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Sebastian
Hallo und herzlich willkommen zur Kunst der Unvernunft, dem Podcast über BDSM und Kinky Menschen.
Mein Name ist Sebastian Stix und nach mittlerweile drei Monaten gibt es endlich
eine ganz normale neue Folge.
Ich habe mit Dilara gesprochen und dieses Mal ist es eine ganz besonders wilde Mischung geworden.
Wir sprechen natürlich über BDSM, über Anfänge, aber auch über Poli.
Und dann schauen wir uns das Thema Islam noch ein bisschen an,
denn Dilara ist Muslima. Man könnte jetzt meinen, das alles passt nicht so richtig zusammen.
Falsch gedacht, nach dem Gespräch mit ihr weiß ich, das passt alles sogar ziemlich
gut, wenn man sich damit nur beschäftigt.
Und normalerweise erzähle ich jetzt hier noch ganz viele organisatorische Dinge,
bitte um Unterstützung durch euch und wähle die ganzen sozialen Netzwerke.
Mache ich heute aber nicht, denn das verpacke ich inzwischen ja alles in die Live-Sendung.
Wobei, ein Update gibt es, denn wenn du hier so ein kinky Unternehmen hast,
was auch immer, dann kannst du ja Patenschaften für einzelne Folgen übernehmen.
Und dann würde ich genau an dieser Stelle was dazu erzählen.
Ich experimentiere damit gerade so ein bisschen rum und wenn das jemand ausprobieren
mag, du zum Beispiel, dann melde dich einfach bei mir und dann sprechen wir ein wenig.
Ja, und von euch, liebes Publikum, wenn euch der Gedanke gefällt oder stört,
dass da diese Patenschaften sind, dann gebt mir da ruhig Feedback.
Ich freue mich da immer, auch wenn es mal negativ ist, denn das brauche ich,
damit ich hier nicht total abgehoben bin.
So, und jetzt geht es aber wirklich los mit Folge 43 mit Dilara.
Ich sitze hier bei mir im Büro und ja, da sitze ich halt, weil wir haben ja
wieder Corona, aber wir haben eine Remote-Verbindung aufgebaut und ich begrüße die Lara, hallo.
Dilara
Hallo.
Sebastian
Schön, dass das geklappt hat.
Wir haben mit der Technik gekämpft und sie erlegt. Ich bin begeistert.
Entschuldige bitte, dass das so lange gedauert hat, aber jetzt läuft es und
ich bin mir sicher, das wird heute richtig spannend, denn wir sind thematisch
heute ein bisschen, ja wo sind wir denn heute eigentlich? Was machen wir denn?
Dilara
Sag du es mir.
Sebastian
Okay, also ich versuche über dich zu sprechen, aber wir werden immer wieder zum Thema Islam kommen.
Ich darf dich kurz vorstellen, 43, Switcherin und aus dem Allgäu kommst du.
Dilara
Genau.
Sebastian
Und das ist so weit weg, dass ich gesagt habe, okay, bis wir da mal eine Aufnahme
hinkriegen, das wird so lange dauern, dann können wir es auch remote versuchen.
Ja, ich fange ja immer vorne an. Vorne ist immer da, wo das mit dem BDSM ins
Leben kommt. Wie lange bist du denn schon dabei?
Dilara
Noch gar nicht so lange. Also ich war so, bis ich Ende 30 war,
war ich in ganz anderen Sphären unterwegs,
war ich brav, monogam verheiratet und habe eigentlich gedacht,
naja, das bleibt jetzt wahrscheinlich so und das war für mich so die Liebe des
Lebens und das ist ja auch alles okay soweit.
Und ja, hatte eigentlich ein sehr, ja schon auch ein Leben mit Überraschungen,
aber schon eher sehr vorhersagbar, sagen wir es mal so.
Also ich hatte so mit Hobby und Tralala war ich immer viel unterwegs,
ich war auch immer viel auf Reisen und habe das auch sehr genossen.
Aber es war eigentlich dann, war auch klar, das ist eine monogame Ehe und so läuft es eben auch.
Ich habe zwar übers Internet immer mal wieder so Berührung mit so BDSM-Sachen
bekommen, weil ich da einfach immer mal wieder danach gesucht habe,
weil ich so ein bisschen neugierig war.
Ich habe auch immer gemerkt, da reizt mich was unglaublich dran.
Ich wusste damals noch nicht so wirklich in welche Richtung.
Es ging auch immer so ins Thema Poly so ein bisschen mit rein,
Aber dafür war ich einfach mit dem falschen Partner verheiratet.
Also das konnte sich mein Ex-Mann in keinster Weise vorstellen.
Weder Poly noch BDSM noch sonst irgendwas.
Ich bin dann relativ spektakulär aus meinem Leben und aus meiner Ehe ausgebrochen.
Ich habe meine feste Stelle gekündigt, die in einem ziemlich krisensicheren
Job war, um ein halbes Jahr in die Schweiz auf eine Bergalm zu gehen.
Das war ein ziemlicher Cut und eigentlich war quasi nur geplant,
dass ich das mache und es hat sich dann aber durch einige Ereignisse,
sagen wir es mal so, so ergeben, dass vorher auch meine Ehe zu Ende war.
Also ich habe wirklich einen krassen Cut gemacht, das war kurz vor meinem 39.
Geburtstag damals. Ich habe dann absolut einen Cut gemacht, ich habe mich von
dem Mann getrennt, bin aus der Wohnung ausgezogen, habe die Wohnung,
habe meinen Job gekündigt und war dann erstmal für ein paar Monate weg.
Sebastian
Boah, also wirklich alles hinter dir gelassen?
Dilara
Alles. Es war, wie gesagt, es war eigentlich nicht so geplant.
Das war dann so wie bei so einem Domino-Effekt.
Du nimmst ein Steinchen weg und dann explodiert das ganze Haus.
Also so ähnlich hat sich das zumindest angefühlt.
Also ziemlich krass. Ich weiß auch im Nachhinein nicht so ganz,
wie ich das damals alles hingekriegt habe, ehrlich gesagt, ohne Nervenzusammenbruch zu kriegen.
Ja, ich habe es irgendwie geschafft. Dann war ich nach meiner Trennung,
also ich war mit meinem Ex-Mann zwölf Jahre lang zusammen und wie das manchmal
ist nach solchen Beziehungen,
ich bin dann in einer absolut katastrophalen Beziehung mit einem Narzissten
gelandet für fast ein Jahr und habe mich dort dann einfach freigestrampelt,
habe mein eigenes Ding gemacht und habe dann beschlossen,
so jetzt bin ich so um die 40 und jetzt mache ich endlich mal das, was ich machen möchte.
Jetzt entdecke ich mich erstmal selber, vor allem auch körperlich und auch sexuell
und habe dann damals mich bei diversen Seiten angemeldet,
habe Kontakt zu einigen sehr seltsamen Leuten gekriegt, wie das halt immer so ist.
Hatte aber auch Kontakt zu wirklich netten Leuten. Also muss man auch sagen,
hatte ein paar wirklich schöne Dates auch.
Es hat auch nicht immer gefunkt, aber das ist ja auch nicht so schlimm.
Und habe dann eben erste Schritte in die BDSM-Welt unternommen.
Das war ganz am Anfang, war das rein auf der Subseite.
Weil für mich, ja, wollte ich das erst mal ausprobieren.
Bin dann relativ schnell mit meinem Ex-Dom zusammengekommen.
Das war auch so ein Polykonstrukt, das nicht immer so furchtbar einfach war.
Gut, hat aber funktioniert, zumindest eine gewisse Zeit lang und der ist ziemlich
erfahren und der hat mich da einfach an die Hand genommen und der hatte auch,
was wirklich sehr, sehr gut war, der hatte ein absolutes Händchen und auch ein
Gespür für mich, also der wusste wirklich.
Sebastian
Lass mich dich mal kurz ein bisschen unterbrechen, weil wenn wir das jetzt so
machen, dann sind wir hier nach 20 Minuten durch, du gehst bis ganz schnell.
Dilara
Entschuldigung.
Sebastian
Okay, jetzt hast du so selbstverständlich gesagt, ich habe dann sexuell das
ausprobiert und habe mit dem BDSM angefangen.
Da muss man erstmal drauf kommen, dass es A, das gibt, B, ich möchte das ausprobieren
oder C, das interessiert mich
überhaupt und das betrifft mich vor allen Dingen auch irgendwie selbst.
War das easy für dich? Stand das schon fest oder wo kam diese Erkenntnis her?
Dilara
Also ich habe einfach gemerkt, dass es mich da sehr, sehr hinzieht.
Also sowohl von den Websites her, als auch von irgendwelchen Blogs und so weiter,
die ich damals dann schon gelesen habe.
Und ich bin dann einfach auch bei diesen ganzen Dating-Sachen bin ich einfach
immer mehr draufgekommen, ja,
so mal einen guten Dom treffen oder einen guten Herrn treffen,
das fände ich einfach mal interessant und war damals aber noch auf der ganz
anderen Schiene, also war mehr
so Richtung Spielbeziehung und mal so ein bisschen ausprobieren und ja,
ich wusste am Anfang noch überhaupt nicht, in welche Richtung ich mich da bewege.
Sebastian
Ja, was hast du dir denn vorgestellt, was passiert?
Dilara
Ich wusste es ehrlich gesagt nicht.
Sebastian
Okay, dann was war denn der Reiz? Also wo hast du gesagt, deshalb möchte ich
das? Weil irgendwo muss ja dieser Sprung kommen, dass es einen doch drängt, mach mal was.
Dilara
Ich habe mir ehrlich gesagt gedacht, wenn ich es jetzt nicht mache,
wann mache ich es denn dann?
Also das war so dieses, okay, ich bin jetzt Single, ich habe eine eigene Wohnung,
ich habe mein eigenes Ding, ich lebe mein eigenes Leben.
Ja, wenn ich jetzt was ausprobieren will, dann jetzt. Weil da niemand ist,
der irgendwie sagt, aber hör mal, um neun bist du daheim? oder nee,
das möchte ich nicht oder sonst irgendwie, sondern ich war im Positiven wie
auch im Negativen auf mich allein gestellt.
Und habe mir gedacht, okay, jetzt oder nie.
Sebastian
Wenn man überlegt, ich fange jetzt mit BDSM irgendwas an, du hast ja gesagt,
am Anfang eher auf der Sub-Seite. Auch das ist ja eine Entscheidung.
Sub, Dom, wo will ich hin, was will ich ausprobieren? Warum das zuerst?
Dilara
Einerseits, weil ich komplett unerfahren war. Also ich konnte mir für mich,
konnte ich mir das gar nicht vorstellen, dass ich auf der anderen Seite stehe.
Es war einfach was, was mich sehr, sehr angesprochen hat, dass ich auf der Devoten-Seite erstmal bin.
Ich konnte es mir, wie gesagt, andersrum nicht vorstellen in diesem Moment,
also auch in meinen Fantasien und in allem, was ich so, was ich auch so auf
anderen Portalen und so weiter immer wieder mal gelesen habe,
war für mich eigentlich klar,
nee, mir spricht diese, die Sub-Seite spricht mich einfach deutlich mehr an
als die dominante Seite.
Ich war zwar schon auch so ein bisschen neugierig, weil ich dachte,
wie fühlt sich das denn andersrum an?
Aber da war ich mir einfach sehr, sehr unsicher, weil ich wirklich,
ich hatte ja null Ahnung von irgendwas.
Also ich hätte ja nicht mal gewusst, mit was ich was machen kann.
Also ich war völlig ahnungslos.
Sebastian
Lass mich da nochmal ein bisschen weiter bohren. Was war denn die Idee, was passieren kann?
Also ging es eher um Unterwerfung oder eher um das Spüren, also eher um den
Masochismus, der dahinter steckt?
Wo war so dieses Fünkchen, wo du sagst, das muss befriedigt werden?
Dilara
Ich hätte es dir gar nicht sagen können. Also ich bin ein Mensch,
ich gehe sehr nach Intuition, ich gehe absolut nach Gefühl. Das mache ich schon immer.
Also ich habe da einfach gemerkt, da zieht es mich hin. Das möchte ich einfach
mal gucken, was das für mich ist. Ich hätte jetzt am Anfang zwar gesagt,
naja, Unterwerfung, so DS, ach
nee, lass mal, das ist mir eine Spur zu heftig, das ist nicht mein Ding.
Aber ich hätte es jetzt auch nicht ausgeschlossen. Ich habe dann eben auch ziemlich
schnell gemerkt, Sachen, die ich vielleicht theoretisch ausschließe,
wenn ich die dann praktisch erlebe, fühlen sich die ganz anders an.
Sebastian
Okay, das sind aber dann schon wieder erste Erfahrungen. Schon mal,
vielleicht, ich mag dich noch ein bisschen bremsen. Ich bin ja gerade wirklich
auf dem Bremspedal bei dir.
Aber es ist so, auch mit dem Partner vorher, mit der Ehe, schon mal irgendwas
probiert in die Richtung, mal irgendwelche Experimente gemacht oder gar nichts?
Dilara
Gar nichts. Also wie gesagt, das wäre mit ihm, also er ist in keinster Weise
irgendwie da unterwegs.
Sebastian
Okay, und wenn wir noch weiter zurückgehen, Findet sich da noch irgendwas?
Ich suche immer noch nach diesem, viele haben ja so ein Kindheitserlebnis,
wo sie sagen, oh, das fand ich schon mal spannend mit dem Indianerspiel und
so. Gibt's gar nichts? Okay.
Dilara
Nein.
Sebastian
Das heißt, da hat die Popkultur dich einfach erwischt?
Dilara
Ja. Ja.
Sebastian
Okay, du lächelst mich ja so wunderschön an. Also du bist offenbar,
stand jetzt unglaublich glücklich.
Dann lass ich dich jetzt mal. Also du hast erste Erfahrungen gemacht.
Das heißt, man muss ja Menschen finden und dann die treffen und dann auch mit denen was machen.
Das ging ganz schnell oder hast du dir Zeit genommen?
Dilara
Ich lasse mir meistens nicht so viel Zeit. Also Geduld ist jetzt nicht so meine
Stärke, merkst du vielleicht gerade.
Eigentlich wollte ich mir Zeit lassen, es hat aber so eine Eigendynamik bekommen.
Und also ich habe mich relativ schnell mit, lass mich überlegen, mit Zweien gedatet,
ja, also mit Parallel gedatet, die wussten aber immer voneinander,
also das ist immer mein Ding, dass ich sage, wenn jeder von dem anderen den
aktuellen Stand weiß, dann ist das okay.
Ich habe mich dann relativ schnell eben mit zwei gedatet. Der eine war eher
sehr auf der Spielbeziehungsseite, also der war so im Alltagsbereich überhaupt nicht dominant.
Der andere war sehr auf der DS-Seite.
Und das war mir am Anfang zu heftig.
Also der hat dann auch gleich mit ein bisschen krasseren Sachen angefangen und
da bin ich damals eher davon abgeschreckt gewesen.
Sebastian
Womit hat er angefangen?
Dilara
Ja, er war, er ist, was ist er, ist er immer noch, er ist ziemlich sadistisch,
ziemlich und das ist halt für eine Anfängerin, also für ihn war es glaube ich
wirklich ein langsamer Anfang, aber für mich als Anfängerin war das halt so ein,
boah, das ist der Anfang.
Also er hat dann auch irgendwie angefangen, mir so zu erzählen,
was er daheim noch so alles rumhängen und rumliegen hat.
Also das hieß jetzt nicht so nach dem Motto, okay, nächstes Mal bringe ich alles mit.
Aber mich hat es einfach, ja, mich hat das total erschreckt,
weil ich mir dachte, um Gottes Willen, nee, also niemals.
Sebastian
Hattest du mit diesem Menschen oder mit dem anderen die erste Session, sag ich mal?
Dilara
Mit dem anderen, mit dem Spieldom.
Sebastian
Ich finde mal diesen Moment, wo man das erste Mal gesagt kriegt,
tu das oder irgendwie man kriegt, ja man spürt eine Hand, die ziemlich schnell
sich dem Popo nähert. Gibt sowas bei dir?
Einfach gemacht, ja?
Dilara
Einfach gemacht und es hat einfach, er hat mich einfach da quasi an die Hand
genommen und mich da fixiert und vor seinem Kamin da quasi hingehängt,
wo ich mir dachte so, okay, naja, schauen wir mal.
Sebastian
Habt ihr das vorher abgesprochen oder gab es da irgendwas oder einfach hinfahren und aufhängen lassen?
Dilara
Also sagen wir mal so, wir haben uns vorher so ein bisschen unterhalten,
wir haben auch ein bisschen was geschrieben und ich hatte einfach ein gewisses
Vertrauen zu ihm. Also das ist eben mein Bauchgefühl.
Ich hatte das Gefühl, ja, mit dem ist das okay, mit dem kann ich reden und mit
dem, da ist auch ein Funke da und mit dem funktioniert das.
Das war bei dem anderen aber auch, also mit dem habe ich mir,
der hat weiter weg gewohnt, mit dem habe ich mir sehr viel geschrieben,
wir haben sehr viel telefoniert.
Die wussten auch eben beide, dass ich absolut der Anfängerin bin und ja,
also wenn ich da ein schlechtes Gefühl gehabt hätte, wäre ich da niemals hin.
Sebastian
Vorm Kamin aufgehängt, gehauen.
Magst du zu dem Abend noch was sagen? Sonst mag ich nämlich wissen,
wie fühlt man sich hinterher?
