.
Interessanterweise habe ich aber immer alles gemieden, was irgendwie mit SM, BDSM etc.
zu tun hatte, weil das gehörte sich ja nicht.
Interessanterweise. Aber was ich mir zum Beispiel gerne angeguckt habe,
waren schon Überwältigungsfantasien in irgendeiner Form.
Das heißt, ich habe mir im Grunde BDSM angeguckt, ohne mir BDSM anzugucken,
weil es nicht als solches gelabelt
war, weil ich als konservativ erzogener Junge, so was ging halt nicht, ja.
Sebastian
Ja, das ist ja auch immer die Frage, selbst wenn man das anguckt und interessant
findet, heißt das ja auch lange nicht, dass man das auf sich selbst projizieren kann.
Sal
Genau.
Sebastian
Wenn ich da an irgendwelche Filmszenen denke, denkt man sich auch so,
ja, interessant, aber das hat ja nichts mit mir zu tun.
Das ist ja auch nochmal ein ganz anderer Schritt. Ich habe ein Zitat von dir,
das ist ein relativ einfaches, nämlich „sie ist schuld“. *lacht*
Diese Vorgespräche sind immer toll, weil ich schreibe ja doch was mit. *lachen*
Also, die Geschichte, alles was mit BDSM zu tun hat, das hängt bei euch beiden einfach
miteinander ganz eng zusammen.
Und weiß jetzt wahrscheinlich auch ein bisschen mehr, als ihr heute hier verraten wollt, schon.
Das ist ein bisschen gemein. Da würde ich vielleicht euch bitten,
dass ihr mal ein bisschen schaut.
Dann verrate ich mich nicht zu viel, weil da ist ja auch ganz viel Privates drumherum mit drin.
Sal
Mhm.
Sebastian
Ihr beide müsst zusammengefunden haben. Überrascht mich, was ist passiert?
Wie ist das? Weil man spricht sich ja nicht an und sagt, du,
ich habe jetzt den Pille abgesetzt, meine Libido ist jetzt da und ich will mich
unterwerfen und du bist der Mensch und jetzt machen wir mal.
Und du sagst dann, ja klar, machen wir so.
Fertig. Wäre schön, wenn das so einfach ginge heutzutage. Irgendwie war es komplizierter.
Sal
Absolut. Das „Sie es schuld“ kommt vor allem, oder diese Aussage kommt vor allem
daher, dass ich, wie gesagt, mir keine Gedanken darüber gemacht hatte.
Und ich war viel, also gerade in meiner Oberschulzeit, viel für mich.
Ich hatte einen Freund und wir hatten überhaupt nicht viel auch mit Mädchen
zu tun. Wir haben viel Karten gespielt.
Wir haben so schön in Anführungsstrichen rumgenerdet. Ja, also wir haben viel
Computerspiele gespielt. Wir hatten halt so unser Ding.
Und ich hatte nur sehr wenige oder quasi, man kann fast behaupten,
gar keine richtigen sexuellen Kontakte, bis ich dann Merope kennengelernt
habe. Sehr viel später erst.
Also ich war sehr, genau, also bei mir ging es von 0 auf 100 in wenigen Monaten, sagen wir es so.
Und „sie ist schuld“, das kam vor allem daher, weil wir kannten uns ein Jahr,
bevor wir dann letztendlich zusammengekommen sind und in diesem Jahr,
oder eigentlich könntest du das fast besser erzählen, bin ich quasi ihr irgendwie
immer wieder dominant aufgefallen anscheinend.
Sebastian
Dominant aufgefallen? *alle lachen* Das finde ich auch schon. Also wir müssen so ein bisschen
gucken, was kann man hier verraten und was nicht.
Ich lade euch jetzt erstmal dazu ein, wenn ihr feststellt, da war doch zu viel,
ich schneide das natürlich raus.
Also ihr müsst euch jetzt nicht auf die Lippe beißen, weil ich finde das schon
an sich eine sehr schöne Geschichte.
Die könnte man, wenn man das als Buch schreiben würde, es würde ein Bestseller werden.
Und die Frage ist, was wollt ihr hier davon teilen? Merope, also an der Stelle
ganz, schau, wie du dich wohlfühlst und wenn du dich da verhaspelst oder vertust,
dann einfach, dann wiederholen wir das einfach so lange, bis es für dich okay ist.
Das ist ja schon sehr privat.
Merope
Das stimmt. *lacht*
Sebastian
Also her mit den privaten Details.
Merope
Her mit den privaten Details. *lacht*
Sebastian
Wie ist er dominant aufgefallen?
Merope
Genau, das wollte ich gleich mal aufgreifen mit dem Dominant aufgefallen.
Also ich glaube, das ist gar nicht so in Sals Erinnerung, weil für ihn war
er ja normal, sag ich mal.
Und für mich war es totales Neuland. Also ich bin, die Kinder waren dann etwas größer und ich habe.
irgendwann wieder angefangen, Sport zu machen. Und in dieser Sportart,
die wir da betreiben, spielt man auch ein gemischtes Doppel.
Und er wurde mir dann zugeteilt als mein Mixed-Partner.
Und wir mussten dann irgendwie ein bisschen üben. Und er hatte eigentlich gar
nicht so viel Interesse, jetzt mit so einer alten Schrulle *lacht* da ständig im Training
irgendwie Mixed spielen zu üben. Ich war also auch deutlich schlechter.
Der Mannschaft ging es ganz dreckig. Die mussten da jetzt irgendjemanden rekrutieren.
Und also kam ich da in den Verein und musste Mixed üben mit ihm.
Und er hat mir eigentlich so, also ich meine, er war viel jünger.
Er hat mir nicht auf Anhieb so, er passte gar nicht in mein Beuteschema, überhaupt null.
Ich war glücklich verheiratet *lacht*, so glücklich, wie man eben sein kann.
Sebastian
Vielleicht das nochmal sagen, in der Ehe hast du aber, da gab es kein ...
Merope
Da gab es null BDSM, gar nicht, also nicht mal ansatzweise. Aber es gab auch,
wenn ich ehrlich bin, nie den, doch es gab mal den geäußerten Wunsch von mir.
Ich habe mal meinem Mann gesagt, so, du ich finde es ganz toll so übernommen zu
werden oder einfach so, ja doch ich glaube ich habe es so eigentlich formuliert.
Und er kommentierte das dann so, diesen Vorstoß, so von wegen,
naja, es würde ihm ja keinen Spaß machen, eine Leiche zu vögeln oder irgendwie so.
Also es war nicht schön, also es war wirklich, also ich fühlte,
für mich gab es dann auch keinen Vorstoß mehr in der ...
Sebastian
Ja, es ist vor allem auch dann so ein endgültiges, weil man nimmt sich ja,
man nimmt sich den Mut zusammen und dann formuliert man etwas und guckt auch,
dass das irgendwie funktionieren kann.
Und dann gehen halt die Hoffnungen nicht in Erfüllung, ne [Dialekt].
Das will man sich ja nicht nochmal und nochmal antun. Und ich glaube,
man kann auch niemanden wirklich bekehren, wenn das da nicht in den Menschen drin steckt.
also wäre das ja auch übergriffig, dann zu sagen, ich verlange. Das ist schwierig,
Merope
Ja, absolut. Und ich meine, meine Devotion war ja jetzt, also ich habe die nicht
mehr so als drängend empfunden, aber an sich bin ich ja kein anderer Mensch gewesen.
Und da hatte er aber auch gar nicht so Fühler für oder so was.
Und das war dann von mir auch nie gefordert.
Ich bin eh kein so forderndes Wesen. Ich glaube, jetzt müsstest du wahrscheinlich Einspruch oder so erheben. *lacht*
Sal
Vielleicht besser nicht.
Merope, Sal, Sebastian
*lachen*
Sebastian
Es ist ja auch so ein bisschen Teil der Art. Also wenn das so eine Persönlichkeitsstruktur
ist, ich fühle mich devot, dann kann ich mich auf der anderen Seite auch nicht
hinstellen und sagen So, jetzt unterwirf mich gefälligst.
Das ist ja das Gegenteil davon. Also da ist man schon so ein bisschen gefangen.
Da braucht man eigentlich einen Partner, der einen ein bisschen rausfordert.
Merope
Ja, das stimmt. Also ich habe das aber auch nie für möglich gehalten,
dass man das erleben kann oder so, sondern es war immer so ein dunkler Teil
von mir, der war mal stärker und mal schwächer und eigentlich war er immer unterdrückt.
Und bis ich dann Sal kennengelernt habe und da brach das dann so aus mir hervor,
so dieses Verlangen, mich zu unterwerfen.
Und zwar habe ich dann mit ihm Mixed gespielt und unser allererstes Mixed zusammen
im Training war so, dass ich, ich neige dazu, mich zu rechtfertigen, wenn ich Fehler mache. *lacht*
Sebastian
O Gott, was ist das denn? Das war meine Schuld oder da habe ich nicht aufgepasst
oder das war nicht fest genug? So ein Quatsch, ja.
Merope
Nee, aber ich sag dann so, ja, ich hab den nicht genommen, weil ich dachte,
der kommt nach da oder, ach, keine Ahnung.
Also ich hab so einen ganz kleinen Rechtfertigungszwang, wenn ich Fehler mache.
Sebastian
*lacht*
Merope
Probiert er mir schon lange auszutreiben, aber es ist recht hartnäckig.
Jedenfalls habe ich diskutiert sozusagen und er hat dann einfach gesagt,
so Schluss jetzt, ab nach vorn, wo du hingehörst oder ich weiß nicht genau, was du gesagt hast.
Er hat mir quasi den Mund verboten und hat mich auf meinen Platz vor ihm verwiesen,
wo man steht, wenn der Herr halt Aufschlag macht und das hat mich getroffen wie ein Blitz, wirklich.
Ich stand auf dem Feld und mir wurde zum ersten Mal in meinem Leben der Mund verboten.
Ich bin sehr, sehr liberal aufgewachsen, immer auf Augenhöhe eigentlich mit meinen Eltern.
Ich habe Althippies als Eltern und ich bin ganz liebevoll,
bei uns gab es nie Geschimpfe oder nie Maßregelungen.
Ich bin so frei aufgewachsen und wenn ich auf den höchsten Zaun geklettert bin,
um irgendwie auch Grenzen zu suchen, dann haben meine Eltern gesagt so,
o bitte, bitte komm da runter und haben nicht gesagt, ey, wenn du jetzt nicht
runterkommst, gibt es Ärger, sondern,
meine Mutter war recht hilflos all meinen Eskapaden gegenüber *lacht*,
und liebevoll und mein Vater sowieso.
Sebastian
Man hätte ja meinen müssen, dass bei so einer freien, liberalen Erziehung,
dass man ja dann auch sich durchaus ausprobiert, aber offenbar bleibt das
wirklich so, dass das immer so, die Generation macht immer das andere,
was die davor gemacht hat.
Merope
Stimmt.
Sebastian
Jetzt stehst du da, vorne, und dir wurde das gesagt und halt die Klappe und jetzt ist das so.
Das ist dann für ihn einfach eine, Sal, war das eine nützliche Anweisung für dich
einfach, weil die geht ja auf den Keks?
Sal
Also tatsächlich, ich musste mich halt aufs Spiel konzentrieren und ich habe
überlegt, okay, wie kommen wir jetzt hier weiter und ich hatte überhaupt keine
Kapazität, mich jetzt da mit irgendwelchen Rechtfertigungen auseinanderzusetzen,
weil es spielt überhaupt keine Rolle mehr in der Situation.
Also es war einfach, der Fehler ist passiert und gut, fertig.
Sebastian
Mhm.
Sal
Und Klappe halten, weiterspielen, gut ist, so war's.
Sebastian
Das ist ja total logisch und überhaupt in keinster Form irgendwie erotisierbar,
sondern einfach nur der Sache dienend.
Merope
*lacht*
Sebastian
Und jetzt stehst du dann da vorne und was passiert mit dir?
Merope
Mich hat der Blitz getroffen. Ich hab irgendwie, also ich weiß gar nicht, ob ich es damals dann schon
irgendwie mir bewusst gemacht habe, dass ich das nochmal erleben will,
aber für mich waren dann die nächsten Spiele, habe ich probiert,
das wieder rauszukitzeln, dieses gemaßregelt werden und ...
Sebastian
Das heißt, du hast ihnen zugelabert, es wird immer schlimmer.
Merope
Nein, ich habe auch geflirtet und ich habe damit, ich habe kokettiert damit
und war devot und, also wir hatten viel Spaß eigentlich dann immer, oder?
Sal
Absolut, klar. Es war halt viel wirklich kokettieren und flirten und komm doch,
dabei, so provozieren, spielerisch, also schon, ja.
Sebastian
Okay, war dir, Merope, war dir schon irgendwas dabei bewusst?
Merope
Gar nicht, ich wollte nur in seiner Nähe sein, ich wollte einfach nur bei ihm
sein, ich wollte ihn erleben und ich habe dann mein Netz so gezogen,
also ich habe ihn verwoben mit ganz vielen,
dann war er ja Musiker und wir hatten so eine ganz schrullige alte Klavierlehrerin,
also habe ich ihn als Klavierlehrer zu uns nach Hause geholt und ja,
so richtig das Klischee, ne [Dialekt]?
Jedenfalls hat er meinen Kindern Klavierunterricht gegeben und da war er auch
so herrlich dominant und mir war irgendwann klar, ich will nicht,
dass er meinen Kindern Klavierunterricht gibt, ich will, dass er mich erzieht,
dass er mir Klavierunterricht gibt und dann habe ich auch Klavier angefangen zu spielen.
Also man muss dazu sagen, dass ich eine musikalische Vorbildung genossen habe
und das ist jetzt nicht von, also es war irgendwie, das war schon ein logischer
Schritt, das war jetzt nicht so ...
Sebastian
War dieser Gedanke da: „Ich will, dass der mich erzieht“, also war im Kopf,
da war das schon eine Formulierung für dich oder ist das so ein,
nee, jetzt will ich aber?
Merope
Ich wollte einfach bei ihm sein, tatsächlich. Also anders kann ich es gar
nicht beschreiben. Ich wollte in seiner Nähe sein.
Ich habe dann seine Filme geguckt, die er nur so erwähnt hat.
Und ich habe die Musik gehört, die er vielleicht gesagt hat,
so „Ey, kennst du das?“. Dann habe ich seine Musik gehört.
Und so wurden immer mehr, immer mehr.
Also ich habe wirklich wie so eine Spinne alles eingewoben, was irgendwie von
ihm fallen gelassen wurde
so an Worten, an Möglichkeiten und dann meine Kinder haben viel Computer gespielt
in der Zeit und dann habe ich gesagt, Mensch, das macht mir so Sorgen und dann hat er gesagt,
naja, aber du weißt gar nicht, was die da machen, du musst das ja auch einmal
ausprobieren, bevor du es verteufelst und dann habe ich ein Computerspiel gespielt,
da war ich ja, also jetzt mal ehrlich,
das gehörte gar nicht in meine Kindheit oder ... das heißt, so ganz stimmt es nicht.
Sebastian
Aber Moment, Moment, aber das ist alles noch so ein super unbewusster der Vorgang
und aber es ist einfach, ja, der Blitz hat dich getroffen, trifft es glaube
ich dann ganz gut und da kann man schon fast sagen, das Unterbewusstsein hat
völlig die Kontrolle übernommen.
Ich will diesem Menschen nahe sein, ich interessiere mich für alles,
was ihn interessiert und auch so eine gewisse Hilflosigkeit,
weil was du eigentlich genau wolltest, das wusstest du dann ja auch nicht.
Merope
Ne, noch nicht, definitiv nicht und dann war es aber so, dass Sal hat schon immer so ein,
Freundschaft oder doch so lose Konversation. Das kannte ich so vorher gar nicht,
aber wir waren mal im Restaurant, dann,
Mannschaftsabschluss-Dingsbumsfeier und haben gegenüber gesessen und haben
uns den ganzen Abend unterhalten und er hat mich so fasziniert.
Er konnte so viel erzählen in so vielen Bereichen.
Er war so gebildet, hatte so viele Interessen, also es hat irgendwie gepasst
und ab dem Tag haben wir täglich geschrieben.
Du willst wo einlenken?
Sebastian
Jetzt mag ich natürlich, das Schöne ist ja,
ich habe euch beide hier sitzen und das war ja auch, ich habe ja erst mit dir, Merope, dieses Vorgespräch
gehabt und dann habe ich gesagt, eigentlich, mal gucken, mag er vielleicht auch,
weil ich habe dann schon gemerkt, ich mag euch eure beiden Perspektiven.
Ich provoziere jetzt mal ganz schlimm.
Sal, da ist man jetzt beim Sport machen und dann hat man da einen Menschen,
der sich plötzlich für alles interessiert und wo immer mehr ist,
also jetzt mal so von außen betrachtet ganz nüchtern, das ist ja im Prinzip
so ein, da wird man ja schon fast gestalkt.
Da ergeben sich Gelegenheiten und Themen und alles passt irgendwie,
egal was man tut, es ist gut.
Ich will das gar nicht negativ sagen, aber so ein bisschen, kam dir das irgendwie
komisch vor oder war das auch für dich so ein „Ja, ich möchte das“?
Also die Gegenseitigkeit, die würde mich jetzt wirklich mal interessieren,
wie du das auch wahrgenommen hast.
Sal
Also zunächst mal, es gab ein paar Mädchen, hat man, im Nachhinein habe ich das
herausgefunden, mehr oder weniger, die was von mir wollten während der Schulzeit
und ich habe nichts davon mitbekommen.
Merope, Sal, Sebastian
*lachen*
Sebastian
So einer.
Sal
Genau, ich hatte so eine komplette, ich hatte so Scheuklappe, ich habe überhaupt nichts mitbekommen.
Das war nett und ich war auch während der Schulzeit immer sehr,
sehr gut auf meinem Instrument, also waren immer alle ganz begeistert und haben
es auch bewundert und es ging irgendwie komplett an mir vorbei.
Ich habe das gar nicht registriert.
Insofern habe ich das auch, ja, ich fand es interessant, sodass jemand auch Interesse an mir zeigt.
Und ich habe es ein bisschen genossen, aber ich habe die Schlüsse gar nicht gezogen.
Obwohl die Schlüsse eigentlich, wir haben im Nachhinein ja auch mal die Nachrichten
von damals gecheckt und schon SMS und so, bevor da mit Messenger und was auch alles das losging.
Also es war relativ schnell, relativ, also sehr flirty, kann man fast behaupten,
sehr flirty. Und ich habe es einfach nicht gepeilt.
Ich saß wirklich da und ich habe es nicht so richtig registriert.
Und ich habe mich auch gar nicht gestalkt gefühlt, weil, ach,
sie wollte das dann mal probieren, dann probiert sie das halt mal.
Oder dann hat sie den Film geguckt, gut, schön, freut mich, haben wir kurz darüber
geredet und dann war gut.
Ich weiß nicht genau, was bei mir los war, aber ich habe nicht so richtig, ich habe keine Schlüsse gezogen.
Sebastian
Das finde ich immer schön. Ich sage ja immer, der Mensch ist glücklicher,
der nicht allzu viel über alles nachdenkt.
Das ist auch so. Man kann immer alles so lange tot analysieren,
das machen wir ja heute auch so ein bisschen und dann wirkt das immer so ein
bisschen creepy, obwohl es das überhaupt nicht ist, weil das ist halt einfach das Leben.
Merope
Ich war ja auch nicht frei, also ich glaube, dass dadurch das viel schwieriger
auch vielleicht war zu …
Sebastian
Als ob das schon jemals im Leben irgendwelche Menschen von irgendwas abgehalten hätte. *Sebastian und Merope lachen*
Sal
Nee, aber es hat, ich meine, wir haben ja darüber, ich meine,
ich war ja so konservativ erzogen und für mich war das auch, sie war überhaupt
nicht mein Beuteschema, gar nicht. Also, gar nicht.
Sebastian
Ja, das wirst du jetzt ausbügeln müssen. Jetzt hast du was gesagt. *alle lachen*
Vielleicht an der Stelle mal gucken, was war denn dein Beuteschema eigentlich?
Sal
Ich glaube, ich kann nicht sagen, dass ich ein Beuteschema hatte.
Ich würde eher sagen, es gab Ausschlusskriterien.