Dilara
Ja, also ich war so in so einem Gefühlszustand, also von,
oh mein Gott, was macht denn der da, bis zu, keine Ahnung, ob ich das noch weiter
aushalte, über, was passiert jetzt mit mir, also ich war da völlig,
ja, das war einfach komplett neu und ich habe aber einfach auch gemerkt,
so, boah, das löst unglaublich viel aus, also gerade dann mit diesem Hinterherauffangen
und den Arm nehmen und Und also ich habe einfach gemerkt,
das spricht was an in mir.
Sebastian
Okay, also aber tatsächlich erst die Erkenntnis währenddessen.
Also ich finde das gerade schön, weil es gibt ja dieses ganz langsam reinkommen,
Leute erst mal kennenlernen,
die Lupe nehmen, sich monatelang im Internet belesen und dann kann man mal einen
Stammtisch besuchen oder sich mal mit irgendjemandem auf einen Kaffee treffen
und du machst dir Karacho voll drauf.
Dilara
Wir haben uns erst auf einen Kaffee getroffen, das möchte ich bitte.
Sebastian
Das ist dann der Tag, wo man die Kapitulation schon mal aushandelt.
Dilara
Genau, also es war jetzt nicht so, dass ich gesagt habe, ach ja,
ich treffe dich und dann machen wir gleich eine Session. Das war,
glaube ich, unser drittes Treffen oder so, wo ich dann zu ihm bin.
Sebastian
Okay, also doch noch ein kleines bisschen langsamer.
Dilara
Ja, ja, ja, ja, schon.
Sebastian
Okay, jetzt hast du ja zwei gehabt. Und zwar noch zwei unterschiedliche.
Dir war auch bewusst, die sind zwei beide völlig unterschiedlich drauf.
Erstes Treffen mit dem anderen, der DS-ige Mensch. Auch so?
Dilara
Nee, es war sehr, sehr krass. Also man muss dazu sagen, was mich bei ihm unglaublich
fasziniert hat, der ist wahnsinnig intelligent und belesen und kennt sich mit
Sachen aus, wo ich mir nur denke, was bitte?
Das war das, was mich einfach wahnsinnig fasziniert hat, also ich konnte mit
ihm auch ganz, ganz tolle Gespräche führen.
Aber wie gesagt, wenn der ein bisschen langsamer angefangen hätte,
dann wäre es für mich, glaube ich, einfach besser gewesen. So war ich einfach
überfordert von dieser Wucht, die da auch entstehen kann.
Sebastian
Was war die Wucht? Also dass es so intensiv war oder so viel einfach oder also
wo kommt es her? Ja, beides.
Dilara
Also er hat dann danach eben auch zu mir gemeint, er hätte so eine Verbindung
mit jemandem wie mit mir auch schon länger nicht mehr erlebt.
Also das war so ein Überschwanger auf beiden Seiten sozusagen,
der da so ein bisschen aufeinander gekracht ist. Also von uns hat eigentlich
keiner gesagt, jetzt mach mal ein bisschen langsam, wir müssen ja nicht alles
an einem Abend durchspielen.
Ja und durch das war das einfach sehr intensiv und da war ich damals,
also der war eben auch jemand, der dann mir gleich gesagt hat,
du pass auf, wenn das enger wird, dann möchte ich es monogamer,
dann ist das für mich auch was anderes.
Also das war eigentlich klar, der wollte eine engere wirklich in dem Beziehungsstil
führen und dann eben auch sowas ähnliches wie 24-7 und das war mir am Anfang einfach,
also wie gesagt, er hat mir eigentlich so seine Optimalvorstellung aufgemalt
und für mich war das aber so ein, okay, so möchte ich es haben.
Also ich war mit dieser Optimalvorstellung von ihm ziemlich überfordert.
Sebastian
Wo waren die Punkte, wo du gesagt hast, Moment, das geht mir zu weit?
Dilara
24-7.
Sebastian
Man kann ja 24-7 auch sehr, ich sag mal, locker gestalten, ne?
Dilara
Ja, das zum Beispiel wusste ich aber damals nicht. Also er war halt jemand, der dann sehr ...
Ja, sagen wir es mal andersrum. Ich hatte halt eben gerade so eine Phase,
wo ich mir dachte, juhu, Freiheit und jetzt lasse ich es mal krachen.
Und dann kam er an mit diesem, okay, pass auf, ich möchte dann so und so und so.
Das war mir einfach zu viel. Also da habe ich einfach gemerkt,
nee, ich kann mich auf diese Ernsthaftigkeit, die er da an den Tag gelegt hat,
kann ich mich momentan nicht einlassen.
Sebastian
Okay, aber ihr habt euch trotzdem mehrfach gesehen?
Dilara
Dreimal.
Sebastian
Okay, warum das zweite und dritte Mal, wenn das schon beim ersten Mal so intensiv war?
Dilara
Naja, da bin ich jemand, der sagt, okay, dann gucke ich halt mal,
wie es beim zweiten Mal ist.
Also es war jetzt nicht so, dass ich danach gesagt hätte, boah,
das war jetzt viel zu heftig.
Oder dass ich gesagt habe, der ganze Abend war irgendwie durch den Wind oder sowas.
Es gab natürlich auch Momente, wo ich mir sehr geborgen und sehr aufgefangen auch vorkam bei ihm.
Und das ist halt das, was mich dann schon sehr angesprochen hat.
Sebastian
Von der Spielart her, diese Unterschiede, ich meine, der eine packt dich ans
Kreuz und haut dich und der andere packt dich ans Kreuz und haut dich.
Also ich weiß, das ist immer blöd zu vergleichen, gerade bei sowas.
Aber ich mag so ein bisschen diesen Punkt suchen, wo du sagst,
nee, da hat es mich überfordert.
Ich glaube, das geht vielen Anfängern so, dass sie dann erst mal da sind und
müssen erst mal mit dem klarkommen und können selber gar nicht einschätzen,
war das zu viel für mich und wird das vielleicht sich später erotisieren lassen oder nicht?
Dilara
Der erste, also die Spielbeziehung, der fing halt erst mal an so ein bisschen
mit Spanking, mit Vlogger, also so dieses ganz klassische Aufwärmen.
Der stand dann zwar auch so auf ein bisschen härtere Sachen,
so mit Rohrstock und tralala, aber
wenn man aufgewärmt ist, dann geht das einigermaßen. Auch als Anfänger.
Während der andere ein ziemlich heftiger Ketten- und Peitschen-Fan war.
Und das sieht natürlich jetzt auch, wenn du das einfach nur mal siehst,
sieht das schon deutlich achalischer aus als irgendwie Ledermanschetten mit
einem kleinen Rohrstock dazwischen.
Also da ist dann schon, wenn du so die Fotos so nebeneinander siehst und denkst du, okay.
Sebastian
Wählen wir übel.
Dilara
Genau.
Sebastian
Liegst du da rechts.
Dilara
Genau.
Sebastian
Auweia. Ja, okay, aber ist das reine Neugier gewesen zu sagen,
ich will beides ausprobieren oder?
Dilara
Nee, mir ging es wirklich um die Menschen. Also das war einfach in beiden Männern
war einfach was, was mich angesprochen hat.
Sebastian
Gut, hat aber bei beiden offenbar nicht sehr lange gehalten?
Dilara
Nee.
Sebastian
Warum?
Dilara
Wie gesagt, bei dem einen habe es ich dann beendet, bei dem,
ich nenne ihn mal DS-Dom, weil es mir da einfach zu sehr, zu eng wurde.
Mit dem anderen war es dann so, dass er zu einer Vergleichenszeit,
wo ich in sein Leben gekommen bin, hat er auch eine andere kennengelernt,
das wusste ich aber auch.
Mit der wurde es dann aber ganz schnell enger und dann habe ich irgendwann gesagt,
du pass auf, also ich habe jetzt keinen Bock, dass ich dann mal an 25 zur Stelle
komme. Das ist nicht, wie es sein sollte.
Sebastian
Schon poli an sich okay, aber die Position muss halt klar und wertvoll sein.
Dilara
Genau, genau. Das ist halt das, was ich immer sage, ich möchte wissen,
wo ich stehe, weil dann kann ich
immer entscheiden, mache ich das mit oder mache ich das nicht mehr mit.
Und genau das gebe ich meinem Partner und das erwarte ich aber auch.
Sebastian
Jetzt mal so die Erkenntnis nach beiden. Vorher, ich probiere das halt mal aus.
Ich glaube, danach hattest du aber dann doch schon das Rüstzeug,
um zu gucken, jetzt weiß ich ein bisschen mehr, was ich will.
Wonach hast du dann gesucht und was hast du gefunden?
Dilara
Ich habe dann erst mal gar nicht mehr gesucht, weil ich mir dachte,
komm, ich mache jetzt einfach mal mein Ding und ich schnüffel da so ein bisschen
rum in dieser BDSM-Ecke.
Sebastian
Liebes Publikum, ihr könnt die Gestik nicht sehen, die Mimik im Gesicht,
das ist großartig. Wenn ich an unpassenden Stellen lachen und grinsen muss,
wenn man das hört, dann liegt das einfach nur daran, das ist hervorragend.
Dilara
Du kriegst quasi eine One-Moment-Show hier.
Sebastian
Ja, aber sowas von. Großartig. Das macht gerade richtig Spaß.
Dilara
Ja, dankeschön.
Sebastian
Aber ich wollte dich ja gar nicht unterbrechen.
Dilara
Ich war dann auf ein paar Stammtischen, hab mich da mal so ein bisschen umgeguckt,
bin da teilweise mit so verdrehten Augen heim, dass ich dachte,
ich krieg sie nie wieder frei.
Weil das schon manchmal sehr absurd war. Also ich glaube, jeder,
der bei sowas schon mal war, weiß, was ich meine.
Sebastian
Ich habe keine Ahnung, was meinst du denn?
Dilara
Also es geht dann so los, dass du also an dem Abend, also wenn du da als Single-Frau
bist, bist du sowieso quasi verfügbar.
Sebastian
Du bist beliebt.
Dilara
Genau, also es ist jetzt nicht so, also ich, sagen wir es mal andersrum.
Bevor ich jetzt hier wieder den großen, alle Stammtische sind böse Fleisch beschau,
so war es nicht. Also das war schon immer sehr respektvoll.
Das habe ich jetzt auf, wenn ich auf normale Treffen irgendwo gehe oder auch
in eine normale Disco, war das für mich immer deutlich schlimmer.
Also ich bin auch durchaus mal alleine auf so Fetisch-Tanz-Partys gegangen und
habe da immer total nette Begegnungen gehabt.
Also da war es wirklich mal, ich glaube, einmal war was, wo jemand ein bisschen
übergriffig geworden ist, aber selbst das war handelbar, das habe ich in einer
normalen Disco so nicht erlebt. Also das war ein ganz anderer Respekt.
Und auf diesen Stammtischen war es halt wirklich immer so, wenn du dann gesagt
hast, ja, ich bin Single und ich bin Anfängerin,
du hast richtig gemerkt, wie die Augen so aufgingen und ja, das fand ich halt
immer so ein bisschen schräg, weil ich mir dachte, ich will nur mal Leute kennenlernen
und mich hier umschauen, also ich will jetzt nicht mehr irgendwie einen Typen anlachen, ne?
Ja, da ist man dann teilweise so ein bisschen belagert worden.
Sebastian
Oh, da muss ich ja mal fragen. Also ich bin ja eh so ein Neutrum auf Stammtischen,
ich bin nicht verfügbar, habe aber immer großes Interesse an allen,
die neu sind und stelle Fragen.
Da das den Leuten irgendwann in Hannover auf den Sack gegangen ist,
habe ich dann beschlossen, ich mache einen Podcast, da kann ich das,
da darf ich das dann machen. Nein, aber ich habe natürlich immer ganz viel Interesse.
Warum ist jemand hier? Warum ist er ausgerechnet heute hergekommen?
Und was treibt ihn so an? Das hat mich schon immer total interessiert.
Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite will man aber auch nicht eben übergriffig
sein, die Leute in Beschlag nehmen.
Deshalb habe ich mir inzwischen so ein bisschen angewöhnt, wenn jemand ganz
neu ist und so unerfahren, dann ist man da.
Aber dass man den Leuten Hallo sagt und stellt auch mal zwei,
drei Fragen und dann guckt man halt, ob die Leute an einem kleben bleiben und
dann kann man sich nett unterhalten oder ob man ihnen einfach ganz viele Leute
vorstellt, damit sie dann selber entscheiden können, wie sie ihren Abend verbringen wollen.
Dass man sie also nicht so belagert, sondern dass sie möglichst breit was mitnehmen können.
Nehmen wir mal an, ich als Single-Kerl treffe Single-Frau auf Stammtisch.
Wie kann ich denn da jetzt mein Interesse bekunden, ohne dass es unangenehm wird?
Oder sollte ich das gar nicht bekunden? Also was wäre für dich angenehm gewesen?
Desinteresse vielleicht?
Dilara
Nee, auch nicht. Ist auch falsch.
Sebastian
Man kann es nicht richtig machen.
Dilara
Also im Prinzip, ich fand die Strategie, die dann, ich hüpfe jetzt wieder ein
bisschen vor, die mein Ex-Dom damals gemacht hat, die fand ich eigentlich wirklich gut.
Er hat mit mir immer mal wieder so ein bisschen gequatscht an diesem Abend und
bevor ich dann gegangen bin, habe ich halt so diese Abschiedsrunde gemacht und
dann hat er mich gefragt, ob er mich mal anschreiben darf und ob ich ihm meinen
Namen auf der Seite sagen möchte.
Und das habe ich dann eben gemacht, also es stand mir frei, ihm zu sagen,
ja klar, mach oder ach nee, möchte ich nicht.
Und das finde ich eigentlich eine sehr schöne Art und Weise,
weil ich meine, natürlich, er sieht die Anmeldungen, er sieht sowieso,
er kann meinen Namen ja zuordnen, er muss mich ja nicht fragen,
er kann mich ja einfach so anschreiben.
Aber er hat es halt nicht gemacht, sondern er hat mich gefragt,
ist das okay, wenn ich dich mal anschreibe, ich würde dich gerne wiedersehen.
Und das finde ich jetzt eine sehr gute Strategie. Und das war jetzt also nicht
so, dass er irgendwie mir den ganzen Abend auf dem Schoß gesessen ist und mich
voll gesabbert hat, sondern,
also weißt du, so dieses, wenn du dann schon merkst, da ist jemand so völlig
auf dich fokussiert und du bist die ganze Zeit so am immer weiter vom Tisch
weggehen und denkst dir so, oh mein Gott, jetzt…,
Das ist immer so ein bisschen, also wenn ich dann jede Bewegung von dir anstarrte
den ganzen Abend und über alles lacht, auch wenn es keine Witze sind,
ja, das wird dann so ein bisschen creepy. Also so sollte man es vielleicht nicht machen.
Sebastian
Ja, es ist glaube ich auch so ein bisschen dieses, ich bin mir manchmal nicht
sicher, ob das dann so ein Wettbewerb ist.
Da muss man jetzt schnell landen, weil sonst kommt jemand anders.
Dilara
Genau, ja.
Sebastian
Ja, das ist natürlich immer ganz schwierig.
Ich habe auch meine Spielpartnerin kennengelernt, wir haben uns nur kennengelernt,
weil da einfach jemand war, der dieses arme Mädel so belagert hat,
bis sie dann irgendwann in das
Raucherseparé gegangen ist und dann da auch nicht mehr rausgekommen ist.
Und damals habe ich halt noch geraucht und da saß sie dann und dann haben wir
uns unterhalten und dann wurde halt irgendwann was draus.
Aber da war halt die Vorarbeit war, dass jemand ihr so auf den Sack gegangen ist.
Wirklich unfassbar, Und das war ihr erster Besuch, dass sie echt froh war,
dass sie einfach sich nett unterhalten kann. Und dann war gut.
Also das macht es einem ja manchmal auch einfach leichter, anderen in den Foto zu lassen.
Also einfach mal so aus der fürchterlich männlichen Perspektive.
Es ist so, kann man nicht einfach mit sich unterhalten und dann wird was draus
oder nicht? Oder muss man nachhelfen? Man weiß es ja immer nicht.
Dilara
Ich glaube, da ist jeder anders. Also das kannst du jetzt auch nicht als allgemein
Rezept sagen. Aber ich glaube wirklich nicht, dass sich eine Frau so toll fühlt,
wenn du ihr fast noch bis aufs Klo hinterherläufst.
Also das ist glaube ich jetzt nicht so die tolle Methode.
Sebastian
Aber er hat es dann quasi so richtig gemacht und du hast dann geschrieben,
du hast dann den ersten Schritt gemacht im Grunde?
Dilara
Nee, den ersten Schritt hat schon er gemacht. Also er hat mir ja geschrieben
und ja, das war auch auf so einem Stammtisch und das ist halt das,
also da kommt es immer sehr darauf an, auf welche Stammtische du gehst.
Also um das mal bei Anfängern mitzugeben, es gibt so Stammtische,
da sitzt du den ganzen Abend am gleichen Tisch und wenn du Glück hast,
ist das ein netter Tisch.
Wenn du Pech hast, sitzt du am Katzentisch, wo entweder keiner mit dir redet,
weil sich alle kennen oder alle mit dir reden, weil sie dich kennenlernen wollen.
Das kann manchmal auch ein bisschen seltsam sein. Und der Stammtisch,
bei dem ich da war, da war die Moderatorin unglaublich gut.
Also die hat eben dann, das stand aber auch so drin, dass sie so ein bisschen
durch den Abend führt und so ein bisschen moderiert.
Das war auch sowas wie, also sie jetzt nicht als Speed-Dating bezeichnet,
sondern sie hat dann eben, ja sie hat das dann so gemacht, dass sie gesagt hat,
man kann, sie macht ja immer so ein Spiel an dem Abend, man kann mitmachen, muss aber nicht,
dass man eben, man hat dann so Fragen auf dem Tisch liegen und man kann die
Tische auch immer wechseln, dass man mit allen mal quatschen kann und das fand
ich einfach sehr ansprechend, weil ich mir dachte,
okay, dann kann ich mir aber wirklich aussuchen, mit wem ich mich unterhalte
auch, weil dann lernst du auch mal alle kennen und sitzt nicht den ganzen Abend
in deiner Ecke und sprichst vielleicht mit drei Leuten.
Und wenn dir von denen keiner sympathisch ist, dann hast du halt verloren.
Und die hat das auf die Art aufgezogen. Das fand ich ziemlich gut.
Sebastian
Darf ich mal fragen, wie viele Leute da grob da waren?
Dilara
Ich glaube so um die 30.
Sebastian
Ja, das ist schon ganz ordentlich.
Dilara
Ja, und da war, wie gesagt, da war er eben auch, hat mir dann eben erzählt,
dass er jetzt umzieht in diese Stadt, wo der Stammtisch war und dass er halt
eben, bevor er in eine neue Stadt kommt mit irgendwelchen Projekten,
dass er da gerne auf solche Stammtische geht, um mal ein paar Leute kennenzulernen,
dass das so sein Ding ist.
Ja, wir haben uns eigentlich wirklich einfach nett unterhalten.
Also da war es schon, da hat die Chemie schon gestimmt.
Wir haben schon ganz schön geflirtet auch. Aber es war halt auf eine nicht übergriffige
Art und Weise, sondern eben wirklich sehr respektvoll.
Und ich mag das einfach, wenn man mich dann, bevor man den ersten Schritt macht,
eben auch fragt, ist das okay, wenn ich dich anschreibe?
Oder er hat mich dann auch gefragt, ob das okay ist, wenn er mich umarmt zum Abschied.
Sebastian
Ja, da ist ja auch dieses, bei manchen prallt ja so ein bisschen diese Geschichte,
oh, ich bin tendenziell sub, dann muss ich tun.
Also ich will ja dann auch gesagt bekommen, was ich tue.
Und das aber trotzdem, bevor das alles ist, dass mal dieser Konsens hergestellt
wird, dass man erstmal miteinander redet, also dass man von der Augenhöhe dann
woanders hingehen kann.
Das ist immer was, ich hab das Gefühl, das muss man immer wieder mal sagen.
Dilara
Ja, und auch, dass ich, also hast du vielleicht schon so ein bisschen gemerkt, ich weiß es nicht.
Ich bin jetzt nicht so der schüchterne, sprachlose Typ, der dann brav im Eck
steht, bis einen jemand anspricht.
Mich muss man schon auch zu händeln wissen. Also auch auf Augenhöhe.
Und ich bin aber, wenn dann jemand meint, er muss sich dann schon auf Augenhöhe
so, ich bin jetzt hier der Superdom und du machst jetzt mal,
also da fange ich dann eher an zu lachen, als dass ich irgendwelche Gefühle entwickle.
Das geht dann eher nach hinten.
Sebastian
Ja gut, das ist einfach dann Sympathie, da man guckt und dann fühlt sich das
gut an oder nicht. Man muss sich auch riechen können und und und.
Dilara
Ja, das sowieso.
Sebastian
Okay, das heißt aber, so richtig online gedatet hast du gar nicht.
Dilara
Ja, doch schon, aber wie gesagt, da gehe ich auch immer ganz viel nach Gefühl,
also da habe ich auch wirklich zu ein paar gesagt, es funkt einfach nicht,
also es ist wirklich nur so ein Hin- und Herschreiben, wenn schönes Wetter,
was machst du heute und ja,
ich meine, gerade wenn du neu auf so einer Plattform bist, wirst du halt als
Frau ziemlich bombardiert, da musste ich mich erstmal dran gewöhnen.
Ich habe da auch ziemlich schnell gelernt, sehr vehement Nein zu sagen,
das muss man leider auch dazu sagen, da wird da auch nicht immer so drauf geachtet.
Aber ja, ich habe mich da schon so ein bisschen umgeguckt, aber tatsächlich
gedatet habe ich gar nicht so viele.
Sebastian
Ich spring mal ein bisschen. Also das mit dem Switchen muss ja irgendwo herkommen.
Also ich könnte jetzt natürlich unken und sagen, na, es muss wohl so fürchterlich
gewesen sein, dass ich hau mal zurück und dann war das gut.
Glaub ich jetzt nicht. Also wo kommt dieses Auforschung her?
Weil ich weiß, ich entwickle mich da weiter, weil eigentlich seitdem du damit
angefangen hast, das sind ja gerade mal vier Jahre vergangen bis heute.
Also da liegt nicht so viel Zeit dazwischen, dass du erst mal drei Jahre als
Zap dann durch die Szene getingelt bist, sondern das ging alles schneller.
Dilara
Also ich war, muss ich auch dazu sagen, bei meinem Ex-Dom war ich nur so,
also da wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen zu switchen,
weil der für mich eben wirklich das hatte, was für mich diese natürliche Dominanz ist.
Also der musste das auch gar nicht raushängen lassen, das war für mich einfach
so, das kam, da hat es einfach wunderbar funktioniert.
Ich habe dann in der Zeit, also bei ihm war das aber so, er hatte eben so ein
Polykonstrukt, wir haben uns nicht so häufig gesehen und ich hatte immer von
ihm so diese Erlaubnis sozusagen, date dich ruhig mit anderen,
aber keine zweite DS-Beziehung.
Sebastian
Wo fängt der DS an?
Dilara
Für mich fängt der DS da an, wo ich mir was sagen lasse, außerhalb einer Session.
Sebastian
Und was hat er dir so gesagt, außerhalb einer Session?
Dilara
Ja, es war eigentlich, also gut wie gesagt, wir haben nie zusammen gelebt.
Wir haben uns immer nur an Wochenenden oder meistens an Wochenenden dann,
also von Freitag bis Montag gesehen.
Und dann ist das was anderes, als wenn man Alltag hat.
Sebastian
Ja gut, aber es gibt ja auch Wochenaufgaben vielleicht, dass man Dinge tun muss,
dass man Dinge nicht tun soll.
Da gibt es ja Möglichkeiten, die ja dann auch in dem Fall sind.
Dilara
Ja, es war mal, dass ich mal Fotos mache oder sowas. Oder er wollte dann auch
mal wissen, ob ich Sport geplant habe, was bei mir eigentlich eine rhetorische
Frage war, weil ich das einfach als Ausgleich für alles mögliche brauche.
Ja, solche Sachen gab es dann schon mal. Oder dass ich mir irgendwas überlegen
sollte oder was weiß ich, ein spezielles Outfit fürs nächste Mal mitbringen oder irgendwie sowas.
Oder dass dann auch mal was kam mit, überrasch mich mal mit was Schönem.
Also das war schon auf jeden Fall immer drin.
Das ist für mich aber gar nicht so sehr dieses DS gewesen, sondern es war einfach
wirklich, es war eigentlich ganz klar, er hat eine sehr wichtige Rolle in meinem
Leben und wann immer es geht, habe ich die Zeit für ihn.
Das war mehr so das, worauf es dann ankam.
Und ich habe dann eben, ich habe mal irgendwann, habe ich mich bei meinem besten
Freund damals drüber ausgeheult, dass ich gemeint habe, du,
ich habe irgendwie die ganze Plattform abgegrast anscheinend.
Da gibt es echt nur gestörte Männer und dann sagt er so zu mir,
so mehr oder weniger als Gag, ja, dann mach doch mal eine ganz normale Plattform,
so wie Elite-Partner oder so. Also eigentlich wollte er mich damit verarschen.
Und ich bin dann tatsächlich mal irgendwann, das war so ganz klassisch,
Winter, Morgen, Schneesturm draußen, ich dachte mir so, ach komm,
jetzt hast du heute eh nichts vor, probierst du mal so eine komische Plattform.
Sebastian
Also eine Vanilla-Plattform.
Dilara
Genau, so eine Vanilla-Plattform und bin dann auf einer gelandet,
der erste Kontakt war gleich so, dass ich mir dachte, oh okay,
ich melde mich glaube ich gleich wieder ab.
Der zweite Kontakt war mein jetziger Partner.
Sebastian
Ach.
Dilara
Ja und er hatte irgendwie, er hatte einen total netten Text drin und er hat
in diesem Text auf ein bestimmtes Buch, das gibt es nicht sehr häufig,
das lesen nicht sehr viele, vor allem nicht in Deutschland,
hat gemeint, das wäre sein Lieblingsbuch, das ist Jamilia von Chingizaitmatov.
Und ich habe ihm nur geschrieben, Jamilia, ernsthaft? Und das war unser erster Kontakt.
Und ich habe sofort eine Antwort bekommen und ich glaube, wir haben seitdem
gefühlt keine Minute mehr aufgehört, uns zu schreiben.
Die ersten Nachrichten haben immer geendet mit, was, du auch?
Also es war eigentlich ziemlich schnell klar, wir müssen uns treffen und wir
waren auch beide hypernervös.
Ich habe ihm auch ziemlich schnell erzählt eben hier, ich habe da noch jemand
und Dom und BDSM und er war total neugierig.
Ja komm, erzähl mal, erzähl mal, weil er findet das total, also er ist da total
neugierig, aber er hat da nicht so Berührungspunkte.
Hat dann aber erzählt, dass seine beste Freundin eine Sub ist und mit ihrem
Dom eben 24-7 lebt und so weiter.
Also war total spannend und er ist auch unglaublich neugierig auf solche Sachen.
Und irgendwann, als wir uns dann schon mal getroffen hatten,
habe ich irgendwann mal zu ihm gesagt, du, ich habe da ein paar nette Sachen mitgebracht.
Sebastian
Okay, ich bin jetzt immer noch vom zeitlichen Kontext so ein bisschen.
Also die beiden, ich sage mal, beendet.
Und wie viel Zeit ist dann vergangen, bis du ihn gefunden hast?
Dilara
Nee, die andere Beziehung lief ja noch weiter. Das war ja...
Sebastian
Eine von den beiden. Also die Spielpartner-Beziehung lief noch weiter.
Dilara
Nein, nein, die war schon länger beendet. Die Beziehung mit meinem Ex-Dom lief weiter.
Sebastian
Okay, das war der, den du etwa dreimal getroffen hast?
Dilara
Nein.
Sebastian
Okay, jetzt bin ich endgültig miteinander. Ich muss mir mehr Notizen machen.
Dilara
Soll ich dir aufmalen?
Sebastian
Nein, bitte nicht aufmalen. Wobei, weißt du was, wenn du willst,
malst auf, dann kann ich das hier als Episoden-Cover nehmen.
Sebastian hört nicht zu.
Dilara
Also, pass auf. Erstes Date, Spielebeziehung.
Sebastian
Erstes, ich schreibe das mit Date, Spiele. Okay, habe ich notiert?
Dilara
Genau. Zweites Date war dieser DS-Dom, den ich nur dreimal getroffen habe.
Sebastian
Dreimal, ja.
Dilara
Dann war die Spielebeziehung auch zu Ende.
Sebastian
Ja.
Dilara
Dann bin ich auf diesen neuen Stammtisch.
Sebastian
Ja.
Dilara
Da habe ich meinen Ex-Dom kennengelernt.
Sebastian
Ah, das war nochmal eine andere Person. Siehst du? Da habe ich nämlich einfach
messerscharf daneben geschlussfolgert.
Okay, also den gab es dann auch noch. Okay, was war mit dem?
Dilara
Das musst du jetzt ein bisschen spezifizieren.
Sebastian
Okay, auch das hat ja nicht ewig gehalten.
Dilara
Nein.
Sebastian
Aber da hast du ja auch wieder Erfahrungen mitgenommen. Was hast du damit genommen?
Und da fing das vielleicht mit dem Switchen an?
Dilara
Nee.
Sebastian
Auch nicht. Okay.
Dilara
Ich mal es dir wirklich. Nein, also pass auf. Mit dem, ich habe ja einen Blog
und ich habe auch über ihn geschrieben, das ist der Riga, den nenne ich jetzt einfach mal so.
Das ist dann ein bisschen leichter, als zu sagen, du weißt schon, der eine da.
Mit dem, das war auch eben eine DS-Beziehung, auch außerhalb,
aber da waren wir fast nie auf Augenhöhe. Das hat er aber auch von Anfang an
klargestellt, dass das sein Ding ist.
Bei dem wusste ich immer, er ist verheiratet, er hat ein Polykonstrukt.
Das hat er mir auch von Anfang an gesagt. Ich wusste aber nicht,
wie viele. Das ist für später nochmal wichtig.
Bei dem habe ich Bondage kennengelernt, der hat Shibari gemacht, sehr, sehr, sehr gut,
also macht er auch immer noch, der macht das wirklich, also sehr eben dieses
Emotionale, dieses Intuitive, da war ich auch mal bei diversen Privatstunden
mit dabei, mit so einem großen Fesselmeister, also das war wirklich irre.
Sebastian
Ja, dein Blick wird auch gerade ganz, ja, ich will nicht sagen wehmütig,
aber da merkt man schon, wie du so, huf, Bondage.
Dilara
Ja, das, ja, Bondage ist super. Ja, also das hätte ich vorher nie gedacht.
Das war eben eins von den Sachen, wo ich mir danach gedacht habe,
krass, was man mit so ein bisschen Seil so alles machen kann. Also das war echt irre.
Und der hat dann eben angefangen, also wie gesagt, der hat sehr viel Erfahrung, auch im BDSM-Bereich.
Und der hat dann eben angefangen, dass er mich an die Hand nimmt und da in meinem Tempo mitnimmt.
Und das war eben das, was die anderen nicht so gemacht haben.
Von dem habe ich mich da also sehr viel mehr gesehen gefühlt, zumindest am Anfang.
Also der hat sehr kleine Schritte gemacht, teilweise waren sie mir sogar zu
klein, aber er hat immer gesagt, komm, jetzt mach mal ein bisschen langsam, wir haben ja Zeit, ne?
Also wir müssen ja nicht jetzt sofort mit allem anfangen.
Wir sind dann ganz am Schluss geendet bei Playpartys mit Bullwip,
mit öffentlichem Bondage, mit also volles Programm, Spuren, die zwei,
drei Wochen anhalten und solche Sachen.
Also ja, das war dann schon ziemlich krass.
Ja, das war echt schön, ja.
Und für mich war das eigentlich von dem her, war es super schön.
Was war so ein bisschen das Problem, wie gesagt, dass er nicht sehr oft da war
und dass ich dann so im Nachhinein mitbekommen habe, dass er mindestens drei
Beziehungen nebenbei hat.
Ich wusste vorher nicht, wie viel das waren. Am Anfang war ich so ein bisschen
die Favoritin, sage ich jetzt mal.
Da haben wir uns ja häufig gesehen. Da war das okay.
Wenn du dann aber mitbekommst, dass du so ein bisschen nach hinten rutscht in der Prioritätenliste.
Das ist eben das, was ich sage, was ich nicht abkann. Also ich möchte dann wissen,
dass da jemand Neues ist und dass die jetzt gerade irgendwie mehr Zeit in Anspruch
nimmt oder wie auch immer oder er mit ihr mehr Zeit verbringen möchte.
Das sind so Sachen, die ich wissen möchte in so einem Polykonzept.
Sebastian
Das ist dann so eine Blackbox einfach für dich. Der ist dann da und dann bedommt
er dich und ihr macht auch was zusammen und wenn er weg ist,
dann weiß man nie, was ist.
Dilara
Genau, und ich dachte mir immer nur so, wir hatten dann auch mal eine Phase,
da habe ich zu ihm gesagt, du, ich würde gerne ein bisschen tiefer gehen,
gerade mit diesem ganzen DS, wo er mir nur gemeint hat, nee,
lass mal, ist doch okay, so wie es ist.
Und ich dachte, ah ja, gut, jo.
Da hat es dann gekippt, da habe ich dann schon gemerkt, also wir hatten,
was wir wahnsinnig hatten, wir hatten im sexuellen und auch im BDSM-Kontext
hatten wir wahnsinnig große Überschneidungen.
Also da haben sich unsere Fantasien unglaublich gut ergänzt.
Der Rest hat halt manchmal so ein bisschen nicht so ganz hingehauen.
Sebastian
Ja, das ist aber die Frage, wie viel nehme ich mit, weil es ja gut ist und wie
leidensfähig bin ich dann an der Stelle?
Aber ich habe das Gefühl, du hast dann wirklich Entscheidungen immer wieder getroffen.
Du hast gesagt, nee, ich fühle, das tut mir nicht gut oder da ist was,
was mich stört, worüber ich nicht hinwegsehen kann.
Dilara
Cut.
Und das war bei ihm schwieriger, weil ich einfach durch das,
dass er mein erster richtiger Dom war, bin ich da in eine sehr,
ich will nicht sagen Abhängigkeit, aber da war von meiner Seite aus mehr Bindung da als von seiner Seite.
Das ist auch das Einzige, oder das ist das, wo ich sage, das nehme ich ihm übel,
dass er mich da nicht genauso langsam, wie er mich reingeführt hat,
wieder rausgeführt hat.
Das hätte ich mir einfach gewünscht, das wäre für mich Verantwortungsbewusstsein gewesen.
Also nicht so ein Cut und Tschüss, sondern einfach ja auch da anders damit umgehen.
Und in der Zeit habe ich eben meinen jetzigen Partner kennengelernt,
wie gesagt, der wusste dieses ganze Konstrukt, der kannte das.