Und diese Ausschlusskriterien, würde man sagen, schließen jetzt eine verheiratete Frau ein, zumindest.
Sebastian
Oder aus. *lacht*
Sal
Oder aus, so meine ich das, genau. Insofern würde ich sagen, dass das eher so war.
Ich würde nicht sagen, dass ich bestimmte Beuteschemen hatte.
Ich hatte irgendwann mal so die Fantasie, da so eine Rothaarige,
finde ich ganz toll und weiß nicht was.
Aber es war jetzt nie irgendwie, nie was Konkretes.
Sebastian
Das kannst du ja jetzt auch lösen mit der Rothaarigkeit.
Sal
Absolut, kann ich jederzeit sagen. Hab ich schon mal zwischendurch, es hat mir sehr gefallen eigentlich, muss ich mal wieder machen. *Merope lacht*
Sebastian
Ich glaube, im Bad haben wir noch so ein Töpfchen von der Farbe.
Das ist kein Problem, wenn ihr eine Pause machen möchtet.
Merope, da wirst du nervös, ne [Dialekt]?
Merope
Ne.
Sebastian
Okay, dann falle ich jetzt nicht nochmal in die Falle. Wäre er denn dein Beuteschema gewesen?
Merope
Ich habe nicht gesucht. Ich war eigentlich, ich kann das gar nicht sagen,
ich war eigentlich glücklich.
Also ich habe ja, mein Job hat mich ausgefüllt und das Haus hat viel,
wir haben damals so eine völlig verfallene Villa gekauft, die renoviert werden musste.
Ich hatte gar keine Zeit für Beuteschema und Sex.
Meine sexuellen Gedanken, die habe ich mit mir selber dann im Verborgenen quasi
gelebt. Ich habe mit meinem Mann weiterhin natürlich immer geschlafen.
Es war okay, es war jetzt auch nicht falsch oder so.
Und mein Leben war eigentlich okay bis zu dem Zeitpunkt, wo ich gemerkt habe, dass was fehlt.
Sebastian
Jetzt seid ihr da ein Jahr lang miteinander am Flirten, ohne das so richtig zu merken?
Merope
Genau, absolut.
Sebastian
Wenn ich jetzt, wie gesagt, wenn ich ein Buch schreibe und will,
dass es nochmal sehr viel länger wird, dann diese Phase würde ich dann auch
ausdehnen bis zum geht nicht mehr.
Merope
Die war auch schön.
Sebastian
Wo jeder, der von außen drauf schaut, sagt, das muss doch jetzt mal,
ne [Dialekt]? Und dann ja doch wieder nicht.
Irgendwann kam der Schritt ja dann doch, also was ist passiert?
Eine Aussprache oder ein Ereignis?
Merope
Ja.
Sebastian
Was hat sie angestellt?
Er zeigt auf sie. *Sal lacht*
Merope
Genau, also ich glaube, also dieses Jahr,
wo wir nur geschrieben haben, uns immer mal wieder getroffen haben,
wenn auch nicht, also durchs Training schon regelmäßig, aber haben ja auch nicht
immer zusammen gespielt oder so.
Aber wir haben uns dann ja auch privat teilweise getroffen, haben bis nachts
um drei uns irgendwelche Songs gezeigt bei YouTube oder so, bei Spotify.
Und ausschlaggebend war dann, es wurde tatsächlich ein bisschen konkreter, so,
und zwar von ihm, also er ist schuld, möchte ich nochmal sagen. *lacht*
Sebastian
Jetzt guckt er ganz fragend. *Merope lacht* Ich bin sehr gespannt jetzt.
Sal
Ich auch.
Merope und Sal
*lachen*
Merope
Ich habe mich gefühlt, als ob ich so aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst wurde.
Auf einmal wollte ich wieder leben. Also ich wollte immer leben.
Ich hatte nie, das soll jetzt nicht falsch rüberkommen, ich hatte nie eine depressive
Phase oder so, aber mein Leben war recht grau. und auf einmal wollte ich Musik
hören und mit ihm teilen und ich wollte Bilder, Maler, alles,
was mein Herz berührt hat, so diese ganzen dunklen,
Kunstbilder auch oder so, habe ich mit ihm geteilt und er hat zurückgeschrieben,
was er darüber denkt und auf einmal war wieder Leben in mir und gar nicht im
sexuellen Sinne, sondern erstmal so Kultur, Kunst und Kultur haben wir wahnsinnig
viel geteilt, wir haben dann, Gedichte geschrieben haben wir später.
Sebastian
Oh, hier wurde noch nie ein Gedicht vorgetragen im Podcast, möchte ich nur mal erwähnen.
Sal
Das wird sich wahrscheinlich heute auch nicht ändern. *lacht*
Merope
Ich hätte eins dabei.
Sal
Das ist schön für dich.
Merope und Sal
*lachen*
Sebastian
Ich mache mal eine Notiz.
Merope
Nach der Pause vielleicht. *lacht*
Sebastian
Es ist ja quasi auch fast Weihnachten, jetzt zu dem Zeitpunkt, wo wir das aufnehmen.
Es ist noch Dezember. Wäre ja passend. Okay, aber was hat er gemacht?
Also es muss ja irgendwann dieses, o Gott, wir machen jetzt miteinander Dinge
und die haben irgendwie was mit dominant und submissiv zu tun.
Irgendwie muss ja diese Erkenntnis euch ja mal wie einen Schlag getroffen haben.
Merope
Genau, also es war so, dass im Chat haben wir uns dann auch teilweise sehr persönlich
unterhalten und er hat dann Sachen fallen lassen wie, ja weiß ich nicht, wie war denn das?
Also du hast irgendwann mal gefragt, also irgendwie war es dann auch,
ich weiß nicht mehr, wie genau es war, er hat mich schon im Chat dominiert.
Also er konnte mich ganz hervorragend manipulieren, dass ich schon damals,
obwohl wir nur eine normale Freundschaft waren,
hat er dann seinen Unmut kundgetan, hat sich dann nicht mehr gemeldet,
bis ich mich wirklich entschuldigt habe und ich musste mich dann aber wirklich,
ich konnte nicht sagen so „Hey, man, sorry“,
sondern ich musste mich wirklich vernünftig entschuldigen und dann erst hat
er den Chat wieder aufgenommen und er hatte mich dann schon sehr an der Hand.
Und dazu kam dann noch, dass er manchmal, oder einmal oder zweimal wahrscheinlich
nur, hast du gefragt, was willst du dann, willst du die Peitsche oder irgendwie so.
Und dann habe ich gesagt so: „Ja, was wäre wenn“, oder.
Sebastian
Also immer noch so ein bisschen zögerlich. Sal, wenn du so was schreibst,
eher Scherz, Spaß oder schon so „na, vielleicht springt sie drauf an“.
Sal
Nee, es war Scherz zu dem Zeitpunkt. Also dazu muss man ja sagen,
als wir dann tatsächlich zusammengekommen sind, hat es auch noch mal wirklich
gedauert, bis wir gemacht haben, was wir jetzt machen.
Also das hat ja auch, erst mal sind wir quasi dann zusammengekommen,
erst mal so und dann hat es noch mal sechs Monate etwa.
Ich meine, es ging schon früher los, dass so Sachen formuliert wurden,
aber es hat dann auch noch mal Zeit gebraucht.
Sebastian
So ein bisschen gucken. Das Publikum ist natürlich ganz ungeduldig.
Wir sind jetzt hier seit knapp 40 Minuten dabei, zu schauen,
wie ihr beide nicht BDSM gemacht habt.
Merope
*lacht*
Sebastian
Und trotzdem die gegenseitige Kapitulation ausreichend verhandelt habt, offenbar.
Aber das ist, also grundsätzlich ist so in dieser Art und Weise gewesen, Sal,
du machst Ansagen und wenn sie doof ist, dann hat sie sich auch zu entschuldigen,
weil das macht man halt so, das ist ja auch durchaus mit der konservativen Erziehung
vereinbar und sie muss sich dem halt fügen und sie fügt sich auch noch.
Das ist ja auch, also ihr habt euch ja gegenseitig antrainiert,
dieses Rollenverständnis zu haben, intuitiv.
Das ist ja, entgegen jeglicher Vorstellung von BDSM, wo man Konsens auf Augenhöhe
macht oder so, sondern irgendwie es ist ja auch kein BDSM, es ist so ein ...
Merope
Es ist eine Liebesgeschichte, eine echte.
Merope und Sal
*lachen*
Sebastian
Das ist total romantisch. Jetzt muss ich diese Folge doch noch irgendwie vor
Weihnachten veröffentlichen.
Sal
Ähm.
Sebastian
Jetzt du eben gesagt, Sal, ihr seid zusammengekommen und dann aber immer noch nicht.
Okay, das heißt, du hast, Merope, du hast alle Zelte abgebrochen und hast gesagt, so, jetzt der Typ.
Merope
Genau, jetzt der Typ. Es war dann so, dass ich war ja verheiratet und wir hatten
uns schon auch auseinandergelebt, hatten schon überlegt zur Eheberatung zu gehen
und so weiter und das begab sich dann,
dass mein Mann damals nach Afrika gegangen ist beruflich und ich musste dann
irgendwie noch ganz viel ihm helfen,
seine Dienste übernehmen, dass er das überhaupt verwirklichen kann.
Und er verschwand dann nach Afrika, wo er kein Handy, kein Internet,
kein gar nichts hatte, ohne eine Nachricht.
Ich musste seinen Dienst, ich war früh weg, hab dann irgendwie noch meine Eltern,
haben ihn noch zum Flughafen gefahren und so weiter und er verschwand ohne wirklich
einen Zettel so bis dann und dann oder ... er war dann einfach weg und ich hab mich ...
also ich hab dann zum ersten Mal gemerkt, dass diese Leere, die ich empfinde,
einfach auch damit zu tun hat, dass unsere Ehe eigentlich am Ende ist.
Also, dass da nicht viel ist.
Unsere Ehe war so weit, dass man sich nicht mal mehr einen Zettel schreibt,
wenn einer ohne Internetempfang, ohne Telefonempfang in ein Land,
wo man laut Außenministerium nicht hinreisen sollte, über so eine Hilfsorganisation.
Jedenfalls verschwand er ohne ein Wort.
Und ich hatte mich vorher aber aufgeraucht, weil das einfach so meine Persönlichkeit
ist, zu dienen und zu helfen und alles möglich zu machen für jeden.
Und was ja irgendwie auch nie gesehen oder gewollt war und trotzdem benutzt
wurde. Und er war dann weg.
Und für mich war irgendwie klar, ich habe dann noch mit einer Freundin telefoniert
und für mich war klar, dass ich aus dieser Ehe ausbrechen würde.
Und das habe ich auch wirklich versucht und bin absolut gescheitert.
Also wir hatten den schönsten Abend eigentlich auf der Welt,
haben noch zusammen Klavier gespielt und was getrunken und dann musste ich
die Kinder nochmal ins Bett bringen oder der Kleine rief nochmal und als ich dann wieder runterkam,
also die Kinder schlafen eine Etage höher, als ich runterkam,
war Sal verschwunden.
Sal
Nee, Moment, ich hatte mich angezogen und war am Gehen.
Merope
Du warst verschwunden, du warst weg, als ich runterkam. *lacht* Da hat er,
glaube ich, zum ersten Mal gemerkt, o Gott, jetzt will sie wirklich was, nehme ich an.
Und dann hatten wir kurze Zeit später, saßen wir im Auto nach dem Training und
da habe ich ihm gesagt, weißt du, ich will dich, ich will dich, weil du du bist.
Sebastian
Jetzt steht sie da und sagt, ich will dich. Was sagt man da?
Sal
Das war sehr schwierig für mich, die Situation, weil ich wollte sie einerseits
nicht verletzen an der Stelle, auf der anderen Seite ging das überhaupt nicht
zu vereinbaren mit meinem ...
mit meinen Prinzipien, mit denen ich aufgewachsen bin. Also das ging einfach,
das war nicht in Ordnung an der Stelle.
Gleichzeitig mochte ich sie aber sehr gerne. Ich wollte das eigentlich schon
auch, aber ich konnte das eigentlich nicht und ich durfte das eigentlich auch
nicht und wollte sie aber auch nicht verletzen. Es war sehr schwierig.
Ich habe sie dann, glaube ich, letztlich, habe ich dich hingehalten.
Merope
Ja, da hast du dich hingehalten.
Sal
In solchen Situationen weiche ich dann immer aus auf so ...
halbe Aussagen, so „Ja, im Moment nicht“, so was in der Art.
Und das habe ich glaube ich da auch gemacht, irgendwie in der Form.
Aber es rumorte danach. Und es wurde tatsächlich, danach ging das Verhandeln eigentlich so richtig los.
Merope
Stimmt.
Sal
Wie sieht es denn eigentlich aus, unter welchen Umständen, und dann wurde es auch, es wurde immer flirtiger, immer flirtiger.
Und es ging auch immer mehr an die Substanz.
Ich bin mir nicht sicher wann, aber es war uns eigentlich irgendwann beiden
klar, dass es eine Frage der Zeit sein würde, weil es ging einfach zu tief an der Stelle schon, oder?
Merope
Ja, wir waren auch durch das Jahr waren wir schon so eng verbunden.
Sal
Dann hatte man auch irgendwie nach möglichen in Anführungsstrichen Ausweichterminen gesucht und ob
man nicht, wo man sich mal treffen könnte und überlegen, weil es war auch überhaupt
nicht leicht bei ihren Verpflichtungen, Termine zu finden.
Und gerade mit Kindern und allem möglichen drum und dran.
Und das war dann eigentlich schon fast ... genau.
Sebastian
Das heißt, hast du dann irgendwann gesagt, ja, du hast mich ja mal im Auto was gefragt.
Merope, wenn er es nicht mehr weiß, du kannst es ruhig sagen.
Sal
*lacht* Doch, ich weiß es noch, ich weiß es noch. Ich kann ja mal meine Situation oder meine Geschichte erzählen.
Also für mich war das so, wir hatten so lose,
sie hatte immer so gesagt, „naja, wie wäre es denn dann da und da“ und keine Ahnung.
Und ich dachte immer, ach, das meint sie doch ohnehin nicht so,
das klappt doch am Ende eh nicht.
Und dann war es ein Tag bei einem Abschlusskonzert, vor meinem Abschlusskonzert
eben, da saßen wir da und auf einmal waren wir alleine zu Hause und ich dachte schon so,
jetzt bin ich mal gespannt, ob sie das jetzt wirklich darauf anlegt. *lacht*
Und dann meinte sie so, „Na“, *lacht*, „Wie sieht's aus, wollen wir nicht mal rübergehen?“.
Und letztlich irgendwie kam es dann dazu.
Sebastian
Ihr hattet einfach schnöden, hemmungslosen, animalischen Sex.
Sal
Ja, also ich würde es gar nicht mal animalisch bezeichnen, weil ich hatte ja
so gut wie null Erfahrungen.
Ich war, also alleine schon, weil ich so wenig Erfahrung hatte,
habe ich gezittert wie Espenlaub.
Ich konnte gar nichts *lacht* mit nichts anfangen. Ich war nur komplett überfordert mit der Situation,
weil halt eben gleichzeitig zu dieser körperlichen Geschichte,
die mir ja doch recht fremd war zu dem Zeitpunkt noch, diese ganzen trotzdem
Gewissenskonflikte mitspielten, weil das war der, das war der Rubikon.
Ab dem Moment gab es eigentlich kein Zurück mehr.
Sebastian
Das sind so ein bisschen amerikanische Moralvorstellungen.
Sal
So ein bisschen schon und es ist interessant, weil eigentlich meine Mutter immer
sehr locker war, was so was, aber wobei auch, naja.
Sebastian
Tut was ihr wollt, aber habt auf keinen Fall Sex, dann kommt ihr in die Hölle.
Sal
Nein, nicht auf die Art und Weise, aber mehr so ...
Sebastian
Aber so schlimm muss es ja angedroht sein, damit man sich so, naja
zwei erwachsene Menschen, mein Gott, und die wollen halt und dann tun sie halt
Dinge und im Zweifel bereuen sie es und haben einen Fehler gemacht,
aber vielleicht tun sie erst mal.
Ganz klar kopflastig und alles durchdenken und moralische Konsequenzen durchdenken
und dabei merkt, also wenn ich euch zuhöre, ich höre so viel Leidenschaft und
Knistern und Verlangen, was da über nicht Tage,
Wochen, nein über Jahre quasi gewabert hat zwischen euch.
Na klar, irgendwann muss das ja mal passieren, aber das hätte wahrscheinlich
ein externer Beobachter schon an Tag zwei wahrscheinlich sagen können,
weil es einfach irgendwie darauf hinausläuft, aber man will es ja auch selber
nicht so wahrhaben.
Sal
Genau. Und es war wirklich auch, es war schwierig, das alles unter einen Hut zu kriegen.
Aber sie hat mir tatsächlich, das war dann, das war nicht deine Schuld,
das war dann dein Anteil daran, sie hat mir da sehr auch drüber geholfen,
sie hat mich da sehr mitgerissen so mit dem Ganzen.
Und es war ganz toll auf einmal alles und wir haben uns dann dauernd gesehen
und wo es ging und es wurde dann irgendwie immer mehr, so gut es geklappt hat.
Ich habe da nichts bereut in dem Sinne, aber der Anfang war schwierig,
der Punkt zu sagen, jetzt überschreiten wir diesen Punkt, diesen Tipping Point.
Sebastian
Merope, jetzt warst du dir ja bewusst, was du so für Dinge gut finden könntest und jetzt zerrst du ihn ins Schlafzimmer
und da musstest du ja wohl ein bisschen Führung übernehmen erstmal,
vermute ich jetzt mal ganz dreist.
Das widerspricht ja eigentlich dem, was du gerne gehabt hättest, vermute ich.
Merope
Mhm.
Sebastian
Kannst du dem widersprechen oder liege ich da halbwegs richtig?
Weil du musst ja erstmal gegen deine Sehnsucht etwas tun mit einem Menschen,
mit dem du es auch gerne tust, aber irgendwie ist es ja dann doch nicht das.
Also man kann sich das jetzt nicht vorstellen: und dann hat er dich dominant,
genommen, du merkst, ich bausche das, jetzt fürchterlich auf,
geht ja nicht. Trotzdem gut, schön.
Merope
Also es war schon so, dass, also jetzt vielleicht das erste Mal vor seinem Konzert,
das war ja so wirklich, das war eine komische Situation für uns beide.
Ich habe Ehe gebrochen, das war ganz, also es war wirklich, es war ätzend,
man. Und er hatte keine Erfahrung, darf ich das sagen? Oder schneiden wir das?
Sal
Nee, nee, alles gut.
Merope
Und war ganz aufgeregt, das habe ich alles
gar nicht so mitbekommen tatsächlich, weil ich selber so in meinem eigenen Gefühlskonflikt
war und es war wirklich die Erlösung, aber mehr war es erstmal auch noch nicht,
weil irgendwie waren die, das ist schwierig,
also es ist schwierig, Menschen zu verletzen, so was zu tun und genau,
also da war ich wenig bereit für irgendwas.
Selbst wenn er irgendwas in die Richtung gemacht hätte, hätte ich es,
glaube ich, gar nicht mitbekommen, weil ich selbst so in meinem Gedankenkarussell war.
Und dann die folgenden Male, muss ich sagen, ging es eigentlich schon so zur
Sache und am Anfang musste ich immer so schmunzeln,
weil, also er hat schon immer die Führung übernommen,
hat mich in verschiedenste Positionen gedrückt und hatte auch ganz oft die Hand
an meinem Hals, hatte ich zum ersten Mal eine Hand an meinem Hals und ich wollte
immer mehr davon. Also es war Wahnsinn.
Und so diese Positionswechsel auch und diese Leidenschaft, die er da hatte oder
diese, ja, er war schon so ein bisschen wie verdurstet oder ich kann es gar nicht beschreiben.
Du warst, du hattest unglaublich viel Lust auch in dir und hast mich immer umklammert.
Ich kam gar nicht raus aus den Griffen und ich musste immer so ein bisschen
schmunzeln, weil die Positionen ganz oft so waren, wie man sie,
glaube ich, im Fernsehen sieht oder so. *lacht*
Merope, Sal, Sebastian
*lachen*
Merope
Warum soll ich jetzt das Bein hochnehmen? Naja, wahrscheinlich, weil das halt dann …
die Kamera oder so. Also ich musste, entschuldige, wollen wir das schneiden?