Ich habe mich auch in der Zeit, wo ich mich mit ihm getroffen habe,
habe ich mich dann mit dem Rigger auch ab und an mal getroffen,
eben auch so ein ganzes Wochenende lang oder sowas.
Das war dann schon immer wieder, ja, sehr herausfordernd.
Sebastian
Weil du wiedergekommen bist und dann übersät warst oder was,
was hatte ich, oder emotional einfach?
Dilara
Emotional, ja. Also es war natürlich für ihn auch schwierig.
Ich meine, allein auch mal abgesehen von allem anderen, die Tatsache,
dass ich vielleicht auch mal einen ganzen Tag nicht auf Nachrichten antworte,
weil ich halt einfach mit dem anderen unterwegs bin oder beschäftigt bin.
Also das war nicht immer so einfach. Und bei meinem jetzigen Partner habe ich
dann eben mal irgendwann, weil er mal meinte, Mensch, bring doch mal so ein
bisschen Spielzeug mit, einfach mal so zum Gucken, ich bin da neugierig.
Dann habe ich halt tatsächlich ein bisschen was eingepackt und eigentlich war
es so gedacht, dass er das an mir ausprobieren kann.
Sebastian
Was hast du denn eingepackt?
Dilara
Und ich hatte, warte mal, was hatte ich denn dabei? Ich hatte einen Vlogger
dabei, Klemmen an so einer Kette und das war es schon. Damals hatte ich gar nicht so viel.
Sebastian
Na gut, aber es sagt ja viel über dich aus, wenn du sagst, okay,
du hast die freie Auswahl, das mitzubringen, wo du sagst, das wird mir Spaß bereiten.
Dilara
Mhm, genau.
Sebastian
Ja, okay. Und dann dürfte er nicht oder er wollte nicht?
Dilara
Und es war dann total witzig, weil wir sind dann halt eben so,
haben halt so rumgeknutscht und so weiter.
Und dann habe ich so diese Kette mit diesen Klemmen so aus dem Rucksack geangelt
und er hat ganz große Augen gekriegt und das war eine Sache von Millisekunden,
da ist in mir irgendwas so richtig umgeklappt.
Und dann habe ich die an ihm ausprobiert.
Und du hast im ersten Moment hast du so ein Okay. Also das war für uns beide sehr überraschend.
Und ja, du hast also so richtig, du konntest es wie im Kino wahrscheinlich bei
mir genauso, konntest du bei ihm so diese verschiedenen Emotionen so durchratternd sehen.
Und ganz am Schluss war aber wirklich so dieses, oh, mach mal weiter, das ist geil.
Sebastian
Und vorher schon mal Gedanken drum
gemacht zu sagen, oh, ich könnte ja mal switchen, ich könnte ja mal oben.
Oder war das einfach die Gelegenheit? Oder machen wir das jetzt halt so,
wenn sich das gut anfühlt?
Dilara
Ne, Gedanken schon mal. Also ich hatte mal was mit einem, der mir erzählt hat,
er würde sich das mal wünschen.
Der war aber dann so jemand, also den hast du mal zu heftig angeabendet,
dann hat er Aua geschrien.
Das war für mich irgendwie so ein, okay, nee.
Also irgendwie, ich will jetzt damit nicht sagen, man isst nur dann so,
wenn der Rohrstock auf einem zerbricht, weil das muss man alles, andere ist kein Sub.
Aber es war einfach für mich in diesem Moment, war das so irgendwie so,
nee, das ist mehr streicheln als sonst irgendwas.
Also er hat sich ganz was anderes vorgestellt als ich mir. Das war so ein klassischer Kommunikationsdings.
Sebastian
Okay, das hat ja gehalten. Bis heute.
Dilara
Ja, das sind jetzt über zwei Jahre.
Sebastian
Ja, ich gratuliere, denn dank diesem Menschen können wir jetzt auch überhaupt
miteinander sprechen. Sehr geduldig und technikaffin.
Dilara
Ja, genau.
Sebastian
Ach, großartig. Okay, das ist aber, also, wer bedommt denn jetzt bei euch wen?
Also, switcht ihr beide oder was ist daraus geworden? Okay.
Dilara
Wir switchen beide. Am Anfang habe ich ihn deutlich mehr bedommt als andersrum.
Das ist aber bei uns tatsächlich, also wir waren, wir nehmen das halt beide
auch nicht so ernst. Du trägst so ein T-Shirt.
Sebastian
Ne? Ich muss das mal erwähnen. Kannst du es mir nochmal zeigen?
Dilara
Bitteschön.
Sebastian
Ich habe diesen Begriff lange nicht gesagt hier im Podcast. Liebes Publikum,
da ist ein T-Shirt, da ist Dietrich Keele und darunter steht Hashtag Echte Domse.
Das ist großartig. Vielleicht machen wir davon noch ein Foto für die Show-Notes
oder so von dem Show-Notes. Das ist großartig.
Dilara
Ich habe das übrigens einem männlichen Freund von mir auch geschenkt.
Der wollte das unbedingt haben mit Echte Domse.
Sebastian
Auf mir wird das glaube ich auch fast.
Dilara
Stehen ich kann dir den Link zum Shop gerne sagen der hat noch mehr solche Sachen.
Sebastian
Liebes Publikum im Kunst-der-Unvernunft-Shop, den es noch gar nicht gibt. Oh Gott, oh Gott.
Wie ist es von der Verteilung her? Ist es so gleichberechtigt?
Daumen sub bei euch beiden?
Oder wo geht so der Trend mehr hin? Man hat ja doch so seinen Favoriten, was man macht.
Dilara
Ja, also das ist bei uns tatsächlich sehr unterschiedlich. Also wir waren auf
einem Workshop mal, BDSM für Paare, ganz am Anfang, weil wir halt beide gesagt
haben, boah, wir haben da überhaupt keine Ahnung, was wir machen sollen.
Und dieser Workshop klang ziemlich gut. Das macht auch ein Pärchen,
die selber auch Switcher sind.
Und die haben sich da eben ein ganzes Wochenende Zeit genommen.
Und das war für uns richtig super, weil da konnten wir auch mal verschiedene
Sachen wirklich ausprobieren.
Also die haben uns dann eben auch ganz viel erzählt über, wie man sowas gestalten
kann, wie man mit Fantasien umgehen kann, ob man vorher eben darüber redet,
was während der Session stattfindet oder ob man dann eben vorher über die Tabus redet.
Also die haben uns das theoretisch sehr schön aufgedröselt, was man alles kann
und was man halt nicht machen sollte und haben uns dann eben auch praktisch einfach mal tun lassen.
Sebastian
Ja und deinem Partner vor allen Dingen ein bisschen Mut machen,
weil du hast ja nochmal einfach einen Erfahrungsvorsprung.
Dilara
Genau.
Sebastian
Wie ist denn das, wenn man, da haben ja ganz viele ein bisschen Bedenken,
oh ich bin Anfänger und jetzt treffe ich auf jemanden, der total viel Erfahrung
hat und dann andersrum aber auch dieses Gefühl,
jetzt hast du da jemanden gefunden und bei dem fängst du jetzt bei null an und
du hast ja vorher schon das ganze Zeugs erlebt,
da ist ja so dieses Gefühl, ich will ja auf dieses alte Level zurück oder was passiert da im Kopf?
Dilara
Also ich kann aus Erfahrung sagen, dass das das Schlimmste ist, was man machen kann.
Also dieses, ich will dieses Level, das mache ich ja auch bei anderen Beziehungen nicht.
Also ich kann ja nicht sagen, ich hatte mit meinem Ex jetzt,
Also wenn wir sechs hatten, war es immer mindestens zwei Stunden und ich hatte
fünf Orgasmen und deswegen will ich das mit der neuen Beziehung aber auch.
Also pass mal auf, vier, das, das, das, das, das, das muss aber sein.
Das macht ja keiner, also sollte zumindest keiner machen. Und genauso ist es ja im BDSM auch.
Also du kannst ja nicht sagen, das, was ich mit einem Partner erlebt habe,
muss ich mit dem anderen erleben.
Sebastian
Nee, das will man auch, glaube ich, gar nicht. Man will ja nicht eine alte Beziehung
nachstellen. Und ich habe auch immer die Erfahrung gemacht, man fängt immer bei Null wieder an.
Dilara
Genau.
Sebastian
Vom Hallo bis sonst wohin und die Richtung. Klar, man hat so seine eigenen Skills
sozusagen, wo man ein bisschen mehr in die Richtung geht.
Aber ich finde, das ging immer bei mir in eine andere Richtung.
Da ist immer eine ganz andere Art von BDSM-Beziehung entstanden.
Und jetzt eben auch die, in der ich jetzt schon sehr, sehr, sehr lange drin bin.
Wo ich immer noch sagen muss, die entwickelt sich immer noch weiter und da ist immer noch mal was.
Nur dieses, wir müssen jetzt ganz schnell ganz viel ausprobieren,
das hat sich irgendwann gelegt.
Man genießt dann einfach viel mehr, dass man eigentlich alle Zeit der Welt für
alle Möglichkeiten der Welt hat. Das ist großartig.
Dilara
Das musste ich am Anfang auch lernen, dass ich gesagt habe, ja,
okay, ich habe dann mit diesem anderen Partner eben, Bull with Bondage, was auch immer.
Aber mit diesem Partner ist es was ganz was anderes. Und ich meine,
wir haben halt am Anfang eben auch durch diesen Workshop, Wir haben ganz,
ganz viel darüber geredet,
was möchten wir denn ausprobieren, was möchten wir zusammen ausprobieren,
was ist vielleicht jetzt auch gerade bei mir exklusiv mit diesem anderen Partner.
Das war halt für mich damals das Fesseln, weil ich halt damals gesagt habe,
der Dude ist so fortgeschritten, ich mache mit dir keine Anfängerkurse mehr
mit, sorry, also das tue ich mir nicht an.
Was auch für ein bisschen Zündstoff gesorgt hat, immer mal wieder ich meine,
wir sind halt alle menschlich und ja, also wir haben ganz ganz viel diskutiert,
was geht denn, was geht nicht,
wir haben auch immer mal wieder Sessions oder Erlebnisse gehabt,
die katastrophal schief gegangen sind das.
Sebastian
Erzählt hier niemand, komischerweise also das ist immer so ein Tabuthema,
wenn es schief geht oder wenn es einfach, wenn man hinterher sagt das war wohl
heute nichts würdest du da eine Anekdote verraten?
Dilara
Ja, es war mal ein Abend zum Beispiel, da waren wir auf einer Party,
und wir haben es da ziemlich krachen lassen und ich habe ihn dann am Schluss
nochmal bespielt und ich kann eine richtige Drecksau sein Daran habe ich keinen
Zweifel Wieso eigentlich?
Siehst du nicht hier den Heiligenschein?
Sebastian
Ja, ich...
Dilara
Okay, ja, also.
Sebastian
Okay, die Dreckser auf der Party.
Dilara
Ja, und ich habe mir danach nur gedacht, mein Gott, also natürlich,
er braucht ja auch eine Zeit, um dann wieder runterzukommen.
Und das war halt, es war in dem Pärchenbereich, es ging wirklich,
also um uns rum hat, glaube ich, jeder gefögelt, wie es nur geht.
Und ich habe mir für mich irgendwie gedacht, boah, hier kommen wir doch überhaupt
nicht zur Ruhe, also das geht ja gar nicht.
Und habe dann gesagt, komm, wir gehen jetzt. Und er hat mir im Nachhinein gesagt,
mir war das total wurscht, ich wollte einfach nur erstmal bei dir sein,
deinen Körperkontakt umarmen, runterkommen, mir war das total egal,
was um uns rum passiert, ich habe das nicht mal wahrgenommen.
Und für ihn war das ganz abrupt, okay, zack, wuff, wir gehen jetzt.
Das war für ihn so ein Fallenlassen fast schon. Also er hat sich da sehr viel
mehr auffangen gewünscht von mir.
Sebastian
So wieder die Kommunikationssache.
Dilara
Ja, genau. Ich bin eben davon ausgegangen, ich möchte hier nicht,
würde hier nicht runterkommen wollen und habe ihn aber gar nicht gefragt,
sondern habe das einfach so beschlossen und habe mir gedacht,
ja, ja, passt jetzt schon. Und für ihn war es einfach viel zu abrupt.
Sebastian
Ja, ich glaube, das ist aber auch ganz schwer, weil man möchte ja dann auch
führen und die Richtung vorgeben und eine Entscheidung treffen.
Ich glaube, für uns beide ist das und das jetzt gut.
Und ja, dieses Rückversichern, da überlegt man ja, mein Gegenüber ist gerade
völlig neben der Spur vom Spielen.
Es ist alles, ich entscheide jetzt mal ein paar Dinge und dann hofft man ja
auch, dass die dann gut gewesen sein werden.
Das muss natürlich auch mal schief gehen.
Dilara
Ja, wir haben eben einfach daraus gelernt, okay, das nächste Mal,
wenn der aktive Part halt denkt, ich würde das jetzt gerne so oder so machen,
dann frägt er einfach den anderen.
Und wenn er keine Antwort kriegt, dann kann er ja immer noch selber entscheiden
und wenn der andere eine Antwort geben möchte, dann macht er das.
Fertig. Also damit wir halt sowas vermeiden können.
Sebastian
Ich frage mal jetzt Gegenwart. Ihr beide macht das, ihr macht das monogam?
Dilara
Ja, auch bedingt durch Corona, klar.
Sebastian
Gut, aber okay, das nehmen wir an, das wäre jetzt nicht.
Dilara
Ja.
Sebastian
Wie ist euer Monokül, sag ich mal?
Dilara
Nicht so ausgebildet. Wir haben da so ein bisschen, ja es ist, wie erkläre ich das?
Also es ist zum Beispiel so, dass wir wohnen hier in einer Hausgemeinschaft.
Der hier mit wohnt, ist mein bester Freund, mit dem ich mal was hatte.
Also das ist schon mal so die Voraussetzung.
Wir gehen da alle sehr offen miteinander um, das ist immer bei den Kindern von
meinem Partner, die sind manchmal am Anfang so ein bisschen entsetzt.
Ich finde es aber ganz gut, dass die mal so ein bisschen alternative Sachen
auch mal so mitkriegen. Dann hat mein Partner noch eine beste Freundin.
Die nennt er immer seinen Zwilling, bei der übernachtet er auch.
Die üben auch mal gegenseitig irgendwie Nadeln, Fesseln, Spielen, sonst irgendwas.
Das ist aber wirklich mehr so auf dieser, du lass mich das mal ausprobieren Schiene.
Also die kenne ich auch, die mag ich total gern. Und die zwei sind wirklich,
also wie so kleine Kinder, wenn du die aufeinander loslässt.
Das sind wirklich Spielkinder. Also das ist total süß.
Ja, auch mal so Sachen wie, ich probiere jetzt mal deine Schuhe an und so weiter.
Also das ist immer wieder zum Brüllen mit den beiden.
Ist total schön. Dann ist mein Ex-Dom schon länger abgesprungen, weil ich switche.
Sebastian
Das passt nicht ins Weltbild, oder?
Dilara
Nein, das macht eine echte SUP nicht. Hast du das nicht gewusst?
Sebastian
Oh, das muss ich mir nochmal aufschreiben.
Dilara
Natürlich. Also wenn eine SUP einen echten DOM hat, dann switcht sie nicht.
Sebastian
Ja, solange sie angekettet ist.
Dilara
Genau. Und Switcher wissen eh nicht, was sie wollen. Also erst so diese Schiene,
das habe ich auch erst dann mitbekommen. Witzigerweise.
Sebastian
Ist das immer noch so? Manchmal. Weil ich habe das eigentlich für,
nee, nicht veraltet, aber es ist ja im Grunde, jeder soll ja machen,
was er will und was ihm Spaß macht. Das ist erstmal so meine Grundidee.
Klar, wenn Leute da völlig unberechenbar werden und man weiß einfach nicht mehr,
was ist da noch Sache, ja, okay, dann finde ich das zumindest kompliziert.
Aber eine echte Sub, das finde ich eine schwierige Definition,
weil das ist ja in dem Moment einfach gesetzt.
Dilara
Also ich hatte so das Gefühl mit dem Switchen, ich finde für mich dann auch die Subseite tiefer.
Das hat er mir dann auch mal bestätigt. Und das Witzige ist ja,
wenn ich es ihm nicht gesagt hätte, hätte er es nie rausgefunden.
Also ich habe es ihm eben erzählt, weil unser Deal war eigentlich,
ich erzähle ihm jede Fantasie und die, die er mir ermöglichen kann,
ermöglicht er mir und die anderen hört er sich halt zumindest an.
Und deswegen war für mich klar, ich kann ihm das erzählen, ohne dass da irgendwie
die Hütte brennt, aber nun ja.
Sebastian
Das war zu viel, ja.
Dilara
Das war für den Herr Dom zu viel.
Sebastian
Ich kann ja diesen Machtrausch, das kann ich ja total nachvollziehen.
Ich habe die Macht, ich habe die Kontrolle, ich sage, was passiert.
Und dann zu sagen, ja nee, mach mal und mach mal woanders und dann machst du
das, also dieses Alleinstellungsmerkmal geht ja vielleicht gefühlt kaputt.
Dilara
Ja, aber wie gesagt, ich hätte ihn, also bei ihm war ich so Punkt aus.
Ich wäre nie, also nicht mal in meinen kühnsten Träumen auf die Idee gekommen,
da irgendwann mal zu switchen.
Also das wäre einfach nicht gegangen in unserer Dynamik. Also war für mich auch
keine Diskussion, kein Thema, gar nichts.
Sebastian
Ich empfinde auch, dass das attraktiv ist. Mein Gegenüber kann anders,
aber es entscheidet sich dafür unten zu sein.