Sal
Nein, weil man dann den Zug hat.
Sebastian
Sal, du hast also gegoogelt und Dinge herausgefunden.
Sal
Nein, ich habe nicht gegoogelt, ich habe einfach viel geguckt,
viel Videos geguckt. Also ich habe ja, wie gesagt, wenig Erfahrungen während
der Schulzeit gemacht, beziehungsweise gar keine wirklichen.
Und da habe ich halt mir ganz viel angeguckt im Internet.
Ich war sehr, sagen wir, interessiert, was das angeht.
Und genau, und da hatte man dann natürlich verschiedene Bilder auch so vor Augen,
was so geht, was so gemacht werden kann.
Sebastian
Ja, und dadurch gleich die Führung und das musste ja klappen.
Sal
Interessant war, als ich diese ganzen, da sind wir wieder beim gleichen Punkt,
als sie mich mal gefragt hatte, was ich denn gerne angucke.
Das war tatsächlich noch vor der Zeit, bevor wir dann tatsächlich,
also es war so in dieser Zeit zwischen Weihnachten und, ne [Dialekt]?
Merope
Ja.
Sal
Alle Videos, die ich ihr geschickt hatte, waren hart.
Und es war immer so, dass der Mann irgendwie die Frau auf irgendeine Art und
Weise übernimmt und so überwältigt.
Und das war schon auch witzig im Nachhinein.
Sebastian
Aber war kein, nichts BDSMiges drin?
Sal
Ja, da wurde auch gewürgt und da wurde auch Zeug gemacht.
Also es war jetzt nicht, es war nicht so gelabelt und es war auch nicht,
also darauf wurde nicht der Fokus gelegt. Aber es waren schon solche Elemente drin, definitiv.
Also dann irgendwie, ja.
Merope
Also es war ja schon auch von Sex and Submission oder so, ne [Dialekt]?
Sal
Da war eins dabei, das, hast du recht. Stimmt, das ist natürlich klar.
Aber es ist, wie gesagt, ich war schon immer trotzdem noch bei diesem,
ja, stimmt schon, eigentlich hast du recht. Da war auch was dabei von.
Sebastian
Ich fasse zusammen. Ihr habt es dann irgendwie nach ewigen Zeiten geschafft, im Bett zu landen.
Merope
*lacht*
Sebastian
Jetzt sind wir ja doch irgendwie ein BDSM-Podcast. Das heißt,
irgendwann muss ja mal die Sub und der Dom wissen, dass sie Sub und Dom sind.
Gab es ein Gespräch oder immer weiter entwickelt?
Also ich mag so ein bisschen wissen, wie organisch ihr da vorgegangen seid oder ob irgendwann
einfach mal, Merope, von dir einfach mal dieses sein musste, ich will vor dir auf die
Knie gehen, ich will, dass du mich schlägst, um Himmels Willen,
jetzt mach einfach böse Sachen mit mir.
So könnte ich mir das fast vorstellen, dass du das genau so sagst.
Merope
Nein, es war nicht, weißt du es noch?
Sal
Also ich erinnere mich daran, dass sie irgendwann mal gesagt hat,
hey, willst du mich nicht mal hauen?
Merope
Aber so habe ich es doch ganz bestimmt nicht gesagt.
Sal
Doch, so hast du es gesagt im Keller, ich weiß es noch ganz genau.
Merope
Ich bin viel subtiler.
Sal
Nein, du warst nicht subtil. Du warst nicht subtil, was das angeht. *lachen*
Du hast einfach gesagt, kannst du mich auch mal so ein bisschen einfach hauen?
Und ich dachte so, man kennt ja das Hauen im sexuellen Sinne.
Und ich dachte einfach so ein bisschen ... hauen. Und ich weiß noch,
wie ich dann so „Na, so in der Art?“ - „Nee, doller“.
Sebastian
*lacht*
Sal
Dachte ich okay. Nee, doller. Okay, jetzt erstmal die Handfläche nochmal in Ordnung bringen.
Und das war so die ersten, in meinen Augen, die ersten Hiebe,
die ich dir verpasst habe. Doch.
Merope
Nein, ich glaube nicht. Ich glaube, ich habe gesagt, dass ...
dass ich gerne mal einen Po voll hätte und du hast gesagt, das ist kein Problem,
hast die Handflächen aneinander gerieben, hast gesagt, ich komme aus Süddeutschland *Klopfgeräusch*
und hast auf deine Schenkel geklopft.
Oder war das später die Szene?
Sal
Ich glaube, das war später.
Merope
Bei dir zu Hause war das?
Sal
Das war später.
Sebastian
Also ihr werdet euch offenbar nicht einig, wie genau ihr es gemacht habt,
aber irgendwann wurdest du das erste Mal in deinem Leben auf den Popo gehauen.
Merope
Mhm.
Sebastian
Gut, du musstest es einfordern, auch da wieder so ein bisschen, hm, wie fühlt sich das an?
Merope
Also mir war alles hochnotpeinlich. Ich wäre am liebsten bei allem,
was dann auch noch folgte, bestimmt noch das ganze nächste Jahr oder das ganze
nächste halbe Jahr wäre ich am liebsten jedes Mal am Boden versunken, vor Scham.
Sebastian
Aber dir war doch bewusst, es gibt BDSM, du hast, ich glaube sogar im Lexikon
auch Begriffe schon viel früher nachgeschlagen und dir war auch irgendwie auch
bewusst, das möchtest du haben und du hast ihm sogar aufgefordert, mach mal was.
Woher kommt es, dass dir das peinlich ist?
Merope
Naja, ich meine, ich habe bis dahin mein ganzes Leben diese Seite von mir verheimlicht,
weil das hatte ja auch irgendwie Gründe.
Und ich glaube, dass das einfach so verfestigt war in meiner Persönlichkeit,
dass mir diese Seite peinlich war, weil sie eben nicht der normalen Gangart
so entsprach, dass ich mich dafür einfach lange, lange, lange Zeit geschämt habe.
Sebastian
Aber dennoch hast du ihn immer wieder eingeladen. Mach mal.
Merope
Ja, also ich meine, mir war das
so peinlich, dass ich die Hälfte der Zeit wahrscheinlich verdrängt habe.
Aber ich habe das gar nicht so in Erinnerung, dass ich da oft nach,
doch ich habe eigentlich, doch ich oft nachgefragt. Ich weiß es nicht mehr.
Sal
Ich glaube, der Vorteil war, dass ich eben sexuell so ein unbeschriebenes Blatt
war und deshalb total offen gegenüber allem.
Also ich war dem eigentlich nicht besonders reserviert. Ich meinte,
okay, dann probieren wir das mal aus. Ich glaube nicht, dass du es so oft eingefordert hast.
Ich glaube, wir haben das dann einfach mal ausprobiert und es ging relativ schnell über in,
da war dann einmal Fesseln dabei und dann ging es aber relativ schnell über
in, da hast du es mir nahegebracht, dass du doch doller gehauen werden möchtest.
Stärker, dass man mal da ausprobiert, vielleicht ein Instrument und dann war
ja schon ein halbes Jahr vorbei. Es ging ja alles dann sehr schnell.
Also die Gespräche fingen dann an nach drei, vier Monaten, nehme ich an.
Und dann zwei Monate später waren wir schon die Gerte kaufen.
Sebastian
Und zwei Monate später schon. Also ihr habt euch, ich finde,
aus meiner Perspektive sehr viel Zeit gelassen.
Sal
Aber man darf nicht vergessen, dass ich an dem Moment seit sechs Monaten Sex
hatte, als ich mir die Gerte gekauft habe. Also *lacht*
Sebastian
Ja, okay. Also aus der Perspektive schon wieder sehr schnell.
Aber man merkt schon so dieses, und alles, was man probiert,
ist dann irgendwie gut und man muss mehr davon haben.
Merope
Das war dann nur noch in meinem Kopf. Ich habe dann das Internet natürlich für
mich entdeckt und ganz viel Geschichten gelesen, also so mit sexuellem,
mit erotischem Inhalt und habe da Ideen übernommen.
Und wir haben am Anfang, also ich sage mal, die ersten zwei Jahre haben wir,
glaube ich, so viel ausprobiert,
so ein buntes Reservoir an sexuellen Varianten und Spielereien. Und aber auch,
also was nicht so sexuell tingiert war,
also wir haben ja auch nur Schmerz, machen wir ja ganz viel so,
dass man nur Schmerzen zufügt ohne sexuellen Inhalt,
sondern eher dann so mit Trost, wobei es eigentlich immer zur sexuellen Handlung
danach kommt, aber dann eher liebevoll so nach dem.
Sal
Ja.
Sebastian
Aber ist es dir jetzt immer noch unangenehm, wenn du davon erzählst?
Merope
Mal ja, mal nein. Ich bin jetzt dazu übergegangen, mich bei meinen Freunden
zu outen und das kommt in der Regel, kommt Ehrlichkeit total gut an.
Und da ist es mir nicht peinlich, da fühle ich mich eigentlich eher extravagant
oder wie so ein bunter Vogel.
Das gefällt mir auch, weil nichts anderes bin ich ja letztendlich.
Also diese Welt von BDSM ist einfach so bunt und man lernt so viele verschiedene Menschen kennen.
Das ist ein Vorteil, denke ich, gegenüber Vanillas, die, also so blöd wie es klingt,
aber man ist halt in so einer Sz..., ja. Hm.
Sebastian
Mhm, du sagst gerade zwei Jahre. Es muss ja doch irgendwann dieser Punkt kommen,
wo man auch mal ausspricht, was wir hier machen, ist BDSM. Und das ist das, was wir mögen.
Ich meine, das ist ja für euch beide wirklich eine große Erkenntnis und ein großer Schritt.
Das muss man ja voreinander zugeben und für sich selber ja auch nochmal, dass man pervers ist.
Sal
Also interessant war, dass sie am Anfang viel mehr, ich habe immer so ein bisschen
mitgemacht, aber sie hat viel mehr dafür gebrannt als ich eigentlich.
Der erste Moment war dann, als wir, ist es ein Jahr nach einem Jahr quasi,
also im Frühjahr wieder gewesen?
Also quasi ein halbes Jahr, nachdem wir, wir haben da die Gerte gekauft gehabt
und haben da dann, es muss etwa zwei, drei Monate später gewesen,
nee, wie viel später, ein Monat später.
Sebastian
Die genaue Zeit einordnen, wie viele Monate, ist eigentlich gar nicht so wichtig.
Sal
Genau, auf jeden Fall haben wir dann, dann gab es einen Abend,
an dem es wirklich um Schmerzen und um Tränen und um Trost ging und ab dem Moment
wurde es dann, nahm es dann wirklich auch Gestalt an. Eigentlich war klar, was man dann macht.
Es war nicht viel später, dass wir dann so einen sogenannten Kodex Subjectionis es nannte er sich.
Also wir haben dann im Grunde Regeln verfasst, wie sie sich zu benehmen hat
und im Grunde war ab da auch schon dieses, im Prinzip nahm da schon so das TPE Gestalt an an der Stelle.
Also man hat dann schon darüber geredet, dass man eigentlich auch im Alltag
24/7, das war am Anfang sehr schwierig, wegen der Kinder, aber auch da im Grunde
hatte man schon schon die ganze Zeit über BDSM geredet und wir waren uns auch
klar, dass es BDSM ist, was wir da machen.
Sebastian
Vielleicht wollen wir das Publikum mal ein bisschen füttern.
Regeln, wie sie sich zu verhalten hat.
Also mich würde interessieren, welche Regeln gab es? Welche waren umsetzbar
und haben sich auch als schön herausgestellt?
Und von wem kamen die Regeln eigentlich? Weil das finde ich auch immer die spannende Frage.
Also was hat euch da begleitet und was habt ihr probiert?
Sal
Also die kamen eigentlich von uns beiden, die Regeln. Wir haben beide Input gegeben,
bestimmte Sachen zum Beispiel, dass ein Tee dasteht, wenn ich komme oder dass,
weil wir haben uns zu der Zeit viel morgens getroffen, dass einfach immer was
bereitsteht, was Warmes zu trinken oder dass sie immer mich anzusprechen hat
mit Sensei, hatten jetzt in dem Fall, nach Ja, Nein und Danke.
Das musste einfach da sein, wenn das nicht da war, dann gab es einen Ohrfeige
oder man hat sich das gemerkt und später anders vergolten.
Sebastian
Moment, vergolten,
Strafe gab es?
Sal
Strafe gab es.
Sebastian
Ist das ein Teil eurer Beziehung? Ist Strafe ein wichtiges Element?
Merope
Ja.
Sal
Ja, also wenn sie sich nicht verhält, wie sie sich zu verhalten hat, dann, ja.
Sebastian
Okay, frage ich mal, gab es jetzt heute, während ihr hier seid,
gab es schon Dinge, die vergolten werden wollen?
Sal
Hier noch nicht, im Auto vorhin schon.
Merope und Sal
*lachen*
Sal
Also wenn sie dann, sie war dann sehr fahrig und passt da nicht auf,
dass sie bestimmte Sachen machen muss oder hat dann in meinem Namen eine Nachricht
geschrieben, die ich ihr gesagt hatte, wie sie sie schreiben soll und sie hat
sie dann anders geschrieben und solche Sachen.
Das, so was will dann vergolden werden, weil sich das einfach nicht gehört. Richtig?
Merope
Ja.
Sebastian
Merope, dann wollen wir dich mal ein bisschen einordnen. Möchtest du gern fügsam
sein oder magst du eher herausfordern?
Also die Brat ist natürlich jetzt der Begriff.
Merope
Ich bin gar keine Brat. Ich bin immer fügsam, aber ich mache genug Fehler. *lacht*
Also ich weiß nicht. Oder seine Erziehung ist sehr streng. *lacht*
Sebastian
Ja, oder es ist einfach, er drückt sich nicht präzise aus. Ach ne, das wäre jetzt brattig, wenn das so zu sagen ...
Nein, aber wenn ihr jetzt, ich sag mal, nehmen wir mal an, ihr habt einfach mal so einen Abend für euch.
Gibt's Dinge, die, auf die du wirklich, die dir schwerfallen, die ihr im Konsens
drin habt, die ja unweigerlich dazu führen, dass irgendwas schief geht oder
was heißt schief geht, aber dass du deine Strafe auch bekommen wirst?
Merope
Wenn wir einen Abend für uns haben, dann ist das überhaupt nicht schwierig.
Das ist alles ganz, ganz einfach.
Ich meine, sicherlich ist der eine oder andere Fehler dabei. Wahrscheinlich.
Sal
Aber so ein bisschen will man das auch, muss ich ganz ehrlich sagen.
So ab und zu. Es wäre ja langweilig, wenn immer alles perfekt wäre.
Finde ich zumindest. Ich sanktioniere ja gerne mal hier und da. Ja.
Merope
Ja. *lacht*
Sebastian
Ich definiere Strafe so, das ist ein geregelter Rahmen, der dann aber auch die Sache erledigt.
Also das ist dann vergeben und vergessen danach. Da wird auch nicht nochmal
nachgestichelt, sondern damit ist die Sache sanktioniert und damit ist gut.
Merope
Ja, ist bei uns auch so.
Sebastian
Das heißt für dich ist das befreiend?
Merope
Für mich ist es ein Stück weit Absolution. Ich habe einen Fehler gemacht,
ich werde bestraft und damit ist die Sache vom Tisch.
Sebastian
Okay, und Strafe ist auch wirklich dann Strafe, also körperlich und das ist
einfach Schmerz, der nicht schön ist, nicht lustvoll, sondern das ist einfach nur Gewalt.
Merope
Genau.
Sal
Interessanterweise wollte sie am Anfang, du hast am Anfang schon gerne auch
mal Strafen provoziert, weil diese Strafen am Anfang noch keine wirklichen Strafen waren.
Merope
Weil …
Ja, wir sind ja zusammengewachsen auch in der Zeit und du warst manchmal so
ein bisschen Laisser-faire, glaube ich. Und dann musste man Strafen oder man
musste irgendwas provozieren, damit was von dir kam, damit ein bisschen Input, glaube ich, kam.
Aber ich war nie brattig, also nie.
Sebastian
Sal, jetzt hast du natürlich das Problem, eine Strafe, das muss ja einem gewissen
Regelwerk folgen. Das heißt, du sagst, wenn das, dann Konsequenz.
Das heißt aber auch, du gibst ihr die Kontrolle darüber?
Sal
Ja und nein, ich weiß aber auch, dass ich, also wir haben nie festgelegt,
wie viele Schläge für was zum Beispiel die Folge sind,
aber ich wusste, ich weiß schon auch, die Strafen so zu gestalten,
dass sie ihr nicht gefallen, tatsächlich,
also dass sie nicht das provoziert, weil sie jetzt Lust hat darauf oder weil sie so.
Und es gab auch Situationen, wo ich gesagt habe: „Nee, jetzt nicht,
ich weiß, du willst es provozieren, gib Ruhe“ und war's auch nicht.
Dann straft man im Zweifelsfall mit Missachtung, wobei man da ja aufpassen muss,
dass es sehr schnell in Liebesentzug übergeht und Liebesentzug ist ganz fies.
Also genau, so von wegen, dass man sich jetzt gar nicht mehr kümmert,
dass es einem jetzt egal ist, jetzt hat sie sich schlecht benommen,
jetzt hört sie einen halben Tag lang gar nichts von mir, weil so. Und ich habe das dann
auch nicht, am Anfang habe ich es jetzt auch nicht als Aufgabe formuliert.
Also wenn man jetzt sagen würde, okay, du warst so ungezogen,
dass ich mich gezwungen sehe, dass du jetzt drei Stunden lang nichts von mir
hörst und in der Zeit formulierst du, was du falsch gemacht hast beispielsweise
und schickst es mir als Text um Punkt 19 Uhr.
So was könnte man ja machen, dann wäre das geordneter Liebesentzug gewesen,
aber ich habe dann einfach gesagt, nee, das wird mir jetzt hier zu bunt,
ciao. Das war so am Anfang die Zeit.
Und das war dann, das ging dann schief. *lacht*
Sebastian
Ja, man muss halt probieren. Also du hast ja
jetzt einfach noch nicht so die riesen Erfahrung. Wenn jetzt eine Strafe …
aus eurer beider Sicht angemessen ist, dann muss es ja auch durchgeführt werden.
Fällt dir das schwer oder macht dir das sogar Spaß?
Sal
Also es gibt, es kommt ein bisschen darauf an, wofür die Strafe gilt quasi.
Also es gab zum Beispiel Situationen, wo sie sich mir widersetzt hat quasi.
Also sie hatte eine Anweisung und die Anweisung hat sie sich entschieden,
nicht zu befolgen, weil sie mir was Gutes tun wollte an irgendeiner Stelle.
Weil sie mich schützen wollte. Es kommt auf die Situation an,
aber es gab Situationen, wo wirklich quasi so ein Interessenskonflikt besteht.
Also wenn ich zum Beispiel sage, sie soll ... mir fällt jetzt kein Beispiel ein.
Merope
Wenn ich ihn zum Beispiel nicht wecke, also er sagt, weck mich,
wenn es dir schlecht geht oder wenn irgendwas ist oder so und ich entscheide
aber, dass er so spät im Bett war, dass ich ihn nicht wecke oder so.
Sal
Ach genau, beispielsweise so was, aber ich hab dann ...
Merope
So was. Und er kriegt es dann raus, dass doch irgendwas war und dann ich ihn
nicht geweckt habe, obwohl er es angeordnet hat und ich aber gesehen habe,
bei WhatsApp war er dann und dann noch online, dann lasse ich ihn lieber schlafen oder irgendwie so was.
Sal
Dann zum Beispiel, dann ist es theoretisch, muss ich sie ja dann,
also muss ich sie dann strafen, weil sie gegen die Regeln verstoßen hat oder
gegen meine Anweisungen verstoßen hat, aber gleichzeitig muss ich sie nicht,
würde ich sie gerne nicht strafen in der Situation, weil sie ja für mich auch gehandelt hat.
Da fällt es mir dann schwerer, aber wenn wir beide der Meinung sind,
dass eigentlich gestraft werden muss und dass es dann auch ganz klar ist,
da genieße ich das doch auch ziemlich.
Sebastian
Ja, aber ich gehe ja zurück zu dem gemischten Doppel, dieses sich immer wieder rausreden.
Nein, ich habe dich nicht geweckt, weil da, da, da, da. Da ist ja im Prinzip
wieder genau die Situation.
Und ich glaube, da ist dann auch gewollt dieses: „Nee, nix damit rausreden,
so ist die Faktenlage“ und dann musst du, Merope, das einfach …
hinnehmen, auch wenn es vielleicht auch nicht gerecht ist, damit es dann auch gut ist.
Also ist eine Strafe, tut die dir gut, auch wenn du sie nicht einsiehst?
Merope
Naja, es ist immer schwer zu dem Punkt, also er sagt die Strafe nicht an, so das werden jetzt,
weiß ich nicht, 100 Schläge mit dem Rohrstock oder so, sondern er hört dann
auf, wenn er nach meinen Lauten befindet, dass es genug ist oder so.
Also eigentlich, wenn ich am Boden erst bin, Dann wird aufgehört mit einer Strafe
und dieser Punkt des Nicht-Einsehens, der bricht ja ganz schnell.
Also so unter Schmerzen kann man Menschen ja dahin bringen, dass sie auch aufgeben.
Und ich finde, wenn ich richtig gestraft werde, bin ich danach,
wie Wachs in seinen Händen, dann bin ich ein weißes Blatt, dann stimmt alles,
was er sagt. Und wenn er sagen würde, spring aus dem Fenster,
dann würde ich es machen.
Sebastian
Wie ist das in der Situation? Es sind Schläge und gibt es da eine Vorbereitung,
bestimmte Positionen, Haltung, wirst du vielleicht fixiert dafür?
Oder wie stelle ich mir das vor, wenn das jetzt hier passieren würde,
wie kann ich mir das vorstellen?
Sal
Das ist mal so, kommt ein bisschen drauf an, wie die Strafe wird,
wie hart die Strafe wird, aber ...
Sebastian
Sie hat etwas Schlimmes angestellt.
Sal
Dann würde ich sie wahrscheinlich befestigen und dann würde ich auch ...
unvorbereitet so Cold Caning beispielsweise, wirklich mit dem Rohrstock abziehen.
Natürlich dann, ich achte da natürlich drauf, wie sie reagiert und was und es
geht mir nicht darum, dass sie da einen hysterischen Anfall kriegt,
weil sie den Schmerz nicht mehr aushält oder ins Koma fällt oder weiß ich nicht
was, sondern das ist dann natürlich schon, dass ich darauf achte,
wie sie darauf reagiert.
Aber dann bin ich schon, dann bereite ich auch nicht vor, ich wärme nicht auf,
sondern sie wird dann fixiert und hauen.
Und teilweise, wo sie gar nicht gut darauf reagiert, zum Beispiel,
was sie gar nicht gern hat, sind so piksende Sachen, wie Zahnstocher oder jetzt
Bierdeckel, so was zum Beispiel.
Mit so was wird dann teilweise auch noch gespielt, wenn man merkt,
es braucht einfach noch einen Schritt mehr.
Weil wenn man zum Beispiel zwischen den Beinen hinten einen Zahnstocher hat,
den man da irgendwie auch zu halten hat und dann auch draufgehauen wird, das ist ganz schön fies. *lacht*
Sebastian
Ja, sehe ich jetzt aber bei dir gerade auch so ein bisschen Begeisterung für
die Boshaftigkeit, sehr gut.
Sal
So ein bisschen, also ich ...
Sebastian
Ist das für dich ein positiver Vorgang?
Es macht dir Spaß? Du hast die Möglichkeit, an der Stelle jetzt wirklich mal
boshaft zu sein und ihr wisst beide, hinterher wird es für euch beide schön
gewesen sein, aber aus sehr unterschiedlichen Motiven offenbar.
Sal
In den meisten Situationen ist es so, ja. Es gibt, wie gesagt,
immer Situationen, wo man auch selbst eventuell so enttäuscht ist oder wo einem
vielleicht der Sinn gerade nach was ganz anderem steht oder man jetzt nicht
einsieht, warum man jetzt da,
also das gibt Situationen, das kommt auch immer auf das Alltagsleben an,
wie es gerade so steht im Alltag.
Aber im Prinzip kann man das ...
so zusammenfassen, dass es eigentlich für uns beide danach schön ist und dass
ich Spaß habe, sie dann zu quälen und vor allem, dass ich nicht im Sinne der Session,
also die wir dann normalerweise machen, abseits der Strafen,
darauf achte, dass ich da schön aufwärme, sondern ich kann einfach mal,
jetzt hast du es dir verdient, jetzt kriegst du es mal richtig.
Das macht dann schon Spaß, definitiv.
Sebastian
Ist denn eine Verhaltensänderung dabei beabsichtigt?
Sal
Das ist die gute Frage. Das ist jetzt so ein bisschen der Teufelskreis,
den man da eventuell unterbrechen würde.
Wenn ich jetzt sagen würde, auf keinen Fall darf sie das nochmal machen,
weil natürlich gibt es Situationen, wo diese Verhaltensänderung beabsichtigt ist.
Aber in den meisten Situationen, sage ich ja, komplett ohne Fehler wäre es leblos
auf dieser Ebene quasi ein bisschen.
Insofern ja. Also ja und nein. *schmunzelt*
Merope
Also ich glaube schon, dass du relativ viel Verhalten schon modifiziert hast,
aber meistens waren es dann ja auch wichtige Sachen.
Also sehe ich mittlerweile auch so *lacht*, dass du eigentlich Sachen bestraft hast.
Also du bestrafst ja nicht irgendwas, was nicht wichtig wäre oder so.
Sal
Also sie ist zum Beispiel mit ihrem Auto, sie hat so eine Zeit lang, darf ich das sagen,
nie richtig angeschnallt.
Und da gab es immer richtig Ärger, wenn sie dann unangeschnallt vor meiner Tür auftauchte in dem Auto.
Das hat nämlich nicht gepiept oder gar nichts, sondern so ein älteres Auto.
Und so was konnte ich zum Beispiel gar nicht haben.
Oder genau, das Autofahren war am Anfang so ein Ding.
Merope
Das Autofahren war ein ganz großes Thema, ja.
Sebastian
Wie ist das für dich, wenn du merkst, dass dein Verhalten tatsächlich modifiziert wird?
Ich meine, du bist ja eine intelligente, erwachsene Frau, die eigentlich den
logischen Schluss ziehen kann.
Ich nehme jetzt mal das Beispiel mit dem Anschnallen, die weiß,
das macht man eigentlich, das sollte man so tun.
Und offenbar hat die Logik nicht dazu beigetragen, dass du das ernst nimmst,
aber jetzt von ihm die entsprechende Motivation in Form von Strafe führt dazu.
Ist das eine Erleichterung für dich?
Merope
Was meinst du?
Sebastian
Da denkt jemand für dich mit und der setzt dir Grenzen und sagt: so und nicht anders.
Merope
Also beim Autofahren oder so ist das keine Erleichterung, weil ich muss mich ja viel mehr benehmen. *lachen*
Ich kann nicht einfach mein Ding machen, sondern ich muss aufpassen.
Aber ich verstehe ja auch ihn. Also es ist eigentlich so, wie ich es auch meinen
Kindern, wenn die jetzt Autofahren, also würde ich auch sagen,
sag mal, hast du eine Meise, schnall dich mal an, das ist dein Leben, was mir lieb ist.
Und genau das hat er mir ja quasi auch eingetrichtert, dass also auch so,
wenn er mich wegen Anschnallen zum Beispiel bestraft hat oder so,
dann musste ich immer wieder nach jedem, nach jeder winzig kurzen Pause,
warum machen wir das hier?
Und da musste ich sagen, weil ich nicht angeschnallt war und dir mein Leben
lieb ist oder weil es gefährlich ist und andere gefährdet und ich musste das
immer wieder wiederholen.
Sebastian
Ja, da ist ein sehr großer Caring-Aspekt einfach mit drin und dieses Aufeinander-Aufpassen
ist da gleichzeitig mit drin.
Also so martialisch dieser Akt vielleicht aussehen mag, aber er enthält doch ganz viel Liebe.
Merope
Ja, ich glaube, sonst würde ich mich auch nicht in der Art bestrafen lassen
oder verformen lassen, weil es ja, wie gesagt, einen guten Grund gibt.
Also ich wurde auch noch nie für Sachen bestraft, die irgendwie affig waren
oder die, oder sagen wir mal so, wenn er Sachen strafen wollen würde,
die ich, wo ich wirklich mit Herzblut sage,
das war richtig oder so was, dann würden wir auch drüber reden können.
Also dann darf ich auch um Gespräch bitten oder so, weil
ich nehme ja nicht alles von, oder er lässt nicht, ich weiß nicht,
wie ich es beschreiben soll.
Sal
Ja, du hast schon die Möglichkeit, zu sagen oder ...
Merope
Ich habe die Möglichkeit, ein Veto einzulegen und bei den Sachen,
die wirklich doof sind, wie unangeschnallt fahren oder rote Ampeln nehmen oder ungefragt ...
Naja, in Berlin sind alle Ampeln immer rot.
Sebastian
Ja, natürlich.
Sal
Es ist weniger die rote Ampel als mehr dunkelorange, gerade noch so.
Merope und Sal
*lachen*
Sebastian
Aber auch bei, ich meine im BDSM, wir haben ja nun mal diesen SSC-Kontext und habt ihr ein Safeword?
Merope
Das ist auch so eine Story, wir haben ein Safeword und ich würde es halt nie
benutzen und ich habe irgendwann nach drei Jahren mal so lapidar gesagt,
ach Mensch, ich weiß gar nicht mehr, wie unser Safeword geht und da hat er
mich auch so vermöbelt. Also das war, das war gar nicht witzig.
Da war er so sauer, weil er sich darauf verlässt natürlich, dass ich ein Safeword
habe und dass ich es auch sagen könnte, wenn ich wollte.
Aber ich sage es halt nicht.
Sal
Genau, das Problem ist, dass sie das Safeword als Versagen empfindet.
Sobald sie das Safeword sagt, hat sie quasi die Aufgabe nicht geschafft.
Und das haben wir auch noch nicht rausgekriegt. Das Neinsagen …
im BDSM-Kontext klappt bei dir nicht gut. Aber vielleicht ist es auch,
man kann es auch positiv, wir haben bis jetzt noch keinen Punkt erreicht,
wo es irgendwelche nachhaltigen Schäden verursacht hätte, dass wir einfach,
also es hat eigentlich immer geklappt, dass ich irgendwie gesehen habe, was Sache ist bei dir.
Merope
Ja.
Sebastian
Ich glaube, ich habe das im Podcast schon mehrmals gesagt, aber ich glaube lange nicht mehr.
Bei Safewords bin ich auch immer so ein bisschen gespalten. Auf der einen Seite,
wenn man sich nicht gut kennt, ist das unbedingt notwendig, einfach als Basis zur Kommunikation.
Auf der anderen Seite habe ich einfach mal gelernt,
Safeword heißt, man tastet sich ran, guckt mal, ja, ich mache jetzt so lange weiter, bis es kommt.
Und mein Gegenüber hat aber möglicherweise, ist es in dem Moment gar nicht mental
in der Lage, dieses Wort auszusprechen oder irgendwie selber zu merken, dass es zu viel ist.
Und dann verlasse ich mich auf etwas, was faktisch in einer Extremsituation,
wo ich es ja dann brauche, nicht da ist. Und dann kann ich es eigentlich auch gleich vergessen.
Oder aber man hat es eben mit einer Persönlichkeit zu tun, die da eben sehr
genau drauf aufpasst und möglicherweise das auch einfach wirklich immer wieder
als spielbeeinflussendes Element ranzieht.
Also das ist nicht ganz unproblematisch.
Ich glaube, man muss trotzdem immer einen Ausweg finden und ich rate mal,
ich gehe davon aus, wenn wirklich mal ein Moment ist, wo du merkst, du,
schlägst auf sie ein und sie verhält sich anders, als es für gewöhnlich ist,
dann wirst du auch du innehalten, weil ihr euch doch ein bisschen kennt und
dann muss erstmal eine Basis wieder gesucht werden.
Also vielleicht muss es gar nicht das Wort sein, sondern vielleicht ist auch
einfach diese Aufmerksamkeit hilft euch vielleicht auch schon und da braucht
man sich gar nicht auf so ein Wort versteifen.
Sal
Genau, das war im Grunde das. Also man merkt relativ deutlich und relativ schnell,
wenn irgendwas nicht nicht so ist, wie es sein sollte, in Anführungsstrichen.
Merope
Ich glaube, also ich mache mir da auch gar keine Sorgen, weil er mich lesen
kann, wie er will eigentlich. Also er weiß, er ...
er kennt alles von mir und wir haben ein Safeword tatsächlich für so Momente,
wo ich droppe und er aber weg ist,
also in der Uni oder auf oder in Gigs und ich arbeite viel und manchmal kommen wir dann
mit der Kommunikation nicht gut hin und dann habe ich ein Safeword,
dass ich ihn absolut brauche und dann lässt er alles stehen und liegen und kommt
zu mir und ist für mich da und das ist eigentlich das wichtigste Wort von allen und kein anderes.
Sebastian
Jetzt haben wir festgestellt, ihr habt eine TPE-Beziehung. Also sein Wort ist quasi Naturgesetz. *lacht*
Das Element der Strafe gibt es. Aber ihr habt ja auch einfach BDSM und Spaß dabei.
Wie ist so, was macht ihr für Dinge, die ihr beide erfüllend findet, die für euch auch beide positiv sind?
Sal
Also es gibt bei uns im Grunde zwei Arten, wir nennen es immer Sessions,
zwei Arten von Sessions.
Die eine ist eher Schmerz, also hat Schmerz als Ziel oder Versöhnung nach dem
Schmerz, Trost nach dem Schmerz als Ziel.
Ähnlich der Bestrafung, endet allerdings oft etwas umfassender und etwas langsamer
auch, man tastet sich eher ran.
Und die andere Art von Sessions sind sexueller Natur,
da wird auch mit Schmerz gespielt, aber das Ziel ist immer ganz klar sexueller
Natur, sexuelle, also genau Lust im Grunde. Und ja, eigentlich bei so einer,
bei so einer Schmerzsession, da gibt es verschiedene Dinge, die ich mir halt vorher
überlege, die man machen kann, manchmal lassen sie auch Wünsche formulieren.
Und dann haben wir also alle möglichen Instrumente. Wir haben ganz viele Schlaginstrumente
eben, die mögen wir sehr gerne, haben wir auch ein paar mitgebracht,
das könnte man vielleicht sogar ...
Sebastian
Wäre, ist jetzt der Moment der Dinge der Woche?
Sal
Vielleicht könnte man das anbringen an der Stelle. *lachen*
Sebastian
Ja, dann.
Sal
Kannst du mir mal die Tasche geben?
Sebastian
Machen wir das doch mal. Machen wir ein bisschen Platz hier auf dem Tisch.
Das heißt, ich mache ausnahmsweise mal ein paar Fotos von Dingen,
die hier auf dem Tisch landen. Dann kann man die dem Publikum immer so schön zeigen.
Sal
Ich weiß nicht, ob du das hier mal gesehen hast?
Sebastian
Also jetzt kommt der Spieltrieb raus. Jetzt wird es hier ein bisschen lockerer. Oh.
Sal
Ja, wir haben nicht so viele, wir haben drei Sachen dabei.
Sebastian
Ihr habt drei und die kriege ich jetzt hier alle drei. Einmal zum Hauen, zweimal zum Hauen.
Sal
Und drei auch zum Hauen.
Sebastian
Und drei auch zum Hauen. Also ich merke schon,
ihr seid die schlagende Zunft.
Sal
So ein bisschen, genau. Also was wir hier haben ist im Grunde,
das ist eine Gummipeitsche, 14-striemig quasi.
Sebastian
Eine Gummipeitsche.
Sal
Und die ist so, also fast könnte man fast sagen, Mittel der Wahl.
Merope
Das ist der Allrounder.
Sal
Das ist der Allrounder, kann man fast sagen, ja.
Die ist kräftig, aber Merope hält auch wirklich viel aus, muss man dazu sagen.
Sebastian
Ja, also kleine Striemen, so acht Millimeter breit, zwei, drei Millimeter dick
und ja, also das Ding ist auch gar nicht so leicht und ich haue mir mal locker
in die Hand, wenn das okay ist?
Sal
Kannst du, na klar.
Sebastian
*helles Schlaggeräusch* Ahahaha, ja, mhm.
Sal
Ja, das ist, das ist fies, das Ding.
Sebastian
Ja, also das so zum, das geht immer.
Sal
Genau, genau.
Sebastian
Also da muss man auch gar nicht groß aufwärmen.
Merope, was ist das für ein Schmerz? Ist das ein Einschlag eines Kometen oder
ist das eher so tausend Nadeln, die dich treffen?
Merope
Das sind tausend Nadeln. Und dadurch, dass es, also es gibt ja ganz viel Ausführungen
in Leder, die sind so fürs Streicheln sozusagen.
Und das ist ja die Gummipeitsche, die tut schon irgendwie ordentlich weh.
Sebastian
Die macht auch Spuren, ne [Dialekt]?
Merope
Und die macht auch Spuren, die reißt die Haut auf ein bisschen.
und dadurch, also wir hatten auch mal so 1-Millimeter-Gummi,
das ist jetzt zwei Millimeter, die ...
Sal
Die war ein bisschen leichter, ne [Dialekt]?
Merope
Die war viel leichter.
Sebastian
Du verehrst sie auch so ein bisschen,
wenn ich deinen Blick sehe, ne [Dialekt]?
Merope
Also das ist Roberta, die muss ich auch immer ...
Sebastian
Sie hat einen Namen? *Sal lacht*
Merope
... die muss ich immer küssen, wenn sie mich und so ...
Sebastian
Roberta, ich notier' das mal.
Sal
Ja, Roberta war mehr so, das war mal so ein Gag-Name und seitdem heißt sie so, genau, aber ...
Sebastian
Na gut, aber ihr gebt den Schlagwerkzeugen Namen, das ist doch ...
Merope und Sal
Ne, eigentlich nur dem einen. Eigentlich hat nur Roberta einen Namen.
Sebastian
Also wir haben die Sachen auch benannt, das gebe ich ja zu, also zumindest die
liebgewonnenen Sachen.
Merope
Also die ist immer dabei und die kann mir richtig doll wehtun und die kann mich aber auch aufwärmen und ...
die kann eigentlich alles.
Sal
Genau, das ist so das Schöne an dem Teil.
Sebastian
Ja, und Sal für dich, mit dem Ding kannst du auch gar nicht so viel zerstören,
sag ich mal. Also damit kannst du schon ordentlich Zug machen.
Im Kopf hab ich immer damit, hauen heißt auf den Popo hauen.
Ist das bei euch so oder ist der ganze Körper ein Instrument?
Merope
Außer das, obwohl ins Gesicht hast du, nee, das Gesicht nicht.
Sal
Mit Schlaginstrumenten nicht, mit der Hand, ja, aber sonst, genau,
sonst eigentlich den ganzen Körper.
Es gibt gerne so diese Situation, wo ich sie entweder an der Decke festmache
oder irgendwie in irgendeiner Form fixiere und dann kriegt sie eine Augenbinde
und dann kann ich machen, was ich will und das ist immer, das fällt dir auch schwer.
Also, dass ich dann mal, weiß nicht, auf die Brüste haue und dann mal aufs Hinterteil
und dann mal auf den Rücken. Das muss man natürlich immer dosieren und aufpassen, gerade mit dem Teil.
Also es gibt ja so Situationen, wo man auch aufpassen muss, natürlich gibt es ...
Klar, es gibt Problemen an bestimmten Stellen.
Sebastian
Klar, Nierengegend etc., aber die Expertise ist ja da.
Vielleicht nochmal zu den Spuren. Wenn du Spuren an dir hast,
ich meine, du merkst dann ja die nächsten Tage, da ist was mit dir passiert. Glücksgefühl?
Merope
Ja, absolut.
Sebastian
Ich würde sogar fast einschätzen, irgendwie irgendeine Spur hast du immer auf dir.
Merope
Meistens, ja.
Sebastian
Aber im Moment kannst du gut sitzen.
Merope
Ja, wobei das, *lacht*, genau, also ich hab ein Geburtstags-Spanking bekommen,
ich habe ja vor zwei Tagen Geburtstag gehabt und ...