Und das ist natürlich, das ist großartig. Die Tatsache, dass man gegenüber die
Wahl hat und sich dann dafür entscheidet, mir zu gehorchen, großartig, absolut großartig.
Dilara
Und das ist es eben und das ist für mich auch dieses Geschenk einfach,
was ich gemacht habe oder was ich jetzt andersrum auch empfangen darf.
Das ist es ja eigentlich, dass er das nicht jedem gegenüber ist, sondern mir gegenüber.
Und das ist ja das Schöne. Das ist ja diese Dynamik. Sonst wäre es ja keine
Dynamik, sonst wäre es ein Automatismus.
Was wir jetzt momentan mit dem Monokül haben, also ich habe nebenbei auch noch
eine Freundschaft mit einem anderen Dom, das ist so mein Nadelspielpartner,
weil der das total gern macht.
Also der setzt mir Nadeln.
Lustigerweise ist es inzwischen so, dass mein Partner seine Suppe auch mal Nadeln setzt.
Wir haben auch schon mal als Vierer-Dings zusammen gespielt,
also dann drei auf einen sozusagen. sagen.
Sebastian
Jetzt brauche ich langsam Papier, um das zu notieren.
Dilara
Ja.
Sebastian
Okay, wir haben dich in... Ach, weißt du was, du malst das hinterher auf.
Zettel wegschmeißen, das hat überhaupt keinen Zweck.
Also, Nadeln sind im Haus, aber gibt's Dinge, die du mit ihm nicht machst oder
er mit dir, also die nicht miteinander macht, die er aber extern macht?
Dilara
Momentan nicht, nein.
Sebastian
Okay, und umgekehrt?
Dilara
Nee, also momentan auch nicht. Also es ist auch so, wir haben mal irgendwann
beschlossen, wir haben in dem Sinne eine Monogamie drin, dass ich die Einzige bin, die ihn bedommt.
Und er ist aber auch mein einziger Sub.
Also das ist exklusiv.
Sebastian
Das möchtet ihr auch so?
Dilara
Ja.
Sebastian
Okay.
Dilara
Das war am Anfang eigentlich völlig klar, wenn ich also mit jemand anderem spiele,
ist er entweder dabei und weiß auch Bescheid vorher und natürlich kann ich ihn
entsprechend dann auch mal an jemand anderen ausleihen, aber da bin ich genauso
dabei, das ist dann meine Verantwortung,
dass das gut läuft.
Also es ist jetzt nicht so, dass
ich sag, hier geh mal Party und lass dich bespielen, nee, das läuft nicht.
Sebastian
Okay.
Wollen wir mal das große andere Thema öffnen? Ja. Okay, so, ich hole jetzt meinen Notizzettel.
Also ich habe mich ein bisschen vorbereitet. Ich habe nämlich gestern noch mal
in unserem örtlichen Zoom-Meeting-Stammtisch habe ich nochmal gefragt,
hallo Leute, das ist das Thema, habt ihr ja die eine oder andere Frage dazu.
Das war sehr erhellend.
Wir gucken mal, also, du bist Muslima. Ja. Ja, 16 Jahre steht hier, ne?
Dilara
Ja.
Sebastian
Also noch nicht, sagen wir mal so, du bist da nicht per Familie reingeboren.
Bin ich reingeboren. Genau, bin ich reingeboren.
Okay, und du hast danach mit BDSM angefangen. Ich finde die Reihenfolge spannend.
Okay, fangen wir erstmal an. Wir reden jetzt über BDSM und Islam.
Und das ist natürlich jetzt so grundsätzlich das Thema, was kann ich,
was ist erlaubt, was mache ich eher nicht.
Und wo geht das so ein bisschen hin, wo sind da vielleicht Gewissenskonflikte
oder wo ist ein Konflikt mit Allah da, wo man einfach schauen muss,
wie kriege ich das zusammen.
Ich finde das ganz spannend, weil mir begegnet das Thema so gar nicht.
Also wenn ich Stammtische und Partys so angucke, in meiner den letzten zehn
Jahren Erfahrung, 15 Jahre sind es glaube ich inzwischen, um Gottes willen.
Ja, dann ist es halt alles immer sehr weiß und es wird langsam etwas mehr divers.
Aber im Grunde genommen ist es entweder Atheisten oder ich bin halt noch nie
ausgetreten. Und mehr ist da im Grunde nicht.
Ich glaube, jetzt würde ich erstmal gerne den Glauben so ein bisschen definieren.
Vor 16 Jahren, also Mitte 20, hast du beschlossen zu sagen, ich konvertiere.
Magst du beschreiben, was der Anlass für dich war?
Dilara
Ja,
da habe, also es klingt jetzt alles ein bisschen schräg, was ich da so erzähle,
wahrscheinlich für jemand, der sowas noch nie erlebt hat.
Da habe ich gar nicht gesucht, ich bin wirklich gefunden worden.
Also mich hat das mit einer Wucht erwischt, dass ich selber damals überhaupt
nicht klarkam damit, dass ich mir dachte, wow, was ist das denn jetzt?
Also ich war damals mit meinem Ex-Mann, damals noch Freund,
in Istanbul und wir haben ganz viel über den Islam diskutiert,
weil er da auch eben, der hatte sehr viel Wissen darüber und hat sich aber auch
jede Frage von mir angehört und mit mir darüber diskutiert, also war da unglaublich offen.
Und ich habe mich aber schon vorher immer dafür interessiert,
also für den Glauben, für die Kultur und habe auch mal mit 13 oder 14 habe ich
mir mal den Koran aus der Bücherei ausgeliehen, da ist meine Mutter damals fast
eine Herzschlag gekriegt, wo ich die Büchereitasche ausgepackt habe.
Ich kann dir aber gar nicht erklären, warum das da ist. Also ich bin da die
Einzige in meiner Familie, die einen Schuss in diese Richtung hat.
Bei uns in der Familie ist Italienurlaub schon, da fährt man schon weit weg.
Und ich fing halt dann an mit, oh, ich würde mal gerne Arabisch lernen.
Und also ich war da wirklich so, das bunte Schaf der Familie bin ich auch immer noch.
Und alle haben mich wieder angeguckt, wo willst du hin?
Also es war echt schräg. Ich konnte es mir selber auch nicht erklären.
Und dann war ich das erste Mal in der Moschee. In der Türkei darfst du da auch rein als Nicht-Muslim.
Also wenn nicht gebetet wird, darfst du jederzeit dort rein.
Sebastian
Darf man das hier nicht?
Dilara
Hier darfst du es auch. Aber in vielen anderen Ländern nicht.
Also wenn du zum Beispiel, was weiß ich, was ist denn jetzt ein islamisches
Land, in das man häufiger mal fährt,
Dubai, Ägypten, Tunesien, da darfst du also in die Moschee wirklich nur als
Moslem. Das ist was anderes.
Und in der Türkei ist es halt so, dass sie während der Gebetszeiten,
also die sind ja fünfmal am Tag, lassen sie nur Moslems rein,
aus dem Grund, dass sie nicht möchten,
dass da irgendwie jemand sich daneben benimmt von den Touristen oder dass man
fotografiert wird in so einer intimen Handlung.
Das ist ja nicht wie bei den Christen, dass du auf einer Bank sitzt und die
Hände faltest, sondern du kniest dich ja an den Boden.
Also du kannst da, wenn du von hinten jetzt quasi jemand beim Beten fotografierst,
siehst du halt einfach nur seinen Hintern.
Und das ist halt jetzt, also da würde ich auch nicht unbedingt fotografiert
werden in diesem Moment, ganz ehrlich.
Und ja, wir waren da in dieser Moschee und ich kann es dir bis heute nicht erklären, was passiert ist.
Ich war wahnsinnig berührt. Ich hatte das Gefühl, ich bin wo angekommen, ich bin wo zu Hause.
Also ich saß da in dem Eck und mir sind die Tränen runtergelaufen.
Ich war unglaublich berührt.
Ich kann dir bis heute nicht sagen, wie lang wir in dieser Moschee waren.
Also da hatte mein Ex-Mann eben ein sehr gutes Gespür.
Der ist dann so ein bisschen woanders rumgewandert. Und der ist dann so ein
bisschen woanders rumgewandert, hatte mich halt immer so im Blick,
dass mich jetzt nicht irgendwie jemand anquatscht oder dass mir irgendwas passiert oder was auch immer.
Und habe mich da einfach mit meinem, ja, mit meinem Gefühlssturm alleine gelassen.
Und ich weiß noch, wir sind danach in den Café vor der Moschee gegangen.
Ich saß dann da mit Sonnenbrille, obwohl es ein bewölkter Tag war und habe einfach
nur weiter vor mich hin geweint.
Und dann kam dieser Kaffeebesitzer an und hat mir ganz diskret so eine Schachtel
Tempotücher so rüber geschoben.
Sebastian
Also wie vom Blitz getroffen im Grunde, ne?
Dilara
Ja, also es war wirklich eine ganz heftige Erschütterung für mich.
Und ich wollte gar nicht religiös werden.
Ich war eigentlich vorher so zwischen atheistisch und agnostisch.
Und ich bin auf einmal da gestanden oder gesessen und ich habe auf einmal gespürt, da ist mehr.
Und dieses mehr möchte mich näher kennenlernen.
Sebastian
Was tut man da?
Dilara
Heulen. Nein, also ich kann es nur wirklich so beschreiben, ich habe mich noch
nie in meinem Leben so angenommen und geliebt gefühlt.
Das kann dir kein Mensch vermitteln, das kannst du dir selber auch nicht vermitteln.
Das war gleichzeitig ein ganz tiefer Frieden und ein wahnsinniger Sturm im Herzen.
Sebastian
Ich nehme das jetzt genau so hin. Und vielleicht der ein oder andere Mensch
im Publikum kann das vielleicht einfach nachvollziehen oder nicht.
Ansonsten an der Stelle würde ich sagen, dir jetzt einfach mal glauben und vertrauen.
Dilara
Und ich bin dann, wir sind dann eben ganz normal auch wieder heimgefahren.
Das war für mich auch das erste Mal, dass ich in Istanbul war.
Ich habe mich total in die Stadt verliebt. Also Istanbul ist für eine Stadt,
ich weine jedes Mal, wenn ich lande, ich weine jedes Mal, wenn ich wieder heimfliege.
Das ist ganz, ganz schlimm.
Und ich kann dir auch bis heute nicht sagen, woran es liegt.
Es ist für mich einfach so. Ich möchte da nicht wohnen, um Gottes Willen,
aber da zieht es mich immer wieder hin.
Sebastian
Einfache Frage, macht es dich glücklich?
Dilara
Ja.
Sebastian
Ja, das ist doch super. Dann brauchen wir ja gar nicht diskutieren,
warum und wieso. Es macht dich glücklich.
Dilara
Punkt. Ja, es macht mich sehr glücklich.
Sebastian
Würdest du sagen, dass du eine praktizierende Moslima bist?
Dilara
Nee.
Sebastian
Okay.
Dilara
Also ich bin da einen ziemlich langen Weg gegangen. Ich bin angefangen von,
ich mache mich jetzt mal schlau, was da eigentlich alles so dahinter steckt.
Und man muss dazu sagen, mein Ex-Mann hat mit mir nicht viel darüber geredet.
Da bin ich am Anfang immer fast wahnsinnig geworden, weil ich mir dachte,
ey, du weißt doch so viel in der Richtung, jetzt erklär es mir doch bitte mal.
Und er hat immer zu mir gesagt, nein, weil dann machst du es so,
wie ich es dir sage. Und das ist Blödsinn, du musst deinen Weg finden.
Und dann kann ich mit dir diskutieren drüber.
Also wenn du deine eigene Meinung hast, dann können wir darüber reden,
warum du sie hast, aber nicht, wenn ich dir sage, ich finde,
das sollte man so machen, so läuft es nicht.
Sebastian
Es ist eher Moslem gewesen.
Dilara
Aber auch ein sehr unorthodoxer Moslem eher.
Sebastian
Okay, also beide ganz liberal drauf. Und er hat dich auch nie dahin gedrängt oder so.
Dilara
Nein, nein, um Gott.
Sebastian
Das hast du einfach entschieden.
Dilara
Ja, das war für mich. Also er hat eben gesehen, wie sehr es mich berührt.
Und dafür war für ihn auch klar, wow, das lasse ich einfach laufen.
Ich bin da für sie, wenn sie mich braucht. Aber ansonsten lasse ich es laufen.
Und da habe ich mich nicht einzumischen. Also dafür bin ich ihm sehr dankbar,
dass er da in keinster Weise irgendwas gemacht hat. Und ich bin dann eine ganze
Zeit lang eher so in diese konservative Ecke bin ich da gewesen und das hat
mich fast vom Glauben abgebracht.
Also das war eine sehr schwere Zeit.
Sebastian
Also ich werfe das mal rein. Also ich habe ja hier beim Stammtisch gefragt,
was wollt ihr denn da so wissen?
Und ich glaube, das hat keine 30 Sekunden gebraucht und dann kam der Begriff Kopftuch.
Natürlich, ne? Also ich sehe dich jetzt ja hier im Bild und ich sehe deine Haare.
Dilara
Ja.
Sebastian
Ja, mag man fragen, war das für dich eine Frage? Trage ich das?
Ist das ein Stück Glaubensbekenntnis? Warum?
Wieso trägst du es nicht? Also magst du vielleicht das mal ein bisschen auflösen?
Dilara
Gerne. Also erst mal, ja, im Koran steht was von Tüchern und Schleier.
Und es gibt aber durchaus Gelehrte, die sagen, erstens mal betrifft es die Frauen
des Propheten, die verschleiert gehen sollen, nicht alle Frauen.
Zweitens wurde es im Koran gesagt, dass es ein Schutz ist für Frauen,
um nicht belästigt zu werden, was in der damaligen Gesellschaft einfach ganz
klar gesagt hat, hier, ich bin Muslima, ich gehöre dieser Gemeinschaft an und
wenn du dich mit mir anlegst, legst du dich mit denen allen an.
Also das war auch ein gewisses, im Prinzip genauso wie wenn ich jetzt mit einer
Hells Angels Jacke durch die Stadt laufe. Um es jetzt mal ein bisschen pauschal zu sagen.
Ja, auf der anderen Seite war es für mich eine wahnsinnige Überwindung,
ist es auch immer noch, weil ich einfach finde, ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen.
Ich habe noch nie erlebt, dass ein Mann zu mir gesagt hat, boah,
ich will die Vögel, weil deine Haare so geil sind.
Sebastian
Ja gut, aber grundsätzlich ist es ja erstmal ein Vorurteil, sag ich mal,
oder Erwartung. Muslima trägt Kopftuch.
Dilara
Ja, es ist eine Erwartung, es gibt aber recht viele, die es nicht tragen.
Sebastian
Ja, die erkennt man aber dann ja nicht.
Dilara
Eben, du siehst halt die Frauen mit Kopftuch und klar, da denkst du natürlich
sofort, oh Muslima, aber wenn ich zum Beispiel, ich meine, ich weiß nicht,
wie das bei dir war, aber meine Großmutter ist mit Kopftuch in die Kirche gegangen. Aus Respekt.
Oder die hat auch, wenn sie ausgegangen ist, hat sie sich ein Kopftuch drüber gezogen.
Also das ist bei uns auch noch nicht so lange her. Und ich habe tatsächlich
mal eineinhalb Jahre das Tuch getragen, weil es mir damals ein Bedürfnis war.
Da habe ich auch wirklich das Bedürfnis danach gespürt. Da wollte ich das auch machen.
Ich habe dann aber auch wieder damit aufgehört. Einfach auch,
weil ich gemerkt habe, ich mache mir mein Leben selber schwer dadurch.
Und das ist zum Beispiel ein Vers im Koran, der immer wieder sagt,
ich will es euch nicht schwer machen, ich will es euch leicht machen.
Und für mich ganz persönlich, also ich spreche damit keiner Frau ab,
das Kopftuch zu tragen, das ist eine Entscheidung, die jeder einzelne Mensch
für sich selber jeden Tag treffen muss.
Aber für mich ist einfach, dass ich sage, wenn ich in einem Land lebe,
wo ein Kopftuch eher dazu da ist, dass es mich in meiner Ausbildung zum Beispiel
behindern kann, dass ich mich in manchen Ecken von der Stadt nicht wohlfühle,
weil ich diskriminiert werde deswegen.
Es sollte nicht so sein, aber es ist nun mal leider so.
Wenn ich einen schlechteren Job bekomme durchs Kopftuch, wenn ich wirklich Nachteile
habe dadurch, dann erfüllt es nicht den Sinn, dass es ein Schutz ist für mich.
Ich kann mich auch ohne Kopftuch so tragen dass ich nicht erotisierend wirke.
Sebastian
Dafür trägst du ja das T-Shirt genau ich muss jetzt leider das ist total platt
aber das T-Shirt in Kombination mit dem Kopftuch ich glaube da wüsste niemand
mehr wie er mit dir umgehen soll,
das könnte ich mal ausprobieren oh weia ich werde jetzt albern.
Dilara
Kein Problem bin ich ja auch.
Sebastian
Ich habe mir vorher lange überlegt, wie weit gehen wir da auf den Glauben ein,
wie tief gehen wir da rein und wir haben da ja ein wunderschönes Vorgespräch
geführt und ich versuche so ein bisschen dieses Islam und BDSM mal zusammenzubringen
und dann würde ich vorschlagen, dass wir so ein bisschen versuchen,
da wo Wissen einfach nötig ist, um zu verstehen, dass wir das da einfach nochmal ergänzen.