Sebastian
Herzlichen Glückwunsch.
Merope
Ja, Dankeschön. *lacht* Und, also wir mussten irgendwie leise sein und dann kam das Flaggelum
zum Einsatz und das macht böse Spuren, weil es auch ganz mies umschlägt und
die Spuren habe ich also auch und die merke ich.
Sebastian
Okay, das ist nämlich das nächste Ding der Woche, was hier liegt. Wie heißt es?
Sal
Das nennt sich Flaggelum.
Sebastian
Flaggelum, das ist ein, es besteht alles aus Seil und es ist fast eine Keule
mit Schnur dran. Mein Gott.
Sal
Aber man haut mit der Schnur, nicht mit der Keule. *lacht*
Sebastian
Ja, wichtig zu wissen, ja.
Habe ich noch nie gesehen. Also ja, mal so eine Seilpeitsche kenne ich,
habe ich auch, aber das Ding ist wirklich so ein, was für ein Material ist das?
Sal
Das müsste Jute sein.
Merope
Jute, würde ich sagen.
Sebastian
Okay, das ist Jute und das wiegt auch wirklich was, zumindest der Griff und
dann dieses Seil, was da hinten rausguckt, das ist so 60, 70 Zentimeter lang.
Sal
Und eben vergleichsweise breit und schwer, ne [Dialekt]?
Sebastian
Ja, wirklich breit und schwer und hart und ... Alter, ja, das Ding macht Spuren
und das macht wahrscheinlich kein Geräusch.
Sal
Das ist, genau, das ist das Schöne.
Sebastian
Das ist einfach nur so ein Fupp und dann ...
Merope
Nur ich, nur ich macht die Geräusche. *lacht*
Sebastian
Machst du Geräusche?
Merope
Nee. *lacht* Manchmal.
Sal
Also sie kann sich super zusammenreißen, aber es gibt natürlich je nach Schmerzintensität ...
Merope
Also wenn ich weine, dann hört man mich schon weinen, aber auch nicht besonders laut, glaube ich.
Sebastian
Möchtest du weinen?
Merope
Ja, unbedingt. Also nicht jetzt hier, aber ich will immer in Sessions ...
Das ist für mich eine totale Erleichterung, auch bei sexuellen Sachen, wenn mir,
das rollt so über mich und das ist für mich dann die pure Erleichterung zu weinen.
Und wenn wir so Spanking-Sessions machen, dann weine ich die ganze Zeit,
bis das Zimmer schwimmt.
Und bei so sexuellen Dingen, da ist es danach.
Also wenn er dann endlich, nicht endlich, aber wenn es dann irgendwann endet,
dann fällt so alles von mir ab und dann weine ich auch. Ich weine viel.
Obwohl ich früher eigentlich gar nicht geweint habe. Ich war immer die starke
Frau und habe nie geweint.
Und da bin ich endlich mal schwach. Und da kann ich weinen. Das ist total schön.
Ich mag das echt gern. Auch diesen Kontrollverlust. Ich habe gar keine Kontrolle mehr. Null.
Sebastian
Ja, das ist auch so ein Ventil, wo einfach das mal, das läuft dann einfach.
Sal
Das ist tatsächlich, ja, das gibt es bei uns auch manchmal. Wenn der Tag richtig scheiße war,
dann wird einfach mal das Blatt weiß gemacht und dann ist wieder gut.
Merope
Ich darf auch darum bitten, Also wenn ich einen ganz schlimmen Tag im Beruf
hatte oder so, da passiert ja bei mir manchmal auch viel, dann kann ich sagen,
so Mensch, bitte erde mich und dann haut er mich einmal weiß,
also bis alle Gedanken weg sind.
Sal
Und das merkt man dann auch wirklich richtig, richtig, richtig toll.
Also das Weinen wird dann so ein ganz, ganz zufriedenes, ein ganz,
wie sagt man das, also fast schon ein bisschen ausgelassen, so ein bisschen,
jetzt ist alles wieder gut, jetzt muss ich darüber nicht mehr nachdenken,
so der Stress fällt so ein bisschen ab.
Sebastian
So ein bisschen ich habe überlebt, dann kann ja nur alles gut sein.
Sal
Ja genau, das spielt gar keine Rolle mehr, weil in der Situation sind wir beide
halt da und nicht die Arbeit und nicht der Alltag und nicht irgendwelche anderen Probleme,
sondern genau, sie muss sich in dem Sinne erstmal mit dem Instrument auseinandersetzen
und mit dem Schmerz jetzt und wenn sie dann da fertig ist, dann spielt es auch
erstmal gar keine Rolle, weil das,
das ist alles viel zu sehr mit anderen Dingen jetzt beschäftigt und dann ist man
so ein bisschen in seiner Blase, wenn man so will, also wir gehen da so ein
bisschen in unsere Blase zurück.
Sebastian
Und da seid ihr auch zusammen und dann auch ein einander, also auch körperlich,
dass ihr dann hinterher dann ...
wirklich ganz dicht beieinander seid und bleibt oder gehst du dann einfach?
Sal
Nein, nein, nein. Also meistens ist es so, dass eben unsere Nachsorgephasen,
die haben auch viel Experimentiererei gebraucht, bis es gut geklappt hat,
aber dass ich sie relativ lange im Arm habe, manchmal wird sie dann noch gestreichelt
oder wenn jetzt ganz viel aufs Hinterteil zum Beispiel ging,
dann kann man das noch eincremen oder so einfach, um so ein bisschen der Sub noch was Gutes zu tun.
Merope
Oder gebadet.
Sal
Oder gebadet, das hatten wir auch schon genau, wenn sie einfach so komplett wirklich
richtig fertig ist, einfach mal dann in die Badewanne und dann wird sie ein
bisschen gewaschen und gestreichelt und sieht man jetzt schon,
will sie schon wieder ganz gerne erleben, auf jeden Fall unbedingt.
Merope
*lacht*
Sal
Und so was, genau, so was nimmt dann durchaus auch ...
Sebastian
Ist auch dieser Kontrast, dieses besondere Härte und besondere Zuneigung,
dass beides auch dann immer miteinander einhergeht bei euch beiden.
Merope
Ja, das ist ganz toll, gerade dieser Kontrast, dieses, eigentlich,
also er darf machen mit mir, was er möchte und er kümmert sich,
aber, also, leider bin ich da nicht so eloquent wie du. Jedenfalls ...
Sal
Doch, würde man schon sagen, die Zuneigung und das Kümmern ist ja eigentlich immer da.
Und das steht ... ich finde es immer schwierig, das so als direkten Kontrast zu bezeichnen, weil eigentlich
ist ja auch das, dieses Schmerzzufügen ist ja auch ein gemeinsamer Weg schon, also eine gemeinsame Reise, man ist eigentlich die ganze Zeit beieinander. Es ist ja nicht so, dass ich ihr Schmerzen zufüge
und sie ist, sie ist nur da und hält irgendwie Schmerzen aus, sondern die Schmerzen kommen ja von mir, aus einem
bestimmten Grund und sie nimmt die Schmerzen auch für mich an quasi, also man ist ja schon auf dem Weg dahin so ganz nah
beieinander und dann, genau danach natürlich ist es, ist der Unterschied zwischen
dem Flagellum und der Hand, die eincremt, ist natürlich da.
Sebastian
Ja, wenn ich deine Hände so ansehe, die können aber auch ganz schön was hinterlassen.
Sal
Ja, definitiv. *lacht*
Sebastian
Ich schnapp mir mal das dritte Ding. Das ist schon wieder kunstvoll.
Sal
Das ist kunstvoll, ja, wir haben da diesen tollen Laden in Berlin.
Sebastian
Ah, natürlich, der Laden. Ich ahne, welcher.
Sal
Ja, McHurt, genau.
Ja.
Merope
Das darfst du hier nicht sagen.
Sebastian
Das kannst du ruhig sagen.
Sal
Das wird halt rausgeschnitten, Product Placement.
Merope
Nö, wir können ruhig sagen,
Sebastian
dass McHurt toll ist, ich schicke denen dann einfach eine Rechnung. Genau.
Merope, Sal, Sebastian
*lachen*
Sal
Und wir haben, wie gesagt ...
Sebastian
Nein, also vielleicht dazu einen Satz. McHurt können wir sagen, weil ich weiß,
dass es da, ich glaube wenig oder keinen Schrott gibt. Und das sind ganz liebe Menschen.
Und genauso, wie ich auch Baumwollseil sage und noch ein paar andere Shops,
weil das natürlich auch immer schwierig ist, das ordentliche Zeug zu kriegen.
Aber jetzt haben wir hier so ein Stück dunkles Holz.
Merope
Ein Stück Mongolei. *lacht*
Sal
Das nennt sich Nagaika, das Instrument.
Das ist ursprünglich gemacht für, was war das, Viehtrieb oder irgendwas.
Merope
Kamele oder?
Sal
Ja, in der Mongolei? Nicht in der Mongolei.
Sebastian
Okay, also wir haben ja einen Holzgriff, dann haben wir den da ein bisschen
mit Leder umwickelt und dann kommen da so erstmal zwei Striemen raus mit allem
möglichen Zierrat und nochmal ein paar, was ist das hier, Lederrüschen quasi?
Dann wird es aber so ein bisschen, dann ist es wieder ein Striemen,
der ist dann geflochten und am Ende so ein, was ist das, so ein drei Zentimeter
breites Käppchen quasi.
Merope
Eine Klatsche.
Sebastian
Eine Klatsche, ja. Und das Ding, ich hau mal auf den Tisch damit. *dumpfes Schlaggeräusch*
Sal
Genau.
Sebastian
Das macht einen wunderschönen Klang.
Merope
Das knallt ganz doll.
Sal
Es ist tatsächlich sehr, also ich musste richtig üben mit dem Ding,
dass es gut geklappt hat.
Und das kann man eben, oft ist es so, entweder man haut so, dass es gut knallt,
da tut es aber meistens nicht so weh *lacht* und wenn man mehr von dem Seil mitnimmt,
dann knallt es halt nicht so schön, dann schlägt es aber eher um und tut mehr weh auch.
Also es ist echt, es ist schwer, wirklich, ich habe viel geübt,
Vorhand, Rückhand, so, dass es gut klappt, aber es ist sehr befriedigend,
wenn es dann klappt, tatsächlich.
Sebastian
Weicht sie dir aus oder streckt, oder kommt sie eher näher, wenn du böse bist?
Sal
Also es gibt, es kommt darauf an, wo wir uns befinden.
Eigentlich direkt näher kommen tut sie nicht, sie passt aber auf,
dass die Haltung eingehalten wird, wenn ich ihr sage, dass die Haltung eingehalten
werden soll. Und eigentlich muss sie das immer.
Wenn sie zum Beispiel über den Bock ist, dann hat sie, weiß sie ganz klar,
die Beine sollen an den beiden quasi Hinterbeinen stehen von dem Bock.
Und die Hände haben unten an der Querstrebe zu liegen und so.
Und manchmal natürlich, je nachdem, wie stark der Schmerz ist und gerade am
Anfang, fängt sie dann an, da hin und her zu wackeln.
Aber das legt sich dann meistens. Und meistens reicht es, wenn ich dann einmal
sage, pass darauf auf, du bist jetzt still, du bewegst dich jetzt nicht mehr.
Du passt jetzt wirklich darauf auf direkt.
Merope
Du sagst es ja nicht, du haust ja dann einfach auf die Beine oder so. *lacht*
Sal
Ja, das passiert manchmal auch, natürlich. Wenn du zu viel rumzappelst,
dann gehen die Hiebe automatisch dahin, wo es richtig zeckt.
Und dann geht es ganz schnell, dass sie weiß, oh.
Und wenn sie sich darauf konzentriert, dann schafft sie eigentlich ohnehin alles in meinen Augen.
Also dann schafft sie auch ganz klar, da gerade zu bleiben und sich nicht zu bewegen an der Stelle.
Sebastian
Ja, da kannst du stolz drauf sein.
Sal
Absolut, ich bin sehr stolz darauf. *lacht*
Sebastian
Jetzt gibt es ja noch den sexuellen Kontext. Ich nehme jetzt mal das schöne Wort benutzen.
Und ja, ich habe jetzt gerade mal, Merope, in deine Augen reingeschaut,
was passiert, wenn ich das sage.
Merope
Und, was hast du gesehen?
Sal
*lacht*
Sebastian
Ich würde das jetzt als „Ja natürlich“ sehen.
Also inwieweit …
Merope
Also wir führen eine exklusive Beziehung. Wir sind wahnsinnig verknallt ineinander.
Sebastian
Nein, nein, also benutzen im Sinne von, er nimmt sich, was er will,
wann er will und wie er will. Und du bist halt einfach da und verfügbar.
Gefälligst verfügbar.
Immer.
Merope
Immer, immer. Da gibt es auch keine Ausnahme.
Sebastian
Okay, also egal, wie es dir geht, wenn er sagt, ich will da jetzt was machen, dann passiert das?
Merope
Ja, ich darf natürlich was sagen. Also wenn jetzt gleich meine Mutter vor der
Tür steht, dann darf ich sagen, kleinen Moment, dann rufe ich meine Mutter schnell
an, sie muss einmal um den Block gehen.
Merope, Sal, Sebastian
*lachen*
Merope
Aber, ich glaube, da ist ihm die Lust vergangen. *lachen*
Sal
Ich fürchte auch, also in so einer Situation. Meistens ist es natürlich auch so, wenn es dir wirklich schlecht
geht, dann würde ich, ich habe natürlich auch noch ...
Merope
Aber ich liebe ja Sex, also mir geht es dann immer gut, wenn wir miteinander schlafen und deswegen ...
Sal
Ja, aber es gab auch schon Situationen, wo ich das ein bisschen missinterpretiert
habe, wo du gerne mal so, aber gibt es glaube ich immer, dass man so ein bisschen ...
Sebastian
Ja, das ist die Frage, wie geht man damit um, wenn man dann eben doch nicht
auf einer Wellenlänge ist und feststellt, na, man geht gerade so ein bisschen
aneinander vorbei, das passiert ja unweigerlich mal.
Also wie findet ihr dann wieder die Basis zu euch zurück, dass ihr euch auch wieder versteht?
Sal
Meistens redet man dann einfach und sagt, ja, eigentlich hätte ich jetzt doch
gerne mit dir geschlafen oder, also es gab eigentlich nie die Situation,
muss man ganz ehrlich sagen, da kann man ihrem Wort schon sehr viel Wert beimessen,
dass sie eigentlich immer Lust hat.
Oder dass sie immer das mitmacht. Immer.
Und ich habe noch keine Situation erlebt, wo sie gesagt hat: „Nee, du ey,
ja, ich weiß, ich bin Sub und ich mache das jetzt gerne, aber eigentlich, nee.“
Sondern es ist, wenn dann so, dass ich mal sage, oh, vielleicht besser nicht,
weil sie gerade irgendwie, weil es ihr nicht so gut geht, aber sie hätte sich
eigentlich dann gewünscht, dass.
Sebastian
Was ist denn, wenn du mal keine Lust hast und sie will?
Sal
Das haben wir tatsächlich auch schon thematisiert gehabt und da ist es
so, dass sie da ganz brav ist. Also sie von sich aus signalisiert es ja da ...
Merope
Jetzt fahre ich dir ins Wort, aber du bist ja da auch ein sehr umsichtiger Dom,
weil wenn ich, also angenommen ich habe richtig doll Lust und er wirklich so gar nicht, dann,
hast du ja auch schon mal gesagt, naja, dann beug dich da rüber oder so und
hast halt nicht mit mir geschlafen oder so. Oder?
Sal
Aber habe trotzdem dir quasi Spaß bereitet. Ja, das ist richtig.
Also hab sie dann, weiß ich nicht, über den Schoß gelegt und dann ein bisschen
spielerisch aufs Hinterteil gehauen und das ist dann auch immer sehr erregend
und so. Und dann sie ein bisschen angefasst.
Also das ist auch, aber wenn ich mal, also die Situation, dass sie von sich
aus, obwohl das kommt schon auch vor, doch.
Merope
Ich mein, wenn du richtig Unistress hast oder so, dann würde ich dich ja damit auch nicht nerven.
Sal
Dann ist sie genauso, obwohl es eventuell da manchmal auch ...
aber das klappt eigentlich. Also ich fühle mich auch total wohl.
Merope
Wir haben einfach beide tatsächlich viel Lust auf Sex, deswegen haben wir so was selten.
Sal
Stimmt. *Sal und Merope lachen*
Sebastian
Ich habe mir mal so jetzt in den letzten anderthalb Stunden so ein paar Punkte
aufgeschrieben, da hätte ich gern kurze Statements von euch.
Merope
Kreuzverhör?
Sebastian
Ja, *lacht*, ich formuliere das auch bewusst mal vage und ich werfe euch einfach mal ein paar Begriffe hin.
Ich fange mal an mit Position und Haltung.
Merope
Ganz wichtig. Für ihn, für mich nicht. *lacht*
Sal
Im BDSM-Kontext sehr wichtig, definitiv. Also, dass sie bestimmte Haltungen
einhält, wenn sie auf bestimmte Art und Weisen gestraft wird,
dass sie nicht sich hängen lässt, wenn sie kniet, dass sie dann aufrecht ist.
Je nachdem, was sie anhat, hat sie auch ihre Arme anders zu halten und so.
Das ist für mich relativ wichtig, ja.
Sebastian
Okay, und es wird auch geahndet und auch eingefordert.
Sal
Absolut.
Merope
Ja.
Sebastian
Kleidung?
Merope
Nein.
Sal
Kleidung würde sie sich wünschen, dass sie da mehr Vorgaben hat,
glaube ich, manchmal. Aber es ist so, dass sie, sie ist sehr ... kleidungsaffin.
Merope
*lacht*
Sal
Also sie hat sehr gerne viele verschiedene schöne Klamotten und da ist es so,
dass sie sich von alleine meistens gut anzieht. Ich muss da gar nicht sagen, du heute mal so.
Es gibt Situationen, in denen ich sage, ich hätte gerne heute mal eine schönere
Unterwäsche oder ein bestimmtes Negligé oder was auch immer,
aber eigentlich selten. Also eigentlich findet das nicht statt.
Sebastian
Okay, also das heißt, das ist auch nicht Ausdruck von, wir sind jetzt in dem
und dem, in der und der Stimmung und machen jetzt was.
Also man kann ja auch sagen, okay, eine Session bedarf einer gewissen Vorbereitung,
zum Beispiel dass sie bestimmte Wäsche trägt oder nicht trägt oder
ich sag mal, zugänglich ist.
Also die Jeans ist dann eher unpraktisch, sag ich mal.
Sal
Die wird dann ausgezogen. Meistens treffen wir uns für die Sessions bei mir
und da muss sie erstmal zu mir kommen.
Also da ist mit der Jeans schon in Ordnung, dass sie mit der Jeans zu mir kommt.
Merope
Ja, das stimmt. Aber du hast auch schon geahndet, wenn ich dann keine Lingerie anhatte.
Sal
Das ist richtig. Ich hätte keine ... Das soll schon halbwegs schön aussehen *lacht*,
wenn man da die Hose auszieht.
Sebastian
Das Geschenk soll ordentlich eingepackt sein.
Sal
Richtig, genau.
Sebastian
Orgasmuskontrolle.
Sal
Findet statt. Es ist relativ schwierig, weil sie ...
Merope und Sal
*lachen*
Sebastian
Jetzt bin ich gespannt.
Sal
Relativ schnell und relativ viel und relativ oft so Orgasmen hat.
Aber es findet auch statt. Und es macht mir auch durchaus Spaß,
weil wenn man dann sagt, jetzt darfst du, ist es natürlich umso schöner.
Merope
Aber wir machen nichts mit Keuschhaltung oder so. Das wäre, da würde ich glaube ich auch ausbrechen oder so.
Sal
Es gab Situationen da, wo wir uns noch nicht so viel sehen konnten,
wo ab und zu auch mal gesagt wurde,
du darfst dich überhaupt nicht selbst anfassen, wenn du mal erregt bist.
Das haben wir aber, glaube ich, auch wieder ein bisschen aufgeweicht.
In letzter Zeit sehen wir es aber so oft, dass es eigentlich keine Rolle spielt.
Merope
Genau, nee, es spielt gar keine Rolle. Aber ich meine jetzt so,
es gibt ja so Beziehungen, wo Leute drei oder fünf oder so Wochen keusch gehalten
werden. so was finden wir beide doof.
Sebastian
Im Zweifel, würdest du einfach die Pille nehmen und dann ist das kein Problem für dich. *lacht*
Sal
Für mich wäre es noch ein Problem, deswegen. *lacht*
Sebastian
Kennzeichnung.
Sal
Haben wir das zweite Ding der Woche?
Sebastian
Okay, ich sehe ja schon zwei an dir, Merope. Oder ist es nur eins?
Sal
Es sind mehrere sogar im Grunde.
Sebastian
Okay, also du bist gekennzeichnet im Moment durch ein Halsband mit einem Ring
vorne dran und einem schönen Muster drin und damit ist recht deutlich und klar: Sub.
Merope
Ja, ich habe ein Halsband, das ist das, was ich tragen muss, wenn er es mir ein bisschen, also es ist natürlich ...
Das war ein Geschenk, das liebe ich, aber so in der Öffentlichkeit zu tragen
ist für mich auch schwer,
weil damit ins Restaurant zu gehen, alle gucken und manche wissen beim Einkaufen,
was ich bin, das fällt mir nach wie vor schwer,
aber das hast du eigentlich relativ gut etabliert, so über die Jahre.
Für die Arbeit habe ich einen Metallreif, der ist einfach aus Metall, so ein Zentimeter dick,
da gibt es auch einen Ring zum Auffädeln, aber das ...
Sebastian
Den trägst du auch bei der Arbeit?
Merope
Ja, aber auch nicht immer. Nur wenn er das jetzt will oder so. Und manchmal, wenn ich zur Arbeit reingehe,
musste ich mich schon filmen, wie ich mit diesem Halsband arbeiten gehe,
was also bei mir im Beruf ...
Also da möchte man nicht gesehen werden. *lachen*
Sebastian
Ich habe ein Armband gesehen.
Merope
Ja, wir tragen beide dasselbe Armband.
Sal
Also ich habe es jetzt nicht an, genau.
Sebastian
Okay, ihr tragt beide dasselbe, aber er nicht. Das ist aus Metall,
das finde ich ziemlich schick, ehrlich gesagt.
Merope
Ja, das ist ganz toll.
Also das hat er tatsächlich mal, er hat eine Werbung gespielt bei einem Schmuckdesigner.
Und da durfte er sich danach in dieser ganzen Schmuckkollektion was aussuchen.
Und der hatte auch so tolle Handschellen.
Und ich war ja damals, da waren wir ganz frisch.
Und ich hätte ja lieber so eine Handschelle gehabt, aber Sal fand es zu plump.
Sal
Mhm.
Merope
Und dann haben wir diese Reifen gesehen. Einfach ein bisschen drücken, genau.
Sebastian
Ich bin gerade echt beeindruckt. Das ist mechanisch ein unglaubliches ...
Ich glaube, ich muss die Stelle rausschneiden, weil ich mache dem Podcastsubbie
ja keine Geschenke, die ich hier in den Folgen sehe.
Aber das ist ja wirklich unfassbar raffiniert.
Merope
Ja, das ist ganz toll. Das liebe ich auch.
Sebastian
Ich mache jetzt davon ein Foto für mich. Also liebes Publikum,
wenn ihr enttäuscht seid, dann sei das jetzt so. Aber an der Stelle bin ich
jetzt mal sehr egoistisch. Das darf ich ja.
Merope
Wir können, natürlich, wir können ja auch sagen, wo wir es herhaben.
Der freut sich bestimmt.
Sebastian
Ja, sehr gerne.
Merope
Das ist Dau, heißt der.
Sal
Carl Dau, ja, ich weiß ...
Merope
In Berlin in Zehlendorf.
Sal
Der ist bestimmt nicht jünger geworden seitdem, aber genau. *lacht* Der war damals schon sehr alt.
Sebastian
Ihr könnt es ja abkürzen, ihr lasst es einfach hier. *lacht*
Merope
Also das habe ich, seitdem ich es trage, nicht einmal abgemacht.
Sebastian
Jetzt gerade hast du es abgemacht.
Merope
Also bei der Arbeit muss ich es auch abmachen.
Sebastian
Ah, okay.
Sal
Aber sonst hat sie es immer um, ja. Also wirklich, es gibt es ...
Sebastian
Ist ja ...
Also das ist wirklich, also ein ganz schlichtes Teil, vielleicht lassen wir es doch drin,
es hat auch schon ein paar Gebrauchsspuren und es hat eine wunderschöne Mechanik.
Ich gebe dir das mal zurück, sonst landet das doch noch dauerhaft bei mir.
Sehr schön. Was sagt es aus, wenn ihr das beide habt?
Sal
Also eigentlich ...
Merope
Also das ist, Entschuldigung.
Sal
Es kommt so ein bisschen aus der Zeit, wir konnten nicht beide mit dem Ding
rumlaufen, weil das wäre offensichtlich gewesen für die Leute,
die es besser nicht hätten erfahren sollen zu dem Zeitpunkt.
Deswegen hat sie mir damals auch mitgebracht, mal aus einem Urlaub.
Und da haben sich dann andere Methoden entwickelt. Ich hatte dann auch ein anderes,
was silber war, mit so ein bisschen Onyx drin, was aber ähnlich aussah.
Das habe ich zu Hause bei mir und das habe ich auch an, oft.
Also eigentlich hätte man zugeben können, hätte ich es heute auch mal gefälligst anziehen können, aber ... *lacht*
Sebastian
Vielleicht bestraft sie dich dann ja mal ausnahmsweise. *lacht*
Sal
Ich glaube nicht, dass sie sich das traut. Aber genau. Für solche Anlässe haben
wir das dann, wir haben das eigentlich beide so, es war so ein Zeichen der Verbindung,
mehr oder weniger auch, kann man so fast ein bisschen als ...
Merope
Ja, es war in meinem ersten Urlaub, wo ich noch mit meiner Familie verreist
bin, mit meinem Mann. Und wir waren aber furchtbar verliebt, sind wir ja immer noch.
Und dann haben wir dieses Armband, kurz einen Tag vor der Trennung.
Sal
Genau.
Sebastian
Es gibt noch mehr Kennzeichnungen?
Merope
Ja, die eine kann ich, achso, ich sehe, genau, ich trage auch noch einen Ring von ihm.
Sal
Ach, der Ring ist mehr, der ist auch schon seit, ich weiß nicht,
wann du ihn bekommen hast, vor zweieinhalb Jahren jetzt, fast drei Jahren?
Merope
Ja, länger.
Sal
Und da, seitdem hast du den immer an, eigentlich auch. Das war auch mal so ein, ja.
Merope
Ja, und dann holen wir, glaube ich, das nächste Ding in der Woche.
Sebastian
Ich bin sehr gespannt. *lachen*
Sal
Das war, ja, also was kann man dazu sagen? Das war so eine Idee.
Sebastian
Du hast ein rotes Schmuckkästchen rausgeholt jetzt.
Und da kommt jetzt ein ...
Sal
Tja, was ist das?
Sebastian
O ja, ich kann mal, oh, da kann ich ja wirklich mal rätseln.
Also es ist aus Metall. Ich glaube, es ist ein kleines Brandeisen.
Sal
Genau, das ist es. Und es war eine Aktion, wo Merope meinte,
sie will das eigentlich so gerne mal erleben. Also eigentlich so rum, ne [Dialekt]?
Das ist eigentlich ein Schmetterling, sollte das sein, mehr oder weniger.
Merope
Aus seinen Initialien. Also das sind seine Initialien in dem Schmetterling.
Sebastian
Kann man die, wenn man die Initialien nicht kennt, erkennt man die nicht, ne [Dialekt]?
Sal
Nein.
Sebastian
Okay, gut. Dann habe ich jetzt da vorne ein Foto. Also das hier steckte in deiner
Haut in glühendem Zustand?
Merope
Mehrfach, mehrfach.
Sal
*lacht* Das ist eigentlich eine ganz witzige Story,
weil sie sagte, also sie würde das so gerne erleben, dass man sie brandet.
Ich habe mich wahnsinnig lange dagegen gewehrt, weil ich, es war mir nicht geheuer.
Also ich weiß auch nicht. Irgendwann hatte sie mich überredet und dann ...
Sebastian
Habt ihr es gekauft oder selbst?
Merope
Das ist gebogen.
Es ist eine Gulaschnadel. *lacht* Nee, nicht Gulasch, was erzähle ich? Rouladennadel.
Sebastian
Eine Rouladennadel, okay.
Sal
Und da muss man dann auch richtig, braucht man richtig Power,
damit die richtig heiß werden und glühen und weiß nicht was.
Und dann ist es so, dass Haut, ich weiß nicht, wie explizit man jetzt hier werden kann.
Sebastian
Es duftet.
Sal
Notfalls schneidet man es raus.
Sebastian
Du kannst da, ich glaube, du kannst da sehr explizit sein.
Sal
Also die Haut wird ja, wenn sie mit so heißem Material in Verbindung kommt, wird die Haut ganz weich
und ganz widerstandslos.
Das heißt ... *lacht*
Sebastian
Ist wie Butter, ne [Dialekt]?
Sal
Genau. Aber das Problem ist, dass man deshalb ... Es bleibt nicht an der Stelle.
Es ist wahnsinnig schwer, das an einer Stelle zu halten.
Sebastian
Okay, also wie viele Versuche hast du gebraucht, bis der Schmetterling einmal schön war? Drei?
Sal
Und es war ... Selbst dann würde man sagen, uh, ob das jetzt ... Also ich meine,
am Ende sah es schön, hatte es die Konturen, aber es war nicht so,
dass man klar einen Schmetterling hatte, sondern es waren die Außenkonturen waren
da und die sind sehr schön geworden. Also ich bin total zufrieden mit dem.
Sebastian
Wo ist denn das gebrandet worden?
Merope und Sal
Das ist in der Leiste. Quasi in der Leistengegend, ja links.
Sal
Und das war also sehr, sehr abenteuerlich und das hat dann eigentlich auch nochmal
ein bisschen mehr zusammengeschweißt danach. *lacht*
Sebastian
Ja, das ist ein gemeinsames Erlebnis, ne [Dialekt]?
Sal
Also Wahnsinn, ja.
Merope
Und wir dachten auch eigentlich, wir machen so eine schöne Spanking-Session,
bis ich ganz high bin und den Schmerz gar nicht groß merke und da muss er mich
ganz doll fest tüddeln, damit man bloß nicht zuckt.
Letztendlich war der Schmerz gar nicht so schlimm, muss ich sagen.
Sal
Aber das war eher so, dass du in der Session ...
Merope
Aber wir sind gar nicht high, wir sind beide gar nicht.
Also wir haben gar keinen Flow gefunden in der Session, weil wir beide so aufgeregt waren.
Und dann irgendwann haben wir diesen blöden Gaskocher angemacht, so ein Campinggas. *lacht*
Sal
O Gott, o Gott, ja.
Merope
Und haben dieses Teil erhitzt, bis es wirklich glühend gelb gefunkelt hat.
Und dann wurde ich gebrandet und dann waren wir beide total glücklich danach
und man hat es aber irgendwie, glaube ich, kaum gesehen.
Wir beide dachten, wir haben es gar nicht richtig gut gesehen,
obwohl der Schmetterling war ja schon sichtbar.
Und dann haben wir nochmal gebrandet und nochmal gebrandet, bis dann die,
dadurch, dass es eine Schmetterlingsform ist, hat die ja keinen Eingang und keinen Ausgang.
Und dann ist die Haut in der Mitte quasi komplett zusammengeschmort und war verbrannt.
Sal
Wenn man so will, ja. Dadurch blieb dann so die Außenkontur quasi.
Merope
Und es sah aber alles so weiß aus und also ich meine, beruflicherseits hätte
ich es ja irgendwie erkennen müssen, aber ich war also auch völlig und dann
bin ich noch danach, nach der Aktion zu meiner
Freundin, die ist also vom Fach und habe gesagt, was ist das jetzt?
Verbrennung ersten Grades? Wird man das eh sehen?
Und sie so: „Hä, man, das ist eine Verbrennung dritten Grades,
wenn nicht vierten Grades.“ *lacht*
Merope und Sal
*lachen*
Sal
Das war sehr, sehr abenteuerlich.
Merope
Das war sehr abenteuerlich.
Sebastian
Was ist jetzt noch da? Ist es sichtbar?
Merope
Es ist sichtbar. Es ist so, dass ...
man erst wirklich komischerweise dadurch, dass alles weiß war und natürlich
auch ein bisschen braun, aber dann, und dann hat man es erst nach ein paar Tagen
richtig gesehen, wie tief das eigentlich auch war und dass es wirklich auch permanent ist.
Das kam erst so nach und nach, es war total abgefahren eigentlich.
Sebastian
Ich baue jetzt mal den Sicherheitshinweis ein. Also liebes Publikum, man kann so was machen,
beim Profi am besten oder wenn man direkten Zugang zu einer sachverständigen
Person hat, die hinterher einordnen kann, ob man eventuell mal schnell ins Krankenhaus
muss oder ob das schon gut geworden ist.
Ihr habt da offenbar darauf aufgepasst, dass ihr jemanden verfügbar habt,
vorbildlich und naja, der Versuch ... *lacht*
Das ist aber schon was, das bleibt ja jetzt. Das ist ja doch jetzt wirklich
ein sehr langfristig verbindendes Ding.
Merope
Also damit nicht alle denken, dass wir total verrückt sind.
Also das war schon geplant und dadurch, darf ich es jetzt sagen,
dass ich Arzt bin, ich wusste schon, was ich mache.
Sal
*lacht*
Sebastian
Okay, wenn du es jetzt gesagt hast, dann kann ich das jetzt auch so stehen lassen. Sehr gut.
Merope
Also sonst hätten wir es nicht gemacht, aber ich wusste schon ganz genau eigentlich.
Ich war nur, die Wundbeurteilung in dieser frischen Sekunde war nicht deutlich. *lacht*
Sal
Aber es war, es war sehr abenteuerlich. Ich würde wahrscheinlich auch,
wenn jemand das versuchen will, vorschlagen, dass man das eventuell doch durch
Sachkundige zumindest beobachten lässt.
Wie gesagt, entweder medizinisches Personal oder halt jemand,
der das tagtäglich macht oder mehr oder weniger.
Sebastian
Ja, erfordert ja schon auch einen gewissen Mut und du wolltest es,
du hast es bekommen, dir wurde ein Wunsch erfüllt.
Merope
Ja, es war eine ganz lange Fantasie von mir.
Sal
Und es war auch eine lange Diskussion, ja.
Sebastian
Ja, dann mache ich den nächsten Punkt doch. Gibt es noch mehr solche Fantasien,
deren Umsetzung du hast, oder?
Merope
Eigentlich, nee, eigentlich ja, wir haben viel so die ersten Jahre davon gezehrt,
was ich alles so für Fantasien hatte.
Es war eine wirklich eine blumige Spielwiese, glaube ich.
Manches haben wir beibehalten und verfeinert, manches hat Sal eingebracht und
manches haben wir wieder verworfen, was nicht schön war.
Sebastian
Was habt ihr verworfen?
Merope
Ja, zum Beispiel, also ich fand so dieser, das ist jetzt aber wirklich peinlich,
aber ich fand so diesen Kontrollverlust beim Klistieren zum Beispiel total abgefahren.
Das ist ja Erniedrigung pur und das war einfach alles nicht schön.
Also auch so danach muss man auf Toilette und der Druck im Bauch.
Das haben wir gemacht, das war sehr innig mit viel Streichel...
Also der Moment war nicht schlecht. Ich weiß nicht, wir haben es vielleicht
zweimal gemacht oder so, aber das war nicht unseres.
Das war in der Fantasie schöner als in der Ausführung.
Sebastian
Ja, gehört ja auch dazu. Man muss ja Dinge ausprobieren. Gibt es was,
wo ihr unerwartet gut Spaß hattet?
Das kann man ja mal eventuell ausprobieren, damit man es ausprobiert hat und
dann stellt sich raus, boah, das brauche ich immer wieder.
Sal
Es gibt eigentlich so ein paar Sachen, die so waren, oder? Also fast,
also ich weiß nicht, es gab, ich war,
wie kann man das sagen, wir haben, als wir gefesselt haben, wurde immer sehr
dilettantisch gefesselt von mir und wir haben auch in Berlin,
ja als große Hauptstadt, viele Möglichkeiten so und dann hat sie mir irgendwann,
du hast mir den, glaube ich, den ersten geschenkt.
Sie hat mir einen Workshop geschenkt bei einer Frau, die ja so viel so Shibaku macht und ...
Merope
Shibari.
Sal
Shibari auch, genau und das war sehr,
das war, also das hat unerwartet viel Spaß gemacht, also das ist so wirklich
eben so gekonnte Fesselung hier mit, also wie man das halt macht und wir waren
jetzt vor kurzem wieder da, so,
haben wir uns jetzt so mit Bambusfesselungen und so was, wie man das einflechten
kann und was man was man da machen kann.
Das hat unerwartet viel Spaß gemacht, muss ich echt zugeben. Und auch ...
Ja, alle möglichen Zwangshaltungen war auch so ein Ding, was man erstmal ausprobiert
hat und dann auf einmal hat es ziemlich geklickt, was Zwangshaltung angeht.
Also es gab schon so ein paar Sachen, die, also ich muss eigentlich sagen, fast alle neuen Sachen.
Merope
Strom. *lacht*
Sal
Strom, genau. Da haben wir so ein Stromgerät, so ein kleines. Wobei das ist immer noch teilweise, also ...
Merope
Ja, es fordert mich heraus.
Sal
Genau, sehr.
Sebastian
Also offenbar stellt sich heraus, alles ist gut. Gibt es denn auch wirklich
Tabus, wo ihr beide sagt oder auch einer von von euch beiden sagt,
reicht ja schon, „nee, auf keinen Fall“?
Sal
Naja, so alles, was so mit menschlichen Ausscheidungen zu tun hat.
Genau. Das war überhaupt nicht unseres.
In keiner Form.
Sebastian
Da mag ich mal erinnern, Sperma ist auch eine Ausscheidung.
Sal
Das ist richtig. Also Sperma und Speichel gehören nicht dazu.
Wir reden jetzt speziell von Urin und ...
Merope
Kot.
Sebastian
Okay. Gibt es noch andere Dinge, wo ihr sagt, „nee, auf keinen Fall“?
Merope
Ja, so Fremdbenutzung.
Sal
Haben wir nicht gemacht, genau. Da haben wir jetzt bis, also genau.
Merope
Also ich glaube da, wolltest du was sagen?
Sebastian
Ja, ist das ein Tabu oder ist das etwas, was ihr noch nicht probiert habt?
Sal
Ich glaube, wir haben nie darüber geredet, weil es für uns an dem Punkt,
wo wir sind, überhaupt nicht in Frage kommt, so richtig, oder?
Merope
Ja, also ich glaube das sind so, ich muss sagen, ich liebe dich so sehr und ich bin so,
devot, dass ich sowohl, ich würde mich auch von dir anpinkeln lassen und wenn
das dein größter Wunsch wäre, dass du zugucken wollen würdest,
dann würde ich das auch für dich machen.
Aber ich weiß nicht, was es mit meiner Psyche machen würde,
weil wir es noch nie ausprobiert haben.
Es wäre jetzt nicht meine erste Fantasie, aber ich würde das schon auch machen für dich.
Sal
Das weiß ich. Da zweifle ich nicht dran. *lacht* Genau, aber das haben wir noch nicht diskutiert.
Es kann sein, dass das irgendwann in der Zukunft mal, wer weiß.
Merope
*lacht*
Sebastian
Ich scheuch' euch mal hier weiter durch meine Liste. Das Witzige ist,
die wird gerade immer länger, während wir hier so durchgehen.
Jetzt, weil ja auch die Situation immer ein bisschen schwierig ist,
wo kann man spielen? Draußen.
Sal
Oh, wir haben tatsächlich lange Zeit, bevor wir dann eine Rückzugsmöglichkeit
hatten, haben wir uns ganz viel draußen getroffen.
Also im Wald, ja doch, eigentlich.