Das ist ein Plan, den du mit mir gehen kannst. Ja, das ist gut.
Wir springen jetzt nochmal in diese Zeit vor vier Jahren. Das heißt Muslima
und jetzt du sagst, ich will jetzt BDSM machen.
Nein, das geht doch nicht, das kann man doch nicht machen, das ist unvereinbar.
Wie kann man nur auf die Idee kommen?
Oder hat dich das überhaupt nicht interessiert?
Dilara
Hat mich am Anfang tatsächlich nicht interessiert. Also ich muss dazu sagen,
ich bin, ich würde mich jetzt, du hast mich vorher gefragt, ob ich praktizierende Muslima bin.
Ich würde sagen, ich bin eine gläubige Muslima, aber ich praktiziere nicht im konservativen Sinn.
Also ich habe für mich nach wie vor die Verbindung zu Allah.
Ich bin nach wie vor, wenn ich in eine Moschee gehe, mir das Herz auf,
weil ich mich da einfach zu Hause fühle.
Ich habe zum Glück eine Moschee hier in der Nähe, die sehr, sehr offen sind.
Die sind auch sehr interreligiös unterwegs. Also die machen da einen unglaublich guten Job.
Da ist auch jeder willkommen, einfach mal zu gucken. Also ich habe da schon
auch oft Leute einfach mitgebracht und gesagt, hier, die sind einfach mal neugierig, die dürfen ja.
Also die sind da unglaublich offen. Also da ist nicht diese Moscheen,
die man so als Klischee kennt, wo du Extremisten triffst und so weiter und so
fort. Ganz im Gegenteil, die verurteilen das alles sehr.
Also die sind sehr für einen europäischen, offenen Islam.
Und ich habe vor einiger Zeit einen Sufi-Meister treffen dürfen,
der mich als seine Schülerin angenommen hat.
Sebastian
Was ist das? Ein Sufi-Meister?
Dilara
Sufismus ist die mystische Form des Islam. Wir sind so ein bisschen die Spinner.
Oder man kann auch so sagen, so die Hippies.
Bei uns ist sehr viel mit Poesie. Also einer der bekanntesten Vertreter ist Mevlana Rumi.
Der ja seine wunderschönen Gedichte geschrieben hat. Hafis kennen auch noch
einige, das ist ein persischer Dichter.
Also da ist sehr viel mit, sehr viel Poesie, wo es immer über den Geliebten geht.
Also wir nennen Gott, weil Allah heißt nichts anderes als Gott, den Geliebten.
Und das hat mich schon mal sehr berührt, weil das ist für mich eine ganz andere
Verbindung, als zu sagen, da ist so ein höheres Wesen, sondern das ist für mich der Geliebte.
Das ist nochmal was ganz was anderes.
Der Sophismus macht sehr viel eben über Poesie, über Worte.
Also da werden auch viele Lesungen veranstaltet. Das kann sehr berührend sein.
Und ich hatte noch dazu das Glück, dass der Orden, bei dem ich gelandet bin,
der hat viel mit Musik gemacht und mit dem SEMA, mit diesem Drehtanz.
Den haben wir aber nicht ritualisiert gemacht, sondern den kann bei uns jeder
machen. Und das ist etwas, was dich in eine Trance bringt.
Auch die Musik bringt dich in eine Trance. Und wir glauben eben daran,
dass das eine Trance ist, die dich dazu bringt, dass du von der Göttlichkeit durchströmt wirst.
Das ist für viele konservative Moslems Musik schon zu viel.
Und allein dann zu sagen, Allah strömt durch mich durch, ist eine pure Blasphemie.
Ich habe jetzt aber eben das Glück, dass die Moschee, wo ich gelandet bin,
da durften wir damals sogar ein Konzert geben.
Das war das erste Konzert in Deutschland überhaupt in einer Moschee,
das mein Lehrer gegeben hat, das hat er mir danach dann erzählt.
Sebastian
Du siehst mich ja leicht erschüttert, weil du natürlich sämtliche Vorurteile,
die man jetzt haben könnte, die zerbröseln hier gerade alle.
Dilara
Entschuldigung, aber mein Mann schlägt mich ab und zu, gilt das?
Sebastian
Ach ja. Es ist so,
ich habe das schon bei, als ich mit Daniel aufgenommen gehabt,
dass er auch sagte, naja, ich habe die Kirche und ich habe die und das ist teilweise
ein Landkreis weiter völlig anders, wie das ausgelebt und interpretiert wird.
Ich gehe aber trotzdem davon aus,
in der Moschee wird jetzt bei euch nicht gleichgeschlechtlich getraut.
Da gibt es dann doch Grenzen.
Dilara
Das habe ich jetzt noch nie erlebt, würde ich jetzt aber nicht,
würde ich jetzt mich nicht darauf verlassen, dass das nicht geht.
Was zum Beispiel bei uns in der Moschee geht, ist, dass du als Muslima,
also als Frau, einen nicht muslimischen Mann heiraten kannst.
Machen auch nicht alle Moscheen.
Sebastian
Und dein Partner ist selber kein Muslim jetzt?
Dilara
Nein.
Sebastian
Okay.
Dilara
Will er auch nicht werden, also er will nicht konvertieren, was ich auch völlig
okay finde, weil er muss das wegen mir nicht machen. Für mich ist wichtig,
dass ich einen Partner habe, der das respektiert und toleriert.
Mit dem ich also keine Diskussion habe, wieso gehst du jetzt in die Moschee,
wieso fastest du jetzt im Ramadan, wieso dies, wieso das.
Und dass ich einfach sagen kann, ich möchte das machen, weil es mir gut tut
und weil es für mich zu meinem Glauben gehört. Punkt.
Sebastian
Gut, aber an der Stelle praktizierst du ja doch, wenn du sagst, ich faste im Ramadan.
Dilara
Ich faste anders.
Sebastian
Ah, okay. Also vielleicht gucken wir erstmal, wie du das so auslegst.
Wobei, also ich, lass mich erst mal feststellen, also BDSM und Islam ist kein
Widerspruch für dich. Das geht.
Dilara
Nein, für mich nicht. Auch Sex nicht.
Sebastian
Okay, das ist ja auch alles erlaubt, das kann man ja auch alles machen,
aber bitte schön nicht öffentlich.
Bitte unter Eheleuten im Schlafzimmer. Oder liege ich da jetzt ganz falsch?
Dilara
Nee, das ist das, wo du recht hast.
Sebastian
Ha, wunderbar.
Dilara
Ja, das ist auch tatsächlich das, wo ich sage, ich wüsste jetzt nicht,
ob es tatsächlich in der BDSM-Szene muslimische Paare gibt.
Das könnte ich dir nicht beantworten, das weiß ich einfach schlichtweg nicht.
Da wird auch nicht unbedingt drüber geredet. Gut, ich meine,
ich würde jetzt auch nicht unbedingt in der Kirchengemeinde über BDSM reden,
wenn ich da jetzt auf eine Playparty gehe oder so. Also von dem her.
Das ist tatsächlich das, wo ich am Anfang Probleme hatte.
Was ist denn, wenn ich auf diese Playpartys gehe? Was ist denn,
wenn ich da leicht bekleidet unterwegs bin?
Oder wenn ich da auch eventuell sexuelle Handlungen vornehme oder an mir vornehmen
lasse? Was ist denn dann?
Was bin ich denn dann? Wie kann ich das mit meinem Glauben vereinbaren?
Sebastian
Ja, du kommst in die Hölle. Das ist der einfache Deal.
Dilara
Nee, das ist auch nicht so einfach. Verdammt.
Sebastian
Du merkst, ich versuche hier so ein bisschen zu polarisieren,
aber ich finde das unglaublich spannend, weil du hast dir Gedanken drum gemacht.
Dilara
Ja, ich habe mir Gedanken drum gemacht. Es gibt auch viele, die sagen,
ich mache mir eine Baukastenreligion.
Ich finde aber nicht, dass das ein Vorwurf ist. Ich finde, dass das was ist, was schwieriger ist.
Ich mache es ja nicht, weil ich sage, das fällt jetzt in das Schema,
was ich machen will, sondern ich mache mir Gedanken darüber und damit mache
ich es mir schwerer, als wenn ich in eine Moschee oder eine Kirche gehe und
das abnick, was der da vorne sagt.
Und sage, ja natürlich mache ich alles, logisch und dann komme ich in den Himmel.
So funktioniert das auch nicht.
Sebastian
Aber du kannst dich ja rückversichern und kannst sagen, hallo,
ich habe hier ein Problem und erzählen Sie mir mal, was kann ich tun?
Dilara
Nein, darfst du im Islam nicht.
Sebastian
Wie darf ich nicht?
Dilara
Im Islam ist es so, dass es, es gibt zwar diesen Imam, also den Pfarrer,
der da in der Moschee vorne steht, aber das Einzige, was der macht,
ist, dass er da vorne betet.
Und dir vielleicht auch eine Predigt hält am Freitag. Aber, jetzt kommt das
ganz große Aber, wir haben bei uns nichts, was über mir steht.
Also der Imam ist nicht mehr wert als ich. Der kann mir nicht sagen,
was ich tun soll. Wir haben auch keinen Papst oder so.
Also es gibt keine Richtlinie, die mir sagen kann, wenn du das und das machst,
wirst du exkommuniziert.
Wie es zum Beispiel im Katholizismus gibt.
Das Einzige, was im Islam ist, Und es wird immer und immer und immer wieder
im Koran betont, du bist für deine Taten, deine Gedanken und deine Absichten
selber verantwortlich.
Du, also ich muss mich dafür rechtfertigen vor dem jüngsten Gericht.
Sebastian
Gehen wir mal zum jüngsten Gericht. Rechtfertige dich doch mal für alles.
Dilara
Weißt du, das Ding ist ja, es weiß wirklich niemand, was da ist.
Es gibt die eine Fraktion, die sagt da hast du dann oben den Himmel mit blauen
Wölkchen, Engelchen und da regnet es dann Manna, da gibt es dann Jungfrauen,
wobei ich mich immer frage, was dann die Frauen kriegen, die nicht bi sind, aber gut,
und da ist dann das Paradies, da fließen Milch und Honig da kommen alle rein,
die gut und toll waren und da unten, da ist die Hölle da mit Feuer und was weiß
ich was alles an sowas glaube ich nicht.
Glaub an was, ich erzähle dir das mal mit einer Geschichte.
Es gibt eine Sufi-Frau, die ich sehr schätze, Rabia von Basra.
Die hat, ich weiß gar nicht, in welchem Jahrhundert gelebt.
Die ist relativ bekannt, also selbst in europäischen Kreisen.
Da gibt es das ein oder andere Buch darüber.
Ich mag die sehr gern, weil die sehr für ihre Zeit vor allem,
die war nicht bequem und gemütlich.
Die hatte ganz deutlich eine eigene Meinung.
Die war zum Beispiel auch nicht verheiratet, weil sie gesagt hat,
will sie nicht, kein Bock drauf. Sie lebt nur für ihren Glauben.
Und die ist mal durch Basra gelaufen mit einem Eimer Wasser in der einen Hand
und einer Fackel in der anderen Hand.
Dann haben sie sie gefragt, Rabia, wo läufst du hin? Was machst du damit?
Dann hat sie geantwortet, ich schütte Wasser in die Höllenfeuer und zünde das
Paradies an, damit ihr Allah endlich um seiner selbst Willen anbetet.
Und das ist das, an was ich glaube.
Sebastian
Ah, also gar nicht, es geht darum, dass ich dann im Paradies lande oder in der
Hölle, sondern ich liebe Allah.
Dilara
Weil… Weil ich ihn liebe. Weil er da ist. Punkt.
Ich liebe ihn nicht deswegen, weil er meine Wünsche erfüllt.
Ich liebe ihn nicht deswegen, weil wenn ich jetzt brav bin und nach allem lebe,
was im Koran steht, ich in den Himmel komme und dann mein Leben lang Alhamdulillah singe.
Sebastian
Gott, also das heißt, das ist ja jetzt im Grunde ein Freibrief für dich.
Das heißt, du kannst alles tun? Solange du es vor dir selbst rechtfertigen kannst.
Dilara
Nein, es ist kein Freibrief für mich. Es ist die Frage, was ist für mich ethisch
und vom Glauben her vertretbar.
Sebastian
Okay, dann frage ich doch mal andersrum, was ist denn für dich nicht vertretbar
im Bereich BDSM, wo du sagst, das ist eine Grenze, die kann oder die möchte
ich nicht überschreiten.
Dilara
Unverbindlichkeit ist für mich nicht vertretbar.
Also ich kann nicht einfach nur jetzt mit jemandem vögeln oder mit jemandem
spielen, weil ich es kann.
Sondern ich habe die Verantwortung für diesen anderen Menschen.
Und damit habe ich die Verantwortung. Und das heißt für mich nicht,
dass da ein Abend was geht und dann nie wieder.
Das funktioniert bei mir nicht. Das geht nicht.
Ich brauche eine Verbindlichkeit und eine Verbindung mit dem anderen Menschen,
egal ob ich aktiv oder passiv bin.
Ich bin auch kein Typ für One-Night-Stands. Also das hat bei mir noch nie funktioniert
und mit BDSM sowieso nicht.
Ich bin auch niemand, der sagt, ich kann das jetzt machen, deswegen mache ich es.
Das ist für mich das, was nicht geht. Was nicht geht, ist mich zum Beispiel
betrinken bis zur Besinnungslosigkeit oder mich an irgendwas berauschen. Das geht auch nicht.
Sebastian
Ja, aber BDSM ist ja berauschend.
Dilara
Ich habe aber immer noch einen klaren Kopf. Also als Aktiver sowieso,
da habe ich ja die Verantwortung für den anderen. Natürlich ist es in gewisser Weise ein Rausch.
Aber ich würde jetzt trotzdem nicht in diesem Rausch den anderen blutig schlagen.
Oder was machen, was ich weiß, es ist ein Tabu.
Sebastian
Mohammed hat ja auch einiges verfasst und dagelassen.
Das sind ja schon Richtlinien, wo man schon sagen müsste, du musst dich doch
über jede dieser Regeln hinwegsetzen, Stück für Stück.
Dilara
Nein. Es ist für mich auch immer ein, okay, wofür sind diese Regeln da?
Was soll damit bezweckt werden? Was ist der Hintergrund dieser Regeln?
Der Hintergrund der Regel, kein Alkohol zu trinken, ist zum Beispiel der,
das wird von einigen Korangelehrten auch so gesagt, dass unter Alkoholeinfluss
einfach ziemlich viele fiese Dinge passieren und dass sehr viele Menschen das nicht im Griff haben.
Also dass sie dieses Genusstrinken nicht können, sondern dass das halt dann,
ich baller mich weg und mach dann irgendeinen Scheiß wird.
Das heißt für mich, wenn ich ganz gemütlich mal ein Glas Wein zum Essen trinke,
dann ist das für mich okay.
Weil ich es eben nicht benutze, um mich da wegzuballern und irgendwas zu machen,
wo ich am nächsten Tag dann sage, oh nee, das war nicht ich, das war der Wein.
Das geht zum Beispiel nicht. Ich kann zum Beispiel für mich auch keine harten
Drogen nehmen. Würde ich nicht machen, weil ich damit mir selber schade.
Sebastian
Ja, ich glaube, ich habe das mal irgendwo gehört, die Level der Sozialisation
und da gibt es dann Stufe 5 ist dieses, ich bin mir der Regeln bewusst,
habe darüber nachgedacht und kann damit umgehen oder bin in der Lage sie zu interpretieren.
Und ich glaube Stufe 3 war ein, ich bin mir bewusst der Regeln und halte sie
ein, weil ich die negativen Konsequenzen nicht möchte.
Also kein aus Angst, sondern ein, ich habe mich beschäftigt und dann habe ich
beschlossen, das geht oder eben das geht nicht.
Dilara
Also es gibt ja alle Arten von Menschen. Es gibt auch wirklich Menschen,
wo du wirklich siehst, wenn die diesen Regeln folgen, geht es ihnen besser.
Die brauchen diese Struktur.
Die brauchen dieses fünfmal am Tag beten. Die brauchen diverse Sachen,
die sie einfach machen müssen in ihrem Kopf.
Aber das ist halt nicht so, wie ich funktioniere. Meine Motivation ist nicht
Strafe. Meine Motivation ist Liebe und Barmherzigkeit. So schnulzig das jetzt klingt.
Sebastian
Gut, aber trotzdem ist das ja eine Glaubensgemeinschaft. Und wenn du dich in
der Gemeinschaft zurechtfinden, fügen möchtest, also einfügen möchtest,
dann musst du ja doch Regeln beachten.
Dilara
Naja, ich lebe ja nicht mehr damals, weißt du. Ich meine, das ist ja eines der
schönen Sachen der heutigen Zeit.
Ich lebe nicht in einem Oasendorf und bin auf die Gemeinschaft angewiesen.
Wenn ich, das ist genau wie wenn du jetzt in einem kleinen Dorf wohnst,
dann machst du bestimmte Sachen auch nicht.
Sebastian
Deshalb wohne ich da ja nicht. Genau.
Dilara
Und wenn du in einer größeren Stadt wohnst, bist du unabhängiger.
Und genauso ist es da auch. Also ich habe diese Gemeinde, da habe ich auch Freunde,
die auch mal privat vorbeikommen und so weiter und so fort, aber ich bin nicht
darauf angewiesen, dass diese Leute mich beschützen, dass diese Leute mich ernähren,
falls meinem Mann was passiert.
Sebastian
Ja, aber würdest du dich vor diesen Leuten outen?
Dilara
Wenn sie mich fragen würden, würde ich mich outen.
Sebastian
Also ja, ich versuche so ein bisschen zu gucken, ob du da so eine,
je nachdem wo du gerade bist, eine Trennlinie ziehst und sagst,
nee, das gehört da nicht hin.
Also in der Moschee würdest du wahrscheinlich jetzt eher nicht über BDSM reden.
Dilara
Nein, aber ich meine, das fängt doch schon damit an, wie viele von denen,
die du kennst, die BDSM praktizieren, wie viele von denen outen sich komplett?
Wie viele von denen wissen es die Familien, die Arbeitskollegen,
alle Freunde, die Leute, Ja, da bin ich ja selber das beste Beispiel für.
Sebastian
Also witzigerweise, die, bei denen man sich als letztes autot,
die wissen es bei mir. Es gibt nur so einen Aspekt im Leben,
wo ich sage, da geht es halt nicht.
Ich nehme jetzt nochmal den Begriff Konsens in den Mund. Du und Allah,
ihr habt da einen Konsens gefunden.
Dilara
Kann ich nur für mich sagen.
Sebastian
Ja, ich wollte dich jetzt in die Falle laufen lassen. Nicht gelungen.
Nein, aber es ist so ein bisschen, weißt du, man hört da so viel und dies geht
nicht und das geht nicht und hier und da und sowieso.
Und sitzt du hier vor mir und sagst, nee, ich kann das vor mir selbst rechtfertigen.
Ich habe den Glauben angenommen, ich liebe Allah. Das funktioniert für mich.
Und das klingt jetzt so ein bisschen so, als ob das kein Konflikt gewesen ist
für dich und dass du da gar keine Entscheidung treffen musstest,
weil ich will immer diesen Zwiespalt herbeibeten.
Und den scheint es einfach nicht zu geben. Und das finde ich unglaublich schön gerade.
Dilara
Den hat es gegeben. Den hat es relativ lange gegeben.
Sebastian
Wie bist du da rausgekommen?
Dilara
Ich habe für mich, hatte ich am Anfang ein Wahnsinnsproblem mit den Playpartys.
Weil ich für mich gesagt habe, okay, wenn ich da einen Partner habe,
der ja auch mein quasi fester Partner ist, in welcher Weise auch immer,
dann ist das für mich so ähnlich wie eine Ehegemeinschaft.
Deswegen sage ich halt, ich kann nicht unverbindlich, sondern ich möchte eine
gewisse Verbindlichkeit haben in diesen Beziehungen.
Und damit ist das für mich jetzt nicht wie eine Ehe, aber du hast eine gewisse
Verantwortlichkeit für den anderen Menschen und der auch mir gegenüber.
Das geht ja immer in zwei Richtungen.
Und dann ist das für mich okay. Okay, diese Playpartys waren nochmal was ganz was anderes.
Weil da bin ich teilweise wirklich an meine Grenzen gestoßen.
Da hatte ich auch einige sehr heftige Abstürze.
Und was mir damals geholfen hat, ich habe damals mit mir selber sehr lange debattiert.
Ich habe da sehr lange interne Gespräche quasi mit mir geführt.
Ich habe auch mit meiner Therapeutin sehr lange darüber geredet und auch mit
guten Freunden, die das quasi beides kennen.
Und was mich eigentlich immer wieder so überrascht hat, war,
dass sie alle nur zu mir gesagt haben, naja, aber du musst dich doch nicht entscheiden.
Und ich dachte, ja, wie, wie, aber das muss ich doch, aber das geht doch gar nicht anders.
Und dann haben sie mir alle gesagt, nein, musst du doch nicht.
Jetzt überleg doch einfach, was ist dir wichtig? Und wie kannst du es vereinbaren?
Was ist für dich was, wo du sagst, das tut mir total gut?
Das möchtest du machen und wie kannst du es quasi trotzdem machen?
Was ist für dich das Wichtigste?
Und ich meine, ich habe halt dann zum Beispiel auch gesagt, eben auch zu meinem
Ex-Dom, du pass auf, im Ramadan gehe ich nicht mit dir auf irgendwelche Partys,
oder auf irgendwelche Sachen, die draußen stattfinden. Das wird nicht funktionieren.
Und da hat er gesagt, okay, versteht er zwar nicht warum, aber er akzeptiert es.
Sebastian
Ja, ist das ein Kompromiss? Nein, das ist dann eine Entscheidung zu sagen,
okay, das ist eine Grenze, die setze ich für mich.
Dilara
Genau.
Sebastian
Weil Ramadan, vielleicht magst du nochmal kurz erläutern, wozu ist er genau
da? Also was soll er bezwecken, der Ramadan?
Dilara
Er soll eigentlich bezwecken, dass du quasi als Gläubiger mal einen Monat lang
erfährst, wie es ist, nicht viel zu haben. also nicht viel zu essen,
nicht viel zu trinken und dass du deshalb den Armen, die das immer haben, mehr spendest.
Es soll aber auch ein Monat der Innschau sein, also dass du wirklich mal sagst,
okay, ich stehe früh auf, ich faste, ich bete, ich lese im Koran,
also dass du dich einen Monat lang auf deinen Glauben besinnst und den vertiefst,
dass du diese Beziehung, die du ganz persönlich zu Allah hast, vertiefen kannst.
Bei sehr vielen, ich sage es nicht bei allen, aber bei sehr vielen ist es einfach,
naja gut, dann faste ich halt tagsüber und dann esse ich halt nachts.
Dann schlafe ich tagsüber, dann stehe ich abends auf und haue so richtig rein.
Das ist für mich ehrlich gesagt kein Ramadan. Das kann jeder halten,
wie er es möchte, aber für mich ist das nicht der Sinn der Sache.
Dass man natürlich in einer Gesellschaft, wo Islam eine Staatsreligion ist und
wo der Alltag dann einfach ein bisschen langsamer läuft, dass man das dann auch
sagt und dankbar annimmt, das ist das andere.
Aber wenn ich es dann so mache, dass ich eben tagsüber schlafe,
damit ich nachts essen kann, nee, ist kein Ramadan für mich.
Für mich heißt Ramadan, ich faste etwas. Und zwar etwas, was mir schwerfällt.
Jetzt kann ich dadurch, dass ich chronische Kopfschmerzen habe,
nicht den ganzen Tag nichts trinken.
Wenn ich das mache, komme ich drei, vier Wochen aus den Schmerzen nicht mehr
raus. Das habe ich schon mal ausprobiert ein paar Mal.
Das funktioniert nicht. Also ich werde dann, wenn es wieder in die kürzere Fastenzeiten
geht, werde ich wieder ganz fasten, aber momentan sind es 12,
13 Stunden, das hält mein Körper einfach nicht durch, das funktioniert nicht.
Essen ist bei mir nicht das Problem, aber das nicht trinken.
Das heißt, ich mache es für mich so, dass ich sage, gut, ich trinke eh sehr,
sehr wenig Alkohol, ich trinke überhaupt kein Alkohol, ich ernähre mich vegan,
ich esse kein Weißmilch, ich esse keinen Zucker, ich schraube den Kaffee runter.
Sebastian
Gottes Willen.
Dilara
Es ist nicht leicht, ja. Solche Sachen eben. Es tut mir wirklich weh.
Also es ist jetzt kein komfortables Fasten, das soll es aber auch nicht sein.
Im Koran steht aber auch immer wieder, du sollst nicht fasten,
wenn es dich krank macht und deswegen habe ich halt für mich gesagt,
ich kann dieses nicht trinken, nicht, davon kriege ich nun mal einfach Kopfschmerzen,
das ist auch nicht Sinn der Sache.
Und dann habe ich eben mit dazu genommen, okay, was ich auch nicht mache im
Ramadan, ich gehe nicht auf Playpartys, ich mache aber jetzt auch nichts,
was mich wirklich, ich sage jetzt mal erotisiert.
Also ich lese jetzt nicht unbedingt erotische Blogs, ich gucke mir auch keine
Fotos an und so weiter und so fort. Also das schraube ich alles für diesen einen Monat zurück.
Sebastian
Okay, aber das ist ja dann, das hast du mit dir ausgehandelt und beschlossen,
dass das so für dich passt. Ja, genau.
Dilara
Das fühlt sich auch gut an für mich.
Sebastian
Okay, und nach dem Monat freut man sich umso mehr. Das erfahren wir ja gerade
alle, wie sehr wir uns auf Daypartys freuen.
Dilara
Genau.
Sebastian
Fasten wir jetzt auch seit einem Jahr.
Dilara
Genau.
Sebastian
Ich merke so ein bisschen, ich laufe hier so ein bisschen auf so ein bisschen Glatteis rum.
Ich glaube dann zu dem Thema, ich werde da nochmal mit mehr Menschen drüber
sprechen müssen, die da vielleicht etwas konservativer verortet sind.
Da muss man ein bisschen schauen.
Ich sehe dich da wirklich sehr liberal, aber mit offenem Auge glaubend.
Dilara
Ja, so kann man es vielleicht auch sagen. Wie gesagt, es war nicht immer sehr leicht für mich.
Ich hatte dann eine Phase, wo ich mir dachte, okay, ich muss mich jetzt irgendwie entscheiden.
Wo ich dann aber für mich gemerkt habe, nein, muss ich nicht.
Ich meine, weißt du, vielleicht irre ich mich auch und wenn ich dann sterbe,
stehe ich vor Allah und er sagt zu mir, naja, Mädel, also weißt du,
das waren jetzt mindestens 200 Jahre Fegefeuer nur für diese eine Playparty.
Kann sein, weiß ich nicht. Aber, ne?
Sebastian
Ja gut, dann ist es eh zu spät.
Ich habe ja mit Verena schon mal so ein bisschen über das Thema gesprochen.
Mit der werde ich auch noch mal lange darüber sprechen.
Sie hat aber so ein schönes Buch genannt, Liebessex und Allah war das.
Hast du das gelesen? Kennst du das?
Dilara
Das habe ich mir geholt, nachdem du es damals erwähnt hast, ja.
Sebastian
Sehr gut.
Dilara
Ich habe es gerade zur Hälfte ungefähr durch. Ich finde es aber spannend.
Sebastian
Also mich interessiert so ein bisschen, ob da nicht auch ein bisschen Ratgeber
da ist, weil du sagst, ich kann Entscheidungen treffen, ich kann das abwägen
und dann kann ich mich entscheiden.
Und jetzt gibt es ja viele Menschen, die brauchen eben diese, ich sag mal, Führung.
Spannend, wie viel Doppeldeutigkeit hier im Podcast gerade.
Nein, aber wo man dann eben schon schauen muss, gibt es was im Islam,
wo du sagst, das erlaubt BDSM?
Oder das Gegenteil, das verbietet es? Also gibt es da irgendwas,
hast du Kenntnis von irgendwelchen, gar nichts?
Dilara
Nein.
Sebastian
Also du schüttelst mit dem Kopf.
Dilara
Nein, also es ist so, dass im Koran auch immer steht, wenn es euch nicht verboten
ist, also wenn es nicht explizit verboten ist im Koran, ist es erlaubt.
Sebastian
Oh, das eröffnet ja Möglichkeiten.
Dilara
Und es gibt ein paar Sachen, die verboten sind im Koran. Schweinefleisch,
Alkohol, Wetten, also Glücksspiel.
Ich glaube, außerehelicher Sex, aber das wird auch sehr diskutiert, was genau das ist.
Das wird alles sehr explizit erwähnt und auch mehrmals erwähnt, dass das verboten ist.
Sebastian
Okay, aber unter dem Hintergrund wundert es mich ja schon, dass ich zumindest
nicht wissentlich mehr Moslems auf Playpartys und Stammtischen getroffen habe.
Dilara
Naja, weißt du, das Ding ist halt, wie viel Prozent der Bevölkerung praktizieren den BDSM?
Sebastian
Ich hoffe, fünf Prozent.
Dilara
Und wie viel Prozent der Bevölkerung sind muslimisch?
Sebastian
Das ist eine gute Frage.
Dilara
Ich tauche zum Beispiel in keiner Statistik auf. Es sind gar nicht so viele.
Ich glaube, es sind ungefähr 10 bis 15 Prozent in Deutschland.
Sebastian
Gut, aber das heißt, auf einer Party mit 100 Leuten müsste ich dann ja theoretisch
eine Schnittmenge haben. Also einer vielleicht, einer von 100.
Dilara
Wenn überhaupt.
Sebastian
Ja, aber das erkenne ich dann ja wiederum nicht, wenn da kein Kopftuch im Spiel
ist oder irgendwas in der Richtung.
Dilara
Genau, wenn er nicht tätowiert hat, ich bin Moslem.
Sebastian
Ja, ist die Frage, würde man das sagen? Also ich gehe auch nicht auf den Stammtisch
und sage, hallo, ich bin Sebastian und Atheist.
Dilara
Ja, also im Islam wird zum Beispiel eben auch gesagt, es gibt nichts,
was sich zwischen mich und Allah stellen kann, es gibt aber auch nichts,
was mir näher ist als Allah.
Aber damit gehe ich jetzt nicht los und sage überall, ach übrigens, ich bin Muslima.
Man soll wieder mit Palma-Sommer jemanden missionieren, das gibt es bei uns nicht.
Und was du jetzt gerade beschreibst, weißt du, du darfst auch nicht vergessen,
der Islam, so wie er gelebt wird, ist es leider auch,
das sind nicht alles Traditionen aus dem Koran, die befolgt werden,
es sind ganz oft irgendwelche Traditionen aus patriarchischen Gesellschaften.
Sebastian
Ja, da müssen wir glaube ich auch echt eine Trennlinie ziehen.
Ich sage es nochmal, also ich habe hier ganz viele HörerInnen-Fragen,
wo ich aber echt sagen muss, die gehen, also nicht am Thema vorbei will ich
gar nicht sagen, aber es ist so ein bisschen,
also ich ziehe hier mal was raus, einfach, dass wir mal schauen können,
abgesehen davon hier, Dirk grüße ich übrigens hier mit Mahl,
die Christen sind auch nicht besser, die Konservativen, aber zum Beispiel,
es gibt so dieses, wo haben wir das denn eigentlich hier?
Da hat man einfach manchmal so diese Geschichte, da ist dann im Islam,
die Mutti hat zu Hause die Hosen an, Männer in der Öffentlichkeit und BDSM ist
doch eigentlich das gleiche, nur halt mit Konsens.
Also sind da nicht ganz viele Parallelen und weiß ich nicht.
Also das glaube ich entspricht nicht deiner Lebensrealität.
Dilara
Jein. Also ich habe die Paare, die ich kennengelernt habe, die muslimischen
Paare, da ist es tatsächlich dann so, dass die Frau im Haushalt sehr das Sagen hat.
Also das ist, die leben aber sehr oft einfach auch gleichberechtigt.
Also im Sinne von die Frau entscheidet halt in dem Bereich, der Mann entscheidet
in einem anderen Bereich.
Da wird es dann auch oft so gemacht, das habe ich einmal tatsächlich erlebt
bei so einer Zusammenkunft, da ist die Frau losmarschiert, hat ihrem Mann den
Wäschekorb auf die Knie gestellt und gesagt, Schatz, du musst doch die Wäsche abhängen übrigens.
Und dann hat Eckmann, oh ja, habe ich vergessen, danke, ist aufgestanden und losgegangen.
Sebastian
Ja, da merke ich gerade, ich glaube, ich laufe da auch meinen eigenen Vorurteilen einfach hinterher.
Dilara
Ja.
Sebastian
Das ist fürchterlich, also.
Dilara
Nein, diese Fälle gibt es, die gibt es alle, leider. Da ist jeder Fall einer zu viel.
Es gibt diese Fälle von Ehrenmord, es gibt diese Fälle von Zwangsheirat.
Aber das hat mit Islam nichts zu tun, das ist dieser patriarchische Scheiß auf
gut Deutsch. Und natürlich schreien die Männer ganz laut danach,
weil ihnen das eine gewisse Macht gibt.
Das ist aber eine sehr hohle Macht, wie ich finde. Aber davon findest du im Koran nichts. Nichts.
Sebastian
Im Umkehrschluss bedeutet das doch, BDSM ist zumindest für Frauen sehr unattraktiv,
weil wenn sie in einer patriarchischen Gesellschaft leben, also dort wo sie
leben, der Staat in dem sie leben, da ist es ja nur nochmal eine Vertiefung der Unterdrückung.
Das funktioniert nicht.
Dilara
Würde ich jetzt so nicht sagen. Weil du hast ja in der patriarchischen Gesellschaft keinen Konsens.
Sebastian
Ja, aber dann muss ich das ja nicht nochmal drauflegen und sagen,
jetzt machen wir das noch mit Konsens. Das macht es auch nicht anders.
Dilara
Naja, wenn du es freiwillig machst, ist es was anderes, als wenn du es machen musst.
Sebastian
Okay, aber da behauptet ja immer die Gesellschaft, das Patriarchat ist ja Konsens.
Wahrscheinlich zwischen den Männern und Allah.
Dilara
Ja, nein, hat es auch mit Allah nichts zu tun.
Sebastian
Oh, jetzt fange ich an, fürchterlich zu interpretieren und mich in tausend Essen
zu setzen. Also ich will das gar nicht schlecht reden.
Es ist halt wirklich so eine Reise zum Erforschen, weil ich einfach,
ich empfinde BDSM als etwas, das ist halt Sexualität.
Das kann jeder machen, das kann jeder gut finden.
Völlig unabhängig davon, wie er glaubt, lebt, liebt, welches Geschlecht.
Es spielt einfach keine Rolle.
Natürlich wird es kompatibler, wenn ein Mann mit einer Frau,
dann sind halt manche Sachen einfacher.