Wir hatten so eine bestimmte Stelle immer, wo wir uns ganz oft getroffen
haben, aber die hat dann auch mal gewechselt und dann sind wir zusammen laufen
gegangen und haben dann irgendwann einen Abstecher gemacht, irgendwo in den Wald
rein, wo uns hoffentlich keiner sieht.
Merope
Ja, du hast mich auch als Strafe mal nackt an den Baum gestellt und ich hatte
so Angst, dass irgendjemand kommt und er hat mir nur das Handy auf den Arm gelegt,
also gefesselt und hat gesagt, wenn irgendwas ist, dann schreie und weg war
er und ich wusste nicht, sieht er mich noch, ist er weg, ist er einkaufen? Ich hatte keine Ahnung.
Sal
Genau, natürlich, genau. So eine Sachen haben wir auch, also es war,
das gab es auf jeden Fall draußen, haben wir viel gemacht am Anfang.
Sebastian
Wurdet ihr schon mal erwischt?
Sal
Wir wurden ...
Merope
Beim Sex wurden wir mal im Auto erwischt. *lacht*
Sal
Ja, das sowieso.
Merope
Da haben wir im Wald geparkt mit meinem Auto und da kamen dann Leute vorbei und
der hat nur mich irgendwie an die Scheibe gedrückt und hat gesagt:
„Guck zu, wie die über dich denken“ oder wie war das, „Was du bist“ oder so. *lacht*
Sal
Das ist schwierig. Ich bin mir nicht sicher, ob wir beim BDSM schon mal erwischt worden sind im Wald.
Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, dass es jedes Mal unbemerkt bleibt.
Aber man spricht bei so was natürlich auch niemanden an. Also wenn ich jetzt
jemanden im Wald erwischen würde, dann würde ich auch nicht sagen,
ey, was macht ihr denn da?
Merope
Aber doch, der Nachbar hat uns ja schon gestellt. Da hat er geklopft wie verrückt.
Sal
Das war vor kurzem, das war ein bisschen problematisch. Also tatsächlich,
normalerweise sind wir von der Lautstärke her gut genug.
Nun war da die Situation, dass mein Nachbar, der kam dann rüber und hat geklopft
und meinte, was ist denn hier los, er hat eine Frau weinen gehört und entweder er ruft
jetzt die Polizei, wenn er nicht sofort eine Antwort kriegt.
Merope
Und dann hat er mich gezwungen quasi rauszukommen, dass er mich sieht,
dass ich unversehrt bin.
Sal
Genau und dann haben wir auch mit ihm geredet und dann war er so und interessanterweise
seitdem ist er super nett zu mir, vorher war er immer sehr abweisend. *lacht*
Sebastian
Man muss ja nur mal ins Gespräch kommen mit den Nachbarn.
Sal
Genau.
Sebastian
Habt ihr dem gesagt, wir machen hier BDSM und das ist öfter mal so, das gehört dazu, oder?
Sal
Genau, wir haben gesagt, dass das bei uns consensual ist, der spricht also Englisch nur,
dass es consensual ist und dass wir das einfach beide wollen und dass das überhaupt nichts mit
Gewalt im Haushalt zu tun hat, sondern wir machen das einfach auf einer Ebene miteinander und da war er dann,
wirkte total verständig und seitdem ist wie gesagt alles in Ordnung. Seitdem ist es auch leichter, also ich kann, es hängt natürlich sehr von den Nachbarn ab,
Sal
aber da kann man also wirklich den Leuten empfehlen, wenn sie in solchen
Situationen sind, doch das Gespräch notfalls mal zu suchen, weil die Leute sind,
glaube ich, da verständiger, als man denkt manchmal.
Sebastian
Oder es ist ihnen so peinlich, dass sie nie wieder was dazu sagen werden.
Sal
Oder so. Und im Zweifelsfall können sie eh nicht viel dagegen machen. *lacht*
Sebastian
Also so oder so. Ich haue hier noch einen raus.
Die Uhr tickt und tickt hier. Es ist fürchterlich, aber das sind so viele Sachen
und deshalb versuche ich die jetzt einfach so ein bisschen in der Kürze so ein
bisschen noch rauszukriegen.
Lachen.
Merope
Geht nicht.
Sebastian
Wie geht nicht?
Merope
Beim BDSM hat Lachen bei uns gar nichts zu suchen. Sowohl er will das nicht,
als auch ich will das auch nicht.
Sebastian
Nicht mal Schadenfreude: Na, das tut doch jetzt gerade irgendwie weh.
Merope
Doch klar, und wenn ich so ganz euphorisch bin, dann lache ich auch manchmal ganz irre irgendwie. *lacht*
Sal
Manchmal gibt es so eine, genau, wenn so eine Endorphin-Ausschüttung kommt.
Merope
Aber das darf nicht lächerlich werden. Also ich schäme mich so oder habe mich
so lange Zeit dafür geschämt, dass das, da bin ich noch gar nicht so weit,
dass das auf eine lächerliche oder lustige Schiene rutschen darf.
Das ist mir alles viel zu ernst. Das ist ja mein Leben und ...
Sebastian
Ja, aber gerade dann ist es doch, wenn es so viel Leidenschaft ist,
dann ist es doch auch schön und ...
Also du lächelst auch ganz viel hier gerade.
Also das scheint ja auch gerade jetzt dieser Moment für dich auch nochmal so
ein riesen Schritt zu sein.
Denn du sprichst hier zu ein paar tausend Menschen und sagst ihnen,
ich mache das, ich finde das gut, ich stehe dafür ein und das ist mir auch was wert und das bin ich.
Merope
Das stimmt. Aber lachen, also wenn er jetzt in einer Spanking-Session oder so
lachen würde, wo ist dann da der Flow?
Also ich glaube, bei uns ist alles wirklich, glaube ich, so hochromantisch irgendwie.
Sal
Wobei es schon Situationen gibt, wo ich sage: *lachend* „Was machst du denn da,
Merope, so gehört sich das aber nicht.“
Merope
Ja, aber ... das stimmt.
Sal
Aber es ist schon nicht so, dass ich sie auslache oder so. Das passiert eigentlich nicht in der Form.
Sondern es ist mehr so ein ...
Sebastian
Es gibt ja einmal dieses dieses Über-sie-Lachen oder auch Miteinander-Lachen, was weiß ich.
Also ich gebe mal ein Beispiel, man haut mit dem Flogger und haut und haut und
haut und plötzlich merkt man, der wird immer leichter und leichter und der halbe
Flogger ist schon durch die Gegend geflogen, hat man gar nicht gemerkt.
Dann ist das natürlich eine urkomische Situation, wenn man hier gerade das Spielgerät
zerstört hat oder du sagst ja, das Instrument.
Merope
*lacht*
Sebastian
Wobei, muss ich mal fragen, das Instrument, ist das Instrument in deiner Hand
also zum Beispiel der Flogger oder ist das Instrument Merope?
Sal
Das Instrument ist der Flogger.
Merope
Ja.
Sebastian
Und was ist sie dann? Der Klangkörper. *lacht*
Sal
Ja, wenn man vom Musikalischen, würde ich so argumentieren, genau.
Da könnte man aber auch Schlagstock und was weiß ich, Schläge und Instrument.
Sebastian
Okay, nein, aber zurück, dieses gemeinsam miteinander lachen,
wenn einfach mal komische Situationen passieren?
Sal
Natürlich, also ich würde das auch nicht ausschließen, aber es durchbricht den
Flow und wenn wir danach weitermachen, müssen wir auch nochmal versuchen,
wieder auf die Ebene so zu finden, wo wir wirklich ...
Merope
Also wir kichern halt nicht. Natürlich lachen wir auch, wenn irgendwas passiert,
aber es wird nicht irgendwie rumgekichert. *lacht* Außer jetzt. *lacht*
Sebastian
Jetzt habt ihr mir ja erklärt, ihr habt Sessions, solche und solche und dann nochmal
diese Bestrafungssession, sage
ich jetzt auch mal, und trotzdem nochmal drumherum so ein TPE-Konstrukt.
Merope
Ja.
Sebastian
Also braucht ihr das als Einstieg für die aufwendigeren Sachen, zu sagen,
das ist jetzt eine Session oder, also wie grenzt ihr das auch vom Alltag her ab?
Merope
Das kommt glaube ich noch aus der Zeit, wo ich war ja eine Weile verheiratet
und aus der Zeit, wo wir uns quasi darauf angewiesen waren, uns zu verabreden.
Und dann hat man gesagt, okay, dann sehen wir uns und treffen uns für eine Session.
Und im Alltag jetzt ist es so, dass natürlich Kinder im Haushalt sind oder Jugendliche
und dass, da leben wir ja schon TPE,
aber da kann man jetzt nicht anfangen, auf einmal irgendwas Aufwendigeres zu machen,
was jetzt vielleicht beim Kochen über den Kochlöffel auf den Hintern hinausgeht
oder so, mal eben kurz, wenn kein Kind in der Nähe ist.
Sebastian
Also es erfordert also einfach Planung und dann hat man so einen sicheren Raum,
den man definieren kann für mehr.
Merope
Ja, und wo man sich dann auch fallen lassen kann, wenn man weiß,
jetzt geht nicht das Telefon oder jetzt kommt niemand rein, sondern da hat man
einfach dann auch, unsere Sessions sind ja teilweise auch lang,
immer so drei Stunden oder so was. Oder?
Sal
Kann schon sein, ja.
Merope
Also ich habe halt so getippt,
dass man da einfach weiß, man hat die Zeit auch um so ein paar Grenzen zu überschreiten,
also Grenzgänge zu machen oder so.
Sebastian
Ich werde jetzt diese Schnellraterunde mal beenden, indem ich euch noch ein letztes
Ding hier hinwerfe und das nennt sich, so Kleinigkeit, kann man in zwei Sätzen
fertig werden mit, andere Leute,
Szene, Partys, Stammtische und Outing vor allen Dingen.
Also Reihenfolge müsst ihr mal gucken, was da jetzt für euch sinnvoll ist,
aber dieses Ganze mit anderen BDSMern interagieren oder auch mit Vanillas interagieren
und sich auch offenbaren.
Inwieweit ist das für euch interessant, wichtig und inwieweit, wollt ihr das
auch nach außen tragen in eurer Umgebung?
Sal
Also interessant ist, die Szenebegegnungen, die ich hatte, waren nicht so gut.
Also mit Privatpersonen, wie jetzt in dem Kontext zum Beispiel sehr,
sehr positiv, aber jetzt bei so Partys, wenn wir da waren oder wir waren noch
nicht oft auf solchen Partys, dann fiel es mir immer sehr schwer,
so da reinzufinden in dieses Ganze,
da war dann ein Sklavenmarkt und eine Sklavenauktion und das war alles so sehr
aufgesetzt und so ein bisschen, wenn wir schon bei LARP waren vorhin *lacht*,
das war so ein bisschen LARPig alles.
Und es hat mir, mir hat es nicht viel gegeben, so diese Szenebegegnungen.
Es war dann zwischendurch so, dass man über Onlineforen gesprochen hat.
Da ist sie mehr hängen geblieben als ich.
Merope
Ja.
Sal
Aber so grundsätzlich habe ich
nicht viel mit so Szenebegegnungen zu tun gehabt. Mit Outing eigentlich ...
auch nicht, weil ich bin niemand, der, ich habe nie, also ich habe nicht besonders
viele Freunde, mit denen ich so über so was sprechen würde, eigentlich überhaupt nicht.
Es ist ja ohnehin, ich will jetzt hier nicht pauschalisieren,
aber es ist ja doch so, dass Freundinnen öfter mal über so was reden als Männer,
über sexuelle Vorlieben.
Ich weiß nicht, zumindest bei mir war es jetzt so, aus den Erzählungen.
Und die einzige Person, die es weiß, ist tatsächlich meine Mutter und das hat
eigentlich auch nie zu Problemen geführt.
Am Anfang war es ihr alles sehr suspekt, aber wir haben tatsächlich vor gar nicht
allzu langer Zeit mal so ein Gespräch geführt, wo wir wirklich das alles aufgedröselt
haben und mal darüber geredet haben, was es eigentlich ist und dass es ja eigentlich
viel mehr Fürsorge ist als irgendwas anderes, BDSM.
Also es ist ja doch so, dass man es immer auf einer Ebene macht und da war es
dann nochmal anders. Da hat sie es dann auch nochmal anders gesehen.
Sebastian
Das konntest du auch vermitteln tatsächlich?
Sal
Absolut und sie war auch danach wirklich so, „Achso, ja, das ist eigentlich ganz interessant so“.
Also sie wirkte überhaupt nicht mehr dem Ganzen abgeneigt. Und ich würde ja
immer noch postulieren, dass
viel mehr Menschen das eigentlich machen wollen, als es wirklich machen.
Sebastian
Also zu den Partys, das finde ich gerade ganz spannend, weil gerade wenn ihr
sagt, so was wie Sklavenmarkt, also das sind natürlich Partys mit viel Programm.
Einfach mal was, wo man einfach spielen kann. Also wo das einfach ein Angebot
ist, wo es halt irgendwelche Spielzimmer gibt.
Ansonsten hat man einfach einen netten Abend mit irgendwelchen Leuten.
Habt ihr so was auch schon probiert?
Sal
Nee, so Stammtischartig, da haben wir nichts gemacht.
Merope
Doch, eigentlich ja schon. Einmal waren wir auf so einer Party,
wo einfach nur Spielmöglichkeiten waren und so ein nettes Kennenlernen.
Da spielte eine Band, zwar auch mit ein bisschen Programm, also eine Band,
aber sonst gab es kein Programm.
Und da war man eigentlich immer, also ich weiß nicht, wir waren immer total abgeturnt.
Sal
Ja, aber es war auch, also das war schwieriges, es war ...
Merope
Schwieriges Klientel einfach.
Sal
Es war voll, ja, aber es war auch wirklich in dem Bereich Berlins, wo man,
wo man, also wo es halt, wo man so was auch erwartet hat, da war es halb draußen
in so einem Bierzelt und es war relativ kalt und dann, also es war auch sehr aufgesetzt.
Merope
Die Leute waren alle so prollig, sodass man sich eigentlich für seine eigene Szene geschämt hat.
Also es waren nicht so die Leute, die man treffen wollte, sondern eigentlich
die Leute, die man nicht treffen wollte. So war das.
Und dann einerseits Leute, die eine richtige Performance hinlegen.
Also da war eine Frau, die hat mit Messern gespielt. Da hatte keiner mehr Lust
zu spielen, weil das war einfach unübertreffbar, was die da gezaubert hat.
Die war wie so eine Feuerspuckerin oder Messerwerferin.
Die hat einfach ihre Sub da bearbeitet, dass alle nur gestaunt haben.
Die hatte irgendwann wirklich 100 Zuschauer und keiner wollte mehr spielen danach.
Und dann haben sich zwei so ganz Alte ausgezogen. So, ich will das gar nicht
stigmatisieren. Ich finde es eigentlich ganz toll, dass die das machen.
Aber dann war das wie in so einem schlechten Film. Also es war irgendwie cringe.
Sal
Oh, wow. *lachen*
Sebastian
Ich glaube, ich mag da mal eine Lanze brechen. Also probiert ruhig noch mal ein bisschen rum.
Ich behaupte mal, früher oder später lohnt sich das, man muss halt ein bisschen gucken,
auf was für Leute trifft man, wie sind die so drauf und ich persönlich mag ja
auch Partys, die nicht zu viel Programm haben,
wo man einfach dann irgendwann die Möglichkeit hat, wenn man in der Stimmung
ist, plötzlich dann die eigene Bubble um sich herum aufzubauen und ob Leute
zusehen oder nicht, das ist dann gar nicht interessant.
Und man macht einfach Dinge und da kann man so laut schreien,
wie man will. Da gibt es keine Nachbarn, die klopfen.
Merope
*lacht*
Sebastian
Wenn man Glück hat, gibt es hinterher nochmal Menschen, die sagen,
och, das hat mich aber so berührt.
Ist jetzt die Frage, ob man das will und ob man das möchte. Auf der anderen
Seite, für dich, Sal, hast du natürlich auch so ein, du kannst mal herzeigen,
was für ein Glück du da hast.
Sal
Absolut.
Sebastian
Das ist auch ein schöner Aspekt, mal ein bisschen anzugeben.
Sal
Stimmt.
Sebastian
Also ich zeige das Podcastsubbie sehr gerne manchmal her und sage,
guck mal, die habt ihr alle nicht.
Das ist ein bisschen fies *lacht*, nein, aber, oh, ob ich das drin lassen kann, weiß ich nicht.
Aber nein, ich bin schon sehr stolz auf sie und deshalb habe ich Spaß mit ihr.
Und wenn das dann andere Menschen berührt, dann fühle ich mich auch einfach
nochmal ein bisschen mehr beschenkt sozusagen, weil das nicht nur
meine verquere Sicht ist, die Frau ist toll, sondern das ist dann halt die Sicht
von allen, aber es ist halt meine.
Sal
Ja.
Sebastian
Also man nimmt sich ja nichts weg und es ist auch kein Wettbewerb,
aber irgendwie ist da so ein gewisses Stückchen extra Stolz mit bei.
So, jetzt habe ich euch versucht, das schön zu reden. Ihr werdet da bestimmt noch ein bisschen rumexperimentieren.
Sal
Ich denke auch.
Man muss wahrscheinlich einfach nur auf die richtigen Leute und die richtigen
Situationen treffen und dann geht es schon auch.
Merope
Wir sind nun leider immer mit so wenig Zeit auch gesegnet, dass wir,
wenn wir mal Zeit haben, auch oft, also Partys sind für uns einfach noch nicht
so das Nonplusultra, dass wir dann oft die Zeit einfach nutzen für uns.
Sebastian
Ist das noch in irgendeiner Form anstrengend? Gibt es manchmal so den Punkt,
wo ihr beide zu fertig seid, um irgendwas zu machen, um irgendwelche Regeln
zu ahnden und Etikette einzuhalten, sondern wo ihr einfach nur so sagt, Couch.
Sal
Also es gibt Situationen, es ist so, dass für mich Bestrafungen und Sessions
doch auch mental sehr anstrengend sind.
Also nicht nur für sie, weil sie das aushalten muss, den Schmerz,
sondern ich muss auch die ganze
Zeit da sein, ich muss die ganze Zeit aufpassen auf alle, also genau.
Und es gibt schon so Situationen, wo ich sage, sage „Du, ey, boah, ich bin so fertig,
entweder wir verschieben das auf morgen oder wir machen was Kurzes“, mal so.
Das gibt es schon auch, aber eigentlich, dass sie keine Lust hat,
da muss ohnehin ein Komet vom Himmel fallen.
Merope, Sal, Sebastian
*lachen*
Sal
Und auf der anderen Seite, ich denke, dass wir immer irgendeine Lösung gefunden
haben für solche Situationen.
Also wenn man mal keine Lust hat, wenn sie dann ganz viel Lust hat und ich keine
Lust, dann findet man eine Lösung, wenn ich ganz viel Lust habe und es gibt
es eigentlich seltener, wie gesagt, dass sie nicht mitmacht,
aber dann würde man auch dafür eine Lösung finden.
Sebastian
Die Frau hält dich auf Trab, ne [Dialekt]?
Sal
Absolut, aber ich genieße das auch, weil ich bin auch jemand,
der gerne mal sich so ein bisschen relaxed und so ein bisschen auf der Stelle
dann auch so zurücklehnt und da so ein bisschen gefordert zu werden,
ist schon auch gut, das tut mir auch gut.
Sebastian
Ich habe jetzt ein Thema und das ist eigentlich mit das Leitthema,
was in der ersten E-Mail drin stand, Merope, die du mir geschickt hast.
Merope
Ja.
Sebastian
Und das haben wir jetzt mal so völlig übergangen,
also ihr habt ja einen Altersunterschied, der ist wie viele Jahre?
Merope
13.
Sebastian
13 Jahre. Und das hat dir offenbar tatsächlich ein bisschen zu schaffen gemacht,
weil das stand in der ersten Mail wirklich so drin und ich habe dieses Thema
hier auch nochmal groß auf meiner Liste stehen, dass wir mal drüber sprechen
müssen. Ja, du bist 13 Jahre älter als dein Top.
Merope
Stimmt.
Sebastian
Undenkbar. Um Gottes Willen, kannst du den jungen Kerl überhaupt ernst nehmen
und überhaupt und alles und was denken die denn alle von außen?