Aber ich glaube, das sind tatsächlich zwei mehr getrennte Themen,
als ich bisher auf dem Schirm habe. Man muss das, glaube ich, nur entscheiden.
Dilara
Es gibt nicht das BDSM und es gibt aber auch nicht den Islam.
Also du kannst jetzt nicht mich vergleichen mit jemand, der vielleicht in einer
islamischen Familie aufgewachsen ist, in einer konservativen islamischen Familie.
Das wird nicht funktionieren.
Die sind ganz anders konditioniert als ich.
Sebastian
Ja, dann bitte hier mal melden bei mir, dann reden wir.
Dilara
Die denken da auch ganz anders drüber. Du kannst aber jetzt auch nicht dich
vergleichen mit einem indischen Feldarbeiter.
Das ist genauso, wo du sagst, das sind zwei komplett andere Lebensentwürfe.
Sebastian
Ja, also du öffnest mir da gerade ein bisschen die Augen. Und das ist wirklich
alles wesentlich entspannter, zumindest aus deiner Perspektive.
Ich forsche da noch ein bisschen drum.
Aber ich glaube, es gibt trotzdem gewisse Tabus.
Ich meine, du betest ja zum Beispiel.
Und BDSM ist ja auch etwas, was dich bewegt. Also muss das ja irgendwie auch
Teil von einem Gebet sein.
Dilara
Nein, wieso?
Sebastian
Ich weiß nicht, wenn du was erlebt hast und dann musst du da,
ist das Teil des Gebets, dann kann das ja auch ein Teil sein,
der BDSM betrifft. Findest du nicht?
Dilara
Nö, ein Gebet ist was ganz was anderes. Ich bete ja, ich gehe ja auch nicht,
wenn ich jetzt zum Beispiel, ich war jetzt essen und habe das geilste Essen
meines Lebens gegessen.
Dann bete ich ja auch nicht über das Essen.
Sebastian
Naja, also okay, dann nehme ich jetzt nochmal schön, also ich habe ja die heilige
Kommunion empfangen und habe ich gelernt, dass man da ja viel einbauen kann.
Oh Gott, hoffentlich habe ich das nicht völlig falsch gespeichert,
aber im Grunde, bitte lieber Gott, lass mich diese Frau zu meiner Sklavin machen,
ich finde die so toll und ich will mit der BDSM machen.
Das ist kein Gebet, was man an der Lage richtet, habe ich das Gefühl.
Dilara
Machst du aber prinzipiell nicht. Also ich habe zum Beispiel von meinem Sofimeister
eben auch gelernt, da ging es mal irgendwann um das Gebet.
Und das darf man im Islam auch nicht verwechseln. Es gibt einmal diese fünf
Pflichtgebete, die sind sehr ritualisiert, die haben einen Ablauf.
So ähnlich wie das Vaterunser. Da hast du den gleichen Text,
da hast du Abläufe, die machst du halt und dann hast du das Gebet erledigt.
Und dann gibt es etwas, das ist ein Bittgebet. Das heißt, da hast du einen ganz,
da sprichst du einfach wirklich so, wie dir auf gut Deutsch der Schnabel gewachsen ist.
Da musste ich immer sehr lachen, da habe ich mit meiner Ex-Schwiegermutter mal
darüber diskutiert, in welcher Sprache, weil ich habe mich immer so aufgeregt,
wenn es immer in so konservativen Moscheen hieß, du musst Arabisch lernen,
sonst versteht dich Allah nicht.
Da habe ich ihr das mal so erzählt und dann grinst sie so und sagt,
ja, weißt du, Arabisch, okay, das versteht er, das kann ich verstehen,
In Türkisch wahrscheinlich auch noch, aber Deutsch nö.
Und musste dann selber furchtbar lachen.
Also das ist so, nur um mal die Unterschiede noch mal so ein bisschen zu sagen.
Also ein Bittgebet ist wirklich was, da rede ich so, wie mir der Schnabel gewachsen
ist. Das kannst du dir vorstellen wie so ein Gespräch mit einem sehr, sehr guten Freund.
Da sage ich dann eher Sachen, die mich bewegen. Also jetzt nicht unbedingt,
oh bitte, ich möchte diesen Mann den Arsch versohlen.
Ich habe halt immer gelernt, für mich selber, wenn ich was wünsche,
das ist ziemlich egoistisch. Wenn, dann muss ich es mir für alle wünschen.
Also wenn, dann muss ich zum Beispiel für alle sagen, ich wünsche mir,
dass alle Menschen eine erfüllende Sexualität haben für sich.
Weil wenn ich es mir für mich selber wünsche, ist es ein bisschen egoistisch.
Sebastian
Ja, aber du kannst ja auch mal Danke sagen.
Dilara
Natürlich.
Sebastian
Danke für die Session.
Dilara
Nee, das ist für mich getrennt. Sagen wir mal, so eine Session ist für mich
jetzt nichts, was mein Leben so beeinflusst, dass ich es in einem Gebet erwähnen muss.
Ich kann zum Beispiel sagen, danke für diesen Menschen in meinem Leben,
weil ich von dem ganz viel gelernt habe oder weil der mir ganz viel zeigt oder
weil der mir einfach ganz viel gibt oder weil wir uns gegenseitig ganz viel geben.
Sebastian
Ja, okay. Okay, dann kann ich jetzt nur noch meine letzte Geheimwaffe auspacken.
Ich versuche jetzt nochmal ein Tabu zu finden.
Ja, ich habe ja eins, es ist so das
Undenkbarste, wenn sich jemand diesen Audioschnipsel immer draus zieht.
Also sicher nicht okay ist es, auf dem Gebetsteppich gen Mecca sich spanken zu lassen.
Okay, was außerdem? Also gibt es so Sachen, wo du sagst, nee,
davon nehme ich Abstand aufgrund meines Glaubens?
Dilara
Ich hätte jetzt zum Beispiel nicht, würde jetzt nicht sagen,
es ist eine geile Idee, auf dem islamischen Friedhof zu gehen und da eine Session zu machen.
Würde ich aber auf einem christlichen Friedhof auch nicht machen,
weil ich nicht die religiösen Gefühle von irgendjemand verletzen möchte.
Was ist noch keine geile Idee?
Ich würde jetzt vielleicht nicht sagen, ich möchte bitte während wir eine Session
haben, dass du die und die Surah rezitierst für mich auf Arabisch.
Das wäre für mich auch ziemlich schräg.
Sebastian
Das wäre respektlos gegenüber Allah?
Dilara
Das passt einfach nicht. Das sind für mich, das passt nicht zusammen.
Sebastian
Okay. Generell, das sind zwei getrennte Zimmer quasi und du kannst nicht in
beiden gleichzeitig sein.
Dilara
Ja, aber es ist okay für mich. Es ist jetzt nicht so, dass ich sage,
ich möchte aber, dass diese zwei Zimmer eins sind.
Sondern ich habe ja viele Facetten. Ich habe ja nicht nur, ich bin entweder
die Super Domse oder die Super Sub oder die Super Muslima, sondern ich habe so viele Facetten.
Die müssen gar nicht alle zusammen auftauchen.
Sebastian
Pass auf, ich gucke jetzt durch meine Liste durch. Ich kann das hier alles durchstreichen.
Du bist da so tiefenentspannt.
Das macht mich glücklich, weil ich habe wirklich Hörerfragen eingesammelt und
dachte mir so, schwierig.
Da bist du nicht die richtige Kandidatin für diese Fragen. Die hebe ich mir einfach auf.
Dilara
Okay.
Sebastian
Ja, das ist wirklich so. Also das ist wirklich spannend zum Teil.
Aber da geht es halt ganz viel, wie gesagt, zum Beispiel, es gibt diesen Niqab-Fetisch,
also gibt es Pornos, wo halt mit Kopftuch gefügelt wird etc.,
ob das als respektlos empfunden werden würde oder ob dich das belästigt.
Ich glaube, das geht ja am Arsch vorbei.
Dilara
Ja, also ich weiß, dass es das gibt. Ich habe da auch mal, ich weiß gar nicht
mehr, bei welchem, also irgendwann habe ich mal so einen Schnipsel aus so einem
gesehen und dachte mir nur so, Gott, wenn du meinst, dann mach halt.
Es geht halt völlig an der Intention vorbei, aber dann mach halt.
Also das ist, ja, das ist mir wirklich völlig wurscht.
Sebastian
Ich glaube, da würde ich bei dem Thema echt einen Strich drunter machen.
Wenn du möchtest, also wenn du da noch was erzählen möchtest,
dann bist du da völlig offen.
Bin ich völlig offen dafür? Jetzt fange ich schon an, hier irgendwie komische
Sachen zu reden, ich muss mehr trinken.
Dilara
Also so als Botschaft sozusagen oder so als Überschrift für mich auch,
warum ich diesen Podcast eigentlich mitgemacht habe,
ist für mich eigentlich, dass ich sage, ich möchte nicht, dass irgendjemand
denkt, das geht nicht miteinander.
Also dass irgendjemand jetzt von mir sagt, ich bin ein gläubiger Moslem,
deswegen kann ich diesen Teil meiner Sexualität nicht ausleben.
In meinem Kopf und in meinem Herzen ist das nicht so.
Weil ich kann nur dann ein guter Mensch sein und ein ehrlicher Mensch sein,
wenn ich das, was ich für mich machen möchte, auch machen kann,
ohne anderen bewusst zu schaden.
Und das ist im BDSM so.
Also wie ich das dann auslebe, das ist für jeden Einzelnen, aber das ist ja
in der BDSM-Szene sowieso, da kann man keine große Bibel drüber schreiben.
Das ist für mich einfach nur so, falls wirklich mal ein Moslem diesen Podcast
hören sollte, dass der damit vielleicht auch ein bisschen kämpft,
dass ich dann wirklich nur mitgebe mit, ich glaube nicht, dass sich das ausschließt.
Sebastian
Und wenn er kämpft und da Fragen an dich hat, dann kann er sich wahrscheinlich
einfach direkt an dich wenden. Kontaktdaten wird es geben.
Ich bin noch nicht ganz fertig mit dir, also wir sind noch nicht bei der Verabschiedung,
wenn das in Ordnung ist. Ich habe ja vielleicht noch das eine oder andere Ass im Ärmel.
Meine Frage geht ja immer so in die Richtung Zukunft. Also wenn wir jetzt gucken,
so BDSM-mäßig, du spielst gerade wirklich glücklich zu sein und ausgelastet, das passt alles.
Da gibt es gar kein Verbesserungspotenzial mehr.
Das kann ich mir ja gar nicht vorstellen. Wo du sagst, so Mensch,
das sind so Dinge, da bin ich neugierig, das mag ich noch probieren,
da mag ich mich hin entwickeln.
Wo sehe ich dich, wenn ich jetzt im Jahr, zwei Jahre nochmal gucke?
Dilara
Pff, woher soll ich das wissen?
Sebastian
Ja, aber was reizt dich noch? Wo sagst du, boah, das ist aber spannend irgendwie,
was weiß ich, die Sklavenversteigerung, auf der du dann… Nee.
Dilara
Also mit Sklaventum habe es ich generell nicht, weder aktiv noch passiv.
Das ist nicht meins. Was reizt mich? Ja, so Playpartys reizen mich schon noch.
Das ist nach wie vor was, wo ich sage, das finde ich schön, das finde ich toll.
Ich möchte selber auch ein bisschen besser fesseln können. Da bin ich noch sehr
an den Anfängerschuhen. Das habe ich aber gemerkt, dass mir das auch ziemlich viel gibt.
Da würde ich mich gerne so ein bisschen weiterentwickeln.
Ansonsten, ja, du, das ist für mich ganz schwer zu sagen, Weil,
weißt du, immer wenn ich sage, ich möchte dann noch dies und das und jenes,
dann schlägt wieder irgendwo ein
Blitz ein und der Weg ist dann von einem Geröllschutt völlig blockiert.
Das hatte ich jetzt schon relativ häufig auf meinem Lebensweg und deswegen,
ich kann es dir wirklich nicht sagen. Ich kann nur sagen, ich bin neugierig,
ich bin auch gespannt auf das, was da so kommt.
Ich freue mich natürlich auf diverse Sachen, die ich mir so vorstellen kann.
Es ist aber jetzt alles kein Muss. Also jetzt nicht, wo ich sage,
wenn ich das nicht erlebe vor meinem Tod, dann gehe ich nicht glücklich von dieser Welt.
Sebastian
Also absolut beneidenswert. Also du bist einfach da, wo du sein möchtest.
Dilara
Nee, auch nicht. Also es ist nicht so, dass ich sage, ich bin da völlig im Zenn
und um Shanti den ganzen Tag oder so.
Nee, ich habe genauso meine Kämpfe und mein, also vielleicht sogar noch mehr
als jeder andere. Ich weiß es nicht.
Ich bin also mitnichten jemand, der sagt, oh, ist alles so wunderschön und rosarot
und ich möchte mich nie mehr weiterentwickeln.
Aber ich weiß halt einfach, dass da ganz schön viel schief gehen kann.
Oder vielleicht im Nachhinein geht es nicht schief, sondern geht genau richtig.
Aber ich weiß es halt einfach nicht und ich möchte jetzt nicht für mich einen
Fahrplan ausbaldobern, was passieren könnte.
Ich lasse mich da generell einfach gern treiben.
Sebastian
Ich glaube, das ist tatsächlich ein schönes Schlusswort.
Nein, also ich bin, also du hast mich jetzt wirklich hier zwei Stunden in einer
Tour angelächelt und mir jede noch so blöde Frage geduldigst beantwortet.
Ich finde das großartig und ich war eh total begeistert, als du gesagt hast,
ja, ich wäre bereit, mit dir zu sprechen. Das fand ich schon toll.
Da habe ich mich unglaublich gefreut und das, was wir jetzt auch hingekriegt
haben, herrlich. Also wunderbar.
Pass auf, dann schauen wir nochmal, wie man dich kriegen kann.
Also wenn man zu dir Kontakt aufnehmen möchte, ich schreibe da irgendwas in
die Shownotes rein, was du mir halt sagst.
Du kannst aber auch hier gerne mal was sagen, wie ein Twitter-Handle oder sowas,
wenn du da was erwähnen magst.
Dilara
Ja, über meinen Twitter-Handle oder über meinen Blog, da kann man mir ja auch
Nachrichten schreiben.
Sebastian
Du darfst gerne sagen, wo man das beides findet oder wie das Handle heißt.
Dilara
Warte, ich muss selber erstmal gucken. Ich weiß nicht, wie mein eigenes Twitter-Handle
heißt. Das ist jetzt schon ein bisschen peinlich.
Sebastian
Das ist überhaupt nicht schlimm. Ich weiß auch nie, ob mein Twitter-Handle Kunstunvernunft
ist oder Kunst der Unvernunft.
Ich weiß es immer nicht, ja. Eins von beiden ist es, ich gucke gerade selber
nach, bei mir ist es Kunstunvernunft.
Dilara
Also bei mir ist es Aurora Dilara.
Sebastian
Aurora Dilara, das schreibe ich auch so in die Shownotes rein und da kann man
ich glaube, mit allen Rückfragen kann man dich da belästigen und du wirst geduldig antworten.
Dilara
Ja, solange man mir nicht blöd kommt.
Sebastian
Ich habe das beste Publikum der Welt, ganz ehrlich, die sind so lieb.
Ich habe das, glaube ich, nur ein einziges Mal gehört, dass jemand da blöde
Zuschriften bekommen hat.
Dilara
Ja, das schenke ich mir.
Sebastian
Finde ich absolut großartig, das ist echt schön und im Gegenteil,
also da ist echt viel Kommunikation, was im Hintergrund passiert,
was ich gar nicht mitkriege, das ist immer wieder schön und ich hoffe einfach,
wenn da jemand Fragen hat, dann kann man da mal schauen.
Ich würde dich gerne einladen, wenn du magst, mit ein bisschen weniger Technikaufwand.
Ich mache ja gelegentlich Live-Sendungen jede Woche.
Ich würde dann so einige Wochen warten, bis das hier erschienen ist.
Also wenn das hier erschienen ist, danach noch einige Wochen warten.
Und wenn ich dann merke, oh, das Publikum hat ja eine oder andere Frage oder
so, dann würde ich mit dir gerne mal so ein kleines Update machen,
wo auch das Publikum Fragen stellen kann.
Dilara
Ja, gerne.
Sebastian
Okay, wunderbar. Hat Ja gesagt, schreibe ich hier auf. Hat Ja gesagt.
So, ich muss ja mal alles notieren. Ich werde ja jetzt langsam alt und muss
dann immer irgendwelche Dinge nachfragen.
Dilara
Ich kenne das. Ich kenne das. Eines der wenigen Dinge, wofür ich für die moderne
Technik echt dankbar bin.
Ich habe nämlich im Handy die Notizfunktion, die rettet mir den Arsch.
Sebastian
Podcast hat ja, glaube ich, inzwischen 2000 Seiten und OneNote,
wo alles drin steht. Das ist fürchterlich.
Dilara
Sehr gut.
Sebastian
Ich kann nur sagen, vielen, vielen Dank für deine Geduld, Auskunftsfreude und
einfach, dass du diesen Spirit, dieses ich mache schöne Dinge und erlebe sie und genieße es.
Dass du mir das hier einfach mal wieder mitgegeben hast, hat mich sehr gefreut. Dankeschön.
Dilara
Sehr, sehr gerne. Ich danke dir auch für die Einladung. Es war mir echt ein
Vergnügen und ein Fest. Hat sehr viel Spaß gemacht.
Sebastian
Und liebes Publikum, macht's gut. Ja, bis zum nächsten Mal. Tschüss.
Dilara
Tschüss.