Ist das noch etwas, worüber ihr nachdenkt oder wie geht ihr damit um?
Merope
Also ehrlich gesagt habe ich das Thema deswegen aufgegriffen,
weil ich bin für mich, ich habe da so meinen geschützten Raum in einem Subforum.
wo nur Subs sind und da kamen die Diskussionen auf,
was ist mit Männern, die nicht erfahren sind und um Gott und dann ging es um
Jüngere und finanzieller Unterschied und ich dachte, hey, guck mal, ich habe das alles,
mein Partner war sowohl sexuell unerfahrener als auch,
ist er deutlich jünger, er ist noch in der Ausbildung,
also noch nicht im Beruf und ich schon lange und ich verdiene dadurch natürlich
auch viel mehr und trotzdem klappt es bei uns eigentlich so einfach und irgendwie,
ich liebe deinen Podcast,
ich höre den immer auf dem Weg zur Arbeit und zurück.
Sebastian
Dankeschön.
Merope
Und du hast so eine Art, aus den Menschen irgendwie so die Geschichten rauszuholen
und Gespräche, die so unter die Haut gehen, zu führen.
Also ich kann mich mit ganz vielen Sachen identifizieren und denke darüber nach
und ich dachte, guck mal einer an, eigentlich möchte ich das auch mal in die Welt
tragen, dass das kein Hindernis ist.
Natürlich spielten bei uns ganz viel Gefühle eine Rolle, das ist sehr hilfreich.
Also wenn jetzt ein Greenhorn kommt und der soll mich mal eben für ein paar
Stunden bespaßen, hier so auf Knopfdruck, das geht vielleicht nicht mit jemandem,
der unerfahren ist oder so, aber es ist halt sehr wohl so eine Art Beziehung
führbar, wenn nur beide das wollen.
Und eigentlich wollte ich für all die Paare, wo halt die Frau älter ist oder
halt irgendwie reicher oder ich weiß nicht, ich wollte einfach für uns eine Lanze brechen.
Und für mich ist es eigentlich gar nicht so groß Thema.
Also, oder, ist es,
hat es uns je, doch manchmal so vielleicht?
Sebastian
Sal, ich werfe dir mal ein paar Dinge an den Kopf. Da ist diese ältere Frau.
Du könntest ja auch dir eine ganz junge Sub suchen.
Keine Ahnung. Hätte das irgendwelche Vorzüge?
Sal
Also die, wie kann man das am besten sagen?
Es ist natürlich nicht einfach von Anfang an. Überhaupt nicht.
Und es ist natürlich, gibt es immer Bedenken so von wegen Familienplanung etc.
Das ist natürlich, spielt natürlich immer so eine Rolle. Vor allem, wenn man dann so in die
30er kommt und irgendwie haben alle jetzt schon Kinder um einen rum und
man steht da und ist so ein bisschen ...
Aber eigentlich, es kommt immer darauf an, wie man das Ganze anpackt. Wenn man sich jetzt sagt,
ich genieße mein Leben so wie es ist mit der Frau.
Ehrlich gesagt, ich denke mir, zu keinem Zeitpunkt habe ich mir gedacht,
wie wäre das jetzt mit einer 15 Jahre jüngeren Sub.
Überhaupt nicht habe ich es mir jetzt gedacht, weil ich habe dazu überhaupt keinen
Anlass. Ich habe eigentlich alles, was mir gefällt und was ich schön finde,
habe ich jetzt mit ihr zusammen.
Und das, was allerdings natürlich Probleme sind, sind am Anfang,
gerade am Anfang, wenn man noch nicht so genau die Reviere abgesteckt
hat, ist so dieser Unterschied, was den Stand im Leben angeht,
der ist natürlich gravierend gewesen.
Also dass sie zwei Kinder hatte, dass sie gearbeitet hat, dass sie ein Haus
hatte und ich bin auch so ein Spätauszieher gewesen und habe quasi noch keinen
Job, bin noch in der Ausbildung,
mache halt viel weniger, auch so generell auch so, was mit Lebensbewältigung zu tun,
im Sinne von Steuern und so was alles.
Und dann muss ich da, oder spiele ich da den Dom quasi als jemand,
der viel unerfahrener ist.
Das muss man so ein bisschen lernen, das Ganze voneinander zu trennen.
Und letztlich wächst man ganz schnell mit dieser Aufgabe. Also ich denke nicht,
dass man davor Angst haben sollte am Anfang.
Man hat immer Angst, natürlich, aber man wächst unglaublich schnell mit dieser Aufgabe.
Sebastian
Ja, ich habe das euch auch schon einzeln gesagt und ich sage es jetzt auch gerne nochmal.
Wäre der Altersunterschied jetzt einfach umgekehrt. Also Sal,
du wärst einfach 13 Jahre älter. Niemand würde, kein Hahn würde danach krähen.
Das ist dann einfach auch gesellschaftlich ein „Ja gut, dann ist der Kerl halt 10,
12, 15 Jahre älter, mein Gott“.
Also das ist einfach eine Geschichte, die steckt so ein bisschen drin offenbar,
aus diesem alten Mustern mit der Versorger, bla bla bla bla bla,
interessiert keinen. Deshalb sehe ich da auch überhaupt keine ...
ja, keine, nicht Probleme, aber keine Tabus, die man irgendwie brechen würde.
Es ist halt vielleicht nicht der Alltag und ich kenne auch Mädels,
gerade so Mitte 20, die, ist jetzt auch schon wieder 15 Jahre her,
aber die auf dem Stammtisch dann auch ganz klar gesagt haben, „Pass mal auf hier,
Sebastian, du bist 30, bist gerade mal 5 Jahre älter als ich,
ich suche schon einen erfahrenen, ordentlichen Dom“.
Dann sitzt man auch da und denkt, hä, okay, jetzt böse sein,
das kriege ich auch noch hin. Aber mein persönliches Erlebnis das war auch einmal
mit einer meiner ersten Stammtische, dass ich dann auch jemanden gefunden habe, um zu spielen.
Das erste Mal so in einer Spielbeziehung und sie war auch zwölf Jahre älter
und Sub und hat mir ermöglicht, in sehr kurzer Zeit sehr viel zu lernen und neu zu überdenken.
Und es war eine äußerst spannende Zeit, weil ich dürfte entdecken und ich dürfte machen und boah.
Also da ist auch die Lernkurve unglaublich steil und ich glaube,
Sal, für dich auch die Möglichkeit zu sagen, okay, kann ja sein,
dass ich da Erfahrung noch nicht habe und eine gewisse Lebenszeit und Lebenserfahrung,
aber so eine Lernkurve geht unglaublich schnell.
Du bringst eine gewisse jugendliche Begeisterung dann mit rein,
während sie die Begeisterung aufgrund von Mangel quasi auch noch mit reinbringt
und damit ist im Endeffekt egal,
wo die Begeisterung herkommt bei euch beiden, ihr seid beide begeistert bei
der Sache und welches Datum jetzt im Pass steht, spielt doch dabei gar keine Rolle mehr.
Merope
Ja, das stimmt. Wobei, als es so ganz zu Beginn, war es ja manchmal so,
dass von mir auch diese ganzen Ideen waren,
weil bei mir hat einfach BDSM so ewige Jahre geschlummert und es brach dann
förmlich aus mir raus und ich wollte mit Siebenmeilenstiefel diese Welt erkundigen
und du hattest ein bisschen anderes Tempo auch,
weil das sehr viel für dich war, du warst ja gerade mal am Anfang 20 und ...
Sal
Ich war überfordert und vor allem auch diese Situation so von wegen,
ich überspitze es jetzt mal, aber dieses, mach mal jetzt was mit mir,
weißt du so, mach mal, also so, das war schwierig am Anfang, natürlich.
Merope
Und danach immer die Besprechung, also wir haben danach immer ganz viel gesprochen,
so wie war das jetzt und ich habe dann natürlich auch viel so,
was ich empfunden habe, er hat ja gemacht und ich habe dann auch oft gesagt,
so wie ich das empfunden habe und wir haben dann eigentlich für uns ganz gute Möglichkeit gefunden,
das ein bisschen indirekter zu kommunizieren.
Also nicht immer so ein, das könnte man besser machen und das und das war dann
wie so eine, also ich war älter und so weiter und dann wie so eine Schulstunde
am Ende oder was zu sagen, so „Nee, das geht besser und das wäre jetzt eine 3+“.
Sebastian
Das wäre doch auch mal eine spannende Geschichte. Und hinterher kriegst du eine,
Sal, kriegst du eine differenzierte Bewertung deiner Taten.
Sal
Und sie kriegt danach wahrscheinlich Haue nochmal. *lachen*
Sebastian
Genau, genau. Und für alles, was nicht 1+ Sternchen unglaublich ist,
kannst du dich gleich nochmal austoben. *lacht*
Sal
Aber so Kommunikationswege waren bei uns auch wirklich problematisch am Anfang,
weil ich war jemand, der, ich konnte am Anfang auch,
also ich bin immer noch kein Meister darin, Kritik einzustecken,
viel Kritik, aber es ist so, dass ich damals wirklich ganz, ganz schwierig auf
Kritik reagiert habe, gerade in diesem Kontext.
Und wir sind dann ausgewichen auf so Tagebücher, es gibt ja so Online-Tagebücher,
wo man dann sich gegenseitig einfach schreiben kann,
und da wurde dann festgehalten, auch so Wünsche und so und das kann man als
Kommunikationsweg eigentlich auch nur nahelegen, wenn man jetzt sich schwer
tut mit der Vis-à-vis-Kommunikation aus irgendeinem Grund, weil
eine Person das eben nicht so gut nimmt vielleicht oder nicht so gut damit umgeht
oder noch lernt, damit besser umzugehen und dann so in Übergangszeiten kann
man gut so kommunizieren, so ein bisschen asynchron, aber trotzdem darauf eingehen
dann quasi, haben wir dann gemacht und es hat gut geklappt eigentlich.
Also dass sie was geschrieben hat ins Tagebuch und ich habe dann geantwortet
auf das Tagebuch, auch im Tagebuch und dann kann man da quasi sogar in den Dialog.
Und man kann dann auch im schlimmsten Fall zur,
wenn man jetzt darüber redet und unterschiedliche Sichtweisen hat,
kann man auch sagen, „Guck mal, wir hatten das Problem gerade schon mal“ und dann
sieht man das und denkt sich, „Ja, natürlich, wir hatten das Problem und wir
wollten eigentlich so damit umgehen“.
Da ist ja dann auch so ein gewisses optisches Etikett, so eine optische Wiedererkennungskomponente
quasi dabei, wenn man so dieses Tagebuch vor Augen hat und so, ach ja, da war was.
Also uns hat es viel geholfen, damit zu arbeiten, mit so einem Tagebuch.
Sebastian
Ihr beiden, ich habe auf meiner Liste nichts mehr stehen.
Sal
Gibt es noch etwas,
Sebastian
wo ihr sagt, Mensch, das müssen wir noch erzählen?
Merope
Ja, unbedingt. Wir haben nämlich noch ein Ding der Woche mit.
Sebastian
Noch ein Ding der Woche?
Merope
Ja, ein Geschenk für dich.
Sebastian
Was, okay.
Sal
Ach ja, richtig.
Sebastian
Geschenke.
Merope
Naja, es ist nur eine Kleinigkeit natürlich, aber wir haben dir was mitgebracht,
was wir auf unserem, wir dachten, wir werden eine Weihnachtsfolge,
also no pressure, das muss jetzt also auch noch vor Weihnachten ... *lacht*
Sebastian
Ja, ne, da sind leider noch drei Stück, die ich schon aufgenommen habe.
Ich war äußerst fleißig diesen Monat.
Merope
Ah, nicht schlecht.
Sebastian
Also es wird wahrscheinlich Ende Januar werden. Also liebes Publikum,
wenn jetzt nicht Ende Januar ist, wenn ihr diese Folge kriegt,
dann habe ich doch wieder umgeplant.
Merope
Also wir haben jetzt extra ein Weihnachtsbild für dich gemacht als Cover.
Sal
Das kann man ja auch im Nachhinein dann noch.
Merope
Und das ist aber unbenutzt natürlich, aber das haben wir euch mitgebracht zum Spielen.
Passend zur Weihnachtszeit. *lacht*
Sebastian
Ich bekomme ein kleines Säckchen. Ich werde das jetzt mal direkt,
bevor ich das aufreiße, fotodokumentieren.
Merope
Ja, eine Schleife.
Sebastian
Es ist eine Schleife, ja. Ich kann schon reingucken, aber ich sage ja jetzt noch nichts.
Spannung. Ah, ich kriege einen Geschenk. Das ist so toll. Ich muss übrigens
mal wieder erwähnen, im Moment, das beste Publikum der Welt bedenkt mich hier
auch momentan immer wieder mit Geschenken.
Das ist so schön. Es ist eine Schleife, die müsste ich doch eigentlich aufkriegen
können. Ach da. Jawohl. Sie ist auch sehr kunstvoll, die Schleife,
so dass da ein halbtransparentes Säckchen da drin sind. Ich schütte das mal aus,
ich nehme mal das Geräusch mit. *sehr leise glöckchenähnliche Geräusche*
Es sind keine Perlen, es sind kleine
Christbaumkugeln, so ganz kleine mit ... Uh ...
Merope
Ja richtig, miesen ...
Sebastian
Mit richtig miesen kleinen Klammern, so kleinen Zähnchen dran. Oh, die sind ja toll.
Merope
Da kann man seine Sub mit schmücken.
Sebastian
Das ist passiert?
Sal
Das ist passiert, ja. Das war sehr abenteuerlich. Da haben wir Fotos gemacht
und haben aus der Sub einen kleinen Weihnachtsbaum gemacht. *lacht*
Sebastian
Das heißt, du hast für diese Folge extrem gelitten?
Merope
Also das hat wirklich wehgetan.
Sal
Wobei das Dranmachen war nicht so oder das Dranhaben war nicht so schlimm wie
das Abmachen natürlich, wie immer.
Merope
Ja, wie immer.
Sal
Aber es war eine nette kleine Spielerei, aber es hat Spaß gemacht.
Sebastian
Auch im Januar, wenn diese Folge erscheint, ist das ein wunderschönes Motiv.
Und wenn das das Folgencover werden soll, dann äußerst gerne.
Ich mache jetzt nochmal ein Foto davon.
Die sind aber auch bösartig klein, diese Dinger.
Merope
Also die sind nicht ausgeleiert oder so, die sind richtig mies, die kleinen Klemmchen.
Sal
Die sind auch wirklich hart. Also das merkt man ja, wenn man drauf drückt,
die sind auch richtig ...
Sebastian
Die waren auch jetzt überall an dir dran, ja? Also in die Haut?
Merope
Also das sind nicht meine, ich habe eigene zu Hause. Die sind wirklich frisch,
die haben wir extra für dich nochmal gekauft.
Sebastian
Oh, ich überlege gerade, ob ich sie irgendwo an mir festmache. Nein, ich traue mich nicht.
Sal
Ich würde es auch nicht machen. Ich habe es ein
bisschen, aber es ist so richtig garstig.
Sebastian
Also wirklich schlimmes Teufelszeug. Ja?
Sal
Ja.
Sebastian
Oh.
Merope
Naja, sie machen Spaß.
Sebastian
*lacht* Ja, das ist, okay, da kannst du dich aber auch nicht entscheiden.
Ja, es macht Spaß, aber die sind doof und böse.
Merope
Naja, mit Klammern habe ich, genau, die beißen mich schon sehr.
Sal
Sie hüpft gerne mit Klammern.
Merope
Aber danach bin ich halt stolz.
Und ich glaube, so für diesen Stolz machen wir es ja irgendwie auch. Oder ich zumindest.
Sebastian
Also gerade mit diesem kleinen Klemmen da dran, die habe ich so noch nicht gesehen.
Also ganz vielen, vielen lieben Dank. Die nehme ich natürlich jetzt an mich
und die kriegt ihr auch nicht wieder. Keine Chance.
Merope
Die sind auch für dich. Für euch.
Sal
Da kann man so schön zum Beispiel so eine kleine Kette kann man da machen.
Sebastian
Ah, so unter dem Hals so ein bisschen die Haut. Ohh, ah.
Sal
Freut sie sich.
Sebastian
Also ja, wenn du das für den Podcast auf dich genommen hast.
Vielleicht noch ein Letztes: Fluchst du auch mal?
O scheiße, das tut aber weh, so in der Richtung.
Sal
Ja, macht sie. Und jedes Mal muss ich grinsen, weil es wirklich nur selten passiert.
Also es passiert selten, aber dann gibt es natürlich vielleicht einen kleinen
Strafhieb, aber es ist immer sehr lustig. *lacht*
Sebastian
Also ich glaube, also ich finde es einfach toll, dass ihr jetzt so sein könnt und
so seid, wie ihr sein wollt. Ihr seid einfach ihr.
Und ja, ich wünsche euch einfach ganz, ganz viel Spaß beim Spielen.
Merope
Danke.
Sebastian
Und anstatt jetzt Tschüss zu sagen, erinnere ich doch nochmal an das Gedicht.
Merope
Achso. *lacht*
Sal
Möchtest du das Gedicht noch vortragen?
Merope
Weihnachtsgedicht. Also das habe ich für Sal geschrieben, als er mich das erste
Mal an die Brennnesseln geschickt hat.
Und da wir ja dachten, also da wir vorhin nur zu dritt hier spaßhaft sagten,
zur Weihnachtsfolge gehört auch ein Weihnachtsgedicht, kann ich das natürlich gerne vorlesen.
Das ist gar nicht weihnachtlich, das ist ein Brennnesselgedicht.
Sebastian
Ja also das ist vielleicht eigentlich im Januar mache ich das ja nicht,
aber es gibt ja den Podcast-Trailer, also die Musik gibt es ja in der Weihnachtsversion,
wenn ihr das so haben möchtet auch wenn die erst im Januar erscheint,
ich baue auch gern für euch das Weihnachtsintro mit rein.
Merope
*lacht* Das kannst du gerne machen, mach das, wie du möchtest.
Sebastian
Ich mach das nur, wenn ihr euch das wünscht, denn das Publikum findet
das manchmal ein bisschen komisch, aber ich sag halt, im Dezember müssen die da durch.
Okay, dann machen wir das und dann verabschiede ich mich jetzt schon und das
Gedicht wird das letzte sein, was in der Folge kommt.
Ganz, ganz vielen lieben Dank, dass ihr die weite Reise mit elendigem Stau auf
euch genommen habt, dass ihr heute Nacht auch noch hier durchs Stockdunkle dann
wieder zurückfahrt und euch Zeit genommen habt und auch im Dezember,
ich weiß, es ist immer stressig,
dass ihr euch einfach Zeit genommen habt und einfach so toll erzählt habt und
so viele Einblicke gegeben habt.
Ganz, ganz vielen lieben Dank an euch alle beide.
Sal
Ja, danke, dass du uns empfangen hast hier auch. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht auch.
Merope
Ja, stimmt. *lacht*
Sebastian
Und nun das Gedicht.
Merope
Das Gedicht.
Für Sal. Naturszene. Im Tone tüchtig sich vergriffen, sollte sie zurechtgeschliffen.
Er führte sie in einen Wald.
Ohne Beinkleid war es recht kalt, doch niemals hätte sie gekniffen.
An prächt'gen Nesseln ließ er halten, nun wollte er seines Amtes walten.
Und sie durch wogend' Büschel schicken, die tüchtig in die Beine zwicken,
um sie recht ordentlich zu schalten.
Ih, dass nicht die Seiden weben, fest an ihrem Beine kleben, schnell zwei Spinnen
noch vertrieben, die Angst ihr ins Gesicht geschrieben und mückenstill der Szen' entschweben.
Am anderen Ende lockt sein Arm, fest umschließend, tröstend warm.
So gibt sie sich den letzten Stoß, gepackten Mutes geht sie los,
indes der Flor kennt kein Erbarmen.
Nun ließ der Herr zu seinem Entzücken tief geduckt sie auch noch bücken, um vollends
ihr das Fell zu gerben und seine Gnade zu erwerben. Die Nessel schont nur Bauch und Rücken.
Geläutert sinkt sie an die Brüste ihres Liebsten, wenn er wüsste, dass sie sich
heimlich glucksend freut und klein wenig auch bereut. Doch er weiß um ihr Gelüste. *Outro-Musik*